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Warum es sich lohnt, Gott zu vertrauen

Psalm 92
Danken trotz Druck, Angst und Unruhe? Der Psalm zeigt: Ruhe kommt nicht erst, wenn alles läuft, sondern wenn du auf Gottes Treue schaust – morgens, nachts, mitten im Chaos.

Einleitung und persönliche Vorstellung

Wie schön, oder? Man sitzt hier, man weiß nicht: Ist man dran oder noch nicht? Und wirft so einen Blick zu Frieda rüber, verzweifelt. Und dann kommt der Blick: Jawohl, man geht nach vorne und hat einen ganzen Packen mit dabei.

Und jemand fragte mich schon, ob das das Predigtskript für heute sei. Keine Sorge, das sind Arbeitsblätter. Ich gebe die einfach mal hier nach vorne, und ich wäre sehr dankbar, wenn Sie sie an die Männer und Frauen weitergeben würden.

Die Zeit nutze ich kurz, um mich vorzustellen. Ich freue mich sehr, hier sein zu dürfen. Mein Name ist Thomas Kleine, ich bin schon viel zu alt, glücklich verheiratet mit meiner lieben Miriam. Gott hat uns sechs Kinder anvertraut, und Madita habe ich heute mitgenommen. Das ist immer sehr schön. Ich versuche, an den Sonntagen, wenn ich außerhalb der Gemeinde in Leverkusen Opladen bin, dann immer mindestens ein Kind oder eine Frau und sechs Kinder mitzunehmen. Das sind so Momente, wo man auch einfach eine wunderschöne Zeit zusammen hat als Familie.

Familie finde ich sehr wichtig. Ich bin dankbar für Familie, für dieses Geschenk, das Gott gibt. Ich bin dankbar für die große Familie, die Gott baut, hier in dieser Gemeinde. Euer Luxusproblem ist schön. Wie gut, wenn es so gut gefüllt ist. Wie schön, wenn Jugendliche hier zusammen singen, sich in einem beeindruckenden Chor zusammenstellen und diese Wahrheit aus Römer 8 in einer schönen Art und Weise in Liedform rüberbringen.

Ja, was mache ich noch? Ich bin Rechtsanwalt, darf Geschäftsführer der Christlichen Verlagsgesellschaft sein, und wir bringen also Bücher heraus. Und damit die Bücher auch verkauft werden, gibt es die christlichen Bücherstuben. Da dürft ihr gerne immer im Gebet mit daran denken, auch für die 357 Mitarbeiter, die wir haben, in unseren 28 Missionsstationen. Die Arbeit, die da passiert, ist sehr herausfordernd und anspruchsvoll. Das ist in der Zeit im deutschen Buchmarkt insgesamt eine sehr turbulente Situation und Lage. Da ist es gut und wichtig, wenn wir für die Arbeit in den Bücherstuben beten, nicht nur bei uns, sondern auch hier. Vertreter vom Leseplatz sind ja auch da. Wenn wir für christliche Literatur und die Verbreitung beten, ist das ein ganz wichtiges Anliegen.

Und da habe ich aus aktuellem Anlass, ich darf mit Ralf Kemper zusammen Schriftleiter sein, die Perspektive. Diese habe ich euch einfach mal mitgebracht. Ein paar Exemplare lasse ich hier vorne liegen. Es ist eine Zeitschrift, die alle zwei Monate erscheint. In der Ausgabe sind hier zum Beispiel Nikola Volkow mit einem Beitrag zur Jahreslosung drin, oder Heiko Hagemann, der Leiter von Ethnos, schreibt über die weltweite Christenheit. Es ist immer wichtig, den Blick über den Tellerrand zu werfen und auch da zu gucken.

Jetzt sitzt Gideons auch hier. Es ist so schön, oder? Wie Gott Gemeinde baut. Wie genial, was da alles passiert und wie lebendig Gott unterwegs ist.

Zwischen Freude und innerer Unruhe

Und doch ist unser Leben ja oft gar nicht so sehr von dieser Sicherheit und Freude geprägt, von diesem schönen Sonntagmorgen, wenn hier die Sonne reinscheint, sondern eher von einer inneren Unruhe. Und das, was hier hinter mir steht, so schön auf diesem Poster: Seid dankbar in allem, das ist eine Sache, die uns schwerfällt, durchzubuchstabieren, oder?

Ich möchte mal einen Blick in die jüngere Geschichte Deutschlands werfen. Da begegnet uns eine Frau, Corrie ten Boom. Sie hat eigentlich alles richtig gemacht, soweit es ihr Leben betraf, aber nicht im Blick auf das damalige Unrechtsregime der Nazis.

Was hat diese Familie ten Boom gemacht? Ja, sie haben Juden versteckt, sie bei sich im Haus aufgenommen und sie entsprechend verborgen, damit sie nicht von den Nazis gefunden wurden. Deswegen kam Corrie ten Boom unter anderem mit ihrer Schwester und ihrem Vater dann in das Konzentrationslager nach Ravensbrück. Dort wurde sie deportiert.

Wenn man Schriften von ihr liest, und sie war schriftstellerisch sehr gut tätig, eine Schreibmaschine auf zwei Beinen, wenn man das so sagen will, dann ist man stark beeindruckt von der Freudigkeit und der Schlichtheit, die den Glauben dieser Frau ausgezeichnet haben. Eine Sache, die sich Corrie ten Boom vorgenommen hat, ist, dankbar zu sein in allen Dingen.

Dann sitzt sie mit ihrer Schwester Betsy in so einer KZ-Baracke in Ravensbrück, und sie stellen fest, sie sind in der Baracke, in der es die meisten Läuse und auch Flöhe gibt. Dann sagt ihre Schwester Betsy zu ihr: Hör mal, Corrie, wir sollten für alles danken, auch hier für diese Flöhe, die wir gerade gar nicht so nachvollziehen können, warum es sie da gibt.

Dann haben diese beiden Frauen das gemacht. Und nach einer Zeit bekommen sie die Information, dass die Lageraufsicht ihre Baracke nicht regelmäßig durchsucht hat, weil sich die Aufseherinnen so vor diesen Flöhen geekelt haben und sie die nicht haben wollten. Das hatte für Corrie ten Boom und ihre Schwester die Möglichkeit, dass sie Bibelstunden abhalten konnten. Sie haben auf eine ganz wahnsinnige Weise eine Bibel in dieses Konzentrationslager, in diese Baracke, hineingeschmuggelt und konnten dann mit den Frauen, die mit ihnen inhaftiert waren, Bibelstunden abhalten.

Plötzlich bekommt so ein Floh einen ganz gewaltigen Sinn.

Ich habe gedacht, bei dem Psalm, den wir uns anschauen wollen — ihr habt ihn schon gelesen, Psalm 92 — darum wird es heute gehen. Martin Luther übersetzt das mit so einem ganz kraftvollen Deutsch: Es ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken.

Es ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken. Das lässt sich leicht sagen, jetzt, heute. Mir geht es gerade aktuell sehr gut, danke der Nachfrage. Aber vielleicht geht es dir gerade gar nicht so gut. Vielleicht sagst du gerade: Mir ist nicht so, das ist für mich gerade nicht so köstlich, sondern ich habe schwer zu kämpfen mit meinem Leben.

Und genau da kann uns dieser Psalm 92 ganz lebendig in unseren Alltag hinein begegnen. Er ist für Menschen, denen gerade die Sonne aus dem Herzen lacht, und er ist für Menschen, die gerade Dankbarkeit buchstabieren.

