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Hat Gott auch die Künstler geschaffen?

07.07.2016
Serie•Teil 9 / 9Regionalkonferenz West 2016
Kunst ist nie neutral: Sie prägt, was du für wahr hältst, und zeigt, wem du vertraust. Die eigentliche Frage lautet: Formt sie dich näher zu Gott – oder weg von ihm?

Ein persönlicher Einstieg in das Thema

So, genau. Ja, jetzt arbeite ich als Übersetzerin, also aus dem Deutschen ins Englische. Das mache ich tagsüber momentan in Vollzeit, genau. Und dann bringe ich auch in der Münchenmitte, also FEG Münchenmitte, ab und zu etwas ein, genau.
Und ich wurde vor einem Jahr zu diesem Thema angesprochen, von Ron, ja, aus irgendeinem Grund. Aber es ist schon ein Thema, das mich sehr interessiert, vor allem, weil ich Literatur studiert habe und Sprachen. Das würde ich sagen, gehört auch zur Kunst.
Also werden wir uns heute nicht nur mit visueller Kunst, also mit Bildern und Malerei, beschäftigen, sondern mit Kunst im Allgemeinen. Gut, was wir jetzt nicht machen werden, ist Kunstgeschichte. Also ich bin da leider nicht die größte Expertin. Ich kenne mich ein bisschen aus, aber es gibt sehr viele gute Bücher. Du kannst auch in jede Ausstellung gehen und dich dort weiterbilden lassen.
Und wir werden uns auch nicht anschauen, Entschuldigung, was die Kirche mit der Kunst quasi gemacht hat, im Sinne von, wie Kunst die westliche Kultur entwickelt hat oder wie sie dazu beigetragen hat. Also auch nicht, wie Kunst sozusagen in religiösen Gemeinschaften genutzt wird.
Aber was ich hoffe, ist, euch eine etwas biblischere Weltanschauung zu diesem Thema zu geben, sprich: ein Grundgerüst dafür, wie wir anders über dieses Thema denken sollen. Und das gilt also, ob du dich jetzt als Künstler im professionellen Sinne bezeichnest oder nicht. Ich würde dich ermutigen, viel mehr Gedanken darüber zu machen, vor allem, weil es darum geht, unserem Herrn Jesus Christus in wirklich allen Bereichen unseres Lebens zu dienen und ihn zu verherrlichen.
Und für die, die auch Künstler sind oder Künstler werden wollen, in welchem Bereich auch immer: Ich will euch ermutigen, hart an euren Talenten zu arbeiten, denn das ist wirklich ein Beruf, zu dem Gott dich berufen hat. Und ich hoffe, dass die normalen Gemeindemitglieder dich sozusagen auch darin unterstützen können.

Missverständnisse und Vorbehalte gegenüber Kunst

Gut, aber zum kurzen Einleitung: Vielleicht habt ihr dabei gedacht, also bei der Frage, es deutet schon an, dass dieses Thema ein bisschen heikel ist oder ein bisschen problematisch unter uns Christen. Um das etwas klarer zu stellen, zumindest die Probleme, die wir zum Teil haben, das geht, oder?
Vielleicht habt ihr schon mal gehört oder gedacht: „Was, du liest das?“ Das ist mein schlechtes Deutsch hier, aber das wurde mir gesagt vor ein paar Wochen, als ich jemandem erzählt habe, dass ich die Hunger Games lese. Also das war quasi der Schock: „Uff, du fasst das an, das ist vielleicht ein bisschen gefährlich.“
Oder vielleicht hast du das schon mal gehört oder gedacht: „Du wirst deine Zeit damit verschwenden.“ „Du sollst ja etwas für Gott und sein Reich tun.“ Oder: „Ja, super, du hast eine Begabung, du bist Maler. Möchtest du dann die Bilder für den Kindergottesdienst malen?“
Also vielleicht identifizierst du dich mit einer oder mehreren dieser Aussagen. Was bedeuten sie denn? Ich denke, der Grundgedanke dahinter ist beim ersten: Wir sind als Christen nicht von der Welt, und die Welt ist etwas Gefährliches, wovor wir uns schützen sollen. Oder vielleicht beim zweiten Gedanken: Nur religiöse Beschäftigung ist Gott wertvoll, also Pastor werden, Missionar werden, in der Gemeinde arbeiten, beten, Evangelisation und weiteres.
Oder beim Letzten: „Ja, okay, ich merke an, du hast eine Begabung, aber das sollst du in einem geschützten Rahmen machen, sozusagen innerhalb der Gemeinde oder innerhalb vielleicht einer Missionsgesellschaft.“
Ich hoffe, ihr könnt dann sehen, dass wir eine etwas seltsame Beziehung haben, zumindest im evangelikalen, konservativen Bereich, was die Kunst und die Personen angeht, die sagen, dass sie Künstler sind. Genau was das angeht, bevor wir auf diese Aussagen eingehen und bevor wir versuchen, uns damit zu beschäftigen, ob diese Aussagen berechtigt sind oder nicht, denke ich, ist es wichtig, dass wir irgendwo anders anfangen. Und zwar zurück bei dem Anfang von allen Dingen, bei unserem kreativen Gott.

Der schöpferische Gott als Ursprung aller Kreativität

Das zur Info: Das würde in der Lutherbibel von 1534 gewendet. Von Lukas Cranach, der hat auch mehrere Bilder von Luther gemalt. Interessanterweise war diese Ausgabe der Bibel mit sehr vielen Bildern gestaltet, und das fand ich einfach ganz passend zu diesem Thema.
Gut, also woher dann Kunst und Künstler? Was ist die erste Sache, die wir in der Bibel lesen? Dass Gott Himmel und Erde schuf. Dies sind zwar die ersten Worte, die die Bibel uns über Gott erklärt: dass er Schöpfer ist.
Und wenn wir uns die Welt anschauen – ich wohne in der Nähe von den Alpen –, ist das einfach überwältigend, mächtig und schön. Was für eine Vorstellungskraft hat unser Gott!
Und wenn wir lesen in 1. Mose 1,2, dass die Erde formlos und leer war, „Finsternis lag über der Tiefe, und der Geist Gottes schwebte über dem wogenden Wasser“, und da sprach Gott: Es werde Licht. Das Licht entstand, und Gott sah es an, es war gut. Da trennte Gott das Licht von der Finsternis. Das Licht nannte er Tag, und die Finsternis Nacht. Und es wurde Abend, und wieder Morgen, ein Tag.
Nichts, also alles, was wir sehen können, entstand aus dem Kopf Gottes. Was für eine riesige, tiefe, ewige Vorstellungskraft! Die ganze Komplexität des Universums kam aus dieser großen, umfassenden Vorstellungskraft.
Und womit hat Gott dann gearbeitet? Er hat mit seinen Worten gearbeitet. Wenn wir jetzt an Künstler denken, welche Mittel sie nutzen, also Stift oder Pinsel oder andere Werkzeuge: Für Gott war das sein Wort. Er spricht, und es wird.
Interessant zu merken ist, dass es genau so geschaffen wird, wie er das haben will. Also gibt es keine Lücke zwischen dem, was er sich vorstellt, und dem, was am Ende herauskommt. Er ist höchst begabt, weil er nicht nur die Vorstellungskraft hat und die Idee, sondern auch die Energie und die richtigen Mittel anwenden kann.
Und wir lesen auch, dass Gott alles als gut beurteilt. Er kann sogar Kritik an seinem eigenen Werk bringen, und er sieht, dass nichts fehlt. Es ist vollkommen im Sinne von: ja, abgerundet, es ist genau das, was er schaffen wollte.
Also ganz einfach: Gott ist in diesem Thema Kunst der Meisterkünstler. Er ist derjenige, zu dem wir hingehen, wenn wir zu diesem Thema kommen, weil alles von ihm sowieso ableitet.

