Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 506: Habt keine Menschenvorricht – Teil 1
Warnung vor Heuchelei unter den Jüngern
Der Herr Jesus warnt seine Jünger. Wovor? Vor Heuchelei.
In Lukas 12,1 heißt es: Als sich unterdessen viele Tausende der Volksmenge versammelt hatten, so dass sie einander traten, fing er an, zuerst zu seinen Jüngern zu sagen: „Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, das heißt, vor der Heuchelei.“
Warum sollte ein Jünger Jesu zum Heuchler werden? Ein Heuchler ist jemand, der anderen etwas vormacht. Warum sollte ein Jesusnachfolger anderen etwas vorspielen?
Die Antwort lautet: Weil er Angst hat. Angst vor dem, was Menschen ihm antun könnten – und zwar gerade deshalb, weil er ein Jesusnachfolger ist.
Die Unvermeidbarkeit des Offenbarwerdens aller Motive
Warum soll ich als Jünger Jesu nicht heucheln?
In Lukas 12,2 heißt es: "Es ist aber nichts verdeckt, was nicht aufgedeckt wird, und nichts verborgen, was nicht erkannt werden wird." Das bedeutet, dass alles einmal ans Licht kommt. Diese Wahrheit gilt sowohl für den Heuchler als auch für den Jesusjünger. Es gibt einen Moment, in dem alle Motive, Gedanken, Worte und Taten eines Menschen offen vor Gott liegen.
Es gibt ein Gericht, vor dem sich niemand verstecken kann und bei dem niemand den Richter täuschen kann. Alles wird ans Licht kommen. Deshalb ist Heuchelei so unsinnig. Man mag zwar die Menschen um sich herum täuschen, aber niemals einen allgegenwärtigen und allwissenden Gott. Heuchelei ist sinnlos, weil sie einen vielleicht für einige Jahre vor Menschen gut dastehen lässt, aber niemals vor Gott.
Warum soll ich als Jünger Jesu nicht heucheln? Der erste Grund ist, dass mein wahres Ich sowieso ans Licht kommt. Es ist besser, jetzt ehrlich zu sein, als dass Gott mir im Gericht die Maske vom Gesicht reißt. Dann werden unsere größten Geheimnisse Allgemeinwissen sein, wie es in Lukas 12,3 heißt: "Deswegen wird alles, was ihr in der Finsternis gesprochen habt, im Licht gehört werden, und was ihr ins Ohr gesprochen habt in den Kammern, wird auf den Dächern ausgerufen werden."
Die erschreckende Gewissheit des Offenbarwerdens
Ich muss ehrlich zugeben, dass mich dieser Gedanke manchmal erschreckt. Natürlich soll der Text mich motivieren: Jedes noch so unbedeutende Gespräch, das im Namen Jesu geführt wurde, wird einmal anerkannt und belohnt werden. Das finde ich irgendwie gut.
Aber hier geht es ja eigentlich um das Thema Heuchelei – also auch um alle bösen Worte und alle fiesen Taten von mir, die einmal bekannt werden. Und ganz ehrlich: Da gibt es in meinem Leben so viele davon, dass mich der Gedanke daran jetzt schon erschreckt.
Wenn ich mir vorstelle, dass alle unreinen Gedanken, alle neidischen Blicke, alle respektlosen und verletzenden Worte, aller Groll, alle Lügen, alle Arglist und Heimlichkeiten, alle nichtigen Dinge und alle Ichsucht einmal ungeschminkt und für alle sichtbar ans Licht kommen werden – wow, dieser Gedanke nimmt mir manchmal die Vorfreude auf die Ewigkeit.
Und wisst ihr warum? Weil ich ganz tief drin doch noch gut vor den Menschen dastehen will. Ich will nicht, dass man mich sieht, wie ich wirklich bin. Ich will, dass man gut über mich denkt.
Dabei wissen wir doch alle, dass es nur einen Guten gibt, nämlich Gott selbst. Wir sind nicht die Guten. Wir können gute Dinge tun, aber wir sind mit den Worten des Apostels Paulus gleichzeitig fleischlich unter die Sünde verkauft.
Gerade als Gläubige erleben wir diese Spannung: Wir wollen das Gute, und doch tun wir öfter, als uns lieb ist, auch das Schlechte. Wir sind nicht die Guten, und wir tun gut daran, uns das gut zu merken.
Wenn der Wunsch in uns aufsteigt, gut dazustehen, dann lasst uns desto eifriger unsere Sünden jeden Tag bekennen. Und lasst uns desto mehr Freude an der Gnade Gottes entwickeln.
