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Wie lebe ich vorbildlich und integer?

1. Timotheus 4,1215.02.2026
Nicht deine Leistung zählt, sondern ob dein Leben zu deinem Glauben passt. Worte, Alltag, Liebe, Vertrauen und Reinheit – wo klafft bei dir noch eine Lücke?

Ein bewegter Einstieg aus dem Gottesdienst

Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen!
Das geht mir genauso wie im Gebet gerade angeklungen. Man kommt aus einer ersten Stunde, in der wir unseren Herrn angeschaut haben, und diese Stunde hat mich sehr tief bewegt. Ich finde es irgendwie schön, wie Gott so lebendig auch eine Gottesdienststunde gestaltet, inklusive des Chorlieds, in dem man dann immer wieder sehr schön versetzt zu hören bekommt: Ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst. Das ist Gnade, oder? Das ist Gnade.
Ich habe gedacht, das hat sich heute so schön in der ersten Stunde widergespiegelt. Ich bin da noch vollgesogen wie so ein Schwämmchen, weil ich mir denke, das war so viel. Wir haben von Joschafat gelesen, einem Mann, der ein Millionenheer hat und der nicht auf die Stärke seiner Krieger vertraut, sondern sagt: Herr, wir haben es nicht drauf. Ich gebe eine Kapitulationserklärung als Schlachtherr ab, und ich ziehe lieber in den Krieg mit Lobgesang, mit Männern, die weiße Kleider anhaben, die Gott die Ehre geben. Und Gott sagt: Der Kampf ist nicht eure Sache, sondern meine.
Dann haben wir von David gelesen, diesem gewaltigen Helden, der passen muss, als er die Rüstung anbekommt, und sagen muss: Das haut nicht hin, ich kann mich auf diese Rüstung nicht verlassen. Und Gott stellt sich zu diesem Hirtenjungen, und er schlägt den Riesen mit seinen eigenen Waffen.
Wir haben von den Frauen gelesen, ganz zu Beginn, die zum Grab kommen. Und wir lesen in den Evangelien, dass sie Öle dabei hatten, wohlriechende Öle, und sie stellen fest, dass sie diese Öle nicht mehr brauchen, denn der Herr ist auferstanden und lebt.
Er hat noch mehr begeben, ihr wart selber mit dabei. Aber wenn man sich das alles vor Augen führt, dann sind das alles Begebenheiten, in denen Gott Geschichte schreibt mit Menschen, um ihnen deutlich zu machen: Das, was ihr habt, das brauche ich nicht.
Da habe ich gedacht, das ist gleichzeitig auch sehr demütigend, oder? Wenn wir über Gnade nachdenken, dann stellen wir fest: Das, was der Gnade, glaube ich, entgegenstehen kann, ist nur ein Umstand, und das ist unser eigener Stolz, fehlende Demut und die Bereitschaft, sich selbst zu hinterfragen.

Eine Frau, die Gnade versteht

Ich habe in der ersten Stunde die ganze Zeit an eine Frau gedacht, eine kanaanäische Frau. Sie hat ein ganz großes Problem: Ihr Töchterchen ist krank geworden, richtig krank. Und sie macht sich auf den Weg, um dem Herrn Jesus zu begegnen, und sagt: Erbarme dich meiner, Herr, Sohn Davids! Und obwohl diese Frau von den Heiden kommt, hat sie sehr gut begriffen, wer der Herr Jesus ist.
Und der Jesus ignoriert diese Frau. Er geht weiter, und den Jüngern geht die Frau irgendwann auf den Zeiger. Und sie sagen: Hör mal, kannst du mal dafür sorgen, dass die Frau schweigt? Und dann sagt er: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. Und wir finden die Begebenheit in Matthäus 15.
Mach es nur im Überblick: Sie aber kam und warf sich vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir! Und das kann man doch verstehen, oder? Es ist ein Ausruf von einer Mama, die ihr Kind lieb hat, die keine Mühen scheut, der es egal ist, wie sie dasteht, weil sie einfach nur Angst um ihre Tochter hat. Herr, hilf mir!
Und dann sagt der Jesus: Es ist nicht schön, das Brot den Kindern zu nehmen und den Hunden hinzuwerfen. Das ist mal eine Ansage, oder? Und wie reagiert diese Frau? Und ich finde das so vorbildlich: Sie sprach: Ja, Herr, doch es essen ja auch die Hunde von den Krumen, die von dem Tisch ihrer Herren fallen. Und als der Jesus diesen Glauben sieht, sagt er: Geh zurück, deiner Tochter geht’s gut.
Diese Frau lebt uns vor, was es bedeutet, Gnade für sich in Anspruch zu nehmen. Diese Frau zeigt uns deutlich auf, dass wir selbst nicht genügen, wenn wir vor dem Herrn Jesus erscheinen wollen, dass unsere besten Taten nur Dreck sind. Dass es nicht ausreicht.
Also, ich glaube, die größte Demütigung, die wir als Christen erlebt haben, ist das Kreuz, weil unser Herr uns da deutlich macht: Egal, womit du glänzen scheinst, es bringt nichts. Es bringt dich nicht näher zu mir. Ausschließlich mein Werk vom Kreuz, das rettet dich.
Und wie selig ist es, wenn man wie die Frau erkennt: Selbst wenn ich ein Hund bin, der nur von den Krumen isst, das ist besser als alles andere. Wir haben gestartet mit den Frauen, die sich niederwerfen vor den Füßen des Herrn Jesus, und ich habe gedacht, irgendwie ist das, was sie mit den Hunden beschreibt, genau das Gleiche. Auch die Hunde essen das, was unten an den Füßen herumliegt, von dem, was runtergefallen ist.
Diese Frau erlebt, was Gnade ist.

Ein persönliches Bild von Gnade

Und weil hier einige Kinder dabei sind, habe ich eine schöne Geschichte für den Staat. Ich habe gedacht, es gab eine Begebenheit in meinem Leben, in der ich begriffen habe, was Gnade bedeutet. Das war, als ich bei meinem Freund war. Er ist Landwirt, und er hatte mich zum Gänsekeulen eingeladen. Also, anders war es nicht unbedingt, je nachdem, wenn man es mag, schön.
Ich kam am Abend davor an, weil wir ab fünf Uhr anfangen wollten, die Gänse zu zerlegen. Mein Freund hat drei Töchter, und er hatte so um die achtzig Gänse. Na ja, der Wecker schrillte bei uns schon um vier Uhr. Das war aber kein Wecker im eigentlichen Sinn, sondern das war die älteste Tochter meines Freundes, die durchs Bauernhaus schrill schrie, weil sie panisch realisierte: Meine Lieblingsgans, die geht heute drauf.
Das war eine richtig schöne Gans, nicht eine weiße, sondern sie war so ein bisschen braun gefärbt. Und da hat sie sich für ihre Gans richtig ins Wort gelegt. Mein Freund ist eigentlich sehr rabiat, also der kennt das Emotionale nicht so unbedingt. Aber irgendwann war es ihm zu wild und zu bunt, weil das Geschrei wirklich zu durchdringend war. Dann sagte er irgendwann: Ja, komm, du sollst deine Gans haben.
Und ich kam in dem Moment runter, als die Tochter ihren Triumph feierte. Die Gans war für sie gerettet, ja. Das ist ja ein schönes Bild: Da verwendet sich jemand für so eine Gans. Und wenn man da denkt, man hat das Bild von Gnade schon ergriffen, weit gefehlt, es geht noch eins drauf.
Denn mein Freund ist ja sehr berechnend, und die Bauernschläue, das ist wahrlich wahr. Dabei war das schon gut, was er gedacht hat. Der sagte nämlich: So eine Gans alleine ist ja eine doofe Sache, wir brauchen noch einen Ganter dabei. Tommy, komm mal mit raus in den Stall.
Dann sind wir da im Stall gewesen und haben einfach geguckt: Wo ist der erste Ganter? Also dieser Ganter, den wir da gegriffen haben, der allererste, den wir aus der Menge rausgezogen haben, der hat es geschafft. Immer geguckt, nein, nein, nein, bei den anderen war klar, das ist eine Gans, die bald woanders ist. Aber der erste Ganter, den wir rausgezogen haben, der hat es geschafft. Der wurde mit dieser schönen Gans in ein extra Gehege geführt und war sicher.
Da habe ich gesagt: Das ist eigentlich Gnade, oder? Dieser Ganter, der hat es überhaupt wirklich gar nicht verdient. Also der war weder schön noch sonst was. Der hatte nicht die Zuneigung der Tochter. Der war einfach dafür da, damit man dann entsprechend auch für Nachwuchs sorgen konnte im Folgejahr. Da habe ich gesagt: Das ist Gnade. Und das ist eine schöne Sache, wenn es um Gnade geht.

