Wir predigen den gekreuzigten Christus - Gottes Kraft und Gottes Weisheit
1. Korinther 1,18-2506.01.2008
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Ein ungewöhnlicher Einstieg in ein altes Thema
Wikipedia: Ulrich Parzany, geboren am 24. März 1941 in Essen, ist ein deutscher Theologe, Pfarrer und Evangelist. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und vier Enkelkinder. 1998 erhielt er das Bundesverdienstkreuz für sein Engagement für Jugendliche, Mission und Seelsorge. Er ist Leiter der evangelistischen Projektarbeit proChrist. 2006 wurde proChrist aus der Münchner Olympiahalle per Satellit an 1250 Orte in zwanzig Länder Europas übertragen.
Ulrich Parzany bringt die Sache mit Gott auf den Punkt: Ich glaube nicht, dass ich etwas finden kann, wonach ich mich so sehne wie nach Gott. Er verweigert Interviews. Aber es steht genug im Internet.
Vielen Dank, Herr Parzany, dass im Internet genügend zu finden ist. Sein tabellarischer Lebenslauf, ausführlich oder auch nur in Stichworten, ist dort zu finden. Es ist genial, man findet alles über Ulrich Parzany. Aber Interviews, das ist nun echt nicht sein Ding. Er hat gesagt: Bitte ersparen Sie es mir. Das mache ich, aber wir handeln.
Ich habe gesehen, dass Sie im April einen Vortrag halten. Und als ich das Thema gelesen habe, da wurde mir etwas Angst und Bange, Herr Parzany. Das Thema lautet: Wer ewiges Leben hat, hat alle Zeit der Welt. Bitte nicht heute Nachmittag!
Er hat sich ein Thema gesucht: Wir predigen den gekreuzigten Christus. Die Bibelstelle, wer nachlesen möchte, steht im 1. Korinther 1,18-25.
Die Weisheit der Welt ist Torheit vor Gott. Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden. Uns aber, die wir selig werden, ist es eine Gotteskraft. Denn es steht geschrieben im Buch Jesaja: Ich will zunichte machen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen.
Wo sind die Klugen, wo sind die Schriftgelehrten, wo sind die Weisen der Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht? Denn weil die Welt, umgeben von der Weisheit Gottes, Gott durch ihre Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt selig zu machen, die daran glauben.
Denn die Juden fordern Zeichen, und die Griechen fragen nach Weisheit. Wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit. Denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gotteskraft und Gottes Weisheit. Denn die Torheit Gottes ist weiser als die Menschen sind, und die Schwachheit Gottes ist stärker als die Menschen sind.
Warum das Kreuz anstößt
Als junger Vikar war ich in Jerusalem zum Mittagessen bei einer sehr vornehmen muslimischen Familie eingeladen, einer der führenden Familien Jerusalems. Eine Dame aus dieser Familie hatte sich sehr für den christlichen Glauben interessiert. Sie suchte auch den Kontakt zur evangelischen Gemeinde, in der ich Vikar war, zur Erlöserkirche in Jerusalem. Und dann war ich bei ihr zum Mittagessen.
Es gab etwas Gutes, immer schön fett und so, damit man auch zu Kräften kommt, wie das im Orient so ist. Dann eröffnete sie das Gespräch damit, dass sie sagte, sie könne sich als Christin kein Galgen, kein Hinrichtungswerkzeug, als Symbol ihres Glaubens und Lebens wählen. Das verursache ihr körperliche Schmerzen, wenn sie darüber nachdenke. Das sei doch total unakzeptabel!
Na ja, gut, sie konnte sich wahrscheinlich gar nicht vorstellen, dass heute in Europa und in Deutschland das Kreuz das beliebteste Schmuckstück ist. Es gibt Damen, die Kreuze tragen, da können Bischöfe nur neidisch werden. Und ich mache mir gelegentlich den Spaß, wenn ich solch einem Zeitgenossen oder einer Zeitgenossin begegne, die so ein Bekenntnis im Dekolleté trägt, dass ich sage: Das freut mich nun sehr, dass Sie das Kreuz nun so vor sich her tragen. Dann werden die Augen immer größer, immer größer, immer größer, weil sie gar nicht weiß, wovon ich rede. Denn das Kreuz ist ein Schmuckstück geworden, und es bedeutet nichts, überhaupt nichts.
Es ist ästhetisch das beliebteste Dekorationsstück, das es überhaupt gibt. Und es tragen Leute, ohne auch nur den Hauch von einem Inhalt damit zu verbinden. Also, was ist das mit dem Kreuz?
Wir haben den Text gehört. Ich will ganz knapp sein, die Zeit ist ja kurz. Natürlich werde ich kurz vor fünf zu Ende sein. Heute hilft euch allein mein Zustand schon, dass ich kürzer bin, weil ich irgendwie so viel auf eiskalten Weihnachtsmärkten oder bei Beerdigungen auf eiskalten Friedhöfen bei minus zehn Grad vor Weihnachten gepredigt habe, dass ich nur noch huste wie ein Verrückter. Aber ich hoffe, dass das sich in Grenzen hält.
Zwei Gründe für die Ablehnung der Kreuzesbotschaft
Erster Punkt: Warum die Botschaft vom Kreuz nicht ankommt.
