Serie•Teil 5 / 7Regionalkonferenz Schweiz 2017
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einleitung und Gebet
Ronn wird uns zum Thema reden, wenn das Evangelium fehlt, wie die gute Nachricht die Gemeinde belebt. Wir freuen uns auf deine Botschaft und möchten noch gerne für dich beten.
Treuer Herr, wir danken dir für dein Wort. Dein Wort ist Wahrheit. Dein Wort ist wie ein Hammer, der Felsen zerschlägt. Und wir bitten dich, Herr, dass du auch uns heute Morgen die Kraft deines Wortes erfahren lässt. Wir bitten dich, dass du uns Ohren gibst, die hören, und bitten dich um geöffnete Herzen. Wir bitten dich um Gnade für Ron, dass du ihm Gelingen schenkst, dass du ihn leitest durch deinen Geist. Und wir danken dir, dass du das tun wirst.
Ja, auch von meiner Seite einen guten Morgen. Ich bin dankbar, dass der Erik sich noch freut auf diesen Vortrag, dass ich ihn gestern nicht so abgeschreckt habe mit dem ersten Teil der Kreuzestheologie.
Wir haben uns gestern mit der Theologie Luthers beschäftigt, in der das Kreuz zum Mittelpunkt geworden ist. Luther hat herausgearbeitet, dass wir nur über das Kreuz, über den leidenden Christus, zu Gott kommen. Mittelpunkt aller Rede von Gott und vom Menschen ist nach Luther das Kreuz, sowohl in der Frage des Heils als auch in der Frage der Heiligung.
Also ist meine Aufgabe hier bei dieser Konferenz, etwas lutherische Perspektive hineinzubringen, auch wenn es jetzt um die Frage geht: Was passiert eigentlich in unseren Gemeinden, wenn das Evangelium fehlt?
Ich habe gerade etwas erschrocken festgestellt, dass ich nur 45 Minuten habe. Ich habe mich auf eine Stunde eingestellt. Ich werde den Vortrag etwas kürzen, das ist kein Problem. Ich will aber darauf hinweisen, dass wichtige Dinge, die ich nicht sage, in dem Skript stehen, das man im Internet herunterladen kann. Das wird hier oder ist schon auch über die Folie eingeblendet. Also das, was ich sage, wird sich nicht ganz decken mit dem, was im Skript zu finden ist. Ich werde es etwas komprimieren, was das Hören sicher auch einfacher macht.
Das ist jetzt der zweitanspruchsvollste Vortrag; der einfachste Vortrag kommt heute Nachmittag.
Was will ich machen? Ich will zunächst einmal versuchen, uns noch einmal mit hineinzunehmen in Luthers Entdeckung des Evangeliums, um uns zu zeigen, um uns vor Augen zu malen, wie schön das Evangelium ist oder was das Gute an der guten Nachricht ist.
In einem zweiten Teil möchte ich dann darüber reden, was passiert eigentlich in unseren Gemeinden, wenn das Evangelium nicht mehr im Zentrum steckt oder im Zentrum steht. Da könnte ich dann sehr viel erzählen. Ich habe drei, zugegebenermaßen sehr persönliche, Beispiele herausgegriffen, zu denen ich dann etwas sagen werde: Was passiert in den Gemeinden, wenn das Evangelium nicht im Mittelpunkt steht?
Und im dritten Teil werde ich das noch einmal zusammenfassen und uns dazu ermutigen, wirklich das Evangelium leuchten zu lassen.
Die Entdeckung der befreienden Botschaft
Ja, wir kommen zum ersten Teil: die Schönheit des Evangeliums. Das ist das, worüber ich am liebsten spreche.
Als ich gestern hier in die Gemeinde hineinkam, zum ersten Mal, sah ich sofort diesen Wandteppich mit Römer 1,16, und mein Herz hat sich gefreut. Das ist ja ein Text, der zusammen mit Vers 17 zum Ausbruch der Reformation geführt hat.
Ich will euch einmal mit hineinnehmen in die Situation von Martin Luther vor rund 500 Jahren. Er war Augustinermönch, ein Klosterbruder, der glaubte, dass wir Menschen Gott durch gute Werke, durch Gebet und durch Buße gefallen. Er genoss als Professor an der Universität Wittenberg eine für die damalige Zeit unglaubliche Freiheit, und er löste sich von der mittelalterlichen Auslegungstradition dadurch, dass er vor allem die Schrift zur Sprache brachte.
Er hat später dann einmal seinen Kritikern geschrieben, 1521: Die Schrift ohne alle Anmerkungen ist die Sonne und das ganze Licht, von welchem alle Lehrer ihr Licht empfangen und nicht umgekehrt. Die Schrift ist die Sonne, sie bringt das Licht. Es sind nicht die langen Kommentare, die Auslegungstraditionen, die Kirchenväter. Die sind wichtig, und auch Luther hat sie berücksichtigt. Aber das, was entscheidend ist, das steht im Wort Gottes selbst.
