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Das Wohl des Leibes Christi

Epheser 3,1-4,1624.01.2017
Serie•Teil 4 / 7Regionalkonferenz Schweiz 2017
Ein Vortrag von David Jackman auf der E21-Regionalkonferenz Schweiz im Januar 2017. Originaltitel: „The Well-being of the Body“.

Ein persönlicher Blick auf die Herausforderung des Dienstes

Ich bin gestern schon gedient und werde weiterfahren mit dem Epheserbrief. Ich hätte aber zuerst noch so eine Frage an dich, David. Du bist ja schon länger im Dienst, als ich überhaupt lebe. Mich würde interessieren: Was war für dich ganz persönlich die grösste Herausforderung in einem so langjährigen Dienst?
Das eine betrifft mich als Person, das andere meinen Dienst. In Bezug auf mich persönlich ist die Herausforderung, mich immer wieder an die Worte des Herrn Jesus zu erinnern, wo er zu uns sagt: Ohne mich könnt ihr nichts tun. Im Leben und selbst im Dienst kannst du eine Menge Dinge tun, aber ohne ihn kannst du nichts tun, das Ewigkeitswert hat.
Wenn wir aber von ihm abhängig sind, dann führt und leitet er uns. Und er ordnet die Prioritäten in unserem Leben. Paulus formuliert das im Philipperbrief so. Er sagt: Vergessend, was da hinten ist, jage ich auf das Ziel zu. Es gibt nur ein einziges Ziel, das ist sein Fokus. The main thing, the main thing. To press on to know Christ better. Und das ist die grosse Herausforderung im Dienst, oft nämlich, dass die Hauptsache tatsächlich die Hauptsache bleibt und dass wir wirklich unserem Herrn nachfolgen, ihm nachjagen.
Und ich denke, die andere Herausforderung ist in Bezug darauf, wenn die Botschaft, die du zu predigen und zu leben versuchst, scheinbar keinen Einfluss auf die Menschen hat. Die andere Herausforderung im Dienst ist die Erfahrung, die man macht: Man predigt, man lehrt und muss dann feststellen, oder man hat den Eindruck, irgendwie kommt das nicht bei den Leuten an, es ändert sich nichts.
Dann ist die Frage, ob wir an dem festhalten, wozu wir berufen sind, und nicht versuchen, das anzupassen. Gott gibt den Weg vor, wir sollen darin treu sein. Und einen grossen Einfluss auf mich hat das Gleichnis vom Sämann und vom Samen gehabt. Es ist so: Es gibt guten Ackerboden und anderen Ackerboden. Wir werden oft enttäuscht werden. Aber der Same, der ist gut. Da gibt es nichts daran zu verbessern, denn es gibt nur diesen einen Samen, und nur dieser eine Same kann auch wirklich ewiges Leben hervorbringen.
Dann bete ich noch und überlasse euch dann.
Treuer Herr, wir danken dir, dass du uns heute Morgen hier zusammengeführt hast. Wir danken dir für dein Wort, für diesen Samen, den wir ausstreuen dürfen und auch selber empfangen dürfen. Und wir bitten dich, dass dieser Same gerade heute Morgen auf guten Boden fallen darf. Bereite unsere Herzen vorher, hilf uns zu hören, so dass wir verstehen und dass diese Botschaft unser Denken, aber auch unser Handeln bestimmen wird. Leite uns in deine Wahrheit. Wir bitten dich für David Jackman, dass du leitest und führst, ihm Gnade schenkst zum Reden. Wir bitten dich für Martin, dass du ihm hilfst bei der Übersetzung. Und wir bitten dich, dass du uns segnest heute Morgen, die wir hier sind und auf dein Wort hören. Herr, rede, wir wollen hören. Amen.

Der Rahmen der Betrachtung

Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen!
Heute Morgen geht es um das Wohlergehen der Gemeinde, oder darum, wie die Gemeinde eine florierende, eine lebendige Gemeinde werden und sein kann. Und wenn ihr gestern mit uns wart, dann erinnert ihr euch, dass wir die ersten zwei Kapitel des Epheserbriefes behandelt haben. Heute fahren wir fort mit den Kapiteln drei und vier.
Es ist immer eine Ermutigung für den Prediger, wenn die Leute am nächsten Tag tatsächlich wiederkommen. Manchmal ist es dann aber auch gut, dass wir noch einmal kurz zusammenfassen, worum es am vorherigen Tag ging. Manchmal sage ich den Studenten in London: Weißt du, wie du prüfen kannst, ob deine Botschaft wirklich angekommen ist oder nicht?
Nach dem Gottesdienst, wenn die Leute zusammenstehen, Kaffee trinken und schwatzen, dann kommt der wahre Test für den Prediger. Die Dame, die sich um die Babys in der Kinderbetreuung gekümmert hat, kommt wieder herein und trifft ihre Freundin, die im Gottesdienst dem Prediger zugehört hat. Und dann fragt sie: Na, wie war es, war es gut heute Morgen?
Ja, alles super. Und dann die entscheidende Frage, der Moment der Wahrheit: Worum ging es in der Predigt?
Nun, es war sehr gut. Ich mag unseren Pastor. Er ist so ein netter Kerl, nicht wahr? Und es ging irgendwie um Gott, wenn ich mich richtig erinnere.
Fehlanzeige. Na ja, irgendetwas ist nicht so gut gelaufen. Wenn die Zuhörer 15 Minuten später sich nicht mehr erinnern können, nicht mehr wissen, worum es ging, dann habe ich irgendwie das Ziel verpasst. In Gottes Vorsehung und Gnade bekommt der Pastor das aber meistens nicht mit. Es ist wirklich ein Segen für den Pastor, dass er diese Art von Unterhaltungen oft nicht mitkriegt.
Ich werde dieses Problem jetzt für euch lösen und euch kurz daran erinnern, was wir gestern betrachtet haben. Gestern haben wir erkannt, dass es nichts Wichtigeres gibt in Zeit und Raum, jetzt und hier auf der Erde, als die Gemeinde, die Gott ins Leben gerufen hat, damit sie ihm dient. Durch die Verkündigung des Evangeliums, des Evangeliums, das davon berichtet, dass Jesus gekommen ist, um zu sterben und wieder aufzuerstehen, wird die Gemeinde erbaut. Die Gemeinde wird dazu gebracht, zu wachsen.
Und für uns als einzelne Mitglieder der Kirche, und für uns persönlich, ist die persönliche Errettung das größte Geschenk, das Gott uns machen kann. Und die Schrift erinnert uns auch daran, dass Gott sein Ebenbild in jedem Gläubigen erneuert. Das Ebenbild, das Gott in uns hineingelegt hat, wird durch die Errettung wieder erneuert. Wenn wir ihm vertrauen und auf seine Wahrheit hören, bewirkt das, dass wir umgestaltet werden in das Bild seines geliebten Sohnes. Wir werden verändert.
