Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist. Episode 534
Einführung: Die Dringlichkeit der Buße
Es ist fast zu spät. Die letzte Episode trug die Überschrift „Busse tut Not“. Zweimal wiederholt der Herr Jesus die Warnung: „Wenn ihr nicht Busse tut, werdet ihr alle ebenso umkommen.“
Dabei bezieht sich das Wort „ebenso“ nicht auf die Art des natürlichen Todes. Diese ist ja schon in den Beispielen, die Jesus anführt, unterschiedlich. Vielmehr meint er den geistlichen Tod. Wenn ein Mensch nicht Busse tut, wird er wie alle anderen ungläubigen Menschen auch umkommen.
Es ist deshalb klug, immer mal wieder einen Friedhof zu besuchen, um sich vor Augen zu führen, dass wir sterblich sind. Aber Jesus ist mit seiner eindringlichen Warnung noch nicht am Ende.
Was folgt, ist ein Gleichnis, das in Lukas 13,6-9 zu finden ist.
Das Gleichnis vom unfruchtbaren Feigenbaum
Er sagte aber dieses Gleichnis: Es hatte jemand einen Feigenbaum, der in seinem Weinberg gepflanzt war.
Er kam und suchte Frucht an ihm, fand aber keine. Da sprach er zu dem Weingärtner: „Siehe, drei Jahre komme ich und suche Frucht an diesem Feigenbaum und finde keine. Hau ihn ab! Wozu macht er das Land unbrauchbar?“
Der Weingärtner antwortete ihm: „Herr, lass ihn noch dieses Jahr stehen, bis ich um ihn graben und Dünger legen werde.
Wenn er künftig Frucht bringen wird, gut. Wenn aber nicht, so magst du ihn abhauen.“
Symbolik des Feigenbaums im Alten Testament
Bevor wir uns das Gleichnis anschauen, sei darauf hingewiesen, dass der unfruchtbare Feigenbaum ein Bild ist, das die Zuhörer Jesu aus der prophetischen Literatur des Alten Testaments kennen. Es steht nämlich als Symbol für das Volk Israel.
Geläufiger im Alten Testament ist in diesem Zusammenhang sicherlich das Bild des Weinstocks. Doch die Fruchtlosigkeit eines Feigenbaums taucht daneben auch immer wieder auf. So warnt Jeremia das Volk in Jeremia 8,12-13: „Darum werden sie fallen, wenn alles fällt, zur Zeit ihrer Heimsuchung werden sie stürzen, spricht der Herr. Wegnehmen, wegraffen werde ich sie, spricht der Herr. Keine Trauben sind am Weinstock und keine Feigen am Feigenbaum, und das Blatt ist verwelkt. So will ich Ihnen Menschen bestellen, die Sie verheeren werden.“
Auch Joel beschreibt das Gericht Gottes über das Volk Israel mit diesen Worten in Joel 1,6-7: „Denn eine Nation ist über mein Land heraufgezogen, mächtig und ohne Zahl. Ihre Zähne sind Löwenzähne, und sie hat das Gebiss einer Löwin. Sie hat meinen Weinstock zu einer Wüste gemacht und meinen Feigenbaum zerknickt. Sie hat ihn völlig abgeschält und hingeworfen, seine Ranken sind weiß geworden.“
Es ist wichtig, dass wir diese Verbindung zwischen dem Bild des Feigenbaums und Israel sehen, weil Jesus hier zu den Volksmengen redet. Er hat also sowohl den einzelnen Israeliten als auch das ganze Volk vor Augen.
Die Fruchtlosigkeit des Feigenbaums als Warnung
Lukas 13,6: Er erzählte dieses Gleichnis: Ein Mann hatte einen Feigenbaum, der in seinem Weinberg gepflanzt war. Er kam und suchte Frucht an ihm, fand aber keine.
Ich habe zwar keine große Erfahrung mit Feigenbäumen, aber eines weiß ich: Eigentlich sollten sie jedes Jahr Feigen tragen. Und genau das tut der Baum in diesem Gleichnis nicht – und das schon seit längerer Zeit.