Der Mensch als Ebenbild und Mitgestalter

Aber wie ihr schon wisst, geht es natürlich weiter. Gott hört da nicht auf, sondern er kreiert, er schafft kreative Ebenbilder. Und diese Ebenbilder werden auch schaffen, wie Gott schafft.
Die Bibel sagt uns: Gott sprach: Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild, uns ähnlich. Sie sollen herrschen über die Fische im Meer, über die Vögel des Himmels, über das Vieh und über die ganze Erde und auch über alles Gewürm, das auf der Erde kriecht. Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan. Herrscht über die Fische im Meer, über die Vögel des Himmels und über alles Lebendige, das sich auf der Erde regt.
Was heißt es, in Gottes Ebenbild zu sein? Ich habe versucht, es jetzt hier zu markieren, wenn ihr das sehen könnt. Ganz einfach: Sie werden Gott ähnlich sein, indem sie herrschen, und zwar über die ganze Erde. Sie werden die Erde sich untertan machen.
Wie sollen wir das aber verstehen? Wenn wir zurückgehen oder vorne lesen, in Kapitel 2, in Vers 15, dann lesen wir, dass der Mensch von Gott in den Garten gesetzt wird, um ihn zu bebauen und zu bewahren. Mit anderen Worten wird Adam Landschaftsarchitekt. Also er wird Gärtner oder Botaniker. Genau wie Gott der größte Gärtner ist, der größte Architekt von allen Dingen, so tut der Mensch auch Ähnliches in seiner menschlichen Art und Weise.
Und dann lesen wir weiter in den Versen 18 bis 20, dass Adam die verschiedenen Tiere durchgeht, und seine Aufgabe ist es, ihnen verschiedene Namen zu geben. Was Gestalt eingebracht ist, sprich: Er wird Wissenschaftler. Er beobachtet, lernt und kategorisiert, was vor ihm steht. Genau wie Gott alles aus dem Chaos herausgebracht, geordnet und geformt hat, so tut der Mensch Ähnliches. Und er nimmt sogar das, was Gott gemacht hat, und macht etwas Besseres daraus oder etwas anderes. Er entwickelt irgendetwas anderes.
Und dann, was ich immer ganz lustig finde: Wenn Adam seine Frau zum ersten Mal ansieht, was sagt er? Also nicht nur: Was für eine hübsche Frau, sondern er nutzt Sprache, um Gedicht, Poesie auszudrücken. Das, was er überwältigend schön und attraktiv findet, drückt er auch im Gedicht und im Gesang aus, also nicht nur wissenschaftlich.
Also kurz zusammengefasst: Der Auftrag, den sie bekommen, enthält den Aufruf, die Erde zu kultivieren. Unsere Kreativität leitet sich von Gottes Kreativität ab, und diese Fähigkeit, uns etwas anderes vorzustellen oder mit Dingen zu experimentieren, mag in Pädagogik sein, in einer Ausbildung, in Wissenschaft, in Gartenkultur, wenn das dein Ding ist, oder sogar in der Haushaltsführung. Diese Kreativität, diese Fähigkeit, ist alles von Gott gegeben. Du magst hier sitzen und sagen: Ja, ich bin kein Künstler im professionellen Sinne, aber du bist kreativ.
Also in anderen Worten heißt unser Auftrag dann als Menschen auf der Erde, Kultur zu schaffen oder unsere Welt, unsere Heimat zu machen.

Kreativität als Berufung für das menschliche Leben

Ich habe ein sehr gutes Buch von Ted Turner, Populatrix, gelesen. Das würde ich euch sehr empfehlen. Und er sagt Folgendes dazu:
Dies ist das göttliche Muster der Kreativität. Da wir, sorry, ich habe dasselbe übersetzt, also wenn es ein bisschen falsch ist, dann entschuldige, da wir in seinem Ebenbild geschaffen sind, haben wir die natürliche Fähigkeit und den Wunsch, auch kreativ zu sein, und zwar auf einer menschlichen Ebene. Wir wollen etwas aus unserem Umfeld schaffen, in unserem Fall Gottes Schöpfung, in der wir wohnen können. Und deshalb ziehen uns alle Ausdrücke der Kreativität an.
Ob dies mechanische, organisatorische Dinge, linguistische, musikalische, fotografische, mathematische, politische, die Kinowelt oder die Ausbildung seien, sie sind alle Arten und Weisen, mit denen wir die Schöpfung uns untertan machen, mit denen wir diese Welt zu unserer Heimat machen.
Also sind wir kultivierende Verwalter mit der Verantwortung, unsere Kreativität für Gott einzusetzen, um diesen Auftrag zu erfüllen. Also, um auf die Frage zurückzugehen: Hat Gott tatsächlich Künstler geschaffen? Seht ihr einander an, also ihr seid das Ergebnis. Also sind wir alle kreativ, weil wir im Ebenbild eines kreativen Gottes sind.
Kreativität soll auch für die Erfüllung dieses Auftrags eingesetzt werden, also dieses Auftrags, die Erde zu füllen und sie uns untertan zu machen. Und die Kunst und Künstler sind Teil davon, indem sie auch dazu beitragen, die Kultur, in der wir leben, zu schaffen und zu entwickeln. Und indem wir den Auftrag erfüllen, haben wir Frieden mit Gott, miteinander und mit der Erde.
Und wir wissen also, worin unsere höchste Freude liegt, indem wir das erfüllen, wozu wir geschaffen sind, also Gott in allen Dingen, in allen Bereichen zu ehren und zu genießen. Wir wissen zwar, dass in Kapitel drei, wenn wir unsere Bibeln gut kennen, das leider auf den Kopf gestellt wird. Und wir werden ein bisschen darauf eingehen, also ein bisschen später. Aber sogar wenn Kapitel 3 passiert ist, zeigt uns auch die Bibel noch andere Beispiele, dass Kunst, sogar wenn wir in einer Welt der Sünde leben, und die künstlerischen Begabungen und Künstler selbst immer noch von Gott gewollt sind und von Gott genutzt werden.

Biblische Beispiele für Kunst und Gestaltung

Hier also eine kurze Zusammen- oder Zwischenanmerkung: Was meine ich jetzt ab diesem Zeitpunkt, wenn wir über Künstler oder Kunst reden? Ich meine damit nicht, dass jeder Mensch, der einen Pinsel in die Hand nimmt, das schaffen kann, was zum Beispiel Michelangelo in Rom geschaffen hat. Wenn ich das machen würde, würde sich wohl keiner dafür interessieren, außer vielleicht meine Oma. Ihr würde ich damit zwar eine Freude machen, aber mir fehlt das Genie, also das Geschick. Ich habe auch nicht das Talent dafür. Ich habe das nie richtig gelernt und kann es auch nicht einfach so in meiner Zeit entsprechend ausdrücken.
Was wir in diesem Vortrag mit Künstlern meinen, sind Menschen, die eine Begabung haben. Das kann in der Malerei sein, aber auch in der Skulptur, Architektur, Geschichtsschreibung, Poesie, im Theater, Film, vielleicht auch in Musik und Tanz. Für diese Menschen ist es Beruf, diese Talente zu entwickeln und sie zu Gottes Ehre zu nutzen, um damit ihre Welt anzusprechen. Ich denke, wir können darüber später noch sprechen. Es sind diese Gaben und diese Menschen, mit denen wir zumindest im evangelikalen Bereich Probleme haben und die wir ein wenig problematisch finden.
Gut, aber lasst uns jetzt kurz einige Beispiele in der Bibel anschauen. Ich würde euch einfach ein paar Punkte geben. Die könnt ihr euch aufschreiben, oder ich kann die Punkte später auch noch zuweisen.
Wir sehen in 2. Mose 35, dass Bezalel und Oholiab berufen werden, das Zelt für das Heiligtum zu schaffen. Dazu gehören die Bundeslade, alle möglichen Tische und Altäre, die verschiedenen Vorhänge und Goldverzierungen. Also: Das, wozu Gott sie beruft, hat wirklich kaum Grenzen. Die Schrift sagt, dass Gott ihnen gewissermaßen das Genie dafür gibt. Es kommt durch den Geist Gottes, diese Begabung, und auch der Auftrag. Interessanterweise hatten sie von Gott auch die Gabe, andere darin zu unterweisen. Es ging also nicht nur darum, ihr eigenes Talent zu entwickeln, sondern auch anderen zu helfen, diese Gabe zu entwickeln.
Später sehen wir auch in 2. Mose 25, dass Gott nicht nur den Auftrag oder das Genie gibt, sondern auch einen Plan dazu. Ich habe dir das Modell dieser Wohnung samt ihren Einrichtungsgegenständen gezeigt, und dementsprechend sollt ihr sie bauen. Und was folgt daraus? Wir sehen repräsentative Kunst, also goldüberzogene Cherubim. Die unsichtbare Welt wird hier dargestellt. Auch die Natur wird zum Beispiel bei den Leuchtern so aufgegriffen, dass selbst sie zu Gottes Ehre in der Kunst genutzt werden kann.
Wichtig ist aber zu bemerken: Obwohl Gott einen Plan gibt, ist das nicht einschränkend. Es ist nicht alles fotografisch kopiert. Wenn wir über die Priester lesen und darüber, welche Kleider sie anhaben, in Kapitel 28, dann lesen wir dort sogar von blauen Granatäpfeln. Man nimmt also etwas aus der Natur und entwickelt es weiter, mit anderen Farben, um vielleicht sogar etwas Schöneres auszudrücken. In der Gegenwart Gottes darf ein Künstler also sogar das nehmen, was Gott schon geschaffen hat, und etwas Neues daraus machen.

