Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einleitung: Die Suche nach echtem Glück
Wie findet ein Mensch echtes Glück? Wie findet er mehr als nur momentane Zufriedenheit, einen kurzen Kick, ein halbwegs gutes Leben, sondern wie findet er echten Segen? Das ist die Frage, die wir uns im Moment stellen im Rahmen einer Reihe, die den Namen Glückspilz hat.
Also: Wie wird man ein echter Glückspilz, könnte man die Reihe überfragen. Und wir versuchen gemeinsam zu verstehen, welche Antworten Jesus uns in der Bergpredigt gegeben hat, am Anfang in den Seligpreisungen, die mit den Worten beginnen: „Glückselig ...“
Und wir haben, denke ich, das vorletzte und das letzte Mal gesehen, dass Jesus etwas macht, nämlich die gängigen Vorstellungen davon, wie man glücklich wird, immer wieder auf den Kopf stellt. Eigentlich tut er natürlich etwas anderes: Er nimmt unser verkehrtes Denken, das auf dem Kopf steht, und stellt es wieder richtig herum auf die Füße, sodass wir am Ende dieser Reihe Punkte wissen, die dazugehören, wenn man wirklich echtes Glück finden will und mehr will als nur momentane Zufriedenheit.
Ich glaube, besonders die ersten beiden und dann auch die letzte Seligpreisung sind Aussagen, die uns besonders herausfordern. Die erste, über die Volker euch letzte Woche gepredigt hat, heißt ja: „Glückselig die Armen im Geist.“ Nicht die materiell Reichen, sondern Menschen, die geistlich arm sind, die sich der Tatsache bewusst sind, dass sie mit leeren Händen vor Gott stehen. Das sind Menschen, die auf diesem Weg zum Glück einen entscheidenden Schritt getan haben. Es sind Menschen, die ihre geistliche Armut überhaupt erst erkennen, die sie zugeben und die sie immer wieder akzeptieren.
Man kann sich schon die Frage stellen: Was hat das bitteschön mit Glück zu tun? Warum soll das positiv sein, wenn ich zugebe, dass ich mit leeren Händen vor Gott dastehe? Der Punkt ist der, dass echtes Leben, echtes Glück ohne Gott und ohne Gemeinschaft mit Gott überhaupt nicht lebbar ist. Aber wie kriege ich Gemeinschaft mit Gott? Nicht, bevor ich nicht anfange zuzugeben, dass ich Gott brauche.
Solange wir noch Gott manipulieren wollen, solange wir noch Gott vielleicht bestechen wollen mit unseren Leistungen, solange kann Gott nicht Gott sein und kann nicht in unser Leben hineinkommen als der, der er sein möchte: als Herr, als Chef, als der, der unser Leben ganz neu machen möchte. Deswegen ist es wichtig, diese Haltung der Demut zu haben und zu sagen: Hey, ich stehe wirklich mit leeren Händen vor Gott, bevor ich irgendwie über Glück und über ein gesegnetes Leben nachdenken kann. Zuerst einmal muss ich Gott finden.
Das heißt, ich muss an den Punkt kommen, wo ich Gott Gott sein lasse, ihn annehme als das, was er ist, anfange, mich ganz auf ihn zu verlassen – nichts anderes ist Glauben – und mich dann von ihm beschenken lasse. Das war der erste Schritt. Ich glaube, das ist kein leichter Schritt. Ich denke, es ist der vielleicht schwierigste Schritt im Leben eines Menschen überhaupt: zuzugeben, dass man es nicht mehr schafft und dass man tatsächlich Gott braucht.
Der Blick auf das eigene Herz
Heute wollen wir uns mit Matthäus 5,4, mit der zweiten Seligpreisung, beschäftigen. Und die ist genauso merkwürdig wie die erste.
Da heißt es in Matthäus 5,4: Glückselig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden.
Es ist einer von den Versen, über den man problemlos mal eine Nacht lang nachdenken kann, wenn man nicht schlafen kann. Da steckt unglaublich viel drin: Glückselig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden.