Luther wäre nicht glücklich darüber gewesen, über eine Studienbibel, wo sozusagen der Erklärungstext länger ist als der Bibeltext. Luther will, dass wir uns mit dem Text selbst auseinandersetzen. Und dadurch, dass er die Schrift in seinen Vorlesungen sprechen ließ, waren die Vorlesungen voll. Die Leute kamen in Massen, und sie haben das, was er dort sagte, noch nie gehört.
Was sie aber nicht wussten, war, dass Luther ein zutiefst verzweifelter Mensch gewesen ist. Er studierte seine Bibel, er betete den Rosenkranz, er sang den Psalter bis zur Erschöpfung, bis ihn eine chronische Schlaflosigkeit plagte. Aber er glaubte, mit all dem, was er tat, Gott nicht genügen zu können.
Und das Ganze bündelte sich eigentlich dann in einem Wort. Er beschreibt das kurz vor seinem Tod, wie er das 1515 dann erlebt hat. Ich möchte das einmal zitieren: Ein ganz ungewöhnlich brennendes Verlangen hatte mich gepackt, Paulus im Römerbrief zu verstehen, Römer 1. Aber nicht Kaltherzigkeit hatte mir bis dahin im Weg gestanden, sondern ein einziges Wort, das im ersten Kapitel steht: Gottes Gerechtigkeit wird darin offenbart, Römer 1,17. Ich hasste dieses Wort, Gerechtigkeit Gottes, das sich durch die übliche Verwendung bei allen Lehrern gelehrt war, philosophisch zu verstehen, von der sogenannten formalen und aktiven Gerechtigkeit her zu deuten, mittels derer Gott gerecht ist und die Ungerechten straft. Also: Gottes eigene Gerechtigkeit muss den Sünder strafen. Deswegen hat Luther das als strafende Gerechtigkeit gelesen.
Und er schreibt dann weiter, wie er dann auf einmal anfing, den Text anders zu lesen: Bis ich, dank Gottes Erbarmen, unablässig Tag und Nacht darüber nachdenkend, auf den Zusammenhang der Worte aufmerksam wurde, nämlich: Durch das Evangelium wird Gottes Gerechtigkeit offenbart, nämlich die passive, durch die uns der barmherzige Gott gerecht macht, durch den Glauben. Wie geschrieben ist: Der Gerechte lebt aus Glauben. Da hatte ich das Empfinden, ich sei geradezu von Neuem geboren worden und durch geöffnete Tore in das Paradies selbst eingetreten.
Ihr merkt: Jetzt hat Luther auf einmal das freundliche Gesicht Gottes entdeckt. Er hatte zunächst gedacht, die Gerechtigkeit Gottes müsse, wenn sie wirklich Gerechtigkeit ist, uns ja alle verdammen, weil wir Menschen ungerecht sind. Und Gottes gerechtes Urteil bedeutete, dass er alle Menschen verdammt, denn alle Menschen sind Sünder und haben den Zorn Gottes verdient.
Aus dem Kontext von Römer 1,17 geht jedoch hervor, dass die Gerechtigkeit Gottes sich dem Menschen im Glauben offenbart. Sie ist also nicht die gesetzliche, richtende Gerechtigkeit, die jedermann für seine Werke erteilt wird, sondern die Gerechtigkeit, die Gott dem ihm vertrauenden Sünder zuspricht.
Es ist hier die Gerechtigkeit gemeint, durch welche Gott den Gottlosen gerecht macht. Luthers Entdeckung für die Glaubensgerechtigkeit war ein ganz maßgeblicher Baustein für die Rückgewinnung des Evangeliums zur Reformationszeit. Gottes Gerechtigkeit wurde als Gabe wiederentdeckt.
Wenn die Geschichte der Kirche vom Evangelium her aufleuchtet
Und, ihr Lieben, wenn wir uns einmal die Mühe machen würden, in die Kirchengeschichte zurückzublicken und zu schauen, wo es nachhaltige geistliche Aufbrüche gegeben hat, dann würden wir, da bin ich mir ziemlich sicher, feststellen, dass das immer dann der Fall war, wenn dieses gnadenreiche Evangelium im Mittelpunkt stand.
Das war zur Zeit der ersten Christen so. Ihr findet Belege im Skript. Ich zitiere dort Adolf von Harnack, einen großen liberalen Theologen, aber einen ganz hervorragend historisch arbeitenden Mann, der herausgestellt hat, dass es eben eine Besonderheit der ersten Christen war, dass die Rettung nicht durch die Gesetzesbeobachtung kam, sondern durch die stellvertretende Sühne und die Vergebung der Sünden.
Im vierten Jahrhundert legte Augustinus den Blick auf Gottes Gnade, und er sprach davon, dass die Gerechtigkeit Gottes diejenige ist, mit der er den Menschen bekleidet, wenn er den Sünder gerecht macht.
Und es lassen sich viele andere Beispiele finden: die Bewegung der Waldenser im zwölften Jahrhundert, eine Erweckung in Wuppertal – meine Frau kommt aus Wuppertal, ich kenne mich da ein bisschen aus –, Krumbacher und Kohlbrücke. Es war immer das Evangelium. Oder auch in London unter Spurgeon oder im zwanzigsten Jahrhundert unter Martin Lloyd-Jones: Es war dieses Evangelium von der Rechtfertigung des Gottlosen durch Gottes passive Gerechtigkeit.