Das ist doch ganz klar. Ihr habt ja hoffentlich die Bibel vor euch. Wer keine vor sich hat, 1. Korinther 1, der gehört zu den Menschen, die die Bibel auswendig können. Deshalb verzeihen wir ihm, dass er sie nicht mitgebracht hat. Im Übrigen hat man keine Chance, wenn man diesen Text des Paulus nicht vor Augen hat. Wir lesen die Bibel miteinander, weil nur das überhaupt Sinn macht für uns Christen.
Erste Frage: Warum die Botschaft vom Kreuz nicht ankommt. Da gibt es zwei Gründe in diesem Text. Das heißt: Die Juden fordern Zeichen, die Griechen fragen nach Weisheit. Wir predigen gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit.
Das Erste ist: Ein Gott, der schlapp macht, den kann man halt nicht gebrauchen. Der ist fürs Leben nicht zu gebrauchen. Ärgernis heißt eigentlich im Griechischen Skandalon, und das Skandalon ist das kleine Stellholz, das man in einer Falle gebraucht. So wie bei der Mausefalle, da ist so ein Stäbchen, das da so hochgerichtet ist oder festhält. Oder ein Stellholz normalerweise in irgendwelchen Wildfallen. Das Tier stößt dagegen, das Holz bewegt sich, und dann klappt die Falle zu. Ex und tot.
So, und das ist ein Skandalon. Ein Ärgernis ist ein Anstoß. Man stößt dagegen, und dann klappt die Falle zu und macht einen kaputt. Und das ist die Vorstellung, die da ist. Ärgernis heißt nicht nur: Das finde ich aber jetzt nicht nett. Sondern das heißt: Das ist so widerlich, dass ich mich da so reibe, aber das bewirkt, dass ich tödlich in die Falle laufe.
Und das ist ganz normalmenschlich. Unter dem Kreuz stehen die Menschen und sagen: Du hast anderen geholfen, hilf dir selbst. Steig herab vom Kreuz, dann glauben wir. So dachten nicht nur die Feinde Jesu, sondern so dachten auch seine Jünger. Sie warteten bis zum letzten Augenblick und hofften, er würde die Nägel herausreißen und heruntersteigen und ihnen den Querbalken des Kreuzes seinen Mördern und Richtern über den Schädel schlagen, um zu zeigen, wer hier das Sagen im Ring hat. Aber er tat es nicht. Er schrie und starb, und fertig und aus. Dann verkrochen sie sich irgendwo in Jerusalem.
Und noch am übernächsten Tage, als er unerkannterweise zwei von ihnen auf dem Weg nach Emmaus begegnete, sagten sie: Wir dachten, er würde Israel erlösen, aber sie haben ihn gekreuzigt. Niemand hat am Karfreitag nach der Kreuzigung gedacht: Aha, jetzt gründen wir die Religion der Nächstenliebe, weil Jesus doch so toll gestorben ist, wie er gepredigt und gelebt hat, und jetzt werden wir diese Botschaft der Liebe weitersagen. Nein, sie waren alle überzeugt: Jetzt ist er widerlegt, und jetzt kann man nur noch das vergessen, was er gesagt hat. Es ist alles ein großer Schwindel gewesen, ein großer Betrug. Da waren sich Freund und Feind total einig.
Wer ist Gott, wenn er sich nicht durchsetzen kann gegen seine Gegner? Das ist die natürliche Art und Weise, wie wir denken. Und die Religion, die das am besten auf den Punkt gebracht hat, was in der Kreuzigungsgeschichte ja von Menschen als natürliches religiöses Denken gesagt wird, ist der Islam. Ihr wisst das wahrscheinlich, hoffentlich, denn inzwischen sollte sich jeder gebildet haben.
Dass Jesus eine hervorragende Rolle hat, glaubt jeder Muslim. Er glaubt an die Jungfrauengeburt, dass Jesus von der Jungfrau Maria geboren wurde. Er glaubt doch, dass er wiederkommen wird am Ende der Zeit, als der Mahdi zum Gericht die Christen dafür richten wird, dass sie Schweinefleisch gegessen haben. Er glaubt, dass er Wunder getan hat, sogar mehr Wunder als im Neuen Testament stehen. Nur: Er wurde nicht gekreuzigt.
Sure 4,156 sagt: Wenn die Juden sagen, sie haben Jesus, den Messias, gekreuzigt, dann lügen sie. Sie haben ihn nicht gekreuzigt, sondern einen, der ihm ähnlich war. Denn Gott ist allmächtig und weise.
Man fragt sich ja, wieso eigentlich die Tatsache, dass Jesus gekreuzigt wurde, die kann man ja historisch gar nicht bestreiten. Sueton und Tacitus, heidnische Schriftsteller, haben das auch bezeugt. Das ist also nicht der Punkt. Man kann über die Bedeutung streiten, aber die Tatsache kann man doch nicht bestreiten. Man kann an einer Jungfrauengeburt vielleicht zweifeln, an einer Auferstehung kann man zwar zweifeln, an den Wundern kann man zweifeln, aber an einer Kreuzigung nicht.
