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"Geistesgaben: Apostel, Evangelist"

18.04.2011
Serie•Teil 9 / 17Gaben in der Gemeinde
Wer trägt wirklich Verantwortung im Glauben? Nicht jeder hat dieselbe Aufgabe – doch wer Gemeinde baut, wird einmal daran gemessen, ob am Ende etwas bleibt oder nur heiße Luft.

Einstieg in die Reihe und Erinnerung an den Leitvers

Allen Gästen, die heute das erste Mal oder wieder hier sind, die schlechte Nachricht lautet: Wir sind in einer Predigtreihe über geistliche Begabungen, die ungefähr 14 bis 15 Predigten lang sein wird, und ihr seid zur Predigt Nummer neun gekommen. Das heißt, ihr seid irgendwo mittendrin eingestiegen. Aber ich glaube, wir holen euch ab, wenn wir uns noch einmal unseren Leitvers anschauen: 1. Petrus 4,10.
Ich glaube, so langsam können wir ihn, ohne dass wir ihn auswendig gelernt haben, fast auswendig. Da heißt es: Wie jeder eine Gnadengabe empfangen hat – gemeint ist jeder Christ –, so dient damit einander als gute Verwalter der verschiedenartigen Gnade Gottes.
Alle sind begabt. Das war mir ganz wichtig zu betonen. Ich hoffe, das hat inzwischen auch jeder irgendwie mitgekriegt. Wenn nicht, macht eure Buttons dran und schaut immer wieder darauf: Jeder ist wichtig.
Letztes Mal sind wir einen Schritt weitergegangen. Wir haben uns Epheser 4,11-12 angeschaut. Da geht es um bestimmte Leitungsgaben. Und ich will dazu sagen: Obwohl jeder begabt ist, obwohl jeder wichtig ist, spielt nicht jeder in derselben Verantwortungsliga. Also: Nicht jeder hat dasselbe Maß an Verantwortung mitbekommen für die Entwicklung einer Gemeinde.

Verantwortung in Leitungsdiensten

Wir haben uns das letzte Mal den Hirten angeschaut. Dazu lese ich noch einmal 1. Petrus 4,11 vor, damit das jeder von uns noch einmal im Ohr hat.
Paulus spricht davon, dass Jesus bestimmte Gaben gegeben hat. Wenn man das genauer liest, stellt man fest: Die Gaben sind eigentlich Menschen mit Begabungen. In Epheser 4,11 heißt es: Und er hat die einen als Apostel gegeben und andere als Propheten und andere als Evangelisten und andere als Hirten und Lehrer.
Angeschaut hatten wir uns genauer schon den Hirten. Das ist jemand, der gewissermaßen mit einer Begabung für Seelsorge startet. In unserem Verständnis hatten wir uns die Gabe schon einmal angeschaut, nämlich das Wort der Ermahnung oder der Ermunterung und des Trostes. Jemand hat die Gabe, mit Menschen zu reden. Dort beginnt es. Aber nicht jeder, der diese Gabe hat, ist sofort auch Hirte.
Der Blick weitet sich. Es kommt persönliche Berufung hinzu. Es kommt die Bereitschaft dazu, sich auf diesen Dienst einzulassen. Und in meinen Augen kommt auch Fortbildung dazu, also dass man Erfahrungen mit dieser Gabe macht. Irgendwann steht da plötzlich ein ausgewachsener Hirte vor einem, der sagt: Ich will das auch tun in der Gemeinde. Möglicherweise nicht nur in einer Gemeinde, sondern mit meiner Begabung auch über die Grenzen der Ortsgemeinde hinaus.
Das Zweite, das wir nicht so genau angeschaut haben, war der Lehrer. Auch da beginnt es mit einer Gabe, hier wahrscheinlich mit dem Wort der Erkenntnis. Jemand tut sich leicht damit, die Bibel zu lesen und zu verstehen. Dann kommen bestimmte Dinge dazu. Die Bibel spricht davon, dass ein Lehrer einer ist, der anderen Dinge gut erklären kann.
Das ist ja auch logisch: Wenn du jemanden hast, der ständig nur zu eigener Freude redet und keiner so richtig mitbekommt, worum es geht, dann hilft das wenig. Ich weiß nicht, ob ihr jemals solche Professoren gehört habt, die von irgendetwas reden können, und du denkst dir: Ja, er redet, und es ist Deutsch, aber ich verstehe es trotzdem nicht. Ich habe das manchmal. Ich bin nicht gut in zwei großen Themengebieten: Das eine ist Quantenphysik, das andere Philosophie. Aber ich gebe mir manchmal Vorträge in diese Richtung. Ich weiß schon jetzt, dass ich sie wieder vergessen werde. Und irgendwo mittendrin habe ich immer diesen Effekt, wo ich sage: Nein, Freund, ich schnalle es einfach nicht. Es geht mir einfach zu schnell.
Aber das muss ein guter Lehrer hinkriegen: auch schwierigen Stoff so zu vermitteln, dass die Zuhörer noch etwas verstehen. Er muss gleichzeitig eine hohe Auffassungsgabe haben. Die Bibel spricht davon, dass man in Wort und Lehre arbeitet; das ist eine körperliche Anstrengung. Er muss also auch das Körperliche mitbringen.
Ich denke, er braucht bestimmte Zusatzqualifikationen im Bereich Bibelstudium und im Bereich Pädagogik. Das muss er nicht mit einem Abschluss gemacht haben, aber er muss es irgendwie mitbringen, wenn er als Lehrer arbeiten möchte. Denn es geht um Verantwortung. Werdet nicht viele Lehrer, meine Brüder, heißt es an der Stelle. Das ist nicht einfach so: Dann probiere ich es mal, ja, nur machen wir mal, schauen wir mal. Da steckt richtig Verantwortung dahinter.
Denkt manchmal ein bisschen wie bei Kindern. Ich finde es immer sehr schlimm, wenn Leute einfach mal so ein Kind bekommen wollen, ohne sich wirklich klarzumachen, was das bedeutet. Weißt du, was du tust? Dann hast du an der Stelle richtig Verantwortung. Und so ist das auch, wenn man sich auf so einen Dienst einlässt.