In der heutigen Welt wirst du ihn in seinem Volk sehen. Und in einem gewissen Sinne können wir sagen: Wenn du Gott erkennen willst, jetzt und hier, dann ist die beste Art und Weise folgende: Du erkennst ihn in dem veränderten Leben derer, die ihm nachfolgen. Und das bedeutet natürlich für jeden Einzelnen ganz persönlich, dass er in seiner Heiligung wachsen soll und immer mehr umgestaltet wird in das Bild seines Sohnes.
Wir gehören zusammen, wir sind durch dieses Evangelium miteinander verbunden. Aber das Evangelium bedeutet eben nicht, dass wir alle als einzelne Inseln irgendwo herumschweben, sondern wir sind alle miteinander verbunden, wir gehören zusammen. Wenn wir zueinander gehören, dann deshalb, weil wir zu Christus gehören.
Ich habe einmal in den USA in einer Gemeinde gepredigt, und bevor der Gottesdienst begann, hat man mich herumgeführt, und ich habe alle Sonntagsschulklassen gesehen. Ich habe eine Klasse besucht, und die Lehrerin dort kam aus Afrika. Sie sprudelte förmlich über vor Freude. Dann haben sie mich vorgestellt und gesagt: Ja, das ist Pastor Jackman, er kommt aus England. Und sie sagte: Es ist mir völlig egal, wer du bist, wenn du ein Freund von Jesus bist, dann bist du auch mein Freund.
Und dann hat sie mich auf afrikanisch-amerikanische Art und Weise umarmt, was für uns Engländer ein bisschen ungewöhnlich ist. Aber was für ein herrlicher Ausdruck der Einheit, die wir in Jesus Christus haben. Wir mögen sie auf verschiedene Weise ausdrücken, aber es ist dieselbe Einheit überall auf der Welt unter dem erlöstem Volk Gottes.
Paulus’ Punkt ist, dass das die Beglaubigung des Evangeliums ist. Das Evangelium erweist sich durch diese Einheit als echt. Paulus will im Epheserbrief eben auch aufzeigen, dass das die Beglaubigung des Evangeliums ist. Dadurch, dass wir so leben, wird dem Evangelium Glaubwürdigkeit in der Welt verliehen. Wenn du sehen willst, wie Gott jetzt und hier in dieser Welt wirkt, dann komm in die Gemeinde und sieh, wie wir miteinander leben. In diesem Raum wird der ewige Sieg Jesu Christi dargestellt durch die Art und Weise, wie wir in der Gemeinde miteinander umgehen. Deshalb ist das Wohlergehen der Gemeinde von so zentraler Wichtigkeit.
Paulus wendet sich diesem Thema zu, und wir auch, und wir schlagen gemeinsam Epheser 3 auf. Er wird in dem Abschnitt, den wir heute Morgen betrachten, drei Dinge tun. Wir beginnen mit Kapitel drei und bewegen uns auf Kapitel vier zu. Dabei werden wir sehen, dass es drei wichtige Dinge gibt, die Paulus hier behandelt.
Zuallererst erklärt er, wie sein Dienst an den Nationen aussieht. Das ist ein Ergebnis dessen, was er in den ersten beiden Kapiteln erklärt hat. Dann wird er seinen Lesern das Gebet mitteilen, das er hat, nämlich dass sie die Liebe Gottes erfahren werden. Und dann betet er für seine Leser, und zwar betet er, dass sie die erkenntnisübersteigende Liebe Gottes in ihrem Leben erfahren mögen. Ab Kapitel vier erklärt er dann, wie die Gemeinde das umsetzen und leben soll, was Gott bereits gewirkt hat.
Und wenn wir das, was Paulus hier lehrt, in der Ortsgemeinde mehr und mehr umsetzen und leben wollen, dann ist es wichtig, dass wir diese drei Punkte begreifen.

Der verborgene Plan und seine Offenbarung

Ihr erinnert euch daran, dass wir gestern festgestellt haben, dass Paulus gerne lange, lange Sätze macht. Nun, Paulus macht genau so weiter, wie er begonnen hat. Im Griechischen ist das ein einziger Satz, nämlich Kapitel 3,2 bis Vers 13. Und wenn du Epheser kennst, dann wirst du feststellen: Paulus beginnt einen Satz in Kapitel 3,1 und greift ihn eigentlich erst wieder auf ab Vers 14. Dazwischen ist eine grosse Klammer, ein Einschub.
Der Satz beginnt in Vers 1: Deshalb beginne ich, Paulus, der Gefangene Christi Jesu. Und dann geht er weiter mit dem Satz in Vers 14: Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater. In den Versen 2 bis 13 erklärt er eben seine Mission, seinen Dienst unter den Nationen.
Achtet darauf: In Vers 1 spricht er von „euch, die Nationen“. Das bringt uns zurück zu der Passage, die wir gestern gesagt haben, Kapitel 2, Vers 11. Dort heisst es: Deshalb erinnert euch daran, dass ihr einst die Nationen im Fleisch wart. Ich werde euch, ihr Nationen, erklären, was diese Mission ist, die Gott mir gegeben hat. Und er sagt: Ich werde euch den Dienst für die Nationen erklären, wie dieser mir von Gott anvertraute Dienst für euch denn tatsächlich aussieht.
Er schreibt in Vers 2: wenn ihr nämlich gehört habt von der Verwaltung der Gnade Gottes, die mir in Bezug auf euch gegeben ist. Es ist erstaunlich: Gott beruft Paulus, einen Archetyp des Judentums, um der Heidenapostel zu werden, damit die Botschaft zu den Nationen kommt. Denn gestern haben wir gesehen, und der Dienst des Paulus beweist das auch, dass Juden und Nationen in Christus eins sind.
Wie ist dieser Dienst, diese Mission nun beschaffen, die Gott ihm gegeben hat? Im Kapitel 3 beschreibt er das als ein Geheimnis, das ihm kundgetan worden ist. Vergesst nicht: Biblische Begriffe werden durch die Bibel definiert. Und so gehen wir zurück im Brief, um herauszufinden, worum es sich bei diesem Geheimnis denn nun handelt. Kapitel 1, Verse 9 und 10 erklären eben, dass dieses Geheimnis in Christus offenbar geworden ist. Denn in der Fülle der Zeit wird Gott alles zusammenbringen in Christus, das, was in den Himmeln ist, und das, was auf der Erde ist. Das ist das Geheimnis, auf das er sich bezieht, hier in Kapitel 3, Vers 3.
