Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 469: Die eine Herde
Einführung in den neuen Bund und seine Adressaten
Was ist eigentlich das Besondere am neuen Bund? Zuerst einmal wird dieser neue Bund mit Israel geschlossen. Genauer gesagt, wird er mit dem gläubigen Überrest geschlossen, also mit den Juden, die auf die Stimme des guten Hirten hören.
Sie lassen sich durch die Predigt des Evangeliums aus dem Alten Bund herausrufen, um Jesus zu folgen. Doch die Juden sind im Hinblick auf diesen Bund nur die Ersten, die die Stimme des Messias hören.
Deshalb kann Petrus in der zweiten Pfingstpredigt sagen (Apostelgeschichte 3,25-26): „Ihr seid die Söhne der Propheten und des Bundes, den Gott euren Vätern verordnet hat, als er zu Abraham sprach: ‚In deinem Samen werden gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.‘ Euch zuerst hat Gott seinen Knecht erweckt und ihn gesandt, euch zu segnen, indem er jeden von euch von seinen Bosheiten abwendet.“
Merkt man, wie Petrus formuliert? Da ist ein Bund, den Gott den Israeliten verordnet hat. Die Verheißung dieses neuen Bundes geht bereits auf Abraham zurück. Von Anfang an ist klar, dass der Bund kein nationaler Bund sein wird. Vielmehr werden alle Geschlechter der Erde Gottes Segen erfahren.
Allerdings heißt es auch: „Euch zuerst hat Gott seinen Knecht erweckt und ihn gesandt, euch zu segnen.“ Die jüdischen Zuhörer dürfen also wissen, dass sie privilegiert sind, weil sie sich zuerst bekehren dürfen.
Die Reihenfolge der Verkündigung und die Einheit der Gläubigen
Derselbe Gedanke findet sich auch in Römer 1,16. Paulus schreibt dort: „Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht, ist es doch Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden, sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen.“ Es gibt eine Reihenfolge, in der Gottes Segen den Menschen angeboten wird: dem Juden zuerst, dann dem Griechen, also den Nichtjuden.
Was verbindet diese beiden Gruppen miteinander? Der Glaube an Jesus. Dieser Glaube macht alle zu Abrahams Nachkommen, wie es in Galater 3,29 heißt: „Wenn ihr aber des Christus seid, so seid ihr damit Abrahams Nachkommenschaft und nach der Verheißung Erben.“
Alle Gläubigen, egal ob aus den Juden oder aus den Nichtjuden, sind Abrahams Söhne. Beide gehören zur Herde des guten Hirten, wie in Johannes 10,16 beschrieben: „Und ich habe andere Schafe, die nicht aus diesem Hof sind; auch diese muss ich bringen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde, ein Hirte sein.“
Hier spricht Jesus von den Heidenchristen. Sie sind die anderen Schafe, die nicht aus diesem Hof stammen, also keinen jüdischen Hintergrund haben. Auch diese Gläubigen hören die Stimme des guten Hirten und folgen ihm. Jesus unterscheidet nicht zwischen gläubigen Juden und gläubigen Heiden. Am Ende gibt es nur eine Herde und einen Hirten.
Die Einheit von Juden und Heiden in Christus
Was Jesus hier beschreibt, ist die Gemeinde, die Ekklesia des Messias. Dieser Gedanke ist erstaunlich: Gott macht aus Zweien eins. Paulus formuliert denselben Gedanken später in ähnlicher Weise.
Im Epheserbrief Kapitel 2, Verse 11 bis 13 heißt es: "Deshalb denkt daran, dass ihr einst aus den Nationen, dem Fleisch nach Unbeschnittene genannt, von der sogenannten Beschneidung, die im Fleisch mit Händen geschieht, zu jener Zeit ohne Christus wart, ausgeschlossen vom Bürgerrecht Israels und Fremdlinge hinsichtlich der Bündnisse der Verheißung. Ihr hattet keine Hoffnung und wart ohne Gott in der Welt. Jetzt aber in Christus Jesus seid ihr, das sind die Heiden, die ihr einst fern wart, durch das Blut des Christus nahegekommen."
Zur Zeit des mosaischen Gesetzes waren die Heiden ohne Christus. Sie waren vom Bürgerrecht Israels ausgeschlossen, Fremdlinge hinsichtlich der Bündnisse, ohne Hoffnung und ohne Gott. Doch all das hat sich geändert.
