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Hebräer 2,1-18

Hebräer 2,1-2,1821.09.2017
Serie•Teil 4 / 25Hebräerbrief
Jesus wurde Mensch, um dich aus Todesangst und Schuld zu befreien. Die Frage ist brutal klar: Hängst du an ihm – oder gleitest du am Ziel vorbei?

Einleitung und Hinführung zum Kapitel

Bibelwoche Hebräerbrief, vierter Vortrag, Hebräer 2,1-18.
Wir wissen jetzt, dass der Hebräerbrief damit anfängt, Jesus groß zu machen. Von größter Wichtigkeit ist für den Autor, dass wir nicht zu klein von Jesus denken. Das Universum gehörte ihm, er hat es geschaffen, er erhält es, er wird es entsorgen, haben wir gestern gelernt. Und er wird einen neuen Himmel und eine neue Erde erschaffen.
Jesus spiegelt in Vollendung den Charakter Gottes wider. Als Sohn Gottes sitzt er zur Rechten der Majestät auf dem Thron Gottes, und er genießt die Nähe, er genießt die Freude und er genießt die Fürsorge des Vaters. Er ist der Erstgeborene, der höchste König auf dem Thron Davids. Er ist der, der Gerechtigkeit liebt und Gesetzlosigkeit hasst.
Jesus ist, und wir haben das gestern immer betrachtet im Vergleich zu den Engeln, unveränderlich und ewig. Er hat uns von unseren Sünden gereinigt, und er ist schlichtweg die wichtigste Person des Universums. Ihn kennen heißt leben, ihn verpassen oder ihn unterschätzen heißt der Tod.
Wir werden weitermachen mit dem Hebräerbrief und heute Kapitel 2. Ich möchte mich vorab entschuldigen: Es wird anstrengend, aber das liegt gar nicht so an mir. Ich habe versucht, das noch halbwegs verständlich zu machen. Es liegt auch ein bisschen am Text. Ihr werdet das sehen, der hat es in sich.
Ich werde den Text in drei großen Abschnitten behandeln, und ich habe die Abschnitte so überschrieben: Hebräer 2, die Verse 1 bis 4, Abschnitt 1: Achtung, verwirf nicht das Evangelium Jesu Christi. Erster Abschnitt.
Zweiter Abschnitt, die Verse 5 bis 9, überschrieben mit: Der Sohn eine Zeit lang niedriger als die Engel.
Und dann ein dritter Abschnitt, die Verse 10 bis 18. Damit endet dann auch das zweite Kapitel: Der Sohn erniedrigt sich, um für die Söhne zu leiden.
Also drei Abschnitte. Und das wird einen Tick länger, weil wir danach ja nur Fragen machen. Es gibt keinen zweiten Vortrag, also habe ich gedacht, darf der auch ein bisschen länger sein.