Die Autorität dieses Geheimnisses liegt darin, dass Gott selbst es ihm offenbart hat. Und Paulus sagt: Ich habe kurz darüber geschrieben. Na ja, ich habe das kurz erklärt in diesem Schreiben. Die Sätze mögen lang sein, aber eigentlich sind zwei Kapitel nichts, um aufzuzeigen, worum es sich bei dieser gewaltigen Tatsache handelt.
Und er sagt: Wenn ihr Vers 4 lest, dann werdet ihr merken, dass es in der ganzen Gemeinde vorgelesen worden ist, was dieses Geheimnis ist. Es gibt also eine grosse Veränderung in der Weltgeschichte, die hier stattfindet. Vers 5 erklärt eben, dass dieses Geheimnis vorher den Menschen nicht kundgetan worden ist, jetzt ist es aber offenbart worden, und zwar den heiligen Aposteln und Propheten im Geist kundgetan.
Diese Gaben, die die Apostel und die Propheten haben, das waren Gaben, die das Fundament, die Grundlage für die Gemeinde einst gelegt haben. Kapitel 2, Vers 20: Dort wird es ausgedeutscht, es heisst nämlich: aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten. Gaben, die eine Grundlage gelegt haben für die erste Generation in der Gemeinde. Und derselbe Geist wirkt jetzt auch durch Gaben in der Gemeinde, aber Gaben, die sich eben auf dieser Grundlage aufbauen lassen, die gelegt worden ist.
Wir erwarten keine neue Offenbarung von Gott, denn das Werk Christi ist ein für alle Mal vollbracht worden am Kreuz. Und mit der Erstellung oder dem Zusammenkommen des Kanons haben wir jetzt in der Schrift alles, was wir brauchen, um alles zu verstehen, was uns von Gott gegeben ist und was er von uns will. Die Apostel und Propheten haben das Fundament gelegt. Christus ist der Eckstein, wie es hier beschrieben wird, und auf dieser Grundlage soll jetzt eine florierende Gemeinde aufgebaut werden, heranwachsen. Und das geschieht durch das Werk des Heiligen Geistes, der eben diese Wahrheit erklärt und offenbart über den Verstand, das Herz und letztendlich den Willen.
Und in Vers 6 finden wir so eine Zwischenbilanz. Wir haben das gestern schon kurz betrachtet: Die drei Dinge, die uns zusammenbinden. Wir sind Miterben, wir sind Miteinverleibte, wir sind Mitteilhaber der Verheissung in Christus. Die verbindenden Elemente werden hier beschrieben, dass die Nationen eben Miterben seien, Miteinverleibte und Mitteilhaber der Verheissungen in Christus.
Paulus sagt: Das ist, worum es in meinem Dienst geht. Die Nationen sollen verstehen, dass sie nicht nur Anteil haben am Evangelium, sondern welches Vorrecht damit verbunden ist und welche Auswirkung das auf sie haben soll. Es ist also notwendig, dass jemand diese Wahrheit den Hörern oder Lesern auch beibringt. Es braucht einen Lehrdienst. Und in jeder Generation ist es so, dass die Gesundheit der Gemeinde davon abhängt, ob sie in der gesunden Lehre unterwiesen ist oder nicht. Wir können nicht davon ausgehen, dass die Schafe das irgendwie einfach mitkriegen und wissen und verstehen, sondern wir müssen sie ganz gezielt unterweisen und zurüsten in dieser Richtung.
Und so müssen wir als Pastoren immer wieder zurück auf unsere Agenda schauen und uns fragen: Kümmere ich mich wirklich um die Dinge, die am wichtigsten sind? Und wenn du kein Pastor sein solltest, dann musst du dich fragen, ob du für deinen Pastor betest, damit er sich eben an die Dinge erinnert, die wirklich zentral und wichtig sind. Zentrale Wichtigkeit sind das Gebet und das Wort, denn nur so ist er selbst zugerüstet, den Dienst zu tun, zu dem er berufen ist.
Paulus beschreibt sich selbst in Vers 7 als einen Diener. Gott hat ihm Gnade gegeben, damit er durch seine Lehrtätigkeit diese Gnade weitergeben kann an die Zuhörer. Und er ist so erstaunt, so verblüfft, dass Gott ihm diesen Dienst aufgetragen hat, dass er sich in Vers 8 als den Allergeringsten bezeichnet. Vergesst nicht: Paulus war einer der schlimmsten Verfolger der Gemeinde. Er wollte sie auslöschen, und ihn erwählt Gott, um ein Gnadenwerkzeug zu sein in seinen Händen. Und Paulus sagt: Wer bin ich? Ich bin weniger als der Allergeringste von allen. Na ja, wie geht das? Du kannst nicht weniger sein als das Wenigste, kleiner als das Kleinste. Er kreiert also ein Wort, das vorher nicht existiert hat, und er sagt: Ich bin kleiner als das Kleinste, ich bin der Allergeringste.
Paulus gehörte nicht einer Organisation namens Impressive Global Ministries, Inc. Er war eben nicht Teil eines Dienstes, einer Organisation, die sagt: Schaut her, wir sind die beeindruckenden weltweiten Diener Gottes. Lasst uns, Brüder und Schwestern, mit all diesem Unsinn aufhören, dass wir wichtig seien. Wir müssen ein für alle Mal damit abschliessen, zu denken, dass wir wichtig seien. Wenn der Apostel Paulus sich als Allergeringsten bezeichnet, dann sollte ich ein paar Schlussfolgerungen ziehen für mich selbst.
Und dein Dienst hängt nicht von deiner beeindruckenden Leistung ab, sondern dein Dienst hängt von der Gnade und der Kraft Gottes ab, die dich treu machen. Wir dürfen unser Vertrauen nicht auf Fürsten setzen, auch nicht auf Fürsten innerhalb der Gemeinde. Wir vertrauen in das Evangelium, wir vertrauen in den erhöhten Herrn und Retter Jesus Christus. Und unsere Aufgabe ist dieselbe, wie einst Paulus sie gefasst hat, nämlich den unergründlichen Reichtum des Christus zu verkündigen.
Bei mir im Büro in London hängt so ein kleiner Comic an der Wand. Man sieht einen völlig überladenen Schreibtisch des Pastors, der versucht, mit all dem Papierkram fertigzuwerden, und dann kommt seine Frau oder seine Sekretärin zur Tür herein und bringt noch mehr Bücher und Papiere. Und sie sagt: Smile, God loves you! Und dann sagt sie: Lächle, Gott liebt dich! Und alle anderen haben einen wunderbaren Plan für dein Leben.
