Escape Warum gute Freunde Gold wert sind
Lukas 5,17-2520.09.2004
Serie•Teil 1 / 8Escape
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Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Freundschaft, die trägt und verletzt
Samganshi ist der Inbegriff des guten Freundes, der bis zum Schluss durchhält und dabei wirklich Stärke beweist. Vielleicht ist er für manch einen von uns der heimliche Held aus dem Film Herr der Ringe.
Ein guter Freund ist, denke ich, etwas ganz Besonderes. Das merken wir spätestens dann, wenn Freundschaften zerbrechen. Jeder von uns kennt vielleicht dieses bittere Gefühl, wenn jemand, von dem man es gar nicht erwartet hätte, einen hintergeht. Plötzlich wird einem irgendwie klar: Hey, das war doch mein Freund!
Man will dieses Gefühl gar nicht wahrhaben. Man hat so einen Kloß im Hals, möchte heulen, möchte schreien und dann auch wieder mit niemandem darüber reden. Man ist irgendwie zutiefst getroffen, weil man es gerade von dem oder gerade von der nicht erwartet hätte, dass sie genau das tut. Ich denke, es sind gute Freunde, die einen verletzen können wie vielleicht sonst niemand hier auf dieser Welt.
Und trotzdem: Ein guter Freund oder eine gute Freundin, so eine beste Freundin, das ist schon etwas. Ich erinnere mich selbst daran, wie ich im achten Schuljahr, mitten im Schuljahr, über die Weihnachtsferien einen Schulwechsel vollziehen musste. Ich habe vorher in einer Kleinstadt in Nordbayern gelebt und bin dann nach Hessen gezogen. Dort kam ich auf eine elitäre katholische Schule nur für Jungen, wo die ganzen Banker aus Frankfurt ihre Kinder untergebracht hatten.
Bereits am ersten Tag wusste ich, was es heißt, ein Außenseiter zu sein, irgendwie nicht dazuzugehören. Kennt ihr das? Wenn hinter eurem Rücken über euch getuschelt wird, alle lachen und der Einzige, der nicht weiß, worum es geht, das bist du. Ich fand die Zeit ziemlich blöd, und es hat eine Weile gedauert, bis ich mich an dieser Schule wohlzufühlen begann.
Und dann kam der Tag, an dem ich meinen ersten Freund gefunden habe. Es war der Tag, an dem ich endlich jemanden hatte, der ganz normal mit mir sprach, der wissen wollte: Hey, was bist du eigentlich für ein Mensch? Was machst du so? Wo kommst du eigentlich her? Jemand, der mich ganz banal zu seinem Geburtstag eingeladen hat und der mir, das fand ich am tollsten, das Gefühl gegeben hat: Hey, wir schaffen das, du und ich, das ist kein Thema, wir schaffen das.
Ein guter Freund, das ist etwas. Gute Freundschaften, das sind ganz, das sind total geniale Dinge. Wenn jemand hier ohne einen guten Freund sitzt, jemand wirklich alleine ist, dann ist er eigentlich ein Stückchen zu bemitleiden.
Aber gute Freundschaften stoßen an ihre Grenzen. Dort, wo ich ein richtig guter Freund für jemand anderen bin oder beste Freundin für meine Freundin, da kann es einen Punkt geben, an dem ich merke: Ich komme nicht weiter. Stell dir vor, deine beste Freundin kommt zu dir und sagt: Weißt du, ich war beim Arzt, es ist Lungenkrebs. Ich habe noch ein halbes Jahr. Und dann fängt sie an zu weinen.
Oder du sitzt vielleicht mit deinem besten Freund zusammen und er sagt mit Tränen in den Augen zu dir: Du, sie hat gesagt, dass sie auszieht, wenn ich mich nicht ändere. Aber ich schaffe es nicht. Ich möchte so gern anders sein. Ich komme aus meiner Haut nicht raus, und ich möchte sie nicht verlieren.
In so einer Situation merken wir, dass Freundschaft an eine Grenze stößt. Dann können wir natürlich ein paar salbungsvolle Worte von uns geben und wissen doch, dass wir damit eigentlich keine Hilfe sind.
