Der Regent 1/3
18.06.2010
Serie•Teil 5 / 10Wie ist Gott?
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Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einleitung: Bilder von Gott und die Frage nach seiner Wirklichkeit
Lässt man so aus dem Untergrund einen Gott auftauchen, plopp, da ist er, und jetzt darf er das regeln. Für viele Leute ist das Gott. Ich brauche Gott nicht bis zu dem Moment, wo ich ein festgefahrenes Problem habe. Dann muss er aber bitteschön plopp hochkommen und helfen.
Und je mehr ich merke, ich komme mit meinen Problemen selber klar, kommt Gott immer weniger plopp. Je mehr ich mir ein System schaffe, in dem ich sozial aufgefangen bin, ploppt es immer weniger. Und dieser Gott verschwindet dann irgendwann.
Seit dem späten 19. Jahrhundert haben wir es immer mehr auch mit einem lieben Gott zu tun, einem Gott, der kein bisschen mehr zornig sein darf, kein bisschen mehr richten darf. Mir scheint, wenn solche Vorstellungen von Gott in unseren Köpfen sind, solche selbstgemachten Vorstellungen, die mit der Bibel nichts zu tun haben, dann ist es nicht verwunderlich, dass wir angesichts der Grausamkeit in der Welt und auch angesichts der immer umfassenderen Erklärungen der Naturwissenschaft, und ich selber bin Naturwissenschaftler in meiner ersten Ausbildung, dass wir dann ein Problem bekommen, Gott festzuhalten.
Deswegen ist eine klare Vorstellung von Gott und von dem Verhältnis des lebendigen Gottes zu dieser Welt, in der wir leben, ganz wichtig, weil Gott nicht draußen steht und zuschaut, wie wir spielen, um ab und zu vielleicht mal ein Gebet zu erhören und uns einen Gefallen zu tun. Er ist auch nicht nur an Heilsgeschichte interessiert, und sonst ist ihm die Welt irgendwie egal.
Gott wirkt bis jetzt auf dieser Erde, und es geschieht nichts, ohne dass er auf die eine oder andere Weise seine Hände im Spiel hat. Und darum geht es, darüber müssen wir uns Gedanken machen. Und das ist das, was die Bibel unter Vorsehung versteht.
Grundfragen der göttlichen Herrschaft
Bevor wir uns mit der Frage beschäftigen, welche unterschiedlichen Arten es gibt, wie Gott in diese Welt hinein regiert, möchte ich etwas über Determinismus sagen. Das ist ein Wort, das man im Alltag eigentlich nicht verwendet. Vielleicht ist es auch so wie bei der Vorsehung: Man hört es eher von der Kanzel und muss sich dann irgendwie darauf einstellen.
Bei der Vorsehung geht es letztlich um die Frage: In welchem Ausmaß ist Gott in die Naturabläufe und in die Entscheidungen von Menschen involviert? Wie tief greift er hinein?
Ich will einmal sagen: Es gibt drei Antworten, die ich ablehne.
Erstens: Gott spielt gar keine Rolle. Logisch, ja, alles ist nur Zufall. Das ist extrem populär, aber ich denke, das ist nicht unsere Richtung.
Zweitens: Der Mensch bestimmt, was passiert, im Sinne von: Wir sind Gott. Das werden wir auch noch merken, das glauben wir nicht. An dieser Stelle treffen sich so interessante Strömungen wie Humanismus, Okkultismus und Deismus. Das sind alles Strömungen, die glauben, Gott stehe irgendwie draußen, der Mensch sei alleine hier drin. Die Humanisten denken, wir finden alles Gute in uns. Die Okkultisten denken, wir müssten eigentlich nur die unsichtbare Welt für uns nutzbar machen. Letztlich sind wir es dann, die schlau genug sind, das Unsichtbare für uns vor den Karren zu spannen. Und die Deisten haben einen Uhrmachergott. Deismus ist die Idee, dass Gott die Uhr einmal aufzieht. Dann nimmt er diese aufgezogene Welt und lässt sie für eine Weile alleine laufen und macht in der Zwischenzeit Kaffeepause. Das ist Deismus. Gott ist draußen, schaut rein, und wir stehen irgendwie alleine da. Diese Sicht lehne ich ehrlich gesagt ab.
Es ist weder alles Zufall, noch ist alles durch den Menschen bestimmt, und ich lehne auch Determinismus ab. Determinismus ist die Lehre davon, dass alles vorherbestimmt ist. Irgendwann gibt es also irgendeine Größe, die Schritt für Schritt genau alles vorher festlegt. Da gibt es Leute, die glauben an das Schicksal. Das ist nichts anderes als: Egal, was ich mache, es wird eh passieren.
Astrologie geht diesen Weg. Der Stand der Sterne am Tag meiner Geburt entscheidet für den Rest meines Lebens über alles, was passiert. Da ist alles festgelegt. Und ich muss nur noch herausfinden, wie genau die Konstellation der Sterne war, und schon weiß ich, wie ich mich verhalten muss, damit dann bestimmte Dinge passieren oder eben nicht passieren.
Der Marxismus geht in die gleiche Richtung, der dialektische Materialismus, für alle, die das vielleicht noch von früher kennen. Da gibt es im Hintergrund ein Prinzip, und das wird unabänderlich ablaufen. Da kannst du machen, was du willst. Das ist so ein deterministisches Prinzip.
Im Hinduismus gibt es die Vorstellung von Karma. Es spielt gar keine Rolle, was du heute tust, dein Leben ist bestimmt von deinem Vorleben. Wenn du heute etwas Böses erlebst, dann frag dich mal: Was hast du früher alles angestellt?
