Zum Inhalt

Wiederholung und Ergänzung

Hebräer 1,1-1407.10.2008
SerieTeil 6 / 27Der Hebräerbrief
Warum tröstet es, dass alles vergeht, wenn du selbst mitten im Leben zerbrichst? Psalm 102 bekommt erst im Licht von Christus Sinn: Er bleibt, wenn Himmel und Erde veralten.

Nachtrag zur Deutung der Zitate in Hebräer 1

Ich habe heute noch zwei Nachträge zu gestern. Das eine ist eine kleine Korrektur.
Ich habe in der Nacht noch etwas über die Stelle in Hebräer 1 gelesen, über dieses Zitat, bei dem wir nicht wussten, woher es stammt: „Es sollen ihm huldigen alle Engel Gottes“ in Vers 6. Ich habe in einem Buch von einem Bruder, einem gewissen Bruder David Gooding, gelesen. Er zitiert dort einen anderen Ausleger, der diese Zitate untersucht hat. Dieser kam zu der Auffassung, dass nicht das Zitat aus 5. Mose 32,43 gemeint ist, sondern tatsächlich Psalm 97,7.
Die Sache ist ein bisschen schwierig, aber ich habe mich jetzt entschieden, dass wir beide Zitate angeben. Das werden wir auch in der Übersetzung korrigieren. Beide sind gleichwertig. Das Zitat kann aus beiden Stellen sein, aus 5. Mose 32,43 und aus Psalm 97,7. Ich weiß nicht, was in Ihrer Bibel angegeben ist; vielleicht sind auch beide bei Ihnen angegeben. Wir sollten hier jedenfalls beide angeben.
Das Argument war, dass er sagte, die Septuagintastelle in 5. Mose 32,43 sei von einem hebräischen Text abhängig gewesen, der über einen hebräischen Text hineingekommen sei, der da etwas hinzugefügt habe. Jedenfalls kann ich das jetzt nicht näher erläutern. Wenn das interessiert, dann kann ich den Artikel geben. Ich will hier nur so viel sagen, dass wir beide Zitate gelten lassen wollen und beide Stellen hier Bezüge sein sollen, 5. Mose 32 und Psalm 97,7. Ich hatte gestern gesagt, es sei nur 5. Mose 32 der klare Bezug. Also: beide Stellen.
Es ist nicht viel, es macht nicht viel aus. Aber es ist insofern interessant, als gerade Psalm 97,7 ja von der Zeit der Wiederkunft Jesu Christi spricht. Es ist interessant, wenn man die Zitate beachtet. Es sind ja sieben Zitate. Von diesen sieben Zitaten ist eines nicht auf den Sohn bezogen, sondern auf die Engel. Das war das Zitat in Vers 7: „Der seine Engel zu Winden macht und seine Diener zu einer Feuerflamme.“ Da will er ja nur zeigen, dass die Engel Diener sind. Und das stellt er dann den anderen Zitaten gegenüber.
Also dann haben wir sechs Zitate, die über den Sohn sind, und eins über die Engel. Interessant ist, dass die ersten drei Zitate die Beziehung betonen, die dieser Sohn zum Vater hat. Das erste Zitat: „Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt“, in Bezug auf die Auferstehung Jesu Christi in Vers 5. Die Beziehung dieses Sohnes zum Vater, wie sie begonnen hat durch die Auferstehung, ich meine jetzt des Sohnes, der Beziehung zwischen Gott dem Sohn, zwischen der zweiten Person der Gottheit, die war ewig. Aber hier soll betont werden, dass er Sohn ist: „Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt.“ Dieser Sohn, dieser Messias, wurde zum Christus gemacht, zum Gesalbten gemacht, in der Auferstehung und Himmelfahrt und Intronisation.
„Ich werde ihm Vater sein“ betont diese ewige Beziehung. „Ich werde ihm Vater sein, und er wird mir Sohn sein.“ „Es sollen ihn huldigen alle Engel Gottes“ betont die Beziehung, in der die Engel zu diesem ewigen Sohn stehen. Und dann ist da das Zitat über die Engel, Vers 7, das vierte Zitat.
Dann das fünfte Zitat, Vers 8: „Dein Thron, o Gott, besteht in alle Ewigkeit, ein Zepter der Aufrichtigkeit ist das Zepter deines Reiches; du liebtest Gerechtigkeit und hasstest Gesetzlosigkeit; deswegen salbte dein Gott dich mit Öl des Frohlockens vor deinen Gefährten.“ Dass dieser Sohn Gerechtigkeit liebte, betont seine Gerechtigkeit, seine Heiligkeit und Gerechtigkeit. Er liebte die Gerechtigkeit, er hasste die Gesetzlosigkeit. Deswegen salbt dich Gott, dein Gott.
Das nächste, das sechste Zitat: „Du, Herr, gründest am Anfang die Erde, und die Himmel. Sie werden alle veralten, du aber wirst bleiben.“ Du bleibst, du bist derselbe. Das betont die Ewigkeit, das ewige Bleiben dieses Sohnes. Alles wird vergehen, aber du bleibst.
Und das letzte Zitat: „Sitze zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße gelegt habe.“ Das betont, dass es ein Intervall, eine Zwischenzeit gibt zwischen dem Sitzen zur Rechten und dem, dass alle Feinde zum Schemel seiner Füße liegen. Das ist sehr interessant. Die Stelle zeigt uns, dass es ein Intervall gibt zwischen der Intronisation des Königs und dem vollen Sieg, der vollen Vollendung dieses Königs.
Also es läuft noch Zeit ab. Es ist nicht so, dass der Messias König wird und dann ist alles fertig, ist alles vollendet. In dem Moment, in dem er König ist, sind alle Feinde zu Füßen. Nein, nein, er sitzt auf dem Thron, und jetzt muss er warten, bis die Feinde zu Füßen sind, bis sie zu Füßen gelegt sind. Das heißt, es läuft noch eine Zeit ab von dem Zeitpunkt, wo er König wird, wo der Gesalbte auf dem Thron sitzt, wo der Messias sich auf den Thron Davids setzt, dem himmlischen Thron Davids natürlich. Von dieser Zeit an läuft noch eine Zeit ab, bis dass alle Feinde ihm zu Füßen liegen.
Das ist eine sehr, sehr wichtige Stelle. Das war eine Korrektur, die ich jetzt noch machen wollte.