Der Sabbat als Ort der Ruhe und des Lobes

Wir lesen gemeinsam diesen Psalm 92 zu Beginn.

 Psalm 92, ein Psalm, ein Lied für den Tag des Sabbats. Es ist gut, den Herrn zu preisen und deinen Namen, du Höchster, zu besingen. Am Morgen deine Gnade zu verkünden und in den Nächten deine Treue, zur zehnsaitigen Harfe, zur Laute und zur Harfe, zum klingenden Spiel auf der Zither. Denn du hast mich erfreut, Herr, durch dein Tun; über die Werke deiner Hände juble ich. Wie groß sind deine Werke, Herr, sehr tief sind deine Gedanken. Ein unvernünftiger Mensch erkennt es nicht, und ein Tor versteht dies nicht.

Wenn die Gottlosen sprossen wie Gras und alle Übeltäter blühen, dann nur, damit sie vernichtet werden für immer. Du aber bist ewig erhaben, Herr. Denn siehe, deine Feinde, Herr, denn siehe, deine Feinde werden umkommen; es werden zerstreut werden alle Übeltäter. Aber du wirst mein Horn erhöhen wie das eines Büffels; mit frischem Öl hast du mich überschüttet. Und mein Auge wird seine Lust sehen an meinen Feinden, meine Ohren werden ihre Lust hören an den Übeltätern, die gegen mich aufstehen.

Der Gerechte wird sprossen wie die Palme, wie eine Zeder auf dem Libanon wird er emporwachsen. Die gepflanzt sind im Haus des Herrn, werden grünen in den Vorhöfen unseres Gottes. Noch im Greisenalter gedeihen sie, sind sie saftvoll und grün, um zu verkünden, dass der Herr gerecht ist. Er ist mein Fels, und kein Unrecht ist an ihm.

Es bietet sich bei dem Psalm eine klassische Dreiteilung an, und wir starten mit den ersten vier Versen: das Bezeugen der Dankbarkeit. Der Psalm startet ja schon sehr interessant in der Überschrift: „Ein Psalm, ein Lied für den Sabbat.“ Es ist der einzige Psalm, der konkret für den Sabbat gedichtet wurde, diesen siebten Tag der Woche, den Ruhetag bei den Juden.

Und was mir imponiert: Es geht nicht nur um den Ruhetag, sondern es geht um ein Herz, das zur Ruhe gekommen ist in seinem Gott. Es ist sehr faszinierend, wenn ihr nachzählt: Der Begriff Herr kommt siebenmal in diesem Psalm vor. Also wenn, wer, wenn nicht der Herr ist derjenige, der unser Herz auch zur Ruhe bringen kann?

Und es führt uns direkt an den Anfang von dem Schöpfungsbericht, wo wir in 1. Mose 2 lesen: Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn, denn an ihm ruhte er von seinem Werk, das Gott geschaffen hatte, indem er es machte. Im Herrn kommen wir zur Ruhe.

Ruhe aus Christus statt Leistung aus eigener Kraft

Ich durfte mich in den letzten Monaten ein wenig mit Zeitmanagement auseinandersetzen und habe dabei auch ein Buch gelesen, ein sehr gutes Buch: Kaufe deine Zeit aus, erschienen im Permission Verlag. Es ist ein christliches Buch, und der Autor führt darin aus, dass wir als Christen maximal beschenkt sind. Warum?

Wenn du dich mit Zeitmanagement auseinandersetzt, dann gibt es da ganz viele Wälzer. Es füllt regelrechte Metawände an Bücherregalen, und oft bekommst du von irgendwelchen strahlenden Hochglanzfotos Menschen erklärt, wie dein Leben zu funktionieren hat. Damit sich dein Leben entschleunigt, sollst du ABC umsetzen, die Methode XYZ anwenden und am besten alles gleichzeitig tun, nur mit einem Ziel: dass dein Leben einmal in ruhigere Fahrwasser kommt.

Und wisst ihr, dann schaut man in die Bibel hinein und kommt zu einer Stelle in Hebräer 4,10, wo der Schreiber ausführt: Denn wer in seine Ruhe eingegangen ist, der ist auch zur Ruhe gelangt von seinen Werken, wie Gott von den seinen.

Ich glaube, eine ganz gewaltige und befreiende Botschaft des Evangeliums ist, dass wir durch Christus bereits zur Ruhe gekommen sind. Wir starten nicht mit Methode ABC und Prinzip XYZ, um zur Ruhe zu kommen, sondern dürfen durch Christus aus der Ruhe heraus starten.

Paulus führt das so schön aus in einem seiner Briefe, dass wir in den Werken wandeln dürfen, die er zuvor bereitet hat. Das ist eine ganz gewaltige Befreiung, oder? Wir dürfen aus der Ruhe heraus produktiv sein, aber wir müssen nicht produktiv sein, um zur Ruhe zu kommen.

Das dreht das Ganze irgendwie ein bisschen um, wenn wir uns unseren christlichen Glauben anschauen. Und der Psalmschreiber nimmt uns da an die Hand, weil wir, denke ich, auch Schwierigkeiten mit dieser Art von Ruhe haben. Er nennt uns im zweiten Teil, den wir uns anschauen werden, sieben ganz konkrete Punkte für Dankbarkeit.

Schon Augustinus, der alte Kirchenvater, hat es auf den Punkt gebracht: Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir, bis es Ruhe findet in dir. Einfach neu zu ankern.

Lob in Morgen und Nacht

Damit wenden wir uns den Versen zwei und drei zu. Es ist gut, den Herrn zu preisen und deinen Namen, du Höchster, zu besingen, am Morgen zu verkünden deine Gnade und deine Treue in den Nächten.

Martin Luther hatte ja gerade Reformationstag, deswegen darf er ein paarmal öfter vorkommen bei den Zitaten. Martin Luther sagte mal: Kommt, lasst uns einen Psalm singen und den Teufel vertreiben. Und das hilft. Loben zieht nach oben, Danken schützt vor Wanken.

Wie gut ist es, einfach mal zwischendurch, wenn du unterwegs bist im Auto, still zu werden und anzufangen zu singen. Die Gefahr, dass du dich blamierst, ist relativ gering. Du kannst einfach aus der Fülle deines Herzens Gott Lieder entgegensingen. Ich finde das so einen gewaltigen Schatz, den ihr als Gemeinde uns auch gestern hier ermöglicht habt.

Wir haben hier gestern 60 Kinder gehabt, um die 60 herum, und 20 Mitarbeiter. Pima Daum, es wurde sehr schön organisiert. Und dann haben wir mit den Kindern Lagerschlager gesungen, Griechenlager und sowas, also alles Mögliche, aber auch Lernverslieder, Römer 8, was wir gerade gehört hatten. Das sind so Kostbarkeiten, die sich den Kindern einprägen für ihr Leben.

Der Jannick hatte gestern Morgen eine Andacht über Joschafat. Dieser Mann war ein König. Da hatten wir den Geburtstagsvers heute übrigens auch. Ein König, der kapituliert, obwohl er ein gewaltiges Heer hat. Und er muss sagen: Herr, in uns ist keine Kraft, um irgendwie etwas Sinnvolles zu tun, wir haben es nicht drauf. Und dann tritt Gott auf den Plan. Joschafat ist ein ganz gewaltiges Vorbild, weil er es zulässt, dass er in den Krieg zieht in einer absolut verrückten Anordnung. Er kleidet Männer entsprechend ein, dass sie in Lobgewändern hingehen auf das Schlachtfeld und sich mit Lobpreis dem Feind bereit sind entgegenzustellen. Und Gott verherrlicht sich in dieser Situation.

