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Escape Was fasziniert uns am Übernatürlichen?

18.10.2004
Serie•Teil 2 / 8Escape
Warum fasziniert uns das Übernatürliche so sehr? Weil in dir die Sehnsucht nach mehr steckt – aber auch die Frage: Wie finde ich wirklich Zugang zu Gott?

Einstieg in das Thema und erste Beobachtungen

Tja, was fasziniert uns am Übernatürlichen? Das wird unser Thema für die Predigt heute Abend sein, und ich freue mich, dass so viele hergekommen sind.
Ich denke, dass uns das Übernatürliche fasziniert. Da muss man fast nichts zu sagen. Wer von uns hat nicht schon solche Berichte über Ufos verschlungen oder sich mit magischen Praktiken, Horoskopen und Sternzeichen beschäftigt und versucht herauszufinden, warum er so ist, wie er ist?
Wer hat nicht schon einmal etwas über Traumdeutung gelesen und sich gefragt, ob das, was man geträumt hat, vielleicht irgendeinen Wert hat? Fantasybücher und Fantasyfilme haben Hochkonjunktur, egal ob das, ich sage es mal, die alten Schinken sind wie Herr der Ringe oder ob das gerade eher im Akte-X-Stil läuft. Und wer hätte gedacht, dass die deutsche Jugend sich überhaupt noch dazu bringen lässt, einmal wieder ein Buch zu lesen? Und wer hat das geschafft? Ein kleiner Quidditchspieler. Harry Potter. Und die werden verschlungen, dicke Dinger!
Wer von uns hat vielleicht darüber hinaus schon Erfahrungen gemacht mit Gläserrücken, Pendeln oder sich mal die Karten legen lassen? Wer hat nicht, wenn er Interesse am Übernatürlichen hatte, mal ins Internet geschaut? Und wenn du etwas suchst über Werwölfe, über irgendetwas Paranormales, über Psyphänomene und was dir gerade so in den Sinn kommt, gib es bei Google ein, und du wirst staunen.
Ich habe das jetzt im Vorfeld für die Predigt nicht gemacht, damit ich hier keinen Unsinn erzähle. Gib mal Werwolf bei Google ein und lass dich überraschen, wer alles über Werwölfe etwas zu sagen hat. Unglaublich! Und das ist nicht nur die Werbung für den Van-Helsing-Film.

Zwischen Faszination und Wirklichkeit

Während auf der einen Seite Kirche irgendwie out zu sein scheint, unser Slogan „Der saure Kirche lebt“ hat ja irgendwo seinen Grund, ist auf der anderen Seite alles Übernatürliche total in. Das Übernatürliche ist so alt wie die Menschheit, und es ist trotzdem noch diese Faszination, die davon ausgeht, total aktuell.
Ich würde behaupten, dass heutzutage, wenn jemand so ein ganz eindimensionales, rein materialistisches Weltbild hat, wenn jemand sagt: Ich glaube nicht an eine Mehrdimensionalität, die meisten ihn einfach nur noch belächeln würden.
So etwas wie hier: Ich gebe zu, nicht die beste Vorstellung von Übernatürlichem, aber vielleicht eine recht effektvolle. Irgendwie ist es doch interessant. Jeder von uns weiß, es ist Blödsinn bis zum Abwinken. Ich halte den Film auch noch nicht mal für so richtig gut. Auf der anderen Seite schauen wir hin, und wenn ich vorher eine Aufnahme von euch allen gemacht hätte, ja, logisch, es ist doch irgendwie interessant.
Und wir wollen uns heute mit der Frage beschäftigen, warum fasziniert uns eigentlich das Übernatürliche? Und ich möchte zeigen, dass die Bibel etwas über das Übernatürliche sagt. Aber zuerst die Frage: Was fasziniert uns eigentlich am Übernatürlichen? Warum hat das Übernatürliche Hochkonjunktur? Und ich behaupte, es gibt drei wesentliche Gründe dafür.