Wisst ihr, warum gute Freunde Gold wert sind, warum wir dieses Thema so genannt haben? Weil sie in solchen aussichtslosen Fällen uns etwas geben können, was uns sonst niemand geben kann. Sie können uns zu Jesus bringen. Und darüber soll heute dieser Andachtsteil auch gehen.
Der Weg nach Kapernaum
Ich möchte eine Geschichte aus der Bibel mit euch betrachten, und zwar eine Geschichte aus dem Neuen Testament. Die Bibel hat ja zwei Teile: ein Altes Testament und ein Neues Testament. Das Neue Testament ist ein bisschen kürzer. Hier haben wir eine aktuelle Ausgabe, die wir auch draußen ausliegen haben: City NT Berlin, City Neues Testament Berlin. Sie ist ganz frisch erschienen.
Aus dem Neuen Testament möchte ich einen Text lesen aus den Evangelien. Die Evangelien sind im Neuen Testament vorne drin. Ich denke, der eine oder andere weiß noch: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Es wird das Lukasevangelium sein, Kapitel 5, und dort die Verse 17 bis 25.
Wer von euch ein Programm bekommen hat – es sind ja leider nicht alle, wir haben nur 150 Stück gemacht –, hat den Text auch in dem Programm, wenn er mitlesen möchte. Lukas Kapitel 5, Vers 17. Gute Freunde sind Gold wert. Lukas Kapitel 5, und dort 17.
Da heißt es:
Als Jesus eines Tages Gottes Botschaft erklärte, saßen unter den Zuhörern auch Pharisäer und Schriftgelehrte. Sie waren aus allen Orten Galiläas und Judäas und sogar aus Jerusalem gekommen. Gott gab Jesus die Kraft, Kranke zu heilen.
Wir sind mit unserer Geschichte im Norden von Israel, in einem kleinen Landstrich, der den Namen Galiläa trägt. Wir befinden uns ungefähr im Jahr 30 nach Christus, und der Ort, an dem alles passiert, ist ein kleines Fischerdorf mit Namen Kapernaum.
Zu dem Zeitpunkt, als diese Geschichte hier spielt, ist Jesus in Israel schon anderthalb, zwei Jahre unterwegs, und er war dem Klerus schon recht negativ aufgefallen. Warum? Etwa ein Jahr vorher hat er der Geldmacherei im Jerusalemer Tempel dadurch den Hahn abgedreht, dass er schlichtweg all die, die dort etwas verkaufen wollten, aus dem Tempel gejagt hatte. Das Zweite: Er hat am Sabbat geheilt. Und das Dritte: Er hat behauptet, Gott zu sein. Und diese drei Dinge machten ihn ausgesprochen suspekt. Die wollte man ihm damals überhaupt nicht verzeihen.
Und so hatten die Theologen seiner Zeit eine Meinung über ihn, keine gute Meinung. Es waren nicht unbedingt seine Anhänger; Ausnahmen bestätigen die Regel. Aber im Großen und Ganzen standen die Leute gegen Jesus. Und das, was wir hier in unserem ersten Vers finden, dass Pharisäer und Schriftgelehrte – wir würden die Leute heute wohl Theologieprofessoren nennen – aus der ganzen Gegend, hier aus Galiläa, Judäa, sogar aus der Hauptstadt in Jerusalem, dass die sich alle in diesem kleinen Kaff Kapernaum treffen, um diesen Wanderprediger aus Galiläa auf den Zahn zu fühlen, das muss uns schon ein bisschen nachdenklich machen.
Das ist nicht eine Truppe von Leuten, die sagt: Ach, wir hören einfach mal, was er so zu sagen hat. Sondern hier geht es tatsächlich darum, jemandem etwas anzuhängen. Das ist keine neutrale Gruppe, die sich hier trifft. Das sind Leute, die ein Vorurteil haben und die zum Teil auch dieses Vorurteil bestätigt sehen wollen.
