Gott wird Mensch
Gott wird Mensch
Die Frage nach dem Rang und der wahren Lehrerschaft
Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist
Episode 726
Warnung vor den Schriftgelehrten und Pharisäern, Teil vier
Die Pharisäer und die Schriftgelehrten lieben es, wenn man sie Rabbi, Lehrer nennt. Jesus findet das falsch und hält dem ein Verbot entgegen.
Matthäus 23,8
Ihr aber, lasst ihr euch nicht Rabbi nennen, denn einer ist euer Lehrer, ihr alle aber seid Brüder.
Lasst euch nicht Rabbi nennen. Wen spricht der Herr Jesus hier an? Mir scheint, dass Jesus hier besonders seine Jünger meint. Es sind die Personen in der Zuhörerschaft, die ihn als ihren Lehrer anerkennen. Und wenn ich zu der Gruppe der Jesusjünger gehöre, Jesus also mein Rabbi ist und ich sein Schüler bin, dann geziemt es sich nicht, dass irgendwer mich Rabbi nennt.
Warum nicht? Weil nur einer Lehrer ist, nämlich Jesus. Damit soll sich die Gemeinschaft der Jünger bewusst von den Schriftgelehrten und Pharisäern abheben. Gute Lehre bleibt weiterhin in der Gemeinde wichtig, aber Jesus verbietet seinen Jüngern, dass aus dem Dienst des Lehrers ein Titel und damit ein Rang abgeleitet wird.
Ihr alle aber seid Brüder. In der Gemeinde steht der Bibellehrer nicht über dem Rest der Geschwister. Wir sind Brüder, besser Geschwister, wir stehen auf einer Stufe. Es gibt in der Gemeinde zwar unterschiedliche Aufgaben, aber es gibt kein Oben und Unten.
Wo die Schriftgelehrten und Pharisäer Titel lieben, streckt sich echte Jesusfrömmigkeit nach Demut und Gemeinschaft aus.
Nachdenken, Prüfen und die Grenzen menschlicher Autorität
Lasst mich dazu noch drei Anmerkungen machen.
Wenn Jesus sagt, dass nur einer Lehrer ist, dann meint er damit, dass er allein die abschließende Lehrautorität besitzt. Wenn wir wissen wollen, was Gott will, dann müssen wir uns mit den Worten Jesu beschäftigen.
Ich will nicht behaupten, dass die Auslegung der Bibel immer ganz einfach ist. Das ist sie nicht. Aber gleichzeitig müssen wir uns wirklich davor hüten, kirchliche Traditionen, theologische Modelle, die Offenbarungen von Propheten oder unsere eigenen Gedanken in die Worte Jesu hineinzulesen.
Die Bibel selbst betont den Wert des Nachsinnens über Gottes Wort: Psalm 1, die Verse 1 und 2. Glücklich der Mann, der nicht folgt dem Rat der Gottlosen, den Weg der Sünder nicht betritt und nicht im Kreis der Spötter sitzt, sondern seine Lust hat am Gesetz des Herrn und über sein Gesetz Tag und Nacht nachsinnt.
Psalm 119, die Verse 11, 15, 16, 97 und 148: In meinem Herzen habe ich dein Wort verwahrt, damit ich nicht gegen dich sündige. Deine Vorschriften will ich bedenken und beachten deine Pfade. An deinen Satzungen habe ich meine Lust, dein Wort vergesse ich nicht. Wie lieblich ist dein Gesetz! Es ist mein Nachdenken den ganzen Tag. Meine Augen sind den Nachtwachen zuvorgekommen, um nachzudenken über dein Wort.
Warum ist das Nachsinnen, das Nachdenken, das Verwahren und Nichtvergessen so wichtig? Ganz einfach: Weil echte Kompetenz im Umgang mit dem Wort Gottes aus dem Umgang selbst erwächst. Deshalb schreibt Paulus: Das Wort des Christus wohne reichlich in euch.
Natürlich macht es auch Sinn, sich mit etwas Auslegungstheorie zu beschäftigen. Aber schlussendlich geht es darum, dass wir nicht nachplappern, was wir von anderen gehört haben, sondern eigene Überzeugungen entwickeln. Und das geht nur, wenn wir selbst über kleine Häppchen der Bibel intensiv nachdenken.
Ich will es in aller Deutlichkeit sagen: Dieser Podcast ist kein Ersatz fürs eigene Nachsinnen. Er kann eine Anregung sein, aber niemals ein Ersatz. Ich lehre, aber Jesus ist der Lehrer. Und jeder meiner Zuhörer tut gut daran, meine Worte immer wieder mit dem abzugleichen, was der Herr Jesus sagt.