Drei Gründe für die Anziehungskraft des Übernatürlichen

Der erste Grund ist ein ganz banaler: Du und ich, wir sind irre neugierig. Eigentlich ist es ja schon so: Da liest man etwas über paranormale Phänomene, über Geistererscheinungen, über Botschaften aus dem Jenseits, und ständig läuft bei mir diese Frage mit: Hm, könnte da irgendetwas dran sein? Ich bin einfach ein neugieriger Mensch, und du bist es auch. Das ist der erste Punkt, was uns am Übernatürlichen total fasziniert.
Das reicht aber in meinen Augen nicht aus. Es gibt einen zweiten Grund, und der zweite Punkt hängt mit einer Frage zusammen. Mit der Frage: Ist das, was ich sehe, das, was ich irgendwie messen kann, das, was ich anfassen kann, wirklich alles?
Wenn ich ins Alte Testament schaue, dann gibt es ein Buch, das heißt Prediger. Ihr müsst euch vorstellen: Prediger ist ein sehr philosophisches Buch. Und dieser alte Prediger, in Wirklichkeit der König Salomo, sagt an einer Stelle, nämlich in Prediger 3,11: In das Herz des Menschen hat Gott den Wunsch gelegt, nach dem zu fragen, was ewig ist.
Als ich das das erste Mal las, dachte ich: Wow, das trifft die Sache irgendwo. Die Bibel unterscheidet zwischen einer sichtbaren Welt und einer unsichtbaren Welt, zwischen einer Welt, die zeitlich ist, auf der einen Seite, und einer unsichtbaren Welt, die ewig ist, auf der anderen Seite. Und dieses alte Buch, tausende von Jahren alt, behauptet: Du trägst in deinem Herzen eine Sehnsucht nach der Ewigkeit. Es ist vielleicht sogar mehr. Es ist das geheime Wissen um eine andere Realität, dass es da einfach noch ein Stück mehr gibt.
Und die meisten Menschen, die mir so begegnet sind, auch wenn sie irgendwann gesagt haben: Ich bin Atheist, und ich bin Materialist, sind in dem Moment, wo man ihnen eine faire Chance gegeben hat, an etwas Übernatürliches zu glauben, ganz oft ganz schnell gesprungen. Warum? Weil tief in uns drin ein Wissen da ist, dass das, was ich anfassen kann, messen kann und berechnen kann, irgendwie nicht alles ist.