Erste Warnung vor dem Verpassen der Rettung

Die Dringlichkeit des Hörens

Abschnitt 1
Achtung: Verwirf nicht das Evangelium Jesu Christi!
Wenn wir verstanden haben, dass Jesus so außergewöhnlich ist, was folgt dann eigentlich logischerweise aus dieser Einsicht? Hebräer 2,1 deswegen. Wir müssen umso mehr auf das achten, was wir gehört haben, damit wir nicht etwa am Ziel vorbeigleiten.
Also: Je wichtiger eine Person ist, desto wichtiger ist es, dass ich genau höre, was sie mir sagt. Es macht einen Unterschied, ob meine Chefin mir einen Auftrag gibt oder die neu angestellte Reinigungskraft. Das ist einfach ein Unterschied. Wenn Jesus die wichtigste Person im Universum ist, dann müssen wir ganz besonders auf das achten, was er uns gesagt hat. Und wenn wir nicht auf ihn hören, dann sagt der Text, besteht die Gefahr, die reale Gefahr, am Ziel vorbeizugleiten.
Ich hoffe, ihr erinnert euch noch an das, was ich euch gestern versucht habe zu erklären: dass es nämlich unter den Briefempfängern solche gibt, die irgendwie zur Gemeinde gehören, irgendwie sich vielleicht auch für Christen halten, aber in ihrem Herzen mit dem Gedanken spielen, zurück zum Judentum zu gehen. Und wer das tut, der gleitet am Ziel vorbei, das heißt, der gleitet an der Rettung vorbei.
Warum? Na ja, und jetzt kommt ein Vergleich, die Verse 2 und 3: Denn wenn das durch Engel verkündete Wort fest war und jede Übertretung und jeder Ungehorsam gerechte Vergeltung empfing, wie werden wir entfliehen, wenn wir eine so große Rettung missachten?
Dieses durch Engel verkündete Wort, denn wenn das durch Engel verkündete Wort fest war, ist das mosaische Gesetz. Wir lesen zwar nichts im Alten Testament davon, dass Gott durch Engel zu Mose spricht, aber es scheint im Denken der Juden irgendwie logisch gewesen zu sein, dass Gott nicht direkt mit Mose reden konnte. Immerhin sagt Gott selbst an einer Stelle in 2. Mose zu Mose: Kein Mensch kann mich sehen und am Leben bleiben.
Also ist die Idee, dass Gott nicht direkt mit Mose gesprochen hat, sondern via Engel kommuniziert, gar nicht so abwegig. Und an zwei weiteren Stellen im Neuen Testament, in der Apostelgeschichte und im Galaterbrief, da lesen wir, dass Engel Mittler zwischen Mose und Gott waren.
So, und jetzt kommt das Argument vom Kleineren zum Größeren. Das ist einfach Logik, was hier gemacht wird. Ich versuche mal ein Argument vom Kleineren zum Größeren: Wenn es wehtut, dass ein Chinaböller in meiner Hand explodiert, wie viel mehr wird es wehtun, wenn ich eine Stange Dynamit in meiner Hand explodieren lasse? Das ist vom Kleineren, vom Chinaböller, zum Größeren. Wenn das Kleine wehtut, tut das Große noch mehr weh. Das ist die Logik, die hier angewandt wird.
Wenn jede Übertretung und jeder Ungehorsam eines von Engeln verkündeten Gesetzes gerechte Vergeltung empfängt, das heißt bestraft wird, wie werden wohl die Menschen bestraft, die sich nicht für das Evangelium interessieren, das nicht von Engeln verkündigt wurde, sondern das Gott selbst in Form seines Sohnes verkündigt hat?
Ja, hier steht: so große Rettung missachten. Es geht dem Autor, Achtung, es geht ihm nicht um Menschen hier im Text, die das Evangelium rundweg ablehnen. Es geht ihm um solche, die in diesem Moment es nur halbherzig annehmen und es jetzt, weil es in der Gesellschaft Gegenwind gibt, sich überlegen: Ich könnte das eigentlich wieder loslassen.
Es geht um Menschen, die an der Errettung vorbeigleiten. Am Ziel vorbeigleiten heißt es im Text. Die also schon irgendwie auf dem Weg zum Ziel sind, die es aber dann trotzdem verpassen. Die es deshalb verpassen, weil der Glaube, den sie haben, sich nicht mit dem verbindet, was zu rettendem Glauben dazugehört. Weil sie nicht wirklich auf Dauer an Jesus hängen wollen.
Die Frage, die der Text stellt, ist: Wie werden solche Menschen dem Zorn Gottes entfliehen? Wie wollen sie ihr Verhalten jemals rechtfertigen?
 Hebräer 2,3 geht weiter. Und es geht jetzt noch einmal um die Errettung, es geht um die Botschaft vom Evangelium. Der Autor beschreibt, wie sie in die Welt gekommen ist. Sie ist ja, nachdem sie ihren Anfang damit genommen hatte, dass sie durch den Herrn verkündet wurde, uns gegenüber bestätigt worden, die es, und jetzt könnte man an der Stelle auch übersetzen: die ihn. Es kann also entweder die Botschaft sein oder den Herrn Jesus, der Herr Jesus, die es oder ihn gehört haben, so am Ende.
Erinnert ihr euch an das, was wir am Sonntag haben? Nachdem Gott so lange durch Propheten redete, am Ende durch den Sohn. Am Ende kam Gott selbst, wurde Mensch und predigte mit Worten, eigentlich sogar noch mit mehr: Er predigte mit seinem ganzen Leben das Evangelium.
Und nach ihm treten die Apostel auf, und sie bestätigen, was Jesus gesagt hat. Also ist es ganz wichtig, dass wir das verstehen: Die Apostel erfinden keine neue Theologie, sondern sie setzen einfach die Predigt von dem Herrn Jesus fort. Bei Jesus finden wir die Idee, dass der Glaube an ihn rettet. Und wenn jetzt die Apostel gefragt werden: Was muss ich tun, damit ich gerettet werde? Dann sagen die genau das Gleiche. Sie sagen: Glaube an den Herrn Jesus.
Die Apostel als die Ohrenzeugen haben genau das Evangelium weitergegeben, das zuerst Jesus gepredigt hatte. Nämlich das Evangelium davon, dass Rettung aus Glauben an den Messias Jesus kommt. Das ist nicht eine Erfindung der Kirche, das ist nichts, was man sich später ausgedacht hat, sondern diese Botschaft, wie es im Text heißt, hat ihren Anfang genommen in der Verkündigung des Herrn. Und dann ist sie uns, denen, die später gelebt haben, bestätigt worden von denen, die diesen Herrn Jesus haben predigen hören, die diese Botschaft selber gehört haben.
Und damit jetzt nicht irgendeiner denkt, dass die Apostel nur so ein paar verirrte Spinner sind, die irgendwie ohne Sinn und Verstand nachplappern, was irgendein galiläischer Wanderprediger ihnen als Wahrheit verkauft hat, sondern damit wirklich jeder weiß, dass sie im Auftrag des Herrn unterwegs sind, deshalb gibt es jetzt noch einen Punkt:
Gott selber bestätigt die Echtheit dieser Verkündigung. Also nicht nur, dass Gott selber predigt, sondern bei denen, die diese Botschaft weitertragen, bei den Aposteln, da stellt Gott sich jetzt in besonderer Weise dazu.

Gottes Bestätigung durch Zeichen und Wunder

Vers 4: Wobei Gott zugleich Zeugnis gab, nämlich von der Echtheit der Botschaft, dass es wirklich Apostel sind. In 2. Korinther 12,12 wird von den Zeichen der Apostel gesprochen. Das sind Zeichen, Wunder und Machttaten, wobei Gott zugleich Zeugnis gab durch Zeichen, Wunder, mancherlei Machttaten und Austeilungen des Heiligen Geistes nach seinem Willen oder nach seinem Ermessen.
Die Zeit der Apostel und ihres Predigt- und Missionsdienstes ist eine Zeit von Zeichen und Wundern und Machttaten in einem Maß, das man einfach nur staunen kann. Unglaublich: Gott legt Zeugnis ab für die Echtheit dieser Prediger. Da werden Tote lebendig, Kranke werden wieder gesund, Scheinheilige sterben – das gibt es auch – und die Gläubigen bekommen den Heiligen Geist. Sie werden berufen, sie werden begabt, sie werden gekräftigt, sie werden verändert. Da passiert unheimlich viel.
Warum? Ja, ganz einfach, weil Gott möchte, dass jeder versteht: Die, die da predigen, diese Apostel, die sind wirklich von Gott gesandt. Und die Botschaft, die sie predigen, das ist eine Botschaft, hinter der Gott steht. Gott legt Zeugnis ab.
Und jetzt die Frage: Wie soll man Gott erklären, dass man eine Botschaft und die damit verbundene Errettung des eigenen Lebens abgelehnt hat, wenn diese Botschaft erstens von ihm selber gepredigt wurde und zweitens ihre Ausbreitung von seinem Heiligen Geist begleitet wurde, durch Zeichen, Wunder und Machttaten?
Und die Frage, die im Raum steht, vom Kleineren zum Größeren: Wenn die Übertretung des mosaischen Gesetzes zum Teil drakonische Strafen nach sich zog – man erstaunt sich ja manchmal, was da so drinsteht –, die Entheiligung des Sabbats etwa mit Steinigung, wenn so etwas schon so dramatisch bestraft wird, wie viel mehr, wie viel schlimmer wird es dem ergehen, der sich einfach hinstellt und durch sein Leben zum Ausdruck bringt: Mir ist völlig egal, was Jesus und die Apostel gepredigt haben.
Was soll dem denn geschehen? Also: Wenn das eine böse war, dann ist das andere abgrundtief böse. Wenn das eine dumm war, dann gibt es für das andere gar keinen Namen, so blöd ist es.
Die Überschrift über diesem Abschnitt hieß: Achtung, verwirf nicht das Evangelium Jesu Christi. Der Autor des Briefes hat einfach Recht, weil nicht irgendwer sich das Evangelium ausgedacht hat, sondern es in seiner klarsten Form von Jesus gepredigt wurde. Deshalb müssen wir umso mehr darauf achten, es nicht zu verpassen.