Lukas 13,7: Da sagte er zu dem Weingärtner: „Siehe, drei Jahre komme ich und suche Frucht an diesem Feigenbaum und finde keine. Hau ihn ab! Wozu soll er auch das Land unbrauchbar machen?“
Hier spricht der Weinbergbesitzer zu seinem angestellten Weingärtner. Die Fruchtlosigkeit ist eine bekannte Tatsache: Seit drei Jahren bringt der Feigenbaum im Weinberg keine Frucht. Und das ist nicht alles. Er macht das Land unbrauchbar, das heißt, er verbraucht Platz und Nährstoffe, die den anderen Pflanzen drumherum fehlen.
Die völlig logische Konsequenz lautet: Hau ihn ab! Ein Feigenbaum, der keine Frucht bringt, muss weg. Er ist nutzlos und schädigt das Land. Dabei machen die drei Jahre, in denen der Weinbergbesitzer nach dem Feigenbaum schaut, deutlich, dass der Baum wirklich genug Zeit hatte, Feigen hervorzubringen.
Lukas 13,8: Der Weingärtner antwortete ihm: „Herr, lass ihn noch dieses Jahr stehen, bis ich um ihn grabe und Dünger gebe.“
Hier spricht der Angestellte. Er bittet um einen Aufschub. Er möchte es noch ein Jahr versuchen, den Boden auflockern, düngen und schauen, ob der Feigenbaum dann endlich Frucht bringt. Dabei dürfen wir uns vom Weingärtner nicht täuschen lassen: Er plädiert nur für einen Aufschub.
Lukas 13,9: „Und wenn er künftig Frucht bringt, gut; wenn aber nicht, so magst du ihn abhauen.“
Wenn der Weingärtner davon spricht, dass der Weinbergbesitzer ihn abhauen mag, meint er natürlich, dass dieser den Auftrag dazu geben soll. Der Schwerpunkt liegt hier ganz klar auf der drohenden Abholzung und der Kürze der Zeit – nur noch ein Jahr.
Es gibt noch mehr zu entdecken. Ein kurzer Ausflug in die Grammatik: In Lukas 13,9 gibt es zwei Bedingungssätze: Erstens „wenn er künftig Frucht bringt“ und zweitens „wenn aber nicht, so magst du ihn abhauen“. Auf Deutsch klingen beide Bedingungssätze gleich, doch im griechischen Original sind sie unterschiedlich.
Das griechische Original legt nahe, dass der erste Bedingungssatz eine mögliche, aber ungewisse Bedingung beschreibt, während der zweite Bedingungssatz eine Bedingung voraussetzt, die als realistisch und wahrscheinlich eingestuft wird. Die grammatikalische Konstruktion zeigt also, dass die Wahrscheinlichkeit, keine Frucht zu bringen, höher eingeschätzt wird als die Möglichkeit, Frucht hervorzubringen.
Was wird damit unterstrichen? Ganz klar: die Dringlichkeit der Situation. Jesus formuliert so, dass den Zuhörern zwei Dinge klar werden: Erstens, die Zeit für eine Umkehr ist begrenzt, und zweitens, die Aussicht auf eine tatsächliche Buße ist eher gering.
Der offene Schluss des Gleichnisses wirkt deshalb wie eine direkte Frage an die Zuhörer: Werdet ihr Frucht bringen oder nicht?
Übertragen wir das Gleichnis noch einmal: Mit einem Bild, das an das Volk Israel erinnert, beschreibt Jesus die Situation der Volksmengen. Sie sind es, die keine Frucht bringen. Und wir wissen, welche Art von Frucht hier gemeint ist – es geht immer noch um Buße.
Gott wartet schon eine Weile auf diese Frucht, schon einige Jahre. Spätestens seit den Predigten von Johannes dem Täufer ist klar, was Gott von Israel will, nämlich Buße.