Ein Freund, der nicht aufgibt
Und jetzt passiert Folgendes in Vers 18. Unser Thema heißt ja „gute Freunde“, und die Pharisäer und Schriftgelehrten fallen wahrscheinlich nicht unter diese Rubrik „gute Freunde“.
Da brachten einige Männer einen Gelähmten auf einer Trage. Sie versuchten, sich durch die Menge zu drängen und den Kranken zu Jesus zu bringen. Vier Freunde halten einem Gelähmten die Treue.
Ich weiß nicht, wie viele Freunde ihr habt, die so krank sind, wo ihr wirklich sagt: Das ist mein Freund, auch wenn ich den nicht mitnehmen kann. Zu einer Party auch nicht. Zu einem Escape auch nicht. Wo ich ein Stück weit immer durch ihn gehandicapt bin.
Hier sind Freunde. Im Alten Testament heißt es: Ein Freund liebt zu jeder Zeit, und als Bruder für die Not wird er geboren. Ich weiß nicht, wie weit diese Leute gelaufen sind mit ihrem Freund auf der Trage. Wahrscheinlich hatten sie einfach davon gehört: Jesus kann heilen, Jesus kann hoffnungslosen Fällen helfen, und da müssen wir hin. Vielleicht haben die den noch nicht mal so richtig gefragt. Der hat einfach gesagt: Hey, du kommst jetzt mit, das klären wir.
Und natürlich diese Freunde, die denken nicht daran, was kostet mich jetzt meine Freundschaft. Sie ziehen einfach los. Ich finde das sehr beeindruckend. Für die hat ja keiner weitergearbeitet in der Zeit. Die haben ja richtig investiert. Aber was gezählt hat, war der Punkt: Hey, da ist jemand, der kann unseren Freund gesund machen. Und das ist jetzt das einzige, worum es wirklich geht.
Aber dann dieses Problem: Sie kommen da an, und im ersten Augenblick überfordert sie die Situation. Jesus sitzt in einem Haus, um ihn herum all diese Theologieprofessoren. Und ihr könnt euch vorstellen, wenn so ein richtiges Streitgespräch in Gang ist, wenn draußen eine riesige Menschentraube versucht, den Kopf irgendwie noch durch das Fenster oder durch die Tür zu stecken, um noch ein bisschen was mitzukriegen von dieser extrem spannenden Sache, die da abgeht.
Manch einer hat schon erlebt, wie diese Theologieprofessoren vor Jesus eingeknickt sind, wie eine Frage kam und eine Antwort kam und man sagte: Hätte ich nicht gedacht. Muss ich drüber nachdenken. Und jeder erwartete so etwas wieder. Und jetzt kommen irgendwo die Freunde um die Ecke, und die sehen dieses Haus und um dieses Haus herum eine Menschentraube voll Zuhörer.
Ich habe versucht, ein Beispiel zu finden, und unsere Band hat mir eins gegeben. Stell dir vor, du bist bei einem Guns N’ Roses Konzert, du kommst ein bisschen zu spät und sagst: Ich möchte ganz vorne an die Bühne. Vergiss es. Die stehen wie eine Wand. Und genau so geht es denen. Die wollen ganz vorne, da, wo der Prediger mittendrin sitzt, da wollen die hin. Kein Durchkommen.
Das Dach als letzter Ausweg
Vers 19, der erste Teil: Aber sie kamen an den vielen Menschen nicht vorbei.
Wisst ihr, was Freundschaft ausmacht? Dass es nicht das erste Problem ist, das mich alles hinschmeißen lässt. Dass es nicht die erste Schwierigkeit ist, die mich dazu bringt, einfach aufzugeben.
Und deswegen kommt der zweite Teil von Vers 19 unglaublich nüchtern daher. Da heißt es dann: Kurz entschlossen stiegen sie auf das Dach, deckten die Ziegel ab und ließen den Mann aus seiner Trage durch die Öffnung zu Jesus hinunter.