Ich habe gedacht, das ist ja eigentlich auch wie so eine Brücke für unsere Kinder. Nicht, dass wir die jetzt besonders anziehen oder so, aber die stehen auch in dem Schlachtfeld des Alltags. Schule hat begonnen, sie sind konfrontiert mit vielen Einflüssen, die sie haben in der Schule oder Nachbarschaft, vom Freundeskreis, Internet ist eine Riesenbubble, was sie umgibt. Die stehen auch in so manchen Schlachten. Und wie gut ist es, wenn man in der Zeit ein Lied auf den Lippen hat. Wie gut ist es, wenn man zur Ruhe kommen kann und Gott singen darf.

Und hier schreibt der Psalmschreiber, am Morgen zu verkünden deine Gnade und deine Treue in den Nächten. Und er nennt zwei bestimmte Tageszeiten, nämlich den Morgen und die Nacht, den Tag und die Nacht. Der Morgen: Jemand sagte mal, Gnade ist wie das Morgenlicht, das die Finsternis der Nacht durchbricht. Man könnte es verdichten: die Finsternis der Nacht durchbricht die Sonne mit dem Morgenlicht. Das kommt in dem Psalm regelmäßig vor, es ist ein ganz wiederkehrendes Motiv, zum Beispiel Psalm 30, Vers 6: Am Abend kehrt Wein ein und am Morgen ist Jubel.

Oder wenn wir an Jeremia denken: Jeremia wird als der weinende Prophet oft auch dargestellt in der Sixtinischen Kapelle, zum Beispiel in Rom. Jeremia, dieser weinende Prophet, der viel Elend erlebt hat. Und dann schreibt er die Klagelieder, und schon der Name ist irgendwie auch Programm bei diesem Mann. Und dann schreibt er mittendrin in Klagelieder 3 diese gewaltige Aussage: Ja, die Gnadenerweise des Herrn sind nicht zu Ende, sein Erbarmen hört nicht auf, es ist jeden Morgen neu. Es ist jeden Morgen neu, groß ist deine Treue. Jeden Morgen neu ist Gottes Gnade da. Egal, mit welchem Bein du aufgestanden bist, seine Gnade ist jeden Morgen da.

Und das Gleiche ist auch am Abend, deine Treue in den Nächten. Da, wo man eher denkt: Mensch, warum ist der Psalmschreiber nachts wach, warum schläft er nicht lieber? Warum bist du nachts wach, warum drehst du dich in deinem Bett herum, warum wendest du die Decke von links nach rechts und deine Gedanken fahren Karussell? Deine Treue in den Nächten zu verkündigen. Am Abend und in der Nacht schaut man zurück auf verflossene Stunden, und man stellt fest: Es ist Gott, der mich getragen hat.

Ich fand das sehr bewegend, dieses Geburtstagslied, wie viel schöne Stunden in diesem Alter, das zu singen, darauf zurückzublicken. Seine Treue ist da. Groß ist deine Treue. Was für ein gewaltiges Geschenk. Hinter dieser Aussage steht so gewaltig im Psalm 121: Dein Hüter schlummert nicht, siehe, nicht schläft noch schlummert der Hüter Israels. Gott ist wach, das ist ja auch wichtig. Momentan schlafen einige unserer Geschwister auf der anderen Seite der Erdkugel, aber wenn wir schlafen, sind die vielleicht wach, und unser Gott ist immer da, immer ansprechbar. Was für ein gewaltiges Geschenk.

Der Psalm geht weiter und führt jetzt aus zu Musikinstrumenten, ab Vers 4, zur zehnsaitigen Laute und zur Harfe, zum klingenden Spiel auf der Zither, mit der größten Vielfalt der Musik. Das wird uns hier beschrieben. Der Lobpreis Gottes ist absolut nachvollziehbar, wenn wir uns die Übersetzung von Martin Luther noch einmal verdeutlichen: Es ist ein köstliches Ding, dem Herrn danken. Dass wir Gott loben, ist nachvollziehbar, es ist köstlich, es ist einsichtsvoll, denn wir dürfen Gottes Eigenschaften und sein Wesen besingen. Es ist beständig, das haben wir gerade herausgearbeitet, Tag und Nacht darf der Lob Gottes erscheinen, und er ist vielerlei und vielfältig mit der größten Vielfalt der Musik.

Ich habe mich sehr gefreut, hier gerade bei der Begleitung. Wenn man das so hört, was da alles da ist, wenn man einstimmt in dieses Lob Gottes, wenn ihr, wo ihr hier gestanden habt, gesungen habt. Richtig schön, wie vielfältig, wie vielerlei darf Gotteslob zum Ausdruck gebracht werden. Was für ein gewaltiges Geschenk ist es, dass wir Gott Lieder singen dürfen.

Wir hatten gestern beim Singen so ein paar Kinder dabei, die haben den Ton nicht so genau getroffen, und ich habe mich so gefreut. Ein Kandidat hatte ich da vor Augen, der hatte das Herz maximal am richtigen Fleck. Da habe ich nur gedacht: Wie schön lobt der Gott. Lass dich da bitte nicht stören, dass du denkst, meine Stimme reicht nicht für den nächsten Songkontext. Das, worauf es ankommt, ist unser Herz, und das sieht unser Herr ganz genau. Und wie schön ist es, wenn wir Gott dann loben zu seiner Ehre.

Die ersten Gründe für Dankbarkeit: Gottes Tun und seine Gedanken

Und der Psalmschreiber führt uns jetzt genau dahin. Er möchte uns sieben Gründe nennen, warum wir Gott ganz praktisch Dankbarkeit entgegenbringen dürfen, oder warum wir Dankbarkeit empfinden dürfen.

Wir nehmen die ersten beiden Gründe: Die Werke des Herrn sind groß, und seine Gedanken sind sehr tief. Und wir lesen zunächst Vers 5:

Denn du hast mich erfreut, Herr, durch dein Tun; über die Werke deiner Hände juble ich.

Dein Tun, Herr, das hat mich erfreut. Das ist so das Werk Gottes als eine Einheit. Und dann geht der Vers weiter: über die Werke deiner Hände juble ich. Also einmal eine Einzahl und einmal eine Mehrzahl. Wie kriegt man das gut übereinander?

Ich habe einen Kommentar gefunden aus dem 19. Jahrhundert von Fawcett, 1866. Und er schreibt: Dasjenige Werk Gottes, welches der Dichter hier im Sinn hat, nämlich die völlige, endgültige Erlösung des Volkes Gottes, ist um nichts weniger wunderbar als das Werk der Schöpfung, welches der ursprüngliche Grund für die Heiligung des Sabbats war.

Dein Tun und die Werke deiner Hände. Ich stimme dem gerne zu. Ich glaube auch, dass es hier um die Erlösung geht, als das große, gewaltige Werk unseres Gottes. Und dass aber auch eingeladen wird, sich die Schöpfung anzuschauen als etwas ganz Großartiges.

Man kann dieses Argument sehr gut untermauern, indem man sich den Zweck des Sabbats anschaut. Schlagt mal auf: 2. Mose 20. Da wird uns der eine Zweck genannt, warum Sabbat gefeiert werden sollte. 2. Mose, Verse 8 und 11. Lesen wir mal nur 2. Mose 20 aus den Zehn Geboten:

Vers 8: Denke an den Sabbattag, um ihn heilig zu halten.

Und dann Vers 11: Denn in sechs Tagen hat der Herr den Himmel und die Erde gemacht, das Meer und alles, was in ihm ist, und er ruhte am siebten Tag; darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn.