Sehnsucht nach mehr und die innere Offenheit des Menschen

Und deswegen gibt es noch einen dritten Grund, warum ich denke, dass das Übernatürliche so unglaublich fasziniert. Es ist nicht nur die Sache mit der Neugier. Es ist nicht nur die Sache damit, dass wir diese Frage nach dem Ewigen mit uns herumschleppen. Es ist eigentlich auch so etwas wie die Hoffnung. Die Hoffnung, im Jenseits etwas zu finden, was wir im Diesseits so noch nicht gefunden haben.
Irgendwo dieses Loch, das viele Menschen spüren. Dieses: „Ich bin eigentlich noch nicht in meinem Leben so richtig komplett, noch nicht so richtig rund, irgendwie noch nicht fertig. Da gibt es eine Dimension, die wartet noch darauf, gefüllt zu werden.“ Und wir haben die Hoffnung, dass irgendwo im Übernatürlichen die Lösung für diese Frage steckt.
Also, für mich ganz persönlich: Ich habe mir so mit Anfang zwanzig diese Fragen gestellt. Wie ist das mit Gott, wie ist das mit dem Leben? Und für mich war das der Punkt, warum ich dann zu Dingen wie Astrologie, ein bisschen Pendeln, mal schauen, ob das funktioniert, ein bisschen Zen-Meditation und ich weiß nicht was noch alles einfach hingekommen bin. Weil ich einfach dachte: Na, ich such mal.
Also, wer ein bisschen Hintergrund hat, weiß, dass das unterschiedliche Richtungen sind, die ich gerade beschrieben habe. Und ich merkte einfach: Ich suche noch nach mehr. Da fehlt in meinem Leben irgendwie noch so ein Punkt in meinem Innersten, der noch ausgefüllt werden muss. Genauso wenig, wie ich es heute wirklich beschreiben kann, nicht besser sagen könnte. Ich dachte mir: Und es geht vielen Menschen so. Es muss doch noch ein Stück mehr geben im Leben.
Und ein Punkt, über den ich immer schmunzle: Ich weiß nicht, ob ihr so etwas wahrnehmt, aber ich glaube, es geht vielen Menschen so, dass sie sich diese Frage stellen: Ist das tatsächlich alles? Ich schmunzle immer, ich schaue mir im Spiegel meistens so die Literaturlisten an, und jedes Jahr findet sich da ein Top-Psychoratgeber. Also, es gibt immer mindestens einen Psychoratgeber da drin: Tipps und Tricks zum Glücklichwerden, also im weitesten Sinne, ich verallgemeinere das jetzt ein bisschen.
Der Gag ist: Es gibt jedes Jahr einen neuen. Das heißt, jedes Jahr kommen neue Tipps und Tricks zum Glücklichwerden. Und anscheinend haben die vom letzten Jahr nicht funktioniert, dann muss es in diesem Jahr wieder Neues sein. Und im nächsten Jahr gibt es dann wieder die, weil die auch nicht geklappt hat. Wenn ihr das verfolgt, dann werdet ihr feststellen: Hä, warum tun sich die Menschen das denn bitteschön an?
Könnte es sein, und diese Aussage möchte ich einfach als These in den Raum stellen, könnte es sein, dass diese Suche nach mehr, diese Faszination am Übernatürlichen, dieses Kaufen und Lesen von Psychotrick-Ratgebern oder ich weiß nicht, wie sich das bei euch ganz persönlich auswertet, könnte es sein, dass du und ich, dass wir als Menschen auf eine Beziehung zum Übernatürlichen hin angelegt sind?
Ich behaupte das heute Abend. Ich sage, das Übernatürliche fasziniert uns deshalb so stark, weil es in uns so eine Saite zum Klingen bringt. So wie wenn Jörg an der Gitarre zupft, da klingt was. Und so haben wir auch in uns eine Saite, die klingt, wenn wir mit so übernatürlichen Dingen irgendwie in Kontakt treten. Wir merken instinktiv: Da ist was. Es fasziniert uns.
Es fasziniert uns, weil wir als Menschen ein Teil dieses Übernatürlichen sind. Du bist nicht nur Materie plus Naturgesetz. Du hast eine unsichtbare, eine ewige Seite. Die Bibel würde diese Seite Seele nennen. Und genau diese Seele, die sucht noch, die ist angelegt auf eine Beziehung zum Übernatürlichen.
Du merkst, dass du in diese Welt hineingehörst, klar. Aber dass es da noch eine andere Welt gibt, zu der du auch gehörst, und da fehlt noch etwas. Ich behaupte, dass die Faszination am Übernatürlichen genau das zum Ausdruck bringt.
Ich weiß nicht, wie es euch geht: Ihr lest so einen Artikel in irgendeiner Zeitschrift, irgendein Phänomen, und irgendetwas Übernatürliches wird beschrieben. Und in mir geht dann Folgendes ab: Ich denke mir nicht: Boah, ist das überraschend, war dir nie gedacht. Nein, es geht etwas anderes. Ich lese da etwas und irgendwie denke ich: Siehste, habe ich es doch gewusst, da ist noch mehr. Es überrascht mich nicht wirklich. Ich habe in mir einen Bezug zu dieser anderen und übernatürlichen Seite.

