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Johannes 18,1-1131.03.1996
Jesus geht nicht weg vom Leid – er geht hinein, um dich herauszuholen. Die große Frage: Traust du ihm zu, dass er Schuld und Angst für dich trägt?

Die Szene im Garten und die erste Deutung

 Johannes 18,1-11 Die Gefangennahme Jesu im Garten Gethsemane.
Als Jesus das geredet hatte, ging er hinaus mit seinen Jüngern über den Bach Kidron. Dort war ein Garten, in den Jesus und seine Jünger hineingingen. Judas aber, der ihn verriet, kannte den Ort auch. Denn Jesus versammelte sich dort oft mit seinen Jüngern.
Als nun Judas die Schar der Soldaten mit sich genommen hatte, dazu Knechte von den Hohen Priestern und Pharisäern, kam er dorthin mit Fackeln, Lampen und Waffen. Da nun Jesus alles wusste, was ihm begegnen sollte, ging er hinaus und sprach zu ihnen: Wen sucht ihr?
Über diese Worte Jesu möchte ich heute hauptsächlich sprechen, darüber, wie Jesus diesen Menschen begegnet, die ihn fangen wollen: Wen sucht ihr?
Sie antworteten ihm: Jesus von Nazareth. Er spricht zu ihnen: Ich bin’s. Judas aber, der ihn verriet, stand auch bei ihnen. Der hat sich schon abgesetzt, der war auf der anderen Seite. Als nun Jesus zu ihnen sagte: Ich bin’s, wichen sie zurück und fielen zu Boden.
Da fragte Jesus sie abermals: Wen sucht ihr? Sie aber sprachen: Jesus von Nazareth. Jesus antwortete: Ich habe euch gesagt, dass ich es bin. Sucht ihr mich, so lasst diese gehen. Damit sollte das Wort erfüllt werden, das er gesagt hatte: Ich habe keinen von denen verloren, die du mir gegeben hast. Das ist aus dem hohenpriesterlichen Gebet.
Simon Petrus aber hatte ein Schwert und zog es und schlug nach dem Knecht des Hohen Priesters und hieb ihm sein rechtes Ohr ab. Und der Knecht hieß Malchus.
Da sprach Jesus zu Petrus: Steck dein Schwert in die Scheide. Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat?

Die Frage nach der Zumutung des Leidens

Ich habe in den letzten Tagen in einer Zeitschrift von einer Mutter gelesen, einer Pfarrfrau, die darüber schrieb, ob man Kindern überhaupt die Passionsgeschichte erzählen dürfe. Sie berichtete dann, dass sie sich in dieser Zeit immer wieder vergegenwärtige, wie sie als kleines Kind, als kleines Mädchen, vor ihrer Kinderbibel gehockt habe und auf das grausige Geschehen gestarrt habe.
Das Gesicht des geschlagenen Jesus – man kann verstehen, was diese Frau meint. Kann man das Kindern zumuten? Wie das Blut über das Gesicht läuft, die Dornenkrone, dann die schrecklichen Folterungen und der gemeine Verrat des Judas: Kann ein Kind mit seiner zarten Seele das überhaupt verkraften? Und überhaupt die schreckliche Hinrichtung der Kreuzigung – wenn man das richtig auf sich wirken lässt, wird es ja unerträglich.
Das greift uns so an, wenn man sieht, wie sie Jesus foltern, ihn da hinaustragen und dann hängen lassen, bis er endlich qualvoll stirbt. Nun ist es ja so eine Frage: Sollen Kinder das wissen? Sollen sie überhaupt mit der Realität unserer Welt konfrontiert werden? Denn das Leiden Jesu ist ja wirklich passiert.
In unseren Tagen ist man heute ja nicht so zimperlich, schon was man tagtäglich ganz frei zugänglich vor unseren Kindern ausbreitet, was sie alles ansehen müssen, ob das über den Fernsehschirm flimmert oder ob das in Zeitungen kommt: Bilder von Massenkarambolagen oder von Terrorattacken und wie da die Überreste zusammengelesen werden, oder wie verhungerte Menschen da liegen, oder was alles an Grausamem geschieht in den Kriegen, zerstörte Häuser, Menschen auf der Flucht und schreckliche Bilder, die man jedem zumutet.
Und sonst ist man auch nicht so und sagt, man müsse unsere Kinder eigentlich ganz nüchtern aufklären. Warum ist man eigentlich plötzlich so zart und so zurückhaltend, wenn es darum geht, unsere Kinder darauf zuzurüsten, nicht bloß auf das, was sie in dieser Welt erwartet, sondern auch auf das, was in unserem eigenen Herzen an Gemeinheit und Bosheit drinstecken kann.