Schönheit, Musik und dramatische Ausdrucksformen

Dann gehen wir weiter zur Schönheit der Tempel. Darüber könnten wir sehr viel reden, denn das Ästhetische ist Gott sehr wichtig.
Salomo kommt und sagt: Ja, ich nehme mir ein paar Edelsteine mit, und ich klebe sie dann überall hin. Und warum macht er das? Um einfach die Schönheit des Tempels auszudrücken. Es gibt dabei keinen utilitaristischen Zweck oder so, sondern die Schönheit und auch die Wahrheit sind in diesem Ort wichtig.
Ein säkulares Beispiel wäre der Thron Salomos. Das ist eigentlich ganz krass, was er da erstellt, 1. Könige 10, mit zwölf Löwen auf den Treppen auf jeder Seite und diesem Elfenbeinthron, der mit Gold überzogen ist. Manche sagen, vielleicht gäbe es auch zwei lebendige Löwen auf jeder Seite, also da vorne. Es ist echt ein bisschen beängstigend, aber auch prachtvoll, was er da schafft.
Skulptur gibt es sehr viel, auch bezogen auf den Tempel und das Heiligtum. Musik und Gesang gehören ebenfalls dazu. Die Leviten sind verschiedene Chorgruppen, harmonische Gruppen. Oder 2. Mose 15: Wenn sie aus Ägypten ziehen und Gott die Ägypter im Meer umgebracht hat, dann singen die Frauen und die Männer zusammen. Sie jubeln, sie gehen und tanzen herum und singen von Gottes Herrlichkeit und seiner Herrschaft.
Aber Kunst kann in der Bibel auch ein bisschen seltsam aussehen. Bei Ezechiel haben wir einen Propheten, der ein Jahr lang dazu aufgefordert ist, seine Botschaft theatralisch zu gestalten, und zwar mit einer Darstellung dessen, was es bedeutet, wenn Gottes Gericht kommt. Oder Tanz: David zum Beispiel, wenn die Bundeslade zurückgebracht wird. Er tanzt vor dem Herrn, und zwar einfach so, ohne Charme. Der einzige, der sich dabei schämt, ist seine Frau Michal. Gott aber sieht diesen Tanz als Ausdruck seines Herzens an.
Die Bibel enthält aber nicht nur solche Beispiele, die ihr selbst nachschlagen könnt; es sind sehr viele. Sondern die Bibel, die wir sehr schätzen, ist auch selbst ein Beispiel der Kunst. Die Bibel ist ein Kunstwerk, und zwar des Wortes. Wir haben alle möglichen Gattungen: Geschichte, Gedichte, Lieder, prophetische Vorstellungen, Visionen.
Ich habe vor kurzem etwas zu Luther gelesen, wie er seine Übersetzung gemacht hat. Er hatte auch ein wahnsinniges Genie darin, eine Sprache für ganz Deutschland zu schaffen, die sowohl poetisch als auch volksnah war. Das heißt, Johann Sebastian Bach konnte damit auch seine Kantaten schreiben, aber auch jeder Mensch, also jeder normale Mensch, konnte die Bibel verstehen, sogar wenn er ungelehrt war.
Wir können natürlich als Christen sagen: Ja, die Wahrheit Gottes wird sowieso etwas bewegen, das Predigen auch. Das glauben wir, sagen wir auch hier bei dieser Konferenz. Aber stell dir vor, die Evangelien würden wie Betriebsanleitungen geschrieben. Ja, sie wären vielleicht korrekt, aber nicht so interessant, oder? Oder die ganze Bibel wäre wie ein Rechtstext geschrieben. Damit habe ich in der Arbeit ein bisschen zu tun, und ich kann euch sagen: korrekt, aber kaum lesbar.
Gott selbst verfasst seine Wahrheiten in unterschiedlichen Gattungen, und zwar über mehrere Jahrhunderte in mehreren Sprachen, weil er sich selbst so darstellen will. Es ist ihm wichtig, sogar in der Verkündigung des Wortes, dass Kunst auch ihren Platz hat, weil eben die Bibel ein Kunstwerk ist.

Zwischenfazit: Gottes Gaben sind nicht wertlos

Lassen wir uns das zusammenfassen, wo wir jetzt gerade sind: Kunst und Künstler sind Gott wichtig. Wenn Gott den Menschen solche Gaben gibt, um uns zu segnen und ihn zu verherrlichen, dürfen wir sie nie als wertlos oder ungeeignet bezeichnen.
Kreativität und Kultur sind wirklich spannend, und sie sind auch sehr mächtig. Denn dadurch machen wir uns die Welt untertan, und wir ehren Gott dabei.

