Serie•Teil 26 / 53Lukas-Evangelium
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einleitung und Leitfrage
Worauf kommt es im Leben am meisten an? Diese Frage zieht sich durch unseren größeren Abschnitt in Lukas 10,38 bis 13,21. Was darf ich in meinem Leben nicht vernachlässigen?
Dabei geht es erstens um das Hören auf Gott. Es ist die Geschichte von Martha und Maria. Dann geht es am Anfang in Lukas 11 um das Reden mit Gott. Das ist der zweite Punkt: Hören auf Gott, Reden mit Gott.
Und dann gibt es drittens die Frage, wo wir unsere Prioritäten richtig setzen. Dabei werden wir auf Opposition stoßen. Wir müssen, und das ist der dritte Punkt, die damit verbundene Furcht überwinden, einfach weil wir Gottes Zeugen sind. Der Heilige Geist möchte uns gebrauchen, und er möchte durch uns zu Gott reden.
Die drei Punkte kennen wir also. Was darf ich nicht vernachlässigen? Hören auf Gott, reden mit Gott und die Furcht überwinden, um ein Zeuge Gottes zu sein.
Das Thema heute ist das genaue Gegenteil: falsche Prioritäten oder was passiert, wenn man nicht auf Gottes korrigierendes Wort hören will. Wir wollen Lukas 11,27-54 betrachten.
Glück, das aus dem Hören entsteht
Da es immer noch um das Hören auf Gottes Wort geht, sehen wir schon an der ersten Begebenheit in Lukas 11,27-28:
Es geschah aber, als er dies gesagt hatte, da erhob eine Frau aus der Volksmenge ihre Stimme und sprach zu ihm: „Glückselig der Leib, der dich getragen, und die Brüste, die du gesogen hast.“
Er aber sprach: Gewiss, doch glückselig sind die, die das Wort Gottes hören und befolgen.
Wahres Glück findet sich im Hören auf Gottes Wort, im Befolgen von Gottes Wort. Ich will das einmal ganz frech so formulieren: Christsein ist nicht schwer. Du hast den Umgang mit Gottes Wort, es lesen, es auswendig lernen, darüber nachdenken, es verinnerlichen, es befolgen, und Gott verspricht uns Glück.
Sprüche 16,20 ist so ein Vers, der das Konzept ganz leicht auf den Punkt bringt. Da heißt es: Wer auf das Wort achtet, findet Gutes, und glücklich ist der, der dem Herrn vertraut.
Ein toller Vers zum Auswendiglernen, kann ich nur empfehlen.
Zeichen, die nicht überzeugen wollen
Lesen wir weiter in Lukas 11,29-30: Als aber die Volksmengen sich herzudrängten, fing er an zu sagen: Dieses Geschlecht ist ein böses Geschlecht, es fordert ein Zeichen. Und kein Zeichen wird ihm gegeben werden als nur das Zeichen Jonas. Denn wie Jona den Niniviten ein Zeichen war, so wird es auch der Sohn des Menschen diesem Geschlecht sein.
So, jetzt sind Zeichen und Beweise an sich nichts Schlimmes. Das Problem hier liegt in den Leuten. Sie sind, sagt Jesus, ein böses Geschlecht. Und man könnte vielleicht formulieren: Jesu Zeitgenossen waren besonders übel, weil sie Zeichen forderten, um Jesus zu versuchen. Das haben wir in Lukas 11,16 schon gelesen: Andere aber versuchten ihn und forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel.
Also natürlich ist es legitim, bei übernatürlichen Zeichen danach zu fragen, woher sie kommen. Unsere Generation vergisst diesen Punkt manchmal. Aber wenn ein Mann so viele deutliche Zeichen getan hat wie Jesus, dann ist eine Forderung nach noch mehr Zeichen ein Beweis dafür, dass kein Beweis jemals ausreichen wird. Mit ihrer Forderung verstecken sie also ihre Unwilligkeit zu glauben hinter der Maske des Suchens.
Jesus sagt, sie bekommen nur das Zeichen des Jona. Jona und Jesus sind zwei, die zur Umkehr rufen und Rettung predigen, und deren Leben die Ernsthaftigkeit ihrer Predigt unterstreicht. Und wie Jona im Bauch des großen Fisches begraben war, so war es Jesus im Bauch der Erde. Gerettet wird, wer glaubt; verloren geht, wer nicht glaubt, weil sein Name nicht im Buch des Lebens steht.