Wir sind schlimmere Sünder, als wir ahnen, aber wir sind auch mehr geliebt, als wir uns je vorstellen können.
Es mag sein, dass wir uns – ich tue es jedenfalls – davor fürchten, dass Gott einmal alle Sünde aufdecken wird. Das ist gut. Gut, weil es uns vor Heuchelei bewahrt.
Wer weiß, dass einmal alles ans Licht kommen wird, der hat einen Grund, sich heute nicht zu verstellen. Wenn am Ende Ehrlichkeit triumphiert, dann darf ich heute schon ehrlich sein und muss keine fromme Show spielen oder mich heuchlerisch den Erwartungen der Gesellschaft beugen.
Das ist Punkt eins: Alles kommt einmal ans Licht.
Die richtige Furcht: Gott mehr fürchten als Menschen
Punkt zwei: Gott mehr fürchten als Menschen
Lukas 12,4: Ich sage aber euch, meinen Freunden, fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und nach diesem nichts weiter zu tun vermögen.
Hier wird deutlich, dass es Jesus beim Thema Heuchelei vor allem um die Menschenfurcht geht. Viele heucheln, um vor den Menschen gut dazustehen oder um nicht verfolgt zu werden. Es geht also weniger um eine fromme Show, sondern um ein angepasstes Verhalten. Der Jünger Jesu, der sich nicht als solcher zu erkennen gibt, tut dies aus Angst vor Verfolgung.
Punkt zwei zeigt, dass wir im Leben immer darauf achten müssen, vor wem wir uns fürchten. Es ist verständlich, wenn wir uns vor Menschen fürchten. Doch wir sollten auch überlegen, was sie uns tatsächlich antun können – und das ist relativ wenig. Sie können unseren Leib töten, aber mehr nicht. Das ist die Botschaft, die Jesus seinen Jüngern als seinen Freunden mitgibt.
Warum die Betonung auf „Freunde“? Ich denke, das hat damit zu tun, dass man seinen Freunden nur Ratschläge gibt, die wirklich gut und ehrlich gemeint sind. Lukas 12,4: Ich sage aber euch, meinen Freunden, fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und nach diesem nichts weiter zu tun vermögen. Das ist ein wirklich guter Rat: Fürchte dich nicht vor Menschen, die dir nichts weiter als dein Leben nehmen können.
Lukas 12,5: Ich will euch aber zeigen, wen ihr fürchten sollt. Fürchtet den, der nach dem Töten Macht hat, in die Hölle zu werfen; ja, sage ich euch, diesen fürchtet.
Die Bedeutung der Gottesfurcht im Angesicht der Ewigkeit
Was befreit vor Menschenfurcht? Die Antwort lautet: Gottesfurcht.
Hier geht es um die Angst vor dem Märtyrertod. Jesus gibt seinen Freunden den guten Rat, Gott mehr zu fürchten als Menschen.
Wer ist Gott? Gott ist der, der nach dem Töten die Macht hat, Menschen in die Hölle zu werfen. Hinter dem Wort „Hölle“ steht der Begriff „Gehenna“. Diesen habe ich ausführlich in Episode 189 erklärt.
Jetzt mag es genügen, den Begriff „Hölle“ so zu verstehen, wie man ihn umgangssprachlich versteht: als den Ort des Gerichts und der Bestrafung oder genauer gesagt als den Ort, an den wir auf keinen Fall kommen dürfen.
Gott allein hat die Vollmacht, Menschen nach dem Tod in die Hölle zu werfen. Es ist diese richterliche Macht, die Gott so gefährlich macht. Er allein entscheidet über unser ewiges Schicksal.
Deshalb gilt es, Gott mehr zu fürchten als menschliche Feinde. Egal, was sie uns antun können – einfach deshalb, weil ihre Macht begrenzt ist. Sie können uns foltern und ermorden, aber mehr nicht. Sobald wir tot sind, sind wir vor ihnen sicher.
Bei Gott ist das jedoch anders: Er wartet auf uns in der Ewigkeit und wird uns das geben, was wir verdienen. Wehe uns, wenn wir ihn in diesem Leben aus Angst vor Verfolgung heuchlerisch verleugnet haben.
Abschluss und Ermutigung zum mutigen Bekenntnis
Was könntest du jetzt tun? Überlege einmal, in welchen Situationen du dich nicht traust, zu Jesus zu stehen.
Das war es für heute. Mach das unbedingt immer wieder.
Bitte Gott um Weisheit und Bewahrung, denn du wirst beides brauchen.
Der Herr segne dich, lass seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden. Amen.