Ich möchte euch einmal ein Beispiel etwas näherbringen, das in Deutschland unbekannt ist. Und ich gehe davon aus, dass es dann auch in der Schweiz nicht so bekannt ist. Es stammt aus Berlin.
Es gab in Berlin, das wissen viele gar nicht, einen wirklichen erwecklichen Aufbruch im Berlin des neunzehnten Jahrhunderts, und zwar in einer Zeit, in der es ganz finster war in Berlin. Ich spreche von einem Prediger, der Johann Jänecke hieß. Er ist nicht so bekannt.
Was war los in Berlin? Wir wissen das zum Beispiel aus einer Biografie, die jemand über ihn geschrieben hat. Dort wird Berlin als Wüste im Reich Gottes bezeichnet. König Friedrich II. von Preußen hatte Freigeister wie Voltaire nach Berlin als Berater geholt, nach Brandenburg. Oder es gab Friedrich Schleiermacher, den Übervater der liberalen Theologie, der in Berlin lehrte und die ganze theologische Szene in Berlin geprägt hatte.
Jänecke war Pfarrer der Bethlehemskirche, und er galt in diesem Klima jahrzehntelang, ich zitiere, „als der einzige gläubige Prediger in Berlin“.
Ein einsamer Prediger und die Kraft der Schrift
Und was hat dieser Jenecke als einsamer Rufer in der Wüste gemacht? Es gab drei herausstechende Merkmale.
Das erste war, das sollten wir uns merken: Er hat eine Bibelgesellschaft gegründet. Er hat sich darum gekümmert, dass die Menschen die Bibel lesen.
Das zweite, was er gemacht hat: Er hat Hausbesuche gemacht. Er ist zu den Leuten in die Familien hineingegangen. Er wollte die Menschen in ihrer Lebenswelt kennenlernen. Das ist ein Kennzeichen von Liebe.
Und das Dritte, was er gemacht hat: Er hat das Evangelium gemäß der Schrift verkündigt. Ich zitiere ihn: Wenn es mein Vater, meine Mutter, mein liebster Lehrer sagte, und der Herr Jesus sagte es nicht oder widerspricht ihm gar, dann weg damit! Wir werfen es als seelenschändlich, als grund- und in die Hölle stürzend weg. Und es ist eine große Sünde, wenn man klüger sein will als der treue und wahrhaftige Zeuge, in dessen Mund kein Falsch ist.
Aber wie kam es zu der eigentlichen Erweckung? Ich habe gesagt: Bibel verteilt, Hausbesuche gemacht. Der dritte Punkt war, dass er jeden Sonntag nutzte, um schriftgemäß das Evangelium zu verkündigen.
Augenzeugen sagten, dass sich seine Predigten um drei Themen drehten. Erstens: Jesus ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben. Warum hat er das so betont? Weil das eben unter dem Eindruck der liberalen Theologie ganz massiv angezweifelt wurde. Die Göttlichkeit Jesu wurde angezweifelt, und er hat darauf bestanden. Er hat das aus der Schrift nachgewiesen, dass Jesus der Sohn Gottes ist.
Der zweite Punkt: Er hat gezeigt, wir Menschen sind Sünder.
Und der dritte Punkt: Nur durch das Verdienst Jesu Christi werden Sünder gerecht.
Und es gab im Adel von Berlin, also in der High Society, eine Erweckung. Das waren die reichen Leute, mit denen sich keiner traute zu reden, mit denen auch keiner reden durfte, die vermögend waren, die geschlemmt haben, die nicht wussten, wohin mit ihrem ganzen Geld, und die doch so einsam waren. Und genau wussten: Auch sie brauchen einen Retter.
Von diesem Adel gibt es eine Erweckungsbewegung, die sich weit nach Pommern, also weit in den Osten, ausgestrahlt hat. Es gibt eine Dissertation zu diesem Thema, wo man dann die Einzelheiten nachlesen kann.
Wir reden ja so gerne davon, dass wir als Christen in schwierigen Zeiten leben. Und ich sehe das auch so: Wir sind in einer Krisensituation. Aber damals, in einem gottlosen, finsteren Berlin, gab es einen Prediger, der an die Kraft des Evangeliums geglaubt hat. Und er hat die Bibel verbreitet, er hat die Menschen besucht.
Wir wissen von Augenzeugen, dass er sich jeden Sonntag vor der Predigt niedergekniet hat, dass er lange gebetet hat, und dann hat er das Evangelium verkündigt. Und Gott hat es benutzt. Gott hat sein Wort benutzt, um dort Menschen zum Glauben zu rufen. Und sie sind zum Glauben gekommen, und es ist eine Bewegung entstanden, die ausgestrahlt hat.
Was das Evangelium eigentlich ist
Das führt uns zum Punkt des Evangeliums. Ich hatte ursprünglich vor, noch sehr ausführlich darüber zu sprechen, was eigentlich das Evangelium ist. Das werde ich jetzt abkürzen. Ich werde nicht alle Punkte behandeln, die im Skript erwähnt sind.