Denk an deinen Schöpfer, an den Tag des Sabbats. Das ist eine Aufforderung, die damals sehr deutlich ausgesprochen wurde.

Dann blättern wir weiter zu 5. Mose, 5. Mose 5, Vers 15. Und da wird uns ein weiterer Gesichtspunkt mitgeteilt, eine Perspektive, die wir beim Sabbat einnehmen können:

Und denke daran, dass du Sklave warst im Land Ägypten und dass der Herr, dein Gott, dich mit starker Hand und mit ausgestrecktem Arm von dort herausgeführt hat; darum hat der Herr, dein Gott, dir geboten, den Sabbattag zu feiern.

Denk an deinen Schöpfer und denk an deine Erlösung.

Vielleicht ist, wenn wir das mit dem Sabbat haben, ja immer die Frage: Geht der heute noch? Und wenn, wäre es ja der Sonntag bei uns. Dieses Fass möchte ich bewusst gar nicht öffnen. Ich möchte aber einladen, sich dieses Prinzip, das wir in der Bibel finden, durchaus mal zu verinnerlichen und zu Gemüte zu führen.

Es ist maximal sinnvoll, dass unser Schöpfer uns anordnet, dass wir Tage haben, an denen wir zur Ruhe kommen. Dass wir Tage haben, an denen wir uns neu Gedanken machen dürfen über die Schöpfung, über die Großartigkeit seiner Erlösung. Dass wir Tage haben, an denen wir uns auch vielleicht von körperlichen Arbeiten, wenn wir sie haben, unter der Woche erholen können und dürfen. Weil wir Menschen so begrenzt sind. Weil wir eben keine Leute sind, die 24/7 aktiv sein und die ganze Zeit Höchstleistung bringen können. Weil wir Grenzen haben.

Deswegen finde ich: Dieses Sabbatgebot muss man beachten. Also ich möchte da nicht irgendwie falsch verstanden werden. Aber ich möchte euch gerne einladen, über Sinn und Zweck von Ruhe nachzudenken. Das ist nicht schlecht, das ist sehr gut und positiv.

Und genauso hier: Nimm dir einfach mal bewusst Zeiten. Geh einfach mal raus und geh eine Runde spazieren. Denk darüber nach, wie gewaltig die Schöpfung ist. Und hier im Siegerland kann man ja recht schön herumlaufen. Denk dann darüber nach, über diese Großartigkeit der Erlösung, dieses Werk, das der Herr gemacht hat. Ist uns das noch bewusst, was da passiert ist? Da wird uns der Psalmschreiber auch gleich noch darauf stoßen.

Also zwei Zwecke hatte der Sabbat: an den Schöpfer zu denken und an die Erlösung. Und dann wird in Vers 6 weiter ausgeführt:

Wie groß sind deine Werke, Herr! Sehr tief sind deine Gedanken.

In seinen Werken hat sich Gott offenbart. Deswegen ist das, was wir so sehen, was uns umgibt, auch so oft so herrlich. Wenn wir unter dem Sternenhimmel stehen und gebannt sind oder geflasht sind über diese gigantischen Ausmaße, über das, was sich über uns erstreckt.

In seinen Werken hat sich Gott offenbart. Und Gedanken sind ja eigentlich verborgen. Ich stehe hier vor euch, und in meinem Kopf können gerade ganz seltsame Gedanken abgehen, die ihr gar nicht erraten würdet. Aber Gott ist so genial, dass er seine Gedanken geoffenbart hat in seinem Wort.

Und das startet schon bei Abraham zum Beispiel. Gott sagt in 1. Mose 18,17: Der Herr aber sprach bei sich: Sollte ich vor Abraham verbergen, was ich tun will? Sollte ich vor Abraham verbergen, was ich tun will? Und er tut es nicht. Er offenbart Abraham, was er auszuführen gedenkt.

Ich finde das so schön, dass hier bei Gott beides Hand in Hand geht. Werke und Gedanken gehen beide Hand in Hand. Und sie offenbaren dadurch den allmächtigen Gott.

Wir wenden das Ganze mal auf uns Menschen an. Bei uns Menschen sind manche Werke gedankenlos. Das nennt man dann auch oft dumm. Wenn wir uns das Gegenteil jetzt mal anschauen, also jetzt zurückspielen: Wir haben manche Gedanken, die richtig gut sind, und stellen fest, wir können sie nicht umsetzen. Wir sind begrenzt. Wir schaffen es nicht. Wir sind nicht allmächtig, sondern wir haben Grenzen. Wir können nicht überall an jedem Fleckchen Erde gleichzeitig sein, sondern wir sind begrenzt. Unser Tun hat Grenzen. Manchmal kommt unser Tun dem Verstand nicht mehr hinterher. Wir würden vielleicht gerne unterstützen und stellen fest, dass wir an Kapazitätsengpässe stoßen, wo es nicht mehr weitergeht.

Aber Gott ist nicht so. Und lasst uns mal Jesaja 55 aufschlagen, wo Gott sich einfach so herrlich vorstellt und wo deutlich wird, wie wunderbar und genial es ist, dass Gott allmächtig ist, dass bei ihm Gedanken und Taten miteinander übergehen. Jesaja 55, lesen wir einfach die Verse 8 bis 11:

Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr. Denn so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken. Denn wie der Regen fällt und vom Himmel der Schnee und nicht dahin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt, sie befruchtet und sie sprießen lässt, dass sie den Säern Samen gibt und Brot dem Essenden, so wird mein Wort sein, das aus meinem Mund hervorgeht. Es wird nicht leer zu mir zurückkehren, sondern es wird bewirken, was mir gefällt, und ausführen, wozu ich es gesandt habe.

Wie groß, wie allmächtig ist unser Gott!

Und wo wir das sehen, ist es direkt schon am Anfang der Bibel bei der Schöpfung, wo Gott spricht und es ist da. Durch den Sprechakt entsteht etwas. Und das ist, glaube ich, ein ganz krasser Angriff, den wir auch heute in unserer Gesellschaft haben. Denn auch bei uns wird heute versucht, durch Sprechakte Fakten zu schaffen, Änderungen herbeizuführen. Wir müssen ehrlich sein, dass wir da begrenzt sind. Wenn Gott spricht, dann ist etwas da. Aber wir sind nicht Gott.

Gottes Umgang mit den Gottlosen und die bleibende Frucht der Gerechten

Der dritte Punkt, der uns angeführt wird, ist für uns politisch korrekt denkende Menschen wahrscheinlich ein bisschen schwierig. Aber ein Grund zur Dankbarkeit ist: Er trifft die Gottlosen.

Verse 7 und 8, und wir lesen das einmal gemeinsam:

Ein unvernünftiger Mensch erkennt es nicht, und ein Tor versteht dies nicht. Wenn die gottlosen Sprossen wie Gras, wörtlich Kraut, und alle Übeltäter blühen, dann nur, damit sie vernichtet werden für immer.

Der Psalm führt uns hier sehr deutlich vor Augen, dass wir das Sprossen der Gottlosen von dem Sprossen der Gerechten unterscheiden müssen. Die Gottlosen wachsen nur, und das hat der Psalmschreiber deutlich vor Augen geführt, um zu sterben. Sie blühen nur, um zu verwelken.

Man kann hier an dem Text einfach einmal ein paar W-Fragen stellen, die weiterhelfen: Wie passiert das Ganze? Gottlose sprossen wie Kraut und blühen, um vernichtet zu werden. Und wenn wir uns die Verse 13 bis 16 dann vor Augen führen, da lesen wir: Der Gerechte wird sprossen wie die Palme und emporwachsen wie die Zeder. Sie gedeihen und grünen auch noch im Alter.