Ich denke, dass der Satz an sich ein Stück weit unverständlich bleibt, wenn wir ihn einfach aus dem Zusammenhang reißen. Aber das sollten wir nicht tun. Die Seligpreisungen sind ein Stück Literatur, bei dem Jesus das, was er gesagt hat, ganz bewusst angeordnet hat. Er hat sich überlegt: Was ist das Erste, was ich sage? Was ist das Zweite, was ich sage?
Deshalb müssen wir, wenn wir diesen Satz auslegen und uns anschauen, was das heißt: Glückselig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden, im Hinterkopf noch die erste Seligpreisung haben, dieses Glückselig die Armen im Geist.
Jesus spricht jetzt zu den Leuten, die diesen ersten Punkt schon verstanden haben, die schon wissen: Ich brauche tatsächlich Gott. Der Punkt ist: Wenn ich mich auf Gott einlasse, wenn ich diesen ersten Schritt getan habe und wenn ich mich jetzt mit Gott und mit seinem Wort auseinandersetze, wenn ich anfange, Gott in meinem Leben Gott sein zu lassen, dann begegne ich einer Person, die mir manchmal und allzu oft unangenehm ist. Ich begegne mir selber.
Ich fange nämlich an, in der Bibel zu lesen, zu beten, mit Gott zu reden, über das nachzudenken, was Gott sagt, so, als würde man mir einen Spiegel vorhalten, in dem ich jede Unreinheit in meinem Gesicht sehen kann, jeden kleinen Furunkel und jeden kleinen Pickel und alles übergroß. So geht es uns, wenn wir in der Bibel lesen. Ich sehe mich in einer ganz neuen Klarheit, und ich werde begreifen: Irgendetwas stimmt mit mir ganz grundsätzlich nicht.
Und ich will jetzt ganz deutlich sein: Ich rede nicht davon, dass jemand das erste Mal das Evangelium hört, dass jemand das erste Mal begreift: Ich bin ein Sünder, ich brauche Vergebung. Ich rede nicht davon, dass jemand das erste Mal Gott um Vergebung seiner Sünden bittet, Jesus als Herrn in sein Leben aufnimmt, Buße tut, umkehrt und sagt: Ich werde von jetzt an mit Gott leben. Diesen Prozess der Bekehrung lasse ich mal hinten an.
Wir reden heute über Christen. Wir reden über Menschen, die in der Nachfolge Christi stehen und die diese Erfahrung machen, von der ich jetzt sprechen möchte: die die Erfahrung machen, dass sie, wenn sie die Bibel lesen und wenn sie ihr eigenes Leben betrachten, immer wieder traurig werden, immer wieder merken: Irgendwas ist mit mir nicht in Ordnung.
Und ich möchte euch Mut machen: Man könnte vor dieser Erfahrung davonlaufen und sagen: Ich möchte das nicht sehen. Aber es ist ein Kennzeichen geistlicher Echtheit und wahrscheinlich auch geistlichen Wachstums, wenn wir mehr und mehr begreifen, wer wir eigentlich sind, wenn wir uns mehr und mehr den Schattenseiten unserer Persönlichkeit auch öffnen.
Trost, Gebet und die Gegenwart Gottes
Was passiert, wenn wir die Bibel lesen? Ich meine jetzt nicht dieses Drüberfliegen, Zuklappen, Wegstecken, sondern dieses Lesen und Innehalten und Nachdenken. Nachdenken an den Stellen, wo Gott uns etwas zu sagen hat. Nachdenken, weiterdenken an den Stellen, wo wir am liebsten davonlaufen würden.