Einschub und Übergang zum nächsten Thema

So, was er hier tut, ist Folgendes: Wir kommen von dem Thema Engel, und jetzt bringt er eine Warnung mitten hinein. Es ist eine Mahnung an die Geschwister, die in der Gefahr stehen, ihren Glauben wegzuwerfen.
Er kommt also irgendwie von diesem Thema Engel. Er denkt an Engel, und er hat vielleicht diesen Gedanken: Engel, das waren doch auch die, die das mosaische Gesetz gegeben haben. Und jetzt packt er mitten in das Thema eine Warnung hinein. Denn gleich, wenn der Abschnitt zwei beginnt, das heißt mit Vers fünf, geht es wieder mit Engeln weiter.
Aber mitten hinein setzt er so eine: Bang! Warnung. Und das macht er öfter. Das darf uns also nicht verblüffen, das werden wir im Hebräerbrief öfter sehen. Er hat ein Thema, dann hat er so ein Sprungbrett-Gedanken, den nutzt er kurz für eine ganz deftige Warnung, und dann führt er sein ursprüngliches Thema wieder weiter.
Deswegen hier mittendrin dieses Achtung. Das passt eigentlich nicht zum Thema, oder nur so über dieses: Na ja, die Engel hatten auch etwas mit dem mosaischen Gesetz zu tun. Ja, aber eigentlich möchte er sagen: Passt auf, dass ihr an dieser Stelle jetzt nicht den großen Fehler begeht und euren Glauben wegwerft.

Der Sohn und die Spannung zwischen Herrlichkeit und Erniedrigung

Die kommende Welt und die Stellung der Engel

Abschnitt Nummer zwei, Verse fünf bis neun, Kapitel zwei: Der Sohn für eine Zeit lang niedriger als die Engel.
Ich will mal sagen: Hinter diesem Abschnitt steht vielleicht, so genau weiß man das nicht, aber ich denke, hinter diesem Abschnitt steht folgende Frage. Wir haben da vorgesehen, wie großartig Jesus ist. Das war gestern der zweite Vortrag. Wenn der Sohn Gottes so herrlich ist, wie verträgt sich seine Vorrangstellung damit, dass er als Mensch doch eine Weile niedriger war als die Engel? Immer zu sagen, Jesus ist so groß, ist ja schön, aber er war doch auch Mensch. Wie verträgt sich dieser Aspekt seines Lebens eigentlich mit dieser Behauptung, dass er so viel mehr ist als die Engel?
Und der Vers fünf fängt erst mal total spannend an, denn nicht Engeln hat er den zukünftigen Erdkreis unterworfen, von dem wir reden. So, das ist nun mal ein richtig interessanter Gedanke. Der zukünftige Erdkreis, das wissen wir, das ist die Welt, die kommt. Wirklich interessant aber ist, dass im Denken des Schreibers Gott die Erde, das ist der Erdkreis, den Engeln unterworfen hat. Also sie sind Verwalter der Erde.
Wenn man 5. Mose 32,8 mal nach der Septuaginta, nach dieser eher ungenauen Übersetzung des Alten Testaments liest, die aber damals eben, würde man sagen, der Stand der Technik war, dann heißt es dort: Da legte er fest die Grenzen der Völker nach der Zahl der Engel Gottes. Wie gesagt, das findet ihr nicht in eurer Bibel, aber in der Septuaginta steht es so klar drin. Ich lese das noch mal vor, weil die Technik kann es nicht anwerfen: Da legte er fest die Grenzen der Völker nach der Zahl der Engel Gottes.
Denkst ihr: hoppladihopp, was haben denn die Engel mit den Völkern zu tun? Bibelkenner werden wissen, da gibt es noch so ein merkwürdiges Kapitel, nämlich Daniel Kapitel 10. In Daniel Kapitel 10 lernen wir einen Engelfürsten für Persien kennen und einen für Griechenland. Und Michael wird uns als der Engelfürst des Volkes Israel vorgestellt. Und diese Engelfürsten kämpfen gegeneinander, so dass man tatsächlich, wenn man Daniel 10 liest, den Eindruck hat, dass es da eine Beziehung gibt zwischen dem Sichtbaren, was wir Weltgeschichte nennen, und einer unsichtbaren Realität, die sich in der Dimension der Engel abspielt. Und beides, das Sichtbare, Weltgeschichte, und das Unsichtbare, was die Engel da miteinander treiben, ist miteinander verbunden.
Es kann also sein, dass der Gedanke aus unserem Vers hier gar nicht so abwegig ist, dass Weltgeschichte nicht primär von Menschen gemachte Geschichte ist, sondern dass im Hintergrund mächtige Engel stehen, gute wie böse, die ganz massiv Einfluss auf den Lauf der Geschichte nehmen. So, mehr traue ich mich an der Stelle aber nicht zu sagen, weil ich habe nicht mehr Fakten. Ich habe genau dieses eine Kapitel und so ein bisschen Septuaginta, und ich habe diesen Vers hier.
Der Vers will auch nicht darauf hinaus, uns in unserer Angelologie möglichst viele Ideen zu liefern, sondern er will eine Sache sagen: Den zukünftigen Erdkreis, also die neue Erde und den neuen Himmel, in diesem zukünftigen Erdkreis, da spielen Engel als Verwalter und Herrscher keine Rolle mehr. Da gibt es nur noch Jesus. Woher wissen wir das? Haben wir gestern gehört. Sein Thron wird in Ewigkeit bestehen, seine Herrschaft ist ohne Ende.
Wenn es also hier heißt: denn nicht Engeln hat er den zukünftigen Erdkreis unterworfen, von dem wir reden, dann steht das nicht da, aber der Autor denkt sich: sondern Jesus. Seine Herrschaft ist ohne Ende. Aber heute leben wir als Folge des Sündenfalls in einer Spannung. Und jetzt geht er auf diese Spannung ein, die für uns, glaube ich, so im allgemeinen Denken keine Rolle spielt. Wenn ihr noch nie über das Thema eine Predigt gehört habt, hey, ist einfach so, nehmt es einfach hin.
Die Spannung besteht darin, dass der Mensch eigentlich dazu berufen ist, zu herrschen. Es sind gar nicht die Engel, die dazu berufen sind, die Engel tun es. Aber eigentlich ist der Mensch dazu berufen. Das tut er aber nicht. Und die Frage ist, wie kam es dazu, und wie passt Jesus jetzt in dieses komische Menschenbild hinein?
Und was der Psalmist macht, er nimmt uns in diese Gedanken mit hinein, indem er aus Psalm 8 die Verse 5 bis 7 zitiert. Und eigentlich wird in Psalm 8 zuerst einmal nur Gott gefeiert. Hier, Hebräer Kapitel 2, Vers 6, zitiert aus Psalm 8, 5 bis 7: Es hat aber irgendwo jemand bezeugt und gesagt, das ist, wenn du einen Bibelfers auswendig lernst und nicht mehr weißt, wo er steht. Irgendwo jemand, ja, so, okay. Wir wissen es jetzt, ich habe nachgeschlagen, was hat er denn gesagt?
Und jetzt: Was ist der Mensch, dass du, gemeint ist Gott, seiner gedenkst, oder des Menschensohns, dass du auf ihn achtest? Also wenn man sich die Größe des Universums betrachtet und die Kleinheit des Menschen vor Augen hält, dann ist die Tatsache, dass Gott sich um uns kümmert, einfach nur Wahnsinn. Es ist eigentlich absolut unglaublich. Wir haben an uns nichts. Oder würdest du sagen, wüsstest du, was wir an uns haben, dass Gott sich um uns kümmern müsste, dass Gott uns wahrnehmen müsste, dass Gott an uns denken oder auf uns achten müsste?
Und trotzdem: Was ist der Mensch? Ja, gar nichts. Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst oder des Menschensohns, dass du auf ihn achtest? Das ist wirklich eine gute Frage. Wir sind so klein, unbedeutend, wir sind echte Problemkinder. Irgendwo, in irgendeiner Galaxie, auf irgendeinem Planeten. Also dieses Bild von dem Tropfen am Eimer aus den Propheten, das ist ja noch riesig. Wir sind nichts.
Und trotzdem stellt Gott sich zu uns und nimmt all diese Mühen auf sich, um uns zu retten. Boah, was für ein Gott. Wirklich was für ein Gott.

