Generierte Mitschrift
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Einleitung und Gebet
Ich hoffe, ihr seid hier zu dem Seminar „Das Evangelium in der ganzen Schrift“ in jeder Predigt oder Bibelarbeit oder in unserem eigenen Lesen der Bibel.
Bevor ich anfange, möchte ich beten, dass der Herr uns Konzentration schenkt und meine Worte lenkt.
Himmlischer Vater, wir wollen dir danken dafür, dass du uns reich beschenkt hast. Du als unser Schöpfer hast uns nicht allein gelassen, als wir uns von dir abgewandt hatten, sondern du bist zu uns gekommen in Jesus Christus nach deiner Verheißung. Du hast so gelebt, wie wir hätten leben sollen. Du bist für uns gestorben, und du bist auferstanden.
Wir wissen, dass wir in dem großen Geschenk Jesus Christus alles haben, was wir brauchen zum Leben und zum Sterben und für das ewige Leben.
Herr, wir wollen dich bitten, dass du uns erkennen lässt, wie die ganze Schrift von dir zeugt. Hilf uns, in unserem eigenen Lesen der Bibel immer klarer die Herrlichkeit des Evangeliums zu erkennen.
Herr, wir wollen dich bitten, dass du uns jetzt Konzentration schenkst, um auf das zu hören, was du uns zu sagen hast. Ich möchte dich bitten, dass du meine Worte lenkst, damit ich nur Dinge sage, die dir gefallen und die dich korrekt repräsentieren.
Ich möchte dich bitten, dass du diese Zeit gebrauchst, um uns zu erbauen, um uns zuzurüsten, um mehr Freude an deinem Wort zu haben, es klarer und besser zu verstehen und es klarer lehren zu können.
So bitten wir dich um deinen Segen und deine Führung für diese Zeit, in Jesu Namen. Amen.
Warum das Evangelium in der Schrift oft verborgen bleibt
Ich glaube, unser Hauptproblem, zumindest bei den Leuten, die hier versammelt sind, ist Folgendes: Warum verkündigen wir das Evangelium manchmal nicht so klar, warum lehren wir es nicht so klar und warum erkennen wir es vielleicht auch nicht so klar? Das hat einfach damit zu tun, dass wir in der Tat oft nicht wissen, was eine einzelne Passage mit dem Evangelium zu tun hat.
Ich habe im Rest dieses Seminars eigentlich nur zwei Dinge vor. Zum einen möchte ich mit euch noch einmal ganz kurz nachvollziehen, was in dieser Konferenz schon gesagt wurde, nämlich warum tatsächlich Jesus Christus, das Evangelium von Jesus Christus, die zentrale Botschaft der ganzen Schrift ist. So kann ich, wo auch immer ich die Bibel öffne, wissen: Dieser Text hat etwas mit dem Evangelium zu tun. Das heißt, ich muss ihn nicht losgelöst vom Evangelium lesen, sondern ich sollte versuchen zu verstehen, in welchem Bezug dieser Text zum Evangelium steht, weil ich nur dann diesen Text richtig verstehen werde.
Das ist das Erste, was ich tun will. Es ist im Prinzip eine Wiederholung von dem, was Michael Lawrence und Vaughn Roberts getan haben. Ich möchte euch die Gelegenheit geben, Fragen dazu zu stellen, weil ich mir vorstellen kann, dass das für den einen oder anderen relativ neu war.
Dann möchte ich mit uns darüber nachdenken, wie wir jetzt praktisch an einzelne Texte herangehen können, vor allem im Alten Testament, und wie wir das Evangelium aus diesen Texten predigen können. Ich möchte euch dabei sogar ein bisschen mitarbeiten lassen.
Die Schrift als Zeugnis auf Christus hin
Also, ganz kurz noch einmal zurückgehend auf das, was Michael Lawrence vor allem gelehrt hat, und dann aber auch Vaughn Roberts: Sie haben uns erklärt, warum jeder Teil im Alten Testament, jede Passage, einen Bezug zum Evangelium hat.
Er hat zuerst Lukas 24 erwähnt: den auferstandenen Jesus, zuerst mit den Emmausjüngern und dann im Nachgang mit den Elfen im Gespräch. Dort erklärt Jesus, dass das ganze Alte Testament von ihm zeugt. Ich gehe nur auf die Passage Lukas 24, ab Vers 44 ein, wo Jesus zu ihnen spricht: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war. Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen.
Das heißt, was Jesus hier sagt, ist: In allen drei Bereichen des Alten Testaments, also im ganzen Alten Testament, stehen Dinge, die über ihn handeln, die von ihm handeln. Und diese Jünger, die jetzt drei Jahre mit Jesus unterwegs waren, die Jesus haben predigen hören, drei Jahre lang, die das Alte Testament wirklich gut kannten, über diese Männer heißt es dann: Da öffnete er ihnen das Verständnis, sodass sie die Schrift verstanden. Wow, drei Jahre mit Jesus unterwegs und die Schrift nicht verstanden, das ist doch mal eine Ansage.
Und dann passiert hier etwas: Jesus sagt das, und dann tut er offensichtlich etwas, sodass sie auf einmal jetzt die Bibel verstehen. Das ist das Erste: Jesus sagt, das ganze Alte Testament zeugt von ihm, die verschiedenen Bereiche des Alten Testaments zeugen von ihm. Und in der Tat meint er damit nicht nur einzelne Texte, er meint wirklich das Alte Testament als Ganzes.
Wir haben auch die Stelle betrachtet in Johannes 5,39, wo Jesus im Zwiegespräch ist mit Schriftgelehrten, mit Juden, die letztendlich fragen, mit welcher Autorität er denn überhaupt agiert und wer er überhaupt sei. Und er sagt über Gott: Ihr habt niemals seine Stimme gehört, noch seine Gestalt gesehen, und sein Wort habt ihr nicht in euch wohnen, denn ihr glaubt dem nicht, den er gesandt hat. Ihr sucht in der Schrift, also im Alten Testament, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin, und sie ist es, die von mir zeugt.
Das heißt, diese Schrift zeugt von ihm. Wir haben dann weiter 2. Timotheus 3,14-15 betrachtet, wo Paulus dem Timotheus erklärt, dass die ganze Schrift in der Lage ist, uns zuzurüsten, uns fähig zu machen, zum Glauben an Jesus Christus. Sie bringt uns zum Glauben an Jesus Christus. Die Schrift kann uns unterweisen zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus, so heißt es dort im Zweiten Timotheusbrief, Kapitel 3, Verse 14 und 15.