Und das ist wahr: Wenn du Pastor bist, dann weiss jeder, was du tun solltest. Aber was will Gott von uns, um die unergründlichen Reichtümer Christi zu erreichen? Er will ganz einfach das, was hier steht, nämlich dass wir den unergründlichen Reichtum des Christus verkünden.
Nun, es ist nicht so, dass ich dann einfach in mein Büro mich verkrieche. Jemand hat das mal so formuliert: Sechs Tage ist der Pastor unsichtbar. Kommt nur Unverständliches aus ihm raus, ich weiss nicht, was er sagt. Nein, du musst auch raus aus deinem Büro, du musst zu den Leuten, du musst zu den Schafen, du musst in die Familien hinein, du musst sie kennenlernen.
Aber wenn die Gemeinde eben florieren soll, wenn sie wachsen soll, was mache ich, wenn ich mich mit den Leuten treffe? Ich verkündige den unergründlichen Reichtum Christi, ich diene ihnen in der Wahrheit Jesu. Und achtet darauf, was es zu lernen gilt gemäss Vers 9: das Ziel ist, alle zu erleuchten in Bezug darauf, welches die Verwaltung des Geheimnisses sei, das von den Zeitaltern her verborgen war in Gott.
Und dann kommen wir zu Vers 10, und ich kann mir vorstellen, dass das wirklich der Schlüsselvers ist für den ganzen Epheserbrief. Was ist dieses grosse Werk, dieser apostolische Dienst, in dem wir stehen? Was ist sein Zweck? Damit jetzt den Fürstentümern und den Gewalten in den himmlischen Örtern durch die Versammlung kundgetan werde die mannigfaltige Weisheit Gottes.
Mannigfaltige Weisheit beschreibt eigentlich all die Aspekte und Facetten, die Vielfarbigkeit, die Variabilität der Weisheit Gottes. Und all diese Facetten, alle Aspekte der Weisheit Gottes sollen sichtbar werden, offenbart werden durch die Gemeinde. Nicht die Gemeinde in der Ewigkeit, wenn sie perfekt ist. Nicht die Gemeinde in der Ewigkeit, wenn sie vollkommen ist. Dann in der Ewigkeit wird alles erfüllt sein von der Fülle Gottes. Aber hier ist die Rede, dass die Gemeinde das jetzt und hier tun soll.
Wenn die Fürstentümer und die Gewalten, von denen hier die Rede ist, in den himmlischen Örtern sehen, wie wir als Gemeinde leben, dann müssen sie feststellen, dass sie verloren haben. Die Sache ist erledigt. Die florierende Gemeinde bringt Jesus also grosse Ehre, sie verherrlicht ihn, weil sein Sieg erkennbar wird in der gesamten Schöpfung. Und das ist der ewige Vorsatz, den er gefasst hat in Christus Jesus, unserem Herrn.
Was für ein gewaltiger Plan für eine Gemeinde, für eine Gemeinde, die eine florierende Gemeinde sein soll! Deshalb spielt die Gemeinde eine so zentrale Rolle, denn sie reflektiert jetzt und hier, was Gott einst in Vollkommenheit tun wird in der Ewigkeit. Ein Gelehrter hat es so ausgedrückt: Es ist quasi der Musterplan, der jetzt bereits offenbar wird, der aufzeigt, wie es dann in Ewigkeit in Vollkommenheit sein wird. Was also in unseren Gemeinden läuft und passiert, ist von ewiger Bedeutung.
Wir werden hineingenommen in den ewigen Vorsatz Gottes, und das hat Bedeutung nicht nur für die Zeit, sondern für die Ewigkeit. Und diese Sicht, diese Perspektive, das treibt uns an, das motiviert uns immer wieder im Dienst für das Evangelium. Hier in Westeuropa befinden wir uns in einer Zeit, wo es um viele Kleinigkeiten geht. Aber das bedeutet nicht, dass jeder Tag ein Tag der Kleinigkeiten sein wird. Überall in der Welt wirkt dieses Evangelium, es wird Frucht produzieren, Dinge wachsen. Wieso sollte das nicht auch in der Schweiz der Fall sein? Wieso sollte das nicht in Grossbritannien sein, auch nach dem geplanten Brexit? Gott ist nicht eingeengt durch unsere Vorstellung oder unseren Glauben. Lasst uns Vertrauen haben in dieses Evangelium. Eine florierende Gemeinde zeichnet sich dadurch aus, dass sie dieser Botschaft vertraut.
Martin Luther hat es, wie es für ihn üblich ist, so bildlich dargestellt. Er sagt, du musst diese Wahrheit nehmen und sie ihnen in den Kopf reinhemmern, Tag für Tag. Und bis die Zeit gekommen ist, wo wir unseren Herrn von Angesicht zu Angesicht sehen, müssen wir immer wieder an diese Wahrheit erinnert werden.
In Vers 12 finden wir seinen abschliessenden Gedanken. Es heisst dort: In welchem wir die Freimütigkeit haben und den Zugang in Zuversicht. Weil wir Anteil haben an diesem grossen universalen Gospelwerk, weil wir immer im Glauben kommen können, weil wir Anteil haben an diesem gewaltigen Werk des Evangeliums, können und sollen wir immer wieder mit Freimütigkeit zu unserem Herrn kommen.
Ja, die bösen, finsteren Mächte, von denen hier die Rede ist, sie versuchen, sich selbst gross zu machen, aber sie können dich nicht davon abhalten, zu beten. Wir haben in Vers 12 zwei Freiheiten, die hier beschrieben werden: nämlich erstens freien Zugang zu Gott, und wir haben auch die Freimütigkeit, ihm alles zu sagen. Und zwar mit Zuversicht können wir jederzeit zu ihm kommen und jederzeit ihm alles sagen. Zuversichtliches Gebet.
Und wenn die Gemeinden hier in irgendeiner Weise ähnlich sind wie die, die wir in England haben, dann ist es wahrscheinlich leider auch so, dass die Gebetszeit die am schlechtesten besuchte ist. Und dann stehen wir in der Gefahr, entmutigt zu werden, zu sagen: Ah, die Leute kommen nicht, die beten überhaupt nicht.
Aber unser Gebet sollte sein: Herr, mache, dass unsere Gemeinde eine betende Gemeinde ist und dass ich ein betender Christ bin. Es ist das Werk des Geistes, dass wir zu betenden Christen werden. Und bitte ihn, dass er das wirken möge.
Lehre die Leute, unterweise sie in dieser Herrlichkeit des Evangeliums. Je mehr wir die Absichten, die Pläne, den Vorsatz Gottes erkennen und die Herrlichkeit, die damit verbunden ist, desto mehr wird es uns in seine Gegenwart ziehen.
