Generierte Mitschrift
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Ein schwieriger Abschnitt mit Trost und Licht
Offenbarung 12 ist ein schwieriger Abschnitt. Wenn Sie in den ausgelegten Bibeln nachschlagen können, werden Sie noch mehr davon haben. Alles werden wir aus diesem Abschnitt nicht verstehen können. Es ist die Kehrseite der Geburt Jesu.
Sie wissen, dass Johannes von Gott gezeigt bekam, was geschehen soll und was geschehen muss. Und es macht nichts aus, wenn wir manches nicht begreifen. Es genügt, wenn wir einiges verstehen und dadurch auch etwas Licht bekommen auf dem Weg, den wir zu gehen haben durch unsere Zeit.
Und es erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen. Sie war schwanger und schrie in Kindsnöten und hatte große Qual bei der Geburt.
Und es erschien ein anderes Zeichen am Himmel: siehe, ein großer, roter Drache, der hatte sieben Köpfe und zehn Hörner, und auf seinen Köpfen sieben Kronen. Und sein Schwanz fegte den dritten Teil der Sterne des Himmels hinweg und warf sie auf die Erde.
Und der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte, um ihr Kind zu fressen, sobald es geboren wäre. Und sie gebar einen Sohn, einen Knaben, der sollte alle Völker mit eisernem Stab weiden. Ganz deutlich jetzt der messianische Bezug auf Jesus. Und ihr Kind wurde zu Gott und seinem Thron entrückt. Das deutet auf die Himmelfahrt.
Und die Frau entfloh in die Wüste, wo sie einen Zufluchtsort hatte, der ihr von Gott bereitet war. Jetzt wird schon deutlich, dass mit dieser Frau nicht Maria gemeint ist, sondern dass sie ein Bild darstellt. Mit dieser Flucht in die Wüste sollte sie dort versorgt werden, tausendzweihundertsechzig Tage lang.
Der Sturz des Drachen und die Macht des Verklägers
Und es entbrannte ein Krieg im Himmel. Michael und seine Engel nahmen den Kampf gegen den Drachen auf. Auch der Drache und seine Engel kämpften, doch sie konnten nicht standhalten, und ihr Platz fand sich nicht mehr im Himmel.
Und der große Drache, die alte Schlange, wurde hinuntergeworfen. Er heißt auch Teufel und Satan. Das Wort Teufel klingt zunächst nach dem Diabolos, nach dem Durcheinanderbringen, und Satan bedeutet der Gegenspieler. Der Wortbedeutung nach ist er der, der die ganze Welt verführt, der Verführer.
Er wurde auf die Erde geworfen, und mit ihm wurden seine Engel dorthin geworfen.
Ich will hier ergänzen: Nach biblischem Verständnis hat der Teufel nie göttliche Autorität, und es ist falsch, wenn Christen dem Teufel falsche Ehre zumessen. Das gibt es in vielen Religionen der Welt, dass teuflischen Mächten große Kraft zugeschrieben wird. Ich habe manchmal den Eindruck, dass auch unter gläubigen Christen der Teufel viel zu ernst genommen wird. Er ist nicht so mächtig wie Gott. Er ist aus dem Himmel gestürzt. Er ist nicht der große Gegenspieler, sondern der Verkläger vor dem Thron Gottes. Und er ist auf die Erde geworfen. Er hat nur noch einen ganz begrenzten Aktionsradius. Im Namen Jesu können wir ihn überwinden.
Und ich hörte eine mächtige Stimme, die sprach im Himmel: Nun gehört das Heil und die Kraft und die Herrschaft unserem Gott und die Macht seinem Christus; denn der Verkläger unserer Brüder ist hinuntergeworfen worden, der sie Tag und Nacht vor unserem Gott verklagt hat. Sie haben ihn überwunden durch das Blut des Lammes und durch das Wort ihres Zeugnisses und haben nicht an ihrem Leben gehangen, sondern den Tod auf sich genommen.