Beispiele aus dem Alten Testament
Dann sehen wir, dass viele alttestamentliche Texte ihre Erfüllung in Jesus Christus finden. Wenn wir sie ohne Jesus lesen, machen sie im Kontext zwar einen gewissen Sinn, und doch wieder keinen Sinn.
Ich möchte uns dazu ein Beispiel aus dem Zweiten Samuel nennen, ein ganz bekanntes Beispiel: 2. Samuel 7,12. Wir haben den Text schon kurz besprochen, sind aber auf die Details noch nicht so eingegangen. 2. Samuel 7 ist eine ganz bekannte Passage, in der Gott David verheißt, dass nicht er ihm einen Tempel bauen wird, sondern sein Sohn.
Und wir sehen hier so eine ganz seltsame Vermischung von Dingen. 2. Samuel 7: Der Herr verkündigt dir, beginnend in der Mitte von Vers 11: Und der Herr verkündigt dir, dass der Herr dir ein Haus bauen will. Wenn nun deine Zeit um ist, also interessant: David will dem Herrn ein Haus bauen, und stattdessen sagt Gott: Ich baue dir eins. Wenn nun deine Zeit um ist und du dich zu deinen Vätern schlafen legst, will ich dir einen Nachkommen erwecken, der von deinem Leibe kommen wird; dem will ich sein Königtum bestätigen. Der soll meinem Namen ein Haus bauen, und ich will seinen Königsthron bestätigen ewiglich. Ich will sein Vater sein, und er soll mein Sohn sein.
Und wenn wir jetzt nicht mit der Jesus- mit der Evangeliumslinse lesen, dann lesen wir weiter: Wenn er sündigt, will ich ihn mit Menschenruten und mit menschlichen Schlägen strafen; aber meine Gnade soll nicht von ihm weichen, wie ich sie habe weichen lassen von Saul, den ich vor dir weggenommen habe.
Okay, der zweite Teil ist relativ eindeutig. Das kann ja nicht von Jesus handeln, denn wenn er sündigt, muss Salomo gemeint sein. Also ist es Salomo. Ja, das ist das, was Roberts eine partielle, eine teilweise Erfüllung nannte, nicht wahr? Salomo ist aber gestorben. Er hat nicht ewig auf dem Thron gesessen, und wir wissen, dass diese Passage, das Neue Testament lehrt uns, dass hier eine Verheißung für einen Sohn Davids ist. Und dieser Sohn Davids, wie Matthäus uns erklärt, ist Jesus Christus.
Wiederum: Wir werden Texte also missverstehen oder nicht umfassend verstehen, wenn wir nicht verstehen, wie sie auf Jesus Christus hinweisen und welchen Bezug sie zu ihm haben. Die Jünger haben dann diese wirklich prophetische Auslegung des Alten Testaments übernommen. Michael Lawrence hat uns gezeigt, wie es im Matthäusevangelium in Kapitel 2 ist: Dieser Bericht von der Flucht von Joseph und Maria mit dem Jesuskind ist faszinierend, weil Matthäus dort den Propheten Hosea zitiert und Hosea 11,1 zitiert. Und wir sehen dann, dass Hosea 11,1 eigentlich gar keine Prophetie auf Jesus hin ist, sondern ein Rückblick auf den Exodus, den Auszug aus Ägypten.
Wir sehen, dass dieses ganze Ereignis letztendlich eben doch auch prophetisch oder vor allem prophetisch auf Jesus hinweist. Das ist dann das, was wir immer wieder auch in der Schrift lesen, wo uns dann erklärt wird, dass das ganze Alte Testament nur durch Jesus zu verstehen ist.
Die Decke und das Verstehen der Schrift
Und vielleicht die einzige Bibelstelle, die ich habe, die noch nicht zitiert wurde und die ich vielleicht für die wichtigste halte: Und wenn ihr bisher noch Mittagsschlaf gemacht habt, die solltet ihr euch jetzt vielleicht mal wirklich merken und anschauen. 2. Korinther 3. 2. Korinther 3. Eine faszinierende Bibelstelle.
Paulus schreibt an die Korinther. Und Paulus erklärt den Korinthern die Geschichte von Mose, wie das mit Mose war. Wenn er Gott begegnet ist, hat sein Angesicht geleuchtet. Und er hat die Decke darüber getan. Und er sagt: Das war die Herrlichkeit Gottes, aber die verging wieder. Aber jetzt haben wir die Herrlichkeit Gottes in Jesus Christus. Jetzt hat sich etwas verändert.
Und dann sagt er etwas Faszinierendes. Er sagt also in Vers 11, 2. Korinther 3,11: Denn wenn das Herrlichkeit hatte, was aufhört, wie viel mehr wird das Herrlichkeit haben, was bleibt? Weil wir nun solche Hoffnung haben, sind wir voll großer Zuversicht und tun nicht wie Mose, der eine Decke vor sein Angesicht hängte, damit die Israeliten nicht sehen konnten das Ende der Herrlichkeit, die aufhört.
Aber ihre Sinne, wir merken, Paulus weicht hier von seiner eigentlichen Argumentation ab, er erklärt jetzt etwas: Aber ihre Sinne wurden verstockt. Denn bis auf den heutigen Tag bleibt diese Decke unaufgedeckt über dem Alten Testament, wenn sie es lesen. Das heißt: Ein Jude, der das Alte Testament liest, liest es mit einer Decke. Der sieht die Herrlichkeit Gottes darin nicht. Der liest das Alte Testament mit einer Decke, unaufgedeckt über dem Alten Testament, wenn sie lesen, weil sie nur in Christus abgetan wird.
Das heißt, ich nehme ein Altes Testament und ich lese es und lese es und lese es, und ich verstehe es nicht. Aber in Jesus Christus ist die Herrlichkeit Gottes in der ganzen Schrift offenbart. Und wenn ich das habe, wenn diese Decke abgetan wird, dann kann ich auf einmal das Alte Testament verstehen.
Ich glaube, das ist genau das, was Jesus für seine Jünger getan hat in Lukas 24, als er ihnen die Fähigkeit gab, die Schrift zu verstehen, nachdem sie drei Jahre seine Jünger gewesen waren und ihn hatten predigen hören.
Und ich hoffe, ich bete, dass diese Konferenz das für uns tut, für die, die es noch nötig haben, dass die Decke abgenommen wird. Und für die, bei denen die Decke vielleicht schon ein bisschen ab ist, dass wir sie ein Stück höher ziehen können, damit wir noch ein bisschen mehr sehen. Das ist ein Prozess.