Wenn ihr eine Stelle braucht, die sehr nüchtern in der Bibel ist, dann nehmt die. Denn das, was hier mit Ziegel beschrieben wird, ist eigentlich eine Decke aus Holzbalken, quer darüber Reisig, und damit das Ganze ein bisschen dicht bleibt, wird es mit Lehm einfach so zusammengebappt. Ihr habt also eine Lehmdecke mit Reisig und Holzbalken dazwischen.
Die vier Freunde finden anscheinend außen eine Treppe und gehen aufs Dach. Sie haben sich kurz orientiert, vielleicht gehört: Na, wo kommt die Stimme her? Und dann haben sie damit angefangen, das Dach einzureißen.
Könnt ihr euch vorstellen, was die Leute dachten, die da drunter saßen? Ihr müsst euch Folgendes vorstellen: Ihr hört jetzt da oben Stimmen und irgendwelche Schritte. Dann findet ihr es ein bisschen komisch, aber ihr denkt, das gehört noch zum Programm. Wer Saurier integriert hat, vielleicht auch Stimmen auf dem Dach. Und dann fängt da oben einer an mit dem Pressluftbohrer. Das ist schon komisch.
Und jetzt stellt euch vor: Die vier hier hatten ja keinen Presslufthammer, aber auch keine Betondecke. Irgendwann kommt da so die erste Hand durch. Und mit der Hand kommt natürlich dann der Dreck aus Lehm und Reisig. Das Loch wird etwa so zwei Meter lang gewesen sein und so einen Meter breit.
Und während die da mit ihrer Abrissarbeit beschäftigt sind, wird man unten in dem Raum vor lauter Staub wahrscheinlich seine Hand nicht mehr vor Augen gesehen haben. Alles schaut hoch, diese theologische Debatte ist völlig weg, da denkt keiner mehr dran. Sonnenlicht flutet rein, ihr seht da oben schemenhaft die Freunde agieren, plötzlich wird es kurz dunkel, und dann schwebt der Gelähmte wie so ein Ufo langsam vor Jesus nieder.
Das ist die Geschichte. Und es ist in dem Moment mucksmäuschenstill. Alle warten worauf? Na ja, ich würde sagen, alle warten darauf, dass Jesus explodiert. Denn wisst ihr, wer den meisten Dreck abbekommen hat? Jesus. Über ihm ist ja dieses Loch gemacht worden. Seine Predigt ist unterbrochen worden.
Und was passiert? Es passiert genau das Gegenteil. Er blafft niemanden an, er macht keinen Ärger, sondern Jesus schaut auf das Wesentliche. Und das ist der Glaube.
Der Blick auf das Wesentliche
Lukas 5,20: Als Jesus ihren festen Glauben sah, den Glauben der Freunde und den Glauben des Gelähmten, sagte er zu dem Gelähmten: Deine Sünden sind dir vergeben.
Das ist unglaublich provokant und letztlich auch unglaublich überraschend. Überraschend, weil alle Leute an dieser Stelle natürlich womit rechnen? Nun ja, damit, dass Jesus den Mann heilt. Es ist ja keine große geistige Leistung, wenn da ein Gelähmter auf einer Bahre herunterkommt, festzustellen, was die Leute wollen. Zumal Jesus die ganzen Tage vorher einen nach dem anderen geheilt hat. Alle sitzen da so ein bisschen und denken: Komm, mach schon, damit das endlich vorbeigeht, wir wollen weiter diskutieren.
Es ist einfach überraschend, und es ist provokant, weil in der Zuhörerschaft Leute sitzen, ich habe es vorhin versucht ein bisschen anzudeuten, die nicht Jesu Freunde waren. Und die natürlich auch eine Meinung hatten zu dem Thema, wer Sünden vergeben kann und wer Sünden vergeben darf. Und in ihrem Denken war ganz klar: Das darf eigentlich nur Gott.
Und die Frage, die wir uns stellen müssen, ist: Warum nimmt Jesus dieses Risiko in Anspruch? Warum geht er das ein, abgelehnt zu werden und Unverständnis zu ernten? Warum? Hätte es nicht gereicht, einfach die Erwartungen der Leute zu befriedigen? Hey, ein schnelles Wunder, und dann geht er raus, und alles ist gut, und wir reden weiter. Wäre doch gut, oder?