Der Koran leugnet die Kreuzigung. Und nicht mit einem historischen Argument, sondern mit einem theologischen Argument, mit dem gleichen Argument, das unter dem Kreuz schon gesagt wurde: Denn Gott ist allmächtig und weise. Der Koran leugnet zwar, dass Jesus der Sohn Gottes ist. Es gibt keine Offenbarung Gottes in dieser direkten Weise. Er ist ein Prophet, er ist der größte Prophet. Mohammed ist das Siegel der Propheten, aber Jesus ist ein großer Prophet.
Wäre nicht Gott, wenn er zulassen würde, dass sein Prophet getötet wird. Gott, es ist eine Sache seiner Allmacht und seiner Weisheit, dass es nicht möglich ist. Es gibt allerlei Tricks. Sie haben auch schon christliche Sekten gebraucht, dass da der Christus, der Sohn Gottes, vorher in den Himmel fuhr und nur die menschliche Hülle gekreuzigt wurde. Oder dass Simon von Kyrene oder Judas gekreuzigt wurde und eine Verwechslung stattgefunden hat und Jesus überhaupt nicht. Also diese Theorien wurden auch schon in sektiererischen christlichen Gruppen verhandelt. Das ist in den ersten Jahrhunderten vom sechsten Jahrhundert an verkündet Mohammed dann als Wort Gottes, so wie er es behauptet, dass es eine Lüge ist, dass Jesus gekreuzigt wurde. Denn dann wäre Gott nicht der allmächtige und weise Gott, wenn er das zuließe.
Also: Ein Gott, der schlapp macht, den kann man nicht gebrauchen. Das ist das Erste. Und das ist bis heute so, ist klar. Deshalb ist Jesus doch nicht.
Warum das Kreuz für viele unvernünftig wirkt
Der zweite Grund ist: Das ist doch die Religion für Doofe. Die Griechen fragen nach Weisheit, heißt es, und für sie ist es eine Torheit. Wieso ist das doof? Es ist doch jeder Mensch, der seinen Kopf zum Denken gebraucht, der weiß doch, dass die Wahrheit viel zu groß und zu umfassend ist, als dass sie sich in einem einzigen Menschen zeigt, der zu einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit gelebt und gestorben ist.
Lessing hat das einmal so ausgedrückt, der Nathan der Weise geschrieben hat. Man müsse unterscheiden zwischen den ewigen Vernunftwahrheiten und den zufälligen Geschichtstatsachen. Und in den zufälligen Geschichtstatsachen, also dass etwas passiert oder ein konkreter Mensch, du oder ich oder sie, hier irgendwo lebt und etwas tut, das ist immer nur ein begrenztes, ausschnittweises Beispiel für eine Wahrheit.
Die Wahrheit ist abstrakt, ist weggezogen, abstrakt heißt weggezogen von der Wirklichkeit. Also: der Stuhl. Nein, es gibt ja gar nicht den Stuhl. Es gibt hier viele Stühle, konkrete Stühle. Das ist praktisch konkret zusammengewachsen. Abstrakt heißt weggezogen: der Stuhl an sich, der Begriff des Stuhls, den gibt es gar nicht, das ist weg. Wir haben weggezogen von der Wirklichkeit so ein Zusammenfass.
Und das ist dann Wahrheit, ewige Wahrheit, die stimmt immer und ohne. Aber wenn es in die Geschichte eintaucht, in die Wechselfälle von Werden und Vergehen, von Anfang und Ende und Begrenzungen, da kann doch nie die ganze Wahrheit sein. Das wussten die alten Griechen schon, und das wusste man in der Aufklärung. Das hat nicht nur Lessing gesagt, sondern viele. Und das ist in allen europäischen Köpfen bis heute, und das war in Griechenland genau damals.
Sie sagen: Ein Jesus von Nazareth, geboren und gestorben, gekreuzigt. Auch wenn er nicht hingerichtet worden wäre, es ist doch einfach doof zu glauben, die Wahrheit könnte begrenzt sein, in einem geschichtlich begrenzten Leben, höchstens das Beispiel einer Wahrheit. So denken die meisten Leute hier heute, so sind wir in unserem Denken. Diese Art von Religion ist doof, die haben einfach nicht genug nachgedacht. Ein Gott, der schlapp macht, ein Gott, der für Doofe ist, das kann man uns doch nicht zumuten. Das ist das Erste.
Warum Christen das Kreuz oft selbst meiden
Die zweite Frage ist: Warum ist für Christen die Botschaft vom Kreuz nicht attraktiv? Denn das ist heute unser Problem. Deshalb reden wir darüber, dass Menschen, die Christus nicht nachfolgen, mit dem Gekreuzigten nichts anfangen können. Das ist ja normal.
Das eigentliche Problem unserer Zeit ist, dass Christen mit dem gekreuzigten Jesus nichts anfangen können. Warum? Wenn man missionarisch lebt, was wir wieder wollen, wir möchten doch gerne andere für den Glauben gewinnen, dann geht das heute nach Marketingmethoden. Der Kunde ist König. Das heißt: Ich will ankommen. Ich muss doch, dass der andere etwas versteht.