Die erste Diagnose: Die Beziehung ist gestört

Als Christ ist dieser Bezug für mich natürlich noch logischer und noch selbstverständlicher. Ich gebe zu, ich hatte nach meiner Phase mit Pendeln, Astrologie und Zen-Meditation das Vorrecht, die Bibel aufschlagen zu dürfen. Ich habe dann irgendwann meinem Kinderglauben Adé gesagt und Tschüss und versucht, als Erwachsener die Bibel zu lesen. Viele Vorstellungen von der Bibel kommen ja irgendwie aus Kindergottesdienstzeiten. Und ich denke, wir alle sind herausgefordert, die Bibel einmal als Erwachsene nüchtern zu lesen.
Ich bin dabei auf drei Kernaussagen gestoßen, im Blick auf das Übernatürliche. Die möchte ich heute mit euch teilen, weil sie ganz wichtig sind.
Die erste Aussage lautet: Deine Beziehung zum Übernatürlichen ist nicht in Ordnung. Das ist ein bisschen provokant, das gebe ich zu. Alle meine Thesen sind heute Abend ein bisschen provokant. Steine gibt es irgendwo da hinten, wenn ihr sie dann werfen wollt. Nein, das war ein Scherz, da hinten liegen nur die rohen Eier.
Also, meine erste These lautet: Deine Beziehung zum Übernatürlichen ist nicht in Ordnung. Wenn es stimmt, dass du als Mensch darauf angelegt bist, eine Beziehung zum Übernatürlichen zu haben, und du bist noch auf der Suche danach, dann sagst du damit, dass du die Beziehung noch nicht gefunden hast. Und das ist, denke ich, etwas, das allen Menschen erst einmal eigen ist. Der Mensch steckt im Blick auf das Übernatürliche in so einer geistlichen Klemme. Er weiß gar nicht, wie er da raus soll. Er kriegt da irgendwie keinen Zugang.
Die Bibel geht davon aus, dass es eine übernatürliche Realität gibt. Und sie sagt, die Bestimmung des Menschen liegt darin, mit seinem Schöpfer zusammenzuleben. Das ist ein bisschen wie mit einem Aquarium und einem Goldfisch: Die Bestimmung des Goldfisches liegt darin, für seinen Besitzer zu leben. Ob ihr das wollt oder nicht, wenn ihr ihm nichts mehr zu fressen gebt, dann ist es das. So ähnlich ist der Mensch als Geschöpf darauf angelegt, für und mit seinem Schöpfer zu leben.
Nur, und das ist mir in der Bibel dann doch recht plastisch aufgegangen: Gott hat von diesem Zusammenleben, jetzt sage ich es mal ganz vorsichtig, seine eigenen Vorstellungen, denen wir entsprechen müssen.

Die Schuld als Trennlinie zwischen Mensch und Gott

An diesem Punkt will ich übrigens all das, was ich sage, findet ihr auch in dem Heftchen, das ihr ausgeteilt bekommen habt, in diesen Notizen.
An dieser Stelle möchte ich gern einmal einen alten Herrn zitieren, nämlich Jesaja, also wieder so einen Propheten aus dem Alten Testament. Und wenn diese alten Herren damals, so um 600 vor Christus, richtig losgepoltert haben, dann war das eine sehr blumige Sprache. Ihr müsst das jetzt nicht nur hören, sondern ihr müsst auch verstehen, dass hier jemand mit Wortgewalt fast wie in einem Lied, mit Poesie, aber gleichzeitig auch mit Wucht predigt.
Und Jesaja sagt über das Verhältnis von uns Menschen zu Gott ein paar ganz interessante Sachen. Er sagt in Jesaja 59,1-8:
Ihr meint wohl, Gott sei zu schwach, um euch zu helfen, und dazu noch taub, sodass er eure Hilferufe gar nicht hört. Oh nein, eure Schuld, sie steht wie eine Mauer zwischen euch und eurem Gott. An euren Händen klebt Blut, sie sind besudelt von all dem Unrecht, das ihr tut. Ihr lügt und betrügt bei jeder Gelegenheit, ihr brütet immer neues Unheil aus, ihr denkt nur an Unrecht, und wo ihr hingeht, hinterlasst ihr eine Spur der Verwüstung. Frieden kennt ihr nicht, und Aufrichtigkeit ist euch fremd. Lieber schlagt ihr krumme Wege ein.
Die Sprache ist deutlich, oder? Da fehlt wirklich nichts. Und wenn man ein bisschen darüber nachdenkt, dann kann es einem passieren, mir geht es jedenfalls so, dass ich sagen muss: Lieber Jesaja, so ein kleines bisschen hast du wahrscheinlich recht. Ich gebe es ja wirklich ungern zu, aber ich denke an den Moment in meinem Leben, ihr habt andere, aber ich denke an den Moment in meiner Ehe, wo ein Streit ins Haus steht. Versucht euch an dem Moment vor dem Streit zu erinnern, wo du weißt: Wenn ich jetzt den Mund aufmache und jetzt das sage, dann ist der Abend wieder versaut. Versucht, diesen Moment, den jeder von euch kennt, einzufangen. Ihr wisst genau: Wenn ich jetzt den Mund aufmache, dann wird es wieder schiefgehen, und ihr habt das schon zehnfach durch, ihr wisst es genau.
Und was ist? Ihr kriegt den Mund doch nicht zu. Das ist, was Jesaja sagt: Den Weg des Friedens kennen sie nicht. Wir würden es ja gerne tun, wir wissen auch irgendwie, wo es liegt, aber da kommen wir nicht hin.
Oder ich denke an Eltern, die ganz selbstverständlich davon ausgehen, dass sie von ihren Kindern nicht angelogen werden wollen, und dann bei der nächstbesten Gelegenheit ihre Kinder zum Lügen anstiften, nur um des eigenen Vorteils willen. Aufrichtigkeit ist euch fremd, würde Jesaja dazu sagen.
Oder ich habe einen Freund vor Augen, für den Frauen eine Zeit lang seines Lebens keine Menschen waren, sondern einfach nur Sexualobjekte. Ich kann mir vorstellen, was für eine Spur der Verwüstung er im Herzen von Mädchen hinterlassen hat: ausgenutzt, abgefertigt, ausgetauscht.
Oder ich denke an Bekannte, die sich damit brüsten, in der Steuer Sonderausgaben abgesetzt zu haben, die sie nie hatten. Und ich dachte mir: Toll, schade nur, dass die Allgemeinheit für eure Lüge bezahlt.
Dann denke ich mir hier, wenn ich Jesaja lese, könnte Jesaja über den normalen deutschen Steuerzahler sagen: Ihr lügt und betrügt bei jeder Gelegenheit.
Und ich will jetzt nicht von anderen Dingen anfangen. Ich habe hier noch mehr stehen: Versicherungsbetrug, Schwarzarbeit, Kindesmisshandlungen, was einem alles noch einfällt. Die Liste ist ja ewig lang.