Es gibt ein Lied auf Englisch, dort heisst es folgendes: Wenn der Satan versucht, mich zum Verzweifeln zu bringen und er hält mir mein Versagen und meine Schuld im Innern vor, was mache ich dann? Dann heisst es in dem Lied: Ich schaue nach oben und sehe ihn dort, der all meiner Sünde ein Ende gesetzt hat.
Das ist die Antwort, wenn wir am Boden zerschlagen sind, niedergedrückt, in der Gefahr stehen, zu ermatten und aufzugeben. Wenn wir um uns herum sehen, dann werden wir nur noch mehr Probleme erkennen. Und wenn wir nach innen schauen oder horchen, dann kommt nur unsere Schuld und Unfähigkeit zum Vorschein. Nach oben müssen wir schauen. Ich schaue auf ihn, der meiner Sünde ein für allemal ein Ende gesetzt hat.
Und dann geht es weiter in dem Lied: Weil der sündlose Retter kam und starb, ist meine sündhafte Seele jetzt freigemacht. Der Gott, der gerecht ist, wird zufriedengestellt, indem er auf ihn schaut, und deshalb vergibt er mir. Eine florierende Gemeinde ist eine Gemeinde, die aus Sündern besteht, denen Vergebung zuteil wurde, und sie lieben den Retter, weil er sie zuerst geliebt hat.
Und dann erklärt Paulus auch oder gibt ihnen einen Einblick, was er denn für sie betet. Wunderbar, und wie wichtig es in der Argumentation des Briefes ist. Ich werde dieses Gebet heute Morgen nicht auslegen, aber euch daran erinnern, was für eine zentrale Rolle dieses Gebet spielt, genau hier an diesem Punkt im Brief. In Vers 16 betet er, damit er euch gebe, nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit mit Kraft gestärkt zu werden durch seinen Geist am inneren Menschen.
So wie wir mit Zuversicht im Gebet Zugang haben, bitten wir also, dass der Geist in unserem Leben wirken wird. Wir kommen also mit Freimütigkeit im Gebet vor den Herrn und bitten ihn, dass der Geist an unserem inneren Menschen wirken möge, so dass Christus wirklich zuhause sein kann in unseren Herzen. So dass, wenn Satan an der Tür klopft, Jesus die Tür öffnet und sagt: Ich wohne hier jetzt. Und ihr könnt es euch so vorstellen: Wenn der Satan kommt und an deinem Herz anklopft, dann öffnet Jesus die Tür und sagt: Tut mir leid, ich wohne hier.
Aber Christus kontrolliert den Angriff. Eine florierende Gemeinde ist nicht eine Gemeinde, die immun ist gegen die Angriffe des Teufels, sondern es ist eine Gemeinde, die durch den Willen und die Liebe Christi kontrolliert wird. Und wenn Christus wirklich im Herzen der Gläubigen wohnt, dann ist die Liebe Gottes ausgegossen. Und diese Liebe wird in Vers 19 beschrieben als eine die Erkenntnis übersteigende Liebe. Wir können nie in der Fülle erfassen, wie diese Liebe ist. Aber wir können wachsen im Ergreifen und Verstehen dieser Liebe.
Und je mehr das geschieht, beschreibt Paulus, passiert auch folgendes: nämlich Ihr werdet erfüllt sein zu der ganzen Fülle Gottes. Erstaunlich, gewaltig, erfüllt mit der ganzen Fülle Gottes. Das ist das, was das Evangelium wirken will im Leben der Kinder Gottes. Und das ist das, was die Gemeinde widerspiegeln soll hier in dieser Welt.
Und wenn du so bist wie ich, dann liest du das und denkst: Ja, das ist alles schön und gut, aber du kennst meine Gemeinde nicht. Es ist wie der Pastor, der sagt: Ich hätte eine wundervolle Ministerin, wenn es nicht für all diese Menschen in der Gemeinde nicht so gut wäre.
Aber achtet auf Vers 20 und 21: Dem aber, der über alles hinaus zu tun vermag, über die Massen mehr, als wir erbitten oder erdenken, nach der Kraft, die in uns wirkt, ihm sei die Herrlichkeit in der Versammlung, in Christus Jesus, auf alle Geschlechter des Zeitalters der Zeitalter hin. Amen.
Überführt dich das nicht? Er vermag das zu wirken. Wir können oft nicht mal in diese Richtung denken, ganz davon zu schweigen, den Glauben zu haben, das zu bitten. Aber der Sohn, der souverän ist, der sich zur Rechten Gottes gesetzt hat und über alles herrscht, er kann das. Er kann alles tun, was wir denken. Er ist in der Lage, alles zu tun, was wir bitten. Und er ist in der Lage, alles zu tun, was wir bitten oder denken. Und er ist sogar in der Lage, mehr zu tun als alles, was wir bitten oder denken. Er ist in der Lage, weit mehr, überfliessend mehr zu tun als alles, was wir denken oder bitten. Hast du die Botschaft? Hast du es kapiert?
Meine Freunde, wir müssen beten, wir müssen ihn bitten, dass er das wirkt, denn die Kraft ist in ihm. Die Herrlichkeit wird offenbar in der Gemeinde, wo der Herr eben auf diese Art und Weise wirkt. Die Kraft wirkt in uns, in der Gemeinde. Und indem die Gemeinde Christus verherrlicht, weil sie eben die Gemeinde ist, die so wie Christus sie haben will, werden aufgrund dessen, aufgrund einer Gemeinde, die so lebt, all diese bösen Mächte und Gewalten in die Flucht geschlagen, von denen in Ephesus die Rede ist.
Jetzt kommt wieder diese Stimme in uns, sie sagt: Na ja, das war alles schön und toll im ersten Jahrhundert, aber wir leben im einundzwanzigsten Jahrhundert. Was steht in Vers 21? Er vermag das zu tun, von Zeitalter zu Zeitalter, für immer und ewig. Und du bist nicht ausserhalb des Immer und Ewigs. Das ist eine Verheissung für uns.
Und je mehr die Gemeinde das ergreift und davon ergriffen ist und das auch tut, desto mehr wird sie gedeihen. Und für alle von uns, die in irgendeiner Verantwortung stehen in der Gemeinde und einen Dienst haben, das ist unser Vers. Wenn du die Kleinen unterrichtest in der Sonntagsschule, darum geht es, das, was hier steht. Wenn du einen Dienst an den Senioren hast, das ist dein Vers.
Jetzt sieht Paulus eine erste Schlussfolgerung: Ich ermahne euch nun, ich, der Gefangene im Herrn, dass ihr würdig wandelt der Berufung, mit der ihr berufen worden seid. Abschliessend wollen wir uns noch mit dem ersten Teil von Kapitel 4 beschäftigen, um zu erkennen, wie sich das jetzt ganz praktisch auswirken soll. Er hat uns ermutigt, er hat uns aufgezeigt, vorgemacht, wie wir die Liebe Gottes erfahren können. Und aufgrund all dessen, was Christus gewirkt hat, ergeht nun diese Berufung an uns: würdig zu wandeln der Berufung, mit der ihr berufen worden seid.