Ich war sehr dankbar für den Kommentar von Martin Riggs Wilhelms gestern Abend. Der sagte: Fangt an damit, habt keine Scheu, seid nicht gute Deutsche, die alles perfekt können müssen, bis sie anfangen, etwas zu praktizieren. Das hat uns der Engländer gesagt. Aber ich denke, es war ganz wichtig: Wir müssen damit anfangen, hier und heute.
Christus als Schlüssel zum Alten Testament
Jemand hat einmal die Frage gestellt, Matthias, aber da ist doch die Gefahr, dass ich dann vielleicht auch das Alte Testament falsch auslege, wenn ich das noch nicht so richtig kann. Da ist ja bestimmt die Gefahr, dass du Christus in Dinge hineinliest, wo er nicht ist.
Aber eins kann ich dir garantieren: Wenn du es nicht tust, dann legst du es auf jeden Fall falsch aus. Es gibt also gar keine Alternative zu einem biblisch-theologischen Umgang mit dem Alten Testament. Denn ohne Christus ist die Decke drauf, und wenn wir sie abziehen, dann kann es immer noch sein, dass wir einmal falsch darauf schauen. Aber wir fangen zumindest an, die Herrlichkeit Gottes zu erkennen.
Also wir sollten das tun. Denn das Alte Testament ist, wie der Hebräerbrief uns so wunderbar erklärt, in verschiedensten Passagen ein Gleichnis für die gegenwärtige Zeit. Aber dann gibt es größere und vollkommenere Dinge. Das, was wir haben, Tempel, Stiftshütte und so weiter, Opfer, das sind alles nur Abbilder, Schatten der zukünftigen Dinge. Das weist uns alles nur auf etwas hin.
Wie Paulus in 1. Korinther 10 schreibt, ist das, was mit Israel passiert ist, in der Strafe auch für ihre Sünde, für ihren Ungehorsam, uns ein Vorbild, das uns warnen soll. Das heißt, all diese Dinge sollen uns hinweisen. Das Alte Testament soll uns hinweisen auf eine größere Wahrheit, auf Jesus Christus.
Er allein ist der Mittler zwischen Gott und den Menschen, und wir brauchen ihn. Er soll verkündigt werden. Es wird uns immer, wie gesagt, das Ziel aller Verkündigung sein, dass wir hineinwachsen in Christus, dass wir ihm ähnlicher werden, dass wir ihn immer mehr erkennen, wie Paulus im Brief an die Epheser, Kapitel 4, schreibt. Das Ziel aller Verkündigung, das Ziel aller Beschäftigung mit Gottes Wort ist, dass wir hinwachsen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes. Das ist das Ziel der Verkündigung.
Rückfragen und Klärungen
Das war jetzt eigentlich nur die Wiederholung. Wir haben jetzt wiederholt, was Warren Roberts und Michael Lawrence erklärt haben. Ich möchte einfach die Möglichkeit geben, dazu Fragen zu stellen.
Wenn du jetzt sagst: Okay, erklär mir einfach noch mal, ist das wirklich wahr, dass das Alte Testament komplett von Jesus zeugt, dass es wirklich etwas mit dem Evangelium zu tun hat? Wenn du eine grundsätzliche Frage dazu hast, nicht dazu, wie man das macht – das machen wir ja jetzt gleich im zweiten Teil –, sondern wenn du eine grundsätzliche Frage hast, wie das funktionieren soll, dann ist jetzt die Möglichkeit. Du kannst einfach deine Hand heben und laut deine Frage stellen. Sonst unterstelle ich jetzt, dass wir das alle verstanden haben.
Ja, gut, nächste hervorragende Frage, vielen Dank. Das ist eine ganz legitime Frage, eine gute Frage. Ich wiederhole die ganz kurz, damit das noch einmal verstanden wird. Ich nehme dann die nächste Frage, aber ich will die kurz beantworten.
Die Frage war: Wenn Paulus hier in 2. Korinther 3 den Text, den ich gerade behandelt habe, von der abgezogenen Decke spricht, spricht er hier nicht aus seinem Kummer in Bezug auf die Juden heraus? Und ist es nicht die Gefahr, dass wir, ähnlich wie es vielleicht falsch ist oder wie es sicherlich falsch ist, das Alte Testament immer gleich auf uns zu beziehen, mit aller Zusage, es nicht vielleicht genauso gefährlich und potenziell falsch ist, das Alte Testament immer gleich auf Christus hin zu beziehen? Also kann man nicht vielleicht zum Beispiel eine Passage wie aus dem Anfang vom Buch Hiob ohne Christus predigen, sicherlich mit Gott, aber ohne Christus?
Ich würde sagen: Ja, natürlich schreibt Paulus aus seinem Kummer heraus über die Juden. Was ist sein Kummer? Sein Kummer ist, dass sie dieses Buch – und Paulus hatte nur das Alte Testament – dieses Buch lesen und Christus ablehnen. Paulus liest dieses Buch und sagt: Es ist doch nur von Christus. Wie könnte man ihn nur ablehnen? Das war sein Kummer mit den Juden.
Das ist ein Kummer, das ist, glaube ich, auch Gottes Kummer mit vielen Menschen, die das Alte Testament so lesen, ob Juden oder Nichtjuden. Aber die Nichtjuden haben damals das Alte Testament nicht gelesen. Genau, das ist erst einmal eine legitime Frage, aber ich glaube, dass trotzdem das Argument stehen bleibt.
Die zweite Frage: Kann ich einen alttestamentlichen Text predigen, ohne auf Christus zu sprechen zu kommen, gerade wenn es vielleicht nicht klar ist? Also ich glaube, wenn ich in einem Text wirklich nicht erkenne, wie er zu Christus hinkommt, dann sollte ich ihn nicht vergewaltigen. Dazu würde ich ermutigen.
Ich würde aber vielleicht raten: Wenn ich keine andere Wahl habe, dann sollte ich den Text noch nicht predigen, wenn ich ihn nicht als christliche Literatur predigen kann. Denn ich würde unterstellen, dass ich den Text vielleicht noch nicht ganz verstanden habe. Oder ich würde die Freiheit vielleicht haben zu sagen: Ihr Lieben, ich weiß, die letztendlich wichtige Botschaft ist, dass wir das Evangelium predigen. Und noch ist mir nicht ganz klar, wie dieser Text damit zusammenhängt. Aber ich denke, der Text zeigt uns auf jeden Fall schon mal ganz wichtige Wahrheiten über Gott.