Wenn das stimmt, dann wird es im Gericht auch um die Frage gehen, welche Chance ein Mensch hatte zu glauben, welche Beweise er hatte und was er damit angefangen hat.
Vorbilder, die das Urteil verschärfen
Dann werden Zeugen aufgerufen. Lukas 11,31. Eine Königin des Südens wird im Gericht auftreten, gemeint ist das jüngste Gericht, mit den Männern dieses Geschlechts. Und sie wird sie verdammen, denn sie kam von den Enden der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören. Und siehe, hier ist mehr als Salomo.
Die Königin des Südens erhielt einen Bericht von Salomo, und ihr Wunsch nach Weisheit ließ sie losziehen. Zu Jesu Zeit hatten die Menschen viel mehr als Salomo, aber persönlich kein Interesse an Weisheit.
Vers 32: Männer von Ninive werden im Gericht mit diesem Geschlecht aufstehen und es verdammen, denn sie taten Buße auf die Predigt Jonas hin. Und siehe, hier ist mehr als Jona. Trotz der Einfachheit seiner Botschaft hörten die Niniviten auf Jona. Jona war ja der Prophet, der nun nicht sonderlich bemüht war, die Einwohner von Ninive zu bekehren, und doch bekehrten sie sich.
Aber die Juden zur Zeit Jesu taten das nicht, trotz vieler guter Predigten, trotz deutlicher Zeichen. Frage: Warum? Weil Erleuchtung nur dort geschehen kann, wo ich den offensichtlichen Beweisen erlaube, mich zu erleuchten. Das Problem liegt nicht bei Gott.
Das innere Auge und die Frage nach Offenheit
Vers 33 Niemand aber, der eine Leuchte angezündet hat, stellt sie ins Versteck, auch nicht unter den Scheffel, das ist ein Eimer, sondern auf das Lampengestell, damit die Hereinkommenden den Schein sehen.
Also ist Gott nicht einer, der uns Beweise gibt, um sie dann zu verstecken. Die Zeichen, die Jesus tut, sind dazu da, dass Menschen ihn als Messias erkennen. Die Funktion, die eine Lampe für ein Zimmer übernimmt, übernimmt mein Auge für meinen Körper.
Vers 34 Die Leuchte des Leibes ist dein Auge. Wenn dein Auge lauter ist oder klar ist, so ist auch dein ganzer Leib Licht. Wenn es aber böse ist, so ist auch dein Leib finster.
Ein Auge muss lauter sein. Das Wort verwenden wir gar nicht mehr so, es heißt: ohne Falschheit, ohne Vorurteile, ohne Ablehnung, damit Gottes Licht eindringen und das Innere des Menschen erleuchten kann. Also kann ich mir auf zwei Arten die Zeichen anschauen, die Jesus tut: mit neidischen Augen, dann werde ich ihn nicht als Messias erkennen, weil ich ihn gar nicht erkennen will. Es bleibt finster in mir. Oder ehrlich suchend und interessiert, dann geht mir, wie wir sagen, ein Licht auf. Dann verstehe ich, wer Jesus ist.
Und dann diese Warnung in Vers 35: Sieh nun zu, dass das Licht, welches in dir ist, nicht finstern ist. Das ist eine ernste Warnung, aber irgendwie steckt da auch eine Verheißung dahinter. Niemand ist dazu verdammt, in der Finsternis zu leben. Aber man muss etwas tun. Jeder ist verantwortlich dafür, auf die Weisheit und den Bußruf Jesu zu hören.
Wenn Gottes Wort mich bewegt, wenn es mich herausfordert, wenn ich erst entscheide, dass Jesus mir eh nichts zu sagen hat, und dann schlage ich die Bibel auf, dann kann Gott mir nicht helfen. Von Anfang an muss die Priorität auf Gottes Wort liegen, oder mein Leben kann nicht gelingen.
Nochmal Sprüche 16,20: Wer auf das Wort achtet, findet Glück, und glücklich der, der dem Herrn vertraut.
Wenn das Herz schon vorher entschieden hat
Möchtest du ein paar Beispiele dafür haben, wie man es nicht machen soll? Lukas 11,37-38.