Sprossen – das Wort finde ich ganz interessant – ist hier in Vers 8 und in Vers 13 dasselbe Wort. Und blühen in Vers 8: Da schreibt Warren Wiersbe in seinem Kommentar, das Wort blühen in Vers 8 bedeutet auffallend sein, glänzend, während der Begriff in den Versen 13 und 14 die Bedeutung von emporwachsen, reich, grünen hat.

Also: Das eine glänzt und schimmert. Das ist so eine Hochglanzfolie. Und damit bist du im Alltag wahrscheinlich oft konfrontiert und denkst: Boah, krass, bei allen anderen läuft’s. Und dann guckst du dir dein eigenes Wachstum an und denkst: Okay, bei mir geschieht das eher so Schritt für Schritt. Es ist ein richtig gesunder Prozess, schreibt uns Sepsheim hier. Unser Leben als Christ hat oft nichts mit Hochglanz zu tun, sondern mit dem grauen Alltag, den wir durchbuchstabieren.

Das finde ich schön. Sprossen spricht aber auch von Wachstum. Wo findet das Ganze statt? Bei den Gottlosen wissen wir es nicht. Bei den Gerechten lesen wir, dass sie gepflanzt sind im Haus des Herrn. Wann findet das Wachstum statt? Bei den Gottlosen finden wir es nicht so ganz beschrieben, oder bis wann? Der Psalmschreiber betont bei den Gottlosen hier die Endlichkeit: Sie werden sterben und verwelken.

Und wenn wir uns die Gerechten anschauen, und ihr habt hier ein lebendes Beispiel bei euch mittendrin: Die Gerechten sind gepflanzt im Hause des Herrn, und sie blühen auch im Greisenalter. Was für ein gewaltiges Geschenk, das wir haben dürfen mit unserem Glauben an unseren großen Gott.

Warum findet das Ganze statt? Warum leben wir überhaupt? Warum sprossen wir? Warum wachsen wir empor? Bei den Gottlosen wird kein Grund genannt, kein Sinn, aber ein Ziel: damit sie vernichtet werden für immer, da schreibt der Psalmschreiber. Und im Unterschied dazu der Gerechte: um zu verkündigen, dass der Herr gerecht ist. Um zu verkündigen, dass der Herr gerecht ist – was für eine schöne Aufgabe wir haben dürfen.

Und wenn wir uns den Anfang vom Psalm noch mit dazu nehmen, Vers 3: Wir dürfen seine Gnade verkünden, seine Gnade und seine Gerechtigkeit. Das dürfen wir verkünden.

Der Höhepunkt: Gottes Erhabenheit und Sieg

Der vierte Punkt, der uns angeführt wird, um Gott zu danken, steht in Vers 9: Er ist ewig erhaben, du aber bist ewig erhaben, Herr. Das finde ich sehr schön.

Sieben Gründe werden angeführt, und wer in Mathematik jetzt ein bisschen bewandert ist, weiß: Okay, das ist jetzt eigentlich genau die Mitte. Also, wir setzen jetzt so langsam zur Landung an, damit ihr euch entspannt. Wir haben sozusagen den Gipfel angesteuert und sind jetzt auf dem Gipfel angekommen. Der absolute Topgrund findet sich in der Mitte. Danach werden uns noch drei weitere Aspekte genannt zur Dankbarkeit. Aber im Zentrum steht, um wen es bei uns Christen geht, und das ist keine Methode, kein Plan, sondern eine Person.

Wir Christen nennen uns Christen wegen Jesus Christus. Und hier wird der Psalmschreiber sehr ausführlich und sagt: Du bist ewig erhaben, Herr, du bist ewig erhaben, Herr. Gott wird hier beschrieben wie so ein Alpengipfel. So kann man sich das vielleicht gut vorstellen. Wenn ihr in den Bergen seid und abends dann rausgeht oder rausschaut, dann finde ich dieses Alpenglühen, nennt man das ja auch, wenn das so richtig rot wird, und du fasziniert bist und du weißt, das kann kein Fotoapparat aufnehmen auf dieser Welt, was ich da gerade mir vor Augen geführt bekomme. Diese gewaltige Schönheit, dieses epische Ausmaß von so einem Alpengelände, und dann strahlt das alles so richtig rot. Und dann denkst du vielleicht an deine Wanderung zurück, die du am Tag zuvor hattest, und weißt: Diesen Gipfel da, da bin ich hochgegangen. Boah, das waren so vermatschte Wege, so voller Dreck. Da bin ich manchen Kühen begegnet, die die Wiese komplett umgepflügt haben. Und ich habe gedacht: Irgendwie ist Gott auch so.

Gott steht über diesen Dingen. Er glänzt. Er ist derjenige, der leuchtet, egal ob die Wiese an den Hängen gerade wachsen oder welken. Der Gipfel, der strahlt. Und das finde ich so ein schönes Bild auf unseren großen Gott.

Das Bekenntnis, dass Gott erhaben ist, ist dem ersten Lied entnommen, das Israel gemeinsam sang nach dem Durchzug durch das Schilfmeer. Es wird oft beschrieben als der Ur-Lobgesang Israels, und wir finden das in 2. Mose 15,1. Kurz vielleicht zur Einordnung: Israel ist hier auf der Flucht vor den Ägyptern, oder sie sind jetzt aus der Knechtschaft befreit, machen sich auf den Weg, ziehen durch das Schilfmeer durch und erleben dort die wunderbare Rettung Gottes von den Ägyptern. Und dann stimmen Mose und die Söhne Israel dem Herrn ein Lied an: 2. Mose 15,1: Singen will ich dem Herrn, denn hoch erhaben ist er, hoch erhaben ist er; Pferd und Wagen warf er ins Meer, hoch erhaben ist der Herr.

Mirjam schnappt das Ganze auf, und dann finden wir Mirjam, Aarons Schwester, auch sie fängt an zu singen. In Vers 21, 2. Mose 15,21, singt sie dem Herrn, und der Grund, der angeführt wird: Denn hoch erhaben ist er, denn hoch erhaben ist er.

Wir schauen noch mal bei uns in den Psalm hinein, und was finden wir dann in Vers 9? Wie groß sind deine Werke, sehr tief sind deine Gedanken. Entschuldigung, Vers 9: Du aber bist ewig erhaben, Herr, du bist ewig erhaben, Herr.

Und ich fand das ganz spannend, wenn man diese Situation mal vergleicht. Wenn man sich Mose und Mirjam auf der einen Seite anschaut, dann kann man sehr gut verstehen, warum die sagen: Boah, Herr, du bist wirklich groß und hoch erhaben. Denn sie haben das gerade ganz konkret erlebt. Dieses Volk, das sie unterdrückt hat, ist gerade in den Fluten versunken. Das kann man maximal verstehen, dass es einem da leicht fällt, Gott zu loben und ihn zu ehren.

Und dann schlagen wir Psalm 92 auf und dann lesen wir im Vers 9: Denn ewig erhaben bist du, Herr. Deine Größe ist nicht an einen Sieg gebunden, sondern dauerhaft, losgelöst von den Umständen, in denen ich gerade vielleicht drinstecke. Ein Fels in der Brandung, mitten in dem Wogen der Feinde.