Der Druck auf Prediger und Leiter

Ich habe deshalb zum Apostel, zum Lehrer und zum Hirten euch keinen Fragebogen ausgeteilt. Es geht nicht darum, dass du außer Gott hat mich zum Lehrer gemacht. Gott hat dir vielleicht die Gabe gegeben, dich mit der Bibel zu beschäftigen. Aber ob dann einmal ein Lehrer, so ein richtig ausgewachsener Lehrer, daraus wird, das ist etwas, das kann Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte dauern, bis du in so etwas hineingewachsen bist, bis du so eine Verantwortung annehmen kannst, bis du eine Berufung bekommst in diesen Dienst hinein von Gott.
Verantwortung, da möchte ich noch einmal kurz darauf eingehen. Vielleicht könnt ihr euch das nicht vorstellen, aber ich habe tatsächlich jeden Sonntag Respekt, hier vorne zu stehen. Ich spüre sehr deutlich, dass die Grenze zwischen einer guten Predigt, die euch nicht einschlafen lässt, auf der einen Seite und auch Jesus im Zentrum behält, und auf der anderen Seite so einer Selbstdarstellung von Jürgen, wo der Prediger so zum Komödianten wird, manchmal sehr schmal ist.
Ich merke, das ist manchmal ein schmaler Grad. Wen stelle ich hier ins Zentrum? Produziere ich mich als Redner oder lasse ich mich gebrauchen, damit Gott durch mich hindurch, von mir aus auch mit einer manchmal spaßigen und lustigen Art, das Wort Gottes predigt? Ich finde, das ist eine ganz große Herausforderung. Und ich wünsche mir persönlich sehr, dass ihr für Lehrer, dass ihr für Leute wie mich betet.
Ich will mit euch in diesem Punkt noch einmal einsteigen: Verantwortung bei Gemeindebau. Schlagt bitte auf 1. Korinther 3. Die Situation ist die, dass Paulus uns beschreibt, wie die Gemeinde in Korinth sich entwickelt hat.

Gemeindeaufbau, Wachstum und Prüfung

Oh, das ist ja nicht so kompliziert. Ja, wir wissen: Paulus ist der Apostel, der sie gegründet hat. Und später ist noch so ein ganz, ganz interessanter Typ dazugekommen: Apollos.
Apollos ist das, was man einen klassischen Lehrer nennen würde. Aber er hatte noch etwas Jungdynamisch-Charismatisches an sich, und die Herzen sind ihm zugeflogen. Apollos war ein ganz toller Typ.
Und die Korinther: Nachdem sie erst einen Paulus erlebt haben und dann einen Apollos, kam später sogar noch ein Petrus dazu. Da gab es dann plötzlich so Fanclubs. Ich kann mir das richtig vorstellen: Die einen kommen am Anfang zum Glauben und sagen: Hey, wir sind die Paulus-Fraktion. Und dann gibt es Apollos, den Teenie-Schwarm, und alle so: Ah, total gut, ja. Und Petrus dann so für die geradlinig, einfacheren gestrickten Personen. Ganz toll.
Und Paulus schießt mit dem ersten Korintherbrief gegen diese Fanclubmentalität und möchte zeigen, wie die unterschiedlichen Gaben, und wir reden jetzt über Gemeindeleitungs- und Gemeindeaufbaugaben, wie die zusammenspielen.
 1. Korinther 3,6: Ich habe gepflanzt, sprich die Gemeinde gegründet, Apollos hat begossen, Gott aber hat das Wachstum gegeben.
Wir merken schon: Das Eigentliche ist das Wachstum. Das Eigentliche ist nicht der Dienst. Das Eigentliche ist, dass Gott sich dazugesellt.
 1. Korinther 3,10: Nach der Gnade Gottes, die mir gegeben ist, habe ich als weiser Baumeister den Grund gelegt, ein anderer aber baut darauf. Jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. Denn einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.
Paulus sagt: Ich habe mich als weiser Baumeister bemüht, so gut wie möglich ein Fundament einzuziehen, auf dem eine Gemeinde aufgebaut werden kann. Aber Paulus ist nur Gemeindegründer. Jetzt kommen andere, die darauf bauen. Und im Blick sind in diesem Text nicht alle Gemeindeglieder, sondern tatsächlich die in Leitungsverantwortung, die jetzt sagen: Wir sind für das, was da entsteht, substanziell verantwortlich.
Und dann heißt es in Vers 12: Wenn aber jemand auf den Grund, also auf Jesus, auf das Evangelium, Gold, Silber, kostbare Steine, Holz, Heu, Stroh baut – und ihr merkt schon, dass die ersten drei Sachen wertvoll sind und nicht brennen, und Holz, Heu, Stroh ist so das, wo du sagst: Na ja, nicht so wertvoll, und es brennt gut –, so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Denn der Tag, gemeint ist der Tag des Gerichts, wird es klar machen, weil es im Feuer geoffenbart wird.
Irgendwie geht Gott prüfend darüber, wie wenn jemand so eine Feuerwalze drüberschickt und einfach mal schaut: Was hält das Häuschen denn aus, was du da gebaut hast? Das macht ihr bitte nicht mit dem Haus von Flo und Claudi, das ist nämlich eher Holz, Heu, Stroh. Aber das liegt wahrscheinlich auch daran, dass sie sich gerade Gold, Silber, kostbare Steine nicht leisten konnten. Er hätte das wahrscheinlich auch aus Gold hingestellt.
Dass wir nur begreifen: Gott schaut sich das, was wir in der Gemeinde aufbauen, wie wir Gemeinde bauen, ganz genau an. Und dann, 1. Korinther 3,14: Wenn jemandes Werk bleiben wird, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. Wenn jemandes Werk verbrennen wird, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer.