Im Epheserbrief Kapitel 2, Verse 14 und 15 heißt es: "Denn er ist unser Friede. Er hat aus beiden – gemeint sind Juden und Heiden – eins gemacht. Und die Zwischenwand der Umzäunung, die Feindschaft, hat er in seinem Fleisch abgebrochen. Er hat das Gesetz der Gebote in Satzungen beseitigt, um die zwei friedenstiftend in sich selbst zu einem neuen Menschen zu schaffen."
Jesus hat durch sein Leben, Sterben und seine Auferstehung das mosaische Gesetz beseitigt. Warum? Weil das Gesetz seinem Ziel im Wege stand. Es trennte Juden von Heiden. Als Umzäunung hinderte es die weltweite Evangelisation und die Entstehung einer Gemeinschaft aus gläubigen Juden und gläubigen Heiden.
Deshalb musste das Gesetz weg. Es musste weg, weil Jesus Juden und Heiden in sich selbst zu einem neuen Menschen schaffen wollte. Dieser neue Mensch ist ein Bild für die Gemeinde, die der Leib Christi ist. Jesus ist das Haupt.
Der Heide muss also nicht Jude werden, um Teil des neuen Bundes zu sein. Vielmehr müssen Juden und Heiden Christen werden, beide müssen auf die Stimme des guten Hirten hören und ihm folgen.
Die Herde des guten Hirten als Bild für die Gemeinde
Johannes 10,3-4.16
Diesem öffnet der Türhüter, und die Schafe hören seine Stimme. Er ruft die eigenen Schafe mit Namen und führt sie heraus. Wenn er alle seine Schafe herausgebracht hat, geht er vor ihnen her. Die Schafe folgen ihm, weil sie seine Stimme kennen.
Und ich habe andere Schafe, die nicht aus diesem Hof sind. Auch diese muss ich bringen, und sie werden meine Stimme hören. Es wird eine Herde und ein Hirte sein.
Ich gebe gern zu, dass mich diese Idee von einer Herde sehr fasziniert, vor allem wenn ich mir anschaue, wie Petrus diese Herde beschreibt (1. Petrus 2,9-10):
Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitz, damit ihr die Tugenden dessen verkündet, der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat. Die ihr einst nicht ein Volk wart, jetzt aber ein Volk Gottes seid, die ihr nicht Barmherzigkeit empfangen hattet, jetzt aber Barmherzigkeit empfangen habt.
Die eine Herde ist also ein königliches Priestertum, eine heilige Nation und wird Volk Gottes genannt. Mir scheint, dass Gott mit der Entstehung der Gemeinde die Idee verwirklicht, die er ursprünglich schon Israel als Volk vor Augen gemalt hat. So heißt es in 2. Mose 19,5-6:
Und nun, wenn ihr willig auf meine Stimme hört und meinen Bund haltet, dann sollt ihr aus allen Völkern mein Eigentum sein, denn mir gehört die ganze Erde. Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein. Das sind die Worte, die du zu den Söhnen Israel sprechen sollst.
Merkt ihr? Ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation – das war Gottes Idee für Israel, vorausgesetzt, sie würden willig auf seine Stimme hören und seinen Bund halten. Leider hat Israel das als Volk nicht getan. Aber jetzt erfüllt sich diese Idee für die gläubigen Juden durch ihre Teilhabe an der Gemeinde. Denn die Ekklesia des Messias ist genau das: ein königliches Priestertum und eine heilige Nation.
Das Neue am Neuen Bund ist ganz einfach erklärt: Es braucht eine Beziehung zum guten Hirten. Wer seiner Stimme folgt, gehört dazu. Wer es nicht tut, gehört nicht dazu – egal, ob Jude oder Heide.
Was könntest du jetzt tun? Du könntest noch einmal in Ruhe Epheser 2 lesen und den Gedankengang für dich nachvollziehen.
Das war's für heute. Bete doch für Politiker, es scheint, dass sie es mehr denn je brauchen. Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
Das Wesentliche am neuen Bund
Das Neue am Neuen Bund lässt sich ganz einfach erklären: Es braucht eine Beziehung zum guten Hirten.
Wer seiner Stimme folgt, der gehört dazu. Wer dies nicht tut, gehört nicht dazu – unabhängig davon, ob Jude oder Heide.
Schlusswort und Segenswunsch
Was könntest du jetzt tun? Du könntest noch einmal in Ruhe den Brief an die Epheser, Kapitel zwei, lesen und den Gedankengang für dich nachvollziehen.
Das war es für heute. Bete für Politiker; es scheint, dass sie es mehr denn je brauchen.
Der Herr segne dich, lass seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden. Amen.