Darum freut euch, ihr Himmel und die darin wohnen! Weh aber der Erde und dem Meer, denn der Teufel ist zu euch hinuntergekommen und hat großen Zorn, weil er weiß, dass er wenig Zeit hat.
Verfolgung der Gemeinde und die Bewahrung in der Wüste
Als der Drache sah, dass er auf die Erde geworfen worden war, verfolgte er die Frau, die den Knaben geboren hatte. Der Frau wurden die beiden Flügel des großen Adlers gegeben, damit sie in die Wüste an ihren Zufluchtsort fliegen konnte. Dort wurde sie fern von der Schlange versorgt, eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit.
Und die Schlange ließ aus ihrem Rachen Wasser hervorschiessen wie einen Strom hinter der Frau her, um sie zu ertränken. Aber die Erde half der Frau und tat ihren Mund auf und verschlang den Strom, den der Drache aus seinem Rachen hatte hervorschiessen lassen. Da wurde der Drache zornig über die Frau und ging weg, um nun gegen ihre anderen Kinder zu kämpfen, die Gottes Gebot halten und von Jesus das Zeugnis empfangen haben.
Herr, gib uns deinen Geist, damit wir erkennen, was du uns zu sagen hast. Amen.
Ein Zeugnis aus der Verbannung
Von diesen Tagen gibt es einen bewegenden Bericht einer Spätaussiedlerin. Manche unter uns sind ja auch solche, die erst sehr spät in die Freiheit aussiedeln konnten. Sie erzählt, wie sie 1946 an der Kama, an diesem sibirischen Fluss, Weihnachten feierten.
Sie waren dorthin deportiert worden, hatten ihre Hütten gebaut, ganz einfach und ohne jede Hilfsmittel. Dann wohnten sie zu sechzehnt auf achtzehn Quadratmetern. Aus einem alten Blechfass hatten sie sich einen Ofen gebaut. Schließlich kamen die Jungen darauf und sagten: Wir wollen Weihnachten feiern. Die Alten wehrten ab und sagten: Lasst das, das wird nur schlimmer.
Aber dann haben sie es doch vorbereitet. Die Jungen säuberten die Wände, beseitigten, soweit es möglich war, die Wanzen aus der Hütte, dichteten die Ritzen ab. Und dann, als sie todmüde und verfroren von der Arbeit kamen, feierten sie miteinander Weihnachten. Die Alten haben mehr geweint als sich gefreut, als die Gedichte aufgesagt wurden.
Dann erzählt diese Spätaussiedlerin, und das ist mir jetzt wichtig: Wir haben lange nichts hören können von Gottes Wort. Ich gedenke mir aber, dass zu jener Zeit zwei Frauen in unserer Baracke zu predigen anfingen und sich gut darauf verstanden. Sie haben Andachten gehalten, fast wie die Pfarrer. Sie kannten die Schrift und viele schöne Geschichten aus der Bibel.
Die eine war Baptistin, eben jene Frau K., die uns gepflegt hat, als wir alle krank waren. Die anderen waren evangelisch-lutherisch. Sie war es, die mich später getraut und meinem ältesten Sohn die Taufe gegeben hat, so wie anderen auch. Wir haben nie gefragt, wo sie das gelernt hat. Wir waren alle glücklich, dass sie so gut predigen konnte, fast wie in der Kirche.
Es gab damals jeden Sonntag einen Gottesdienst in der Baracke, und abends, wenn Freizeit war, auch mal eine Andacht. Angezeigt hat uns niemand etwas davon, denn es waren ja nur unsere Menschen da. Und dann erzählt sie von diesem Weihnachtsabend, wie diese Frau K. zu uns gekommen war, auf ihrem Weg reihum durch die Baracken. Sie hat uns das Evangelium aufgesagt und mit uns gebetet.
Ich denke mir, es war wie selten, wie alles ringsum gestrahlt hat. Vielleicht war es auch der Widerschein von unserem alten Blechofen, der mitten in der Baracke glühte. Aber auf den Gesichtern der Menschen war so viel Gottergebenheit und eine ganz stille Freude, dass ich sie immer noch vor mir sehe.