Die Spannung zwischen geistlich und weltlich

Gut, wenn das aber so ist, warum haben wir so viele Probleme? Ich denke, als Christen machen wir das sehr oft. Auf der einen Seite, also auf eurer rechten Seite, ist es säkular, der säkuläre Bereich, und auf der anderen Seite sakral. Und was ich damit meine, sind heilige Dinge oder ewige Dinge.
Ihr könnt die Schrift hier unten also nur schwer sehen. Auf der rechten Seite stehen materielle Dinge, weltliche Dinge. Es ist vorübergehend. Auf der linken Seite stehen gottgefällige, geistliche, ewige Dinge, also das, was sinnvoll ist. Und wir teilen verschiedene Lebensbereiche oder Dinge, die wir einfach tun, in zwei verschiedene Bereiche ein. Manchmal überlappen sie sich in der Mitte, aber oft auch nicht.
Das kann die Arbeit sein. Wir denken dann: Ja, meine Arbeit ist nicht so sinnvoll, das ist weltlich, das ist vorübergehend. Vielleicht Bier trinken, also ich komme aus Bayern, oder Hobbys, Geld, keine Ahnung, also Sport vielleicht. Freunde sind vielleicht in beiden Gruppen. Bibel lesen, Evangelisation, das ist, was wirklich zählt. Gemeinde, Mission, das sind alles geistliche Dinge, ewige Dinge, die dann Bestand haben und Sinn haben.
Jesus steht über allem. Jesus ist Herr über alle Bereiche in unserem Leben. Das ist, was wir in der Schöpfung sehen: dass er durch alles angebetet und verherrlicht sein soll.
Schäfer hat gesagt, auch wieder eine Übersetzung von mir, obwohl ich denke, dieses Buch ist schon auf Deutsch, Kunst und die Bibel würde ich euch auch empfehlen. Er sagt Folgendes: Obwohl wir immer von der Herrschaft Christi sprechen, haben wir die Bedeutung seiner Herrschaft auf einen sehr kleinen Bereich der Realität eingeschränkt. Wir haben das Konzept von der Herrschaft Jesu Christi über die ganze Person sowie über das ganze Universum missverstanden. Wir haben damit die Schätze nicht angenommen, die die Bibel uns gibt, für unser Leben und zwar auch für unsere Kultur.
Die Herrschaft Christi über unser ganzes Leben bedeutet, dass es im christlichen Glauben keine platonischen Bereiche gibt. Es gibt keinen Zwiespalt und keine Hierarchie zwischen Leib und Seele. Gott hat sowohl den Leib als auch die Seele geschaffen, und die Erlösung gilt für die ganze Person.
Hier könnten wir, erinnert ihr euch an die Aussage vom Anfang, nur religiöse Beschäftigung ist wertvoll, das könnten wir vielleicht hier streichen. Dadurch, das ist einfach nicht so. Und zwar wissen wir, dass Gott, wie gesagt, die ganze Person erschuf. Das sehen wir in 1. Mose, also Leib und Seele und all unsere Begabungen. Und in Jesus wird dann die ganze Person gerettet, 2. Korinther 5,17. Wir lesen: Ist jemand in Christus, ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.
Und das bedeutet, dass Jesus Herr der ganzen Person und Herr des ganzen christlichen Lebens ist. Stell dir das mal vor, das ist riesig. Wir sehen, wo Adam gescheitert ist, hat Jesus gesiegt. Er ist der zweite Adam, der Anfang einer neuen Menschheit.
Der Kolosserbrief spricht darüber, dass Jesus sowieso Herr über alle Dinge war, weil durch ihn und für ihn alles erschaffen wurde, aber jetzt desto mehr, weil er alles in ihm versöhnt. Römer 12 ermahnt uns, dass wir uns mit allem hingeben und uns Gott aufopfern sollen. Das ist unser vernünftiger Gottesdienst, mit allem, was wir haben.
Und dann wissen wir für die Zukunft, dass Jesus zurückkommen wird. Und er hat jetzt nicht nur unsere Seele erkauft, sondern er hat und wird auch den ganzen Leib retten und uns vom Tode auferwecken. Johannes spricht auch sehr viel darüber. Johannes 6 zum Beispiel: Derjenige, der zu Jesus kommt, also die Worte des Sohnes hört, wird am letzten Tag auferweckt werden.
Gut, und die Frage ist dann als bekennende Christen: Wozu ist unser Heil, unsere Errettung? Ich würde Folgendes sagen: dass wir Gott komplett genießen und ihn in allen Lebensbereichen, in allem, was wir tun, verherrlichen sollen und können. Dass Jesus uns wieder neu herstellt.
Und das heißt, dass Kunst und Künstler, also wenn du hier Christ bist und du bist Künstler, du stehst nicht außerhalb der Herrschaft Christi. Das bedeutet aber sehr viel Freiheit, weil es dann kein Thema in deiner Kunst gibt, für das Gott sich nicht interessiert. Also alles interessiert ihn. Und das mag eine menschliche Liebesbeziehung sein, ob du darüber Gedichte oder Gesang schreibst, Rockmusik vielleicht, oder vielleicht seid ihr Fans von Star Trek. Das könnte alles Mögliche sein.
Es bedeutet aber für uns alle, dass unser ganzes Sein das wichtigste Kunstwerk überhaupt ist. Und Künstler sollen das auch immer in Betracht ziehen. Das heißt, wir werden alle versucht werden, uns in unserem Beruf zu verlieren, also das zu unserem Gott zu machen. Aber unser Leben ist eigentlich Gottes größtes Kunstwerk.

Kunst, Weltanschauung und die Frage nach dem Menschen

Was machen wir aber mit Johannes? Also, das zitieren wir oft als Christen, wenn wir diesem Thema angehen: Ja, wir sind in der Welt, aber nicht von der Welt. Und das ist diese Aussage: Hey, was, du liest das? Das ist gefährlich, fass es nicht an.
Aber ist unsere Angst, unser Verdacht bei dem Thema überhaupt berechtigt, also vor Künstlern und vor der Kunst? Also, ich würde sagen, dass die Kunst tatsächlich die Macht hat, uns zu formen. Die Kunst ist mächtig, aber seit dem Sündenfall stellt sie uns oft natürlich eine andere Sicht der Dinge vor, also eine andere Wahrheit oder, was wir heutzutage nennen, Weltanschauung, also eine andere Sicht auf die Welt. Sie erzählt uns dann oft eine ganz andere Geschichte, also irgendetwas, was Gottes Wahrheiten widerspricht oder uns zumindest in Zweifel bringt.
Das ist es, worüber Paulus schreibt, zum Beispiel auch wieder im Kolosserbrief, wenn er über die Mächte in dieser Welt spricht. Wir spüren sogar diese Mächte, diese andere Weltanschauung, weil wir aus der Dunkelheit gerettet sind. Wir merken, dass es ein ständiges Zuflüstern von der Rebellion gibt.
Aber wie reagieren wir? Also wir, und ich spreche von mir selbst: Für eine Weile habe ich mich schon zurückgezogen, habe mich erschrocken und habe gesagt: Ja, du kannst es malen, aber nur im Rahmen des Gottesdienstes, nur im Rahmen des Kindergottesdienstes, also dieser Ansatz von vorher. Also wir sagen: Ja, du kannst es malen, aber nur in der christlichen Seifenblase. Also nur in unserer Kultur.
Aber was passiert, wenn wir so etwas machen? Das passiert, was ihr nicht sehen könnt oder fast nicht. Es ist ein niedliches Haus mit ganz vielen bunten Farben, also ihr könnt es vielleicht später auch anschauen auf dem Computer, das ist ein bisschen einfacher. Und zwar mit ganz vielen Pastellfarben, das ist von einem amerikanischen Künstler, Thomas Kincaid. Ich denke, der ist auch vor ein paar Jahren verstorben, und er hat auch so ein Bild gemalt. Auch wieder Pastellfarben, sehr paradiesmäßig. Es gibt nichts, also keine Sünde da, keine Anfechtung, keinen Angriff oder so, was man vielleicht auf einer Postkarte sehen würde. Auch ganz schön und ganz niedlich.
Also, was ist mein Problem dann mit Thomas Kinkade? Also nicht, dass einzelne Bilder ja nicht so gut sind, also technikmäßig war er okay, aber sein Gesamtwerk spricht nur solche Themen an, nur das Paradies. Also ich würde sagen, dass seine Weltanschauung oder das, was er durch seine Kunst ausgedrückt hat, nicht die christliche Weltanschauung ist, zumindest nicht in seiner ganzen vollen Wahrheit, weil sie die Realität der Dinge in der Welt oft verleugnet.
Das Problem ist, wie wir schon heute und gestern Abend gehört haben: Wir leben nicht mehr im Paradies, wir leben mit Leid und mit Sünde und mit Versuchung. Das ist leider ein Bestandteil unseres irdischen Lebens. Der Sündenfall ist das Tragischste, was je passiert ist, also Sünde ist schrecklich.
Interessanterweise zeigt uns das Drama der Bibel das ganz genau. Gott selber scheut sich nicht davor, Sünde und schreckliche Dinge aus dieser Welt vor unseren Augen zu malen. Und zwar mit einer krassen Dynamik. Das Kreuz sogar ist vielleicht der Höhepunkt davon, wo wir die Sünde in ihrer vollen Schrecklichkeit sehen.
Also wenn Gott sich vor solchen Dingen nicht scheut, dann warum behaupten wir manchmal als Christen, eine christliche Kunst entwickeln zu dürfen, die das größte Problem der Welt total verleugnet oder überhaupt nicht veranschaulicht? Und ich würde euch mitgeben: Wir als Christen, wir können das Problem direkt in die Augen schauen, weil wir wissen, dass das Schrecklichste nicht das Ende ist, oder?
Also ich würde sagen, wenn du Künstler bist, du darfst auch schlimme Dinge in deinen Werken zeigen, weil wir in einer schlimmen Welt leben. Also, wir werden später darüber vielleicht in Frage stellen, wie das dann ausschauen soll, aber ich denke nicht, dass eine Kunst wie Kincaids Kunst immer ausschauen soll. Und wir sollen das alles in Betracht ziehen, wenn wir uns Gedanken machen, was die Kunst überhaupt tut.
Ganz generell würde ich sagen, sie versucht oder sie stellt die Frage: Was bedeutet es, menschlich zu sein? Weil die Tatsache des Sündenfalls dazu geführt hat, dass wir nun auf diese Frage keine vernünftige Antwort mehr bekommen. Deswegen haben wir so viele unzufriedenstellende Weltanschauungen. Das sehen wir zum Beispiel in der postmodernen Kunst. Ich weiß nicht, wer bei verschiedenen Ausstellungen war, aber manches da kann sehr schrecklich sein.
Und ich würde sagen, du kannst auch diese Frage des Menschseins nicht völlig beantworten, wenn du nicht an Jesus glaubst, also wenn du nicht das Evangelium kennst. Denn was es bedeutet, Mensch zu sein, kann nicht beantwortet werden, wenn du deinen Schöpfer nicht kennst, wenn er dich nicht zeigt und dir sagt, weshalb er dich geschaffen hat, also wie im 1. Mose.
Aber das ist jetzt nicht so, dass wir die Klugen sind und wir sagen: Ja, jetzt haben wir alle Antworten, sondern wir beschäftigen uns auch immer mit dieser Frage: Was bedeutet es jetzt, hier zu leben? Franz Schäfer hat auch noch ein gutes Buch geschrieben: Wie sollen wir denn leben? Weil wir merken, es gibt noch eine Spannung. Zwar haben wir die Wahrheit, aber wie setzen wir das um? Was bedeutet es jetzt hier in meiner Gegenwart, Mensch zu sein?
Also wir sind zwar Menschen, die wiederhergestellt wurden zur Gottesehre, ja, aber wir kämpfen immer noch mit dieser Frage, weil wir auf den Tag warten, wo Jesus wiederkommen wird und alles vollenden wird.