Die biblische Diagnose des Menschen

Also, ich kann Gott verstehen, wenn er sagt: Wisst ihr was, mit euch, das geht nicht so einfach, wir haben ein Problem.
Und ich kann nicht verstehen, dass Menschen sich hinstellen und sagen: Ja, wenn ich Gott begegne, dann werde ich immer meine Meinung sagen. Weil ich mir denke: Halt, halt, halt, zuerst muss Gott uns seine Meinung sagen. Zuerst müssen wir zuhören und uns die Frage ganz nüchtern auf der Zunge zergehen lassen: Kann er vielleicht recht haben?
Ja, aber Gott lässt doch da hier im Nein, Gott lässt nicht die Kinder in der dritten Welt verhungern. Gott lässt genug Essen auf dieser Erde wachsen, wir schmeißen es in Europa weg. Und Gott ist auch nicht für die Kriege zuständig. Er hat uns eine unglaubliche Genialität und Erfindungskraft geschenkt. Dass wir sie nutzen, um andere Menschen umzubringen, das ist unser Problem.
Und es zeigt unterm Strich, dass Jesaja, egal wie ernst wir ihn nehmen, doch ein Stück Recht hat. Der Mensch ist, was die Bibel sagt, ein Sünder. Seine Hände sind besudelt von Unrecht, und machen wir uns doch nichts vor: Sind nicht die krummeren Wege immer die interessanteren?
Jetzt werdet ihr denken: Aber es gibt doch Unterschiede. Es gibt doch da die Hitlers und die Stalins dieser Welt, die haben doch viel mehr angestellt. Stimmt, gebe ich zu, kein Problem. Aber es gibt auch die Fischers und die Müllers, ich hoffe, keiner heißt Müller, und die Hempels mit ihrem Dreck unterm Bett. Die gibt es halt auch. Und irgendwie ist die Beziehung zu Gott bei all diesen Leuten nicht in Ordnung.
Zwischen Gott und mir steht etwas, nämlich eine Mauer. Eine Mauer von Schuld. Ich muss zugeben, und das tut mir auch ein bisschen leid: Das hat man mir so deutlich im Kindergottesdienst nicht gesagt. Da hat man mir eher ein Kindergebet beigebracht, das heißt: Ich bin klein, mein Herz ist rein, soll niemand drin wohnen als Jesus allein.
Irgendwann bin ich erwachsen geworden, habe mir mein Herz angeschaut und habe festgestellt, dass mein Herz so rein gar nicht ist. Dass ich viel eher Jesus zustimmen muss, der im Gespräch mit so ein paar selbstgerechten Theologen seiner Zeit etwas ganz anderes sagt. Er sagt: Aber böse Worte kommen aus einem bösen Herzen. Oh ja, böse Worte hatte ich schon ein paar gesprochen, um zu sagen, dass ich weiß, worum es dabei geht.
Und Jesus sagt mehr: Aus dem Herzen kommen böse Gedanken, die dann zum Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, Lüge und Verleumdung führen. Durch sie wird der Mensch vor Gott unrein.
Wisst ihr was, das hat mich getroffen. Das trifft mich heute noch. In den Augen Gottes ist der Mensch unrein, er ist moralisch einfach untauglich für die Beziehung.