Als Bibellehrer kann ich lehren, aber ich kann meinen Zuhörern das Nachsinnen und schon gar nicht das Verwahren im Herzen nicht abnehmen.
Verantwortung von Lehrern und Hörern in der Gemeinde
Zweitens: Der Herr Jesus verbietet seinen Jüngern, sich Rabbi nennen zu lassen. Gleichzeitig darf ein Lehrer darauf bestehen, dass man ihn als solchen wahrnimmt. Und das gilt natürlich vor allem dann, wenn der Lehrer auch Leiter ist, sei es innergemeindlich oder übergemeindlich.
Hebräer 13,7.17: Gedenkt eurer Führer, die das Wort Gottes zu euch geredet haben; schaut den Ausgang ihres Wandels an und ahmt ihren Glauben nach. Gehorcht und fügt euch euren Führern, denn sie wachen über eure Seelen als solche, die Rechenschaft geben werden, damit sie dies mit Freuden tun und nicht mit Seufzen; denn dies wäre nicht nützlich für euch.
Epheser 4,11-12: Und er hat die einen als Apostel gegeben und andere als Propheten, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, zur Ausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes Christi.
Bringen wir die Gedanken zusammen. Der Bibellehrer steht nicht über seinen Geschwistern, er bleibt Bruder unter Brüdern und Schwestern. Doch er dient der Gemeinde mit einer Gabe, die in Lehrfragen ernst genommen werden muss. Ein Lehrer darf nicht verlangen, dass man ihm ungeprüft folgt. Aber die Gemeinde soll seine Gabe auch nicht so behandeln, als wäre sie geistlich belanglos.
Nicht jeder Christ ist ein begabter Lehrer, nur weil er den Heiligen Geist besitzt. Es stimmt zwar, dass uns der Heilige Geist dabei hilft, biblische Zusammenhänge zu verstehen. Wir sind als Christen privilegiert, aber wir sind trotzdem nicht alle von Natur aus oder durch Begabung gute Bibellehrer. Geistliche Mündigkeit bedeutet nicht, dass jeder jede Lehrfrage gleich gut beantworten kann. Sie bedeutet, dass die Gemeinde Lehrer achtet und zugleich alles am Wort Gottes prüft.
Die Beröer sind da ein tolles Vorbild. Apostelgeschichte 17,11: Diese aber waren edler als die in Thessalonich; sie nahmen mit aller Bereitwilligkeit das Wort auf und untersuchten täglich die Schriften, ob dies sich so verhielte.
Die Beröer hören Paulus aufmerksam zu, aber sie prüfen das Gesagte an den Schriften. Und schlussendlich müssen Bibellehrer sich fragen lassen, warum sie dienen. Will ich als Rabbi wahrgenommen werden? Sonne ich mich in der Menge meiner Follower? Erlebe ich die bestätigenden Kommentare und E-Mails? Was ist meine Motivation? Was steckt da in meinem Herzen? Will ich als Lehrer wahrgenommen, eingeladen, finanziert und ein bisschen gefeiert werden?
Einerseits fordert mich das Wort Gottes auf, als Lehrer auch fleißig zu lehren. Andererseits darf ich es nicht um des Geldes oder der Anerkennung willen tun. Jeder Lehrer steht deshalb in der Verantwortung, treu zu dienen und zugleich sein Herz zu prüfen. Diene ich dem Christus oder suche ich Anerkennung für mich selbst?
Gleichzeitig stehen seine Zuhörer in der Verantwortung, dass sie nicht zu Konsumenten werden, dass es ihnen nicht reicht, Woche für Woche eine gute Predigt zu hören. Lehrer sind nicht dazu da, die Gemeinde zu bespaßen, sondern sie auszubilden. Das Ziel ist die Mündigkeit und Lehrfähigkeit der Hörer.
Und so wie der Lehrer sich fragen muss, warum er dient, muss jeder Hörer sich die Frage stellen: Will ich wirklich wachsen und das Wort Gottes immer tiefer verstehen?
Abschluss und persönliche Anwendung
Was könntest du jetzt tun? Denke darüber nach, wie es in deinem Leben um das Nachsinnen über Gottes Wort steht. Welche Methode verfolgst du dabei?
Das war es für heute. Überarbeite und aktualisiere jetzt deine Fürbitte-Liste für christliche Influencer in den sozialen Medien und bete für sie.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