Ich habe noch nicht Vers 36 vorgelesen, den will ich noch nachholen: Wenn nun dein ganzer Leib Licht ist und keinen finsteren Teil hat, so wird er ganz Licht sein, wie wenn die Leuchte mit ihrem Strahl dich beleuchtete.
Also: Das eine ist, ich schaue mir Jesus an und habe eigentlich schon entschieden, dass er mir nichts zu sagen hat. Dann ist diese Art, ihn anzuschauen und ihm zu begegnen, wie eine Vorverurteilung. Ich werde dann auch nicht die Finsternis in mir, das Nein zu ihm, durch das, was ich sehe und erlebe, irgendwie beseitigen können.
Auf der anderen Seite: Wenn ich anders rangehe, wenn ich offen bin, wenn meine Art, Jesus anzuschauen und ihm zu begegnen, lauter ist, ohne Falschheit, mit echtem Interesse, mit dem, was Paulus später im Zweiten Thessalonicherbrief „eine Liebe zur Wahrheit, zur Errettung“ nennt, dann ist das etwas anderes.
Wenn das da ist, wenn mein Herz ihm gegenüber offen ist, dann wird mein ganzer Leib Licht sein und keinen finsteren Teil haben. Dann wird Gottes Licht in mich hineinscheinen, und dann werde ich Jesus erkennen. Das ist die Verheißung.
Äussere Reinheit ohne inneren Wandel
So jetzt zu den Beispielen dafür, wie man es nicht machen soll.
Lukas 11,37-38
Als er aber redete, bat ihn ein Pharisäer, dass er bei ihm zum Mittag essen möchte. Er ging aber hinein und legte sich zu Tisch. Das hat man damals gemacht, also keine Stühle, sondern man lag beim Essen. Als aber der Pharisäer es sah, wunderte er sich, dass er sich nicht erst vor dem Essen gewaschen hatte.
Hier sitzen Männer, die tatsächlich ihr Herz durch Bosheit, Habsucht, Selbstgefälligkeit und Stolz böse gemacht haben. Und es sind Leute, die kein Unterscheidungsvermögen für Gottes Weisheit und Botschaft besitzen. Sie treffen jetzt auf Jesus, auf Pharisäer. Ja, und man merkt schon, das geht von Anfang an irgendwie schief. Denn Jesus lässt sich einladen, was ich total spannend finde, aber es liegt von Anfang an eine Spannung im Raum.
Und jetzt schauen wir uns einfach mal fünf Fehler der Pharisäer an.
Der erste Fehler.
Lukas 11,39-41
Der Herr aber sprach zu ihm: Nun, ihr Pharisäer, ihr reinigt das Äußere des Bechers und der Schüssel; euer Inneres aber ist voller Raub und Bosheit. Toren! Hat nicht der, welcher das Äußere gemacht hat, auch das Innere gemacht? Gebt jedoch als Almosen, was darin ist, und siehe, alles ist euch rein.
Der erste Punkt, den die Pharisäer falsch machen: Sie schaffen einen eigenen Pseudo-Standard von Heiligkeit. Sie legen einen zu großen Wert auf Symbole und Rituale und erschaffen sich damit Gebote über die Schrift hinaus, also einen eigenen Pseudo-Standard von Heiligkeit. Ich definiere, wie Heiligkeit auszusehen hat. Ein Pseudo-Standard, dessen Einhaltung ihnen ebenso wichtig wird wie das Gesetz Gottes.
Und Jesus, das muss man sich vorstellen, in seiner absolut unbefleckten Heiligkeit – Jesus hat nie gesündigt –, hält sich nicht an ihren Standard. In diesem Fall geht es ums Händewaschen. In ihren Augen ist er deshalb ein Sünder. Mindestens ist er in ihren Augen komisch. Was für ein Hochmut.
Der zweite Punkt: Sie haben das Einhalten von äußeren Ritualen zu einem Ersatz für wahre innere moralische Heiligkeit gemacht.
Lukas 11,39
Der Herr aber sprach zu ihm: Nun, ihr Pharisäer, ihr reinigt das Äußere des Bechers und der Schüssel; euer Inneres aber ist voller Raub und Bosheit.
Also statt die eigentlichen Probleme im Innern anzugehen, nämlich Raub und Bosheit, fühlen sie sich besonders heilig, weil sie die äußerlichen, selbsterdachten Regeln einhalten.
