Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist. Episode 636
Die Frage nach dem ewigen Leben
Der reiche Jüngling – Teil 2
Ein Oberster kommt zu Jesus, weil er eine Frage hat. Er sagt: „Guter Lehrer, was muss ich getan haben, um ewiges Leben zu erben?“ Die Frage ist einfach. Hier möchte jemand wissen, ob das, was er tut, ausreicht, um ins ewige Leben zu gelangen.
Zu Jesus kommt also ein junger Mann, dem seine Religion ernst ist. Sein Problem ist, dass er keine Gewissheit hat. Er weiß nicht, ob all seine Anstrengungen am Ende genügen. Deshalb fragt er diesen Rabbi aus Nazaret, von dem er glaubt, dass er ihm eine Antwort geben kann.
Dass er dabei trotz seiner gesellschaftlichen Stellung als Oberster vor Jesus auf die Knie fällt, zeigt, wie wichtig ihm dieses Anliegen ist. Er sagt noch einmal: „Guter Lehrer, was soll ich tun, damit ich ewiges Leben erbe?“
Die Bedeutung der Güte Gottes
Die Antwort, die Jesus diesem Mann gibt, enthält mehrere wichtige Aspekte. Zuerst macht Jesus ihm klar, dass nur einer wirklich gut ist, nämlich Gott selbst. „Niemand ist gut als nur einer: Gott“ (Lukas 18,19).
Warum ist es wichtig, dass der Oberste diesen Punkt gleich zu Beginn versteht? Ganz einfach: Jeder, der gerettet werden will, muss sich von der Vorstellung verabschieden, ein guter Mensch zu sein. Wirklich gut im umfassenden Sinn ist nur Gott. Menschen können gütig sein, aber nicht völlig gut.
Jeder Mensch muss einsehen, dass er sich nicht selbst retten kann. Im Hinblick auf das Problem Sünde und Verlorenheit ist er nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems. Ohne den, der allein gut ist – also ohne Gott – gibt es für den Sünder keine Hoffnung.
Bis zu diesem Punkt verstehe ich die Antwort des Herrn Jesus sehr gut. Schwieriger wird es für mich bei dem, was danach folgt.
Gebote und Leben – eine scheinbare Spannung
Matthäus 19,17: Er aber sprach zu ihm: „Was fragst du mich über das Gute? Einer ist der Gute. Wenn du aber ins Leben hineinkommen willst, so halte die Gebote.“
Spätestens an dieser Stelle werden viele Christen stutzen. Wie kann Jesus so etwas sagen? „Wenn du aber ins Leben hineinkommen willst, so halte die Gebote.“ Warum formuliert Jesus das nicht so, wie Paulus es beim Kerkermeister in Philippi tut?
Apostelgeschichte 16,30-31 berichtet: „Und er führte sie heraus und sprach: ‚Ihr Herren, was muss ich tun, dass ich gerettet werde?‘ Sie aber sprachen: ‚Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst gerettet werden, du und dein Haus.‘“
Das klingt doch nach der richtigen Antwort – und nicht nach dem, was Jesus sagt. So jedenfalls ist unser spontanes Denken, oder?
Die Verbindung von Glauben und Gehorsam
Frage: Woher kommt dieses Denken? Die Antwort ist ganz einfach: Wir haben uns daran gewöhnt, Glauben gegen Gebote oder Gehorsam auszuspielen.
Das erscheint mir jedoch im Licht dessen, was Jesus sagt, völlig unmöglich.
Ein gedanklicher Einschub: Niemand sollte denken, dass Jesus zum Alten Bund gehört und deshalb Gebote verlangt, während Paulus zum Neuen Bund gehört und auf den Glauben pocht. Dieses Denken ist in vielerlei Hinsicht falsch.
Erstens gehört Jesus zum Neuen Bund, weil dieser mit seinem Predigtdienst beginnt. Zweitens ist Rettung auch im Alten Bund keine Frage des Gehorsams, sondern ausschließlich des Glaubens. Drittens ist Jesu Forderung nach Gehorsam Ausdruck gelebter Bundestreue.
In der biblischen Heilsgeschichte ist echter Glaube niemals nur ein bloßes Fürwahrhalten von religiösen Aussagen. Vielmehr ist er stets ein gehorsames Vertrauen.
Es gibt also keinen Gegensatz zwischen Jesus und Paulus. Wo wir einen solchen wahrnehmen, müssen wir unser Denken überdenken.