Die Passion als Liebes- und Rettungsgeschichte

Und das ist eigentlich niederdrückend, dass Jesus so ein Opfer bringen muss. Eigentlich müsste man es ja noch steigern: Das ist nötig, weil meine Schuld gebüßt werden muss.
Und natürlich müssen es Kinder wissen. Aber es ist doch ein himmelweiter Unterschied zwischen all den schrecklichen Reports, die man hören kann von den Kriegen und von Mord und von Unfällen und von der elenden Welt, und dem, was die Passionsgeschichte erzählt.
Die Passionsgeschichte ist doch gar nicht niederdrückend. Dann haben sie es damals als Kind falsch gehört, dann erzählen sie es auch falsch ihren Kindern. Sondern das ist doch eine ungeheure Liebesgeschichte: So sehr hat Gott diese Welt geliebt. Das ist eine Rettungsgeschichte, wie man erzählt von einem Feuerwehrmann, der da Leute noch herausholt aus einem brennenden Haus und dabei alles riskiert und vielleicht am Ende selber noch schwer verletzt gerettet wird.
Das ist doch eine Liebesgeschichte, was Jesus alles tut, um uns zu retten. Und das ist eine Freudenbotschaft, darum nennt man es Evangelium. Und da steht doch gar nicht das Leiden im Vordergrund. Das ist doch bloß kurz der Punkt, aus dem wir kommen. Aber Jesus hat doch gerade das Ziel, das Leiden zu besiegen, zu überwinden, dass uns das Leiden nicht mehr erdrücken kann, weil er uns zum Leben rufen will, weil er gekommen ist, zu retten und frei zu machen.
Wir hören ja in unseren Tagen immer wieder den Schrei von Menschen, die da sehr vorwurfsvoll und sehr voller Anklage gegen Gott rufen und sagen: Wo ist denn die Liebe Gottes in unserer unheimlichen Welt? Und dann zählen sie es auf und sagen: In dieser Welt, wo gebombt wird und wo gestritten und wo gehungert wird und wo gelitten wird, wo ist denn Gottes Liebe?
Und da müssen wir sagen: Gerade da ist sie, wo Jesus, der Sohn Gottes, hineingeht in all die finsteren Örter, wo gelitten wird und wo gesäuft und geklagt wird. Fürwahr, er trug unsere Krankheit und nahm auf sich unsere Schmerzen. Er ist um unserer Missetat willen verwundet, um unserer Sünde willen zerschlagen.
Eine Liebesgeschichte, eine Freudenbotschaft.