Was dann passiert, ist, dass wir sehen, wer wir wirklich sind. Dass Gott uns die Maske wegnimmt, die wir gerne tragen. Dass Gott uns unmissverständlich klar macht: Wir sind in einer sündigen Welt groß geworden, und Sünde steckt in uns drin. Wir sind Menschen mit Verletzungen, und wir sind Menschen mit schlechten Gewohnheiten, mit Ängsten, Misstrauen und negativen Erfahrungen. Erfahrungen, die uns geprägt haben, wo wir zum Teil Prägungen haben, die sehr tief gehen. Prägungen, die mit unserer Bekehrung nicht einfach vorbei sind.
Und was kann ich als Christ jetzt erwarten, wenn ich das mal an mich heranlasse, wenn ich mal ehrlich zugebe, wer ich bin? Was kann ich eigentlich von Gott erwarten? Und die Antwort lautet: Du kannst Trost erwarten. Glückselig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden. Gott schenkt uns eine echte Beziehung. Eine Beziehung zu ihm, und in dieser Beziehung möchte er uns Trost schenken.
Der Apostel Paulus nennt Gott einmal den Vater der Erbarmungen und Gott allen Trostes. Ich denke, es ist ganz wichtig: Gott verspricht uns nicht, dass wir ein Leben ohne Probleme haben werden. Wenn wir am Ende unserer Reihe ankommen werden, verspricht er uns eigentlich das Gegenteil. Aber was er uns verspricht, ist Folgendes. Und ich möchte mit euch einen Vers lesen aus dem Philipperbrief, Philipper 4,6-7.
Da heißt es in Vers 6: Seid um nichts besorgt, sondern lasst in allem durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden. Und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und Gedanken bewahren in Christus Jesus.
Auf der einen Seite: Seid um nichts besorgt. Sondern lasst in allem, was sollen wir tun? Wir sollen unsere Probleme abgeben bei Gott. Und was wird die Folge sein? Die Folge wird sein, dass wir, wie es hier heißt, den Frieden Gottes, der allen Verstand übersteigt, erleben werden. Den Frieden, der unsere Herzen und Gedanken bewahrt oder bewacht in Christus Jesus.
Der Punkt ist der: Da, wo wir in einer echten Beziehung zu Gott leben, da erfahren wir in solchen Momenten einen übernatürlichen Trost. Ich kann mit meinen Sorgen, mit meiner Traurigkeit, mit meiner Niedergeschlagenheit oder Mutlosigkeit, egal was dein Leben belastet, das kann ich abgeben. Und ich kann Trost erfahren.
Der Weg durch Klage und Offenheit
Frage ist: Wie bekomme ich diesen Trost? Und ich denke, das ist eine wichtige Frage. Na ja, wie bekommst du Trost in einer normalen Beziehung, zu einem guten Freund oder zu einer Ehefrau? Dadurch, dass wir miteinander reden. Und so ist das bei Gott auch.
Willst du, dass Gott dich tröstet, willst du, dass dein Vater im Himmel dich tröstet, dann musst du mit ihm reden. Wenn du wirklich ein Kind Gottes bist, dann hast du im Himmel einen Vater, mit dem du reden kannst. Ich weiß nicht, ich konnte mit meinem Vater nicht reden. Das Bild ist für den einen stärker und für den anderen weniger stark. Vielleicht ist es besser zu sagen: Du hast einen guten Freund, mit dem du reden kannst. Vielleicht ist es besser zu sagen: Du hast eine Mutter, mit der du redest. Ich weiß nicht, womit du emotional mehr verbindest, aber eins ist klar: Gott möchte, dass wir zu ihm kommen.
Er wartet darauf, dass wir ihm unseren Frust abgeben, unsere Fragen, die wir haben, abgeben, unsere Ängste, unsere Fehler, unsere Begrenzungen. Das möchte er haben. Er will, dass wir mit ihm reden.