Ein vorläufiges Fazit und der Blick auf die Gegenwart

Lassen Sie mich das bisher kurz zusammenfassen. Ich weiß, wir haben nicht so viel Zeit, und es ist sehr warm hier drin. Wenn wir davon überzeugt sind, dass Kunst und Künstler von Gott geschaffen sind, aber durch den Sündenfall verdreht wurden, dann können wir das Thema Kunst auch etwas anders angehen, und zwar mit mehr Demut, denke ich, und mit mehr Verständnis für Künstler und ihre Werke, ob sie Christen sind oder nicht.
Die Kunst fragt dann zum größten Teil, würde ich sagen, was es bedeutet, Mensch zu sein. Und das ist dieselbe Frage. Hier können wir uns mit der Welt ein Stück weit identifizieren, weil wir uns ebenfalls mit derselben Frage auseinandersetzen. Letztendlich müssen wir aber keine Angst vor der Kunst oder vor verschiedenen Weltanschauungen haben, weil Jesus unser Herr ist. Er hat wirklich alles in der Hand, und wir wissen, was am Ende passieren wird. Wir haben letztendlich den Sieg und natürlich sein Schwert der Wahrheit in seiner Bibel.
Wie viel Energie habt ihr? Seid ihr zu erschöpft, oder? Ich habe noch ein kleines Stück, bevor wir zur Anwendung kommen, wo ich gern noch ein wenig aus unserer heutigen Zeit anschauen würde. Seid ihr noch dabei? Oder okay, ja? Gut. Mir wird es ein bisschen warm. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ja, ich stehe auch in der Sonne, und es ist ein bisschen schwierig, wenn das PowerPoint hier ist. Gut, mal schauen. Also, wenn ich schwitze, Entschuldigung.
Gut, dann lassen Sie uns ein paar Beispiele anschauen, was unsere heutige Welt zu diesen verschiedenen Fragen sagt, also wie es dargestellt wird.

Gegenwärtige Weltbilder und ihre Ausdrucksformen

Kurz zusammengefasst leben wir in einer Zeit, die kaum noch an absolute Wahrheiten glaubt. Und genau da haben wir als Christen ein großes Problem, weil wir sagen: Nein, Gott hat eine Regel gegeben, und zwar für alle Menschen, eben weil wir in seinem Ebenbild geschaffen sind.
Wir leben dann pluralistisch, wir haben verschiedene Meinungen. Es gibt keinen großen Sinn mehr im Leben, wonach wir suchen können. Die Postmodernen kamen in Zweifel, weil sie sagten: Wenn es keine große Wahrheit mehr gibt und sie vielleicht auch wahrscheinlich nicht existiert, was haben wir dann für einen Sinn? Das erklärt sehr viel aus dieser Kunstszene.
Aber heutzutage würde ich sagen, dass wir uns so entwickelt haben. Es ist nicht immer so ein klarer Bruch, aber ich sehe schon, dass wir versuchen, auf uns selbst zu schauen und darin den Sinn zu finden. Wir sagen: Der Sinn ist jetzt nicht mehr außerhalb von mir, ich muss ihn nicht mehr entdecken, sondern er liegt in mir. Oder anders gesagt: Wir schaffen unseren eigenen Sinn im Leben, und wir brauchen dann keine universelle Wahrheit.
Das führt dazu, dass wir überlappende Meinungen oder Weltanschauungen haben, und keiner steht über dem anderen. Also jede Meinung, jede Weltanschauung ist dann irgendwie berechtigt. Ob das jetzt so stimmt, angesichts der Toleranz, ist eine andere Frage, aber das ist zumindest die Wahrnehmung.
Und ich würde sagen, dass das Internet das auch entwickelt oder zumindest dazu beigetragen hat, diese Weltanschauung zu unterstützen. Weil jeder durch das Internet, durch verschiedene Profile und so weiter, sich selbst neu kreieren kann. Facebook ist das wunderbarste Beispiel: Du kannst dich selbst neu kreieren, du kannst eine neue Identität entwickeln, du kannst deinen Sinn wieder quasi schaffen, sozusagen.
Oder wenn wir die Mode anschauen: Das ist jetzt so billig heutzutage, dass wir Klamotten und Kleidung und so uns kaufen können und uns selbst wieder als Kunstwerk darstellen können. Wir leben in einer Gesellschaft, die sehr individualistisch ist und das auch sein kann, wo wir unsere Identität neu schaffen können.
Und ich denke, ihr kennt bestimmt dieses Mädel, Lady Gaga. Sie sieht da auch ganz schlecht aus, aber sie ist bei den Video Music Awards in einem Kleid aus Fleisch aufgetreten. Ja, ich weiß nicht, wer von euch ihre Lieder kennt oder ob ihr sie überhaupt anhört. Sie ist überall im Radio zu hören, aber sie singt oft, es ist, ja.
Diese Weltanschauung, jede Meinung ist berechtigt, wie ich lebe, ist gut so, und du sollst auch so leben, wie du willst. Und sie rekonstruiert sich selbst, also sie hat so viele verschiedene Kleider, und sie macht immer etwas Neues oder Verrücktes, weil sie sich immer anders vorstellen will. Also ich denke, sie ist ein gutes Beispiel dafür.