Ich möchte damit anfangen, einfach eine Definition des Evangeliums in den Raum zu stellen. Danach werde ich noch einige ergänzende Aspekte erwähnen, bevor wir dann zur Evangeliumsarmut kommen.
Ich weiß, dass die Frage, was das Evangelium eigentlich ist, heute hoch umstritten ist. Wir könnten hier lange darüber debattieren. Ich stelle jetzt einfach einmal eine Definition in den Raum. Ich will sie kurz vorlesen, aber nicht weiter ausdiskutieren:
Das Evangelium ist die frohe Heilsbotschaft, dass Gott die Menschen entsprechend seiner Verheißungen mit sich selbst versöhnt, indem Jesus von Gott gesandt, stellvertretend für die Schuld der Welt am Kreuz starb und durch den Vater von den Toten auferweckt und erhöht wurde. Diejenigen Sünder, die durch den Heiligen Geist wiedergeboren werden und Jesus Christus von Herzen vertrauen, also glauben, und ihn als Herrn bekennen, gehen nicht verloren, sondern werden als Gerechtfertigte mit ewigem Leben beschenkt und auf das Bild Christi hin erneuert.
Wenn ihr mit einzelnen Punkten nicht einverstanden seid, sprecht mich im Laufe des Tages an. Ich nehme das gerne auf und lasse mich gerne korrigieren. Das ist jetzt einfach einmal eine provisorische Definition.
Ich möchte noch einige Gesichtspunkte herausstellen, die zum richtigen Verständnis des Evangeliums dazugehören und die nicht mehr selbstverständlich vorausgesetzt werden können.
Grundlinien des Evangeliums
Der erste Punkt ist: Gott hat den Menschen sehr gut geschaffen, wie wir in 1. Mose lesen. Ich habe bis zwölf Uhr Zeit, stimmt das, oder? Ja? Aber der Mensch ist von Gott abgefallen. Und die Bibel nennt den abgefallenen Menschen, bezeichnet ihn als Götzenanbeter. Das Geschöpf, wir als Geschöpfe Gottes, wir wissen darum, dass wir nicht aus uns selbst heraus leben können. Ich werde heute Nachmittag ein bisschen gründlicher darauf eingehen.
Und wir geben Gott nicht die Ehre, und das nennt die Bibel Götzendienst. Das ist ganz interessant, dass sogar Weltkluge das erkannt haben, dass wir Menschen Götzenanbeter sind. Einer der für mich beeindruckendsten Schriftsteller des zwanzigsten Jahrhunderts ist David Foster Wallace. Er hat das dicke Buch geschrieben: „Unendlicher Spaß“. Den haben wahrscheinlich schon einige gelesen. Es ist wirklich sehr dick und unglaublich schwer zu lesen, aber es lohnt sich, das mal zu versuchen zu lesen.
David Foster Wallace beschreibt die postmoderne Spaßgesellschaft, die Konsumgesellschaft. Das ist herrlich, diese Bilder, die er benutzt: wie wir uns vollstopfen mit Drogen, wie wir vor dem Fernseher sitzen. Er beschreibt erwachsene Leute vor dem Fernseher, die so seriengeil sind, dass sie sich Windeln anziehen müssen, weil sie nicht weg vom Fernseher können. Sie wollen unbedingt sehen, wie diese Serie zu Ende geht.
Dieser berühmte Mann hat eine Rede gehalten, bevor er 2008 aus Verzweiflung Selbstmord beging. Und er beschreibt dort den Menschen als einen auf Egoismus, auf Selbstbelohnung und auf Narzissmus gepolten Götzenanbeter. Er sagt es so, dass wir Menschen notwendig anbeten müssen. Von der Bibel her lässt sich das zeigen, dass wir dazu geschaffen sind, anzubeten. Und wenn wir eben Gott nicht anbeten, dann beten wir die Schöpfung an. Und das bezeichnet zum Beispiel Römer 1 als Götzendienst, als eine Umkehrung dessen, was Gott sich gedacht hat.
Die Bibel ist an diesem Punkt sehr klar, und es gehört zum Evangelium, zu verstehen, dass wir als Abgefallene, als von Gott Abgefallene, Menschen sind, die in Revolte gegen Gott leben. Wir übertreten nicht nur seine Ordnungen, die Ordnungen Gottes, sondern Paulus bezeichnet uns als Feinde Gottes, als Gotthasser, Römer 1,30.
Zweitens: Rettung. Rettung gibt es nur durch stellvertretende Sühne, auch ein Punkt, der heute höchst umstritten ist. Ich bekomme selten so viel Kritik, als wenn ich mich dann zum christlichen Sühneverständnis äußere. Ist das nicht ein Gewaltakt, der für den heutigen Menschen gar nicht mehr erschließbar ist? Seinen Sohn am Kreuz sterben lassen?
Wenn wir die Bibel genau studieren, dann lässt sich herausarbeiten, dass im Neuen Testament ein Rollenwechsel vermittelt wird, dass Christus wirklich stellvertretend für uns Sünder den Fluch der Sünde auf sich genommen hat und für uns gestorben ist.