Gottes Antwort: Nähe statt Distanz

Mein erster Punkt, den ich jetzt länger ausgewälzt habe als die letzten beiden, lautet: Deine Beziehung zum Übernatürlichen, deine Beziehung zu deinem Schöpfer, ist von Natur aus erst einmal nicht in Ordnung. Denn Schuld trennt dich davon, Gott zu genießen und Gott kennenzulernen, so wie er ist.
Wenn das alles wäre heute Abend, wenn ich jetzt sagen würde: Danke, die Band kann wieder spielen, wir können noch zu den Ansagen kommen, dann würde euch das hoffentlich ein klein bisschen erschrecken. Aber das ist nicht der Hauptpunkt. Das ist auch nicht der Grund, warum ich überhaupt hier vorne stehe, wenn ich einfach nur eine nüchterne Analyse machen könnte. Ja, der Mensch ist leider verdammt dazu, unter dem Maßstab Gottes zu leben. Pech gehabt! Dann wäre das nicht das Evangelium.
Das Evangelium heißt ganz anders. Das Evangelium heißt, und das ist mein zweiter Punkt: Gott will Beziehung zu dir. Mein zweiter Punkt heißt: Die Brücke zwischen dem Jenseits und dem Diesseits wurde geschlagen. Wir kommen nicht hoch, aber Gott sieht diese Mauer, die wir bauen. Jeder von uns baut täglich daran, dass diese Mauer höher wird. Weil Gott diese Mauer der Schuld sieht, sagt er: Ich trete in Vorleistung. Ich werde derjenige sein, der die Initiative übernimmt. Gott will Beziehung. Gott macht dem Menschen ein Angebot.
Das Angebot findet sich letztlich im Neuen Testament, und wir können heute Abend nicht das ganze Neue Testament lesen. Aber ich kann dieses Angebot, das Gott macht, vorstellen, das mich so total begeistert. Dieses Angebot nennt man Evangelium. Evangelium heißt so viel wie frohe Botschaft. Wir würden heute sagen: Ey, klasse Nachricht, das ist das Evangelium.
Und dieses Evangelium, dieses Angebot, das Gott den Menschen macht, heißt: Ich bin bereit, für deine Schuld zu bezahlen. Ich bin bereit, die Mauer der Schuld, die zwischen uns steht, einzureißen. Ich bin bereit, diese Trennung, die da ist, aufzuheben. Und nur deshalb wird Gott in Jesus von Nazareth Mensch, stirbt als Unschuldiger auf dem elektrischen Stuhl der Antike, das war das Kreuz. Aber er stirbt nicht nur und wird begraben, sondern er steht wieder auf, er wird wieder lebendig.
Denn durch das Sterben und durch die Auferstehung kann Gott uns ein Doppelangebot machen, zwei Dinge, die wir ganz dringend brauchen. Er sagt: Ich bezahle für dich, und ich schenke dir in deinem Leben einen Neuanfang, und zwar unter ganz neuen Vorzeichen. Ich biete dir Vergebung an, und ich schenke dir neues Leben mit neuer Kraft.
Ein Doppelangebot, das Gott den Menschen macht, das ist das Evangelium, wenn wir schon über das Wort Evangelium reden. Gott möchte uns einen Neuanfang schenken, ewiges Leben, qualitativ hohes, höheres, göttliches Leben.