In der Jugend, das ganze Leben lang, hat man sich darum bemüht, dass der andere das versteht, dass er es annimmt, wenn das nicht zu seinem Leben passt. Was soll ich dann machen? Er muss doch verstehen, dass das für sein Leben ein Gewinn ist. Also: Was wollen die Menschen? Sie wollen glücklich werden, sie wollen gesund werden und sollen reich werden. Und keiner will eingeladen werden, zu seiner eigenen Beerdigung zu kommen.
Und das ist ja das, was wir mit dem Evangelium von Jesus, dem Gekreuzigten, machen. Paulus hat das so gesagt: Ich bin mit Christus gekreuzigt. Ich lebe nicht mehr, sondern Christus lebt in mir. Das heißt, der Einstieg ist, mit Christus gekreuzigt zu werden. Aber ich sage hier: Da muss man doch bescheuert sein, wenn man das anbietet, wenn man das will.
Einem sagt man: Pass mal auf, dein Leben ist so kaputt, reparieren kann man es sowieso nicht mehr. Das kannst du nur auf den Schrottplatz bringen. Eine Neuschöpfung ist nötig. Alle wissen, dass wir Fehler haben. Alle Menschen sind heute bereit, uns zuzuhören, wenn wir ihnen anbieten, dass wir ihnen bei den Defiziten und den Schwächen Unterstützung und Glauben geben, damit das Leben besser gelingt. Aber jeder steigt aus, wenn man sagt: An deinem Leben ist nichts mehr zu reparieren. Das gehört auf den Schrottplatz, das gehört hingerichtet.
Die Beziehung zu Gott ist eine einzige Beleidigung deines Lebens. Und es geht nur dadurch, dass du mit Christus begraben wirst. Er ist für uns gestorben. Und nur indem du das akzeptierst und mit ihm begraben wirst, wirst du versenkt in sein Grab. Und er nimmt dich aus dem Tod, aus diesem verdienten Tod, hinein in das neue Leben des strahlenden Auferstehungslebens. So bekommst du ein neues Leben geschenkt.
Zu reparieren ist da nichts. Neuschöpfung steht zwar alles in der Bibel, sagen wir auch, wird doch dauernd mit Pathos vorgelesen: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung, das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. Da glänzen die Augen. Versteht zwar keiner, wir meinen es aber gar nicht so. Wir denken: Fehler haben wir alle, im Grunde sind wir gut, ein bisschen Reparatur brauchen wir, so.
Nein, die Christen mögen es nicht. Sie mögen es nicht.
Rettung statt Verkauf
So, und jetzt ist die Frage: Worauf kommt es an?
Kommt es an, also wenn wir etwas verkaufen wollen, dann ist der Kunde König. Dann müssen wir etwas anbieten, was gefällt. Denn sonst kauft uns das keiner ab.
Ich habe aber meinen Dienst nie verstanden als jemand, der etwas verkauft. Ich suche keine Kunden, sondern ich habe einen Auftrag: Menschen zu retten. Ich bin allen alles geworden, sagt Paulus in 1. Korinther 9, damit ich auf alle Weise einige rette. Er sagt nicht: erreiche. Rette! Es geht um Rettung!
Rettung heißt, dass ein Mensch aus der Verdammnis gerettet wird, aus dem Urteil des heiligen Gottes gerettet wird und in eine Gemeinschaft mit Gott kommt und jetzt ewiges Leben hat. Natürlich hat das zur Folge, dass auch das Leben jetzt eine ganz andere schöpferische Qualität hat in der Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott, die durch Jesus kommt.
Das heißt, das, was er an Lebensqualität jetzt bietet, ist konkurrenzlos gut. Ja, er will, dass dieses Leben gelingt, dass wir hier in dieser Zeit, in dieser begrenzten Weise, leben. Deshalb schämen wir uns nicht, anzubieten, was es bedeutet, heute verändert zu werden, erfüllt zu werden durch die Liebe Gottes, durch die Vergebung der Sünden, durch die Kraft des Heiligen Geistes, nach seinen Geboten, mit einer Hoffnungsperspektive.
Aber das ist doch nur die Abschlagszahlung. Das ist doch nur das von den Zinsen des Kapitals, von dem wir leben. Das große Reichtum ist, dass wir in Ewigkeit gerettet sind, dass wir in Ewigkeit mit Gott leben dürfen und dass im Gericht Gottes uns nichts mehr anklagen kann, obwohl unser Leben eigentlich eine einzige Beleidigung Gottes ist. Gerettet aus der Verdammnis, aus dem Gericht, und jetzt leben.
Die umfassende Bedeutung des Kreuzes
Lasst mich in einem dritten Block noch sagen, warum das Wort vom Kreuz Kraft und Weisheit ist. Da sage ich vier kurze Punkte, wer mitzählt, vier kurze Punkte, wenn ich noch da so hinkomme. Wenn es nicht mehr vier werden, dann ist die Zeit eben um.
Warum das Wort vom Kreuz Kraft und Weisheit ist: Die erste Frage heißt, was ist eigentlich das Wort vom Kreuz? Manche denken, damit sei jetzt nur das Kreuz als Gegenstand gemeint oder nur die Kreuzigung Jesu als ein begrenztes Geschehen. Das ist Unsinn. Lest den Ersten Korintherbrief von Anfang bis zum Ende, dann wisst ihr, was das Wort vom Kreuz ist.