Die Majestät Jesu im Angesicht der Bedrohung

Mein erster Punkt: Seht, welch eine Liebe!
Ich weiß nicht, wie Sie sich den Garten Gethsemane vorstellen. Vielleicht war es so eine Art Landgut, von einer Mauer umgeben. Dort standen Olivenbäume, dort war in einer Höhle eine Ölpresse, und Jesus ging gern dorthin, besonders über den Sabbat, weil es von den Städten des Tempels den Sabbatweg weit weg war. Jesus zog sich dort gern mit seinen Jüngern zurück.
Es ist doch etwas Schönes, so ein Parkgelände, so ein Ort des Friedens, wo man am Abend sitzen kann. Und weil es am Ölberg lag, konnte man hinüber auf den Tempel sehen. Aber in dieser Nacht ist es ein großer Mord. Nichts mehr von der Lieblichkeit. Das kann ja auch bei uns so schnell sich verändern. Ehe man sich versieht, ist man mittendrin in Spannung, in Druck, in Aufregung. Da drängt plötzlich eine ganze Masse Menschen in diesen Garten Gethsemane hinein.
Sie kommen bewaffnet. Es sind Soldaten, aber auch Helfershelfer der Tempelwache sind dabei. Sie haben Lampen angesteckt und Fackeln angezündet. Also entschuldigen Sie, wenn ich es mir mit einem heutigen Bild so ein wenig darstellen wollte, weil das alles so abrupt und so plötzlich geht. So wie es bei einem Polizeieinsatz ist, wenn die da irgendwo etwas ausheben müssen, bei Nacht. Plötzlich sind sie da. Und dann wird es unheimlich.
Heute zündet man eine Blendgranate an, und die haben da geschwind ihre Fackeln angezündet. Es ist gespenstisch in diesem Licht, wie da das Licht brennt. Und die treuen Freunde Jesu erschrecken. Sie wollen einfach davonrennen. Ich kann die gut verstehen in solch einem Augenblick, wo es plötzlich gefährlich wird und wo man die Angst des Lebens kriegt.
Was ist denn das mit der Angst des Lebens? Warum denn? Warum kommt das denn bei uns plötzlich? Weil wir unsere Sicherheiten immer nur für kurze Zeit haben. Und wenn dann etwas ganz Unerwartetes kommt, eine schlimme Krankheit, eine böse Todesnachricht oder irgendein schlimmes Geschehen, dann fallen wir in Tiefen. Dann wissen wir nicht mehr, was wir machen sollen: ausweglos, hoffnungslos.
Und so wollen sie einfach davonrennen. Sie wissen, wie bedroht ihr Leben ist. Und bloß Jesus steht da mit einer ganz großen Ruhe. Es hat uns nur Johannes eigentlich so deutlich beschrieben. Jeder der Evangelisten hat ja etwas Besonderes hervorgehoben. Alle waren dabei, aber das wurde dem Johannes ganz besonders eindrücklich: wie Jesus souverän, majestätisch dasteht vor diesen mit ihrem Feuer, mit ihrer Aufregung, mit diesen Waffen, mit diesem ganzen chaotischen Anblick, der sich da bietet. Und diese große Ruhe Jesu.

Gebet, Angst und das bewusste Hineingehen in das Leiden

Es ist gut, dass festgehalten ist, dass Jesus diese Ruhe vorher auch nicht hatte. Jesus hatte Anteil an unserer kreatürlichen Angst, und Jesus hat stundenlang gebetet. Das ist ein Tipp für Sie: Wenn Sie in großer Angst sind, lernen Sie das von Jesus.
Vater, ist das jetzt vom Teufel oder kommt das von dir? Und mach mein Herz fest, wenn ich den Kelch trinken muss. Und wenn es unter deiner Kontrolle geschieht, dann will ich Ja dazu sagen, dann darfst du mir das auch zumessen.
Nachdem Jesus sich dreimal zum Gebet zurückgezogen hat, geht er in dieser großen Sicherheit, in dieser großen Gelassenheit dem entgegen, was auf ihn wartet. Es waren furchtbar schwere Stunden.
Es wird erzählt, dass Jesus vorher gezittert hat, dass Jesus gezagt hat und dass die Angst ihn überfiel. Ist es nicht wunderbar, dass uns Jesus den Schritt vorangeht, wie man Angst überwinden kann, indem man sich beim ewigen Gott birgt in seinem Frieden?
Und dann geht Jesus ganz bewusst darauf zu, obwohl er schon weiß, was jetzt alles an Schrecklichem geschehen wird. Er weiß, dass er die Last der ganzen Schuld der Welt tragen muss. Er ist das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt, hinausgestoßen als das Fluchopfer für uns. Ich bin’s, ich bin’s!
Ich wollte Ihnen heute Morgen dies nur vor die Augen zeichnen, damit Sie es nie vergessen können: Jesus hat es uns gesagt, dass er für uns das eine Opfer geworden ist, das die Schuld der Welt wegträgt.
Mir ging es wie Ihnen. Ich habe mein Leben oft gekrübelt, sagt man. Gibt es das wirklich, dass ein anderer für mich das alles tragen kann? Ist es wirklich möglich, dass Jesus das tun kann? Und verstehen kann man es nicht. Natürlich kann man es nicht verstehen. Man kann es immer nur wieder hören, so wie Jesus es zuspricht: Ich bin es, ich bin es.
Er geht diesen Weg nicht, weil da irgendetwas Schlimmes abläuft, sondern weil der Vater ihm diesen Weg vorgeschrieben hat, so wie es schon der Prophet Jesaja angekündigt hat: Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten.
Und jetzt können wir einstimmen in das Freudengebrüll: Danke, Herr Jesus, dass du für mich das Opfer geworden bist, dass du bei mir die Zeche bezahlst, dass du die Schuld ganz getragen hast, bis zur letzten Stelle hin. Ich kann nichts mehr von der Schuld meines Lebens wiedergutmachen. Ich kann nichts bereinigen. Ich lebe von dieser unverdienten Güte, von deiner unverdienten Barmherzigkeit. Vielen, vielen Dank, Jesus, dass du für mich das Opfer geworden bist.
Ich bin’s! So hat sich Gott schon vorgestellt, als er einst dem Mose am Horeb erschienen war: Ich bin’s, ich bin’s. So ist Jesus den angsterfüllten Jüngern auf dem See erschienen: Fürchtet euch nicht, ich bin’s. Und so sollen sie es wissen, wenn sie den Gekreuzigten sehen und ihren Kindern sagen: Da ist die Liebe Jesu drin für uns. Welch eine Liebe! Der, der meine Schuld trägt und so trägt, dass nichts mehr übrig bleibt. Vollkommen, damit ich Frieden habe.