Das Evangelium als Einladung zum Glauben

Und deswegen kann Jesus, wenn er zurückblickt und sein Leben zusammenfasst, so sagen: Der Vers stammt aus Johannes 3. Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn, und das ist Jesus, für sie hergab, das heißt, am Kreuz sterben ließ. Und jetzt kommt es: Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht verloren gehen, sondern ewiges Leben haben.
Das ist die Botschaft des Evangeliums. Jeder, der in ihn glaubt, wird ewiges Leben haben. Gott liebt dich. Ob du das wahrhaben willst, spielt überhaupt keine Rolle. Ob du glaubst, dass du es brauchst, oder ob du denkst: Darauf kann ich verzichten. Erst einmal gilt diese Aussage: Gott liebt dich persönlich. Und er hat es gezeigt, weil er Mensch wurde und für dich gestorben ist. Und er ist für dich auferstanden. Und er macht dir das Angebot: Du kannst umkehren.
Und mein dritter Punkt heißt: Eine Beziehung zum Übernatürlichen, das heißt zu Gott, wird für jeden Menschen durch den Glauben möglich. Glaube ist vielleicht der schwierigste Begriff in der Bibel. Er ist mindestens der wichtigste. Denn wenn Jesus sagt: Jeder, der an mich glaubt, findet ewiges Leben, dann müssen wir uns die Frage stellen: Was heißt denn nun mal glauben?
Wir finden in der Bibel zum Thema Glauben erst einmal Dinge darüber, was Glauben nicht ist. Ich will hier zeigen, dass Glauben nicht zum Beispiel ein Lippenbekenntnis ist. Sich hinzustellen und zu sagen: Ja, ich glaube auch an Gott. Schön, ich kann es leider in deinem Leben nicht sehen. Ein Lippenbekenntnis ist noch nicht Glaube.
Und dann gibt es Leute, die sind immer so Begeisterungsgläubige, die immer so auf der Emotionswelle schwimmen. Ja, ich bin begeistert für Jesus, Halleluja! Ist das Glaube, wenn ich begeistert bin, wenn die Emotionen mitschwingen? Nein, das ist auch noch nicht Glaube.
Glaube hat auch nichts mit Kirchenzugehörigkeit, Sakramenten oder Taufe und solchem Zeugs zu tun. Das ist alles etwas, was mit Glaube eigentlich nichts zu tun hat.

Was Glaube wirklich bedeutet

Wenn Jesus sagt: Jeder, der an mich glaubt, wird nicht verloren gehen, sondern ewiges Leben haben, dann meint er mit Glauben etwas ganz anderes. Er meint etwas so Befreiendes, dass ich immer wieder total begeistert bin, wenn ich es ein Stück weit weiter erzählen darf, weil es mich so begeistert hat.
Was ist denn nun Glaube? Wenn Gott davon spricht, dass wir glauben sollen, um ewiges Leben zu haben, dann meint er, dass wir uns auf eine Beziehung einlassen. Und zwar auf eine Beziehung mit Jesus, eine Beziehung, die unser Leben prägen wird. Es ist eine Beziehung, die uns zum Menschen macht. Sie sagt: Ich möchte jetzt für Jesus leben, ich möchte mit Jesus leben.
Letztlich ist es die Einladung zu einem Abenteuer, nicht so ein Dschungelcamp, sondern ein lebenslanges Abenteuer, mit Gott und für Gott zu leben, ihm total zu vertrauen, und zwar aus Liebe. Das ist Glaube. Ich lebe mit Gott.
Und Gott steht da und reicht dem Menschen die Hand und sagt: Ich mache dir dieses Angebot, schlag doch ein. Und der Mensch kann diese ausgestreckte Hand ergreifen. Oder er kann sagen: Nee, weißt du, das ist mir zu gefährlich.
Und Gott? Was soll ich noch mehr tun? Ich habe dir doch gezeigt, wie sehr ich dich liebe. Ich war bereit, für deine Schuld zu bezahlen. Ich war bereit, am Kreuz für dich zu sterben. Was soll ich denn noch mehr tun?
Und der Mensch? Der Mensch muss glauben. Er muss zu Gott kommen und er muss sagen: Vater im Himmel, ich weiß, dass du Recht hast über mein Leben. Ich weiß, wie es wirklich aussieht. Ich brauche dir nichts vormachen. Und ich möchte dieses Geschenk des ewigen Lebens, dieses Geschenk der Vergebung haben. Bitte vergib mir meine Schuld, lass mich mit dir leben, nimm mich auf.
Das ist es, was Gott hören möchte: ein ehrliches Ich will jetzt mit dir und für dich leben. Du sollst in meinem Leben der Herr und König sein, mein Leben gehört dir.