Ihr merkt schon, es gibt Probleme, da reicht es nicht, eben mal fünf Minuten. Da muss man sich Zeit nehmen, um wirklichen Trost zu erfahren. Da kann es sein, dass man schon mal eine Stunde im Wald spazieren geht und so seinen ganzen Frust rauslässt. Ich weiß nicht, ich habe jetzt vor kurzem von Flo ein Musikstück gehört, das ging über Psalm 88. Ich weiß nicht, ob ihr euch noch daran erinnert. Wir müssen das mal wieder vorspielen. Also Psalm 88, ein ganz düsterer Psalm, wo es keine positive Zeile drin gibt. Und Flo hatte das so ein bisschen düster vertont für eine Predigt über diesen Psalm.
Und ich habe mir den noch mal angehört, und ich dachte mir: Ja, da geht einer einfach in den Wald und schreit alles, was er hat, sich von der Seele und sagt: Hey, ich kann nicht mehr. Und wenn ihr die Psalmen lest, das werdet ihr ganz oft erleben, das sind Leute, die etwas abgeben. Und bis auf diesen einen Psalm 88, weil das ist der allernegativste, geht das immer positiv aus. Dann kommen die Leute, wenn sie mit ihrem Frust zu Gott gehen, immer wieder an den Punkt, wo sie tatsächlich Mut schöpfen, wo Herz und Gedanken ruhig werden und wo sie Trost finden.
Und manchmal können wir tatsächlich nicht mehr machen, als uns auf diese Weise den Problemen zu stellen, indem wir unsere Probleme bei Gott abladen. Probleme sind Chefsache. Gib sie ab, gib sie dem, der überhaupt etwas damit anfangen kann.
Traurigkeit als Anfang von Veränderung
Aber ich möchte einen Schritt weitergehen. Probleme, das ist das, was von außen in unser Leben hineinkommt. Jetzt gehen wir einen Schritt weiter. Was ist mit uns? Was ist mit unseren Charakterdefiziten?
Gott nimmt uns als seine Kinder an, und Gott möchte uns neues Leben geben. Er gibt uns neues Leben, er gibt uns etwas von seinem Leben. Er möchte, dass in unserem Leben eine Veränderung stattfindet, dass wir Jesus immer ähnlicher werden, dass wir von Jesus lernen, dass wir Jesus als unser Vorbild nehmen.
Und jetzt kommt der Punkt: Genau dieser Prozess ist mit Traurigkeit verbunden. Was wirst du tun, wenn du in der Bibel liest und wenn die Bibel dich an den Punkt bringt, zuzugeben: Ich bin an dieser oder jener Stelle einfach nicht in Ordnung. Ich bin irgendwie kaputt. Ich bin ein Versager, und ich kriege dies oder jenes einfach nicht auf die Reihe.
Was tue ich dann, wenn ich in der Bibel lese, sehe, wie Jesus war, dann auf mich schaue und sehe, wie ich bin, und dann feststelle: Naja, Jesus war freundlich, ich bin nicht so freundlich. Jesus war hilfsbereit, ich könnte hilfsbereiter sein. Jesus war selbstlos. Naja, ich habe den einen Anhalter da am Auto, der stand da so raus, und ich hätte gesagt: Nö, kein Bock, und wäre weitergefahren.
Was ist das, wenn ich das so mitkriege? Wie gehe ich dann damit um? Was tue ich, wenn ich in den wenigen Momenten, wo ich es überhaupt zulasse, ehrlich zu sein, vor mir selbst da ist, oft keiner dabei, und ich einfach nur merke: Oh Backe, hier stimmt was in meinem Leben nicht? Wie gehe ich mit dieser Einsicht um?
Ich möchte euch sagen, dass ich glaube, dass es für das Leben eines Christen wenig Dinge gibt, die genauso wichtig sind wie die richtige Antwort auf diese Frage. Denn es wird keine Veränderung in deinem Leben stattfinden, wenn du die falsche Antwort findest.
Gott wird zu dir sprechen. Vielleicht benutzt er eine Predigt, vielleicht deine persönliche Zeit mit der Bibel, vielleicht irgendetwas anderes. Aber Gott wird zu dir sprechen. Und was tust du, wenn er es tut?