Gericht, Bestand und die Heiligkeit der Gemeinde

Ganz interessanter Punkt: Wenn du Verantwortung in der Gemeinde trägst, dann kommt irgendwann, und wir reden hier nicht über den jüngsten Tag. Christen kommen nicht ins jüngste Gericht, das ist nicht unser Ding. Wir sind frei, unsere Sünden sind vergeben. Wenn du das nicht weißt, kümmere dich darum. Das ist ein ganz wichtiger Punkt, dass ich das begriffen habe.
Beim jüngsten Gericht stehen die Christen daneben, wie ein Zuschauer. Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sagte der Herr Jesus. Ganz wichtiger Punkt. Aber es gibt so etwas anderes. Es gibt so eine Art Prüfung nach dem Leben. Gott schaut sich das Leben noch einmal an. Wie ist es denn jetzt gelaufen, so ganz grob? Gut und böse, wie ausgewogen war das denn?
Im zweiten Korintherbrief wird von einem Preisgericht gesprochen, oder eigentlich wird da von einem Richterstuhl gesprochen, vor dem wir alle nach dem Tod erscheinen müssen. Und das ist jetzt nicht ein Richterstuhl im Sinne von Richtern bei den Krimiserien, sondern olympische Spiele. Da ist die Frage im Raum: Bist du Erster, Zweiter oder Dritter geworden? Hast du bei dem Lauf, bei diesem Wettrennen Leben, gemütlich durchs Ziel geschlurft, oder bist du da so richtig mit Karacho durchgegangen? Hast du das Gute getan, von dem du wusstest, dass du es tun sollst? Oder hast du das Gute einfach nicht getan, weil es dir total egal war, weil du dachtest: Ich habe mein Ticket in den Himmel, und gut ist es? Das wird sich Gott anschauen.
Und hier, in 1. Korinther, geht es darum, dass Werke, Dinge, die wir getan haben, und es geht um verantwortliches Mitarbeiten in der Gemeinde, verbrennen können. Dass das Holz, Heu, Stroh ist. Dass da einer sich zwar in die Gemeinde investiert und auch irgendetwas hinsetzt, da kommt schon etwas bei raus. Aber wenn Gott prüfend drauf schaut, muss er eigentlich sagen: Du, das, was du da getan hast, dein Lebenswerk, das hat vor mir eigentlich keinerlei Bestand.
Es gibt so etwas wie geistliches Dünnbrettbohrertum. Das mögen wir nicht gerne hören, aber das ist so. Es gibt Eifer ohne Erkenntnis. Dass man drauflos ackert wie ein Tier und womöglich seine Familie dafür opfert, und am Ende entsteht etwas, was nach Gemeinde aussieht. Aber wenn Gott es sich anschaut, muss er sagen: Na klar, der richtige Grund war da, aber das, was ihr draufgebaut habt, das hat eigentlich keinerlei Substanz.
Vers 16: Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Hier ist der Begriff des Tempels bezogen auf die Gemeinde. Es ist ganz interessant, dass im 1. Korintherbrief beides geht. Hier ist der Tempel ein Ihr, später, in 1. Korinther 6, wird er dann als Bild für den einzelnen Christen verwendet. Hier ist noch in Summe gemeint: Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn jemand den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben. Denn der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr.
Es gibt so Bibelworte, die ich nur manchmal an mich heranlasse, weil sie einfach wehtun. Ich kann nicht anders, als wenn ich jetzt sehe, wie in Mariendorf die Gemeinde leidet und auch langsam vor sich hin kaputtgeht, ich kann nicht anders, als dazustehen und mir die Frage zu stellen: Jürgen, was hast du falsch gemacht? Das mögt ihr vielleicht nicht verstehen, aber da stecken zehn Jahre meines Lebens drin. Und da steckt viel Zeit drin, viel Kraft, viel Gebet. Und jetzt geht etwas kaputt. Ich weiß noch nicht, was Gott am Ende dazu sagen wird, aber mich trifft das dermaßen, dass ich mir oft die Frage stelle: War das eigentlich irgendetwas wert, was du da gemacht hast? Und wenn nicht, was lerne ich eigentlich daraus?
Ich kann euch das ganz ehrlich hier von vorne sagen: Wenn es euch Spandauer nicht geben würde, ihr seid für mich eine unglaubliche Quelle von Ermutigung und Zuversicht. Ich weiß nicht, ob ich das, was an Schmerz sich da aufbaut, im Moment veratmen könnte.
Der Text ist schon ein gnadenloser Text hier. Wer sich an diesem Tempel Gottes, der heilig ist, vergreift, der vergreift sich an Gott selbst. Da ist Gott irgendwie total hinterher. Und jetzt merkt ihr vielleicht auch ein bisschen, in was für eine Spannung wir die Ältesten hineingestellt haben. Das ist immer so einfach: Ja, wir stellen mal ein paar Älteste. Ja, also wenn ihr ein bisschen was mitnehmen wollt, praktisch aus dieser Predigt, weil es wird nicht so viel Praktisches drin sein, wenn wir Dienste besprechen, aber bitte betet für unsere Ältesten hier.
Natürlich können die sagen: Ja, wir sind alle noch jung. Stimmt. Und trotzdem, selbst wenn dieser Vers hier vielleicht nur eingeschränkt gilt, weil Gott weiß, was wir können, Gott kennt unsere Grenzen, Gott verlangt von uns auch nicht mehr, als wir geben können, und Gott sieht auch unser Herz an, und trotzdem gilt: Wenn wir Fehler machen, wenn wir Mist bauen oder Holz, Heu, Stroh, dann wird es nicht dadurch gut, dass wir immer darauf hinweisen, wie jung wir sind und wie wenig Erfahrung wir hatten.
Und deswegen müssen wir uns als Gemeinde hinter die Ältesten stellen. Wir müssen viel für sie beten. Wir müssen ihren Dienst leicht machen. Wir müssen dafür sorgen, dass sie ermutigt bleiben, dass sie genug Lob bekommen, dass wir nicht hinter ihrem Rücken schlecht über sie reden. Und wenn Dinge passieren, so diese typischen Dinge, die immer passieren, ich nenne das mal Kommunikationsprobleme: Man will das Gute, und irgendwie kommt es komisch an.
Ey, ich könnte euch, ich weiß nicht, eine Milliarde Geschichten erzählen, wie man sich in Gemeinde investieren kann, das Beste will, und irgendwann kommt einer aus irgendeinem Loch und wirft einem irgendetwas vor. Wie kommst du da drauf? Das ist Ältestenschaft. Du versuchst es allen recht zu machen und kriegst am Schluss die Ohrfeigen.
Naja, aber deswegen macht es ihnen leicht. Die Verantwortung könnt ihr ihnen nicht abnehmen. Die Verantwortung ist schlimm genug, aber wir können schauen, dass ihnen der Dienst nicht zu schwer wird. Und es geht in Vers 17 so weit, dass hier ja steht, das will ich auch sagen, wenn jemand den Tempel Gottes verdirbt. Also auch hier weitet sich der Blick wieder. Natürlich haben die in Leitungsverantwortung die große Verantwortung. Aber wenn wir es ihnen unmöglich machen und wenn wir uns mit unseren kleinen Gaben, mit unseren Nicht-Leitungsgaben nicht bereit sind einzubringen, dann sagen die: Er soll doch die da vorne machen. Ja, haben wir so schön, haben wir so doch für, oder? Wenn wir das nicht tun, wenn wir uns bewusst zurückziehen, dann trifft uns, wenn etwas kaputtgeht, auch Verantwortung.