Also einfach auch der Gemeinde offen zu bekennen: Es ist, glaube ich, gefährlich, wenn wir jetzt anfangen, einfach irgendwelche blödsinnigen Beziehungen zu Christus herzustellen. Und ich will uns jetzt auch gleich noch helfen, bei diesem Schritt da noch weiterzukommen.
Da war noch eine Frage, oder war das gut? Dann lasst uns weitermachen. Dann kommen wir jetzt wirklich dahin, dass ich uns eine Aufgabe geben möchte.
Ein praktischer Zugang zum Text
Bevor ich uns dann ein paar Wege zeige, möchte ich einfach, dass wir uns einmal selbst mit dem Text beschäftigen, bevorzugt mit dem alttestamentlichen Text, der keine klare messianische Prophetie ist. Wir sollen uns fragen: Was hat dieser Text mit dem Evangelium zu tun? Wie predigt man von diesem Text her das Evangelium?
Ich mache ein paar Vorschläge. Die erste Möglichkeit ist: Du nimmst einfach den Text, den du zuletzt aus dem Alten Testament gepredigt gehört hast oder vielleicht selbst gepredigt hast, oder den du im Hauskreis hattest, oder den du heute früh in deiner stillen Zeit gelesen hast, und versuchst, ihn noch einmal neu in Bezug auf das Evangelium zu durchdenken.
Oder du nimmst Psalm 1, einen ganz bekannten Text. Psalm 1: Was hat Psalm 1 mit dem Evangelium zu tun? Ich hätte noch andere Texte, aber ich glaube, wir lassen es erst einmal dabei, sonst kommen wir zeitlich zu weit weg. Also gebe ich uns einfach mal jeweils drei Minuten, vielleicht fünf, um darüber nachzudenken: Wie würde ich von Psalm 1 oder von einem Text, den ich zuletzt behandelt habe, das Evangelium predigen? Und dann sage ich ein paar Dinge dazu.
Also fünf Minuten. Ich setze mich hin und lasse euch darüber nachdenken.
Ich hoffe, ihr habt alle eine Bibel, sonst wird es schwer. Ich sehe, einige arbeiten noch ganz fleißig, andere denken sich: Die Pause ist aber schon ganz schön lang, mach doch mal weiter. Ich mache mal weiter, auch aus Zeitgründen.
Wer mag uns sagen, wie predigst du Christus von Psalm 1? Genau, also hier wird ein Vorschlag ist, dass wir die Wasserbäche, an denen der Baum gepflanzt ist, verstehen als Christus oder auch den Heiligen Geist, der uns befähigt. Einen anderen Ansatz? Der ganz hinten meldet sich, wer? Ich kann dich gar nicht sehen, du bist so im Dunkeln. Ja, red einfach mal, genau.
Psalm 1 als Spiegel von Gesetz und Gnade
Ja, sehr gut. Also, was hier gerade eigentlich aufgezeigt wird, ist: Wir sehen hier eine Schwarz-Weiß-Malerei in Psalm 1, entweder gottlos oder gerecht. Und der Gerechte, der wandelt, dem ist wohl; der nicht wandelt im Rat der Gottlosen, der nicht tritt auf den Weg der Sünder, der nicht sitzt, wo die Spötter sitzen, sondern Lust hat am Gesetz des Herrn und über seinem Gesetz sinnt Tag und Nacht.
Bist du das? Tag und Nacht sinnen wir über das Gesetz. Wir wandeln nie im Rat der Gottlosen, und auch nicht auf dem Weg der Sünder treten wir, nein, wir halten unsere Füße schön davon weg. Und mit den Spöttern sitzen wir auch nie. Also, mich überfordert das. Mich überfordert Psalm 1.
Und ich habe jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder ich predige das jetzt so ein bisschen, na ja, wir sollen eben einfach grundsätzlich schon auch einen Gefallen an Gottes Wort haben. Tag und Nacht ist natürlich übertrieben, weil nachts muss man schlafen und tags hat man auch viele andere Dinge zu tun, aber zumindest häufiger mal Lust an Gottes Wort. Und na ja, frei von Sünden schafft keiner, aber zumindest den Weg nicht so regelmäßig gehen, also schon auch mal wieder den anderen Weg. Das ist eine Überforderung. Also entweder wir schieben das Ganze runter und sagen: Okay, also so ein bisschen zumindest. Oder wir erkennen, dass der Gerechte nicht ich bin, sondern erst einmal Jesus Christus.
Und dann wird mir klar: Wie kann ich überhaupt ein Gerechter werden? Ich bin doch von Natur aus, genau wie du das sagst, erst einmal der Gottlose, vielleicht ich in schärfster, schlimmster Form. Es ging immer noch schlimmer. Aber ich bin erst einmal vom Grunde meines Herzens ein Gottloser. Das heißt, die Gerechtigkeit, die ich brauche, die erarbeite ich mir nicht durch die Handlung, auf den richtigen Weg zu gehen und Lust am Gesetz zu haben, denn diese Lust habe ich nicht. Römer 3 macht das ganz deutlich.
Ich brauche eine grundsätzliche Veränderung. Das heißt, ich muss gerecht gemacht werden von dem einen, der gerecht ist. Das heißt, wenn ich Psalm 1 richtig predigen will, dann muss ich den Menschen erklären: Ja, das ist ein Auftrag an uns. Wir wollen immer mehr da hineinwachsen. Aber in diesem Kontrastpunkt, Gottloser oder Gerechter, da muss ich sagen: Der Gerechte ist erst einmal Jesus Christus.
Und wenn ich seine Gerechtigkeit ererbe, aus Gnade allein, durch Glauben allein, dann gehöre ich zu den Gerechten, zur Gemeinde der Gerechten. Und dann wird er mich, und das ist in der Tat das Wirken des Heiligen Geistes, immer mehr dahin führen, dass ich immer mehr diese gute Nahrung haben will, dass ich immer mehr Lust haben werde, auch an einem Gesetz. Das heißt, dann werde ich befähigt, überhaupt erst immer mehr hineinzuwachsen in das Bild, das uns hier gezeigt wird.