Die Antwort auf Habgier ist aber nicht, dass man Schüsseln sauber macht, sondern, wie heißt es in Vers 41: Gebt jedoch als Almosen, was darin ist, und siehe, alles ist euch rein.
Die Antwort auf Habgier ist Freigebigkeit. Also nicht das äußerliche Reinigen der Gefäße, die ich gerade für meine Habsucht benutzt habe, und das Waschen der Hände, mit denen ich gerade betrogen habe. Das bringt gar nichts.
Was Jesus ihnen sagt, ist: Buße tut not.
Verlorene Proportionen und falsche Motive
Dritter Punkt, Vers 42: Sie haben den Sinn für geistliche Proportionen verloren. Aber wehe euch, Pharisäern, denn ihr verzehntet die Minze und die Raute, das sind Gewürzkräuter, und alles Kraut, und übergeht das Gericht oder Recht und die Liebe Gottes. Diese Dinge hättet ihr tun und jene nicht lassen sollen.
Also: Dritter Punkt, den Sinn für geistliche Proportionen verloren. Sie sind beim Verzehnten übergenau und bei der Liebe zu Gott und auch bei der Liebe zur Gerechtigkeit, hier im Text: Gericht oder Recht, dafür versagen sie. Sie verpassen den Geist und die Absicht des Gesetzes. Der Zehnte war von Gott nie als eine herzlose, mechanische Finanztransaktion gedacht, sondern er war ein Ausdruck der Fürsorge in der Versorgung des Tempelpersonals, in der Unterstützung der Bedürftigen. Der Zehnte sollte ein Ausdruck der Liebe sein. Es gibt auch einen Zehnten fürs Feiern, das ist vielleicht ein Ausdruck der Liebe zu mir, aber hier geht es mir um das Spenden, um das Geben von Almosen. Und Sie verlieren da jede geistliche Proportion. Auf der einen Seite supergenau, aber wenn es darum geht, Gott zu lieben und gerecht zu leben, da sind Sie einfach keine Vorbilder. Das haben Sie nicht mehr im Blick.
Und es liegt vielleicht, vierter Punkt, an einer falschen Motivation. Vers 43: Wehe euch, Pharisäern, denn ihr liebt den ersten Sitz in den Synagogen und Begrüßungen auf den Märkten. Sie suchen ihre eigene Ehre, und Jesus sagt das einmal: Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre von Menschen nehmt? Wie geht das? Es geht gar nicht. Wenn ich die Ehre von Menschen suche, dann suche ich nicht die Ehre bei Gott. Und das tun sie. Wer seine eigene Ehre sucht, der verliert sein moralisches Unterscheidungsvermögen, und er dient nicht mehr Gott, jedenfalls nicht mehr mit ungeteiltem Herzen.
Menschen, die andere verunreinigen
Und das Dramatische ist der fünfte Punkt. Es geht ja um fünf Fehler der Pharisäer: Erstens ein Pseudostandard von Heiligkeit. Zweitens werden äußerliche Rituale zu einem Ersatz für innere moralische Heiligkeit. Drittens geht der Sinn für geistliche Proportionen verloren. Viertens leben sie nach einer falschen Motivation. Fünftens werden sie anderen zur Falle.
Vers 44: Wehe euch, denn ihr seid wie die Gräber, die verborgen sind, und die Menschen, die darüber hingehen, wissen es nicht. Also zieht euer schlechtes Vorbild Kreise.
Jetzt muss ich das Bild mit den Gräbern ein Stück erklären. Im Alten Testament ist das Berühren einer Leiche streng verboten, weil es unrein macht. Und der Unreine macht andere unrein. Der kann sogar das Haus des Herrn verunreinigen.
4. Mose 19 lese ich mal. 4. Mose 19,11-13: Wer einen Toten berührt, die Leiche irgendeines Menschen, der wird sieben Tage unrein sein. Dieser soll sich am dritten Tag damit entsündigen, und am siebten Tag wird er rein sein. Und wenn er sich nicht entsündigt am dritten Tag, dann wird er am siebten Tag nicht rein sein. Jeder, der einen Toten berührt, die Leiche eines Menschen, der gestorben ist, und sich nicht entsündigt, hat die Wohnung des Herrn unrein gemacht, wahrscheinlich vorausgesetzt, er geht dann in den Tempel. Und diese Seele soll ausgerottet werden aus Israel, weil das Wasser der Reinigung nicht auf ihn gesprengt wurde; er ist unrein, seine Unreinheit ist noch an ihm. Das mag reichen: 4. Mose 19,11-13.