Der Islam ist ein deterministisches Konzept, wobei das total witzig ist: Gott macht einfach, was er will. Kennt ihr das Kismet? Das ist das, was unsere Freunde, die in Pakistan waren, zur Wiederaufbauhilfe nach dem Erdbeben zur Verzweiflung treibt. Wenn man den Leuten sagt: Sagt mal, ihr hattet hier eine Stadt an dem Berghang, der ist jetzt runtergekommen. Und du baust genau da wieder deine Stadt? Wäre es nicht klüger, sie da zu bauen, wo der nächste Bergrutsch sie nicht erreichen kann? Kismet, was kommt, kommt.
Wahnsinn, es ist für uns ganz weit weg.
Grenzen eines absoluten Vorherbestimmungsdenkens
Es gibt so etwas auch in christlicher Form, und deswegen spreche ich das hier an. Ausgehend von Augustinus haben die Reformatoren, und damit meine ich Leute wie Luther, Zwingli oder Calvin, eine Theorie vertreten, dass Gott nur souverän ist, wenn er die Ursache für jede Handlung darstellt.
Das heißt: Gott weiß nicht nur die Zukunft, er hat sie, und zwar jeden Moment, jede Handlung, jeden Gedanken geplant, und er führt seinen Plan aus. Das ist eine extreme Form des Calvinismus. Und dafür mag man mich jetzt steinigen, ich stehe auch dieser extremen Form sehr kritisch gegenüber.
Ich möchte einmal sagen, warum ich dieser absoluten Form auch eines christlichen Determinismus nicht glaube. Es hat vier Gründe.
Erstens: Ich glaube, dass das nicht in der Bibel steht. Ich habe euch auf dem Skript geschrieben: Es gibt ganz, ganz liebe Geschwister im Herrn, die sagen: Doch, das steht da drin! Ich kann es nicht finden, das ist vielleicht mein Problem an der Stelle. Ich möchte sagen: Streitet nicht darüber, ich kann es nur nicht finden.
Ich glaube, Gott ist souverän, aber nicht, indem er alles minutiös vorher festlegt und dann wie ein Programm ablaufen lässt. Wir werden uns über Souveränität unterhalten, und ich hoffe, dass ihr am Ende mir glaubt, dass der Gott, an den ich glaube, ein souveräner Gott ist.
Ich habe ein Problem mit Determinismus, egal in welchem Gewand, weil, wenn alles programmhaft abläuft, dann gibt es keinen freien Willen. Dann verliert der Mensch seine Würde, weil alles, was du machst, du nur machst, weil es in dich hineinprogrammiert wurde. Du bist eine Figur in einem Spiel, die genau die Sünden tut, die sie tun soll, um dann für das bestraft zu werden, was sie nicht wirklich zu verantworten hat.
Drittens: Wenn ich Determinismus zu Ende denke, ist Gott für jede Sünde verantwortlich. Wenn er alles geplant hat, dann hat er jede Sünde gewollt und ausgeführt. Und da komme ich in Schwierigkeiten, weil ich sehe, wie Jesus vor Jerusalem weint, wie er sagt: Wenn ich euch nur hätte sammeln können, wie eine Henne ihre Küken sammelt. Ich habe große Probleme, das mit einem System von Vorherbestimmung im extremen Sinn zu verbinden, weil dann wären das nur Schauspieltränen, denn wenn Gott vorher die Bewohner von Jerusalem dazu verordnet hat, nicht Buße zu tun, und er stellt sich dann hin und sagt: Oh, warum tut ihr nicht Buße?, dann weiß ich das irgendwie nicht.
Und viertens ist es jetzt ein bisschen philosophisch, aber es wird schwierig, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Wenn Gott Böses will, plant und ausführt, warum verbietet er es dann? Wenn Gott nur recht tut, ja nur Gutes tut und nicht sündigt, aber alles von ihm ausgeht und ich alles auf ihn zurückführe, wie kann es dann etwas Böses geben? Müsste man das Böse, was dann von Gott kommt, nicht eigentlich gut nennen, weil es von Gott kommt? Und die Grenze zwischen Gut und Böse verschwimmt?
Ich habe das Problem mit jedem deterministischen System. Und deswegen glaube ich, dass wir, wenn wir über Herrschaft Gottes reden, darauf achten müssen, dass wir Gott nicht zum Urheber der Sünde machen. Das wäre mir ganz wichtig. Da merke ich: Egal welches theologische Konzept mir präsentiert wird, wo das passiert, komme ich nicht mehr mit.
Und dass wir auf der anderen Seite darauf achten, den freien Willen des Menschen nicht aufzuheben, ihn seiner Verantwortung für ein Tun, Buße zu tun, nicht zu berauben. Dass wir beide Seiten zusammenhalten. Dass wir aufpassen, dass Gott nicht seiner Souveränität beraubt wird, aber wir nicht so weit gehen, dass er plötzlich zum Urheber des Bösen wird. Und auf der anderen Seite, dass wir dem Menschen seine Verantwortung lassen und das Gericht, das einmal kommt, nicht einfach zu einem bloßen Schauprozess werden lassen.
Da ist so eine Spannung, und ich kann die nicht auflösen. Da streitet sich die Christenheit seit ein paar hundert Jahren. Ich will nur sagen: Das sind so Eckpunkte, da würde ich ungern dran rütteln. Da würde ich sagen: Lasst uns diese beiden Grenzen einfach markieren. Das würde mir schon helfen, wenn ihr da mitgehen könnt.
Ansonsten ist das ein Thema, wo viel in der Christenheit diskutiert wird. Und wenn ihr um diese Diskussion herumkommt, auch als Gemeinde: ey, wunderbar. Ich würde mich riesig für euch freuen.
Drei Weisen, wie Gott mit der Welt handelt
Wenn wir jetzt Gottes Handeln mit der Welt betrachten, dann finden wir ganz grob drei sehr unterschiedliche Arten, wie Gott mit der Welt umgeht. Ich habe das einmal die allgemeine Vorsehung, die spezielle Vorsehung und Wunder genannt. Die ersten beiden schauen wir uns heute einfach an.