Dankbarkeit, Gemeinschaft und das Thema des Tages

Ja, das bewegt uns als Familie sehr. Wir sind sehr dankbar, hier zu sein, und danken euch für eure Liebe, Gastfreundschaft und Herzlichkeit. Man fühlt sich einfach pudelwohl. Und man denkt: Wie schön wird es im Himmel sein, wo wir alle Zeit der Welt haben werden, um uns zu unterhalten und vor allen Dingen unseren großen und herrlichen Herrn und Heiland immer wieder neu zu loben, ihn anzubeten und ihm zu danken für seine Gnade, dass er sein Leben gelassen hat.
Wir haben heute ein Thema, über das wir durchgehen wollen: vorbildlich und integer. Ich weiß nicht, wie es hier geht. Mit vorbildlich lebe ich vorbildlich und integer. Mit vorbildlich werden wahrscheinlich viele noch begreifen, was das bedeutet, ein Vorbild zu sein. Aber integer, das ist schon so ein komisches Wort. Was bedeutet das überhaupt?
Ich habe euch eine Definition mitgebracht. Der Duden definiert vorbildlich als hervorragend und deshalb jederzeit als Vorbild dienend, moralisch oder in seiner Gestaltung mustergültig. Also, das ist richtig gut. Und was bedeutet integer? Integer bedeutet unbescholten, moralisch einwandfrei, unbestechlich, sagt der Duden. Das ist ein bisschen kompliziert. Und Wikipedia macht es einfacher: Integrität ist eine möglichst weitgehende Übereinstimmung zwischen den eigenen Idealen und Werten und der tatsächlichen Lebenspraxis.
Dieses Integere, das Integersein, das empfinde ich als einen sehr wichtigen Umstand für das Leben eines Christen. Dass da keine Kluft ist zwischen dem, was man sagt, und dem, was man tut. Sondern dass sich das, was wir hier heute sonntags gemeinsam feiern, mit unseren Montagen bis Freitagen deckt. Dass sich dein Verhalten heute Morgen nicht von dem Verhalten unterscheidet, das du gegenüber deinen Arbeitskollegen an den Tag legst. Dass sich dein Verhalten mit einer Tasse Kaffee hier, gleich mit deiner Schwester, nicht unterscheidet von dem Gespräch, das du mit deiner Nachbarin hast.
Das ist, glaube ich, ein sehr wichtiger Punkt. Warum? Weil die Menschen sehr genau schauen, wie wir drauf sind. Paulus sagt: Ihr seid ein Brief Christi. Und das bedeutet, dass wir gelesen werden. Die Leute lesen nicht zwingend die Bibel, leider. Es ist schön, wenn man sie ihnen dahin bringt. Aber sie lesen dein und mein Leben. Und was werden sie da feststellen? Wie schaut das aus?
Ich habe mich sehr gefreut über die Einleitung, auch mit dem Hinweis auf die älteren Geschwister. Gemeinde lebt ja von allem. Es ist ja so herrlich, diese mehreren Generationen unter einem Dach zusammen zu haben. Und der Herr ist derjenige, auf den wir gemeinsam blicken dürfen und den wir gegenseitig ermutigen dürfen.

Vorbilder, die zusammenpassen

Der Schreiber des Hebräerbriefes sagt das in Hebräer 13,7 sehr deutlich: Gedenkt eurer Führer, die das Wort Gottes zu euch geredet haben; schaut den Ausgang ihres Wandels an und ahmt ihren Glauben nach.
Und da stellen wir fest: Er macht hier deutlich, dass der Wandel der Stimmen mit dem Glauben komplett übereinstimmt. Da ist keine Kluft, da ist keine Lücke, die man feststellen könnte, wo man sagt: Okay, der kann zwar schön reden, aber er lebt es nicht. Sondern das deckt sich. Das Reden deckt sich komplett mit dem Tun.
Und das allergrößte Vorbild, das wir haben, ist natürlich unser Herr und Heiland Jesus Christus. Jesus wird einmal gefragt: Wer bist du? Und diese Frage ist eine sehr existenzielle Frage. Sie wird auch heute oftmals gestellt: Wer bin ich? Diese Frage treibt uns auch oft um, oder?
Als Christen dürfen wir sagen: Wer bin ich? Meine Identität ist in Christus. Aber was heißt das? Was bedeutet es, wenn man das durchbuchstabiert?
Dietrich Bonhoeffer hat einmal aus dem Gefängnis heraus dieses Gedicht geschrieben: Wer bin ich? Und dann führt er aus, dass viele Leute seinen Glauben bewundern, dass er nach außen hin sehr gefasst wirkt. Und dann endet dieses Gedicht mit den Zeilen: Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott. Und dann sagt er: Wer ich auch bin, dein bin ich, du kennst mich, o Gott.
Also die Frage, wer bin ich, treibt uns wirklich manchmal in so eine große Not, dass wir es nicht mehr ausdrücken können, was mit uns passiert. Vielleicht dringt gerade so viel um uns herum auf uns ein, dass wir den Halt unter den Füßen verlieren und anfangen zu wanken.
Jesus bekommt diese Frage gestellt: Wer bist du? Und dann sagt Jesus, und das finde ich so kostbar, und er ist derjenige, der es mit dieser Gültigkeit sagen darf: durchaus das, was ich auch zu euch rede. Das finde ich so herrlich.
Wenn wir den Herrn Jesus kennenlernen dürfen, dann stellen wir fest: Wir dürfen uns auch seine Reden anschauen, und wir werden feststellen, dass das, was er sagt, das ist er auch. Wenn er sagt: Ich bin der gute Hirte, dann ist er auch der gute Hirte. Wenn er sagt: Ich bin der Weg, dann ist er auch der Weg. Wenn er sagt: Ich bin die Wahrheit, dann ist das nicht ein verkappter Philosoph, sondern er ist die Wahrheit. Und wenn er sagt: Ich bin das Leben, dann sitzen hier ganz viele lebendige Beweise dafür, dass der Herr uns aus dem Tod in das Leben herausgerufen hat.
Das ist unser Herr und Heiland Jesus Christus. Und er ist das strahlendste Vorbild, wenn es um Integrität geht. Er ist eigentlich das, woran wir das perfekte Vorbild sehen, wenn wir versuchen zu erkennen, welche Person sich maximal mit dem deckt, was sie sagt, und mit dem, was sie ist.

Gemeinde, Verantwortung und die Jugend

Ich habe einen Satz mitgebracht. Ich möchte euch ja auch so ein bisschen hier zum Denken animieren, nicht, dass ihr hier mir einschlaft. Ihr habt einen Satz mal gehört: Die Jugend ist die Gemeinde von morgen.
Und ich frage das jetzt nicht ab, ob ihr diesem Satz zustimmt oder nicht. Wer bei meinen Rechtskundeseminaren ist, weiß eh, dass die Antwort nicht ja oder nein ist, sondern: Es kommt darauf an.
Aber hier bei diesem Satz „Die Jugend ist die Gemeinde von morgen“ – den hört man öfter, den habe ich auch schon gehört – habe ich gedacht: Stimmt dieser Satz eigentlich? Kann man dem so zustimmen? Ich glaube: nein. Warum? Wenn der Satz stimmt, würde die Jugend ja eigentlich nicht zur Gemeinde gehören, oder?
Also wenn man sagt: Die Jugend ist die Gemeinde von morgen, ja, dann könnt ihr jetzt erst mal noch schön nach draußen gehen und Kaffee schon mal vortrinken oder so. Das wäre ein bisschen fatal, oder? Der Satz ist eigentlich völlig verfehlt.
Es kann sein, dass die jungen Brüder die Leiter von morgen sind und die jungen Schwestern die Mütter von morgen sind. Aber wer Teil von etwas ist, der trägt auch immer Verantwortung. Und deswegen gehört eine Jugend genauso in die Gemeinde wie die alten Geschwister, an die wir heute auch besonders gedacht haben. Und das ist gut so.
Gemeinde besteht aus Jung und Alt, und wir sind füreinander da. Wir haben, egal in welchem Alter wir sind, eine Verantwortung für unsere Gemeinde.
Meine Mama ist seit dem 1. April 23 eine Witwe, und die hat mir schon oft gesagt: Tommy, warum bin ich noch da? Und mittlerweile haben wir uns auf eine Antwort verständigt, weil ich sage: Mama, es ist so kostbar, dass du da bist.
Jetzt habe ich dir die Woche noch Besuch gehabt, also letzte Woche. Dann kommst du ins Wohnzimmer rein und dann siehst du einen Sessel und davor ist ein Kissen. Und da weißt du, dass dir gerade ein geliebtes Gotteskind ganz gewaltige Siege erringt auf den Knien.
Wie kostbar ist es, wenn wir eine Aufgabe sehen und die auch wahrnehmen, mit unseren Begrenzungen, die uns vielleicht auch der Herr auferlegt, mit Sachen, wo wir nicht mehr weiterwissen, wo wir vielleicht noch mehr machen würden, und wir stellen fest: Es haut nicht mehr hin.
Wir haben eine Verantwortung für diese Gemeinde. Gemeinde ist nicht irgendwie eine Zusammenstellung von Leuten, irgendwie eine Funktion, sondern Gemeinde ist ein lebendiger Organismus, von Alt und Jung zusammengestellt, von Brüdern und Schwestern, die alle den Wunsch haben, den Herrn großzumachen und nach seiner Ehre zu streben.
Wir haben eine Verantwortung für Mitarbeiter in der Gruppe.