Ja, wenn man selber unrein ist, konnte man das Haus des Herrn verunreinigen. Was war die Folge? Man sollte eine Leiche nicht berühren, und anscheinend war das auch einfach heikel. Folge: Man markierte Grabstätten, damit niemand aus Versehen unrein wurde und andere verunreinigte. Und genau das waren aber die Pharisäer. Sie waren wie Gräber, die verborgen sind. Also man machte sich an ihnen unrein, ohne es zu merken. Selbst unrein sind sie eine Quelle der Verunreinigung für alle, die mit ihnen zu tun haben.
Kritik an den Pharisäern: Ihr habt einen Pseudostandard von Heiligkeit. Euch geht es um äußere Rituale, aber nicht um innere moralische Heiligkeit. Ihr verliert den Sinn für die geistlichen Proportionen. Ihr lebt mit einer falschen Motivation und werdet anderen, die euch folgen, zur Falle.
Die Last der Auslegung und der Verlust des Zugangs
Jetzt mit der Kritik an den Pharisäern kommen den Gesetzesgelehrten, den Theoretikern auf dem Gebiet der Schriftauslegung, die Probleme nicht gerade gelegen. Das ist irgendwie logisch, denn die Schriftgelehrten waren ja eigentlich für die Auslegung der Tora verantwortlich, und ihre Regeln hatten zur Praxis der Pharisäer geführt. War nun die Praxis der Pharisäer falsch, dann mussten ja auch die Methoden der Auslegung falsch sein. Möglicherweise sogar die ganze Herangehensweise an die Schrift.
Und jetzt kommen sie und fragen Jesus, ob ihm die Radikalität seines Angriffs auf die Pharisäer, also wie weitreichend das ist, was er da tut, eigentlich bewusst ist. Sie fragen nach Lukas 11,45. Aber einer der Gesetzesgelehrten antwortet und spricht zu ihm: Lehrer, indem du dies sagst, schmähst du auch uns.
Und wo wir uns eben fünf Fehler der Pharisäer angeschaut haben, schauen wir uns jetzt drei Fehler der Schriftgelehrten an. Da ist zum einen Lukas 11,46: Er aber sprach: Auch euch Gesetzesgelehrten wehe! Denn ihr belastet die Menschen mit schwer zu tragenden Lasten, und selbst rührt ihr die Lasten nicht mit einem eurer Finger an.
Sie belasten Menschen mit schweren Lasten, tragen sie aber selbst nicht. Die Lasten, von denen Jesus hier spricht, sind tausend und eine Regel, die sie nach ihren rabbinischen Regeln der Analyse und Auslegung erzeugt haben. Wer nun ernsthaft danach leben wollte, sah sich einer wirklich schwierigen, wenn nicht sogar unmöglichen Aufgabe gegenüber.
Der Gag ist: Wenn ich jetzt so ein Schriftgelehrter bin, dann kann ich mir natürlich selbst Ausnahmen schaffen. Ich will mal sagen, ich kenne die Schlupflöcher und ich nutze diese Gesetzeslücken. Der Text kann zusätzlich bedeuten: Sie rühren die Last nicht an. Nicht nur schaffen sie sich selbst Ausnahmen, sondern sie helfen auch nicht beim Tragen. Also ist ihre Leidenschaft ein mitleidloses Auslegen und Reglementieren.
Es geht ihnen gar nicht darum, das Wort Gottes zu einem lebendigen Wort zu machen, das das Leben anderer lebenswerter werden lässt. Ihnen geht es darum, Regeln zu finden.
Erinnerung ohne Treue zur Botschaft
Vers 47 und 48: Wehe euch, denn ihr baut die Grabmäler der Propheten. Eure Väter aber haben sie getötet. So seid ihr Zeugen und stimmt den Werken eurer Väter bei, denn sie haben sie getötet, ihr aber baut ihre Grabmäler.
Okay, das hört sich erst einmal ein bisschen komisch an. Was möchte Jesus sagen? Jesus möchte sagen: Ihr habt ein Herz wie eure Vorfahren. Eure Vorfahren haben die Propheten umgebracht, und ihr kümmert euch um die Grabmäler dieser Propheten.