Der Apostel als Gemeindegründer und Vernetzer

Das Thema vorneweg: Verantwortung. In Epheser 4 geht es um Gaben, die in besonderer Weise für Gemeindebau und Gemeindeentwicklung verantwortlich sind. Heute möchte ich euch zwei davon vorstellen: einmal den Apostel und einmal den Evangelisten.
Ihr merkt schon: Das ist nicht gerade das Thema, das man öfter als einmal im Jahrzehnt in einer Predigt hört. Aber es lohnt sich, einmal daraufzuschauen.
Der Begriff Apostel klingt auch im Griechischen sehr ähnlich wie im Deutschen: Apostolos. Er hat drei Bedeutungen, und das macht die Sache so kompliziert. Zum einen bedeutet er so viel wie Bote oder abgesandter Briefträger. Gemeinde A sammelt und möchte gerne Gemeinde B etwas geben. Also schnappt sich Gemeinde A die Sammlung, gibt sie einem Apostolos und sagt: Und tschüss, Freund. Und der fährt dann, weil das mit dem Postwesen damals noch nicht ganz so ausgeprägt war, zu der anderen Gemeinde und sagt: Schaut mal, wir haben für euch gesammelt, hier ist es.
In diesem Sinn wird das in 2. Korinther 8,23 gebraucht. Es ist ein ganz wichtiger Dienst, logisch, du kannst nicht jedem einfach die Spendengelder der Gemeinde anvertrauen. Aber das ist natürlich nicht das, was in Epheser 4 gemeint ist. Es ist die weiteste Bedeutung des Begriffes: Jemand übernimmt einen Job für die Gemeinde.
Das andere Extrem, wenn ich mir Apostel als Begriff anschaue: Was ist im Zentrum, was ist die engste Bedeutung? Die engste Bedeutung sind die zwölf Leute, die Jesus als Apostel bestimmt. Wir können das in Lukas 6 lesen. Phantastisch übrigens, wie Jesus uns hier ein Vorbild gibt: Wenn du eine schwierige Aufgabe zu erledigen hast, pass auf, dass du genug betest.
 Lukas 6,12: Und es geschah in diesen Tagen, dass er auf den Berg hinausging, um zu beten, und er verbrachte die Nacht im Gebet zu Gott. Und als es Tag wurde, rief er seine Jünger herbei, und er wählte aus ihnen zwölf, die er auch Apostel nannte.
Die Zwölf wird dann sogar zu einem stehenden Begriff. Jetzt wissen wir: Das ist immer so in der Bibel mit „die Zwölf“. Na ja, da gibt es dann noch einmal einen Wechsel: Judas fällt raus, Matthias geht rein, und irgendwann später gibt es dann noch einen obendrauf, so als Sahnehäubchen, den guten Paulus. Es sind eigentlich zwölf plus eins. Aber wir begreifen: Es gibt so einen inneren Kern, der hat eine besondere Verantwortung. Der wird im Epheserbrief auch als Grundlage bezeichnet, auf der die Kirche gebaut wird.
Das geht so weit, wenn ihr in die Offenbarung hineinschaut und dort von dem Neuen Jerusalem lest. Da sind die Grundsteine. Offenbarung 21,14: Und die Mauer der Stadt hatte zwölf Grundsteine und auf ihnen zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes.
Es gibt echt einzelne Leute, die sind so grundlegend, dass alles andere darauf gebaut wird. Die können in Epheser 4 auch nicht gemeint sein, es sei denn, man nimmt die Schriften von diesen Leuten, die bis heute nachwirken. Denn immer noch lesen wir Paulusbriefe, immer noch lesen wir Petrusbriefe, immer noch lesen wir das Matthäusevangelium. Dinge, die von Aposteln geschrieben wurden, die wirken noch.
Aber wenn wir heute darüber nachdenken, wo sind noch Apostel, dann können es die nicht mehr sein. Zumindest wäre ich sehr skeptisch, wenn jemand sich hinstellt und sagt: Ich bin Nummer 14. Glaube ich nicht, wenn ich ehrlich bin. Also müsste ich ihm das dann noch einmal von der Bibel her zeigen. Aber für mich ist diese Sache mit den Uraposteln, dem engsten, innersten Kern, abgeschlossen.
Es gibt eine dritte Bedeutung dieses Begriffes Apostel: einmal ganz weit, Boten, Abgesandte; einmal ganz eng, die zwölf Spezialaufgabe, da kommen dann auch Wunder und Zeichen dazu, da geht es so richtig zur Sache am Anfang. Es gibt einen Begriff, der dazwischen hängt, und den finden wir in 1. Korinther 15,7. Also das sind Apostel, die es schon zur Zeit des Neuen Testaments gab, die aber klar unterschieden werden von den Zwölfen und auch von Paulus.
 1. Korinther 15 beschreibt, wer alles den Herrn Jesus nach der Auferstehung gesehen hat. Eine ganze Liste hintereinanderweg. Unter anderem heißt es in Vers 5, dass er Kephas, also Petrus, erschienen ist, dann den Zwölfen, das sind die Zwölf. Und dann geht es weiter, Vers 7: Danach erschien er Jakobus, dann allen Aposteln.
Und das ist jetzt extrem spannend. Hier gibt es eine Gruppe, eine definierte Gruppe von Personen, die man Apostel nennt, wo jemand, wenn man den Begriff hineinwirft, sagt: Ja, die sind gemeint. Differenziert von den Zwölfen. Auf der einen Seite die Zwölf, die wir für die zwölf Apostel halten, und dann gibt es noch einmal die Apostel.