Es war auch unser ärmster Christabend, und in meiner Erinnerung doch der schönste.
Weihnachten unter Bedrängnis und die Gegenwart des Kampfes
Wir denken heute an viele Christen, die irgendwo in der Welt in Bedrängnis stehen. Auch das gehört dazu, wenn wir selbst in der Christfreude sind.
Wir erinnern uns daran, wie schon bei der Geburt Jesu in Bethlehem Herodes seine Soldaten ausschickt, um dieses Kind zu töten. Es ist wirklich kein Raum da für Jesus in unserer Welt. Und Herodes schreckt nicht davor zurück, den Befehl auszugeben, dass alle Kinder von Bethlehem in einem gewissen Alter hingemordet würden.
Das ist die Begleitung des Weihnachtsgeschehens auch in unseren Tagen. Wir haben gerade in den letzten Tagen Ihnen diese rote Liste gegeben von Inhaftierten in der Sowjetunion. Und wir haben nicht mehr darauf vermerken können, dass in Rumänien gerade in diesen Tagen der Prozess vorbereitet wird gegen 41 evangelische Christen, die keines anderen Verbrechens beschuldigt werden, als dass sie die Bibel, das Wort Gottes, weitergegeben haben, nichts anderes. Einige von ihnen sind im härtesten Gefängnis Rumäniens und sind schwer gefoltert worden.
Ich will deshalb dieses schwierige Wort aus Offenbarung 12 Ihnen ganz schlicht erklären, gar nichts Besonderes. Denn das Wort ist so groß und so mächtig, dass wir gar keine großen Erläuterungen dazu mehr brauchen.
Das Erste: Dem Kommen Jesu wird widersprochen. Johannes lebte selbst in einer Zeit, in der es schon viele Märtyrer gab. Er war verbannt, auf die Insel Patmos zur Zwangsarbeit deportiert. Und wenn er dann auf die Christen seiner Zeit blickte, dann ist er erschrocken. Das waren ja nur ganz kleine Scharen von Christen, schwach, unansehnlich, arm. Er hat gedacht: Die können doch der Verfolgung nicht standhalten.
Darum ist die Offenbarung so ein großes Trostbuch. Was er hier sieht, ist ein Weib, eine Frau, mit der Sonne bekleidet und dem Mond unter ihren Füßen, auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen. Das ist in der Bibel immer ein Bild für die Gemeinde der Gläubigen. Die Frau, das ist die Braut Gottes. Jesus ist das Bild des Bräutigams. Nochmals: In Epheser 5 wird die Liebe Jesu zur Gemeinde verglichen mit der Liebe des Bräutigams zur Braut. Genau dieses Bild ist ja entscheidend wichtig für uns.
Die Gemeinde als Braut und die Frage nach Maria
Hier unterscheiden wir uns natürlich wesentlich von unseren katholischen Mitchristen, die wir achten und ehren und die in dieser Frau Maria die Himmelskönigin sehen. Das geht nachher nicht zusammen.
Maria flieht nicht in die Wüste. Maria ist nicht die 1260 Tage verborgen vor dem Herrn, sondern die alttestamentliche Gemeinde, die betet, hofft und auf den Tag der Erlösung wartet. Wann kommt denn endlich der Verheißene, der Messias? Und sie schreit und ruft: Ach, dass du den Himmel zerrissest!
Und aus diesem Schreien in Kindsnöten wird endlich der verheißene Gottessohn geboren. Das ist die Deutung dieser, aus den vielen Anspielungen auch auf das Alte Testament, Frau, die den Messias gebären darf: die Gemeinde, aus deren Mitte Jesus, der Sohn Gottes, kommt.