Die Sendung zum Leben und die Kraft der Stellvertretung

Das andere, was Jesus sagt: Wir sollen leben. Wir sollen leben.
Es war ein komischer Moment, als diese Soldaten, die ihn da fangen wollten, plötzlich erschrocken zurückwichen. Es waren ja stabile Männer. Aber wie das in einer Nacht so zu gehen pflegt, hatten sie offenbar eine harte kämpferische Auseinandersetzung vermutet. Und da geschieht plötzlich das: Dieses majestätische, souveräne Wort Jesu, der ganz still dasteht und nur sagt: Ich bin’s, da, fangt mich doch, nehmt mich mit, erschreckt sie mehr als aller Kampf.
Und sie wichen zurück. Dann sagt Jesus noch fürsorgend: Lasst doch diese gehen. Auch das hat uns nur Johannes übermittelt in seinem Evangelium: Lasst doch diese gehen. Und dann dachte er an seine Jünger: Lasst doch diese gehen.
Vielleicht fiel denen ein Stein vom Herzen. Vielleicht hatten sie immer Angst davor, was jetzt geschehen wird, wenn sie in die Verliese gesperrt werden, wenn man sie foltert, wenn man sie quält. Aber merkwürdig war: Als die Jünger dann weggegangen waren, haben sie gar keinen Frieden gefunden. Selbst als Jesus auferstanden war, hatten sie immer noch Furcht. Da hatten sie die Türen verriegelt, immer noch diese Angst: Jetzt kommen sie gleich, jetzt werden wir abgeführt.
Wo haben denn diese Jünger Jesu erst den Frieden, die Sicherheit und die Gewissheit gefunden? Wo? Als Jesus als der Auferstandene unter sie trat und sagte: Friede sei mit euch. Und er zeigte ihnen die Nägelmale.
Also, das ist das andere, was ich Ihnen heute sagen muss: Jesus will Ihnen Leben schenken. Und die Passionsgeschichte macht Ihnen Mut: Wir sollen leben. Er will Ihnen unbegrenztes, fröhliches, reiches Leben geben. Das will Sie ermutigen, die jungen Menschen unter uns, vor denen noch die ganze Fülle des Lebens steht, die Alten, die nicht im Herbst stehen, wo schon die Blätter fallen, sondern Jesus will ihnen Leben geben. Jeder Tag ist erfüllt in der Gegenwart Jesu Christi. Sie sollen leben, und sie dürfen das ganz neu entdecken und sich freuen.
Ich möchte Ihnen das einfach so vor die Augen malen, wie das in der Bibel immer wieder eigentlich der Angelpunkt der Freude war, so wie ich Sie heute in diesem Gottesdienst auch begrüßt habe: Gott ist für uns, wer kann jetzt noch gegen uns sein? Er hat ja seines eigenen Sohnes nicht verschont, sondern ihn für uns alle dahingegeben. Er hat gesagt: Ich komme, mich könnt ihr gefangen nehmen, lasst die gehen. Für uns dahingegeben, damit wir leben.
Jetzt ergreifen sie das Leben. Jetzt leben sie in neuer Intensität und Hingabe und Freude, ohne Furcht, ohne Angst in der Gegenwart Jesu. „Lasst diese gehen“, das war Jesus wichtig. Ihr sollt doch leben!