Das Gleichnis vom Tempelbesuch

Und ich dachte mir: Wie kann ich das illustrieren? Und ich dachte, es gibt eine Geschichte in der Bibel, die passt da wie die Faust aufs Auge. Sie steht im Lukasevangelium, und ich möchte sie zum Schluss vorlesen, aus Lukas 18.
Zwei Menschen gehen in den Tempel: der eine ein Pharisäer. Beim letzten Mal habe ich euch erklärt, dass das die Theologen ihrer Zeit waren, ein bisschen eingebildete Leute, ein bisschen selbstgerecht. Auf der anderen Seite steht ein Zöllner. Zöllner sind für die heutige Zeit so etwas wie, wenn wir sie übertragen wollten, ein Zuhälter zum Beispiel. Das wäre ein guter Vergleich mit einem Zöllner. Etwa so waren sie angesehen.
Die zwei treffen sich im Tempel. Lukas 18:
Zwei Männer gingen in den Tempel, um zu beten. Der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zolleinnehmer. Selbstsicher stand der Pharisäer dort und betete: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht so bin wie die anderen Leute. Kein Räuber, kein Gottloser, kein Ehebrecher und schon gar nicht wie dieser Zolleinnehmer da hinten. Ich faste zweimal in der Woche und gebe von allen meinen Einkünften den zehnten Teil für Gott.
Wow!
Was sagt der Zolleinnehmer im gleichen Tempel? Er sagt: Der Zolleinnehmer dagegen blieb verlegen am Eingang stehen und wagte kaum aufzusehen. Schuldbewusst betete er: Gott, vergib mir, ich weiß, dass ich ein Sünder bin.
Ihr könnt sicher sein, sagt Jesus: Dieser Mann ging von seiner Schuld befreit nach Hause, nicht aber der Pharisäer.
Selbstgerechtigkeit hält hier einen Menschen davon ab, Gott um Vergebung zu bitten, Gott um einen Neuanfang zu bitten. Und so wie dieser Zolleinnehmer ganz schlicht zu Gott kommt, seine Sünden aufdeckt, seine Hilflosigkeit zugibt, Gott um Vergebung bittet und sie dann empfängt, so ist das Evangelium heute noch die Chance für jeden Menschen zu einem Neuanfang.
Dieses Angebot Gottes: Komm doch zu mir, schlag doch ein, lass dir deine Schuld doch vergeben, lass doch die Mauer wegschlagen, die uns trennt. Fang doch an, für und mit mir zu leben!
Dieses Angebot gilt heute noch, und das ist ein Punkt, der uns unglaublich motiviert, Escape zu machen.

Schlussgebet

Ich möchte zum Abschluss noch beten.
Vater im Himmel, wir wollen dir danken dafür, dass du uns heute genauso entgegentrittst wie damals vor zweitausend Jahren. Dass dieses Angebot heute noch besteht, dafür danken wir dir. Und ich bete darum, dass auch heute Abend Menschen dieses Angebot verstehen. Ich bitte dich darum, dass du es schenkst, dass Menschen darauf reagieren, dieses Angebot annehmen und als veränderte Menschen nach Hause gehen.
Ich bitte dich darum, dass du uns Gnade schenkst, immer wieder begeistert zu sein von deinem Entgegenkommen. Es ist einfach ein Vorrecht, zu sehen, Vater, wie du die Menschheit geliebt hast und was du für sie getan hast. Danke von ganzem Herzen dafür!
Hilf uns, dass wir auch als Christen das immer wieder mit Begeisterung leben, predigen und weitersagen. Hilf uns dabei! Amen!

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