Kunst als Spiegel der Gesellschaft

Weiss nicht, ob ihr das auch gut sehen könnt, das ist auch sehr schlecht. Thomas Egger, das habe ich vor kurzem bei einer Kunstausstellung in München gesehen, im Brandhaus Museum. Es heisst Heavy Harvest, also schwere Ernte. Und du siehst da, also ich würde euch fragen, aber ihr seht es nicht so sehr, ein Bild von einem Acker, auf dem jeder dabei ist, die Ernte hereinzubringen.
Und zwar haben wir hier drei Fahrzeuge, die, wie ich sagen würde, wie Bildschirme aussehen. Wenn man das sieht, sind sie wirklich glänzend. Also sie sind wirklich, ja, keine Ahnung, sie rauben quasi die Sicht, weil sie so hell sind. Und alle anderen sind dabei beschäftigt, aber nicht als grosses Team, sondern einzeln oder vielleicht in drei oder zwei Gruppen.
Und was daran interessant ist, ist, dass sie quasi nichts ernten. Also du siehst nichts, was sie ernten. Ich finde sein Werk, also ihr könnt ihn auch im Internet nachschlagen oder seine Ausstellung anschauen, sehr interessant als kontemporären Künstler. Denn er spricht genau das an, worin wir leben: dass wir alle beschäftigt sind, sogar, aber was sind unsere Ergebnisse?
Wir vermuten, in einer Gesellschaft zu leben, aber eigentlich sind wir immer so ein bisschen verstückelt. Also wir leben jetzt nicht mehr so richtig miteinander, sondern über das Internet. Ich denke, er stellt das wirklich gut dar.

Wie Kunst Weltanschauungen vermittelt

Und wie macht die Kunst das dann? Wie kann die Kunst uns solche Weltanschauungen vorstellen?
Ich gebe euch einfach drei Merkmale, bevor wir zum Schluss kommen. Sie deutet uns zuerst eine Alternative an, also etwas anderes, das wir erfahren könnten. Sie ruft bestimmte Emotionen oder Stimmungen hervor und weist uns dadurch auf eine ganz andere Idee hin.
Das hat zum Beispiel die Werbungsindustrie, denke ich, sehr gut verstanden. Wenn Nike uns Turnschuhe verkaufen will, verkauft sie uns nicht nur Leder und Kunststoff. Es geht immer auch um eine Vorstellung davon, was du haben könntest, wie du leben könntest. Und es wird greifbar: Wenn du diese Turnschuhe kaufst, bist du es.
Man kann darüber streiten, ob Werbung gute Kunst ist. Aber ich denke, sie nutzt sehr ähnliche Einstellungen, Fähigkeiten und Techniken. Sie tut dies oft auf einer unterschwelligen Ebene, oft wohl unbemerkt.
Wir leben zurzeit in einer sehr visuell geprägten Welt. Wir sehen überall Bilder. Im Film und im Fernsehen, also seitdem wir Fernseher haben, sind wir ständig von Bildern umgeben. Und visuelle Kunst ist sehr klug darin, uns eine Idee zu geben, die quasi unter dem Radar bleibt. Es ist dann nicht immer so eine feste Aussage, sondern etwas, das wir miterleben und das manchmal an unserem Verstand vorbeigeht und direkt ins Herz trifft, würde ich sagen.
Oder die Kunst kann auch, und ich würde sagen, das ist ebenfalls eine sehr positive Sache, das Unbegreifliche zusammenfassen. Also das, was wir schwer empfinden oder ausdrücken können. Das finde ich zum Beispiel in manchen Büchern. Oft lese ich etwas und denke: Ja, das fasst genau zusammen, was ich denke. Oder diese Person macht genau das, was ich vielleicht machen würde oder was ich mir dabei gedacht habe.
Oder wenn wir uns eine Fernsehserie anschauen, kann es auch Emotionen hochbringen. Es fasst dann gewissermaßen alles zusammen, was wir in dem Moment denken: Ah, darum. Also deswegen.
Und das können natürlich alle Künstler machen, ob sie Christ sind oder nicht. Die Kunst kann auch eine reiche Bildungskraft haben. Sie kann uns dazu führen, die Welt besser zu verstehen und Menschen besser zu verstehen.
Das sind nur ein paar Beispiele. Natürlich können wir gerne mehr dazu sagen. Das gilt als zweiter Workshop, würde ich sagen.

Verantwortung, Anbetung und die Rolle christlicher Künstler

Aber jetzt zum Schluss: Wenn solche Begabungen so mächtig sind, dann haben Künstler eine sehr grosse Verantwortung. Spider-Man sagt: „Mit grosser Macht kommt grosse Verantwortung“, und ich stimme ihm zu.
Denn was du als Künstler durch deine Werke machst, zeigt der Welt, was du genau anbetest oder wen du anbetest. Ein tolles Beispiel aus der Bibel ist Poussin: The Adoration of the Golden Calf. Also Aaron, der das goldene Kalb, den goldenen Stier, giesst, zusammengefasst. Und man muss dann bedenken: Wenn du künstlerische Gaben hast, hast du die Macht, auch andere in diese Anbetung hineinzuziehen.
Also fast jedes Kunstwerk, würde ich sagen, hat eine Markierung in Bezug auf Anbetung. Es zeigt immer, wer oder was du anbetest. Und weil Kunst so mächtig ist, kannst du damit auch andere mit einbeziehen. Das sehen wir zum Beispiel in der Musik. Deswegen ist Musik in unseren Gemeinden, was den Inhalt angeht, auch sehr wichtig.
Kunst und Kultur wurden dazu geschaffen, tatsächlich Anbetung zu sein. Das sehen wir auch ganz am Anfang. Es hat Gott geehrt, indem er uns solche Begabungen gegeben hat. Und durch die Kunst kannst du tatsächlich sagen, was es bedeutet, ein Mensch zu sein, was es bedeutet, Erfüllung darin zu finden, indem wir Gott in allen Dingen verherrlichen und ihn auch ewig geniessen.
Also, bevor wir jetzt in die Fragerunde gehen: Wir haben noch ein bisschen Zeit. Wir können auch in die Kaffeepause gehen, wenn ihr noch zehn Minuten bleiben wollt. Ich möchte euch ein paar Fragen geben.
Wie gesagt, es ist ein sehr grosses Thema. Ich kann leider nicht alles abdecken, aber ein paar Fragen für euch:
Wie fütterst du deine Vorstellungskraft, wenn du Künstler bist? Wie gut kennst du deinen Gott und seine Erkenntnis sowie seine Vorstellung und seinen Plan für diese Welt in Jesus Christus? Prägt das überhaupt deine Gedanken und dein Handeln? Und wie demütig bist du? Erkennst du, dass deine Gaben von Gott kommen und auch zu seiner Ehre eingesetzt werden sollen? Oder willst du lieber wie die Menschen bei Babel einen Namen für dich selbst machen? Arbeitest du motiviert an deinen Talenten, oder bist du ein bisschen faul? Letztendlich: Wie sieht dein Herz aus, wenn du dich nicht so motivierst? Was liebst du, was motiviert dich? Ist dein Leben letzten Endes das primäre Kunstwerk für Gott?
Und wenn du dich jetzt nicht als Künstler bezeichnen möchtest: Wenn du Künstler kennst, vielleicht sogar in deiner Gemeinde oder in deiner Arbeit, stellst du dich ihren Werken eher kritisch gegenüber? Also sofort Kritik? Oder versuchst du zuerst, die Welt zu verstehen, die sie in ihrem Werk geschaffen haben, also ihr Verständnis?
Oder wie unterstützt du christliche Künstler? Künstler haben es sehr schwer, wenn sie Christen sind. Wie gut bist du darin, sie in der Erkenntnis Gottes zu unterweisen? Ihnen auch eine biblische Weltanschauung zu geben, sodass sie sagen können: Herr Jesus ist Herr über mein ganzes Leben.
Und die Frage gilt auch an uns alle: Wollen wir letztendlich die Welt, und damit auch Künstler, für Jesus erreichen? Wollen wir die Leute in unserer Umgebung, in unserer heutigen Kultur, für ihn erreichen und sie zu ihm bringen?
Gut, das war es für mich. Ich hoffe, das hat euch ein bisschen weitergeholfen. Ja, ihr könnt gerne Fragen nehmen, wenn ihr mögt. Also wenn ihr wollt, könnt ihr euch auch die Bilder gerne anschauen. Ich tue die mal vielleicht kurz zurück. Also bis später.
Das war sehr lang, ich weiss, und es ist sehr warm. Also gut gemacht, dass ihr das bestanden habt.