Und ich glaube, gerade in Psalmen zum Beispiel sehen wir ganz oft genau diese Situation, dass wir eine Schablone gezeichnet bekommen, von dem Gerechten, von dem Weisen. Manchmal sehen wir auch den weisen Menschen. Die ist zu groß für uns, die können wir nicht ausfüllen. Aber wenn wir sehen, dass Jesus sie genau ausfüllt und wir in Jesus sind, allein durch Glauben, dann erkennen wir: Okay, dieser Psalm, der mich eben noch verurteilt hat, wird jetzt etwas, was Jesus perfekt erfüllt hat. Und nachdem ich jetzt immer mehr streben darf, indem ich immer mehr verwandelt werde in sein Ebenbild hinein, im Schauen auf Gottes Wort, macht das Sinn? Ist das nachvollziehbar?
Das war jetzt ein Beispiel. Ich wollte uns einfach mal helfen, kurz darüber nachzudenken, wie gehen wir eigentlich mit dem Text um. Das war jetzt ein Weg, ein Beispiel, und es gäbe viele andere natürlich.
Eine einfache Lesestrategie
Ich möchte uns grundsätzlich jetzt zum Abschluss eine Lesestrategie mit auf den Weg geben. Sie besteht aus drei Teilen, die so einfach sind, dass man sie sich merken kann.
Erstens: Wir lesen den Text und versuchen, ihn so gut wie möglich zu verstehen. Wir achten auf jedes Wort, wir achten auf den Zusammenhang, wir wollen den Text verstehen. Wir wollen nicht zu schnell damit sein, den Text anzuwenden, auf Christus oder auf uns selbst. Wir wollen den Text erst einmal zu uns sprechen lassen.
Dann wollen wir den Text in seinem Kontext verstehen. Und zwar zuerst in dem unmittelbaren Kontext, der uns hilft, einen Text überhaupt einzuordnen und zu verstehen. Aber wir wollen ihn immer auch erkennen in seinem übergeordneten, in seinem größten Kontext, und dieser Kontext ist das Evangelium. Das haben wir nun ausführlich betrachtet.
Und dann wollen wir überlegen, wie wir diesen Text in seinem Kontext und in seinem übergeordneten Kontext als Teil einer Gesamtbotschaft der Bibel so predigen können, dass er den Menschen ins Herz spricht. Das heißt: Dann wollen wir über die Anwendung nachdenken. Also: Text, Jesus oder Evangelium, Text, Evangelium, Zuhörer.
Damit vermeiden wir dann den Fehler, der in der Frage schon durchkam: Wir nehmen alttestamentliche Texte mit irgendeiner Zusage und wenden sie direkt auf uns an. Die galt uns aber vielleicht gar nicht. Die findet ihre Erfüllung nicht in mir, sondern vielleicht in Jesus. Vielleicht war es eine konkrete Zusage in der damaligen Zeit an Israel. Und ich muss verstehen, was die Bedeutung für mich heute ist. Dazu brauche ich erst einmal das Verständnis über Jesus Christus, über das Evangelium.
Fünf Wege vom Text zum Evangelium
Und jetzt wäre es mal praktisch: Wie predige ich jetzt? Wie erkenne ich das Evangelium in jedem Text?
Ich möchte uns im Prinzip fünf Wege zeigen. Das ist dann der Abschluss: fünf Wege, wie ich von einem Text zum Evangelium komme.
Der erste: Verheißung und Erfüllung. Warren Roberts hat das ausführlich gezeigt. Viele Texte im Alten Testament beinhalten Verheißungen. Diese Verheißungen vereinnahmen wir nicht einfach für uns, sondern wir erkennen, dass jede Verheißung in Jesus ihr Ja und Amen findet.
Das schreibt Paulus im 2. Korinther 1,20. Auf alle Gottesverheißungen ist in ihm das Ja, und er hat vorher von Jesus Christus, dem Sohn Gottes, gesprochen. In ihm ist das Ja. Darum sprechen wir auch durch ihn das Amen, Gott zum Lobe.
Also: Auf alle Gottesverheißungen ist in Christus Jesus das Ja. Und wir haben Verheißungen betrachtet: der Nachkomme der Frau aus 1. Mose 3,15, der Nachkomme Abrahams aus 1. Mose 12,17, ein Prophet wie Mose aus 5. Mose 18, der Nachkomme Davids, den wir eben betrachtet haben, 2. Samuel 7, der leidende Knecht aus Jesaja, den Warren Roberts erwähnt hatte, und so weiter und so weiter.
Also: erster Punkt, Verheißung und Erfüllung. Wir wollen die Verheißung immer verstehen in Bezug auf das Evangelium, in Bezug auf das Evangelium von Jesus Christus hin. Ich glaube, das ist vorhin auch schon ziemlich klar geworden. Ich hoffe, das haben wir verstanden.
Zweitens: Gebote und Anweisungen finden ihre Erfüllung in Jesus Christus. Ja, wir haben bedacht, was Matthäus über Jesu Worte in der Bergpredigt schreibt. Zu Beginn der Bergpredigt, Matthäus 5,17, sagt Jesus: Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen.
Jesus kommt und erfüllt die Gesetze. Sie finden in ihm ihre Erfüllung. Er ist uns, das haben wir gerade auch schon bedacht, in 1. Korinther 1,30. Er ist uns von Gott gemacht zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung.
Jesus Christus ist die Gerechtigkeit. Er ist die Erfüllung aller Gerechtigkeit. Er ist die Erfüllung aller Weisheit. Er ist für uns zur Heiligung und zur Erlösung geworden.
Also wollen wir Gebote und Anweisungen im Alten Testament immer so verstehen, dass wir sagen: Das ganze Gesetz ist ein Zuchtmeister auf Christus hin, wie Paulus im Galaterbrief schreibt. Wir predigen also nicht die alttestamentlichen Gebote moralisch auf die Gemeinde hin. Wir predigen sie in Bezug auf Christus, dann predigen wir sie auf die Gemeinde hin.
Das heißt: Christus hat sie erfüllt, aber er hat sie nicht aufgelöst. Das Moralgesetz gilt, aber es ist nicht der Weg zum Heil. Und deswegen predige ich es nicht losgelöst von Jesus Christus, nicht losgelöst vom Evangelium. Denn dann bringe ich uns in eine Werkegerechtigkeit. Ich lade eine Bürde auf, die wir nicht tragen können.
Ich predige es, ich lehre es und ich lese es für mich als die Anweisung des liebenden Vaters an seine geliebten Kinder. So verstehe ich denn die Gesetze. Ich muss sie nicht halten, um vor Gott zu bestehen, sondern ich will sie halten, weil ich darin gesegnet werde.
Gebote und Anweisungen, das war der zweite Punkt.