Und wenn wir uns den Psalm aus der Vogelperspektive anschauen – bei mir ist so schwarz immer etwas Negatives, und hier um diesen Vers herum ist viel Schwarz markiert –, wir lesen da in den Versen 7, 8 und 10 und 12 von den Feinden, von den Übeltätern, von dem Schlechten. Vielleicht haben wir da das Bild noch mal von diesem Alpengipfel vor Augen: dieses Ganze, was nicht schimmert und nicht glänzt, was uns vielleicht sogar niederzieht und unsere Kraft wegzieht. Aber der Herr ist ewig erhaben. Losgelöst von irgendwelchen situativen Konstellationen, wo es uns leicht fällt, Gott zu loben, steht die Erhabenheit Gottes ewig und nicht änderbar.

Das finde ich so ermutigend. Er ist ewig erhaben. Es ist eine zeitlose Bekräftigung von Gottes Erhabenheit, nicht nur situativ, nicht nur anders bezogen wie in 2. Mose 15, sondern ewig gültig, losgelöst von den äußeren Umständen. Du bist ewig erhaben, Herr!

Weitere Gründe: Feinde, Sieg und bleibendes Leben

Der fünfte Grund: Er zerstreut seine Feinde. Vers 10. Das lesen wir hier: Denn siehe, deine Feinde, Herr, denn siehe, deine Feinde werden umkommen; es werden zerstreut werden alle Übeltäter.

Dann kommen wir zum sechsten Grund, Verse 11 und 12: Er lässt den Psalmisten triumphieren. Vers 11 und 12: Aber du wirst mein Horn erhöhen wie das eines Büffels; mit frischem Öl hast du mich überschüttet. Und mein Auge wird seine Lust sehen an meinen Feinden, meine Ohren werden ihre Lust hören an den Übeltätern, die gegen mich aufstehen.

Ja, das Horn und so, das sind heute Bilder, die man wahrscheinlich nicht mehr so ganz auf dem Radar hat. Was ist damit gemeint? Wobei das Horn ja ein Zeichen von Kraft ist. Wenn wir uns einfach mal in die NBA reinschauen, die amerikanische Profibasketballliga, dann haben wir da zum Beispiel die Chicago Bulls. Das ist übrigens das einzige NBA-Team, das sein Logo seit der Gründung nicht geändert hat. Ganz spannend: Bei den anderen war das der Fall, aber die Chicago Bulls, die haben immer noch so etwas mit Horn, und das steht für Sieg. Also denkt euch eine Sportmannschaft vor, die einfach erfolgreich unterwegs ist. Das erhöhte Horn hier, von dem die Rede ist, ist ein Zeichen des Sieges.

Dann geht es weiter mit frischem Öl, das vermutlich kaltgepresst ist, also sehr teures, kostbares Öl. Und das steht für die Wohltaten Gottes. Viele von euch kennen wahrscheinlich den Psalm 23 auswendig: Der Herr ist mein Hirte. Und dann lesen wir davon: Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt. Das ist unser großer Gott. Er ist derjenige, der uns überhaupt erst den Lobgesang anstimmt, der dafür sorgt, dass wir ihm allein Ehre geben können.

Das führt uns dann zum siebten Grund der Dankbarkeit: Den Gerechten gibt er Leben, das ewig grünt und blüht. Die Verse 13 und 14: Der Gerechte wird sprossen wie die Palme, wie eine Zeder auf dem Libanon wird er emporwachsen.

Ich fand das eine interessante Kombination: Palme und Zeder. Ich habe mich gefragt, findet man die irgendwo so gemeinsam aufgeführt? Die Psalmen haben es ja auch mit Bäumen. Psalm 1 schon, der Beginn: Er ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen. Und dann haben wir hier diese Kombination von Palmen und Zedern.

Ich habe gedacht, so eine Palme, das ist so ein Gewächs in der Wüste, wo eigentlich gar nichts wachsen kann. Doch sie ist ein gewaltiger Segenspender, wenn man sich das anschaut. Die Palme war damals im Alten Orient sehr geschätzt. Die Dattelpalmen zum Beispiel waren extrem begehrt wegen ihrer Frucht im Alten Orient, und man hat oft unter den Palmen andere Gewächse wachsen lassen, weil man sich den Schatten der Palmen zunutze gemacht hat. Eine Palme, die in der Wüste steht.

Wenn wir da ins Alte Testament hineinschauen, da habe ich an Lot gedacht, der uns im Neuen Testament als der Gerechte vorgestellt wird. Und ich habe gedacht: Lot ist für mich auch so eine Palme der Gottlosigkeit Sodoms. Sein Mann zu stehen und im Neuen Testament als der Gerechte bezeichnet zu werden. Bei Lot zieht sich vielleicht manches von uns zusammen, weil wir denken: Haut das wirklich hin? Ja, doch. Das Neue Testament stellt den ganzen Mann gnädig als den Gerechten vor.

Aber denken wir an weitere Leute im Alten Testament, denken wir an Joseph, an Daniel, an Esther. Sie waren gefühlt mitten in der Wüste drin, da, wo eigentlich gar nichts geistlich wachsen kann, und sie kommen doch so zur Blüte, weil sie ihre Nährstoffe nicht von dem Sand beziehen, in dem sie drinstecken. Die Gerechten gedeihen an allen Orten.

Wenn man sich das anschaut: Die Palme wächst ja so in der Ebene, die Zeder wächst dann eher auf dem stolzen Libanongebirge. Also das eine eher so für uns hier, so ebenerdig gesinnt, und bei der anderen, bei der Zeder, geht es richtig hoch hinaus. Sie wachsen zu allen Zeiten. Beides, sowohl Zeder als auch Palme, sind immergrüne Pflanzen. Und deswegen ist auch interessant, dass hier in Vers 14 steht: Sie werden grünen, sie gedeihen unter allen Verhältnissen. So eine Palme, die kannst du in die Wüste stellen, und es passt. Eine Zeder kann auf dem Libanongebirge wachsen, wo es stürmt und wettert, und sie bleibt standhaft. Und sie sind zum Segen für andere.

Hatte ich schon ausgeführt, dass die Dattelpalme zum Beispiel wegen ihrer Frucht im Alten Orient sehr geschätzt war? Die Palme ist ein sehr schönes und anmutiges Gewächs für alle Verliebten. Hohelied 7,7-9. Nein, ich lese es jetzt nicht vor, aber ihr könnt euch aufschreiben, wo die Palme in der Liebesbeziehung von Mann und Frau auf eine wunderschöne Art und Weise beschrieben wird.

Wir finden Palmenornamente in den Tempel Gottes hineingeschnitzt. In 1. Könige 6,29 wird uns das beschrieben. Und wir wissen, dass Zedern für den Bau des Tempels verwendet wurden. Das finde ich gewaltig. Und jetzt gucke ich hier in liebe Gesichter hinein, viele von euch kenne ich gar nicht, und denke: Wie schön ist es, dass Gott Gemeinde baut, oder?

Wissen Sie, ich glaube, das, was wir hier haben, wovon die Rede ist, von Palmen und von Zedern, ich weiß nicht, unter welche Pflanze Lüdig zählt, das ist eigentlich ein wunderschönes Bild für Gemeinden, die als lebendiger Bau von Gott zusammengefügt wird, die ihre Wurzeln richtig hat, um dann Frucht zu treiben nach außen hin. Was für ein gewaltiges Geschenk!

Paulus schreibt das in Epheser 2, ab Vers 20. Da führt er aus: Ihr seid aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, wobei Christus Jesus selbst Eckstein ist. In ihm zusammengefügt wächst der ganze Bau zu einem heiligen Tempel im Herrn, und in ihm werdet auch ihr mit aufgebaut zu einer Behausung Gottes im Geist.