Die ursprüngliche Berufung des Menschen

Und dann beschreibt der Psalmist die Stellung des Menschen, in Vers 7 von Hebräer Kapitel 2: Der Anfang lautet: „Du hast ihn“, das ist jetzt wieder der Mensch, „ein wenig unter die Engel erniedrigt“. Das heißt, wie wir es in Vers 5 schon gesehen haben, dass die Engel tatsächlich über dem Menschen stehen.
Aber das ist nicht alles. Das eine ist, dass Gott den Menschen aktuell unter die Engel erniedrigt hat. Und dann geht es weiter: „Mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt, du hast alles unter seine Füße gelegt.“ Denn indem er ihm alles unterwarf, ließ er nichts übrig, das ihm nicht unterworfen wäre.
So, und jetzt tauchen wir ein in die etwas dichteren Verse von Hebräer Kapitel 2, und ihr werdet merken: Irgendwann wird jeder von euch den Faden verlieren. Das ist nicht schlimm. Versucht einfach, dranzubleiben, das ist tough.
Also zuerst beschreibt das Zitat aus dem Psalm, dass der Mensch ein wenig niedriger ist als die Engel, dass Gott ihn ein wenig niedriger gemacht hat. Dann kommt aber gleich als Kontrast: „Mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt, du hast alles unter seine Füße gelegt.“ Das war seine ursprüngliche Berufung.
Der Mensch ist tatsächlich die Krone der Schöpfung, geschaffen im Ebenbild Gottes. Und selbst noch als Sünder, der unter dem Fluch lebt, sticht der Mensch aus der Schöpfung heraus. Denken wir nur an die Fähigkeit, reden zu können, komplexe Zusammenhänge zu erfassen, Musik zu machen, Maschinen zu erfinden, Bücher zu schreiben, abstrakte Ideen zu formulieren. Also selbst der gefallene Mensch reflektiert noch etwas von seiner Besonderheit.
Und weil er so besonders ist, deshalb sollte er nach dem Willen Gottes über die Schöpfung herrschen. Er sollte sie in Gottes Sinn bebauen, bewahren, genießen. Alles sollte ihm unterworfen sein. Das war die ursprüngliche Idee.
Aber irgendwie ist das nicht so. Und deswegen heißt es dann am Ende von Vers 8: „Jetzt aber sehen wir ihm noch nicht alles unterworfen.“ Die Frage ist also für den, der das hier zitiert: Wie passt das zusammen? Das, was der Psalmist über den Menschen schreibt, und die Realität?
Gott unterwirft die Schöpfung der Herrschaft des Menschen, und dann kommt der Sündenfall, und alles ist kaputt. Frage: Wo ist die Herrlichkeit und die Ehre des Menschen hin? In Römer 3 lesen wir, dass wir die Herrlichkeit gerade nicht haben, die wir haben sollten. Wo ist das hin?
Und die Frage kommt natürlich sofort: Hat denn Gott seine ursprüngliche Idee, dass der Mensch herrschen soll, dass er über alles herrschen soll, hat er diese Idee aufgegeben? Antwort: Nein. Denn der Blick auf den Zustand des Menschen, eines in Sünde gefallenen, von Nichtigkeit gezeichneten Menschen, das ist tatsächlich nur die eine Seite der Gleichung.
Wir müssen einen zweiten Blick auf das Geschehen werfen, denn die Herrlichkeit und die Ehre, die Adam verloren hat, wurde zurückgewonnen, und zwar von einem Menschen, von einem Gott, der Mensch wurde. Der Mensch ist zu hohem berufen, und er versagt. Gott erniedrigt sich, und er siegt. Aber er bezahlt dafür einen hohen Preis.
Und jetzt lösen wir die Spannung auf. Wie kann es sein, dass der Mensch unter den Engeln niedrig ist, obwohl er so eine hohe Berufung hat? Und wir denken uns den Sündenfall. Und wir fragen uns: Wie kommt der Mensch da wieder raus? Wie kann das, was in Psalm 8 steht, dass der Mensch über alles herrscht, sich erfüllen? Das ist doch Gottes Idee.
Und die Antwort lautet: indem Gott Mensch wird und sich auf diese Erniedrigung einlässt.