Dritter Punkt: Ich predige einen Text im Rahmen seiner heilsgeschichtlichen Entwicklung. Das heißt, manchmal werde ich mich schwer tun zu erklären: Hier ist keine Verheißung, hier ist kein klares Gebot. Aber ich kann sehen, wie Gott das führt.
Zum Beispiel in diesem Geschlechtsregister: wie Gott das genau dahin führt, dass er am Ende sein Volk erlöst; dass er genau das tut, was er zugesagt hat; dass er dafür sorgt, dass diese Linie nicht ausstirbt; dass er es irgendwie schafft, dass doch wieder ein Kind entsteht. Abraham hat Nachkommen. Und wenn ich nichts anderes zu sagen weiß über den Text, dann kann ich zumindest sagen: Nur weil Abraham und Sarah am Ende ein Kind hatten, konnten die Verheißungen erfüllt werden.
Das heißt, ich predige den Text in seinem heilsgeschichtlichen Kontext. Es ist ein heilsgeschichtlicher Kontext, der auf Jesus Christus hinführt, zu ihm hinführt.
Viertens: Ich predige einen Text als einen Typus, einen Schatten. Ich erkenne eine Beschreibung im Alten Testament. Ich erkenne, dass die für sich historisch so zu predigen ist: Das ist da, das hat geschehen. Aber es hat eine schattenhafte Bedeutung.
Michael Lawrence hat uns dieses faszinierende Beispiel gebracht von Jona, wo Jesus sagt, das muss ja alles geschehen, weil wegen Jona. Muss sich leiden, wirklich wegen Jona. Ja, genau, das sagt Jesus.
Das heißt, wir wollen einen Text verstehen. Ein Weg zum Evangelium könnte sein, dass dieser Text uns einen Typus zeigt, eine schattenhafte, eine Vorschattung von Jesus. Das heißt, wir erkennen etwas über Jesus in Josef, wir erkennen etwas von Jesus im Volk Israel, teilweise als Kontrapunkt. Da, wo Israel versagt hat, da hat Jesus es richtig gemacht.
Das Scheitern von Israel in der Wüste als Kontrast zum Bestehen Jesu in der Wüste während der Versuchung. Warren Roberts hat darüber gesprochen. Ein Schatten: Hier sehen wir etwas reflektiert, aber eben genau verkehrt, ein Antityp.
Gottes Volk, Gottes Sohn: Israel soll Gottes Sohn sein, aber dann handelt es sich nicht so. Es soll Gottes Volk sein, aber es stellt sich gegen ihn. Aber dann haben wir in Jesus Christus den wahren Sohn Gottes, durch den das Volk Gottes wahrhaftig kommt.
Wir haben bedacht: den Exodus, die Flucht aus Ägypten, die Rettung Gottes als ein Vorbild für eine viel größere Rettung, ein Schatten, eine Skizzierung von einer Wahrheit, die in viel umfassender Form noch kommen würde in Jesus Christus.
Die Opfer im Alten Testament, Hebräer 9 sagt uns, die sind nur Abbilder, nur Vorbilder. Sie weisen uns nur hin auf das viel größere Opfer: Jesus Christus, das ein für allemal Opfer.
Die Priester im Alten Testament, auch das im Hebräerbrief, selbst die Hohepriester, selbst Melchisedek, weisen uns nur hin auf einen viel größeren Hohepriester, einen ein für allemal Hohepriester: Jesus.
Die Stiftshütte und der Tempel finden ihre Erfüllung in Jesus, wie wir in Hebräer 9,11 oder auch im Johannesevangelium lesen.
Manchmal sind es ja auch dann die Personen ganz persönlich: Adam, Melchisedek, der heute schon erwähnt wurde, Mose wird in Apostelgeschichte 3,22 erwähnt, dass Jesus mehr ist als Mose. Er ist der Nachkomme des Mose, er ist der neue Mose, der bessere Mose. Er ist auf jeden Fall der bessere Adam. Er ist einer, der mehr ist als Salomo. Er ist größer als David. Er ist der wahre Israel. Und so weiter und so weiter.
Kolosser 2,17 sagt: Das alles ist nur ein Schatten des Zukünftigen. Im Rückblick auf all die möglichen Dinge im Alten Testament sei das alles nur ein Schatten des Zukünftigen, leibhaftig aber ist es in Christus Jesus oder in Christus.
Also, das ist der nächste Weg. Wir sehen diese Dinge und wir predigen sie in ihrem Text, in seinem Kontext. Aber wir verkennen nicht, dass die Funktion dieser ganzen Beschreibung der Stiftshütte etwas damit zu tun hat, mit Jesus zu tun hat. Denn das sind nur Abbilder der Dinge, die kommen werden, wie uns das Neue Testament erklärt.
Systematisch-theologische Zugänge und das große Ganze
Also, das waren jetzt vier Aspekte, bei denen ich sagen würde: Das ist klassische biblische Theologie. Verheißung, Erfüllung, Gebote und Anweisungen, die in Christus ihre Erfüllung finden, eine heilsgeschichtliche Entwicklung, die auf Jesus zutreibt, und bestimmte Typen, schattenhafte Vorzeichnungen, die uns das Evangelium letztendlich schon im Alten Testament andeuten.
Ich möchte uns aber noch einen letzten und fünften Punkt nennen. Das ist, der Vollständigkeit halber, ein eher systematisch-theologischer Ansatz. Ich denke, manchmal tun wir uns schwer und kommen mit der biblischen Theologie nicht so weit. Und manchmal werden wir vielleicht sagen: Okay, wir sehen hier in diesem Text eigentlich nur den Schöpfer, der die Menschen in seiner Ebenbildlichkeit macht. Dann kann ein solcher Text uns hinführen zu der Frage: Wie können wir Gott eigentlich wieder ähnlich werden?
Oder wir sehen die Heiligkeit Gottes in einem bestimmten Text beschrieben, und das bringt uns zu der Frage: Wie können wir vor diesem heiligen Gott bestehen? Oder wir sehen die Sündhaftigkeit des Menschen, und das bringt uns zu der Frage: Wie können wir der gerechten Strafe für die Sünde entgehen?
Oder wir sehen im Alten Testament Retter, Könige, Richter, Hirten, Priester, und fragen: Wer kann diese Funktion, diese Rolle dauerhaft und wirklich erfolgreich ausüben? Ich erinnere mich an von Roberts Beschreibung der Richterzeit. All diese Richter waren nur Retter für eine bestimmte Zeit, und dann sterben sie, und dann tut Israel wieder, was es nicht tun sollte. Wir brauchen einen Richter, der nicht stirbt, der endgültige Befreiung bringt, damit das Land nicht nur vierzig Jahre Ruhe hat, sondern für alle Zeit.