Die stille Ordnung der Schöpfung
Allgemeine Vorhersehung
Allgemeine Vorhersehung betrifft im Wesentlichen zunächst die Natur und die Abläufe in der Natur. Wir nennen das einmal Naturgesetze, also das, was in der Schöpfung geregelt ist.
Bei der speziellen Vorhersehung geht es dann um Eingriffe Gottes in den normalen Ablauf der Naturgesetze. Die Naturgesetze werden dabei noch nicht verletzt, aber man merkt: Hier ist Gott doch deutlicher am Wirken.
Und bei Wundern ist es dann so, dass die Naturgesetze plötzlich gar keine Rolle mehr spielen.
Allgemeine Vorhersehung
Was macht Gott also jeden Tag ganz allgemein, ohne dass man das so richtig mitbekommt, in dieser Welt? Wo ist er am Wirken?
Schauen wir uns ein paar Stellen an. Kolosserbrief 1,17: Wie herrscht Gott? Es geht hier um die ganz grundlegende Seite. Da heißt es: „Er ist vor allem, und alles besteht durch ihn.“ Schön.
Gott schafft eine Welt. Und dann sagt er nicht: „Und tschüss, wir sehen uns in so und so viel Tausend Millionen Jahren wieder, und dann mache ich Gericht“, sondern Gott schafft eine Welt. Und in jedem Moment besteht diese Welt durch ihn. Die Welt wurde aus dem Nichts geschaffen, und er sorgt in jedem Moment dafür, dass sie nicht wieder ins Nichts zurückrutscht.
Das ist ein bisschen wie im Kinderzimmer: Man macht Ordnung, und dann wird man ein Leben lang dafür sorgen, bis die Kinder ausziehen, dass diese Ordnung erhalten bleibt. Man muss immer wieder investieren, immer wieder schauen. Und das ist das, was Gott tut.
Ein anderer Vers ist Hebräer 1,3. Dort finden wir einen ähnlichen Gedanken, wieder über den Herrn Jesus. Da wird gesagt, dass er der Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Abdruck seines Wesens ist. Und dann kommt es: Er trägt alle Dinge durch das Wort seiner Macht. Er trägt sie.
Diese Welt braucht einen Gärtner, einen, der immer wieder Energie hineinsteckt und sich um diese Welt kümmert. Wenn das nicht wäre, würde diese Welt in einem Schnipp einfach nicht mehr sein.
Dann wäre jetzt nur Gegenwart. Wir erleben ja nur die Gegenwart, und wir denken natürlich, weil wir schon so oft Gegenwart erlebt haben, dass das auch in fünf Minuten noch so sein muss. Wir können gar nicht anders, als zu glauben, dass diese Welt in fünf Minuten noch da ist. Aber das muss nicht sein.
Warum sollte diese Welt in fünf Minuten noch da sein? Materie ist nicht ewig. Und warum die Welt aller Voraussicht nach in fünf Minuten noch da ist, liegt daran, dass Gott diese Welt durch sein mächtiges Wort trägt. Das ist das bewahrende Handeln Gottes.
Gottes Wirken in Natur und Geschichte
Und Gott tut noch mehr
Die Bibel ist voll davon, dass sie Gott beschreibt als einen, der hinter den Naturereignissen steht. Die Bibel sagt nicht genau, wie das passiert. Wie er das tut, das müssen wir nachher noch einmal kurz besprechen. Aber dass er es tut, das finden wir an vielen Stellen.
Ein paar nur, um es einfach einmal zu zeigen, aus dem Buch Hiob, Kapitel 38, Hiob 38, Verse 31 und 32. Ein Kapitel, in dem Gott sich vorstellt. Das Buch Hiob funktioniert ja so, dass am Anfang Hiob alles verliert. Er wird als ein gottesfürchtiger Mann vorgestellt, der sich wirklich tadellos benimmt, und dann plötzlich verliert er alles.
Dann gibt es kapitelweise Reden. Da kommen die drei Freunde und sie reden mit Hiob, und dann kommt noch ein vierter dazu. Und alle reden und reden und reden und reden und reden. Und am Ende redet Gott.
Und wer das Buch das erste Mal liest, erwartet dann, wenn endlich Gott redet, die Erklärung vom Anfang zu hören. Also denkt man: Wenn Gott jetzt den Mund aufmacht, dann geht er zu Hiob und sagt: Du Hiob, das ist ganz einfach, also das hat sich so ergeben. Und dann erzählt er ihm die Geschichte vom Anfang.
Das macht Gott aber nicht. Gott stellt sich hin und präsentiert sich Hiob als den Schöpfergott, der in der Natur, in den Gesetzen der Natur, wirkt.
Und da habe ich jetzt einfach einmal Vers 31 und 32 herausgenommen:
Knüpfst du die Bänder des Siebengestirns oder löst du die Fesseln des Orion? Kannst du die Tierkreisbilder hervortreten lassen zu ihrer Zeit und den großen Bären leiten samt seinen Jungen?
Hier geht es um Sterne und um Galaxien. Und Gott fragt: Bist du derjenige, der für die Bewegung der Sterne am Himmel verantwortlich ist?
Oder Psalm 104, Vers 10:
Du, der Quellen entsendet in die Täler, zwischen den Bergen fließen sie dahin.
Gott ist für das Fließen von Wasser verantwortlich. Du hast da irgendeinen kleinen Bach? Wer ist dafür verantwortlich, dass dieser Bach fließt? Gott.
Vers 32:
Der die Erde anschaut, und sie bebt; er rührt die Berge an, und sie rauchen.
Also da, wo Erdbeben und Vulkanausbrüche sind, da steckt irgendwie Gott dahinter.