Das Wort vom Kreuz fängt im Bericht an, mit dem Gott Mensch wird und im Fresstrog beim Vieh landet und ein Flüchtlingskind wird. Erbärmlicher geht es nicht: der ewige Gott an die Stelle des wehrlosen, preisgegebenen Flüchtlingskindes. Das Wort vom Kreuz entfaltet sich, indem der dreißigjährige Jesus beim Johannes dem Täufer sagt: Taufe mich! Und er sagt: Das geht doch nicht! Diese Taufe ist für verlorene Sünder, das ist nicht für dich! Taufe mich! Er geht an die Stelle der Sünder, zu denen er nicht gehört. Das ist Stellvertretung.
Er geht die Wege durch Israel, und als jemand begeistert ihm nachfolgen will, da sagt er: Weißt du, was du tust? Die Füchse haben Gruben, die Vögel haben Nester, der Menschensohn, also der Weltherr und Weltrichter, hat keinen Platz, wo er seinen Kopf hinlegen soll. Gott wird obdachlos. Das ist der Weg des Kreuzes. Gott, der ewige Gott, wird obdachlos, damit wir ein Zuhause bei ihm finden.
Und das Ganze spitzt sich zu in der Kreuzigung, indem er schreit: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Und Gott schweigt. Diesen Weg, von dem, was er getan hat, von seiner Geburt, von dem, was er getan hat, was er gesagt hat, was er gelitten hat, dass er gestorben ist, bestätigt Gott, indem er ihn am Ostermorgen auferweckt. Die Auferweckung ist die Bestätigung, die amtliche Gültigerklärung Gottes: Ja.
Es ist nicht das Ausbügeln eines Schwächeanfalls, nach dem Motto: War aber peinlich, dass uns das mit dem Kreuz passiert ist. In Wirklichkeit ist Jesus der starke Zampano. Nein, es ist das Ausrufezeichen, mit dem er sagt: Dieser Weg ans Kreuz ist das Stärkste überhaupt. So tief, Gott kann sterben. Gott kann sterben, das müsst ihr begreifen.
Und dann ist nicht Schluss mit der Auferstehung. Dann sagt uns die Bibel: Was ist jetzt? Was macht Jesus eigentlich jetzt? Aufgefahren zur Rechten Gottes, er ist jetzt zur Rechten Gottes. Das bedeutet: an dem Platz, an dem alle Vollmacht, die Generalvollmacht Gottes zur Weltherrschaft übertragen ist. Und was macht er damit? Er tritt für uns ein. Wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, vielmehr, der auch auferstanden ist und ist zur Rechten Gottes und tritt für uns ein.
Und was weiter? Lest die Offenbarung des Johannes. Dann wird in den letzten Kapiteln deutlich gemacht, dass der Thron Gottes sichtbar wird und der König auf dem Thron als das Lamm erscheint, erst geschlachtet. Das heißt: Der ewige König der Herrlichkeit erscheint in der Vision, in dem Bild des geschlachteten Lammes. Es gibt keine größere Schönheit Gottes als das Bild des geschlachteten Lammes. Das heißt, der Gekreuzigte ist nicht eine Pleite, ist nicht ein widerlich unästhetisches Ausgleiten. Wie kann man nur an einen Gott glauben, der so etwas Blutiges macht?
So machen wir bis hinein natürlich die Kreuzestheologie, die Erfindung einer sadomasochistischen Männerfantasie, hat eine feministische Theologin das beschritten. Ein bedeutender Theologe der Gegenwart sagt, es käme nicht darauf an, dass Jesus für uns gestorben ist, nein, er lebt für uns, und so ist er das Beispiel und die Inspiration für unser Leben. Das heißt: Bis hinein in die Christenheit gibt es ein Ablehnen, ein zutiefst Ablehnen des Gekreuzigten. Aber in der biblischen Botschaft von Anfang bis Ende bleibt er der Gekreuzigte, der vor Gott bestätigt ist durch die Auferstehung in Herrlichkeit als das Lamm Gottes, das für uns geschlachtet ist.
Also bitte keine Salamischeiben, Jesus! Das Wort vom Kreuz heißt nicht, hier wird der gekreuzigte Jesus herausgeschnitten und unterschieden vom Auferstandenen oder vom Lehrer oder vom Arzt oder vom Kind in der Krippe oder vom wiederkommenden Jesus. Jesus ist unteilbar, der Eine. Und Paulus sagt: Der Gekreuzigte, das ist der in der Mitte. Er ist es von Anfang bis in Ewigkeit: der Gekreuzigte, das ist das Wichtigste an ihm.
Gottes Weisheit im Leiden der Liebe
Das Zweite ist also erst einmal: Das ist das Wort vom Kreuz, die umfassende Botschaft von Jesus. Das Zweite ist: Das ist doch logisch, das ist Gottes Weisheit.