Die unverdiente Gnade für Schuldige und die persönliche Aneignung

Oder, um es anders zu sagen: Paulus sagt im Galaterbrief, dass es heißt: „Für uns dahingegeben“. So lebe nun nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir. Und was ich nun im Fleisch lebe, in meinem irdischen Leben, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich dahingegeben hat.
Es ist unverdient, dass wir frei leben dürfen. Die alten Dinge sind weggetan, weggeräumt und spielen keine Rolle mehr. Das war Jesus wichtig: dass er mich herausholt.
Das Geheimnis der Stellvertretung
Ich habe schon vorhin gesagt: Verstehen kann ich es nicht. Aber dass dies von den ersten Tagen an in der Offenbarung Gottes schon als Geheimnis sichtbar wird, etwa wenn Abraham den Isaak am Berg Moria auf dem Altar bindet, ist ein Geheimnis Gottes.
In allen Völkern der Welt ist noch ein Wissen da, dass Schuld unheimlich ist. Nur bei denen, die einmal christlich erzogen wurden, ist das Wissen um die Schuld fast verdrängt. Es ist die einzige unter der Weltbevölkerung. In allen Religionen ahnt man noch die Größe der Schuld. Was kann ich tun zur Versöhnung für meine Schuld?
Das Evangelium bringt einen Höhepunkt: Schuld kann nur beseitigt werden durch das stellvertretende, unverdiente Opfer. Jesus sagt: Ich bin’s, lass die anderen gehen. Und er geht für uns in den Tod. Darum ist das eine Freudengeschichte.
Noch ein Letztes: Alle sollen davon profitieren, wenn man das liest, wie Jesus ein Opfer bringt und sagt: Lass die doch gehen. Man möchte doch sehr kritisch hinzufügen: Die haben es ja gar nicht verdient. Die waren doch so treulose Leute. Wenn sie wenigstens in dieser einen Nacht, als die Mächte der Finsternis so aktiv waren, Jesus ein bisschen besser zur Seite gestanden wären und mit Jesus gebetet hätten, wenn sie wenigstens Jesus nicht verleugnet hätten, wenn sie wenigstens nicht doch ...
Es ist gut, dass im Evangelium drinsteht, dass Jesus für solche Leute gestorben ist. Und das macht die Freudenbotschaft des Evangeliums erst so groß. Jesus ist für Unwürdige gestorben, für die, die ihn mit Füßen treten, für die, die ihn verleugnen, die ihn verlassen, die ihn verpfeifen, die sein Wort brechen, die ihm ungehorsam sind.
Es ist so eine wunderbare Sache um diese grenzenlose Gnade Gottes, die so groß ist, dass Jesus das alles trägt. Damit wir leben, lässt er die anderen gehen. Und er trägt das alles für uns.

Die persönliche Antwort auf das vollbrachte Werk

Ich habe immer wieder gedacht, ich müsste Ihnen heute eine Geschichte erzählen, irgendwo, wie Menschen das erlebt haben. Wir erleben das sofort während, wie Menschen plötzlich, vielleicht sind sie schon Jahre Christ, über einer ganz grossen Not ihres Lebens erst richtig erfahren, wenn sie ein Beichtgespräch führen, das vor Jesus als Schuld offen bekennen, bereuen und loslassen.
Und dann heisst es ganz unglaublich: Jetzt ist wirklich alles beseitigt, einfach weil Jesus dafür gestorben ist.
Ich dachte, ich muss gar keine Geschichte mehr erzählen. Jetzt fängt Ihre Lebensgeschichte an. Jetzt dürfen Sie das umsetzen in der grossen Freude. Und wenn Sie heute hergekommen sind in grosser Traurigkeit, in Todesangst, in Zweifeln und in Anfechtung, in Not, dann dürfen Sie es wissen.
Für mich ist Jesus hineingegangen. Er hat gewusst: Der Vater legt es auf mich, damit sie Frieden hätten. Sie sollen den Frieden Gottes haben, damit sie fröhlich und getrost leben. Und dann wissen: Gott ist für mich, wer kann jetzt noch gegen ihn sein?
Er ist da, der mich gerecht macht. Es ist alles in Ordnung. Und ich freue mich, dass Jesus mich nicht loslässt, dass er mich so fest bei seiner Hand hält, dass gar nichts mehr mich von ihm losreissen kann. Nicht weil ich so fest glauben würde, sondern weil er mich so fest hält, aus lauter unverdienter Gnade.
Amen.