Und das ist sehr tröstlich zu wissen, dass diese angefochtene, schwache Gemeinde, so wie sie sich dort an der Kama versammelt hat, so wie sie sich heute irgendwo verborgen in Persien sammeln oder irgendwo im Raum des Islam oder in einem anderen Land, wo sie bedrängt werden, oder wie sich vielleicht Schüler hier in Deutschland in einer Schule versammeln, dass Johannes sagt: Diese schwache Gemeinde ist dieser großen Erscheinung gleich, mit einer Sonne begleitet, strahlend hell, die Kronen auf ihrem Haupt und in diesen Kronen die Sterne, diese Sterne, die anderen den Weg weisen.
Ja, das ist wahr: So armselig und schwach die Gemeinde in unseren Tagen auch aussehen mag. Und wie oft klagen wir und sagen: Wie viele sind es denn noch, die dem Herrn treu bleiben? Sie ist, und das zeigt uns nur das Wort Gottes, die große Gestalt, die gerade den Weg durch die Endzeit weist vor Licht.
Der Kampf gegen Christus und die Realität des Bösen
Und diese Gemeinde hat einen grossen Gegenspieler, den Drachen. Es ist überraschend, wie naiv und dumm wir geworden sind, wie wir meinen, es sei nur das einzige Problem, wie wir die Kirche publizistisch aufwerten könnten, wie wir sie wieder ins Licht der Öffentlichkeit dringen könnten. Die Kirche, die muss doch den Menschen bekannt gemacht werden, das ist hauptsächlich ein Informationsproblem.
Wir haben völlig vergessen, dass die Gemeinde der Glaubenden bekämpft wird vom Drachen, der nur ein Ziel hat: dieses geborene Kneblein zu verschlingen. Das ganze Erdenleben Jesu war ein Kampf gegen die Versuchungen des Teufels. Das fing an mit der Wirksamkeit Jesu, wo der Versucher zu Jesus hintrat und ihn in den Bann ziehen wollte.
Meinen Sie, dass Ihr Christenleben in ruhigeren Bahnen verlaufen könnte? Wundern Sie sich, dass Sie in Anfechtungen und Versuchungen hineingeführt sind? Wie viele von ihnen seufzen und klagen. Aber das ist doch natürlich, wo wir in die Fussstapfen Jesu treten.
Dieser Drache hat kein anderes Ziel, als sie von Jesus zu trennen. Vielleicht ist es ihm schon gelungen bei grossen Teilen der Christenheit. Denn das ist kein Problem, wenn die Christen Zugang zur Welt finden, aber ob sie noch Christus haben.
Das Kneblein, er kämpft mit aller Verbissenheit und mit aller Schärfe, und er will nur Jesus wegtrennen, Menschen losreissen von ihm. Es ist gut, dass auch hier die Offenbarung uns ganz deutlich zeigt: Das Böse ist nicht, wie man heute in der modernen, aufgeklärten Denkweise so oft meint, nur ein Relikt der Erziehung, sondern das sind überirdische Mächte, die gegen uns kämpfen, die gegen uns antreten und die den Glauben zerstören wollen.
Und die Bibel zeigt: Diese Macht des Teufels hat Einfluss, hat einen begrenzten Aktionsradius. Da kann die Macht des Bösen wüten und zerstören. Dem Kommen Jesu wird widersprochen und das Kommen Jesu wird bekämpft. Wenn sie Christ sein wollen, und wenn Sie dem Kind in der Krippe nachfolgen wollen, dann müssen Sie wissen, dass das ein Kampf ist, der viel von Ihnen fordert. Dann werden Sie wenig Unterstützung haben in Ihrer Nähe, sondern Sie müssen im Glauben sehr fest sein, wenn Sie da bestehen wollen.
Die Gemeinde in der Wüste und der Sieg durch das Kreuz
Jetzt möchte ich über die Gemeinde in der Wüste sprechen. Das ist das Zweite, was uns hier Johannes zeigt: Die Gemeinde wird in die Wüste geführt. Warum denn?
Dem Drachen ist es nicht gelungen, das geborene Knäblein, sprich Jesus, den Messias Gottes, zu töten und zu vertilgen. Alle Versuchungen des Teufels sind an Jesus fehlgeschlagen, gescheitert, umsonst gewesen, sogar in der Nacht der Hinrichtung Jesu. Hat der Teufel verloren? Und dann kam der Tag, an dem Jesus entrückt wurde an den Thron Gottes mit seiner Himmelfahrt. Und jetzt kann der Drache nichts mehr tun.