Und diesen Gedanken des Wandelns, den finden wir jetzt in den letzten drei Kapiteln immer wieder. Im zweiten Teil, Kapitel 4 bis 6, geht es ausschliesslich darum, wie wir als Christen denn nun würdig wandeln. Kapitel 4, Vers 17 werden wir dazu aufgerufen, nicht mehr zu wandeln wie die Nationen in Eitelkeit ihres Sinnes. Kapitel 5, Vers 2: Wir sollen in Liebe wandeln, wie auch Christus uns geliebt hat. Kapitel 5, Vers 8: Wir sollen wandeln als Kinder des Lichts. Kapitel 5, Vers 15: Gebt nun acht, wie ihr sorgfältig wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise.
Wandel beschreibt eben, dass wir unterwegs sind, Schritt für Schritt, um dahin zu wachsen, wo Christus uns haben will: in der Liebe, im Licht und in der Weisheit Gottes. Paulus sagt: Ich bin im Gefängnis, und das ist wegen meiner Arbeit für euch, ihr Nationen. Paulus sagt: Ja, ich hocke im Knast, ich bin im Gefängnis aufgrund meines Dienstes für euch, die Nationen. Hier aus dem Gefängnis heraus ermahne ich euch in aller Eindringlichkeit, dass ihr würdig wandelt.
Und Vers 2 dann, was für eine Ermutigung. Er sagt nicht, dass euer würdiger Wandel sich dadurch auszeichnet, dass alle merken, wie absolut phantastisch ihr seid, wie wichtig ihr seid und unverzichtbar. Sondern der würdige Wandel zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus: mit aller Demut, Sanftmut, mit Langmut, einander ertragend in Liebe. Das ist der Ausdruck von wahrer Liebe. Eine florierende Gemeinde zeichnet sich aus durch Demut, Sanftmut und Langmut. Es gibt eine tiefgreifende Verbindung in Liebe zwischen den Gläubigen dort, die dazu führt, dass man einander ermutigt und einander auferbaut.
Wir sind nicht dabei, uns einen Namen zu machen oder eine besondere Gemeinde zu werden, die erfolgreicher ist als die anderen. Wir sind nicht wie die Supermärkte, die miteinander konkurrieren.
Vers 2 ist ein Bild des Herrn Jesus. Im Vers 2 sehen wir eigentlich ein Bild Jesu, und er ermutigt uns eben, ihm ähnlicher zu werden. Und das ist das Ende aller Selbstverwirklichung. Tief in unseren Herzen, wenn wir mit Christus gekreuzigt sind, werden wir eifrig danach trachten, die Einheit des Leibes zu bewahren.
Und wenn das passiert, wenn wir in unseren Herzen mit Christus mitgekreuzigt sind, dann werden wir alles daran setzen, die Einheit des Leibes zu bewahren. In Vers 3 wird das so beschrieben: Euch befleissigend, die Einheit des Geistes zu bewahren in dem Band des Friedens. Diese Einheit wird nicht von uns fabriziert oder geschaffen in der Gemeinde. Wenn wir diese Einheit herbeiführen müssten, dann wäre das ungefähr so schwierig, wie Katzen zu hüten. Das geht einfach nicht. Nein, Christus selbst hat diese Einheit gewirkt durch die veränderten Herzen in den Gläubigen. Wir müssen nur darauf achten, diese zu bewahren.
Was bedeutet das? Immer wenn wir merken, wenn wir Dinge erkennen, die im Begriff sind, diese Einheit zu zerstören, dann müssen wir alles daransetzen, dies zu verhindern. Es gibt ein Band des Friedens, Frieden durch das, was Christus am Kreuz gewirkt hat, und wir müssen das bewahren. Und es ist das Werk Christi, das uns zusammengeführt hat. Es ist auch sein Werk, dass wir zusammenbleiben. Wenn es also Parteiungen gibt, Trennung in der Gemeinde, dann können wir nicht wegschauen, wir müssen uns diesen Dingen annehmen.
Viele Pastoren sind gutmütige Leute und denken: Ach, ich hoffe, dass sich etwas verbessert. Sie denken immer, das wird sich schon wieder irgendwie einrenken. Aber lasst uns der Wahrheit ins Auge schauen: Wir sind alles Sünder, und die Probleme lösen sich nicht einfach in Wohlgefallen auf. Wir müssen uns aktiv um diese Dinge kümmern und Probleme lösen. Der Teufel liebt es, diese Einheit kaputt zu machen. Jesus ist die Herrlichkeit Christi kommt ja zum Ausdruck durch eine Gemeinde, die in Einheit lebt, und wenn diese zerstört wird, dann hat der Teufel sein Ziel erreicht, weil wir werden unglaubwürdig.
Es gibt ein berühmtes puritanisches Buch über den Dienst, geschrieben auf Englisch von Richard Baxter. Richard Baxter hat ein sehr bekanntes Buch geschrieben über den Dienst. Das Buch heisst The Reformed Pastor. Ich glaube, das ist auf Deutsch übersetzt worden. Wie heisst es? Es ist auf Deutsch. Wir kennen den Titel nicht, aber es ist auf Deutsch. Ich bin froh, dass es auf Deutsch ist. Das ist grossartig.
In dem Buch stellt Baxter die Frage: Was machst du, wenn irgendein Problem in der Gemeinde ist, eine Kontroverse, die das Potenzial hat, die Gemeinde zu spalten? Er sagt: Nun, du nimmst eine Sache, die grösser ist als dieses Problem, das im Raum steht. Und die Sache, die grösser ist als alles andere, ist das Evangelium selbst. Und du nimmst dieses Problem und setzt es in Beziehung zum Evangelium.
Wenn es natürlich so ist, dass das Problem auftaucht aufgrund des Evangeliums, sprich: Es gibt Leute, die dem Evangelium nicht glauben und gehorchen wollen, nun, dann ist es besser, eine Trennung zu haben. Man versucht natürlich, das in die richtigen Wege zu leiten durch die Verkündigung des Evangeliums, aber wenn die Leute dem Evangelium einfach nicht glauben und gehorchen wollen, dann gibt es keine andere Lösung mehr, man muss sich und wird sich von ihnen trennen müssen.