Damals, als ich Vikaban nahm, nahm ich teil an der Sommerschule über Islamkunde in Jerusalem, St. George's in der anglikanischen Kirche dort, und begegnete dem iranischen Bischof Hassan Deccani Tafti, der später dann fliehen musste und nach Rumänien und im Exil in Oxford lebt. Er war ursprünglich Muslim und hat ein kleines, kostbares Buch geschrieben, in dem er beschreibt, wie sein Kampf da war: Wie kann ein Moslem, dem das natürliche menschliche Denken jetzt sozusagen mit göttlicher Autorität, in Anführungsstrichen, im Koran gesagt wird, der Prophet kann doch nicht sterben, Jesus kann nicht getötet worden sein, wie kann dieses Anstoß des Kreuzes, wie kann ein Muslim an den gekreuzigten Jesus als den geoffenbarten Gott glauben?
Und dann schrieb er den Satz, den ich nie mehr vergessen habe, und erläuterte ihn damals in dem kleinen Büchlein, das er geschrieben hat: Design of my world, Bild meiner Welt. If love meets rebellion the result cannot be anything but suffering. Wenn Liebe auf Rebellion stößt, kann das Ergebnis nichts anderes sein als das Leiden der Liebe.
Seht, wenn es bei Paulus heißt, das ist Torheit, dann ist das nicht gemeint im Sinn von: Das ist alles doch Quatsch, und Gott hätte auch sagen können: Näh dir einen Knopf an die Backe und häng ein Klavier dran, weil ich das so sage, ist das der Weg der Erlösung. Manche denken ja, irgendein irrsinniger Quatsch wird da verkündet, und weil man den dann schluckt, obwohl kein Mensch das einsehen kann, kriegt man dann als Belohnung sozusagen die Erlösung. Nein, es ist Weisheit Gottes. Es ist Weisheit Gottes.
Und wenn ein Mensch die Voraussetzungen geändert bekommt, dann verändert sich die Wirklichkeit. Alles Denken geht von sogenannten Axiomen aus, also von Voraussetzungen, die nicht mehr hinterfragt werden können. Das sind sozusagen die Fundamente alles Denkens. Und wenn ich Gott begegne und seiner Wirklichkeit und er mir die Augen auftut, so wie das im 1. Korinther 2 heißt, da sagt der natürliche Mensch, er vernimmt nichts vom Geist Gottes, es ist ihm eine Torheit, er kann es nicht erkennen, es muss geistlich beurteilt werden, also durch den Geist Gottes beurteilt werden.
Das heißt: Ich brauche eine neue Sicht, einen neuen Grundzugang zu der Wirklichkeit, überhaupt zur Wirklichkeit meines Lebens, dieser Welt und zur Wirklichkeit Gottes. Das ist, dass Gottes Geist uns die Augen öffnet. Und dann kapiere ich, dass der Weg, den Gott geht, ins Kreuz ist, Weisheit, macht Sinn. Da ist eine Logik drin.
Wenn Liebe auf Rebellion stößt, dann gibt es da nur eins. Also normalerweise, wenn es Rebellion gibt in einem Staat, dann machen die Druck. Das konnte man ja jetzt in Kenia im Fernsehen sehen, wie das aussieht, wenn dann die Knüppel draufhauen und geschossen wird. Also auf Rebellion wird mit Gewalt unterdrückt. Wenn gegen eine Rebellion mit Liebe vorgegangen wird, kann das Ergebnis nichts anderes sein, als dass diese Liebe unter die Räder kommt, dass sie ins Leiden geht. Das ist der Weg, das ist der Weg der Liebe.
So erklärt es der Auferstandene auf dem Weg nach Emmaus den beiden, die die Kreuzigung nur als ein Durchkreuzen, ein Scheitern, als eine Widerlegung von Jesus sahen. Den erklärte er anhand der biblischen Geschichte, er öffnete ihnen die Schrift, fing an bei Mose und den Propheten, er ging durch das ganze Alte Testament und sagte: So ist es von Anfang an gewesen. Gott ist in diese Welt hineingekommen und er hat sich ausgeliefert. Er ist unter die Räder gekommen. Was haben die Leute mit seinem Wort gemacht, mit seinen Propheten? Sie haben Schindluder mit ihm getrieben. Und sie meinen, sie könnten sich das bis heute leisten: Sie treten drauf, sie spotten drüber, sie spucken drauf, und Gott schlägt nicht zu, er lässt es zu. Gott kommt unter die Räder, das ist das Leiden der Liebe. Und dann sagt er: Muss nicht der Messias so leiden und so zur Herrlichkeit eingehen? Lukas 24. Da ist diese Logik Gottes.
Oder nehmt die Gethsemane-Geschichte. Jesus appelliert an die Allmacht Gottes. Er sagt: Vater, alle Dinge sind möglich bei dir. Lass diesen Kelch vorübergehen! Ja, meine Güte, wenn Gott allmächtig ist, dann wird er doch jede Menge Möglichkeiten noch haben, die Probleme zu lösen. Das ist doch Gottes Allmacht. Und Jesus appelliert im Gebet in Gethsemane an Gottes Allmacht: Alle Dinge sind möglich bei dir. Und Gott sagt: Nein. Gott hat keine anderen Wege, außer dass er selbst der Weltrichter, der ewige Mensch wird und bis in die verfluchte Situation des Todes am Kreuz geht. Es gibt keinen anderen Weg.