Das schildert hier die Offenbarung so groß, dass ich es besonders unseren Jungen deutlich sagen wollte, damit sie es ihr Leben lang nicht mehr vergessen können. Der Drache ist aus dem Himmel ausgestoßen, der Teufel hat keinen Raum mehr, uns vor dem Thron Gottes zu verklagen. Das spielt ja schon bei Hiob an, dass der Teufel kommen kann und immer wieder gegen uns reden kann und uns von Gott trennen will.
Es ist uns rätselhaft, warum Gott dieser Macht des Bösen so viel Raum lässt. Aber wichtig ist: Jetzt ist diese Macht des Bösen gestürzt, sie hat ihren Einfluss verloren. Nun ist das Heil und die Kraft und die Herrschaft Gottes, und seinem Christus gehört sie. Jetzt steht das Reich Christi mit der Himmelfahrt. Sein ist alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Wir singen ja so fröhlich: Jesus Christus herrscht als König, alles wird ihm untertänig. Ja, aber in unserer Welt spürt man nichts davon. Ja, genau, sagt Johannes, im Gegenteil: In dieser Welt gebärdet sich dieser Drache noch wilder als vordem. Er will die Schlacht, die schon längst entschieden ist, doch noch für sich entscheiden. Darum versucht er, sich mit letzter Kraft auf die zu stürzen, die an dieses Kind glauben, die ihm nachfolgen. Er verfolgt diese Frau, von der hier die Rede ist, also die Gemeinde.
Ja, warum lässt Gott diesem Teufel, diesem Diabolos, diesem Satan dennoch so viel Raum? Wir wissen es nicht. Ich kann es nicht beantworten. Sie können einmal Gott selbst fragen. Das ist sein letztes Geheimnis, dass er die Macht des Bösen noch einmal ins Licht treten lässt. Jeder muss erkennen, wie zerstörerisch diese Macht ist. Und sie kämpft gegen diese Frau, gegen diese Gemeinde, und die flüchtet sich in die Wüste und will sich dort verbergen. Dieser Satan weiß, er hat nur noch sehr wenig Zeit.
Mir hat dieser Bibelabschnitt jetzt am zweiten Christfeiertag ungemein viel geholfen, wieder viel klarer zu sehen: so viele Versuchungen, mit denen wir zu ringen haben. Das sind nicht einfach Erscheinungen unseres zwanzigsten Jahrhunderts, sondern das sind listige Anfechtungen des Teufels, die uns im Glauben lähmen wollen. Darum dringt er so hart auf uns ein. Vielleicht meinen wir oft, die Christenheit wäre so fortschrittlich geworden, und dabei hat sie nur längst vergessen, dass sie im Kampfe steht, Tag und Nacht.
Und es ist das Schönste, was wir tun können an Bruderdienst hin und her, wenn wir einander ermahnen, aufrichten, seelsorgerlich betreuen, füreinander sorgen und aufeinander Acht haben.
Bewahrung, Zeugnis und die letzten Kinder der Frau
Diese Frau wird in die Wüste geführt, wo sie entflieht und wo sie einen Zufluchtsort hat. Das ist unbegreiflich: wie Gott seine Gemeinde auch durch die größten Verfolgungen hindurchgeführt hat. Waren es schon die Verfolgungen des Römischen Reiches, aus denen sie gestärkt hervorging?
Sie hörte neulich erst wieder von Ernst Vater, dem Leiter der Liebenzeller Mission, dass sich jetzt sicher die Zahl der Christen in China auch durch die Kulturrevolution und die schrecklichen Verfolgungen verdoppelt hat. Es ist das Geheimnis Gottes, dass er auch in den schlimmsten Martyrien seine Gemeinde stärken kann.