Eine ähnliche Sache in der Offenbarung: Wenn wir das jetzt nicht vorlesen, da werden in dem Sendschreiben an Ephesus die Gemeinde dafür gelobt, dass sie die geprüft hat, die sich als Apostel ausgaben und es nicht sind. Also da kommen Leute und sagen: Hallo, wir sind Apostel. Und die Gemeinde: Okay, gut, ihr seid Apostel, dann machen wir mal so den Aposteltest. So, und die machen den Aposteltest und sagen: Seid ihr nicht. Das ist ja doof.
Also Leute kommen mit dem Anspruch in die Gemeinde hinein, am Ende des ersten Jahrhunderts Apostel zu sein. Da waren die meisten Urapostel schon lange tot, Johannes ist so der, der am längsten gelebt hat, und die Gemeinde muss prüfen, was da dran ist. Die Gemeinde sagt nicht von vornherein: Sowas gibt es nicht mehr, sondern sie prüft es und erkennt ihren Anspruch als falsch.
Jetzt die Frage: Was macht einen Apostel eigentlich aus? So einen, der nicht zu den Zwölfen zählt, aber auch ein bisschen mehr ist als so der Geldüberbringer. Nehmen wir Petrus und Paulus als Modell, ich denke, das ist okay. Dann kann man sagen: Die Funktion eines Apostels, die ihn deutlich unterscheidet von allen anderen Leitungsgaben, besteht darin, dass er Gemeinden gründet.
Petrus macht das in Jerusalem, Paulus macht das überall. Dass er auf Missionsreisen unterwegs ist und tatsächlich dafür sorgt, dass an Stellen, wo es noch gar keine Gemeinde gibt, neue Gemeinde entsteht. Damit er das kann, hat der typische Apostel einen unglaublichen Gabenmix. Eigentlich ist er so ein bisschen Hirte, Lehrer, Prophet und Evangelist. Danke, und Evangelist in einem.
Was tun Apostel? Apostel gründen Gemeinden, aber es geht weiter: Apostel begleiten Gemeinden, Apostel vernetzen Gemeinden. Ich will das noch einmal wiederholen: Sie gründen, begleiten und vernetzen Gemeinden. Und sie tun das, weil sie gleichzeitig gute Hirten sind. Paulus kann davon sprechen, dass er sich wie ein Vater oder wie eine Mutter um die ersten Gläubigen gekümmert hat. Indem sie gute Lehrer sind. Die Briefe, die wir lesen, sind von Aposteln geschrieben. Indem sie etwas Prophetisches haben, sie bekommen exklusiv Wort Gottes. Und indem sie einfach tolle Evangelisten sind, indem da, wo sie auftauchen, sie das Evangelium predigen und wirklich Leute zum Glauben kommen. Das fließt in ihnen zusammen.
Und wenn wir das Wort Apostel übersetzen, einmal aus dem Griechischen ins Lateinische, dann wird aus dem Apostel plötzlich ein Missionar. Das ist das gleiche Wort, die Übersetzung völlig identisch, nur im Lateinischen heißt das halt nicht Apostel, sondern Missionar. Es ist der Gesandte. Und mit einem Missionar verbinden wir eigentlich ziemlich genau das, was ich eben gesagt habe. Was ein bisschen fehlt, ist dieses übergemeindlich vernetzende Element, da würde ich mir mehr wünschen. Aber das ist einfach so. Im Moment ist ein Missionar eher der, der Gemeinden gründet.
Und deswegen: Was macht so einen Apostel aus, außer dass er so einen absoluten Gabenmix hat? Na ja, er ist relativ tough, so von seiner Art her, weil er einfach in ein Neulandgebiet vorstoßen muss. Er ist idealerweise visionär, mutig und teamfähig. Wir lesen in der Bibel sehr viel von missionarischen Teams.
Und ich möchte jetzt fairerweise Folgendes sagen: In diesen Teams gibt es zwei Sorten von Aposteln. Es gibt das, was ich für mich nenne, den Leitwolf-Apostel. Das ist der, der irgendwie sagt: Ich bin der Chef im Ring, ich sage, wo es langgeht, ihr könnt gerne mitkommen. Und dann gibt es die, die Mitarbeiterapostel sind. Das sieht man sehr schön bei Paulus. Paulus selber wird Apostel genannt, und er sagt, wo es langgeht. Er ist der, der immer gesagt hat, er geht in die Synagoge, er geht immer voran. Wenn man sich so einen Rammbock vorstellt, da ist er quasi vorne die Spitze: bumm, bumm.
Die Aufhängung und alles andere, was man auch braucht, damit es bumm machen kann, das sind seine Mitarbeiter, die auch im 1. Thessalonicherbrief Apostel genannt werden. Ich zeige euch das einmal, weil das dann doch immer wieder verblüfft.
 1. Thessalonicher 1,1: Paulus und Silvanus und Timotheus.
Die drei schreiben den Brief. In Kapitel 2,7 heißt es dann: Obwohl wir als Christi Apostel gewichtig hätten auftreten können.
Seht ihr das? Also oben sind drei Stück, und eigentlich hätte man gedacht, Paulus ist der Apostel und die anderen nicht. Aber unten wird von „wir“ gesprochen. Das heißt, sowohl Paulus als auch Silvanus als auch Timotheus sind Apostel. Wenn wir uns die Geschichte anschauen, gibt es eben, ich sage mal, den, der so ein bisschen vorangeht, den Leitwolf, und die anderen, die mitarbeiten.