Ja, man kann verstehen, dass Leute sagen: Das passt nicht, das passt nicht in unser Denken. Nein, es passt auch nicht in unser Denken, es sei denn, dass Gottes Heiliger Geist kommt. Und wie Jesus das selber in Johannes 15 vorausgesetzt hat: Ich werde euch den Tröster, den der Zuspruch gibt, senden, und der wird von mir Zeugnis ablegen. Der Heilige Geist übrigens redet nicht von sich selber, er redet von Jesus. Das sollte dir nicht vergessen, wenn wir so viel vom Heiligen Geist reden. In der Bibel redet der Heilige Geist nicht von sich selber, sondern er redet von Jesus. Er ist ein Zeuge für Jesus, erinnert an das, was Jesus gesagt hat. Er ist 1. Korinther, Johannes-Evangelium, 1. Korintherbrief. Er gibt uns das Urteil, das wir denken. Er ist sozusagen wie der Scheinwerfer, der aufs Kreuz leuchtet, und ich sehe: Der ewige Gott erniedrigt sich, der Richter geht an die Stelle des Gerichteten. Das ist logisch.
Die Kraft des Kreuzes im Leben der Glaubenden
Und drittens: Es ist stark. Es ist stark.
„Das ist doch schwach.“ Nein, es ist stark. Er geht unter die Lasten. Oben drauf herumtanzen und Sprüche machen kann jeder. Er geht unter die Lasten, um sie wegzutragen. Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde wegträgt. Nur er kann das.
Warum? Wir wollen das kurz zu erklären versuchen, weil nur Gott sich mit uns identifizieren kann. Weißt du, was das heißt? Identifizieren heißt, derselbe sein. Wir sagen das einmal so: Man möchte sich mit einem Menschen identifizieren. Das können wir aber gar nicht, wir tun nur so. Man versucht, sich hineinzudenken, hineinzufühlen, möglichst viel mitzuempfinden und das auch praktisch zu zeigen. Aber dann gibt es unüberschreitbare Grenzen, die jeder erleidet, der liebt.
Wenn eine Mutter oder ein Vater ein Kind sterbenskrank sieht, dann möchten sie aus Liebe sich identifizieren. Sie möchten selber die Krankheit des Kindes nehmen und sterben, damit dieses Kind nicht sterben muss. Und sie können nicht hinein in das Leben ihres Kindes, sie können nicht derselbe werden. Das ist die Grenze aller Natur und des menschlichen Lebens.
Wir können uns nicht, niemand kann in mein Leben hinein, niemand kann mir meine Vergangenheit abnehmen, niemand kann mir letzten Endes meine Sorgen abnehmen. Man kann mich begleiten, wir können einander so nahe wie möglich kommen, aber keiner kann derselbe werden wie der andere. Der Einzige, der das kann, ist der ewige Gott, der nicht an die Grenzen von Raum und Zeit gebunden ist. Und er tut es in einer Weise, an der man sich die Zähne ausbeißt, wenn man das einmal hört.
Hört einmal den Satz aus dem 2. Korinther 5,21: Gott hat den, der von keiner Sünde etwas wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir durch ihn Gerechtigkeit würden. Das heißt: Jesus wurde von Gott zur Lüge gemacht, zu Hass, zur Rücksichtslosigkeit, zur Verkommenheit, zur Arroganz, zur Selbstgerechtigkeit. Da steht es: Gott hat den, der von keiner Sünde etwas wusste, zur Sünde gemacht, und so hat er ihn am Kreuz behandelt.
Das ist Identifikation. Er hat sich mein Leben angezogen. Und nur er kann es. Wir können unsere Sünden beschönigen, wir können sagen: Das machen doch alle, ist doch nicht so schlimm. Aber er ist der Einzige, der in unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hineinkommt, sie sich anzieht und bis zum bitteren Ende trägt.
Deshalb ist das der Kern. Der Kern des Evangeliums heißt: Ich bin mit Christus gekreuzigt, indem ich das annehme. Er identifiziert sich total mit meinem verlorenen Leben. „Ich lebe doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir“ Galater 2,19-20. Das ist der Kern.
Es gibt viele Bilder, mit denen wir versuchen, das zu erläutern, zu umschreiben, weil diese Wirklichkeit so einzigartig ist, dass sie menschlich kaum zu verstehen ist. Nein, verstehen können wir alles ganz einfach, wo es etwas gibt, was im Alltag auch so ist, so ähnlich es ist. Es gibt aber in der Welt nichts, was so ist wie dieses Geschehen. Es gibt nichts Paralleles, Vergleichbares, Wiederholbares. Und deshalb sollte sich niemand wundern, dass es rein gedanklich nicht ganz einfach ist, das zu beschreiben und zu entfalten.
Aber leben kann es jedes Kind. Leben ist so kompliziert, dass kaum einer es beschreiben kann. Aber jedes Baby lebt. Niemand von uns würde sagen: Erst wenn du weißt, wie das mit den Nervensystemen und dem Blutkreislauf funktioniert, dann kannst du leben. Das ist doch völliger Quatsch, dann könnte ja keiner von uns leben.