Und dann sorge ich mich um die verfolgten Christen nicht so sehr wie um unsere leidensscheue und bequeme Christenheit hier im Westen in der Freiheit. Wie kann man denn dann überwinden? Wie kann man denn den Angriffen des Drachen etwas entgegensetzen?
Da werden drei Dinge genannt: Durch das Blut des Lammes haben sie überwunden. Sie haben nicht durch ihre Willensentschlossenheit überwunden. Das ist ein Fehler, ein Irrtum, wenn man immer wieder meint, man müsse gegen die Versuchungen des Teufels eben nur wollen. Wenn sie wollen: Ihr Wille ist nicht stark genug. Der wird nichts erreichen. Mit dem Willen erreichen sie gar nichts.
Sie haben in diesen Tagen ja auch immer wieder gelesen, wie das bei dem Priester Dudko, diesem mutigen Bekenner, hin und her ging, wie er seine Treue zu Jesus widerrufen hat und wie er jetzt seinen Widerruf widerrufen hat und jetzt hat er seinen Widerruf des Widerrufs wieder widerrufen. Das ist das Erschütternde: wie die stärksten Zeugen, auf die wir stolz waren, gebrochen werden.
Und ich erinnere mich, wie noch vor zwölf Jahren wir mit unserem Missionsbund Licht im Osten überall erzählten von der standhaften Christin, dieser Maria Braun, die jahrelang Kinderkirche hielt und alle Schikanen erduldet hat. Und dann haben sie es fertiggebracht, wie die Mutter schrieb, durch Güte und Liebe im Hospital. Da kam ein Arzt und hat ihr doch nachgewiesen, wie dumm das ist, wo sie auf die jenseitige Welt schaut. Dann hat sie ihren Glauben widerrufen.
Starke Männer voller Licht können nicht bestehen. Aber durch das Blut des Lammes, Jesus Christus, für mich gestorben, kann ich nichts anderes dem Teufel entgegenhalten. Wenn er mich immer wieder reizen will und sagen: Du schaffst es doch nicht mit deinem Christenstand, du bist doch ein schwacher Kerl, du fällst doch immer wieder in deine alte Untreue zurück, dann kann ich sagen: Jesus Christus hat meine Sünde weggenommen. Und ich werde siegen in seinem Sieg, in seinem Kreuzesieg, für mich gestorben.
Das Wort des Zeugnisses ist das andere, mit dem sie überwinden. Diese schwachen Gemeinden haben nicht mehr als das, was jene Frau K. dort an der Kama brachte: die eben das Wort Gottes weitersagt und mit ihrem Leben bekräftigt. Das ist ein Zeugnis. Sie stellt sich dahinter und sagt: So ist es. Wir können mit uns machen, was er will. Ich stehe dafür!
Und dafür wollen wir beten, dass es auch denen in Rumänien dann in ihrem Prozess geschenkt wird: das Wort des Zeugnisses in Liebe, Gewaltlosigkeit und Treue.
Und das Dritte, das hier erwähnt wird, ist die Leidensbereitschaft. Durch das Wort ihres Zeugnisses haben sie überwunden, durch das Blut des Lammes, und sie haben nicht an ihrem Leben gehangen. Das war ihnen egal, was aus ihrem Leben wird. Sie haben nicht gefeilscht um Gnade, damit sie noch ein paar Jahre zu leben haben, sondern sie haben ihr Leben nicht geliebt bis in den Tod. Sie waren bereit, für Jesus zu sterben und ihn mit ihrem Tod zu preisen.
Das Bild des Adlers und die Hoffnung auf Treue
Das war das Zweite: die Gemeinde in der Wüste. Und nun noch das Letzte, das Wunder der Bewahrung.
Dass er auf die Erde geworfen war, verfolgte er die Frau, die den Knaben geboren hatte. Und der Frau wurden die beiden Flügel des großen Adlers gegeben. Auch das ist ein altes Bild der Bibel: getragen auf Adlersflügeln, so wie schon bei der Wüstenwanderung, als Gott ihnen am Sinai gesagt hat: Ich habe euch getragen auf Adlersflügeln.