Der Psalm als Schlüssel zum Verständnis von Christus

Das Zweite: Ich habe ja Psalm 102 gestern gelesen. Und das ist dieses sechste Zitat: „Herr, du gründest am Anfang die Erde, und die Himmel sind Werke deiner Hände“ usw. Wir haben das gestern gelesen, und ich habe da ein wenig zu wenig ausgeführt. Ich sollte hier noch ergänzen:
 Psalm 102, im hebräischen Text, also in dem Text, den wir auch in der Bibel haben, ist es so: Wenn man den Text liest, kommt man zunächst nicht auf den Gedanken, dass dieser Text über den Sohn spricht. Aber der Hebräer-Schreiber macht uns darauf aufmerksam, dass es hier um den Sohn geht. Und man fragt sich: Wie kommt er darauf? Wie kommt er darauf, dass es hier um den Sohn geht, wenn der Psalmist einfach zu Gott betet? Er betet dort zum Herrn: Du bist der Schöpfer, du hast am Anfang die Erde und den Himmel gemacht, und sie werden vergehen und werden alle alt werden, aber du bleibst.
Wieso sollte das vom Sohn sprechen? Aber der Hebräer-Schreiber sagt, es ist ganz klar, dass er vom Sohn spricht. Er führt das als Zitat an und als ein Argument dafür, dass der Sohn Gott ist und dass die Jahre des Sohnes kein Ende haben werden. Und dass er im Gegensatz zu den Engeln steht, also um vieles höher ist als die Engel.
Wieso ist das ein Argument? Da hilft es, wenn wir uns den Psalm als Ganzes anschauen. Wir haben das gestern getan, wir haben gestern gelesen. Und dort im Psalm heißt es, dass der Psalmist betet. Ich muss gerade aufschlagen: Psalm 102. Er ist in großer Not, und er erinnert den Herrn daran, dass seine Tage entschwinden. Vers 4: Wie Rauch entschwinden meine Tage. Und dann spricht er davon ab Vers 12: Meine Tage sind wie ein gestreckter Schatten, ich verdorre wie Gras. Und dann ab Vers 13: Aber du, Herr, thronst ewiglich.
Also: Ich muss vergehen, aber du, Herr, du wirst aufstehen. Du wirst dich über Zion erbarmen, du wirst sie wieder aufrichten. Der Herr wird Zion aufbauen, wird erscheinen in seiner Herrlichkeit. Wunderbar. Aber ich bin hier, und ich vergehe.
Es heißt hier, der Herr, Vers 18, wird sich wenden zum Gebet des Entblößten, ihr Gebet wird er nicht verachten. Das heißt, der Herr wird auf diese Gebete hören, die zu ihm gebetet werden. Ein Volk, das in Bedrängnis ist, ein Volk, das seufzen muss, ein Volk, das Zion nur als kaputt daliegen sieht. Die Steine Zions liegen am Boden, Vers 15: Deine Knechte hängen liebend an den Steinen Zions. Da kommen sie, und sie lieben. Sie wissen: Gott hat mit Zion etwas Großes vor, mit Jerusalem. Aber da sind die kaputten Mauern, da liegen die Steine am Boden, und sie hängen sich wenigstens noch an die Steine. Sie tragen Leid um seinen Schutt, Vers 15.
Und die Völker werden eines Tages den Namen des Herrn fürchten, und alle Könige der Erde werden deine Herrlichkeit fürchten. Denn der Herr wird Zion aufbauen. Er wird einmal in Herrlichkeit erscheinen. Er wird kommen, und er wird dann diese Stadt in Herrlichkeit aufbauen. Es wird ein neues Zion geben. Er wird sich wenden zum Gebet, also er wird diese Gebete erhören, die zu ihm gebetet worden sind. Er wird eingreifen.
Vers 20: Denn er hat herniedergeblickt von der Höhe seines Heiligtums, der Herr hat herabgeschaut vom Himmel auf die Erde, um das Seufzen der Gefangenen zu hören und loszumachen die Söhne des Todes, damit sie den Namen des Herrn verkünden in Zion und in Jerusalem sein Lob.
Wunderbar, wenn die Völker sich allesamt versammeln und die Königreiche sich versammeln, um dem Herrn zu dienen. Schöner, schöner Ausblick.