Aber wenn sie wirklich echte Gläubige sind, dann müssen wir ihnen die Frage stellen: Bist du bereit, über dieser Sache das Zeugnis der Gemeinde, welches durch die Einheit besteht, zu zerstören? Willst du das wirklich? Wirst du zulassen, dass wir jetzt ein Schlagzeug und Gitarren haben in der Anbetungszeit und dadurch die ganze Gemeinde zerstört wird? Wie viele Gemeinden sind schon zugrunde gegangen über Anbetungskriege! Das darf nicht sein, es geht ums Evangelium!
Und wenn ich sage: Ich komme nicht zur Kirche ohne Drums und Gitarren, oder ich komme nicht zur Kirche, wenn es Drums und Gitarren gibt, habe ich das Evangelium vergessen. Und wenn ich, und es spielt keine Rolle, auf welcher Seite du stehst, ob du zu denen gehörst, die sagen: Ich werde nicht mehr kommen, wenn wir kein Schlagzeug und keine Gitarren haben, oder du sagst: Ich werde nicht mehr kommen, wenn wir Schlagzeug und Gitarre haben, es spielt keine Rolle, du gefährdest das Evangelium.
Vers 4: Es gibt ein Leib, ein Geist, und dieser eine Leib zeichnet sich dadurch aus, wie er zusammenwirkt. Schaffen wir es denn tatsächlich nicht, uns in Bezug auf die Anbetung und Musik zu einigen? Als ich Pastor war, hatten wir dieses Problem bei uns in der Gemeinde. Viele junge Leute kommen in die Glaubenheit in den Herrn Jesus und wollen kontemporäre Musik. Viele junge Leute sind zum Glauben gekommen und sie wollten eben eine zeitgemässe Anbetungsmusik. Viele nette ältere Geschwister, die jahrelang gebetet haben, dass junge Leute in den Glauben kommen, die jahrelang dafür gebetet haben, dass junge Leute zum Glauben finden. Ich weiss nicht, ob sie so froh sind, dass ihre Gebete jetzt tatsächlich beantwortet wurden. Aber komm, wir sind eine Familie!
Klar will Oma nicht dauernd die Musik der Teenager hören. Aber stürzt die Welt ein, wenn wir ein, zwei dieser Lieder haben? Und wir können auch nachvollziehen, dass die Teenager nicht die Musik hören wollen von längst vergangenen Generationen. Aber gibt es nichts Wichtigeres als das? Können wir nicht zusammen Familie lernen?
Verse 4 bis 6, Kapitel 4, beschreibt nicht eine Hoffnung, wie es mal sein könnte in der Gemeinde, sondern das definiert das Wesen der Gemeinde. Der Fokus ist ganz klar auf die Gemeinde gerichtet, und es heisst ja: Da ist ein Leib. Und jede Ortsgemeinde ist eine Darstellung der weltweiten Gemeinde des Leibes Christi. Und dieser eine Leib kriegt Leben durch diesen einen Geist, der ihn diesem Leib wirkt. Und folglich haben wir eine gemeinsame Hoffnung, nämlich die Hoffnung des Evangeliums, dass das ewige Reich kommen wird. Und es ist eins, weil da ein Herr ist, der Weg in dieses Reich und der Weg, wenn du in diesem Reich bist, ist der eine Glaube in dem auferstandenen Herrn Jesus Christus. Und es gibt eine Taufe, damit du in diesen Leib hineingetauft wirst. Und das beschreibt die geistliche Einheit, die wir haben in ihm.
Und dahinter steht der eine Gott und Vater aller, und das ist das Fundament der Einheit. Und achtet, was da weiter steht in Vers 6: Der Vater, der Gott und Vater aller, der über allen und durch alle und in uns allen ist. Das ist die Einheit, welche eine florierende Gemeinde auszeichnet. In der Praxis gibt es keine Gemeinde, die das in Fülle erlebt oder erfährt, denn wir sind alle noch Sünder. Aber vergesst nicht: Er ist in der Lage, über die Massen mehr zu tun, als wir erbitten oder erdenken.
Innerhalb dieser Einheit gibt es aber auch eine Vielfältigkeit. Diese Vielfältigkeit innerhalb der Einheit wird beschrieben in Vers 7, wo es heisst: Jedem einzelnen aber von uns ist die Gnade gegeben worden nach dem Mass der Gabe des Christus. Als ich ein junger Christ war, gab es einen sehr bekannten Prediger, der hatte eine Botschaft. Seine Botschaft war, dass wir als Gemeinde Kartoffelpüree sind. Das ist nichts, was uns unterscheidet, wir sind einfach ein Brei. Das ist Blödsinn. Vers 7 erklärt das. Diese Gnaden, diese Gaben offenbaren sich in unterschiedlicher Art und Weise.
Christus ist hinaufgestiegen in die Höhe, er ist in der Position der Autorität, er gibt Gaben zu seiner Gemeinde. Vers 8: Darum sagt er: Hinaufgestiegen in die Höhe hat er die Gefangenschaft gefangen und den Menschen Gaben gegeben. Einige Gaben waren solche, die den Grund gelegt haben; wir haben das gelesen, die Apostel und Propheten haben das gemacht für die Gemeinde, Epheser 2,20. Andere Gaben sind solche, die auch heute noch weiter bestehen. Es heisst auch in Vers 11: Das ist die Rede von Hirten, Lehrern und Evangelisten. Das ist keine allumfassende Liste der Gaben, die es gibt. Das sind nur ein paar. Es gibt noch mehr, die im Neuen Testament genannt werden. Aber diese Gaben sind von besonderer Wichtigkeit, weil Gott diese Gaben nutzt, damit die Heiligen vollendet werden, zugerüstet werden für das Werk des Dienstes.
Ich denke, dass Hirte und Lehrer eine Gabe ist. Es ist ein Hirtenlehrer, der Hirte lehrt und der Lehrer hirtet, und in Zusammenarbeit mit den Evangelisten, Hirten und Lehrern werden die Heiligen eben aufgebaut für das Werk des Dienstes. Das Verb „equip“ in Vers 12 ist interessant. Das Verb in Vers 12, die Zurüstung für den Dienst, ist ein ganz interessantes. Es ist dasselbe Verb, das in den Evangelien benutzt wird, wenn beschrieben wird, wie die Jünger ihre Fischernetze gepflegt haben. Warum haben sie die Netze gepflegt? Nun, damit sie das tun können, wozu sie da sind, nämlich zum Fischen. Und genau dasselbe Bild sehen wir hier.
Der Dienst durch das Wort Gottes verfolgt das Ziel, dass die Heiligen den Dienst tun können, zu dem sie bestimmt worden sind. Und vieles in Bezug auf diesen Dienst ist einfach, dass die Netze immer wieder gepflegt werden müssen, damit die Netze zum Dienst überhaupt taugen. Das Ziel des Dienstes ist die Auferbauung des Leibes des Christus. Zwei Komponenten: einerseits Wachstum in Reife, in Heiligung, aber auch numerisches Wachstum des Leibes, dass die Gemeinde anzahlmässig wächst.