Ich glaube, ich habe zwei Möglichkeiten. Ich möchte euch die beiden Möglichkeiten vorstellen.
Zwei Reaktionen auf Gottes Spiegel
Die erste Möglichkeit ist, dass ich meine eigene Kaputtheit ignoriere. Ich glaube, es gibt viele Christen, die sagen: Mit mir ist alles in Ordnung. Ich bin doch jetzt Christ, jetzt ist doch alles picobello, ist doch super.
Und auch wenn Gott in ihr Leben hineinspricht, also ich könnte euch nicht sagen, wie viele Leute mir nach Predigten gesagt haben: Oh Jürgen, das war richtig gut. Und du hast im dritten Satz schon mitbekommen, dass ich es nicht ändern werde. Und ich denke mir: Das kann nicht wahr sein. Da hört jemand Gottes Wort, erkennt sich wieder, aber er wird nichts ändern. Er stimmt dem Wort Gottes zu, aber dann kommt so eine Blockadementalität. Ja, irgendwas ist da nicht in Ordnung, aber ich möchte eigentlich nichts ändern.
Das sind Menschen, die die groben Sünden in ihrem Leben bereinigt haben. Die klauen nicht mehr offensichtlich, die lügen nicht mehr offensichtlich, die sind auch nicht grob auffällig in ihrem Verhalten, die kochen auch mal Kaffee vielleicht oder so. Die sind schon irgendwie so halbwegs nett. Aber es gibt da einen Punkt, wenn du den ansprichst, da geht dann so eine Fallklappe runter und dann ist Schluss.
Es ist der Bereich, wo Menschen ein verletztes Herz haben und sich irgendwann entschieden haben: An diesen Punkt lasse ich niemanden ran, auch Gott nicht. Und wann immer da jemand kommt und diesen Punkt anspricht oder auch nur in die Nähe dieses Punktes kommt, weiß ich, was ich tue. Vielleicht blocke ich es ab mit Selbstsicherheit, vielleicht blocke ich es ab mit ein bisschen Rumgealbere, egal wie, aber ich werde es abblocken. Und ich werde dafür sorgen, dass niemand an dieser Stelle hinter die Fassade schaut und mich dazu bringt, diesen Punkt, der eigentlich mein Leben ausmacht, diesen Teil meines persönlichen Kaputtseins, anzupacken.
Und wisst ihr warum? Weil ich die Kontrolle über mein Leben nicht verlieren möchte. Ich möchte nicht, dass irgendjemand an den Punkt kommt, von dem ich weiß, dass ich mich dafür schäme und dass es mir wehtut, wenn ihn jemand anspricht. Und deshalb werde ich diesen Punkt ignorieren. Ich habe Angst vor dem Prozess der Veränderung, weil ich ganz genau weiß: Der erste Schritt tut weh. Der erste Schritt ist ein ehrlicher Blick in mein Leben, in meine Persönlichkeit. Und der erste Schritt würde bedeuten, ich muss zugeben, dass ich an einer bestimmten Stelle kaputt bin, und das will ich nicht. Und deswegen ignoriere ich mein Kaputtsein.
Die zweite Möglichkeit: Diese zweite Möglichkeit hat viel mit Traurigkeit zu tun, und ich werde euch am Ende wünschen, dass ihr diese Form von Traurigkeit in eurem Leben kultiviert, obwohl es ganz merkwürdig klingt. Es hat viel damit zu tun, dass wir heil werden, dass Gott uns gebrauchen kann, dass wir Sünde überwinden.
Die zweite Möglichkeit ist: Ich ignoriere mein Kaputtsein nicht. Ich stelle mich dieser Realität. Ich schaue in den Spiegel Gottes und ich werde traurig. Ich werde traurig darüber, dass ich nicht so bin, wie Gott sich mich eigentlich wünscht. Ich werde traurig darüber, weil ich Gott gefallen möchte und weil ich wirklich aus tiefstem Herzen Menschen lieben möchte. Weil ich brauchbar sein möchte für Gott. Und ich merke: So wie ich es jetzt bin, bin ich es einfach nicht. Ich kann nicht so lieben und mich nicht so investieren, wie Gott es sich wünscht.