Jetzt könnte man sagen: Das ist doch positiv. Nein. Wichtig ist: Wenn ich einen alten Propheten ehren will, dann tue ich das nicht, indem ich seinen Grabstein erneuere, sondern indem ich seine Botschaft predige. Wenn ich Hosea ehren will, dann lebe und predige ich, dass Gott Gnade oder Liebe will und keine Schlachtopfer. Das findet sich in Hosea 6,6, weil das seine Botschaft im Auftrag Gottes war. Versteht ihr?
Für die Schriftgelehrten, und das ist der zweite Punkt, war die Verehrung der Relikte alter Propheten ein Ersatz für eine Beschäftigung mit deren Verkündigung. Ich ehre den alten Propheten, indem ich Grabmäler pflege und gleichzeitig die Botschaft vernachlässige.
Das, was Jesus hier sagt, ist: Ihr habt das Herz eurer Vorfahren. Ihr seid genauso bereit, mit demselben Eifer wie eure Vorfahren gegen jeden echten Propheten vorzugehen, der sich euch in den Weg stellt. Und dass Jesus recht hat, das wird man ja sehen: Es sind die Schriftgelehrten, die sich gegen Jesus wenden.
Gericht, Verantwortung und verschlossene Wege
Ich lese mal weiter. Darum hat auch die Weisheit Gottes gesagt: Ich werde Propheten und Apostel zu ihnen senden, und einige von ihnen werden sie töten und verfolgen.
Damit das Blut aller Propheten, das von Grundlegung der Welt an vergossen worden ist, von diesem Geschlecht gefordert werde, von dem Blut Abels an bis zu dem Blut des Zecharias, der zwischen dem Altar und dem Haus umkam. Ja, sage ich euch, es wird von diesem Geschlecht gefordert werden.
Also wird die Verantwortung dieses Geschlechts der Israeliten, die lebten, als Jesus predigte, besonders groß sein, weil sie besonders viel erlebt haben. Der gesammelte Zorn Gottes wird sie treffen, die Leute, die den größten Propheten, das ist Johannes der Täufer, den Messias und seine Apostel abgelehnt hatten. Versteht ihr? Das ist das Drama, vor dem sie stehen, und siebzig nach Christus wird das dann erfüllt. Da wird dann der Tempel zerstört, Jerusalem zerstört, das Volk Israel versprengt, Sklaven in die damals bekannte Welt verkauft. Und warum? Weil man mehr Interesse daran hatte, äußerlich Grabmäler zu pflegen, als sich innerlich mit der Verkündigung der alten Propheten und mit ihrem Herzen zu beschäftigen.
Und dann steht plötzlich so ein alter Prophet vor ihnen, und dann kommt plötzlich der Messias, und dann kommen die Apostel und reden Wort Gottes, und das Einzige, was den Leuten einfällt, ist, sie zu verfolgen.
Ein dritter Punkt: Also, der erste Punkt war, sie belasten Menschen mit schweren Lasten. Wir haben kein Interesse daran, das Leben der Leute leicht zu machen. Die Botschaft Gottes ist eine Botschaft der Barmherzigkeit zu predigen.
Ein zweiter Punkt: Sie haben für Relikte etwas übrig, für Tradition, aber in ihrem Herzen lehnen sie Gott und seine Botschaft ab.
Der dritte Punkt: Lukas 11,52. Gesetzesgelehrte, denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen. Ihr selbst seid nicht hineingegangen, und die hineingehen wollten, habt ihr gehindert.
Die Aufgabe der Schriftgelehrten wäre es gewesen, die Schrift so zu erklären, dass das einfache Volk sie hätte verstehen können. Sie hätten der Wegweiser in die Erkenntnis Gottes sein sollen. Ein Leuchtturm auf dem Weg zu echter Buße, auf dem Weg zu rettendem Glauben, auf dem Weg zu einer von Liebe getragenen Gerechtigkeit.
Aber ihre Auslegung, und ich sage das mit Anführungs- und Schlusszeichen, weil das eigentlich keine Auslegung ist, verbaut ihnen selbst den Zugang wahrer Erkenntnis und behindert alle Suchenden.
Selbsttäuschung und abschliessende Fragen
Und wenn Jesus das hier so macht und die Pharisäer und Schriftgelehrten Maß nimmt, dann wird an den beiden eines deutlich, nämlich dass Religiosität in Selbsttäuschung münden kann.