Ich hatte das Privileg, am letzten Wochenende mit meiner Mama auf so einer Konferenz zu sein, der Bibelbund-Konferenz in Rehe, und da ging es um Gemeinde Gottes. Das war ein interessantes Publikum da, und ich habe das sehr genossen. Wir saßen dann abends noch oft zusammen, meine Mutter und ich, beim Kaffee im Grünen, und haben über Gemeinde gesprochen. Und dann sagte meine Mutter eine ganz interessante Formulierung, die sie in meiner Predigt aufgeschnappt hatte. Sie sagte: Tommy, weißt du, das, was Gemeinde oft so schwierig macht, wenn man das so als Bau betrachtet, das sind die Steine, die auf einem liegen, oder?

Du bist in so einer Gemeinde als lebendiger Bau, und dir lastet der eine oder andere Stein so richtig schön auf der Schulter. Und dann sagt er dir immer vor Augen, dass du auch ein Stein bist, der getragen wird von anderen.

Gemeinde Gottes ist so wahnsinnig attraktiv. Gemeinde Gottes ist zusammengewürfelt aus Menschen, die sich in der freien Wildbahn nicht begegnen würden. Gemeinde Gottes ist so teuer erkauft. Und wenn du gerade Probleme hast mit dem Bruder oder mit der Schwester, führ dir vor Augen, was Paulus an die Gemeinde in Korinth schreibt. Das ist eine katastrophale Gemeinde, da würde dir jeder von abraten hinzugehen. Und dann schreibt Paulus: der Bruder, für den Christus gestorben ist.

Wenn du dir das vor Augen führst, der Bruder, die Schwester, für den Christus gestorben ist, dann wird der Konflikt ein bisschen gangbarer. Damit will ich Probleme nicht kleinreden, die haben wir bei uns in der Gemeinde ja auf jeden Fall. Aber führ dir einfach mal vor Augen, was es bedeutet, ein lebendiger Bau zu sein, dass du jemand bist, der vielleicht beim einen oder anderen für eine gewisse Last sorgt, weil er dich mitträgt, obwohl du es gar nicht mitbekommst, und dass sich alles fokussiert auf unseren großen Herrn, Jesus Christus.

Verwurzelung, Frucht und die Frage nach der Quelle der Identität

Dann kommt der Psalmschreiber dazu, in Vers 14: Die, die gepflanzt sind im Haus des Herrn, werden grün in den Vorhöfen unseres Gottes.

Das habe ich nicht verstanden bei der Vorbereitung auf diesen Psalm, weil ich gedacht habe: Ja, was denn jetzt? Bin ich jetzt gepflanzt im Haus des Herrn oder grüne ich in den Vorhöfen? Das eine ist ja so eine Zimmerpflanze, und das andere ist eine für draußen. Da habe ich gesagt: Wie passt das zusammen?

Es gibt in 2. Könige 19,30, das ist komplett aus dem Zusammenhang gerissen, aber da wird das gut beschrieben: Sie wird wieder Wurzel nach unten und Frucht tragen nach oben. Ich glaube, was der Psalmschreiber hier deutlich machen möchte, ist ein ganz wichtiger Aspekt: Wichtig ist, wo du als Christ deine Wurzeln hast. Und dann wird Gott für Frucht sorgen an Orten, die du dir vielleicht gar nicht vorgestellt hast.

Wo sind deine Wurzeln? Als Christen sind wir in Christus verwurzelt und gegründet in ihm, schreibt Paulus in Kolosser 2,7. Wenn meine Wurzeln in Christus sind, wird das Früchte nach außen tragen. Es wird Früchte nach außen tragen in die Vorhöfe, wie wir hier finden. Es wird Früchte nach außen tragen an die Uni, wo Gott dich reingestellt hat, an die Schulklasse, in die du hingehst, zu deinem Nachbarn, mit dem du Kontakt hast. Es wird Frucht tragen nach außen in dein berufliches Umfeld, zu Menschen, mit denen du konfrontiert wirst, zum Briefträger, der dir die Post abgibt, zu der Frau an Edeka, die dich jeden Tag so freundlich anlächelt, wenn du bei ihr etwas kaufst. Genau da wird die Frucht sichtbar werden.

Das ist so schön: Wenn du weißt, wo deine Wurzeln sind, wirst du Frucht nach außen tragen können in deinem Bereich, wo Gott dich hingestellt hat. Wie schön ist das in die Straßen unserer Zeit und auch in unser Zuhause.

Vielleicht ist das für dich gerade eine Herausforderung. Du kommst mit deinen Eltern nicht klar, mit deinen Geschwistern oder andersherum. Du hast vielleicht ein Kind, das dir große Sorgen bereitet. Aber genau da wird Frucht sichtbar werden, in deinem Zuhause. Wie schön ist das, wenn unsere Wurzeln richtig stimmen.

Wir versuchen so oft zu blühen, wo wir denken, dass andere über uns denken, wo wir Frucht treiben sollten, oder? Das stelle ich bei mir fest. Ich lese uns das noch mal vor, ich habe es extra aufgeschrieben, weil das so ein Zungenzertkerner ist: Wir versuchen so oft zu blühen, wo wir denken, dass andere über uns denken, wo wir blühen sollten.

Ist das auch ein Problem bei dir, dass du manche Erwartungshaltung hast und daran kaputtgehst, dass du versuchst, aus einer inneren Leere herauszuwachsen und nicht aus einem nährstoffreichen Boden? Gepflanzt im Haus des Herrn, der laut Vers 16, sagt der Psalmschreiber, mein Fels ist, das ist stabil.

Wo sind deine, wo sind meine Wurzeln? Grünen wir aus einem Mangel heraus oder aus dem Überfluss Gottes? Tragen wir Früchte von Unsicherheit und Angst? Treibt unser Wachstum Früchte, um verzweifelt Anerkennung zu suchen und zu finden? Ist mein Ertrag nicht dadurch schon gesichert, weil ich zur Ruhe gekommen bin durch Jesus Christus und sein Werk vom Kreuz, wo ich überhaupt nichts mehr beisteuern kann? Ich darf in den Werken wandeln, die er vorbereitet hat. Das ist Gnade, auf die ich angewiesen bin, jeden Morgen neu. Das ist so schön, dass wir den Blick richten dürfen auf ihn.

Wo sind deine Wurzeln? Ich möchte noch eine Frage stellen, weil mir dieser Punkt so wichtig ist: Versuchst du gerade, anderswo Wurzeln zu schlagen, wo du vielleicht Anerkennung bekommst, weil dir da Leute auf die Schulter schlagen? Das ist ja gar nicht unbedingt verkehrt. Wir sind ja in verschiedenen Tätigkeitsbereichen eingeplant. Es ist gut, wenn du Arbeiter bist, dass du da dein Bestes gibst, das ist richtig. Es ist gut, wenn du Schüler oder Student bist, wenn du dich hinsetzt und lernst. Aber wo bekommst du deine Bestätigung her? Woraus leitest du deine Identität ab? Und wenn du deine Wurzeln auf den externen Fokus richtest, dann wird dich das maximal stressen und in absolute Unruhe treiben, weil jemand anders für dein Glück verantwortlich ist.

Das finde ich die schöne Botschaft von der Bibel: Meine Sicherheit darf ich bei aller Angst und bei allem Zittern ableiten aus unserem großen Gott. Ich fand den Vers heute Morgen, den Geburtstagsvers, so passend. Man steht hier oben und hat es nicht. Man merkt, es ist mit Schwachheit und Zittern. Man hat es nicht drauf, man würde gerne etwas vermitteln. Ich hoffe, die Botschaft kommt an. Man stellt fest, es ist so vieles, was fehlt. Und dann ist man ermutigt, dass Gott auch manchmal durch den Esel reden kann.