Wir hätten gesehen, am Ende vom Buch Richter heißt es, dass Israel in diesen Tagen keinen König hatte und jeder tat, was er wollte. Und wir sehen: Wir brauchen einen wahren König, der dauerhaft regiert, einen guten König. All das sind Wege, die uns helfen können, das Evangelium vom Alten Testament zu predigen.
Das Ganze als Puzzlestück und Filmsequenz
Ich hoffe, das sind einige hilfreiche Anregungen für euch gewesen. Mir ist klar, auch das war wieder viel: so einfach fünf grobe Punkte – Verheißung, Erfüllung, Gebote und Anweisungen, die in Jesus Erfüllung finden, heilsgeschichtliche Entwicklung, Typos, Schatten oder Themen.
Heilsgeschichtlich, nicht heilsgeschichtlich, einfach vom Evangelium her: Wenn ich ein Thema aufgreife, sehe ich hier etwas über den heiligen Gott? Sehe ich etwas über Gott? Sehe ich die Menschen als Sünder? Sehe ich hier etwas über Christus? Oder sehe ich hier die Notwendigkeit von Umkehr, von Herzensveränderung, von Gottes souveränem Eingreifen im Leben von Menschen?
Denn wichtig ist, und das ist das Grundprinzip der biblischen Theologie: Wir wollen verstehen, dass jeder Text, egal wo ich ihn in meiner Bibel finde, wie ein kleines Puzzlestück ist. Und ich kann dieses Puzzlestück für sich alleine betrachten, und ich werde ein bisschen etwas daraus lernen können. Aber nur wenn ich dieses Puzzlestück einfüge in dieses große Puzzle, dann erkenne ich, was die Funktion dieses Puzzlestücks im ganzen Bild ist.
Es ist wie eine Sequenz in einem Film. Ich kann die Sequenz allein betrachten, aber ich werde die Sequenz nur richtig verstehen, wenn ich sehe, dass die Sequenz irgendwo in diesem Film auftaucht, und ich weiß, wie der Film enden wird. Dann kann ich einordnen, warum es jetzt wichtig ist, dass der Gärtner die Schaufel in den Schuppen stellt. Verstehe ich: Das macht keinen großen Sinn. Ich kann darüber spekulieren. Ich kann daraus lernen, dass Gärtner ordentlich sein sollten und die Schaufel hinten in den Schuppen stellen. Oder ich weiß: Das war der Mörder, das war das Mordwerkzeug. Ich verstehe es aber nur, wenn ich den ganzen Film betrachte. Nur dann werde ich die Sequenz richtig verstehen.
Ich hoffe, dass wir immer mehr dahin kommen, dass wir unsere Bibel so lesen, als ein Buch mit einer Botschaft, und jeden Text daraufhin betrachten, was er mit dem großen Ganzen zu tun hat. Und ich glaube, wenn wir das tun, dann überwinden wir die Evangeliumskrise, weil wir dann das Evangelium ständig vor Augen haben werden. Und es wird uns ermutigen, es wird uns verändern, es wird uns freisetzen zu wahrem Gehorsam, nämlich dem Gehorsam des Glaubens. Es wird uns erfüllen mit einem frohen Herzen und großer Dankbarkeit Gott gegenüber, sodass wir immer mehr so leben wollen, wie es ihm gefällt, und davon Zeugnis geben wollen in dieser Welt.
Das war meine Hoffnung, da einen ganz kleinen Beitrag zu leisten durch dieses Seminar. Das ist das, was wir mit dieser Konferenz tun wollen, und ich hoffe, dass ihr gesegnet werdet durch diese Erkenntnisse.
Weitere Rückfragen zur Exegese und zur Offenbarung
Ich bin fertig. Wir haben vielleicht noch fünf Minuten. Wenn es jetzt noch konkret ein oder zwei Fragen gibt, können wir die noch behandeln. Wer eine Frage hat, der soll, glaube ich, zu diesem Mikrofon kommen.
Ich warte eine Minute. Da kommt tatsächlich jemand. Ja, eine Frage, die ich habe, ist: Ich habe im Theologiestudium gelernt, oder ich lerne es immer noch, dass zu einer sauberen Exegese gehört, auch wirklich zu berücksichtigen, wer der Autor ist und wer es geschrieben hat.
Ich weiß nicht, ich stelle mir jetzt immer wieder die Frage: Okay, auch jetzt alles das, was ich gehört habe, ich finde das wichtig, und wir stehen jetzt eben am Ende der Offenbarung. Wir haben die ganze Bibel, wir können das Ganze jetzt verstehen. Aber inwieweit ist es auch wichtig zu betonen, dass der Autor, als er zum Beispiel Psalm 1 geschrieben hat, ich frage mich: Hat er wirklich gewusst, dass Christus der einzelne Gerechte ist, oder der einzige Gerechte ist?
Bei einigen Psalmen oder bei einigen Alttestamentstellen finde ich es einfach zu sagen, wenn uns zum Beispiel in Psalm 2 gesagt wird: In Apostelgeschichte 4 wird gesagt, David hat ihn geschrieben, und er wird auch ganz klar auf die Kreuzigung bezogen. Da denke ich auch, dass David schon ganz klar den Messias, also wirklich eine Person, im Blick hatte. Weil David auch selber von Gott die Verheißung bekommen hat, dass einer seiner Nachkommen kommen wird. Also David hatte wieder mehr Wissen als jetzt vielleicht ein anderer.
Inwieweit ist es da auch wichtig zu betonen: Okay, im Nachhinein verstehen wir das auf Christus gesehen, aber als Mose und wer auch immer jetzt das geschrieben hat, sie haben das jetzt nicht im Blick gehabt. Inwieweit ist es wichtig, das zu berücksichtigen?
Der Heilige Geist als Autor und die Grenzen unseres Verstehens
Also wichtig ist zu berücksichtigen, dass es erst einmal wiederum eine sehr gute und hilfreiche Frage ist. Ich denke, es ist wichtig zu bedenken, wenn du fragst, wie viel davon der Autor wissen konnte und gewusst hat.
Ich würde sagen, der eine hat das alles genau gewusst. Der andere tatsächlich nicht zwingend. Ich glaube, dass so mancher Prophet, so mancher Schreiber des Alten Testaments Texte aufgeschrieben hat und nicht genau wusste, was die letztendliche Bedeutung von dem ist, was er geschrieben hat. Ich halte das sogar für zwingend.