Persönliche Ehrlichkeit und die Frage nach Veränderung
Ich möchte euch eine Illustration geben. Sie ist sehr persönlich, aber das ist ja auch nicht schlimm.
Nach dem letzten Kleingruppenleitertreffen, Boris, ich werde das nachher hervorzaubern, unser Gespräch jetzt. Ja, ich fand das sehr gut. Du wirst mir dafür vergeben, und das wird auch auf Kassette aufgezeichnet, insofern in aller Ewigkeit.
Aber ich fand das so bezeichnend, weil ich dachte: Wow, das passt einfach wie die Faust aufs Auge. Da kam Boris zu mir, und wir haben uns ein bisschen unterhalten über dies und das. Dann kam ein Punkt, an dem Boris ganz offen gesagt hat: Hey, Jürgen, ich weiß eigentlich gar nicht, ob du mich magst, ob ich dir sympathisch bin.
Und das hat erst mal gezeckt. Aber ich dachte: Na klar bist du das. Hier steht jetzt der Gemeindegründer Jürgen Fischer und unterhält sich mit Boris, den er schon x Jahre kennt und mit dem er schon viel durchgemacht hat. Und dann kommt so ein Satz. Das hat erst mal wehgetan.
Ich denke, an so einer Stelle gibt es zwei Möglichkeiten, mit so einer Sache umzugehen. Einmal könnte ich mich hinstellen und ein bisschen vernunftsmäßig argumentieren: Ja, weißt du, ich habe halt eine schwierige Kindheit gehabt, meine Bindungsfähigkeit ist nicht so prickelnd, und ansonsten habe ich ein hohes Kontrollbedürfnis über mein Leben und bla bla bla bla bla. Unter dem Strich heißt das, wenn man das so formuliert: Ja, du hast recht, aber ich möchte bleiben, wie ich bin. Lass mich in Ruh.
Das ist die eine Möglichkeit. Die andere Möglichkeit ist die, sich dieser Realität zu stellen und zu sagen: Okay, dass ich ihn gern habe, ist anscheinend auf der anderen Seite nicht angekommen. Das ist mein Problem. Ich habe es nicht geschafft, ihm in einer Weise zu lieben, ihm so freundlich zu begegnen, dass er das merkt. Und natürlich hat das etwas zu tun mit meiner Vergangenheit, mit einer gewissen Reserviertheit Menschen gegenüber.
Und jetzt gehe ich in den Wald. Und ich fange an, über diesen Punkt zu beten. Und das ist nicht angenehm. Das tut weh. Ich bringe diesen Punkt vor Gott. Und Gott ist ja immer so, dass er sowas dann nimmt, und dann wird das eine Problem, es wird größer. Plötzlich kommen mir ein paar noch viel unangenehmere Fragen in den Sinn.
Plötzlich kommt da dieser Punkt: Ich frage mich, warum mache ich überhaupt Gemeindegründungsarbeit? Oder: Wann habe ich Menschen eigentlich lieb? Habe ich sie als Menschen lieb oder nur, weil sie Teil von Projekten sind, die ich mache? Warum mache ich eigentlich Projekte? Ist das vielleicht nur eine sehr subtile Form, um immer die Kontrolle zu haben?
Da kommen ja neue Fragen. Du gehst durch den Wald, du besprichst das mit Gott, und dir kommen Gedanken. Und du sagst jetzt: Gott, was mache ich denn damit? Du beantwortest diese Fragen, die müssen beantwortet werden. Und du legst deine ganze Hilflosigkeit einfach mal hin und sagst: Hey, so bin ich! Und du bekennst ihm das, was du falsch gemacht hast. Aber du bittest ihn natürlich auch um Veränderung.