Wie Leitung wächst und wie Evangelisation aussieht

Wenn ihr mich fragt, wie man eigentlich in so eine Leitungsaufgabe hineinkommt, dann fällt mir ein Bibelvers ein, der beschreibt, wie das bei Lehrern der Fall ist. Du startest mit einer Begabung. Dieses „wie jeder empfangen hat“ ist so die grobe Richtung. Du wirst nicht, sag ich mal, mit einer Seelsorgegabe starten und dann ganz woanders landen. Das ist so deine Richtung.
Das Nächste, was du machst, wenn du in so eine Leitungsaufgabe hineinkommst, ist: Du suchst dir jemanden, der sie hat, und lässt dich von ihm tatsächlich ausbilden, wenn das irgendwie geht. Es mag andere Wege geben, aber das Normale, am Beispiel eines Lehrers beschrieben, findet sich in 2. Timotheus 2. Da schreibt Paulus seinem Mitarbeiter Timotheus:
 2. Timotheus 2,1: Du nun, mein Kind, sei stark in der Gnade, die in Christus Jesus ist, und was du von mir in Gegenwart vieler Zeugen gehört hast, das vertraue treuen Menschen an, die tüchtig sein werden, auch andere zu lehren.
Ich lerne von anderen, ich höre auf das, was andere sich erarbeitet haben, ich nehme das auf und entwickle an der Stelle mich selbst weiter. Irgendwann bin ich an dem Punkt, wo ich merke: Oh, ich kann Aufgaben übernehmen.
Bei einem Timotheus sieht das so aus: Der Kerl ist am Anfang einfach nur ein Kerl, dann kommt Paulus vorbei, und er wird ein Christenkerl. Dann schnappt Paulus sich den und sagt: Komm mit. Dann bekommt er irgendwo eine Berufung in dem Bereich Evangelisation. Irgendwann kann Paulus sagen: Wir machen jetzt hier zusammen Arbeit in Ephesus. Und irgendwann später lässt er ihn alleine in Ephesus zurück, um die Arbeit zu vollenden. Es wird immer ein Stück mehr, und er wächst langsam, aber sicher da rein.
Und ich glaube, das ist bis heute das Modell, wie man Leiter ausbilden sollte: durch Vorbild, durch Hineinwachsenlassen. Training on the job nennt man das, glaube ich, irgendwie in diese Richtung.
Lasst uns schnell noch den Evangelisten abhandeln, der geht fix! Es steht nämlich gar nicht so viel über den Evangelisten in der Bibel. Also, das Wort taucht eh nur dreimal im Neuen Testament auf. Und ich habe euch das Wichtigste hier hingeschrieben. Ich bringe gleich die Definition. Ihr alle meint ja zu wissen, glaube ich, was ein Evangelist ist, oder? Das ist so eine Gabe, wo jeder sagt: Weiß ich, kenn ich. Also, bei vielen Gaben weiß man es nicht, aber bei Evangelisten haben die meisten eine Idee, dass das nach irgendwas klingt.
Ich habe eine Definition gewagt, die hört sich so an:
Obwohl alle Christen dazu berufen sind, in ihrem Umfeld Zeugen für Jesus zu sein, gibt es einzelne Christen, denen die Verkündigung des Evangeliums ein besonderes Anliegen ist, die dabei eine Extraportion Vollmacht und Weisheit besitzen und durch die sowohl Heiden zum Glauben finden als auch Christen das Evangelium tiefer verstehen.
Nach dieser Definition ist nicht jeder, der gerne das Evangelium weitergibt, ein Evangelist. Das muss man einmal sagen. Es gibt zwar die Gabe, das Wort des Evangeliums weiterzugeben, aber nicht jeder, der gerne mit anderen Leuten über das Evangelium redet, wird dadurch zu einem Evangelisten. Ein Evangelist ist einer, der – wir können ja gerade mal diese auf der Rückseite, die Fragen zur Selbstreflexion, durchgehen.
Ein Evangelist ist einer, der erstens eine besondere Liebe zu verlorenen Menschen hat. Das musst du haben, wenn du Evangelist bist. Und ich habe euch etwas mitgebracht, ich habe so schmunzeln müssen. Ich schmunzle jedes Mal, wenn ich daran vorbeigehe.
Also: Hauskreis, Kleingruppe. Wir beten für unsere Freunde. Die Idee ist: Finde zwei, drei Leute, für die du regelmäßig betest, dass sie zum Glauben kommen. Ich habe die Liste von Flo mir aufgehoben, ich habe die schon zwei oder drei Jahre. Bei ihm stehen 52 Personen auf seiner Liste. Das ist Flo, Flos Anteil. Ich habe irgendwann, Flo, das gebe ich zu, aufgehört, für die Leute zu beten. Es war mir einfach – ich weiß nicht, ob ihr euch das vorstellen könnt – ihr betet euch durch so eine Kladde von Leuten, ja? Und freust dich ja für jeden so zwei, drei Freunde, für die kann man beten. Und dann kommst du bei Flo auf 52, und du weißt: Die Gebetszeit heute besteht, wenn ich es ernst nehme, eigentlich nur aus Flo, Flos Freunde hier, Flos Freunde dort.