Vorbild im Wort

Ich habe einen Bibelfers gefunden, der für Jung und Alt gilt. Er richtet sich zunächst an einen jungen Bruder, nämlich Timotheus, und Paulus schreibt ihm das in 1. Timotheus 4,12. Dieser Vers betrifft fünf Lebensbereiche. Diese fünf Lebensbereiche gelten aber nicht nur für einen jungen Timotheus, sondern ebenso auch für einen Paulus, der diese Zeilen geschrieben hat.
Paulus schreibt in 1. Timotheus 4,12: Niemand verachte deine Jugend, sondern sei ein Vorbild der Gläubigen im Wort, im Wandel, in Liebe, im Glauben, in Keuschheit.
Das ist sehr spannend. Wenn wir den Brief von Paulus an Titus nehmen, dann lesen wir dort eine ganz ähnliche Ansage: Niemand verachte dich. Hier also ebenfalls: Niemand verachte dich, Timotheus. Auf der anderen Seite ist Paulus sehr fürsorglich und besorgt. Wenn wir den Korintherbrief nehmen, dann fällt so ein Satz recht schnell hinten über. Ganz am Ende, in 1. Korinther 16, schreibt Paulus dieser Gemeinde mit ihren vielen Baustellen, dass er Timotheus schicken wird. Und dann schreibt er in 1. Korinther 16,11: Es verachte ihn nun niemand.
Man könnte das im ersten Moment so lesen und sagen: Okay, Paulus oder Timotheus ist gerade in Ephesus, und das ist jetzt eine Ansage, die Paulus an diese Geschwister in Ephesus richtet. So nach dem Motto: Ihr lieben Leute, ihr habt Timotheus da, das ist ein junger Spund, aber keiner darf ihn verachten. Ich glaube, das ist nicht gemeint. Sondern gemeint ist vielmehr: Damit niemand dich verachtet, lebe vorbildlich!
Wer das sehr schön auf den Punkt gebracht hat, ist der liebe William MacDonald. Er schreibt in seinem Kommentar: Das bedeutet nicht, dass Timotheus sich selbst auf einen Podest stellen und sich immun gegen Kritik halten sollte. Es bedeutet, dass niemand Anlass hat, ihn zu verurteilen.
Man kann viel einfordern. Man kann auf vieles pochen, vielleicht sogar auf eine Begabung. Man kann eine Sichtweise haben oder einen geistlichen Stand. Aber besser als lange Reden ist es, sein Leben reden zu lassen. Besser als lange Reden ist es, sein Leben reden zu lassen. Wer vorbildlich ist, dem kann niemand etwas vorwerfen.
Deswegen schreibt Paulus: Niemand verachte deine Jugend, sondern sei ein Vorbild der Gläubigen im Wort, im Wandel, in Liebe, im Glauben, in Keuschheit. In diesen fünf Bereichen.
Wir wollen uns diese fünf Bereiche jetzt anschauen. Es ist gut, wenn ihr den 1. Timotheusbrief aufgeschlagen lasst, weil wir auch immer ein wenig darauf achten wollen, wo diese Begriffe im Einzelnen noch vorkommen.