Und dann noch einmal aus Hiob, in Kapitel 39. Und jetzt wird es schwierig für die Anzeige, ich weiß nicht, ob er das hinkriegt: 1, 2, 19, 20, 26, 27. Fangen wir mit 1, 2 an.
Also Hiob 39, Verse 1 und 2:
Kennst du die Wurfzeit der Steinböcke? Beobachtest du das Kreisen der Hirschkühe? Zählst du die Monate, die sie erfüllen müssen, und kennst du die Zeiten ihres Wurfens?
Er wird mir nicht sagen: Warte mal, Gott kümmert sich um Steinböcke? Vom Neuen Testament her ist das nicht so dramatisch. Wir wissen, dass unsere Haare gezählt sind, ja, und so ein Steinbock ist schon noch einmal ein bisschen etwas Größeres als so ein Haar.
Aber ja, Verse 19 und 20:
Gibst du dem Ross die Kraft? Bekleidest du seinen Hals mit Mähne? Komisch, Gott kümmert sich anscheinend nicht nur um die Haare von Menschen. Bekleidest du seinen Hals mit einer Mähne? Bringst du es zum Springen wie die Heuschrecke? Schrecklich ist sein hoheitsvolles Schnauben.
Verse 26 und 27:
Schwingt sich kraft deiner Einsicht der Habicht empor, breitet seine Flügel aus für den Südwind? Oder hebt sich auf deinem Befehl der Geier so hoch und baut in der Höhe sein Nest?
Gott wird hier beschrieben, und ich könnte jetzt noch viele, viele Verse anfügen. Gott wird im Alten Testament gerade beschrieben wie ein Hirte für die Tiere, der ihr Verhalten lenkt, der sie versorgt, der dafür steht, wiederum in Psalm 104, der dafür sorgt, dass Gras wächst für die Tiere, dass es regnet.
An anderer Stelle wird der Kreislauf des Wassers beschrieben, wie Gott dafür sorgt, dass dieser Kreislauf bleibt und es einfach weiterhin Regen gibt. An anderer Stelle steht, dass Nebel, Blitz und Winde das Werk seiner Hände sind. Die Bibel ist wirklich voll von diesen Beschreibungen.
Die Frage ist: Was meint sie damit? Inwiefern ist Gott für die Abläufe in der Natur verantwortlich?
Unser Thema heißt: Gott regiert. Und ich gehe jetzt einfach einmal auf die unterste Ebene. Wie regiert Gott diese Welt auf der Ebene der Naturprozesse? Und die Bibel sagt: Naturprozesse, so wie wir sie kennen, passieren durch Gott.
In Hiob 37,14-16 heißt es:
Nimm dies zu Ohren, Hiob, steh still und achte auf die Wundertaten Gottes! Erkennst du es, wenn Gott ihnen Auftrag gibt und leuchten lässt das Licht seines Gewölks? Erkennst du das Schweben der Wolke, die Wunderwerke dessen, der an Erkenntnis vollkommen ist?
Ich schaue mir die Natur an, und Hiob sagt, oder Gott sagt zu Hiob: Kannst du dir das anschauen und kannst du das Wunder, das dahinter steckt, erkennen?
Naturgesetze, Bewahrung und Eingreifen
Wenn man liest, dass Gott hinter den Naturgesetzen steckt, ist die Frage sofort da: Gibt es dann eigentlich so etwas wie Naturgesetze? Gibt es das eigentlich? Wenn Gott das alles macht, Schritt für Schritt, wie passt das zusammen? Gibt es eigentlich so etwas wie das Gesetz der Gravitation? Gibt es so etwas eigentlich?
Also, ich weiss natürlich: Wenn ich meine Bibel jetzt nehmen würde und sie fallen lassen würde, dann kann ich das eine Milliarde Mal machen, sie würde nie nach oben fallen. Sie kommt dann wieder runter. Wie passt das? Wie passt dieses Prinzip, dass sie wieder runterfällt, dazu, dass Gott dahinter steckt? Ist Gott derjenige, der, wenn sie hochfliegt, ihr da oben sagt: Kehr um, und es gibt gar keine Gesetze? Oder gibt es ein Gesetz, das Gott geschaffen hat, sodass, wenn man Bibeln hochschmeisst, sie wieder runterfallen, und ohne dass Gott sich darum kümmert, läuft dieses Gesetz einfach immer wieder ab?
Versteht ihr den Unterschied? Wenn in der Bibel steht, Gott steckt hinter den Naturgesetzen, ist die Frage: wie? Entweder ist Gott in jedem Moment überall präsent, und wenn Bibeln hochfliegen, sagt er: Und tschüss, wieder runter mit dir. Es wäre eine Möglichkeit. Er könnte diesen Atomen hier sagen: Und jetzt wieder runter. Oder hat Gott gesagt: Es gibt da Erdanziehung, und es gibt Kräfte, und in dem Moment, wo die Kraft nach oben und die Kraft nach unten gleich ist, bleibt sie kurz stehen und danach fällt sie wieder runter. Wie geht Gott damit um?
Jetzt hättet ihr sagen können: Ist die Frage wirklich wichtig? Ja, das werden wir gleich sehen, sie ist nicht ganz unwichtig.
Ich glaube, dass Naturgesetze als Dinge, die Gott geschaffen hat, real sind. Also dass man nicht sagen kann: Es gibt keine Naturgesetze, wenn etwas passiert, dann macht immer Gott das. Ich glaube, Naturgesetze sind real. Und wenn ich beschreiben müsste, wie Gottes allgemeine Vorsehung, also seine Herrschaft über die Natur, mit den Naturgesetzen zusammenhängt, dann würde ich drei Punkte nennen wollen.