Und es gibt einen interessanten Gegensatz zwischen Vers 3 und Vers 13. In Vers 3 ist die Rede von der Einheit, die uns gegeben ist durch das Evangelium. Vers 13 beschreibt aber eine Einheit des Glaubens, die wir anstreben sollen, und das ist markiert von reifem göttlichem Charakter. Und das erreichen wir, indem wir eben in unserem Wesen verändert werden und heranreifen, sprich wachsen in der Heiligung. Die Einheit des Glaubens wird erreicht in dem Masse, wie die einzelnen Christen zu geistlicher Reife gelangen. Wenn sie, wie es hier heisst, wachsend zum Mass des vollen Wuchses der Fülle des Christus, dann beschreibt das eben, wie jeder einzelne heranreift. Und je reifer die Christen sind, desto mehr wird die Einheit des Glaubens auch offenbar.
Wenn dann die neuesten theologischen Errungenschaften kommen oder, wie es Vers 14 hier beschreibt, Winde der Lehre, und er beschreibt sie dann sehr treffend als Betrügerei der Menschen durch die Verschlagenheit zu listig ersonnenen Irrtum, dann sind das die Angriffswellen des Teufels, die er loslässt auf die Gemeinde, um das Werk Christi zu zerstören. Falsche Lehren, falsche Moralvorstellungen usw. Was passiert, wenn diese Dinge kommen? Wird die Gemeinde hin und her geworfen wie ein kleines Schiff im Wind? Nicht, wenn dieser Präventivdienst wahrgenommen wurde, nämlich wenn die Gemeinde unterwiesen ist in der Lehre, in der gesunden Lehre des Wortes Gottes, und diese Dinge entlarven kann. Das ist das Gegenmittel: die Wahrheit lehren, die Wahrheit reden, die Wahrheit festhalten.
Im Griechischen steht Wahrheit in einer Verbform, also in Liebe Wahrheiten müsste man ganz wortwörtlich übersetzen. Aber so wachsen wir hin zu ihm, der das Haupt ist. Und indem wir die Wahrheit mehr und mehr erkennen und leben, in Liebe, das ist das Entscheidende in Christus, dass wir das auch in Liebe tun, dann ist es so, dass Christus als Haupt der Gemeinde, des Leibes, den Leib mehr und mehr mit Leben füllt, weil eben diese Wahrheit Raum einnimmt. Und jedes Glied am Leib erfüllt seinen Zweck.
Vers 16: Aus dem der ganze Leib wohl zusammengefügt und verbunden durch jedes Gelenk der Darreichung, nach der Wirksamkeit in jedem Mass jedes einzelnen Teiles für sich das Wachstum des Leibes bewirkt. Jedes einzelne Glied tut das, was es tun soll. Und das führt zu Wachstum oder, wie es hier definiert wird, zur Selbstauferbauung des Leibes in Liebe. Das ist das Erkennungsmerkmal, dass alles geschieht in Liebe zwischen uns als Mitgliedern. Und wir können keine florierende Gemeinde sein, wenn wir als Glieder des Leibes Christi einander nicht in Wahrheit lieben.
Das ist keine schwache, billige Liebe, die sagt: Ach ja, wir lieben einander einfach und wir drücken immer die Augen zu und lassen fünf gerade sein. Es ist eine Wahrheit, die ernst ist, die eine Tiefe hat, denn diese Liebe wurzelt in Wahrheit. Wir glauben die Lehre, wir leben die Lehre und wir lieben die Wahrheit. Wärst du nicht gerne Teil so einer Gemeinde?
Vergesst nicht: Er vermag über die Massen mehr zu tun, als wir erbitten oder erdenken. Jemand hat mal gesagt: In unserer Zeit brauchen wir nicht mehr Verkäufer des Evangeliums, wir brauchen mehr Gratismuster. Wir müssen zeigen: This is what the Gospel does in life. Wir müssen in der Lage sein, den Leuten zu zeigen: Schau mal, so verändert sich ein Leben, wenn jemand an das Evangelium glaubt.
Kulturelle Normen um uns und durch die Impressivität der Medienpräsentationen: je weiter wir uns von der Realität der Liebe entfernen, desto mehr werden wir uns beeindrucken oder sogar verleiten lassen durch diese mediale Welt um uns herum und den Druck, den sie auf uns ausübt, und die Kultur und ihre Erwartungen, desto mehr werden wir uns von dieser Liebe in Wahrheit entfernen, von denen hier die Rede ist.
Das Rezept ist einfach, einfach, aber schwer umzusetzen, weil wir angegriffen werden von der Welt, vom Teufel, von den Dingen um uns herum. Aber je mehr die Gemeinde Schritt für Schritt hinwächst zu Christus, desto mehr werden die Fürstentümer und Gewalten in den himmlischen Örtern sehen, wie die mannigfaltige Weisheit Gottes sichtbar wird.
Es ist so, dass der Herr Jesus, zur Rechten des Vaters sitzend, weit über alle Herrschaft und Gewalt und Macht ist. Und die unsichtbare Realität, die alles beherrscht, ist, dass Jesus Christus eben zu Rechten des Vaters sitzt, über alle Fürstentümer und Gewalten regiert und herrscht. Alles hat er unter seine Füsse getan, und er ist das Haupt über allem, das Haupt der Gemeinde, weil die Gemeinde sein Leib ist, die Fülle in allem.
Lasst uns beten. Lasst uns auch einfach einen Moment still sein und darüber nachdenken, was wir gehört haben. Was möchte der Herr, dass wir mitnehmen von diesem Wort, das wir gerade betrachtet haben? Nach all den Menschenworten, die wir gehört haben, was will der Herr uns sagen durch diese Worte? Lasst uns einfach einen Moment still sein vor dem Herrn.
Herr, wir glauben, hilf unserem Unglauben. Herr, wir bitten, dass wir das wirklich im Glauben erfassen, dass du über die Massen mehr zu tun vermagst, als wir erbitten oder erdenken. Mach aus mir einen betenden Christen, mach aus meiner Gemeinde eine betende Gemeinde, und wenn wir mit Zuversicht und Freimütigkeit vor dich treten, dann bitten wir für jede Gemeinde, die hier repräsentiert ist, und wir bitten sogar für die weltweite Gemeinde, dass sie florieren möge in dem Dienst, den du ihr gegeben hast. Und mögen wir mehr und mehr umgestaltet werden in das Bild Christi, für deine ewige Ehre, zu deiner Verherrlichung. Amen.