Sprache, die trägt oder verletzt

Wir starten mit dem Wort Griechisch Logos. Das ist das Wort oder die Rede, und es geht hier um das persönliche Gespräch, unser Reden in der Öffentlichkeit. Also schon gleich, wenn wir hier rausgehen: Ich habe gehört, gleich werden wir mit dem Kaffee wieder beglückt. Das finde ich sehr sympathisch. Aber dann dein Reden beim Kaffee, okay?
Also hier auf der Kanzel wird keiner irgendwie etwas Schlimmes sagen. Aber wie schnell flutscht etwas raus bei einem Gespräch unter vier Augen. Und genau um dieses Reden geht es. John MacArthur schreibt in seinem Kommentar: Die Äußerungen eines Mannes sind das Spiegelbild seiner Seele. Und ich denke, dass er Recht hat, denn der Herr Jesus sagt einmal: Aus der Fülle des Herzens redet der Mund.
Wir können aus unserem Herzen oftmals keine Mördergrube machen. Und auch wenn wir uns versuchen, im Zaum zu halten, galoppiert unser Mund manchmal davon. Ja, und wir denken im Nachhinein: Das war nicht unbedingt intelligent, was ich da alles gesagt habe.
Und das ist sehr spannend, wo dieses Wort noch überall vorkommt. 1. Timotheus 5,19 zum Beispiel. Das ist immer schön, wenn man so einen Brief noch guckt, wo diese Andeutung auch noch mal vertreten wird. Und in 1. Timotheus 5,19 schreibt Paulus: Gegen einen Ältesten nimmt keine Klage an, außer bei zwei oder drei Zeugen.
4,7, blättern wir noch mal zurück. Wir machen ab 4,6. 1. Timotheus 4,6: Wenn du dies den Brüdern vorstellst, so wirst du ein guter Diener Christi Jesu sein, der sich nährt durch die Worte des Glaubens und der gesunden Lehre, der du gefolgt bist. Die unheiligen und altweiberhaften Fabeln aber weise ab, übe dich aber zur Gottesfurcht.
Und dann schwenkt man noch in den zweiten Timotheusbrief, in 2. Timotheus 2,17. Wir lesen ab 2. Timotheus 2,15: Strebe danach, dich Gott bewährt zur Verfügung zu stellen, als einen Arbeiter, der sich nicht zu schämen hat, der das Wort der Wahrheit recht austeilt. Die unheiligen, leeren Geschwätze aber vermeide, denn sie werden zu weiterer Gottlosigkeit fortschreiten, und ihr Wort wird um sich fressen wie Krebs. Dazu gehören dann, benennt Paulus sogar explizit Namen.
Ich finde das sehr bewegend, dass wir aufpassen sollen auf unsere Worte. Das ist ja schon faszinierend. Das Schöne ist: Diese Passagen, die brauchst du gar nicht groß erklären, oder? Denn wir wissen direkt, was gemeint ist. Wir wissen, dass es nicht gut ist zu lästern. Und doch versuchen wir, so Sachen selbst da schönzureden und zu sagen, wir stellen ja nur fest. Wir verwenden Verschönerungsformen, um Sünde besser dastehen zu lassen.
Wir reden nicht davon, dass jemand pornografiesüchtig ist, sondern wir sagen: Ja, der ist mal wieder gefallen, als er im Netz unterwegs war. Das ist irgendwie so seltsam. Ich bin ja Anwalt, und wir sind ziemlich gut zu verklausulieren. Aber ich glaube, dass wir uns auch im christlichen Bereich eine Sprache oft angewöhnt haben, um Dinge schönzureden, die nicht schön sind. Dass wir Dinge verharmlosen und verniedlichen, die nicht schön sind, die nicht schön sind, die nicht schön sind, die nicht schön sind, die nicht schön sind, die nicht schön sind, die nicht schön sind, die nicht schön sind, die nicht schön sind, die nicht schön sind, die nicht schön ist, die nicht schön ist, die nicht schön ist, die nicht schön ist, die nicht schön ist, die nicht schön ist, die weil es uns mit Schrecken erfüllt, wenn wir uns das Ausmaß des Unrechtes unserer Tat bewusst werden.
Die Bibel ist da sehr deutlich. Die nimmt kein Blatt vor den Mund, sondern nennt das Schlechte schlecht und das Gute gut. Deswegen ist es wichtig, dass wir uns ermutigen, auch auf unsere Sprache gut aufzupassen.
Mir ist Paulus ein sehr großes Vorbild. Wir machen gerade bei uns in der Gemeinde, nehmen wir den ersten Korintherbrief durch in der Bibel und Gebetstunde. Und dann hatten wir jetzt 1. Korinther 4,6. Und dann schreibt Paulus den Korinthern in 1. Korinther 4,6: Dies aber, Brüder, habe ich auf mich und Apollos bezogen um euretwillen, damit ihr an uns lernt, nicht über das hinauszudenken, was geschrieben ist, damit ihr euch nicht aufbläht für den einen gegen den anderen, nicht über das hinauszudenken, was geschrieben ist.
Das Wort Gottes, das ist das Gute, das, was wir ohne Probleme in den Mund auch nehmen dürfen und können. Paulus ist uns hier ein sehr großes Vorbild, über das hinaus zu denken, was geschrieben ist. Fünfmal hat er bis zu diesem Passus schon gesagt: wie geschrieben steht. Paulus führt also eine Rede aus, und es ist nicht einfach nur ein philosophisches Geschwätz oder irgendwie so eine Motivationsansprache von einem Manager, sondern Paulus führt etwas aus und sagt dann immer: wie geschrieben steht.
Und ihr könnt das gerne nachlesen, für die, die mitschreiben: 1,19, 1,31, 2,9 und 3,19 und 3,20, immer wieder: wie geschrieben steht. Paulus ist ein Mann des Wortes, und Paulus kann das Wort benutzen, um ein Vorbild zu sein. Er ist ein Vorbild im Wort, und das finde ich eine gewaltige Ermutigung.
Anwendung für uns: Was nehmen Menschen wahr, wenn wir unseren Mund öffnen? Ist Blödsinn so das Zentrum unseres Lebens? Was verschickst du alles über WhatsApp? Welche Lästerei und welche Gerüchte können bei dir auf fruchtbaren Boden fallen, weil du sie weiterträgst? Wie ernst ist dein Reden? Ist dein Reden mit Anteilnahme oder ohne Anteilnahme?
Leute bekommen das ja mit, diese Frage: Wie geht es dir? Ja schlecht, ja schön, dann mach es gut. Gar nicht zu realisieren, was der andere eigentlich gesagt hat. Wir sind so schnelllebig geworden. Nehmen wir noch tatsächlich Anteil am Leben von einem anderen und sind bereit zuzuhören? Das ist eine Sache, die also ich predige mir hier ja selber. Gott macht uns ja schon rein biologisch, schenkt er uns zwei Ohren und nur einen Mund. Also ich glaube, das hat einen Grund, damit wir mehr hören und weniger reden.
Was kommt da alles raus, was verlässt da alles den Mund? Wie sieht es aus mit Schimpfwörtern? Benutze das Wort mit sch. Was lässt du zu, was sonst an Beschreibungen deinen Mund verlässt?
Wir haben bei uns in der Mitarbeit, also wir machen einmal im Jahr eine Kinderfreizeit in Schoppen, und da versuchen wir, so manche Begrifflichkeiten zu streichen. Ein Wort ist zum Beispiel auch geil, wo wir sagen: Das Wort ist nicht gut, das hat eigentlich in unserer Sprache nichts verloren. Es kommt einmal vor in Jeremia, da wird es deutlich verwendet im eigentlichen Sinne: feiste geile Pferde sind sie wie ein jeder nach der Frau ihres Nächsten. Das betrifft die Sprache, um dann zu sagen: Weil das so ist, sensibilisieren wir uns, und wir sagen statt dieser Vokabel zum Beispiel steil oder so.
Also irgendwie eine Brücke schlagen, um da auch zu helfen. Wir wollen ja nicht jetzt nur, wir müssen ja auch Lösungen aufzeigen. Aber dass wir uns sensibilisieren, auf unsere Sprache aufzupassen und sie auch mal zu kultivieren, nicht alles durchflutschen zu lassen, sondern durchaus darauf zu achten, welche Worte dürfen meine Lippen verlassen. Hebt sich das ein bisschen ab oder rede ich primitiv und kann die Gassenhauer, habt ihr alle drauf?
Wir sollen ein Vorbild sein der Gläubigen im Wort. Der erste Punkt.

Ein Lebensstil, der sichtbar wird

Der nächste Punkt, der sich dem anschließt, ist der Wandel. Sei ein Vorbild in dem, wie du wandelst. Der Begriff, der hier verwendet wird, ist Anastrophe. Das ist also nicht die Katastrophe, das wäre schlecht, sondern etwas anderes. Und der Wandel, der hier beschrieben wird, meint die Gesamtheit unserer Lebensführung, das gesamte Verhalten eines Menschen, seinen ganzen Lebensstil.
Eine Facette, nur mal exemplarisch herausgegriffen, finden wir in 1. Timotheus 5,21. Ich bezeuge eindringlich vor Gott und Christus Jesus und den auserwählten Engeln, dass du diese Dinge ohne Vorurteil befolgen und nichts nach Gunst tun sollst. Das ist ein vorbildlicher Wandel.
Wie verhältst du dich in der Gemeinde, und wie können dich die Geschwister antreffen, wenn du morgen über den Campus läufst und mit anderen Unikollegen zu tun hast? Wie verhältst du dich hier, und wie bist du morgen auf dem Pausenhof unterwegs? Ist da ein Unterschied, oder deckt sich das?
Und schlag mal bitte mit mir auf, wir wollen eine Passage lesen aus Epheser 4. Also, heute hören wir öfter das Rauschen der Blätter. In Epheser 4, ab Vers 17, liefert uns Paulus eine Anweisung zu einem gottgefälligen Leben.
 Epheser 4,17-24: Dies nun sage und bezeuge ich im Herrn, dass sie nicht mehr wandeln soll, wie auch die Nationen wandeln in Nichtigkeit ihres Sinnes. Sie sind verfinstert am Verstand, entfremdet dem Leben Gottes wegen der Unwissenheit, die in ihnen ist, wegen der Verstockung ihres Herzens. Sie, die abgestumpft sind, haben sich selbst der Ausschweifung hingegeben zum Ausüben jeder Unreinheit mit Gier. Ihr aber habt den Christus nicht so kennengelernt, ihr habt ihn doch gehört und seid in ihm gelehrt worden, wie es Wahrheit in Jesus ist, dass ihr, was den früheren Lebenswandel angeht, den alten Menschen abgelegt habt, der sich durch die betrügerischen Begierden zugrunde richtet, dagegen erneuert werdet in dem Geist eurer Gesinnung und den neuen Menschen angezogen habt, der nach Gott geschaffen ist in wahrhaftiger Gerechtigkeit und Heiligkeit.
Ich finde das so schön, wie Paulus das hier beschreibt. Hier passt in der Tat ziemlich gut, dass der Wandel sich deckt mit unserem Reden. Und ich möchte uns da bewusst noch mal diese Geschichte mit der Gans hier vor Augen führen oder das Lied, was wir vom Chor gehört haben: Ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst.
Manchmal kommt mir mein Leben vor wie so ein Kasperletheater, wo man feststellt: Welche Rolle nehme ich gerade eigentlich ein? Man versucht, eine Rolle zu spielen, und man tauscht diese Rollen einfach aus. Du bist mal Kasperle oder mal die Großmutter, du bist mal Wachtmeister oder mal Krokodil. Wer bin ich? Wer bin ich? Was ist mein Wandel?
Ich glaube, dass das deswegen gerade so kostbar ist, oder dass Gemeinde gerade deswegen so kostbar ist, weil wir uns hier gegenseitig haben, um uns gegenseitig zu schärfen. Eisen schärft Eisen, sagt die Bibel, und ein Angesicht des Mannes das des anderen. Es ist so gut, dass Gott uns zusammengestellt hat als Brüder und als Schwestern.
Mein bester Freund, den ich habe, Björn, wir wären in freier Wildbahn nicht zusammengekommen. Der ist maximal verschieden, unterschiedlich wie ich, sehr sachlich, ist ein Ingenieur, sehr strukturiert, kann einen sehr gut auseinandernehmen, ringt um die Wahrheit wie verrückt, und das ist manchmal schmerzhaft. Und es ist so gut, wenn man sich dem aussetzt. Es ist gut, wenn wir Gemeinschaft suchen, wenn wir einander versuchen zu helfen, uns gegenseitig als Geschwister zu ermutigen, in dem Wandel, in dem wir stecken.
Nicht weil wir besser sind. Wenn wir das Kreuz anschauen, haben wir die größte Demütigung schon erfahren. Es geht nicht um uns. Es geht darum, dass der Herr in unserem Leben immer mehr Raum gewinnt und er derjenige ist, der uns verändert, auch in unserem Wandel.
Man kriegt das gerade bei Freizeitarbeiten mit, gerade dieser Punkt hier im Wandel, weil man feststellt: Eine Woche wirst du es hinbekommen, mustergültige Mitarbeiter zu haben, die morgens um vier Uhr den Wecker stellen, um stille Zeit zu machen, nachdem sie um zwei Uhr ins Bett gegangen sind. Man denkt so: Wie kriegen die das hin? Ja, eine Woche schaffst du das, oder? Und danach?
Unser Leben besteht, wenn man sich die Jahre anschaut, aus 365 Tagen im Jahr. Unsere Woche besteht nicht nur aus dem Sonntag. Unser Leben besteht nicht nur aus Hochzeiten, sondern auch aus Tiefpunkten. Und deswegen ist dieser Wandel ganzheitlich zu betrachten.