Erstens: Naturgesetze, diese Regeln, die Gott eingeführt hat, die Kräfte, die es gibt, die real am Wirken sind, die ganze Maschinerie, die wir Natur nennen, so bis runter auf die allerkleinste Ebene, dieses ganze System Natur mit Gesetzen, Prozessen, Regelkreisläufen und was wir da noch alles entdecken mögen, das hat sich Gott erdacht. Jedes Naturgesetz, das wir finden, entstammt seinem Schöpferplan. Und die Tatsache, dass es dahinter eine Konstanz gibt, das liegt einfach daran, dass Gott treu ist und dass die Gesetze, die er einmal geschaffen hat, in jedem Moment einfach gelten.
Der zweite Punkt ist: Gott erhält die Natur. Das ist wichtig. Unsere Welt ist absolut von Gott abhängig. Gott hat nicht einfach ein System geschaffen und aufgezogen, es ist kein Uhrmachergott. Obwohl Gott bestimmte Regeln schafft, ein ganz komplexes Netzwerk von Naturgesetzen schafft, die gewissermassen eigenständig ablaufen können, zieht Gott sich nicht heraus. Dieses System ist komplett abhängig. Die Naturgesetze gelten heute so wie gestern, weil Gott sie bewahrt.
Und drittens: Gott ist nicht nur Beobachter. Er hat jederzeit die Möglichkeit, Naturgesetze zu beeinflussen, zu kontrollieren, und er kann, wann immer er will, im Kleinen oder im Grossen Naturgesetze aufheben.
So, jetzt habe ich Folgendes gesagt: Ich habe gesagt, es gibt reale Naturgesetze. Es gibt: Gott hat sich überlegt, was passiert mit Bibeln, die man hochwirft, und er hat beschlossen, Kräfte zu schaffen. Kräfte wie zum Beispiel die Erdanziehungskraft, die dafür sorgt, dass Bibeln auf der Erde nach unten fallen, wo auch immer wir stehen. Das ist die Erdanziehung. Und er hat dafür gesorgt, dass es andere Kräfte gibt, zum Beispiel meine Hochwerfkraft. Und wo die Hochwerfkraft und die Erdanziehungskraft identisch sind, da bleibt sie stehen. Das sind Ideen, die Gott hatte. Das ist Physik. Das ist das, wo wir hofften, es in der Schule irgendwann hinter uns gelassen zu haben. Das war das mit den Gleichungen, mit diesen Dingen. Ich mochte Physik nie, es war das erste Fach, das ich abgewählt habe. Nie wieder Versuche machen, nie wieder Diagramme zeichnen. Aber dahinter all das, was da so an Gesetzen rauskommt. Mit Wechselwirkungen und Elektromagneten und ach, was es da nicht alles gibt, da hat sich Gott gedacht: Das wäre doch einfach lustig, so ein System zu basteln, das eigentlich ein Stück autonom ist, das ich bewahre und wo ich eingreifen kann, wann immer es mir passt.
Wisst ihr, warum es wichtig ist, dass wir so rangehen und sagen, die Natur als System ist ein Stück weit eigenständig? Oder warum wir verstehen müssen, dass Gott der Natur etwas Eigenständigkeit geschenkt hat, es in die Natur hineingelegt hat? Weil wir in der Bibel davon lesen, dass der Teufel die Natur verwendet, zum Beispiel bei Hiob. Er verwendet einen Wind und auch Krankheit, um Hiobs Kinder zu töten und Hiob selber mit Geschwüren zu überziehen. Es ist ein Unterschied, ob ich sage, Gott und Naturgesetze sind eins. Denn wenn ich das sage, dann sage ich: In dem Moment, wo der Teufel einen Wind verwendet, um einen Menschen umzubringen, wird Gott zu einem Handlanger des Teufels, wenn es keine Naturgesetze gibt, wenn quasi immer, wenn in der Natur etwas passiert, Gott selber Hand anlegt. Und der Teufel bringt jemanden um, indem er einen Wind aufkommen lässt und damit ein Haus einschmeisst. Ohne Naturgesetz wird an dieser Stelle Gott zu einem Handlanger des Bösen, und das glaube ich nicht.
Auch an anderer Stelle wird es wichtig: Was ist mit dem Sündenfall? Lesen wir mal Römer 8,20-22. Da geht es um den Sündenfall, es geht um die Frage, wie hat sich die Welt verändert dadurch, dass der Mensch zum Sünder wurde. Denn die Schöpfung ist der Nichtigkeit, oder in der Fussnote heisst es bei mir der Vergänglichkeit, unterworfen worden, nicht freiwillig, sondern durch den, der sie unterworfen hat, in dem Fall ist es Gott, auf Hoffnung hin, dass auch selbst die Schöpfung von der Knechtschaft der Vergänglichkeit freigemacht werden wird zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung zusammen seufzt und zusammen in Geburtswehen liegt bis jetzt.
Wir hatten den Vers mal in der Bibelwoche über den Römerbrief, jetzt einfach nur diese Worte aufgreifen: Vergänglichkeit, Nichtigkeit, sie seufzt. Das sind negative Begriffe. Irgendwas steckt in der Schöpfung drin, wo man merkt: Das ist so nicht richtig. Und das fängt an da, wo man sein Kind das erste Mal beim Lügen erwischt, und es geht weiter, wenn man die Nachrichten anhört und über Kirgisien Sachen hört, wo man sagt: Habt ihr alle einen Knall? Ihr seid schon arm, ihr habt schon nichts. Aber schön, dann schlachtet ihr euch noch gegenseitig ab, dann habt ihr noch weniger. Versteht ihr? Wo man einfach sagt: Irgendwas ist doch grundsätzlich faul in dieser Welt, egal wo man hinschaut. Und das eigene Herz ist davon gar nicht ausgenommen.