Ein weiterer Punkt, den ich ansprechen möchte, ist: Der Gemeinde ist die Verkündigung des Evangeliums aufgetragen. Wir verkündigen uns nicht selbst. Also David, ich habe heute Morgen wieder sehr gerne zugehört, wenn er darüber gesprochen hat, dass die Gemeinde der Ort ist, durch den Gott zur Welt spricht. Das ist so. Und wir sollen als Gemeinde die Schönheit des Evangeliums widerspiegeln, auch die Gerechtigkeit. Aber wir selbst sind nicht die Botschaft. Wir verkündigen uns nicht selbst, sondern wir verkündigen den am Kreuz Gestorbenen und den auferstandenen Christus. Das ist unsere Botschaft.
Wenn zum Beispiel John Howard Yoder betont, dass die sichtbare Kirche nicht nur die Überbringerin der Botschaft Gottes ist, sondern die Botschaft Gottes selbst ist, dann liegt da eine Fehldeutung vor. Als Gesandte oder Zeugen des Evangeliums sind wir Überbringer einer Nachricht, die von Gott kommt. Und wir sind selbst weder Urheber noch Gegenstand dieser Botschaft.
Ein weiterer Punkt: Das Evangelium muss verkündigt werden. Es gibt da einen wunderbaren Aufsatz von D. A. Carson, der vor einigen Jahren geschrieben wurde, in dem er nachweist, dass ein Evangelium, das nicht verkündigt wird, ein Widerspruch in sich ist. Das Evangelium begegnet Menschen, indem es verkündigt wird. Natürlich soll die Verkündigung gedeckt sein durch entsprechende Werke, wir sollen dem Evangelium nicht im Weg stehen, aber unsere Werke sind Früchte des Evangeliums, nicht das Evangelium selbst. Der Glaube kommt aus der Predigt, das Predigen aber aus dem Wort Gottes. Insofern bleibt für die Gemeinde und übrigens auch für die Mission der vorrangige Auftrag des Botschafters das Evangelium.
Ein Punkt, auf den ich noch hinweisen möchte: Das Evangelium spaltet die Geister. Die einen lehnen es ab, die anderen nehmen es an. Es wird immer auf der Erde bedroht bleiben. Die Verkündigung des Evangeliums provoziert nicht nur Ablehnung und Unglauben, sondern sie provoziert auch den Aufstand der Finsternis. Das Neue Testament legt ein überwältigendes Zeugnis für diese Aussage ab; der Epheserbrief ist ja nur ein Beispiel davon. Der Widersacher, der Teufel, so heißt es im 1. Petrusbrief, geht umher wie ein brüllender Löwe, und er sucht, wen er verschlinge.
Und kirchengeschichtlich und auch innertestamentlich ist interessant, dass die Bedrohung des Evangeliums von außen das kleinere Übel ist. Das, was dem Paulus mehr Schwierigkeiten gemacht hat, das, was einem Luther mehr Sorgen gemacht hat, was einen Calvin fast verzweifeln ließ, war die Bedrohung aus den eigenen Reihen. Die Feinde des Evangeliums innerhalb des Evangeliums können uns verzweifeln lassen, denn es leben viele unter uns, schreibt Paulus in Philipper 3,17, die Feinde des Kreuzes sind.
Und ein letzter Punkt, den ich hervorheben möchte: Das Evangelium beinhaltet auch die Botschaft, dass es einen neuen Herrn gibt. Und hier will ich vielleicht als Kontrastprogramm zu gestern N. T. Wright ruhig positiv erwähnen, der sehr Wert darauf legt, dass das Herrsein von Jesus Christus zum Evangelium dazugehört. Es ist ein großes Missverständnis zu meinen, es ginge darum, dass ich errettet werde und dann so weiterleben könne, wie ich möchte. Wer so denkt, hat das Evangelium nicht verstanden. Wer das Evangelium verstanden hat, der weiß auch, dass er einen anderen Herrn hat und dass er nicht mehr so weiterleben kann, wie er das will, sondern dass Jesus das Recht hat, ihm zu sagen, was er zu tun hat.
Der Christ wird neutestamentlich als jemand beschrieben, der der Sünde gestorben ist und voller Dankbarkeit in Christus Jesus, dem Herrn, lebt, für Gott. Wir sind von der Macht der Sünde befreit worden, damit wir leben im Dienst der Gerechtigkeit.
Wenn das Evangelium aus dem Zentrum rückt
Kommen wir jetzt noch kurz zu dem zweiten Teil, nämlich zu der Frage: Was passiert eigentlich, wenn das Evangelium in unseren Gemeinden nicht mehr leuchtet?
Ich habe im Vorfeld mit verschiedenen Leuten darüber geredet und sie gefragt: Ja, was denkst du denn darüber? Eine Möglichkeit, das Thema aufzugreifen, ist zu sagen: Es geht entweder in Richtung Gesetzlichkeit, also in Richtung Selbsterlösung, Gesetzesgerechtigkeit und Menschengebote. Oft geht es dann auch in Richtung Verweltlichung, dass sich die Gemeinde an das anpasst, was in der Welt gelebt wird, und sich dem Weltgeist anpasst.