Liebe als Maßstab des Handelns

Jetzt kommt Paulus hier zur Mitte vor, in Liebe. Das griechische Wort, das er hier benutzt, ist Agape, also die Nächstenliebe. Und bei Liebe kann man eine eigene Bibelarbeitsreihe machen, das ist sehr schön.
Ich finde es spannend, wenn wir uns die Frucht des Geistes anschauen. Da kann man ja denken, das sind eigentlich Früchte, weil da ganz viele genannt werden, aber es ist die Frucht des Geistes. Und eine Sache, die da benutzt wird oder die vorneweg steht, das Flaggschiff, ist die Liebe. Paulus macht deutlich: Wenn wir den 1. Korintherbrief noch dazunehmen, ist wichtiger als die Gaben des Geistes die Frucht des Geistes. Und die Frucht des Geistes, das Flaggschiff, das, was vorneweg steht, ist die Liebe.
Wenn wir den 1. Korintherbrief nehmen, diese Gemeinde, das hatten wir gestern kurz mal angerissen, die so katastrophal unterwegs ist, wo es so viele Baustellen gibt, dann haben wir diese Krise auch, wenn es um Geistesgaben geht, Kapitel 12, Kapitel 14. Inmitten der Krise weht die frische Brise aus Kapitel 13. Paulus malt ein wunderschönes Porträt von Liebe, das ganz konkret ist, das Hände und Füße hat. Tunwörter werden da verwendet, und kein anderer steht Modell für dieses wunderschöne Porträt als unser Herr Jesus Christus.
Er ist ganz faszinierend. Ihr könnt zu Hause mal machen: In 1. Korinther 13 Liebe durchstreichen und Jesus Christus einsetzen, und ihr werdet eine hundertprozentige Übereinstimmung finden. Das ist unser schöner Heiland, so groß ist er. Wie genial ist das, dass wir auf ihn schauen dürfen.
Wenn wir das runterbrechen auf uns: Wie ist unser Umgang mit Geschwistern? Ermutigen wir uns gegenseitig? Oder wissen wir, dass wir vielleicht für manche Geschwister eine echte Herausforderung sind? Das ist nicht gut. So viel an euch ist, lebt mit allen Menschen in Frieden.
Wie sieht es aus mit dem Besuch von älteren Geschwistern? Das hat die Einleitung nicht abgesprochen gehabt, aber das ist auch eine gute Sache. Sind wir für ältere Menschen da, bieten wir Hilfe an, wenn es ganz banal geht, um Sprudelkästen einzukaufen zum Beispiel oder um Großeinkäufe zu machen, weil der Opa, die Oma nicht mehr den Weg mit dem Auto unterwegs sein kann?
Liebe sollte unser Motiv für unser Verhalten sein, und das ist nur eine Sache, die Christus bewirken kann. Wir werden gerade bei Liebe feststellen, dass wir es nicht draufhaben, und das macht die Bibel sehr deutlich. Die Bibel sagt: Seid niemand irgendetwas schuldig, als nur einander zu lieben. Und das bedeutet, wenn du eine große rote Zahl in deinem Leben hast, die immer rot bleiben wird, ist es die Liebe. Wir werden immer schuldig sein, einander zu lieben. Da werden wir nie sagen: Ich habe es drauf, lernt von mir. Nein, von Herrn Jesus können wir lernen. Er ist die Liebe in Person.
Ich finde gerade bei Liebe eine Zelle sehr wichtig, die wir in unseren Gesellschaften haben, und das ist unser Zuhause, da, wo Gott uns hingestellt hat, in unsere Familie hinein. Es fällt, glaube ich, nicht schwer, vor anderen liebevoll zu leben, ihnen Nettigkeit zu erweisen, freundlich zu sein. Je nachdem, wie gut wir erzogen worden sind, wird uns das recht lange gelingen. Aber in der Familie fällt die Maskerade, oder? Da stellen wir fest, dass Liebe nicht ein emotionales Strohfeuer sein kann, sondern dass sie allein genährt werden kann durch die Veränderung, die Jesus Christus in uns bewirken kann, nur dann.
Was sind wir für gesegnete Menschen als Christen. Ich finde das so schön, dass unser Herr lebendig ist, auch in unser Leben hinein. Das merken wir gerade bei dieser Eigenschaft der Liebe, wo wir die Hilfe unseres Herrn am intensivsten, glaube ich, bedürfen.