Wenn Gott die Naturgesetze nicht nur geschaffen hat, sondern wirkt, dann wirkt er, und zwar direkt und persönlich, auch diese zerstörerischen Nebenwirkungen des Sündenfalls. Wenn wir sagen, das, was wir mitkriegen, was nicht passt, und ich habe jetzt nur Lüge und Kriege erwähnt, ich könnte Sachen sagen wie Demenz, chronische Schmerzen, Blindheit, Schizophrenie, wo du reingreifst, wo du merkst: Diese Welt ist kaputt. Wenn ich keine Unterscheidung mache zwischen den autonomen Gesetzen und Gott, dann mache ich Gott zu dem, der in jedem Fall jedes einzelne Bisschen dieses Leids persönlich verursacht. Und es stimmt, dass Gott Leid auch verwenden kann. Es geht mir um die Frage, ob alles Leid von ihm gewirkt wird, weil jeder Naturprozess, jede Bewegung eines Atoms direkt von ihm ausgeführt wird. Und da sage ich: Nein, das glaube ich nicht.
Gott erschafft ein System, nämlich die Natur, mit Regeln, gibt ihr relative Unabhängigkeit, was die Funktion betrifft, nicht ihr Sein. Er bewahrt sie. Dass sie überhaupt existiert, liegt bei ihm. Aber sie darf unabhängig von ihm funktionieren. Und jetzt kommt der Sündenfall, jetzt kommt die Störung im System. Die Natur verliert in diesem Moment ihre Bedeutung für den Menschen. Ursprünglich war ihre Funktion einmal vom Menschen gefüllt, bebaut und bewahrt zu werden. Und jetzt wird durch den Sündenfall die Natur, dieses System, das Gott geschaffen hat, mit seinen Regeln zum Gegenspieler des Menschen. Plötzlich reden wir über Disteln, über Dornen, über Schmerzen.
Die Naturgesetze laufen weiter, sie haben sich nicht geändert, aber sie wenden sich jetzt unerbittlich auch gegen den Menschen. Für jemanden, der doch Physik mag: Entropie regiert. Ja, es ist alles der Vergänglichkeit unterworfen. Das, was im Kinderzimmer anfängt, dass die Ordnung sich nicht von alleine herstellt, findet in der ganzen Welt statt. Alles zerfällt, alles geht irgendwie kaputt, alles geht irgendwie den Bach runter, und du musst unendliche Mühe aufwenden, um es zusammenzuhalten. Du musst Mühe aufwenden, um eine Ehe zusammenzuhalten. Wenn du sie kaputt machen willst, lässt du es einfach laufen, schnipp schnipp bumm bumm. Du musst Mühe aufwenden. Wo kommt denn das her? Es kommt daher, dass wir in einer Welt leben, die nicht so funktioniert, wie wir uns das eigentlich wünschen würden, wie wir auch innerlich merken, dass es nicht richtig ist. Eine Welt, die an den Punkt kommt in 1. Mose 4, wo es dann ganz dramatisch heisst: Und Adam starb. Wo das passiert, was nie, nie, nie hätte passieren dürfen, dass der Tod zum Menschen durchbricht und ihn in den Griff bekommt.
Worum es mir ging: Läuft die Natur relativ autonom, ist Gott nicht dafür verantwortlich, dass der Teufel die Natur missbraucht oder dass der Mensch als Folge seiner Sünde in einer Welt lebt, die zwar funktioniert, aber der Vergänglichkeit unterworfen ist. Und mir wäre das wichtig, dass wir da eine Unterscheidung machen.
Ja, das ist allgemeine Vorsehung. Gott schafft eine Welt, denkt sie sich aus, startet sie, erhält sie, hat ihr Regeln mitgegeben, und sie läuft ein Stück weit autonom. Ist das alles, was man sagen kann? Nein, denn man muss kein grosser Bibelkenner sein, um zu merken, dass die Bibel voll ist von anderen Geschichten. Von Geschichten, wo man den Eindruck hat: Jetzt macht aber Gott schon ein bisschen was Besonderes. Und deswegen kommen zwei weitere Arten von Herrschaft. Die eine will ich heute noch mit euch besprechen, und sie heisst spezielle Vorsehung.
Wir haben diese Naturprozesse, die irgendwie laufen, und gemeinhin ist das völlig genug. Aber manchmal laufen die Naturprozesse so ab, dass man sich so ein bisschen kratzt und sagt: Das ist aber merkwürdig. Also das ist noch nicht ausserhalb der Norm, aber das ist auch nicht mehr so richtig normal.
Wenn Gott den Lauf der Dinge lenkt
Ich mache ein Beispiel: Das Volk Israel ist in der Wüste und verlangt nach Fleisch. Was bekommt es? Wachteln. Nicht nur zwei oder drei, sondern, ich glaube, etwa dreißig Zentimeter hoch über das ganze Lager. Also eine ordentliche Portion Wachteln für eine grössere Menge von Tagen.
Jetzt ist das an sich noch kein Wunder. Wachteln gab es vorher, Wachteln gab es nachher. Wachteln konnten auch fliegen. Das ist keine Überraschung. Huch, was ist denn das? Das ist eine Wachtel. Es ist eher die Menge, die überrascht, und dass diese armen Viecher genau an der Stelle runtergehen. Dass zeitgleich Millionen von Wachteln da auftauchen, einen Herzschlag kriegen und runterfallen.
Also, es ist irgendwie noch im Rahmen der Naturgesetze. Denn Gott hat nicht irgendetwas geschaffen, was es vorher nicht gab. Ich weiss nicht, ob ihr diesen lustigen Film kennt: Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen. Okay, ihr schaut zu wenig Filme. Also, wenn ihr kleine Kinder habt, das ist ein lustiger Film: Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen. Da passiert Folgendes: Da fällt plötzlich ein gebratener Hamburger vom Himmel.