Rückfragen, Beispiele und praktische Unterscheidung

Hast du vielleicht noch ein paar positive Beispiele, also von Christen, die als Künstler arbeiten, bei denen du sagen würdest, dass du ihr Werk sehr interessant findest und denkst, dass es gut widerspiegelt, nicht nur diese Kirchtürme? Ich meine, C. S. Lewis ist ein sehr gutes Beispiel, also den kennen wir alle. Aber man muss auch nicht wie C. S. Lewis schreiben. Man muss auch nicht eine Welt schreiben, die jetzt einen Aslan als Jesus-Retter hat.
Makoto Fujimura habe ich neu entdeckt, also den kennst du vielleicht. Der ist sehr berühmt in den Staaten, und er ist kontemporärer Künstler, er macht abstrakte Kunst. Ich habe vor kurzem gesehen, dass er sehr unterschiedliche Dinge macht, und das ist sehr interessant. Bei dem Tsunami in Japan – er kommt ursprünglich aus Japan und wohnt zurzeit in den Staaten – hat er auch eine Reihe von Bildern gezeigt, die die Zerstörung des Tsunamis darstellen, also in abstrakter Kunst, aber auch die Hoffnung darin. Und das fand ich sehr interessant.
Ich weiss, abstrakte Kunst ist manchmal ein bisschen: „Ich verstehe das nicht.“ Aber ich würde euch Mut machen, schaut es euch an. Er hat auch einen ganz anderen Stil, einen ganz alten japanischen Stil gelernt und bringt das auch wirklich zum Ausdruck. Das ist wunderschön. Ja, aber in all seinen Werken ist es sehr offensichtlich: Er will, dass Jesus verherrlicht wird, und er will, dass Leute sehen, es gibt irgendwas, wozu du zurückkommen kannst, es gibt tatsächlich Sinn, es gibt irgendwas trotz Leid, es gibt irgendwas Gutes.
Er hat auch vor kurzem The Four Holy Gospels erstellt, wo er versucht, sein kontemporäres Werk, also vielleicht die nicht christliche Szene könnte man sagen, und die christliche Szene zusammenzubringen. Das ist etwas ganz Neues, weil oft, ich denke, Künstler finden es schwierig, Christen in der Szene zu sein, weil sie eben als sehr eingeschränkt angesehen werden. Und ich denke, Makoto Fujimura versucht jetzt, diese beiden Welten zusammenzubringen, indem er auch sehr versöhnungsmässig vorgeht und sagt: Nein, meine Kunst ist überhaupt nicht von meiner christlichen Weltanschauung eingeschränkt, sondern sie wird dadurch gefüttert. Also wirklich, das will er auch wirklich zeigen.
Ich habe auch ein paar Freunde in England zum Beispiel, die versuchen, sie sind ganz neu dabei, aber versuchen auch, ihre Talente zu entwickeln. Eine hat gerade auch ein bisschen Erfolg in London, und das ist auch sehr spannend. Oder eine Freundin von mir, sie schreibt auch Bücher. Das ermutigt mich auch.
Ja, ich habe zwar, es tut mir leid, ich wollte euch eine Bibliografie oder irgendwas geben, das könnte ich euch gerne schicken. Es sind auch ein paar Links, wenn du Künstler ermutigen willst, also in euren Gemeinden. Es gibt auch ein paar Gruppen, also Netzwerke, die man auch anschauen kann. Das ist sehr wichtig für christliche Künstler, dass sie andere Christen auch kennen. Also wie wir bei dem ENN20-Netzwerk, das, was wir tun, ist auch wichtig für Künstler. Das kann ich euch auch weiterleiten, wenn es euch interessiert.
Gibt es sonst noch Fragen, Anregungen? Dass man dadurch Menschen verstehen kann und auch die Kultur. Deswegen habe ich mein Studium geliebt, also die Literatur, also da hineinzukommen. Ich habe früher jahrelang getanzt, also das war für mich leider auch manchmal ein Götze, so ein bisschen wie Götzendienst für mich, wo ich sehr viel Zeit hinein investiert habe. Musik ist irgendwas, was mich immer bewegt, also Klavier spiele ich gern und auch so mit anderen. Aber ja, meine Kunst sozusagen jetzt vollzeitlich ist ja gerade die Übersetzung. Genau. Ja.
Ich hätte noch eine Frage. Kannst du vielleicht eine Leitlinie geben, oder vielleicht jemand anders aus der Gruppe? Ich habe so ein bisschen Mühe damit, mir die Frage zu beantworten. In vielen Bereichen muss man ja sagen, sind jetzt in vielen Künsten nicht unbedingt Christen federführend, ja, oder, sag ich mal, wir gehören jetzt zu den Topkünstlern der Welt. Ja, wo aber schon auch keiner damit sagen wird, dass Menschen sich das Ebenbild Gottes geschaffen haben, dass wir auch sagen, dass auch Leute, die keine Christen sind, gute Kunst machen, egal in welchem Bereich. Jetzt merkt man natürlich schon, je nachdem, in welchen Bereich man geht, sei es Musik, Literatur, Film, vieles ist destruktiv oder zeigt jetzt nur, ich sage jetzt mal, die fiese Seite, wie Sie sagen, nur die Sünde.
Und jetzt die Frage: Okay, wenn ich jetzt aber auch von diesen Menschen lernen möchte, gerade weil sie vielleicht jetzt in meinem Bereich Künstler sind, gibt es irgendwo wieder Wurstengrenzen, wo ich sage, okay, hier hört das jetzt für mich zum Beispiel auf, jetzt ist es besser. Ich werde jetzt nicht von denen, weil es vielleicht doch für mich zu negativ beeinflusst. Ich kann mal ein ganz klassisches Beispiel geben. Ich lese sehr gerne Fantasy und würde auch gerne Fantasy schreiben oder beschäftige mich damit. George R. R. Martin ist sozusagen momentan der Weltklasseautor, wenn es um Fantasy geht. Er ist aus Tolkien noch vor zwanzig, vor ein paar Jahren, Josh Agramate. Nur, ich weiss halt eben, seine Reihe Games of Thrones ist halt eben sehr gewalttätig, womit ich jetzt weniger die Probleme habe, aber halt eben auch sehr strebtextistisch, und das schon vielleicht mal schon auf instrumentografische Leinen. Und da ist so mich die Frage: Okay, wäre es jetzt gut, jetzt auch seine Werke zum Beispiel zu lesen, die Filme und so, die Trilogien zu gucken, um einfach zu sagen, okay, ich will von ihm lernen, wie er es als Autor schreibt? Oder muss man sagen, okay, jeder ist die Grenze schon überschritten, weil man sagen muss, dass das, was er schreibt, und die Intention, mit der er schreibt, ist heute im Interviewstudien gesagt ganz klar: Er will die Leute Angst machen. Er will jetzt keine nette Geschichte schreiben, sondern er will schon, dass die Leute eben Angst haben, und deswegen kippt er halt eben auch alle seine Charaktere sozusagen. Stimmt ja.
Es ist wirklich die Frage: Ist es jetzt auch für einen Christ okay, wenn ich jetzt sage, ich lese es jetzt nicht zur Unterhaltung, sondern weil ich halt schon einfach sehe, dass ich von solchen Menschen auch lernen muss oder lernen möchte? Oder sonst mal eher sagen, okay, dann lernen wir doch von anderen und lassen über das hier nach.
Boah, ja, das ist schwierig. Ich denke, wir haben ein bisschen darüber diskutiert gestern. Du kannst auch gerne was dazu sagen, was du machst, aber ... Also wir sind ein bisschen zu dem Ergebnis gekommen, dass es immer darauf ankommt, was es mit deinem Herzen auch macht.