Glaube, Standhaftigkeit und kindliches Vertrauen

Wir kommen zum vorletzten Punkt: Niemand verachte deine Jugend; sei ein Vorbild der Gläubigen im Glauben.
Griechisch: Pistis, also der Glaube. Das ist hier ganz praktisch gemeint. Es geht darum, dass man eine Überzeugung vertritt, dass man geistlichen Wahrheiten aktiv zustimmt. William Macdonald sagt, es stehe unter anderem für Standhaftigkeit. Und unser CV-Kommentar sagt: Hier geht es um das, was Menschen Gott schulden, weil er Gott ist. Es ist Vertrauen und Zuversicht auf seine Person und deshalb auch auf sein Wort, mit entsprechenden praktischen Folgen im Leben.
Dann kann man es in einem Wort mit Loyalität übersetzen, weil sich das gut deckt.
Ich habe dabei an ein Zitat von Albert Einstein gedacht. Bei diesem Punkt gilt: Manche haben einen geistlichen Horizont mit dem Radius null und nennen das Standpunkt. Das kann es nicht sein. Dieser Radius ist einfach zu eng.
Worauf stützt du dich eigentlich? Für welche geistlichen Wahrheiten trittst du eigentlich ein? Was können andere daran sehen? Können andere sehen, wie du deinen Glauben bezeugst? Was präsentierst du auf deinem Facebook-, WhatsApp- oder Insta-Account? Was sieht man da? Irgendwie nur das letzte Geblödelse, irgendwelche Katzenvideos oder noch etwas anderes?
Das ist sehr spannend. Ich bin ja schon ein alter Mann, und dann ist es immer wieder spannend, wenn man von einem Jugendlichen die Handynummer bekommt. Denn ich glaube, derjenige checkt oft nicht, dass ich dann auch schaue, was er bei WhatsApp postet. Und dann denkt man: Ups! Weiß der eigentlich, dass ich mir das auch angucke? Da denkt man: Das ist ja irritierend. Und gleichzeitig hält es einem natürlich einen Spiegel vor. Ich glaube, mir fällt es nur deswegen auf, weil ich oft selber dumm unterwegs bin.
Paulus verwendet hier im ersten Timotheusbrief sehr viel, um deutlich zu machen, dass es wichtig ist, für den Glauben zu kämpfen und Position zu beziehen. Er schreibt in 1. Timotheus 1,18:
Dieses Gebot vertraue ich dir an, mein Kind Timotheus, nach den vorangegangenen Weissagungen über dich, damit du durch sie den guten Kampf kämpfst, indem du den Glauben bewahrst und ein gutes Gewissen, das einige von sich gestoßen haben.
Und der Glaube findet hier in diesem Kapitel 4, aus dem unser Bibelvers kommt, einen ganz extremen Widerhall. Immer wieder kommt der Glaube vor: 4,1, manche werden vom Glauben abfallen; 4,3, für die, welche glauben; 4,6, Worte des Glaubens; dann indirekt in 4,9, das Wort ist gewiss, und man kann auch übersetzen: glaubwürdig; und dann 4,10, besonders der Gläubigen. Immer wieder geht es um den Glauben.
Der Glaube ist nicht banal. Der Glaube ist nicht irgendwie eine Sache für Menschen, die eh keine Hoffnung mehr haben. Sondern unser Glaube ist das, was uns durchträgt durch dieses Jahr, durch unsere Zeit, bis wir eines Tages vom Glauben zum Schauen kommen werden. Bis sich der Vorhang lichtet und wir den Herrn sehen werden in seiner Schönheit.
Aber bis dahin sind wir im Glauben noch unterwegs. Und wir dürfen uns gegenseitig ermutigen. Wir dürfen uns auch sensibilisieren und davor warnen, dass wir keine Sonderlehren einführen. Dass wir unseren Glauben stärken. Dass wir die Bibel von der ersten bis zur letzten Seite als Gottes Wort annehmen, das er uns gegeben hat. Und dass wir mit dem Wort vertraut sind und darin forschen und buddeln, um Schätze zu heben. Dass wir ein kindliches Vertrauen haben in den Gott, der gesprochen hat, und es war da.
Was ist das für ein gewaltiges Zeugnis, wenn man an das apostolische Glaubensbekenntnis denkt: Wir glauben an Gott, den Vater, den Schöpfer Himmels und der Erde. Er ist der, der durch sein Wort alles ins Leben hereingerufen hat.
Haben wir dieses kindliche Vertrauen noch? Jesus macht das sehr deutlich, dass uns Kinder ein ganz gewaltiges Vorbild sein dürfen, wie man glauben kann.
Ich fand es sehr spannend, als wir meinen Papa in seiner Krebszeit begleitet haben. Da haben meine beiden Jüngsten regelmäßig den Thron Gottes wirklich bewegt mit kindlichem Vertrauen und gesagt: Danke, dass du den Opa gesund machen kannst.
Dann ist mein Papa eingeschlafen, und ich dachte: Wie erklärst du das jetzt seinen Kindern? Der Wandel war ganz einfach. Meine Kinder haben abends gebetet: Danke, dass Opa jetzt bei dir ist. Das war gar kein Bruch. Das war mir so eine gewaltige Lektion, so ein Vorbild, wie wir einfach kindlich vertrauen dürfen.
Unser Herr sitzt im Regiment. Unser Herr regiert. Er sitzt auf dem Thron.

Reinheit und ein heiliges Miteinander

Und so kommen wir zum letzten Punkt: Sein Vorbild für die Gläubigen in Keuschheit. Griechisch: Chagnea, das ist sexuelle Reinheit. Reinheit sollte nicht nur unsere Taten kennzeichnen, sondern auch unser Motiv.
Es ist ja sehr spannend, wenn man viel mit Jugendlichen zu tun hat. Diese Frage: Wie ist der Umgang mit dem anderen Geschlecht? Bei uns in der Jugend war das damals so eine Disziplin, schon fast so Schnecken checken haben wir es genannt, also Bundesbrautschau, wenn wir zu irgendwelchen Jugendtagen gefahren sind. Und wie war da unser Umgang mit dem anderen Geschlecht? Was zeichnet dich da aus? Definierst du dein Leben über eine Torschlusspanik und sagst, es ist bei mir eh alles zu spät, oder bist du einfach moralisch integer unterwegs, auch in diesem Punkt, in Keuschheit?
Paulus schreibt dem Timotheus hier in 1. Timotheus 5 eine Umgangsanweisung, wie wir uns verhalten sollen. Das finde ich sehr gut. Er schreibt es jetzt halt einem jungen Mann, man kann es aber auch übertragen. Einen älteren Mann fahre nicht hart an, 1. Timotheus 5,1, sondern ermahne ihn als deinen Vater, jüngere als Brüder, ältere Frauen als Mütter, jüngere als Schwestern. Dann könnte man denken, jetzt hört es auf, und dann sagt Paulus: in aller Keuschheit. Weil Paulus weiß, wie wir ticken.
Ich finde das so lebendig, Gottes Wort ist so alltagstauglich. Es ist gut, dass Paulus diese Ansage macht: In aller Keuschheit zeichnet das unseren Lebenswandel aus. Und gerade für diejenigen, die ein Problem haben, sich Zahlen zu merken, gibt es also, das ist jetzt nicht inspiriert, diese Verseinteilung, aber ich bin dankbar dafür, dass in 2. Timotheus 2,22 steht. Das kann man sich merken: Die jugendlichen Begierden aber fliehe, fliehe! Das macht Paulus da deutlich, 2. Timotheus 2,22: die jugendlichen Begierden fliehe.
Gerade bei diesem Punkt mit sexueller Reinheit ist es sehr wichtig, dass wir ehrlich werden vor uns selbst. Ich darf einige junge Männer begleiten im Kampf gegen Pornografie, und das ist ein Punkt, wo man erst einmal kapitulieren muss und sich eingestehen muss: Das ist eine Schwäche, die nicht gut ist. Deswegen ist es gut, wenn man sich da sensibilisieren lässt, wenn man sich einen Rechenschaftspartner herholt, um dann ein sauberes Leben zu führen.
Ich hatte eine sehr ergreifende Begebenheit. Da rief mich ein Freund an. Ein älterer Bruder war heimgegangen, und mein Freund sollte da so einen Teil von der Beerdigungsansprache machen und war auch für die Verwaltung des Nachlasses verantwortlich. Der rief mich sehr am Boden zerstört an und sagte: Kannst du denn am Abend eher kommen, ich muss mal mit jemandem reden? Dann bin ich den Abend vorher angereist, und dann sagt er zu mir: Tommy, ich habe den Rechner hochgefahren von diesem Bruder, alter Bruder, über achtzig, alles voller Pornografie. Ich habe den Aktenschrank aufgemacht, um die Akten anzugucken, und habe erst einmal so einen Stapel von eindeutigen Magazinen festgestellt. Das hat mich selbst sehr erschüttert.
Und am nächsten Tag kommt die Witwe auf mich zu und sagt: Mein Mann, das war ein Reiner. Was sagst du in dem Moment?
Und was ich da für eine Lektion herausgezogen habe, ist, dass ich sehr deutlich warnen möchte, egal wie alt du bist oder wie jung du bist, vor dieser Schrecklichkeit von Pornografie eindeutig zu warnen. Wenn du denkst, ich bin sechzig und deswegen habe ich damit keine Probleme mehr, kann sein, dass dem so ist, dann ist es gut. Aber mein Wunsch ist, und das möchte ich in aller Demut sagen, euch auch als ältere Geschwister, und sowohl Männer als auch Frauen, das ist leider kein Männerproblem, nur dass wir bei dem Gebiet sehr, sehr sorgfältig sein sollten und uns nicht selber belügen dürfen.
Da geschieht so viel Krankes, so viel, was schlecht ist, so viel, was nicht gut ist, so viel, was Zeit frisst, so viel, was Beziehungen zerstört, so viel, was uns beziehungsunfähig macht. Und das ist nicht gut. Deswegen finde ich es sehr gut, dass Paulus hier diesen letzten Punkt noch einmal aufgreift.
Lasst uns ein Vorbild sein in Keuschheit. Lasst uns Männer und Frauen sein, die einander geschwisterlich lieben. Wie schön ist das, oder? Ich bin so dankbar für Schwestern im Glauben, das ist so schön. Und ich möchte sie ehren. Ich bin so dankbar, dass man mit Brüdern gemeinsam unterwegs sein darf, um sich gegenseitig das Angesicht zu schärfen, dass man wöchentlich Rechenschaft ablegt vor einem anderen Mann und sagt: So und so ist die Woche bei mir gelaufen.
Dazu möchte ich uns ermutigen, dass wir einen reinen und heiligen Lebenswandel haben, dass wir das unterstreichen: Sexualität ist ein wunderbares Geschenk von Gott, das ausschließlich in die Ehe hineingehört und nicht außerehelich praktiziert werden darf. Gott ist ein heiliger Gott, und Gott hat sich dieses Geschenk von Familie ausgedacht, von Mann und Frau. Und genau da, in diesem Bereich, in diesem geschützten Rahmen, hat Gott Sexualität hineingestellt, diese Verbindung von Mann und Frau.
Das ist eine Sache, die in unserer Gesellschaft nicht mehr populär ist, aber das ist eine Sache, auf die Gottes Segen ruht. Und das finde ich so ein gewaltiges Geschenk.