Die messianische Stimme im leidenden Beter

Aber jetzt Vers 24: Er hat auf dem Wege gebeugt meine Kraft, er hat verkürzt meine Tage. Ich spreche: Mein Gott, nimm mich nicht hinweg in der Hälfte meiner Tage. Ich sterbe mitten im Leben, ich werde weggenommen, im halben Leben erst, vielleicht statt siebzig nur fünfunddreißig Jahre alt, und er hat meine Tage verkürzt.
Wie passen denn die nächsten Verse dazu? Ich spreche: Mein Gott, nimm mich nicht hinweg in der Hälfte meiner Tage. Jetzt kommt der Satz: Von Geschlecht zu Geschlecht wären deine Jahre. Du hast vormals die Erde gegründet, und der Himmel ist deiner Hände Werk. Sie werden alle vergehen, aber du bist derselbe, und deine Jahre werden kein Ende nehmen. Und die Söhne deiner Knechte werden wohnen, und ihr Same wird festbestehen vor deinem Angesicht.
Man fragt sich: Wie gehört das zusammen? Wieso ist das ein Trost, wenn ich mit 35 Jahren sterbe, aber Gott bleibt? Wunderbar, Gott bleibt. Aber ich gehe dahin. Wie ist das ein Trost?
Und der Hebräerschreiber sagt uns: Das ist anders. Hier spricht nicht der Psalmist und betet zu Gott. Der Hebräerschreiber sagt uns: Ab Vers 26 spricht Gott zum Messias. Denn das ist genau das, was in Hebräer 1 steht. In Hebräer 1 sagt es ganz klar: Dieses Zitat, das hier in Psalm 102 steht, ist in Hebräer 1,10: Du, Herr, gründetest am Anfang die Erde. Das sind Worte des Herrn an den Messias. Gott spricht den Messias an und sagt zum Messias: Du, Herr, du, Yahweh, hast am Anfang die Erde gegründet. Du bist der Schöpfer.
Die Himmel und die Erde werden vergehen, aber du, Messias, du bleibst. Himmel und Erde werden alt werden, werden aufgerollt werden, werden verwandelt werden, aber du, Messias, du bist derselbe, und deine Jahre werden kein Ende nehmen. Und wenn man diesen Psalm dann so liest, Psalm 102 so liest, dann macht der ganze Psalm Sinn. Da ist der Beter, und er betet und er seufzt. Er sieht seine Tage zu Ende gehen, und er muss sterben. Er hat gebeugt auf meine Kraft, er hat verkürzt meine Tage. Ich spreche: Mein Gott, nimm mich nicht hinweg in der Hälfte meiner Tage.
Und jetzt spricht Gott zum Messias: Du bist doch der Schöpfer. Die Himmel und Erde werden vergehen, aber du, du wirst bleiben, und du bist derselbe, deine Jahre werden kein Ende nehmen. Und Vers 29: Und die Söhne deiner Knechte, die Söhne der Knechte des Messias, die werden wohnen, und ihr Same wird fest bestehen vor deinem Angesicht. Vor dem Angesicht des Messias werden die Nachkommen bestehen bleiben. Es ist eben nicht so, dass die Knechte des Messias dahinschwinden und alles vorbei ist. Es ist so: Sie werden bleiben, sie werden wohnen bleiben, wenn der Messias kommt, wenn der Messias wiederkommt.
Himmel und Erde werden vergehen, aber der Messias bleibt. Und die Seinen, die sich diesem Messias angeschlossen haben, seine Knechte, die werden auch bleiben. Die werden wohnen, und ihre Nachkommen werden festbestehen vor dem Angesicht. Das heißt: Ihr Same, ihr Geschlecht, wird bleiben in alle Ewigkeit.
Dann macht dieser Psalm Sinn, und nur durch den Hebräerschreiber kommen wir darauf, dass das hier ein Vers über den Messias ist. Das heißt, wir bekommen hier Licht vom Neuen Testament her zurück ins Alte Testament und verstehen jetzt erst Psalm 102. Das wollte ich nachtragen.