Hätte Gott dem Volk Israel gebratene Hamburger vom Himmel fallen lassen, dann hätten wir zu Recht sagen müssen: Das ist ein Wunder. Weil das passiert nicht einfach. Wenn es regnet, regnet es keine Hamburger. Dass von oben ein Vogel runterfliegt, ist noch relativ normal. Es ist ungewöhnlich, wie viele an der Stelle runterkommen, zugegeben. Aber dass Gott vorher weiss, was das Volk will, und irgendwo gigantische Mengen an Wachteln heranwachsen lässt, denen er dann den Impuls gibt: Jetzt fliegt ihr aber alle dahin, und deren Leben er beendet, wenn sie genau über der richtigen Stelle sind, das macht ein bisschen Mühe zu denken.
Aber es ist nicht ein Umgehen von Naturgesetzen. Wenn Gott sagen würde: Ich lasse Hamburger dreissig Zentimeter hoch aus dem Himmel fallen, dann würden wir sagen: Sorry, Hamburger können nicht fliegen. Sie werden im Allgemeinen nicht im Himmel gebraten. Und ausserdem: Das Volk, das ist einfach noch nicht dran. Das ist irgendwie so ganz knapp, so über den dicken Daumen dreieinhalbtausend Jahre zu früh. Der Hamburger wäre ein Wunder, okay? Die Wachteln, das ist das, was ich unter spezieller Vorsehung mal versuchen möchte zu greifen.
Warum macht Gott das? Warum lenkt er die Geschichte, wenn sie so läuft, ab und zu so ein bisschen, einfach so ein kleines auf den Popo, damit sie sich ein bisschen in die richtige Richtung bewegt? Warum macht er sowas? Warum greift Gott ein? Die Antwort ist so simpel: weil eben gerade nicht alles in einem absoluten Sinn vorherbestimmt ist. Weil Gott eine Welt erschafft, in der es einen realen freien Willen gibt.
Aber, und das möchte ich auch sagen, jetzt kommen wir doch noch mal zur Souveränität: Egal, was der Mensch mit seinem freien Willen tut, Gott kommt mit seinem Plan für diese Welt zu seinem Ziel. Und was ist sein Ziel? Was möchte Gott? Wo sagt Gott: Da werde ich ankommen?
Wenn ihr ein Bild braucht, nehmt so einen Ozeanriesen, und ihr schifft euch ein von Hamburg nach New York. Der Captain wird definitiv dieses Schiff in New York anlanden. Und auf dem Weg kannst du dich relativ frei bewegen. Ja, das ist unsere Situation. Du kannst dich frei bewegen. Du hast einen freien Willen. Aber das Ding kommt an. Und wir haben Gott als einen grossen souveränen Captain, der mit dieser Welt zu seinem Ziel kommt. Und das Ziel ist die Aufrichtung seines Königreiches. Er wird am Ende als der König dastehen. Und deswegen ist der Brennpunkt aller Geschichte auch Jesus. Der König!
Und alles, was nötig ist, um dieses Königreich aufzurichten, wird Gott tun. Und deswegen lesen wir das Alte Testament und wir merken, dass er, dass Gott, ohne die Naturgesetze völlig ausser Kraft zu setzen, doch ab und an so den Lauf der Dinge nicht einfach laufen lässt. Und das gilt gerade im Blick auf das Volk Israel. Wir werden das öfter lesen, dass Dinge passieren, wo du sagst: Oh, das ist jetzt ein bisschen ungewöhnlich.
Und das geht so weit, dass Gott die Völker um Israel herum beeinflusst, ganze Völker. Denn wie macht er das? Oh, das ist ganz einfach, sagt die Bibel. Sprüche 21,1 steht die Lösung. Wie lenkt man ein ganzes Volk? Wie Wasserbecher ist das Herz eines Königs in der Hand des Herrn, wohin immer er will, neigt er es.
Wenn Gott sich vornimmt, einem König etwas ins Herz zu geben, da hat er einen Gedanken, und der kommt ihm so richtig nett vor, dann kann Gott das tun. Du glaubst nicht, dass Gott nicht souverän ist, nur weil er nicht alles vorherbestimmt hat. Wenn Gott sagt: schnipp, Gott kann Jahre, bevor der König Kyrus, ein Perserkönig, geboren wird, schon durch Jesaja sagen lassen: Ich habe mir da was ausgedacht, da wird mal ein Kyrus kommen, und der wird mein Volk in der Gefangenschaft wieder freisetzen.
So, jetzt wird er geboren, was an sich schon fantastisch ist, wo man noch sagen kann: Na gut, Gott wusste das ja vorher. Er ist ja nicht überrascht. Ja, Gott weiss, wer geboren wird, kennt die Geschichte, er ist allwissend, das ist jetzt nicht der Punkt. Und jetzt wird Kyrus an den Punkt kommen, wo er entscheiden muss: Mache ich das mit den Regierungsgeschäften genauso wie mein Vorgänger? Und der Vorgänger hatte eher so eine Politik: Wer gegen mich ist, den verschleppe ich.
Also: Du bist nicht für mich? Kein Problem, ich löse das Problem, indem ich dich aus deinem Land wegnehme und woanders einpflanze. Du brauchst ein, zwei Generationen, bis du da wieder ankommst. Solange habe ich Ruhe vor dir. Das waren die Babylonier. Die Perser dachten sich: Das war irgendwie keine so schlaue Sache, denn das babylonische Weltreich hat nicht lange gehalten. Wir machen es gerade andersherum. Wir sagen allen: Ihr dürft wieder nach Hause, wenn ihr uns lieb habt.
Und das haben viele Völker gemacht, das waren nicht nur die Juden. Die sagten: Das ist eine super Sache. Ja, der König ist für uns. Wir dürfen wieder nach Hause, wir dürfen wieder in unser Land zurück, wir dürfen Jerusalem wieder aufbauen, den Tempel wieder. Das ist ja genial.