Ein praktischer Abschluss mit fünf Punkten

Ich möchte mit einem Praxischeck für dich mit den fünf B schließen.
Der erste Punkt, den ich dich fragen möchte: Vielleicht fragt sich jetzt jemand, ist mein Lebenswandel moralisch und integer? Der erste Punkt: Besuchst du die Gemeindestunden? Und ich glaube, das hat die Predigt deutlich gemacht: Es ist wichtig, dass wir Gemeindestunden besuchen, um uns gegenseitig zu reflektieren, um Kritik anzunehmen, aber auch, um Ermunterung zu erfahren. Ja, es wurde gerade auch gebetet. Wir dürfen einander ermahnen und ermuntern. Im Griechischen ist das dasselbe Wort. Und es ist wichtig, dass wir Geschwister haben, die uns ermutigen, gerade in dieser Zeit.
Bist du da, um Vorbild zu sein? Bist du da, um einfach nur guten Willen zu zeigen? Und das ist manchmal schwer, wenn es nicht so gut läuft, wenn die Gruppe, in die du hineingehst, vielleicht nicht so groß ist, dass du denkst: Oh, das ist ein richtiger Anreiz, da hinzukommen. Das ist nicht unbedingt nur Freizeitstimmung, was man in der Gemeinde erlebt, oder? Sondern manchmal gibt es auch Termine, wo man denkt: Na ja, das ist halt wieder ein Abend, der draufgeht. Aber das ist eine falsche Motivation. Bitte Gott, dass er dich da verändert. Sei da in den Gemeindestunden.
Der zweite Punkt ist: Beteilige dich in den Gemeindestunden. Ich fand den Austausch heute Morgen richtig schön. Ich habe es sehr genossen, da zu sitzen und zuzuhören, was an Gedanken alles ausgebreitet wurde. Ich habe aufgesogen wie ein Schwämmchen. Es ist so schön, einfach, aber auch, wenn Brüder sich beteiligen in den Gemeindestunden. Überleg dir zu Hause, was für ein Lied du vorschlagen kannst, welche Bibelstelle zur ersten Stunde passt. Mach dir vorher einfach mal Gedanken. Lies einfach Gottes Wort und denk: Mensch, wie schön, das ist ein schöner Gedanke für Sonntag. Hab einen Pfeil im Köcher, den musst du nicht unbedingt abschießen. Aber es ist gut, wenn du einen Gedanken hast. Fass dir ein Herz und steh einfach auf und bete.
Das ist eine Sache, die Paulus in 1. Timotheus 2,8 sehr deutlich schreibt: 1. Timotheus 2,8. Ich will nun, dass die Männer an jedem Ort beten, indem sie heilige Hände aufheben, ohne Zorn und zweifelnde Überlegung. Bete, beteilige dich in den Gemeindestunden, mit dem Ziel, das Kreuz im Mittelpunkt stehen zu haben. Von unserer Betrachtung, wohin sonst sollten wir gehen? Woraus sonst sollten wir unsere Kraft nehmen? Oder um nach vorne zu schauen?
Der dritte Punkt: Beziehungspflege außerhalb der Gemeindestunden. Ich weiß, als wir waren so ein paar Jahre verheiratet, und ich hatte gefühlt da schon meine erste Midlife-Crisis, und habe abends meiner Frau mein Selbstmitleid gebeichtet, weil ich gedacht habe: Ach, es ist so ärgerlich, ich kümmere mich um so ganz viele junge Männer, aber welcher ältere Mann kümmert sich um mich? Hatte ich diesen Satz kaum ausgesprochen, da klingelte das Telefon. Und wir haben einen lieben Bruder gehabt, ich durfte ihn beerdigen, also er ist schon heimgegangen.
Vielleicht kennt ihr so Kandidaten: Der rief immer dann an, wenn bei uns die Hütte brannte. Er hatte eine ganz ruhige Stimme, nannte dann immer seinen Nachnamen, und du hast eigentlich immer nur gedacht: Hör mal, Kollege, du störst gerade maximal. Und genau dieser Bruder rief zu diesem Zeitpunkt an, als ich da am Winseln war, und sagte: Hör mal, Thomas, hier ist so ein Gemeindeseminar, und ich habe überlegt, dass wir da beide zusammen hinziehen. Ich hoffe, du hast nichts dagegen, mit mir im Doppelbett in so einem Ehebett zu schlafen.
Also, das Kopfkino war gewaltig. Da habe ich gedacht: Irgendwie so nein, nein, geht leider nicht, ich bin ja Familienvater und so, das haut gar nicht hin. Und habe aufgelegt, meine Frau lächelnd angeguckt und gesagt: Siehste, also Familie geht vor. Und dann guckte mich meine liebe Frau an und sagt: Hör mal, es tut mir sehr leid, aber du hast gerade hier noch so rumgejault. Die Antwort hast du hier gerade am Hörer bekommen. Das ist der Mann, mit dem du jetzt ein Wochenende verbringen darfst.
Ich hätte mir das nicht vorgestellt. Aber es war ein ausgezeichnetes Wochenende. Ich erzähle die Geschichte bewusst mit so ein bisschen Ironie oder mit einer spitzen Feder, um dir deutlich zu machen: Bitte warte nicht darauf, dass jemand auf dich zukommt und sich deiner erbarmt, sondern geh du einfach den ersten Schritt. Wenn du denkst: Wo ist der ältere Bruder, der für mich da ist? Ja, dann bist du derjenige, der den ersten Schritt gehen darf. Wenn du als älterer Bruder da bist und denkst: Wo ist der junge Bruder, der einfach mal das hören möchte, was ich an Lebensweisheit schon gesammelt habe? Dann teile das aktiv mit.
Gemeinde besteht aus ersten Schritten. Gemeinde besteht nicht daraus, sich zurückzulehnen und zu sagen: Ich warte hier einfach ab. Sondern Gemeinde besteht daraus, dass du auf der Suche bist und das offen bekennst. Und wenn du denkst, das demütigt, dann guck nur zum Kreuz. Die größte Demütigung hast du am Kreuz erlebt, wo der Herr dir gesagt hat: Du hast es nicht drauf. Du brauchst Hilfe. Und deswegen bricht uns kein Zacken aus der Krone, wenn wir zum älteren Bruder hingehen und sagen: Hör mal, wie würdest du dich in der Situation verhalten? Und es ist nicht schlimm, wenn man als älterer Bruder einen jüngeren Bruder fragt: Kannst du mir hierbei mal helfen?
Lasst uns aufeinander zugehen, auch außerhalb der Gemeindestunden. Übernimm kleinere Dienste, suche dir einen Rechenschaftspartner. Suche dir als Schwester eine ältere Schwester, die du um Rat fragen kannst, wenn du Hilfe brauchst, und suche dir einen anderen Bruder, mit dem du reden kannst, um deinen Alltag zu meistern. Das ist der dritte Punkt: Beziehungspflege außerhalb der Gemeindestunden.
Der vierte Punkt ist: Bete mit anderen. Bete mit offener Lösung. Bete für die Gemeindestunden, in die du gehst. Vielleicht hast du damit auch gerade ein Problem, dann bete dafür, dass Gott etwas verändert. Das ist auch gut. Und gerade beim Beten möchte ich uns ermutigen, dass wir Beten als etwas Alltägliches verstehen.
Mir ist das mal aufgefallen: Wenn du dich mit ein paar Brüdern triffst und dann redest du über ein richtig geistliches Thema irgendwie, dann fällt das so schwer, am Ende zu sagen: Jetzt beten wir einfach noch, oder? Dann kommt es dir vor, als ob bei dir so ein Heiligenschein aufgeht am Kopf, weil du denkst: Das ist jetzt aber so eine Schwelle, nochmal gesondert, so noch eine Stufe heiliger. Beten ist Reden mit unserem Schöpfer. Beten ist Reden mit dem Herrn, der sich selbst für uns hingegeben hat. Und deswegen soll Beten bitte eine ganz normale alltägliche Situation sein.
Ermutige die Mitarbeiter auf unseren Freizeiten. Nehmt bitte jede Gelegenheit wahr, wo ihr einfach mal zusammensteht, und das kann an den seltsamsten Orten sein auf einer Freizeit, um einfach kurz die Hände zu falten und das Freizeitgeschehen in Gottes Hände zu legen. Beten darf Teil unseres Alltags sein. Bewahre, reserviere Beten dir nicht auf für ein Morgengebet, für ein Abendgebet und für ein Tischgebet. Bete zwischendurch, bete beim Autofahren. Wenn du feststellst: Vor mir könntest du die Hupe drücken oder ein Gebet nach oben richten, was besser ist. Ja, das Beten, oder? Also das Beten soll Teil unseres Alltags werden, und wir sollen nicht irgendwie denken: Ich muss jetzt eine besondere Stufe erreicht haben, um mein Gebet nach oben zu richten. Das ist sehr wichtig, dass wir Gebet versuchen, in unseren Alltag einzubeziehen. Dazu möchte ich dich ermutigen.
Und dann der letzte Punkt ist: Besuche Geschwister. Und das fand ich gerade wirklich schön, die Begrüßung hat mir sehr gut gefallen. Besuche Geschwister ist ein guter Punkt.