Es wäre durchaus möglich, mit diesen Kategorien, Gesetzlichkeit und Anpassung, zu arbeiten. Man könnte auch sagen, dass dort, wo die Kreuzesbotschaft nicht mehr im Mittelpunkt steht, sich andere Dinge in den Mittelpunkt drängen. Zum Beispiel der Aktionismus, die Weltverantwortung als Hauptanliegen.
Wir haben auch, schneller als wir das wollen und oft aus soliden Motiven heraus, so eine Art Unterhaltungskultur in der Gemeinde entwickelt, Popgemeinden, in denen dann nur noch die angenehmen Seiten des Evangeliums verkündigt werden. Aber es gibt auch tote Rechtgläubigkeit. Oder es gibt auch Gemeindewachstumswahn. Es gibt viele Dinge, die man sich dann als Programm in die Gemeinde hineinholt, wenn das Evangelium nicht in der Mitte steht.
Ich möchte jetzt aber nicht systematisch herausarbeiten, sondern ich will drei Punkte kurz erwähnen, die sich nach meiner Beobachtung gerade in unserer Zeit zeigen und die ein Symptom dafür sind, dass die Botschaft vom Kreuz in der Gemeinde fehlt.
Drei Symptome einer evangeliumsarmen Gemeinde
Der erste Punkt ist ein Mangel an Bekehrungen, ein Mangel an Bekehrungen. Wenn das Evangelium nicht verkündigt wird, gibt es keine Bekehrungen. Der Glaube kommt aus dem Wort. Und wenn das Wort nicht gewissenhaft verkündigt wird, dann bekehren sich die Leute nicht.
Ich weiß, es gibt Menschen unter uns, und jeder Seelsorger kennt diese Leute, die an ihrer Heilsgewissheit zweifeln, aber mit Christus unterwegs sind und Trost und Zuspruch brauchen. Das meine ich jetzt nicht. Ich meine, dass es eine Menge Leute gibt, die einfach gar nicht wissen, worum es eigentlich beim Evangelium geht.
Spurgeon hat mal das Problem der Scheinbekehrungen problematisiert und gesagt: Wenn du mit deinem Herzen auf Jesus vertraust, dann bist du gerettet. Wenn du aber bloß sagst: Ich vertraue auf Jesus, dann bist du nicht gerettet. Der persönliche Glaube ist hier gefragt.
Und es kommt meines Erachtens zu Pseudobekehrungen, weil das Evangelium nicht mehr im ganzen Umfang verkündigt wird. Weil dem Menschen nicht mehr zugemutet wird, dass wir Sünder sind und dass wir nicht in der Lage sind, uns irgendwie zu Gott hochzuarbeiten.
In einer Gemeinde gibt es jemanden, der für den Arbeitsbereich Evangelisation zuständig ist. Er vertritt ganz überzeugt, wirklich überzeugt und auch aus seiner Sicht begründet die Auffassung, dass zur Evangelisation nicht die Botschaft gehören muss, dass wir vor Gott Sünder sind. Du kannst auch Jesu Jünger werden, ohne zu begreifen, dass du Sünder bist.
Echt eine Unmöglichkeit. Wenn wir wirklich mal das Neue Testament durcharbeiten, geht das nicht. Es kann keinen Christen geben, der nicht von seinem Sündersein überführt wurde.
In Epheser 2,8 lesen wir: Denn durch die Gnade seid ihr gerettet, aufgrund des Glaubens, und zwar nicht aus euch selbst, nein, Gottes Gabe ist es, nicht durch eigenes Tun, damit sich jemand rühmen kann.
Und gleichzeitig geschieht dort, wo ein Mensch wiedergeboren wird und Christus vertraut, etwas mit diesem Menschen. Er lebt in eine andere Richtung. Bekehrung ist Abkehr von den nichtigen Göttern und Hinkehr zu dem lebendigen und wahren Gott, 1. Thessalonicher 1,9. 2. Korinther 5,17 spricht von einer Neuschöpfung.
Es gibt da eine ganze Menge von Texten, die wir aktivieren können, um zu zeigen, dass ich als Christ in eine andere Richtung lebe und gar nicht mehr so leben kann, wie ich früher mal gelebt hatte.
Ein religiöses Wohlfühl-Evangelium
Ein zweiter Punkt, auf den ich kurz hinweisen will, ist ein therapeutisch-moralistisches Pseudo-Evangelium. Das klingt jetzt wieder sehr kompliziert.
Soziologen haben 2005 Forschungsarbeiten gemacht und versucht herauszufinden, was die Glaubensüberzeugungen nordamerikanischer Teenager und Jugendlicher sind. Sie haben die Ergebnisse publiziert und festgestellt, dass sich dort unglaublich viel verändert hat. Glaube wird bei diesen Leuten in einer Art und Weise definiert, die überhaupt nicht mehr kompatibel ist mit dem Glaubensbegriff des Neuen Testaments. Kurz zu den wichtigsten Befunden:
Die Transzendenz Gottes ist verschwunden. Gott ist nicht mehr der Heilige, sondern der mitfühlende Freund, der Geliebte. Schaut euch mal einige Lobpreislieder an, wie diese erotisch aufgeladene Sprache dann auch Jesus beschreibt.