Aber natürlich ist das ein Indiz. Wenn du drei Leute aufschreiben kannst und er 52, dann frage dich: Wer hat eine größere Last für Leute? Wer hat Leute mehr im Blick? Vielleicht ist er auch organisierter, wobei das glauben wir nicht wirklich, oder?
Frage zwei: Habe ich eine Last fürs Evangelium, also dafür, dass Nichtchristen und Christen begreifen, wie großartig die frohe Botschaft ist?
Lasst mich an der Stelle etwas ergänzen: Das Evangelium ist mehr als nur zu sagen: Komm zu Jesus und werde Christ, werde deine Schuld los. Das Evangelium ist im Neuen Testament die gute Botschaft davon, wie man seine Schuld loswird, wie man die Macht der Sünde bricht und wie man in der Ewigkeit bei Gott lebt. Es ist diese Breite von Evangelium.
Deswegen kann Paulus im Römerbrief 1,15 auch sagen: Ich möchte euch gern ein bisschen Evangelium mitgeben. Und dann schreibt er da kapitellang auch Dinge, wo man denkt: Das gehört auch noch zum Evangelium? Das auch noch? Er schreibt eigentlich riesig viel. Und das fängt an mit: Wie wird man Christ? Und geht weiter mit: Wie lebt man als Christ? Wie schmeißt man Sünde aus seinem Leben raus? Das ist alles Evangelium.
Und wenn du sagst: Ich möchte Menschen befreien, und zwar grundlegend befreien, mehr als nur: Ich würde gern mit meinen Arbeitskollegen nach der Arbeit mal ein Bier trinken und über das Evangelium reden, dann ist das die enge Sicht. Das ist noch nicht der Evangelist. Das ist einer, der gerne evangelisiert. Aber der Evangelist hat das Breite. Er hat die ganze Entwicklung des Menschen im Blick und sagt: Hey, Befreiung fängt mit der Schuld der Sünde an, dann kommt die Macht der Sünde hinterher, und ich möchte gleich noch zeigen, in was für einer Hoffnung wir leben. Das ist der Evangelist.
Und wenn du sagst: Ich habe eine Last, diese göttliche Freiheit Menschen weiterzugeben, dann machst du ein Kreuz bei Ja.
Habe ich wenig Probleme damit, mich auf fremde Menschen mit anderen Lebensgewohnheiten einzustellen, weil es mir ein Anliegen ist, sie mit dem Evangelium zu erreichen? Stichwort: den Juden ein Jude, den Griechen ein Grieche. Ja, wenn ich Tofu essen muss, esse ich halt Tofu. So diese Richtung.
Na ja, was müsstest du tun, wenn du Vegetarier erreichen willst? Ja, von mir aus Sushi. Oder ein Freund hat mir erzählt von diesem netten Lokal in China, das heißt Fünf Köpfe. Du kriegst da fünf Köpfe, ja. Irgendwie Schwein – nee, Schwein war nicht dabei –, Schaf war dabei und verschiedene Vögel. Und dann knabbert man halt von den ... na, ihr versteht schon. Also, ein Evangelist hat da keine Not. Ein Evangelist sagt: Ey, ich werfe mich mit meinem Leben einfach da rein, was soll’s.
Dann fallen mir beim Erklären des Evangeliums häufig passende Vergleiche, Beispiele, Anekdoten, eigene Erlebnisse auf. Das werdet ihr merken: Ein Evangelist jipptert nach Geschichtchen. Der möchte es immer mit anderen Worten nochmal sagen, noch ein bisschen exakter. Typisch Evangelist. Das führt übrigens dazu, wenn ihr Evangelisten erlebt, wenn sie mit der Bibel evangelisieren. Es ist so lustig.
Ich habe einen Freund, der ist Vollblut-Evangelist, und wir waren beide in derselben Predigt-Schulung, so dieses Drei-Minuten-Predigt-Üben, und das jeden Morgen. Du konntest ihm jeden Text geben, es war völlig egal. Wo er startete, er war nach ungefähr 30 Sekunden bei: Hier finden wir das Evangelium. Und ich komme wo ganz anders her. Ich komme von: Was steht da wirklich? Was ist der Kontext? Was sagt der Text wirklich? Und du kannst dann manchmal nur da stehen und dir die Haare raufen und sagen: Okay, halt ein Evangelist. Daran kann man sie auch erkennen. Ja, das ist wirklich lustig.
Es sind auch die, die dann in Offenbarung 3 sagen: Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an. Oh ja, Jesus steht an der Tür deines Herzens und klopft an. Wenn du ihm jetzt aufmachst, dann kommt er zu dir hinein, und ihr werdet Frieden haben in Ewigkeit. Ja, ja. Der Lehrer sagt: Es geht hier um eine Gemeinde, die Jesus ausgeschlossen hat, und es geht um dringende Buße einer ganzen Gemeinde. Es geht überhaupt nicht um persönliche Bekehrung. Ach, der Evangelist: Du stehst vor der Herzenstür und lässt ihn klopfen, und super.
Das ist der Unterschied zwischen einem Evangelisten und einem Lehrer. Der Lehrer würde puderrot werden und sich schämen, wenn er das sagen würde. Und der Evangelist wird auch rot, aber vor Begeisterung.