Wo hat Kyrus diesen Gedanken her? Es gibt zwei Möglichkeiten: Er hatte ihn selber, und Gott hat es gesehen und dachte: Das ist ja schön, ja, das ist auch meine Linie. Oder hier, wenn Gott es möchte, gibt er ihm diesen Gedanken, und er denkt ihn und baut sein Reich darauf auf. Das ist das, wo ich sage: So weit geht für mich spezielle Vorsehung. Nein, Vorsehung. Ich sage immer Vorhersehung, das Wort gibt es aber nicht. Es muss heissen Vorsehung. Aber es hat sich so tief eingebrannt hier oben, ich weiss auch nicht warum. Also: spezielle Vorsehung.
Er tut das nicht immer. Also jetzt nicht: Wann immer irgendein Politiker eine Entscheidung trifft, steckt Gott dahinter. Das wäre Quatsch. Aber er kann das tun. Und er kann es bis zu dem Punkt tun, dass ein Pharao erleben muss, dass Gott sein Herz verhärtet. Und dass die Rebellion, die er die ganze Zeit getan hatte, irgendwo so fest wird, dass er da auch nicht mehr rauskommt und er zu einem abschreckenden Vorbild für andere wird.
Gegenwart und Hoffnung
Letzte Frage für heute Abend: Greift Gott heute noch auf diese Weise ein?
Meine Antwort wird sein: Ja, das tut er noch. Das glaube ich.
Warum glaube ich das? Weil er immer noch dabei ist, sein Reich aufzubauen.
Ich habe das als junger Christ gehört. Da hieß es dann, die natürlichen Segnungen seien für Israel. Dann habe man all diese Verheißungen aus dem Alten Testament genommen. Wir im neuen Bund hätten nur noch geistliche Segnungen zu erwarten. Das kam mir schon als junger Christ ein wenig suspekt vor, als ich meine Bibel noch nicht so gut kannte.
Mir kommt dieses Entweder-oder-Denken bis heute ein wenig suspekt vor, weil ich glaube, dass das Leben meistens sowohl als auch ist.
Dann habe ich Matthäus 6,33 gelesen. Da steht: Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes. Also kümmere dich darum, dass in deiner Umgebung, da, wo du bist, Gottes Reich gebaut wird. Und wie geht es dann weiter? Komm, das ist ein einfacher Vers.
Genau: und dies alles. Und was ist dies alles? Wie bitte? Genau, davor steht Essen, Trinken, Kleidung, also alles, was wir so brauchen. Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes, und dies alles wird euch hinzugefügt werden.
Wisst ihr, das ist nichts anderes als das, was im Alten Testament bei Segen und Fluch unter Segen steht: Du lebst mit Gott, und Gott wird sich darum kümmern, dass dein Leben gelingt. Und das ist total fantastisch.
Gott wird, wenn wir nach seinem Reich trachten, dafür sorgen, wenn wir sein Reich bauen, und dazu sind wir berufen, dass wir in einer kaputten und gefallenen Welt sein Reich bauen, an seiner Hand erleben, wie die Begabungen, die er uns gegeben hat, zu seiner Ehre Frucht bringen, weil wir die Werke tun, die er vorbereitet hat.
Gott wird uns an der Stelle erleben lassen, was es heißt, dass er uns segnet.
Und ich bin fest davon überzeugt, dass Segen, zumindest habe ich das persönlich so erfahren, immer etwas auch mit spezieller Vorsehung zu tun hat. Wenn du betest und in diesem Moment etwas geschenkt bekommst, wo du merkst: Boah, das ist ja schon ewig lang vorbereitet, wo glaubst du denn, wo das herkommt?
Du kommst in diesen Bereich hinein, wo Gott etwas gelingen lässt. Wenn du dafür betest, dass ein anderer etwas versteht, wo glaubst du, dass das herkommt, wenn es passiert? Ist es nicht so, dass Gott an der Stelle dem anderen auch Verständnis schenkt, dass er mitwirkt?
Schlussgedanken: Eine realistische Sicht auf Gottes Herrschaft
Was wollte ich heute sagen? Ich hatte heute auf dem Herzen, einen Einstieg zu finden in dieses ungewöhnliche Thema: „Gott herrscht, Gott regiert.“
Mir war wichtig zu sagen, dass das Thema, grob gesprochen, wenn man es auf die Frage herunterbricht, wie Gott herrscht, dreigeteilt ist.
Erstens: Gott hat eine Welt geschaffen nach seinen Regeln. Er bewahrt sie, sie ist von ihm abhängig, und er kann in sie eingreifen. Und zunächst einmal läuft sie.
Zweitens: Gott ist der Herrscher, und er kann in jedem Moment die Naturprozesse so lenken, ohne dass er sie gleich außer Kraft setzt, wie er das möchte.
An dieser Stelle möchte ich das nächste Mal andocken, ich glaube in drei, vier Wochen, wenn wir uns anschauen, wie das mit Wundern ist. Und wir werden dann von den Wundern weiterspringen; da kommen noch ein paar andere Themen dazu.
Ich hoffe, ich habe euch mit diesem Thema nicht verschreckt. Das ist ein bisschen meine Sorge jetzt, wenn ich ganz ehrlich bin, weil das so furchtbar allgemein und speziell zugleich klingt. Ich würde mich freuen, wenn ihr einfach in drei, vier Wochen wieder da wärt und das auf euch wirken lasst.
Ich glaube, dass es wirklich wichtig ist, eine Vorstellung von Gott zu haben, die real ist, die der Wirklichkeit entspricht. Sonst werden wir, wenn wir Nachrichten sehen, uns die Frage stellen: Wo ist Gott? Und vielleicht schleicht sich in unseren Herzen so eine Wurzel der Bitterkeit oder auch eine Wurzel des Unglaubens ein. Und wenn die sich auswächst, dann kann am Ende unser ganzer Glaube gefährdet sein. Und das wäre schade.
Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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