Jetzt ist der Punkt erreicht, an dem sich seine Geduld langsam dem Ende zuneigt. Das Volk hat nur noch eine kurze Zeit, um mit Gott ins Reine zu kommen. Das Bild erinnert sogar an die Warnung von Johannes dem Täufer, wenn er von der Axt spricht, die schon an die Wurzel der Bäume gelegt ist.
Was es jetzt braucht, ist eine ganz schnelle Reaktion von Seiten Israels. Wenn diese nicht kommt, wird es für viele Israeliten zu spät sein.
Was kann man daraus lernen? Überlege einmal, welche Frucht Gott in deinem Leben findet. Frucht bezieht sich im Neuen Testament ja nicht nur auf Buße.
Das war es für heute. Falls du es noch nicht getan hast, schreibe deine Bekehrungsgeschichte auf. Wie hast du ganz konkret Buße getan?
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
Die Dringlichkeit und Wahrscheinlichkeit des Gerichts
Wo liegt hier der Schwerpunkt? Ganz klar auf der drohenden Abholzung und der Kürze der Zeit – noch ein Jahr. Und es gibt noch mehr.
Lust auf ein bisschen Grammatik? In Lukas 13,9 gibt es zwei Bedingungssätze: Erstens, „wenn er künftig Frucht bringt“, und zweitens, „wenn aber nicht, so magst du ihn abhauen“. Die beiden Bedingungssätze klingen auf Deutsch identisch, aber das sind sie im Original nicht.
Das griechische Original legt nahe, dass der erste Bedingungssatz eine mögliche, aber ungewisse Bedingung beschreibt, während der zweite Bedingungssatz eine Bedingung voraussetzt, die als realistisch und wahrscheinlich eingestuft wird. Die grammatikalische Konstruktion zeigt also an, dass die Wahrscheinlichkeit des Fehlens von Frucht höher eingeschätzt wird als das mögliche Hervorbringen von Frucht.
Und was wird damit unterstrichen? Ganz klar die Dringlichkeit der Situation. Jesus formuliert so, dass den Zuhörern zwei Dinge klar werden: Erstens, die Zeit für eine Umkehr ist begrenzt, und zweitens, die Aussicht auf eine tatsächliche Buße ist eher gering.
Der offene Schluss des Gleichnisses fungiert deshalb auch wie eine direkte Frage an die Zuhörer: Werdet ihr Frucht bringen oder nicht?
Die Botschaft des Gleichnisses für das Volk Israel und heute
Übertragen wir das Gleichnis noch einmal. Mit einem Bild, das an das Volk Israel erinnert, beschreibt Jesus die Situation der Volksmengen. Sie sind es, die keine Frucht bringen.
Wir wissen, welche Art von Frucht hier gemeint ist: Es geht immer noch um Buße. Gott wartet schon eine Weile auf diese Frucht, schon einige Jahre. Spätestens seit den Predigten von Johannes dem Täufer ist klar, was Gott von Israel will, nämlich Buße.
Jetzt ist der Punkt erreicht, an dem sich seine Geduld langsam dem Ende zuneigt. Das Volk hat nur noch eine kurze Zeit, um mit Gott ins Reine zu kommen.
Das Bild erinnert sogar an die Warnung von Johannes dem Täufer, wenn er von der Axt spricht, die schon an die Wurzel der Bäume gelegt ist. Was es jetzt braucht, ist eine ganz schnelle Reaktion von Seiten Israels. Wenn diese nicht kommt, wird es für viele Israeliten zu spät sein.
Persönliche Anwendung und Abschluss
Was könntest du jetzt tun? Überlege einmal, welche Frucht Gott in deinem Leben sieht. Frucht bezieht sich im Neuen Testament nicht nur auf Buße.
Das war es für heute. Falls du es noch nicht getan hast, schreibe deine Bekehrungsgeschichte auf. Wie hast du ganz konkret Buße getan?
Der Herr segne dich, lasse dich seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden. Amen.