Christus als der gekrönte Mensch

Vers 9 Wir sehen aber Jesus, der für kurze Zeit unter die Engel erniedrigt war. Hier würde ich lieber mit „für kurze Zeit“ übersetzen, denn natürlich ist es so: Jesus steht als Gott nicht unter der Schöpfung. Der Schöpfer steht nie unter der Schöpfung. Er wird für eine kurze Zeit ganz Mensch, und er begibt sich auf die Stufe des Menschen oder, wie wir später den Begriff sehen werden, auf die Stufe der Brüder, der Menschen, die er retten will.
Also: Wir sehen aber Jesus, der für kurze Zeit unter die Engel erniedrigt war. Das ist der Anschluss an das Thema Engel. Wir sehen ihn wegen des Todesleidens mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt, damit er durch Gottes Gnade für jeden den Tod schmeckte.
Zwei Dinge: Das, was der Mensch haben sollte, aber irgendwie nicht hat, nämlich Herrlichkeit und Ehre, bekommt Jesus. Wir sehen ihn erniedrigt und dann wegen des Todesleidens mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt. Was der Mensch verloren hat, gewinnt Jesus. Was im Sündenfall verloren geht, das gewinnt der letzte Adam.
So nennt Paulus den auferstandenen Christus: der letzte Adam. Es gibt den ersten Adam, der für seine Nachkommen den Schlund der Hölle öffnet, und es gibt einen zweiten, einen letzten Adam. Das ist der auferstandene Christus, der für seine Nachkommenschaft, für die Gläubigen, die mit ihm unterwegs sind, den Weg ins Paradies öffnet.
Die Frage ist: Wie macht er das? Er wird Mensch, er erniedrigt sich für einige Jahre unter die Engel, und er schmeckt den Tod, einen ganz grausamen Tod am Kreuz, als Ausdruck von Gottes Gnade für jeden Menschen. Es ist ein Ausdruck von Gnade. Gott schafft einen Ausweg. Gott wirft sich selbst in den Ring, um den Feind zu bekämpfen, den der Mensch nicht bekämpfen kann.
Es ist also kein Widerspruch, wenn wir behaupten, dass Jesus den Engeln überlegen ist, und trotzdem darauf bestehen, dass er Mensch war. Ja, es stimmt: Für eine kleine Zeit hat er sich klein gemacht. Aber nur, um dann mit umso mehr Wucht aus dem Tod zurückzukommen und als der vollkommene Hohepriester all die zu retten, die an ihn glauben.
Und deswegen ist er für den Moment vielleicht kleiner. Und du könntest sagen: Na, schau ihn dir doch an, an der Stelle ist er mal für einen kurzen Moment so. Aber das beschreibt ihn nicht. Es beschreibt nicht im Ansatz, wer er wirklich ist. Vielmehr tut er das für andere. Er tut das aus Liebe. Er tut das, um den Menschen, die sonst verloren gehen, einen Weg zurückzubahnen.