Vorbild durch Hingabe und ein Schlusswort

Ich schließe mit zwei Zitaten. Eine Biografie von Georg Müller ist sehr zum Lesen zu empfehlen, ein Mann des Gebetes auch, der den Glauben auch durchbuchstabiert hat und gegen Hoffnung auf Hoffnung hin erlebt hat.
Georg Müller wurde einmal nach dem Geheimnis seines Lebens gefragt. Er hat ja ganz viele Dinge erlebt, so richtig krasse Wunder. Da fragt man sich natürlich: Wie geht das? Georg Müller macht deutlich: Es ist keine Methode, die dahintersteckt, sondern etwas ganz anderes.
Georg Müller sagte auf diese Frage: Was ist das Geheimnis deines Lebens? Er antwortete: Es gab einen Tag, an dem ich starb, gänzlich starb. Ich starb Georg Müller, seinen Meinungen, seinen Liebhabereien, seinem Geschmack und Willen. Ich starb der Welt, ihrem Beifall oder ihrer Kritik. Ich starb sogar dem Beifall oder Tadel der Brüder und Freunde. Und seit dieser Zeit habe ich nach nichts mehr gestrebt, als dass Gott mein Tun billigt.
Ein sehr wertvolles Zitat. Und so möchte ich das Ganze versuchen, mit einem Satz zusammenzufassen, was uns antreiben darf, wenn wir über Vorbild nachdenken: Was mich antreibt, nach Gottes Regeln zu leben, ist nicht ein Muss aufgrund göttlicher Gebote oder der Wille, dem Mitmenschen zu gefallen, sondern der Blick auf Gottes Herrlichkeit, die Genialität seiner Gedanken und Schöpfungen, die mich kapitulieren lässt. Amen!
Ja, wir stehen noch auf. Ich bete gerne noch.
Lieber Herr Jesus, ich bin dir sehr dankbar für die Liebe und Herzlichkeit der Geschwister hier in Oranienburg. Es ist schön, hier zu sein, und es ist schön, gemeinsam auf dich zu schauen.
Herr, es ist irgendwie gewaltig, wenn wir uns vor Augen führen, dass wir uns so gar nicht kennen und dass du dennoch eine Verbundenheit schenkst, wo wir sagen: Es ist einfach eine Sache, die kein Mensch bewirken kann. Und gerade so ein Zeichen oder der Aspekt von Gemeinschaft ist irgendwie ein gewaltiges Wunder, wo deutlich wird, dass du der Herr bist, auf den wir alle schauen dürfen, dass wir eingepflanzt sind in diese gewaltige Familie Gottes, dass wir zu dem Schöpfer Himmels und der Erde Vater sagen dürfen, lieber Jesus, durch das, was du gemacht hast und was du getan hast. Dafür sagen wir dir danke, Herr. Wir legen uns in deine Hände.
Das Gleiche gilt für die Sonntagsschule. Da bitten wir dich auch, dass du den Kindern groß gemacht wirst. Wir dürfen gleich noch Kaffee trinken. Bitte segne auch den guten Austausch. Danke, lieber Herr Jesus. Amen!

Buchempfehlungen zum Schluss

Darf man noch kurz eine Buchempfehlung machen, oder ist es zu spät? Ja, nur kurz: drei Bücher.
Ich habe gesehen, dass von Steve Farrar hinten noch einige Bücher drinstehen. Deshalb einfach mal ein Zitat. Ein Zitat wirbt mehr als eine lange Buchvorstellung.
Steve Farrar schreibt in diesem Buch Frontman über die Herausforderung, die wir als Familienväter haben. Er widmet das Buch seinem Vater James Farrar, der mehr als sechzig Jahre geistliche Leiterschaft dort lebte, wo es wirklich zählt: im Zuhause.
Steve Farrar ist sehr praktisch und schildert dann unter anderem, wie man die Kinder im Rahmen der Sexualerziehung richtig aufklärt. Er macht das sehr feinfühlig und sehr schön, und die Abschnitte sind immer nur sehr kurzweilig.
Ich lese euch den ersten Punkt vor, bei der Vorgehensweise für elterliche Sexualerziehung:
Erstens: Kurze Fragen verdienen kurze Antworten.
Ich hörte von einem kleinen Jungen, der nach dem Abendessen zu seinem Vater kam und fragte: „Papa, wo komme ich her?“ Der Vater verschluckte sich fast vor Überraschung, schaffte es aber, die Fassung zu bewahren. Und weil sie allein im Arbeitszimmer waren, hielt er den Zeitpunkt für geeignet und erzählte seinem Jungen von Spermien, Eizellen und allen wichtigen Fakten.
Nach ungefähr fünf Minuten bemerkte er den ausdruckslosen Blick seines Sohnes und fragte: „Mein Sohn, macht das irgendwie Sinn für dich?“ Der Junge erwiderte: „Ich denke schon, Papa, aber Tommy kommt aus Cleveland. Woher kommen wir?“
Vergewissere dich, dass du die Frage verstanden hast, bevor du mit der Antwort loslegst.
Das ist eine klare Leseempfehlung, sehr praktisch.
Dann ein weiteres Buch, das ich empfehlen möchte. Das ist gerade für Teenies sehr geeignet, aber nicht nur, sondern auch für ältere Herrschaften. Ich habe es verschlungen und fand es sehr gut: Die Fessel der Unfreien.
Mich hat das Buch bei zwei Stellen sehr konkret angesprochen für mein Leben. Daniel Bühne macht ja am Beispiel von Simson verschiedene Fesseln deutlich, die wir Menschen haben: Streben nach Zugehörigkeit, mangelnde Impulskontrolle, Stimmungsabhängigkeit, ungläubige Partner. Er bleibt dabei aber nicht nur bei einer stehenden Diagnose, sondern knüpft das Ganze immer auch mit einem festen Löser.
Es ist grafisch richtig gut gemacht und man kann es sehr schnell durchlesen. Es sind ganz viele Seiten, auf denen man feststellt, obwohl das Buch ja eh nur so dünn ist, dass auch viele Seiten einfach nur sehr großzügig bedruckt sind. Also man kann das Buch recht schnell durchatmen.
Und das letzte Buch, das ist so ein Dauerbestseller: Theo Lehmann, Jedes Denkmal fällt, Gottes Wort bleibt.
Und wer Theo Lehmann kennt, der weiß, dass der Mann eine sehr markante Sprache hat. Das sind Predigten, die er über das Buch Daniel gehalten hat, zu einem Zeitpunkt, als die Stasi noch hinten drin war und seine Predigten auseinandergenommen hat.
Er wird hier sehr deutlich. Er verwendet Begrifflichkeiten, die ich mich nicht trauen würde, von der Kanzel zu sagen, und macht das mit so viel Wortwitz, dass man feststellt: Daniels Leben ist so aktuell und so passend in unsere Zeit hinein.
Gerade in einer Zeit, in der wir als Christen sehr viel Mut brauchen, ist es, glaube ich, gut, sich auf so etwas zurückzubesinnen und zu sagen: Der Gott Daniels ist immer noch der gleiche Gott, auch im Jahr 2026.
Danke fürs Zuhören! Genau.