Und indem man das so macht und da durch den Wald stapft und das mit Gott bespricht, was passiert denn dann? Ich stelle mich diesem Problem, ich beantworte mir diese Fragen. Und das ist ja kein Thema, wo man mal zwei Bibelverse auswendig lernt und Ende. Das ist ja etwas, was unglaublich tief drinsitzt. Das ist ja auch etwas, wo man wahrscheinlich als Christ zehn, fünfzehn Jahre braucht, bis man offen sagt: Wo bin ich?
Und in diesem Moment fängt überhaupt erst Veränderung an. Gott schenkt darüber Trost. Und Gott schenkt Veränderung. Und mit einem Mal, wenn ich das eine Weile tue, dann merke ich, dass Gott mich tröstet, indem er mir sagt: Hey Jürgen, ich habe dich trotzdem lieb. Und dass Gott mich tröstet, dadurch, dass ich überhaupt ehrlich sein darf, dass ich nichts vorspielen muss, dass er mich tröstet, weil er mir vergibt, und dass er mich damit tröstet, dass er mir sagt: Jürgen, du bist kein hoffnungsloser Fall.
Da gibt es doch eine Verheißung in 2. Korinther 3,18, dass sein Geist uns umgestalten wird in sein Bild. Hey, darauf darfst du vertrauen!
Gott tröstet mich. Aber der Punkt am Anfang, um den geht es mir, das ist dieser Punkt, wo es für einen kurzen Moment zackt, wo du denkst: Möchte ich wirklich mich auf die Frage einlassen, die letzten Endes aus dem Gespräch heraus resultiert? Auf die Frage, warum bin ich eigentlich so, wie ich bin, und müsste ich nicht an dieser Stelle etwas ändern?
Und ich werde mir diese Frage nicht stellen können, ohne traurig zu werden, ohne Schmerz zu empfinden, ohne das Gefühl zu haben, minderwertig zu sein. Wir wollen ja alle immer die strahlenden Männer sein. Das sind wir in dem Moment aber nicht.
Schluss: Die Traurigkeit, die zum Trost führt
Und das ist das, was ich euch wünsche.
Wenn wir ein modernes Verständnis von Glück haben, und das bedeutet oft kurzfristige Zufriedenheit, dann hat Traurigkeit darin keinen Sinn. Ich hatte jetzt im Urlaub einen Fernseher. Dann zappte man so ein bisschen herum, und dann kommt man zwangsläufig bei irgendwelchen Mallorca-Reportagen vorbei, mit Ballermann. Und du siehst diese Interviews, und du siehst, wie die Leute sagen: Also, Glück ist Saufen, Sex, Schlafen und dann am nächsten Tag wieder das Gleiche.
Und du siehst, wie sie das wirklich glauben. Das hat überhaupt nichts mit Glück zu tun. Wirkliches Glück hat damit zu tun, dass ich ehrlich sein darf, dass ich anders werden darf. Und das hat damit zu tun, dass ich Traurigkeit, die ich erlebe, verwandeln kann in Trost bei Gott. Und dass in mir ein Prozess stattfindet, in dem hinter dem Trost Gottes auf lange Sicht die Veränderung in das Bild Jesu stattfindet.
Und von daher brauchen wir diese Traurigkeit. Und ich möchte das noch einmal betonen: Ich wünsche euch Traurigkeit. Ich wünsche euch ein Christsein, in dem ihr euch nicht irgendwann hinstellt und sagt: Ich bin toll, ich bin fertig, nehmt euch ein Vorbild an mir, ich mache nichts mehr falsch. Das wird es nicht geben.
Ich wünsche euch ein Christsein, in dem ihr immer wieder ehrlich sein könnt und in dem ihr dort, wo es mit Traurigkeit einhergeht, auch traurig werden könnt. Und dann geht ihr mit eurer Traurigkeit zu Gott und erfahrt dort echten Trost für eure Probleme, für eure Defizite.
Das ist das, was ich euch von ganzem Herzen wünsche.
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