Der Sohn als Bruder, Retter und Hoherpriester

Gottes Plan im Leiden des Messias

Letzter Abschnitt, Abschnitt Nummer drei: Der Sohn erniedrigt sich, um für die Söhne zu leiden.
Verse 10 bis 18
Das Leiden des Messias und auch seine Erniedrigung unter die Engel war kein Versehen. Da heißt es in Hebräer 2,10: Denn es geziemte sich für ihn, um dessen Willen alle Dinge und durch den alle Dinge sind. Achtung, das ist jetzt Gott der Vater. Okay, wir kommen gleich zum Sohn, das ist Gott der Vater. Ich fange noch mal vorne an: Denn es geziemte sich für ihn, um dessen Willen alle Dinge und durch den alle Dinge sind, sprich Gott der Vater, indem er viele Söhne zur Herrlichkeit führte, das sind wir, die Gläubigen, den Urheber ihrer Rettung, das ist Jesus, durch Leiden vollkommen zu machen.
Also, in den Augen Gottes war das, was da passiert ist, in Jerusalem am Kreuz, völlig passend. Das Kreuz war für die Juden ein Ärgernis, für die Heiden eine Torheit, heißt es in 1. Korinther 1,23. Der Glaube an einen gekreuzigten Gott, das können wir uns gar nicht mehr vorstellen, aber der Glaube an einen gekreuzigten Gott ist ein absoluter Skandal. Aber egal, was Menschen denken: In Gottes Augen war es richtig, den Messias durch Leiden vollkommen zu machen. Es war kein Fehler im System, dass Jesus starb. Es war durch und durch Gottes Idee und Wille.
Man könnte ja meinen, dass Gott seinen Sohn leiden ließ, weil er vielleicht nicht genug Macht oder Einfluss hatte, einen anderen Weg zu wählen. Heute könnte man ja denken. Aber genau das Gegenteil ist richtig. Wie heißt das hier? Für den die Schöpfung und durch den die Schöpfung ist, hat sich für einen Rettungsplan entschieden, der das Kreuz einschloss. Gott wollte das.
Und dann hier, das ist schön: indem er viele Söhne zur Herrlichkeit führte. Wir sind das, ja, wir sind die Söhne, die von Jesus zur Herrlichkeit geführt werden. Wir sind die, die selber keine Herrlichkeit haben, aber sie bekommen.
So, jetzt das Bild vom Sohn. Das ist jetzt für die Frauen vielleicht wichtig. Achtung: Es ist ein Bild, und man muss nicht überall Tochter hinschreiben, wo Sohn steht, wenn man Frau ist. Man kann auch mal Bilder begreifen. Also, wofür steht das Bild des Sohnes? Der Sohn als Bild steht für Status, für Zugehörigkeit, auch für Erbrecht. Ja, dass ich ganz dicht dran bin. Mehr als Sohn kann ich nicht werden. Deswegen sprechen wir auch vom Sohn Gottes, um zu zeigen, wie dicht die beiden miteinander sind. Und wenn ich das zum Ausdruck bringen möchte, dass ich ganz, ganz dicht an Gott dran bin, dass ich ihn in dieser Welt repräsentiere, weil er mein Vater im Himmel ist, und nicht, wenn ich den Wert auf den Status lege, dann verwende ich den Begriff Sohn für beide Geschlechter gleich.
Wenn ich dagegen das intime Element herausheben will, dann würde ich Söhne und Töchter verwenden. Es gibt den Begriff der Töchter im Neuen Testament, der ist nur seltener, und es hat etwas mit der Schwerpunktsetzung zu tun. Aber zurück hier zu dem, was mit der Herrlichkeit hier steht: Viele Söhne führen zur Herrlichkeit. Als Menschen haben wir, eben gesehen, die Herrlichkeit verloren, aber als Christen gewinnen wir sie zurück.
So, und jetzt passt mal auf: Im ersten Vortrag, Hebräer 1,3, da lesen wir von einer Herrlichkeit, die der Sohn immer schon hatte. Er ist Ausstrahlung der Herrlichkeit Gottes. Und dann lesen wir in Kapitel 2, Vers 9, haben wir gerade gemacht, dass Gott ihn mit Herrlichkeit und Ehre nochmals gekrönt hat. Also der, der schon herrlich ist, wird nochmals mit Herrlichkeit gekrönt. Und dann steht es nur nicht hier, aber das muss man logisch irgendwie dazufügen: 1. Korinther 1,30. Dann bekommen wir, dann teilen wir die Herrlichkeit des Christus. Kannst du mir 1. Korinther 1,30 dranwerfen, bitte? Ich habe jetzt keine Bibel hier und keine Lesebrille, von daher muss ich das in groß haben.
 1. Korinther 1,30: Da, aus ihm, aus Gott, kommt es, dass ihr in Christus Jesus seid, der uns geworden ist Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligkeit, Erlösung. Wenn das nicht Herrlichkeit ist, kann ich dir jetzt gerade nicht weiterhelfen. Wir bekommen alles, was er hat, was er darstellt, wenn wir in ihm sind. Was er hat, bekommen wir. Er ist der, der die Herrlichkeit bekommt, und er gibt sie uns eins zu eins weiter. Wir gewinnen in ihm die Herrlichkeit zurück.
Jetzt bleibt nur vielleicht eine Frage aus dem Text übrig, nämlich am Ende heißt es ja, dass der Urheber ihrer Errettung, also der, der die Rettung der Söhne, der unsere Errettung möglich gemacht hat, durch Leiden vollkommen gemacht wird. Und die Idee, dass Jesus vollkommen gemacht wird, die ist erst mal komisch. Wie wird Jesus durch Leiden vollkommen gemacht? Er ist doch schon vollkommen, er ist doch schon sündlos, und das stimmt. Im Blick auf den Charakter kann Jesus nicht vollkommener werden, als er schon ist.
Aber ich glaube, es geht hier um etwas anderes. Denn wir werden im großen Zusammenhang dieses dritten Abschnitts sehen, dass der Autor das Thema Jesus als Hohepriester im Blick hat. Und vollkommen durch Leiden bezieht sich hier auf sein Amt als Hohepriester. Versuchungen und Leiden, die er, wie alle anderen Menschen auch, erduldet, machen ihn nämlich, und das sehen wir dann am Ende, zu einem vollkommenen, warmherzigen und treuen Hohen Priester vor Gott. Also nicht der Charakter Jesu wird vervollkommnet, der ist schon vollkommen, aber er wird durch das, was er erleidet, in die Lage versetzt, der perfekte Hohe Priester zu sein, als der er dann uns retten kann, sehen wir am Ende. Das ist mit Vervollkommnung gemeint.