Denn wenn wir mal ins Neue Testament gehen und uns alttestamentliche Prophetien anschauen, dann können wir sehen: Niemals hat Hosea über die Flucht von Maria und Joseph und Jesus nach Ägypten nachgedacht, als er Hosea 11 geschrieben hat. Niemals! Und doch weist es uns auf Christus hin.
Das heißt, die Frage ist, und ich glaube, das ist letztendlich eine Frage der Hermeneutik: Lehrt uns das Neue Testament hermeneutische Prinzipien im Umgang mit alttestamentlichen Texten, die wir auf den ganzen Text anwenden sollten? Zum Beispiel nach 2. Korinther 3, was ich vorhin gesagt habe: das Abziehen der Decke der wahren Erkenntnis, die wir nur in Christus erkennen können. Das heißt, nur im Rückblick können wir es eigentlich wirklich verstehen.
Oder sind das alles Ausnahmen, die wir ausklammern müssen aus dem normalen hermeneutischen Prinzip und sagen müssen: Immer da, wo das geschieht, oh, wieder eine Ausnahme gefunden, wieder eine Ausnahme gefunden, wieder eine Ausnahme gefunden? Das heißt, zeigt uns der Umgang des Neuen Testaments mit alttestamentlichen Stellen, lehrt es uns eine Hermeneutik, die wir dann auch anwenden sollten, oder sehen wir hier lauter seltsame Sonderfälle, die eigentlich nicht in unser hermeneutisches Prinzip, in unsere hermeneutische Methode reinpassen?
Ich will damit nicht sagen, dass es keine Rolle spielt, wer was wann geschrieben hat. Natürlich spielt das eine große Rolle, weil wir die Texte heilsgeschichtlich richtig einordnen wollen. Wir wollen also immer wissen, was der Hintergrund ist. Ich denke, es ist wichtig, was du da gelernt hast. Da würde ich dem überhaupt zustimmen. Aber ich glaube, wir müssen mehr tun als das.
Unsere Hermeneutik muss geprägt werden durch die Hermeneutik, die uns das Neue Testament lehrt im Umgang mit dem Alten Testament. Und ich glaube, dann zeigen sich da noch mal ganz neue Dimensionen. Können wir gerne auch noch mal ein bisschen weiter darüber ins Gespräch kommen.
Michael Lawrence hat auch gesagt, dass er es sehr gut ausführt, dass Gott der Autor der Heiligen Schrift ist, der Heilige Geist Menschen getrieben hat, im Namen Gottes zu reden, auch wenn sie nicht gewusst haben, dass das, was sie niederschreiben, jetzt einen direkten Bezug auf Jesus hat. Der Heilige Geist hat diesen Menschen das eingeschrieben.
Michael Lawrence hat das erklärt in 2. Petrus 1,21: nicht, dass die Schrift aus dem Willen der Menschen hervorgegangen ist, sondern getrieben vom Heiligen Geist haben sie geschrieben. Gott ist letztendlich der Autor der ganzen Schrift.
Die Offenbarung und das noch offene Verstehen
Ich glaube, es ist auch wichtig, dass wir das im Hinterkopf haben. Und ich glaube, nur als ein Beispiel, das hilft uns vielleicht noch einmal, uns das vor Augen zu führen: Glauben wir wirklich, dass wir die Offenbarung heute vollkommen verstehen können?
Das heißt: Würden wir behaupten, so wie Juden damals Psalm 1 verstanden haben, hätten sie ihn richtig und umfassend verstanden? Also richtig vielleicht schon, aber umfassend? Dann müsste das ja auch bedeuten, dass wir heute die Offenbarung umfassend verstehen.
Sie ist für uns geschrieben, heute, um uns Hoffnung und Zuversicht zu geben, dass Gott uns durch alles Leiden hindurchbringen wird. Sie zeigt uns das Ziel unseres Glaubens. So wie die Propheten Christus nicht genau erkannt haben, hat es ihnen doch schattenhaft etwas gezeigt. Es hat ihnen Hoffnung gegeben.
Aber die prophetischen Bücher haben für uns heute noch einmal eine ganz andere Bedeutung, weil wir heute darin Dinge viel klarer erkennen können und wirklich erkennen können, die damals nicht klar waren. Und es werden Begrifflichkeiten im Alten Testament gebraucht, die die Menschen verstehen konnten: Israel, Tempel usw. Und wir erkennen heute, dass das Erfüllung in einer ganz anderen Dimension findet.
Und ich glaube, das Gleiche würde ich eben heute sagen, wenn wir den Umgang mit der Offenbarung betrachten, wo wir dann heute bestimmte Dinge erkennen. Aber eines Tages, wenn das alles geschieht, werden wir genau wissen: Oh ja, jetzt verstehe ich es. Jetzt ist alles klar.
Schlussgebet und Verabschiedung
Ihr Lieben, es ist Zeit aufzuhören. In zwanzig Minuten geht es weiter mit dem nächsten Seminar.
Ich möchte zum Abschluss für uns beten.
Lieber himmlischer Vater, wir wollen dir danken, weil du geredet hast und weil du bis zum heutigen Tag redest durch dein Wort, diese kraftvolle Botschaft. Danke, dass du in der ganzen Schrift von dir selbst zeugst, dass diese Buchstaben, diese Seiten, von deinem großen Plan zeugen, ein Volk für dich zu erretten durch das Blut des Lammes, Jesus Christus.
Danke, dass wir heute vieles erkennen dürfen. Und doch wollen wir dir bekennen, Herr, dass unsere Erkenntnis Stückwerk ist. Wir sehen nur wie durch einen trüben Spiegel. Herr, wir wollen dich bitten, dass du die Decke immer mehr abtust, dass du uns immer mehr Erkenntnis schenkst durch deinen Geist.
Und, Herr, wir wollen dich bitten, dass du unsere Herzen bewahrst, dass wir mit der Erkenntnis, die wir durch dich gewinnen, demütig umgehen, aber auch froh und mutig. Und so möchte ich dich bitten, dass du das, was du uns offenbarst durch dein Wort und durch die Menschen, die uns dein Wort aufschließen, nutzt, um dann auch durch uns wieder andere zuzurüsten, zu einem Glauben in der freudigen und dankbaren Nachfolge Jesu Christi und als deine Zeugen in dieser Welt.
So befehlen wir uns dir an, in Jesu Namen. Amen.
Ich danke euch.