So ist es auch, wenn wir mit Gott und Jesus reden. Dann meinen wir immer, wenn wir die ganze komplizierte Theologie verstanden hätten, dann könnten wir Christen sein. Das ist doch völliger Unsinn. Natürlich darf man nachdenken und versuchen, die Weisheit Gottes tiefer zu verstehen, aber das Leben kommt doch nicht erst dann, wenn wir es verstanden haben. Es wird uns geschenkt wie einem Baby in der neuen Geburt, durch Vergebung der Sünden und den Heiligen Geist, ein tiefes Geheimnis.
Paulus hat wahnsinnig gekämpft, bis ihm das klar wurde. Es war ihm so total gegen den Strich, dass er sagt: Es ist unanständig. Wie viele große Philosophen, etwa Nikolai Hartmann, haben gesagt, es ist unsittlich, den Menschen Vergebung der Sünden anzubieten. Das nimmt ihnen den Anreiz weg, an der Besserung ihres Lebens zu arbeiten, wenn man ihnen das schenkt.
Bis in die Gegenwart ist das so, bis in die Gegenwart. Es ist ein Geschenk, das gegen unsere Tendenz ist.
Das Weizenkorn als Bild für Frucht und Sendung
Lassen Sie mich das Ganze damit abschließen, indem ich sage: Was bedeutet das jetzt? Warum muss man ein solches Thema im Zusammenhang mit Weltmission bedenken? Weil jeder in seinem Leben wissen soll, dass der Erfolg des Lebens und die Vermehrung des Lebens immer und überall nur nach dem Weizenkornprinzip funktioniert.
Das hat Jesus gesagt, in Johannes 12,24: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde gelegt wird und stirbt, also beerdigt wird, bleibt es allein. Nur wenn es beerdigt wird, bringt es viel Frucht. Und so hat er von sich selbst geredet, als Leute nach ihm fragten, was das mit ihm ist. Das ist sein Weg ans Kreuz. Er wird ins Sterben gehen, und das ist eine Einsaat des Beerdigtwerdens und so vielfache Frucht.
Aber das gilt genauso für die Jünger, ja? Gott will, dass unser Leben Erfolg bringt. Und das Erfolgsrezept ist ganz, ganz klar: sterben, mit Christus gekreuzigt werden.
- April 2007, Malatya: Netati Aydin, 35 Jahre alt, war der türkische Pastor. Und Tilman Jeske, die der Kuhl hatte mir es gerade vom WC, hat es mir gerade noch einmal erklärt, die Frau ist wieder ausgereist nach Malatya, mit den Kindern. Habt ihr die Geschichte noch im Blick? Sie ging kurz durch die Medien, wo fünf junge Leute brutal die drei in dem Bibelshop, in dem Bibelverlag Zerwe, ermordeten, brutal massakriert. Und jetzt läuft ein unsäglicher Prozess in der Türkei, in dem mehr die Christen in Schwierigkeiten gebracht werden als die Mörder.
Die Frau geht zurück, da ist unser Platz. Weizenkorn gesät, in der Liebe für türkische Menschen.
- Oktober 2007, heute fast genau auf den Tag drei Monate her: Rami Ayat, der Buchhändler und Jugendleiter der baptistischen Gemeinde und Buchhändler des Bibelshops am zentralen Platz in Gaza-Stadt, an der palästinensischen Bibelgesellschaft, wird entführt. Und man findet ihn am nächsten Morgen um 6.30 Uhr: sein Leichnam, von Messerstichen und von Kugeln durchbohrt, 30 Jahre alt. Weizenkorn in die Erde gesät.
Jesus hat uns gesagt: Siehe, ich sende euch wie Schafe unter die Wölfe. Ich habe viel darüber nachgedacht, was Wölfe mit Schafen anfangen könnten, außer sie aufzufressen. Eigentlich nichts. Und dass wir im Augenblick so bequem leben und dass das alles uns nichts kostet und wir uns schon wie die Märtyrer vorkommen, wenn uns einer wegen unseres Glaubens angreift, das ist ja albtraumartig.
Dabei geht es da nicht darum. Keiner von uns hat doch, vermute ich mal, wir sind ja keine Masochisten, Lust, sich selbstquälerisch zu machen. Was ist das für ein Herr? Er sagt: Ja, weißt du, die Liebe Gottes sieht die Menschen, alle Menschen, auch die, die ihn vergessen haben, auch die, die ihn bespucken, so kostbar, dass der letzte Blutstropfen wert ist. Jeder Mensch ist Gott den letzten Blutstropfen wert.
Er sagt: Komm, du bist es auch. Nimm es für dich, sei gewiss, so wertvoll bist du. Und so soll dein Leben im Sterben und in der Auferstehung von Jesus erneuert werden. Und dann geh hin, dann geh hin, sei ein Weizenkorn, eingesät in diese Erde. Und nur im Sterben bringen wir Frucht.
Einer der großen Väter der alten Kirche, Tertullian, an der Wende vom zweiten zum dritten Jahrhundert, hat den Satz gesagt: Sanguis est semen Christianorum – das Blut ist das Saatgut der Christen.