Die gemeinsame Herkunft von Christus und den Seinen

Vers: Denn sowohl der, welcher heiligt, das ist Jesus, als auch die, welche geheiligt werden, sind alle von einem, und das ist Gott.
Das sind so Sätze mittendrin, da denkt man: Mir geht es jedenfalls so. Ich lese das und denke mir: Was willst du mir sagen?
Denn sowohl der, welcher heiligt, als auch die, welche geheiligt werden, sind alle von einem.
Ich glaube, es ist gar nicht so kompliziert. Man muss manchmal das Naheliegende glauben. Es geht darum, dass Jesus und die Menschen, der Heiligende und die Geheiligten, ihre Beziehung, dieselbe Beziehung mit Gott teilen. Das ist das, was sie verbindet.
Und das wird auch sprachlich zum Ausdruck gebracht. Denn Jesus ist der Sohn Gottes. Er hat da etwas Einmaliges, weil er eben Gott im Fleisch ist. Aber wir anderen sind in so einem allgemeineren Sinn Söhne Gottes. Und weil der gleiche Begriff verwendet wird, begreifen wir, dass in dieser Beziehung eine große Ähnlichkeit da ist. Wir teilen seine Beziehung zum Vater.
Und dann geht es weiter: Aus diesem Grund schämt er sich nicht, sie Brüder zu nennen. Und ich mag das. Wisst ihr, den Begriff Brüder? Wir kennen den Begriff Brüder ja eigentlich nur so unter vielleicht Familienmitgliedern, wenn ich einen Bruder habe. Und in der Gemeinde geht es auch gerade noch so, wenn man so will. Also man kann das nicht mit jedem machen. Aber da gibt es noch Brüder und Schwestern.
Im Alten Testament ist das so, dass der Begriff Brüder viel breiter ist, und er schwappt dann auch hier ins Neue Testament hinein. Brüder, das können Familienmitglieder sein. Das Volk Israel: aus euren Brüdern heißt eigentlich so viel wie aus dem Volk Israel. Dann könnten das Freunde sein. Und ganz allgemein: Ein Bruder ist einer, dem man hilft. Sprüche 17,17. Ein Bruder wird für die Zeit der Not geboren, dazu ist er da.
Und wenn jetzt Jesus sagt: Ich schäme mich nicht, sie Brüder zu nennen, dann heißt das, er hat uns so lieb, dass er uns, weil wir für ihn Brüder sind, tatsächlich helfen will.
Und der Hebräerbriefschreiber wäre nicht der Hebräerbriefschreiber, wenn er jetzt nicht dafür auch ein paar schöne Alte-Testament-Zitate finden würde, um einfach zu zeigen, dass die Idee Gottes, sich mit den Menschen zu verbrüdern, nichts ist, was er sich ausgedacht hat, sondern dass das schon wieder aus dem Alten Testament kommt.
Und wenn ich ganz ehrlich bin, das sind jetzt Zitate, wo ich auch mir denke: Hoppladihop. Das erste geht noch, das erste ist noch relativ wimpel. Hebräer 2,12, in dem er spricht, und er zitiert Psalm 22,23: Kundtun will ich deinen Namen meinen Brüdern, inmitten der Gemeinde will ich dir Lob singen.
Das verstehe ich noch, diesen Vers. Ich verstehe ihn deshalb, weil Psalm 22 ein absolut typisch messianischer Psalm ist. Ich hoffe, das wisst ihr. Psalm 22: Wenn man den liest, hat man den Eindruck, Jesus hängt am Kreuz und schildert uns, wie es ihm geht. Also das Innenleben des Messias am Kreuz wird in Psalm 22 prophetisch vorher durchlitten. Und mitten in diesem Psalm, Vers 23, heißt es dann: Kundtun will ich deinen Namen meinen Brüdern, inmitten der Gemeinde will ich dir Lob singen.
Das heißt, ich merke: Der Messias am Kreuz, mitten im Leid, freut sich darauf, den Vater unter seinen Brüdern großzumachen und in der Gemeinde von Gleichgesinnten Gott anzubeten. Das ist sein innerster Herzenswunsch. Da denke ich mir: Ja, das passt, der ist schön.
Aber wenn er jetzt aufgehört hätte mit der Zitaterei, wäre ich glücklich gewesen. Jetzt macht er aber weiter und bringt noch zwei Zitate, diesmal aus Jesaja 8. Und wiederum, Hebräer 2,13: Ich will mein Vertrauen auf ihn setzen, und wiederum: Siehe, ich und die Kinder, die Gott mir gegeben hat.
Tja, also wir wissen, was er sagen möchte. Er möchte irgendwie zum Ausdruck bringen, dass er sich nicht schämt, sie Brüder zu nennen. Also, dass Gott kein Problem damit hat, sich mit Menschen zu verbrüdern und ihnen zu zeigen, wie gern er sie hat. Und jetzt kommt dieses Zitat aus Jesaja 8: Ich will mein Vertrauen auf ihn setzen, Jesaja 8,17, und wiederum: Siehe, ich und die Kinder, die Gott mir gegeben hat, Jesaja 8,18.
Tja, wie funktionieren solche Zitate im Alten Testament? Wir müssen an dieser Stelle einen Sprung wagen, der uns am Anfang vom Matthäusevangelium vielleicht schon aufgefallen ist. Wenn wir ins Alte Testament hineinschauen, dann bildet das Leben von alttestamentlichen Heiligen prophetisch das Leben des Messias ab.
„Siehe, eine Jungfrau wird schwanger werden.“ Da müsste euch das das erste Mal aufgefallen sein beim Bibellesen. Und ihr springt ins Alte Testament hinein, und ihr macht einen Sprung, wenn ihr den Text verstehen wollt, und denkt euch: Okay, wenn schon in Jesaja das Zeichen, das Gott dem Jesaja gibt, dass Rettung kommt, darin besteht, dass eine Jungfrau, in dem Fall die Frau von Jesaja, schwanger wird, wie viel mehr, vom Kleineren zum Größeren, muss, wenn es sich nicht um Jesaja, den Propheten, sondern um die Erfüllung dieses Typos handelt, nämlich wenn es um Jesus, den Messias geht, richtig eine Jungfrau schwanger werden.
Und jetzt denkst du: Oh, das ist echt kompliziert. Stimmt. Jesus kann nach der Auferstehung seinen Jüngern durch die ganze Schrift hindurch zeigen, wo überall etwas von ihm geschrieben ist. Ich habe euch das gestern versucht zu erklären. Es gibt diese verschiedenen Ebenen in der Bibel, und manches erschließt sich beim ersten Mal Lesen, und manches erschließt sich mir noch nicht, wo ich sagen muss: Boah, ich hätte mich nie gewagt, diesen Bezug herzustellen, wenn in der Bibel nicht inspiriert durch den Heiligen Geist der jeweilige Autor diesen Bezug hergestellt hätte.
Und hier passiert so etwas. Jesaja ist ein Typos mit seinem Leben auf Christus. Und es ist wieder das Argument vom Kleineren zum Größeren: Wenn Jesaja im Angesicht von Unglauben und Ablehnung sein Vertrauen auf Gott setzt und Gott ihm als Zeichen seiner fortwährenden Liebe für das Volk zwei Kinder schenkt – die bekommen übrigens ganz lustige Namen –, aber wenn das so ist, wenn der Jesaja sein Vertrauen auf Gott setzt und weil Gott ihm zeigen möchte, dass er in Liebe an seinem Volk hängt, und als Zeichen dafür schenkt er ihm zwei Kinder, wie viel mehr wird dann der Messias sein Vertrauen auf Gott setzen, wenn er am Kreuz hängt und Gott ihm im übertragenen Sinn Kinder schenken wird, und das sind dann die Gläubigen.
Und wenn wir Johannes 17,6 lesen würden, da beschreibt Jesus die Gläubigen als die, die Gott ihm gegeben hat. Wenn du sagst: Jürgen, leuchtet mir noch nicht ganz ein, kann ich verstehen, kann ich gut verstehen. Ich werde trotzdem weitermachen.
Denn eins ist klar: Klar ist, was diese Zitate wollen. Die Zitate betonen die Solidarität des Christus mit seinen Brüdern.
Und jetzt wird am Schluss erklärt, warum es für Gott überhaupt nötig war, so solidarisch zu werden. Warum musste denn Gott Mensch werden? Die Antwort lautet: weil er zwei Dinge erreichen will. Er will erstens die Macht des Teufels brechen, und zweitens will er die Menschen befreien, die aufgrund ihrer Angst vor dem Tod unter dem Teufel versklavt sind.
Zwei Dinge: die Macht des Teufels brechen, Menschen befreien.