Zweitens: Die Prediger haben Schwierigkeiten mit dem traditionellen Verständnis von Sünde. Sünde erscheint nicht mehr als Rebellion gegen Gott, sondern als ein sich selbst schädigendes Verhalten, als Selbstentfremdung. Der spätmoderne Sündenbegriff, das kann man nachlesen bei der Seelsorgelehre von Michael Herbst, lautet: Ich werde an meinem einzigen Leben schuldig, wenn ich nicht das Optimum an persönlicher Erfüllung erreiche. Ich werde an mir selbst schuldig, wenn ich in dem einen Leben, das ich habe, nicht das Optimum an Erfüllung erreiche.
Und der dritte Punkt: Bekehrung und Nachfolge werden weniger als Abkehr von der menschlichen Selbstzentrierung, sondern mehr im Sinne einer therapeutisch-moralischen Selbstverwirklichung gepredigt. Ich spreche hier von einer Untersuchung, in der jemand sich ganz viele Predigten zu dem Gleichnis vom verlorenen Sohn hat schicken lassen und dann herausgefiltert hat, was eigentlich zu diesem Text gepredigt wird. Gepredigt wird die Ich-Stärkung, die Selbstannahme, die Entfaltung der persönlichen Potenziale. Kurz: Gott ist dafür da, dass es uns Menschen gut geht. Gott erscheint als der Mond, der sich um mich als Sonne kreist.
Verlust von dienender Gemeinschaft
Drittens: ein Mangel an dienender Gemeinschaft. Früher habe ich viel über Bonhoeffer gesprochen. Das lag daran, dass ich so aussah wie Bonhoeffer. Ich hatte so eine Nickelbrille, und es gab einige Freunde, die haben mich immer mit Dietrich angesprochen, weil ich dem Bonhoeffer sehr ähnlich sah.
Jetzt komme ich in ein Alter, in dem ich also Bonhoeffer werde. Er ist ja gar nicht so alt geworden wie ich, ich bin jetzt schon 52. Jetzt komme ich so in ein Alter, in dem ich von Fülle und Haartracht dem Luther immer ähnlicher werde. Deswegen spreche ich jetzt des Öfteren von Luther. Aber ich komme jetzt noch einmal auf Bonhoeffer zurück, der einen wunderschönen Text geschrieben hat über dienende Gemeinschaft.
Er fängt dort an mit Lukas 9,46. Es kam der Gedanke unter sie, unter die Jünger: Welcher ist wohl der Größte unter ihnen? Und Bonhoeffer arbeitet heraus, dass mit dieser Frage eine Gemeinschaft unter der Herrschaft von Christus zerstört wird. Nur wer aus der Gnade lebt, ist bereit, zurückzustecken und Beleidigungen und Kränkungen aus Gottes strafender und gnädiger Hand hinzunehmen.
Und wo der Gedanke Raum gewinnt: Wer ist denn unter uns der Größere?, passiert Folgendes: Die Gemeinschaft wird zerstört. Bonhoeffer schreibt: Hier ist keine Zeit zu verlieren, denn vom ersten Augenblick der Begegnung mit dem anderen sucht der Mensch nach Kampfesstellung, die er dem anderen gegenüber beziehen und durchhalten kann. Es ist der Kampf des natürlichen Menschen um Selbstrechtfertigung. Er findet nur am Vergleich mit dem Anderen, am Urteil, am Gericht über den Anderen statt. Selbstrechtfertigung und Richten gehören zusammen, wie Rechtfertigung aus Gnade und Dienen zusammengehört.
Wer weiß, dass er von Gott begnadigt wurde, wer weiß, dass ihm seine Sünde vergeben wurde, der kann dienen. Der hält sich nicht mehr selbst für klug. Wer nicht höher von sich selbst denkt, wer das Erbarmen Gottes erfahren hat, wer weiß, dass er ein begnadeter Sünder ist, der kann und will der Gemeinde dienen.
Wir haben zu viel menschenzentrierte Gemeinschaft, auch in unseren Gemeinden. Ich habe das gestern schon einmal angesprochen. Die Gemeinde ist auf den Pastor fixiert, auf bestimmte Zielgruppen. Die Jugendarbeit fällt und steht mit dem Jugendleiter. Es bilden sich Jugendgruppen, deren Identität die gemeinsame Herkunft oder das Hobby ist.
Ihr Lieben, das ist Gemeinschaft, die sich zusammensetzt aus Sympathie und Antipathie. Das kann die Welt auch. Das hat nichts mit evangeliumszentrierter Gemeinschaft zu tun. Christliche Gemeinschaft empfängt ihre Identität und ihren Retter durch ihren Retter und Herrn. Das Ziel der christlichen Gemeinschaft ist es, einander Bringer des so kraftvollen Evangeliums zu sein.
Ein Christ kommt, so schreibt Bonhoeffer, zum Bruder durch Jesus Christus. Ohne Christus aber kennen wir auch den Bruder nicht und können nicht zu ihm kommen. Der Weg ist versperrt durch das eigene Ich. Christus hat den Weg zum Bruder freigemacht.
Schlussgedanken und Ermutigung
Einige Schlussbemerkungen. Ich schaffe es bis zwölf.