Glauben als Vertrauen und Treue
Vielleicht muss ich das noch etwas deutlicher sagen. Das Wort für Glauben, griechisch Pistis, wird auf zwei Weisen verwendet. Es beschreibt sowohl mein Vertrauen in Gott als auch meine Treue zu Gott.
Als Gläubiger bin ich jemand, der Gott vertraut und selbst vertrauenswürdig ist. Der zweite Aspekt fällt heute im evangelikalen Denken gerne etwas unter den Tisch, was schade ist, denn er ist wichtig.
Lasst mich dazu zwei Stellen zeigen. Hebräer 11,8: Durch Glauben war Abraham, als er gerufen wurde, gehorsam auszuziehen an den Ort, den er zum Erbteil empfangen sollte. Und er zog aus, ohne zu wissen, wohin er komme. Durch Glauben sind wir gehorsam.
Ich denke, man darf diese Idee auch umdrehen: Wer im Ungehorsam lebt, lebt nicht aus Glauben. Ungehorsam ist immer gelebter Eigenwille, aber niemals gelebter Glaube.
Oder schaut mal hier: Eine ganz bekannte Stelle aus dem Alten Testament, die dreimal im Neuen Testament zitiert wird. Habakuk 2,4: Siehe, die verdiente Strafe für den, der nicht aufrichtig ist. Der Gerechte aber wird durch seinen Glauben leben.
Die Bedeutung von Treue im Glauben
Nun ist es besonders spannend zu betrachten, was im Original, also im Hebräischen, für das Wort „Glaube“ steht.
Die Antwort lautet: Es ist das hebräische Wort für „Treue“. Das mag uns zunächst nicht passen, aber es ist so. Man könnte den Satz also folgendermaßen übersetzen: „Der Gerechte aber wird durch seine Treue leben.“
Dieses Wort „Treue“ ist dasselbe, das auch für die Treue Gottes verwendet wird. Zum Beispiel heißt es in Psalm 36, Vers 5: „Herr, an den Himmel reicht deine Gnade, deine Treue bis zu den Wolken.“
Ebenso lesen wir in Psalm 92, Verse 2 und 3: „Es ist gut, den Herrn zu preisen und deinen Namen, du Höchster, zu besingen, am Morgen deine Gnade und deine Treue in den Nächten zu verkünden.“
Der Gerechte lebt also durch seine Treue. Im Neuen Testament wird dieser Vers dann zitiert, und das hebräische Wort wird mit dem griechischen Wort für Glaube, Pistis, wiedergegeben.
Vertrauen und Gehorsam als Einheit
Was heißt das? Es bedeutet, dass aktives Vertrauen in Gott und gelebte Treue zu seinen Geboten dasselbe Verhalten beschreiben. Oder anders gesagt: Es ist immer der Gerechte, der ewiges Leben erhält – und zwar durch seinen Glauben beziehungsweise seine Treue. Ewiges Leben ist nicht für Ungerechte bestimmt.
Umkehr zu Gott bedeutet immer auch eine Umkehr zum Gehorsam. Wenn Jesus also auf die Gebote verweist, bewegt er sich damit auf neutestamentlichem Terrain. Wir würden das vielleicht nicht so formulieren, doch das liegt nur daran, dass wir die enge Beziehung zwischen Vertrauen und Gehorsam weniger deutlich vor Augen haben.
Bei Paulus ist diese Verbindung so eng, dass er sogar von Glaubensgehorsam sprechen kann. Ich denke, wir tun gut daran, unseren Sprachgebrauch an den des Herrn Jesus und seiner Apostel anzupassen.
Es gibt meines Erachtens zu viele Christen, die eigenwillig und sündhaft leben, sich für gerettet halten, aber verloren gehen werden, weil sie das mit dem Glaubensgehorsam nicht verstanden haben.
Wer ewiges Leben haben will und danach fragt, was er dafür tun muss, kommt an den Geboten Gottes nicht vorbei. Dabei sind die Gebote nicht ein Mittel, um sich den Himmel zu erarbeiten, sondern Ausdruck echten Vertrauens. Wer Gott glaubt, tut, was er sagt – oder er glaubt ihm eben nicht.
Einladung zur Reflexion und Abschluss
Was könntest du jetzt tun? Nimm dir noch etwas Zeit, um über die Verbindung von Vertrauen und Gehorsam nachzudenken.
Suche eine Gelegenheit, um diese Zusammenhänge einer anderen Person zu erklären.
Das war es für heute. Wenn du aus dem Podcast einen Hauskreis machen möchtest, findest du auf www.frogwords.de einen Prompt für eine KI. Der Link ist im Skript enthalten.
Der Herr segne dich, lasse dich seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden. Amen.