Befreiung von Todesfurcht und die Grenze der Engel

Vers 14: Weil nun die Kinder des Blutes und Fleisches teilhaftig sind, hat auch er, Jesus, in gleicher Weise daran Anteil gehabt, um durch den Tod den zunichte zu machen, der die Macht des Todes hat, das ist der Teufel.
Blut und Fleisch betonen die menschliche Natur, beschreiben die menschliche Natur, und zwar in ihrer Schwachheit und Zerbrechlichkeit. Wir können uns nicht retten, aber Gott kann es. Dazu muss er jedoch in gleicher Weise wie wir Mensch werden. Für ihn gibt es keine Extrawurst. Hier steht, dass er in gleicher Weise an dieser Menschlichkeit, an dieser Schwachheit, Anteil haben muss.
Jesus musste nicht als Folge seiner Sünde sterben. Wir mussten das, er nicht. Jesus entschied sich vielmehr, für geknechtete Menschen zu sterben.
Wenn ich diesen Vers lese, habe ich immer so Actionfilm-Showdowns vor Augen, irgendwie so einen alten Star-Wars-Episode-IV-Moment. Ich weiß nicht, wer den kennt, aber das ist wenigstens lange genug her, dass ihn jeder einmal gesehen haben könnte. Ganz am Schluss fliegt der einsame Kämpfer in den Todesstern und muss diesen einen Torpedo genau ins Ziel setzen.
Und so ist es hier auch: Du hast diesen einsamen Kämpfer, und du denkst dir: Boah, der kann nichts erreichen, das ist doch eine Lachnummer. Und dann stirbt er, und alle denken: Game over, Show vorbei. So wie die Emmaus-Jünger: Wir aber dachten, das war er, jetzt ist er tot. Aber er setzt den Schlag genau dahin, wo er hin muss. Er stirbt, und durch den Tod macht er den zunichte, der die Macht des Todes hat.
Wenn ein Unschuldiger stirbt, freiwillig aus Liebe stirbt, ist die Macht des Teufels gebrochen. Und das ist es, was Jesus tut.
Der erste Punkt.
Vers 15: Und um alle die zu befreien, die durch Todesfurcht das ganze Leben hindurch der Knechtschaft unterworfen waren.
Ohne die befreiende Macht Christi bin ich hilflos dem Teufel und seinen Machenschaften ausgeliefert. Er versklavt mich, indem er meine Angst vor dem Sterben ausnutzt, um mich immer tiefer in die Sünde hineinzutreiben. Warum machen Menschen das, was sie tun? Ja, weil sie wissen, dass sie sterben müssen. Also muss ich noch etwas aus dem Leben herausholen. Und der Teufel jagt sie vor sich her, manipuliert sie, prägt sie, schickt sie wie einen Hamster ins Laufrad und macht sie kaputt.
Aber in dem Moment, wo ich an Jesus glaube, bin ich von dieser Angst, einmal sterben zu müssen, frei. Ich werde sterben, aber ich weiß, dass für mich der Tod nur noch eine Durchgangsstation zum ewigen Leben ist. Vielleicht habe ich noch Angst vor dem Sterbeprozess. Nun, das kann schon sein, das tut weh. Aber ich habe vor dem Tod als solchem, davor, dass ich sterben muss, keine Angst mehr. Warum sollte ich?
Paulus kann sagen: Ich habe Lust, abzuscheiden und bei Christus zu sein. Das hat etwas für sich.
Das ist es, was Jesus tut. Deswegen nimmt er sich unser an, deswegen wird er unser Bruder. Weil er die Macht des Teufels brechen will und weil er uns aus der Macht des Teufels befreien will, uns versklavte Menschen.
Und jetzt schließen wir das Thema Engel endgültig ab.
Vers 16: Denn er nimmt sich doch wohl nicht der Engel an, sondern der Nachkommenschaft Abrahams nimmt er sich an.
Aha, die Nachkommenschaft Abrahams, das sind wir, die Gläubigen, die genau so glauben, wie Abraham geglaubt hat. Und jetzt lesen wir: Jesus stirbt nicht für Engel. Engel werden gerichtet, aber nicht erlöst. Sie mögen im Moment die Erde beherrschen, aber sie stehen nicht im Fokus Gottes, wenn es um Erlösung geht. Sie bekommen nicht die Chance, an Jesus zu glauben. Warum? Weil Jesus Menschen retten wollte, weil Jesus dich retten wollte.

Der Hohepriester, der helfen kann

Letzter Gedanke: die letzten beiden Verse aus Hebräer Kapitel zwei, Verse siebzehn und achtzehn. Der Autor reißt jetzt das Thema der hohen Priesterschaft Jesu an. Ich muss das heute nicht vertiefen, denn an anderer Stelle kommt es noch ganz ausführlich mehrfach vor. Von daher nur ein kurzer Einstieg in dieses Thema.
Daher musste er in allem den Brüdern gleich werden, damit er barmherzig und ein treuer Hoherpriester vor Gott werde, um die Sünden des Volkes zu sühnen. Denn worin er selbst gelitten hat, als er versucht worden ist, kann er denen helfen, die versucht werden.
Nur so viel: Wir brauchen als Menschen einen barmherzigen und treuen Hohenpriester. Wenn wir den nicht haben, können wir nicht gerettet werden. Treu und barmherzig muss er sein. Er muss Gott absolut treu ergeben sein, weil uns ein Hoherpriester, der sündigt, nichts nützt. Und er muss barmherzig sein, weil es uns auch nichts bringt, wenn er zwar treu ist, sich aber für uns, die wir die Schwachen sind, nicht interessiert.
Um beides zu gewährleisten, damit wir die Art von Hohempriester, die Art von Mittler zwischen Gott und uns bekommen, die wir brauchen, wurde Jesus Mensch. Deshalb wird er versucht, trägt Leid und tritt als Gottes Hohepriester an unsere Seite, um uns zu helfen und unsere Sünden zu sühnen.
Und ich möchte den Vortrag beenden mit den Worten: Was für ein Vorrecht! Amen!

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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