Deswegen lohnt es sich, auch wenn wir das Evangelium angenommen haben, wenn wir allein auf Gottes Gnade vertrauen und wenn wir wissen, dass wir Kinder Gottes sind und ewiges Leben haben, wenigstens kurz darüber nachzudenken, ob wir auch alles getan haben, um die Fehler der Pharisäer und Schriftgelehrten zu vermeiden.
Der Text endet in den Versen 53 und 54 mit sehr unzufriedenen Menschen. Als er von dort hinausgegangen war, fingen die Schriftgelehrten und die Pharisäer an, hart auf ihn einzudringen und ihn über vieles auszufragen. Und sie lauerten auf ihn, etwas aus seinem Mund zu erjagen.
Jesus hat sich keine Freunde gemacht.
Ich möchte euch abschließend acht Fragen stellen, acht Fragen, die einfach klingen, aber gar nicht einfach sind.
Frage Nummer eins: Entnehme ich meinen Standard für Heiligkeit aus dem Wort Gottes, oder orientiere ich mich an von Menschen erdachten Geboten und Traditionen? Wenn wir ehrlich sind, hat auch jede freie Gemeinde irgendwann Tradition. Also: Woher nehme ich eigentlich meinen Standard von Heiligkeit? Wenn ich mir die Frage stelle, ob ich heilig lebe, bin ich dann, wenn ich mir mein Leben anschaue, zufrieden, wenn ich Sünde bekenne? Puh. Nach welchem Standard mache ich das?
Frage zwei: Genügt mir eine fromme Show, oder strebe ich nach einem reinen Herz? Das ist eine gute Frage. Wie echt ist das, was Menschen sehen? Wo verberge ich Sünde und habe vielleicht aufgegeben, gegen Sünde zu kämpfen, und spiele uns nur noch etwas vor?
Frage drei: Habe ich eine klare Vorstellung davon, was geistlich wichtig ist und was nicht? Ich finde das eine ganz tolle Frage. Wir verlieren uns so häufig in den Nebensächlichkeiten. Wir haben zu allem und jedem eine Meinung, aber vielleicht nicht zu den wirklich wichtigen Dingen. Wir haben vielleicht nicht verstanden, wie wichtig es ist, einen anderen zu lieben, aber wir sind super gut darin, ihn nach allen Kriterien unserer persönlichen Erkenntnis zu richten.
Vierter Punkt: Was treibt mich an, als Christ zu leben? Was treibt mich wirklich an? Versteckt sich da irgendwo der Wunsch, dazuzugehören oder Anerkennung zu bekommen? Ich will uns noch einmal aus dem Johannesevangelium dazu, Kapitel 5, Vers 44, vorlesen, weil der Vers so klar ist und der Herr Jesus an der Stelle so deutlich sagt: Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander nehmt und die Ehre, die von dem alleinigen Gott ist, nicht sucht? Werke, wie könnt ihr glauben? Das geht nicht. Wer glaubt, der sucht die Ehre bei Gott.
Fünfter Punkt: Wachsen junge Christen, wenn sie mich imitieren, zu reifen Heiligen heran, die ihr Leben mit Gott im Griff haben, weil ich ein gutes Vorbild bin? Tolle Frage.
Sechster Punkt: Reicht es mir, anderen zu sagen, wie sie leben sollen, ohne ihnen meine Hilfe anzubieten? Das wäre mal interessant. Bin ich so ein Kontrollfreak, der bei anderen Leuten immer weiß, was sie falsch machen, es ihnen auch sagt, aber nicht hilft?
Siebtens: Bewundere ich die großen Christen der Vergangenheit nur, oder strebe ich nach ihrem Umgang mit Gott? Wenn ich so eine Biografie lese, sonne ich mich irgendwie in den guten Erfahrungen, die andere gemacht haben, und dann lege ich die Biografie weg. Und ich habe gar nicht verstanden, dass Gott durch diese Biografie mein Herz packen und meine Beziehung zu ihm infrage stellen wollte.
Achter Punkt: Kann man meiner Auslegung der Bibel trauen? Weiß ich, wovon ich rede? Oder mache ich auch manchmal den Mund auf, weiß nicht, was ich sage, und werde anderen zum Verhängnis?
Das war’s für heute. Das war Lukas 11,27-54: falsche Prioritäten oder was passiert, wenn man nicht auf Gottes korrigierendes Wort hören will.
Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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