Merkmale echter Evangelisten und ihr Auftrag

Letzten zwei Fragen:
Gelingt es mir leicht, Menschenfurcht abzuschütteln und in einem fremden Kontext das Evangelium passend zu erklären? Echte Evangelisten sind, wisst ihr, was Kaltakquise ist? Das sind so die Typen, die klingeln und sagen: Hallo, ich würde mit Ihnen jetzt gerne über Ihre Telefonrechnung reden, weil ich Ihnen eigentlich einen neuen Telefonvertrag verkaufen möchte.
Allein die Vorstellung, so einen Job machen zu müssen, wäre für mich das Ich kann euch nicht sagen. Wie sehr ich mich überwinden muss, bei Verteileinsätzen Zettel in Briefkästen zu stecken oder irgendwo dann zu klingeln, wenn du nicht gleich reinkommst in das Haus, weil innen drin die Briefkästen sind, ist für mich die Megaüberwindung. Ich mache es am liebsten nur zu zweit. Ich schäme mich förmlich für den Zettel, den ich da in der Hand halte. Ich bin wirklich sowas von falsch. Ich mache es nur, weil ich weiß, dass es gut ist, wenn man es als Vorbild macht, weil es da draußen irgendwo Leute gibt, die es wirklich gern machen. Ich nicht.
Aber wenn du ein Evangelist bist, dann quatschen die jeden an. Das ist unglaublich. Die haben keinen Respekt vor Intimsphäre. Ja, wirklich. Du weißt: Fünf Minuten, das Gespräch kann irgendwo starten, und wir sind nach fünf Minuten beim Evangelium, warum auch immer. Ich bräuchte dafür zwei Jahre. Ich würde auch hinkommen, aber ich werde deutlich langsamer.
Und deswegen, wenn du sagst: Ich kenne da gar keine Hemmungen, ich habe das mal in einer U-Bahn erlebt. Da saß mir ein echter Versicherungsvertreter gegenüber. Der wollte eigentlich nur seine Ruhe haben von den beiden Jungs, die da so zwei Teenager links und rechts von ihm saßen. Und irgendwann hast du gemerkt: Na gut, dann mache ich halt ein Verkaufsgespräch draus. Dann hat der innerhalb von fünf Stationen mit denen angefangen, Verkaufsgespräche zu führen. Ich dachte mir: Wahnsinn. Ich habe wirklich mit offenen Ohren und mit Begeisterung zugehört, weil der einfach so plupp die Kurve gekriegt hat. Und ich dachte mir: Mann, wenn du gläubig wärst, Wahnsinn!
Es gibt manchmal Typen, da siehst du dir vor, wenn der begeistert wäre vom Evangelium, der würde auf der Fahrt von Rathaus Spandau bis Altbuko oder was weiß ich, hier bis Rudow, da hätte der auf dem Weg drei Leute bekehrt.
Letzter Punkt: Kommen regelmäßig Menschen durch mich zum Glauben? Das ist natürlich das, was einen Evangelisten auszeichnet. Oder aber leide ich unter der Last, dass es nicht passiert? Wir können das nicht immer machen. Aber spürst du diese Last? Kannst du manchmal einfach nicht weiterleben, weil du sagst: Mann, ich möchte, dass mehr passiert. Ich kann nicht damit leben. Herr Jesus, was soll das hier auf der Erde, wenn jetzt nicht noch jemand zum Glauben kommt?
Das ist ein typisches Zeichen für jemanden, der davon lebt, das Evangelium zu predigen.

Schlussgedanke: Evangelisten im Dienst der Gemeinde

Letzter Gedanke: Und wenn wir jetzt glauben, zu wissen, was ein Evangelist ist, und diese Liste durchgegangen sind, dann lasst uns vorsichtig sein. Denn es besteht die grosse Gefahr, dass wir den Evangelisten auf dieses Predigtamt reduzieren.
Der Evangelist, der in Gemeinden eingeladen wird, kommt, um eine evangelistische Predigt zu halten, und alle sollen ihre Freunde einladen. Der Evangelist in Epheser 4 ist aber der, der andere ausrüstet. Er hat natürlich seine eigene Gabe; du schmeißt immer erst dein eigenes Leben in den Ring.
Aber dein Ziel ist nicht, so viele Heiden wie möglich zu Christus zu führen, sondern dein Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass um mich herum Christen reif werden, dass Christen das Evangelium verstehen und sich an mir orientieren können. Und ich möchte quasi als Evangelist an ihre Seite treten, um mit ihnen zusammen ihre Freunde zu erreichen, um sie zu qualifizieren, an der Stelle, wo Gott sie hingestellt hat, das zu sein, was sie sein sollen: Zeugen Jesu Christi.
Und erst wenn du diesen weiten Blick hast, nicht nur ich und meine VIPs, die ich gerne erreichen würde, sondern ich mit meiner Begabung im Kontext einer Gemeinde oder sogar übergemeindlich, wo ich Leute qualifiziere, wo ich sie mitnehme, wo ich sie unterstütze an der Stelle, wo sie selber nicht weiterkommen mit ihren evangelistischen Bemühungen, da wird aus jemandem, der gerne das Evangelium predigt, einer, der zu Recht sagen kann: Ich bin Evangelist. Ich baue am Reich Gottes. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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