Das ist so schön, dass wir diesen Blick haben dürfen, dass Gott nicht an unsere Schwachheit gebunden ist, sondern dass Gott zu Paulus sagt: Meine Stärke kommt in deiner Schwachheit zur Vollendung, denn meine Gnade genügt dir. Das ist unser großer Gott.

Alles, was ihr tut, schreibt Paulus den Kolossern in 3,23, das tut von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen. Das ist die Denkweise der Fülle, das ist Freiheit: den Blick nicht auf Menschen zu haben, sondern auf unseren großen, gewaltigen Gott und auf seinen Thron. Das ist auch so schön.

 Offenbarung 4. Nach diesen katastrophalen, also je nachdem, manche Sendschreiben sind richtig gut. In Offenbarung 2 und 3 werden uns sieben Gemeinden vorgestellt. Manche Gemeinde, da geht es richtig, da ist alles in Ordnung. Bei anderen Gemeinden schlägt man die Hände über dem Kopf zusammen.

Johannes steht auf dieser Insel, der ist verbannt, der kann da gar nicht hin, der guckt übers Ufer und muss vom Herrn erst mal umgedreht werden, um ihn zu hören. Dann kommt Offenbarung 4. In dieser Gemeindelage, wo Johannes nicht handgreiflich werden kann, wo er nicht zupacken kann, um direkt zu helfen, da darf Johannes die Worte aufschreiben: Auf dem Thron saß einer. Der Himmel regiert im Jahr 2025. Was für eine schöne Botschaft.

Der letzte Blick auf Gottes Gerechtigkeit und das Geschenk der Rechtfertigung

Und das ist, glaube ich, jetzt der Punkt, und damit kommen wir zum Ende: Unser Ziel ist ein Leben, um Gott zu loben. Die Verse 15 und 16 noch einmal: Noch im Greisenalter gedeihen sie, sind sie saftvoll und grün. Palmen und Zedern sind beides langlebige Bäume, also nicht so Eintagsfliegenpflanzen. Und dann Vers 16, um zu verkünden, dass der Herr gerecht ist. Er ist mein Fels, und kein Unrecht ist an ihm.

Wir verkünden, dass der Herr gerecht ist. Und jetzt geht noch einmal in Vers 3 hinein: um am Morgen zu verkünden deine Gnade. Und jetzt schließt sich der Kreis von diesem Sonntagmorgen für dich persönlich.

In der ersten Stunde, mich hat es so bewegt, haben wir über Gnade und Gerechtigkeit gesprochen. Und als Jurist ist mir Gerechtigkeit ein ganz wichtiger Begriff. Viele verbinden damit etwas Negatives. Das ist etwas zutiefst Gutes. Gerechtigkeit ist eine Sache, nach der wir alle streben, nach der wir uns alle ausstrecken. Wir dürfen verkünden, dass der Herr gerecht ist. Wir verkünden, dass der Herr gerecht ist.

Und Vers 13: Der Gerechte wird sprossen wie die Palme. Wenn du Christ bist, bist du jemand, der gerechtfertigt ist. Und das ist eine Wahrheit, die wir uns neu vor Augen führen dürfen.

Wenn ihr in so einen Gerichtssaal reinkommt, dann sitzt da vorne der Richter, oft erhöht. An der Front, oft auf der Fensterseite, ist der Staatsanwalt, der die Anklage verliest. Und das, was Paulus im Römerbrief schreibt – das hatten wir ja gerade im Lied –, macht er sehr deutlich: Er führt uns Menschen in den Gerichtssaal hinein und lässt uns Platz nehmen auf der Anklagebank.

Und du schaust da vorne und siehst diesen Richter der ganzen Erde, so nennt ihn Abraham schon. Du stellst fest: Der, der da vorne sitzt, der ist das Recht durch und durch, der ist die Gerechtigkeit, der verkörpert das. Und du guckst auf die Seite und stellst fest, da sitzt ein Ankläger. Und in der Offenbarung wird uns der Teufel als jemand beschrieben, der Tag und Nacht nichts Besseres zu tun hat, als uns zu verklagen.

Und er findet so viel Grund, oder? Denk allein an den letzten Konflikt, den du zu Hause hattest, deine Ungeduld, dein Hierhinfahren vielleicht mit dem Auto und dein Verhalten im Straßenverkehr, denk vielleicht an deinen Umgang mit einem Mitarbeiter. Es hapert an allen Enden und Ecken, und du kriegst die Anklage verlesen.

Der Römerbrief ist sehr deutlich, führt das dann aus: Nicht nur die Heiden sind es, auch die Juden sind auch nicht besser dran. Alle fallen unter dieses Urteil Gottes. Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer.

Und du sitzt da und weißt: Gleich wird das Urteil verkündet, und ich werde verurteilt werden von diesem Richter. Und die Strafe wird sein die ewige Trennung von meinem Schöpfer, der mich gemacht hat. Ich habe es verdient.

Dann geht die Tür auf zum Gerichtssaal, und du wagst gar nicht mehr hochzugucken und blickst nur so auf die Seite, weil sich jemand neben dich setzt. Und du stellst fest: Dieser Mensch, der sich neben dich setzt, dessen Hände sind durchbohrt. Und du hörst ihn sprechen, dass er für deine Schuld bezahlen möchte.

Dann verkündet der Richter das Urteil und sagt: Du bist frei.

Das stimmt, juristisch ist das maximal in Ordnung. Wenn wir gerechtfertigt sind, bedeutet das auch heute bei uns im Strafrecht, dass wir nicht verklagt werden, dass wir keine Strafe bekommen dürfen. Geht gar nicht.

Du stehst auf und denkst: Kann das wirklich sein? Kann das tatsächlich sein? Und du wendest noch einmal den Blick auf diesen Richter, der da vor dir sitzt, und du stellst fest: Die Augen, die dich angucken, sind die Augen deines Vaters.

Das ist die geniale Botschaft vom Kreuz. Das ist dieser gewaltige Wechsel, den wir gesungen haben in diesem Lied: Sein Kleid für meins, gerecht gemacht aus Werken, die nicht mein. Gerechtigkeit umhüllt mich, den Rebell, als ob ich’s war. Verflucht hing er dort am Kreuz, am Ende der letzten Strophe gesungen, als ob er’s war. Begrüßt werde ich daheim.

Was sind wir für maximal beschenkte Menschen. Es ist kein billiges Gnade vor Recht. Und wenn du Christ bist, darfst du als Gerechter hier diesen Raum verlassen, gerecht gemacht aus Werken, die nicht deinen. Und du darfst Gott danken für seine Treue, Tag und Nacht. Du darfst neuen Mut schöpfen in den Alltag, in den Gott dich hineingestellt hat.

Und so ende ich mit einem Lied von Mose. Ich finde das so schön: Wir hatten gerade dieses erste Lied von Mose, diesen Urgesang, und im 5. Mose 32 hat uns Mose noch einmal ein Lied hinterlassen. Und das mag dich begleiten in der neu begonnenen Woche, die vor dir steht. Da lesen wir auch wieder von diesem Fels, und dann führt Mose aus, im 5. Mose 32,4: Der Fels, vollkommen ist sein Tun. Denn alle seine Wege sind recht. Ein Gott der Treue und ohne Trug, gerecht und gerade ist er. Amen.