Ich z. B. liebe Harry Potter über alles. Meine Eltern haben von Anfang an gesagt, dass die Kinder von dem Scheiss nicht von meinem Bachelor arbeiten, weil ich bitte, dass es tatsächlich viele Aspekte aufgreift, die extrem gut sind, auch ethisch, und würde das gerne auseinanderarbeiten. Aber genau das beeinflusst sich, bringt es sich weg von Gott. Ja, man muss natürlich sehr selbstreflektiert sein, wie man mit diesem Thema umgeht. Das war auch so ein Punkt, denn es sind viele andere Menschen, die sollten es definitiv nicht lesen, also jemand von uns, der nicht an einem Gebrauch gehört, als er auf der Bühne gedacht hat. Ich sehe den Sinn nicht, mich mit Öl zu füllen, auch wenn er wie geschrieben ist.
Auf der anderen Seite, ja, natürlich kann man auch von ihm, ja, aber ... Es ist halt die Frage, was machst du mit dir, was nach dem Kopf, mit dem, was du liest oder siehst. Das kann man ja schon sehen, sie mir keinen Vorstellern vorgeben, sondern jeder muss wirklich endlich gucken, okay, kann ich das jetzt ab oder kann ich nicht. Ja, und das ist die Weisheit. Ich meine, Paulus spricht auch sehr viel darüber. Also wenn wir davon beschädigt werden, ist es überhaupt nicht weise, das anzufassen. Also wenn es wirklich ... Und wir müssen dabei denken, also das zu lesen wird dich jetzt nicht nur intellektuell belasten, sondern auch emotional. Und die Dinge auch bleiben mit dir. Kannst du das ertragen? Und meine Grenze ist anders als für manche anderen.
Und deswegen ist es genau wichtig, dass wir jetzt nicht sagen, dass Christen gut die Grenze ist da. Also das wollen wir immer, gell, also wir wollen immer: Bis dahin können wir gehen und dann ist es Sünde. Aber die Sünde steckt drin. Wir wissen, dass unsere Herzen verdorben sind. Das ist auch etwas, was wir einbeziehen sollen.
Aber ich erinnere mich an die Zeit gerne zurück, da kam auch schon mal die Frage auf, wie viel Gewalt kann man in der Gemeinde im Kopfdienst darstellen. Wir hatten die Geschichte vom barmherzigen Samariter, wo richtig Gewalt zusammengeschlagen worden ist, und haben das dann voll dargestellt auf der Bühne. Und das gab natürlich auch böse Kritik danach. Ja, aber ich habe dazu gestanden, weil es erstens biblisch war und die Geschichte ja auch nicht nur aus der Schlägerei besteht. Aber es ist ja immer so eine Diskussion: Alles, was stellt man dar, was kann man darstellen, was darf man darstellen? Und du hast es auch vorhin gesagt, wir leben in der Welt und wir sollen auch das Ganze darstellen, was uns ausmacht, was uns beschäftigt und was doch in der Welt ist.
Oft denken wir auch so als Christen, also wir zählen einfach, wie viele Schimpfwörter gibt es, wie viele Schlägerei, also wie viele Waffen oder so. Und wenn wir das machen, dann gehen wir eigentlich an der Sache vorbei, weil der Kerngrund, warum diese Dinge überhaupt da sind, ist etwas anderes. Ja, genau. Und der Kontext ist dann entscheidend. Also in der Geschichte vom Samariter ist der Kontext, also der biblische Kontext. Und Jesus nutzt es dann, um eine Lehre daraus zu bringen. Es sind manche Hollywood-Filme, die einfach Gewalt zeigen, weil sie Gewalt zeigen wollen, und sie verherrlichen die Gewalt. Ja, also es ist dann immer eine Frage: Verherrlicht das also die Gewalt oder ist es eine Weise, zum Beispiel in Schindlers Liste ... Schindlers Liste nehme ich an, genau, das ist auch grafisch, also es gibt Gewalt und alles Mögliche drin, auch Sex und so, wo du siehst, das ist aber nicht verherrlicht, das gehört zur Geschichte, zu dem Kontext. Und deswegen ist es wichtig, auch diese narrative Welt zu verstehen, was für Gutes da rausgezogen wird und was eben der Sinn dahinter ist.
Gerade Theater und andere Kunstformen, auch Kunstdruck, Malerei oder Rock, ist ja auch eine Idee dafür, Gewalt darzustellen oder auszudrücken, was uns beschäftigt. Ja, total, ja, ja.
Ich kann da ein bisschen erinnern, mein Pastor von meiner Heimatgemeinde. Das ist auch Englisch, aber er hat ein sehr gutes Buch über beide Meinungen über die Annahme hier. Es heisst The Story to Tell. Hast du das gelesen?
Noch nicht, es steht auf meiner Liste, ja.
The Story to Tell. Und der Autor?
Mike Casper. Casper? Casper, C-O-S-P-I-R. Und ja, das vielleicht nicht über alle Themen werden gut gesprochen, aber er spricht darüber, über Game Friends und andere Dinge, wie wir Beziehungen zwischen Kunst und Kultur nicht so getrennt sind, sicherlich. Sag mal, ja. Wenn du auch Englisch kannst. Ihr seid alle fit im Englischen. Viel fitter als wir im Deutschen. Ja, du, jemand hat auch.
Ja, in der Bibel ist ja auch sehr vieles krass beschrieben, was wir im Neuen Testament, aber man muss auch zu lehren, und es ist auch schwierig, Russen zu fangen, ne? Kommt ja auch Tigerwald vor, also Tigerwald. Das ist strategisch. So kann man eigentlich, würde ich sagen, es ist schwierig, insofern zu beurteilen, ob man das lesen soll oder nicht.
Ich habe jetzt zum Beispiel bei einer Lesung mit einer namhaften Autorin, Katharina Hacker, und die Lesung war ganz interessant, aber ich habe mir das Buch gekauft, und sie hat irgendeine Waffe in der Buchbranche einen tollen Preis gekriegt. Und ich habe das Buch zuhause gelesen, und es war, ich musste es weglesen. Ich habe mich geärgert, als ich dafür zwanzig Jahre ausgegeben habe, weil die Lesung hat sie gut gemacht, aber es war sowieso düster und ganz anders als die alte Lesung. Auch wenn es gute Literatur ist oder Leute in einer Jury, die seine Anerkennung lesen, so beurteilt haben, ich habe es weggelegt, weil es eben, wie hier gesagt wurde, nicht mental und so im Grunde bezogen wird, wie ich und auch nicht möchte.
Ich denke, da ist es auch wichtig, ich komme langsam vielleicht zum Schluss, damit ihr einen Kaffee holen könnt, auch zu bemerken, wir sind keine Individualisten. Also wir können auch diese Dinge zusammen machen in der Gemeinde, also wenn nicht als Gemeindeveranstaltung auch zusammen sagen: Hey, ich lese dieses Buch. Kannst du das mit mir lesen, damit wir uns darüber austauschen können? Oder auch in der Familie. Ted Turner geht genau dieses Thema an: Was soll ich denn meinen Kindern zeigen, also beim Fernsehen oder Filme und so, was soll ich da veranlassen? Und er sagt: Ja, du musst da natürlich mit Weisheit umgehen, aber schau es mit deinen Kindern an. Also stell dir nichts vom Fernseher oder vom Film und lass sie einfach so, sondern versuche, darauf zu gehen, was geht in ihren Herzen ab, was geht in ihren Gehirnen ab, also wenn sie das schauen, was verstehen sie, was nicht, wie kann man dann das Evangelium einbringen, um das zu lernen, um ihnen auch zu lernen.
Also ich denke, oft bei diesem Thema ist es mir eingefallen, wir machen so viele Sachen vereinzelt, und wir öffnen uns auch zu Gefahren, die wir vielleicht auch nicht so gut erkennen können. Deswegen würde ich sagen, brauchen wir auch einander bei diesem Thema.
Gut, es hat mich wirklich gefreut, dass ihr alle da wart. Danke sehr, dass ihr mir so lange zugehört habt, und danke für eure sehr guten Fragen.