Die Erörterungen zum Thema Gemeindebau werden heute sehr, sehr stark von empirischen Fragestellungen geprägt. Wir beschäftigen uns mit Stadtsoziologie, mit Kontextualisierungsansätzen, mit Milieutheorien, mit Transformationsprozessen, mit Mentoringprogrammen und so weiter und so fort. Mir liegt es wirklich fern zu sagen, dass all diese Dinge Blödsinn sind. Es zeigt uns schon der gesunde Menschenverstand, dass solche Dinge eine gewisse Rolle spielen. Aber Sie dürfen uns nicht von dem ablenken, was unser eigentlicher Auftrag ist.
Natürlich ist es eine Herausforderung für uns, zu schauen, was hier in unserer Stadt passiert, warum sich die Menschen vom Evangelium entfremdet haben, wie wir die Leute erreichen und so weiter. Aber die weitaus größere Herausforderung scheint mir zu sein, dass wir Christen uns so schnell, so leicht und manchmal unmerklich von diesem kraftvollen Evangelium entfremden. Der Glaube der Jesusjünger verliert an Attraktivität dort, wo wir das Evangelium aus den Augen verlieren. Und dann schieben sich so schnell andere Dinge, andere Programme, in das Zentrum.
Wo das Evangelium nicht verkündigt wird, gibt es keine Bekehrungen oder Pseudobekehrungen. Wo das Evangelium nicht verkündigt wird, drängen sich andere fremde Lehren hinein oder auch auf die Kanzel, zum Beispiel das, wie ich es nenne, therapeutisch-moralistische Pseudoevangelium: Du bist so lieb, du bist ein so guter Mensch, dass Gott für dich gestorben ist. Und Gott wird dich jetzt aufbauen. Er wird sich um dich kümmern. Du bist ein so guter Christ, dass Gott jetzt dein Leben managen wird. Du bist so wertvoll für Gott.
Ihr habt gesehen, wie Luther gestern, ihr habt das noch im Kopf, wie Luther das gestern definiert hat: Warum sind wir Menschen so schön? Weil Gott uns liebt. Gott liebt uns nicht, weil wir so klasse sind, weil wir so großartig sind, weil wir so wunderbare Dinge vermögen oder so viele Potenziale in uns tragen.
Drittens: Wenn das Evangelium fehlt, gibt es einen Mangel an Gemeinschaft, an heilsamer Gemeinschaft. Ich bin im Feld der Seelsorge viel unterwegs und kenne die Gebrochenheit von Biografien, junger und alter Menschen. Aber ich weiß darum, welche heilsame Kraft eine christuszentrierte Gemeinschaft in den Gemeinden hat. Und sie entfaltet sich dort, wo begnadete Sünder aus der Fülle von Jesus Christus herausleben und einander dienen.
Es gibt noch viele andere Punkte, die ich hätte ansprechen können, zum Beispiel die Mission. Aber dazu fehlt jetzt wirklich die Zeit.
Nehmt bitte mit aus diesem Vortrag: Mitte und Haupt der Gemeinde ist unser Herr Jesus Christus. Er ist Gottes Antwort auf unsere menschliche Not. Und die frohe Botschaft von seinem Kommen, der von ihm erwirkten Erlösung, von seiner Herrschaft und Wiederkunft, das soll seine Gemeinde ausfüllen. Diese frohe Botschaft ist das Einzige, was sich die Welt nicht selbst geben kann, das ihr also jemand bringen muss. Und Gott hat die Gemeinde dazu berufen. Deshalb gehört es zum Auftrag der Gemeinde, sich selbst in diese Sicht Gottes hineinstellen zu lassen und so Gottes Plan der Welt bekannt zu machen.
Abschlussgebet
Ich möchte noch kurz beten.
Himmlischer Vater, wir danken dir für das wunderbare Evangelium, dass du in Jesus Christus Mensch geworden bist, dass dein Sohn, Gottes Sohn Jesus Christus, für uns gestorben ist, dass er auferstanden ist und dass er uns mit hineingenommen hat in dieses Leben der Auferstehung. Dass wir in Christus versetzt sind, so wie es der Epheserbrief schreibt, in himmlische Regionen, das ist eine unglaubliche Botschaft. Wir hätten uns nie selbst erretten können, sondern alles hast du getan in deinem Sohn Jesus Christus.
Und wir danken dir dafür, dass es auch innerhalb der Kirchengeschichte immer wieder Menschen gab, die dieses Evangelium mutig verkündigt haben, und dass du dich dazu bekannt hast, dass dein Wort die Kraft hat, Menschen zu erretten, dass dein Wort die Kraft hat, Leben zu erneuern, und dass dein Wort die Kraft hat, auch Gemeinden florierend und lebendig werden zu lassen.
Herr, wir sehen so viele Nöte in unseren eigenen Gemeinden, in unserem eigenen Leben, auch gerade in diesem Europa, das einmal der Ort war, an dem diese Reformation ausgebrochen ist. Ach Herr, schenke und mehre unseren Glauben, dass wir darauf vertrauen, dass durch die Verkündigung deines Wortes das Unmögliche möglich ist.
Danke dafür. Amen.