Noch einmal wird diese Zeit der Dürre, des Verzichts und der Entbehrung, in der die Gemeinde Jesu klein wird, vom Herrn durchgetragen werden. Ich habe mich gefragt: Wie ist denn das, wo wir uns rüsten für den Gemeindetag 1982 im Neckarstadion? Wir wollen doch noch einmal in die Weite wirken. Wir wollen es tun, aber wir wissen nicht, wie lange uns der Herr Zeit lässt.
Und dann wissen wir: Das Ende wird nicht die triumphierende große Gemeinde im Stadion sein, sondern die, die in die Wüste geführt wird und auf Adlersflügeln von Gott versorgt und behütet wird. Gott hat einen Platz bereitet und auch die Zeit bemessen, wie lange das dauern soll. Und weil der Satan keine Möglichkeit hat, diese Gemeinde innerlich zu zerstören, in ihrem Glauben zu vernichten, verfolgt er sie von außen. Es sind alles äußere Druckmittel, die mit dem Bild angesprochen werden. Diese Wasserfontäne, die er dagegen schießt, kann selbst die Gemeinde nicht ersäufen. Sie wird wunderbar bewahrt.
Es ist dort noch eine ganz kleine Erwähnung, dass der Drache, da er diese Frau nicht selber vernichten kann, eher gegen die anderen Kinder dieser Frau kämpft. Ich weiß, dass wir bei der Auslegung der Offenbarung sehr behutsam vorgehen müssen. Ich will Ihnen aber das weitergeben, was der von Gott so erleuchtete bayerische Kirchenpräsident Betzel an dieser Stelle sagt.
Er sagt: Diese Frau, die dieses Kind gebärt, ist die alttestamentliche Judengemeinde, das Volk Israel. Und hier ist eine Erwähnung daran, das hat er vor achtzig Jahren ausgelegt, dass die anderen Kinder, da sind die, die aus den Heiden kommen, die heidenchristlichen Gemeinden, einen großen Schlag der Verfolgung aushalten müssen, solange die judenchristliche Gemeinde verborgen ist. In der Endzeit wird die judenchristliche Gemeinde wieder herauftreten und sichtbar werden, und sie muss wiederum die ganzen Lasten des Martyriums tragen.
Ich will es nur erwähnen: Wer es liest, der merke darauf, wenn es heißt, die anderen Kinder der Frau. Und die halten an den Geboten und am Zeugnis. Die Gottesgebote halten und, von Vers 17 am Ende, von Jesus das Zeugnis empfangen haben, das wird das Widerstandszeichen sein in der letzten betrübten Zeit. Die wird es treffen, die an den Geboten Gottes festhalten, da die Gesetzlosigkeit in der Welt immer mehr überhandnimmt, und die Zeugnis weitergeben wollen von Jesus, dem Christus Gottes, dem Gekreuzigten.
Schlussgedanken zur Treue im Glauben
Warum haben wir das alles nun am Christfest, warum denken wir darüber nach? Weil uns das Wort Gottes vorbereiten will. Und dann ist dies ein mutmachendes, ein kräftigendes Wort für uns, die wir alle in Kämpfen stehen, in Anfeindungen. Dann sagen wir: Jetzt sehe ich manches in meinem Leben klarer.
Ich weiß, dass ich die Schmach mit Jesus tragen muss. Ich will das gerne annehmen. Ich will auch mein Leben nicht lieben, sondern ich will nur Jesus treu bleiben und bei seinen Geboten bleiben.
Es wird mir schwer, wie vielen Christen in unseren Familien, in unserem nächsten Bekanntenkreis, ja im Raum unserer Gemeinde, die längst vom Herrn abgefallen sind. Nicht weil sie Gott leugnen, nicht weil sie nicht mehr an Gott glauben würden, sondern weil sie von den Geboten lassen und vom Zeugnis.
Der Herr gebe uns Treue und Hingabe, dass wir ihn über alle Dinge lieben. Amen.