Und ich denke, es gibt zwei Antworten darauf, warum Jesus an dieser Stelle dieses Risiko eingeht, provokant zu sein und überraschend zu sein. Und die erste Antwort ist die, dass Jesus kein Speichellecker ist. Jesus ist keiner, der möglichst viel Eindruck schinden will, der sich möglichst konform verhält, um dadurch mit wenig Problemen mit dem Establishment so sein Leben zu leben. Ich lasse dich leben, du lässt mich leben, wir sind alle glücklich. Das war irgendwie nicht jesuanisch.
Natürlich wusste Jesus: Wenn er das sagt, dir sind deine Sünden vergeben, dann bricht ein Sturm der Entrüstung los. Aber wie hätte er anders den Pharisäern und Schriftgelehrten mit ihren Vorurteilen begegnen sollen? Wisst ihr, christliche Theologie ist unbrauchbar, wenn sie uns nicht dabei hilft, zu begreifen, wer Jesus ist und was er für uns getan hat, warum wir ihn brauchen. Damals gilt das wie heute.
Damals wie heute scheiden sich an diesem Jesus irgendwie die Geister. Er ist so radikal in seinem Anspruch, dass du entweder für ihn sein kannst oder du musst einen Gedankenweichspüler einsetzen und all das, was er sagt, noch einmal durch eine Weichspülerbrille lesen, damit du irgendwie damit klarkommst. So radikal ist er. Jesus scheidet die Geister, und er legt es darauf an, indem er hier an dieser Stelle diese Unterbrechung nutzt, um seinen Standpunkt klarzumachen, dass er tatsächlich Gott ist und dass er tatsächlich Sünden vergeben kann.
Indem er das tut, weist er seine Zuhörerschaft darauf hin, dass sie etwas brauchen, was die anderen, die vier Freunde und der Gelähmte, schon lange gefunden haben, nämlich Glauben.
Es gibt zwei Punkte, warum Jesus so provokant und überraschend ist. Die zweite Antwort wird in unseren Ohren noch verrückter klingen. Jesus vergibt diesem Mann die Sünden, weil Sündenvergebung wichtiger ist im Leben eines Menschen als körperliche Gesundheit. Und da, wo Gott im Leben eines Menschen Glauben sieht, da kann er, da will er, da wird er Sünden vergeben.
Am Beispiel dieser Freunde wird deutlich, was biblischer Glaube ist. Biblischer Glaube, da geht es nicht darum, irgendetwas für wahr zu halten, es ist viel mehr. Im biblischen Sinn ist Glaube eine Lebenseinstellung, etwas, was ich an meinem Verhalten sehen kann. Dass die vier bereit sind, dieses Loch einzureißen, das ist gelebter Glaube. Und dieser gelebte Glaube, um den geht es Jesus.
Es geht ihm nicht um Kirchenzugehörigkeit, es geht ihm um Vertrauen. Ihr könnt dort, wo er in der Bibel das Wort Glauben findet, immer Vertrauen einsetzen. Es geht um deine persönliche Beziehung zu diesem Jesus. Es geht um die Frage, ob du diese persönliche Beziehung hast und damit glaubst oder nicht. Das ist die Frage. Und das ist eine Frage, die sich für diese Freunde und den Gelähmten schon beantwortet hat.
Das größte Problem ist nicht meine Gesundheit, sondern das größte Problem auch in meinem Leben und auch in deinem Leben ist die Tatsache, dass mit mir etwas nicht stimmt, dass ich irgendwie nicht fähig bin, nur Gutes zu tun, dass ich das noch nicht einmal will und dass ich sündige, Schuld auf mich lade, dass ich Gottes Gebote übertrete und da, wo er sagt, du sollst nicht lügen, lüge, und da, wo er sagt, du sollst nicht morden, ohne Grund zornig werde. Und dass da, wo er sagt, du sollst nicht begehren, ständig Neid auf andere Leute entwickle, und und und, egal an welcher Stelle wir zum Leid dieser Welt unser persönliches Schärflein beitragen.
Das ist unser eigentliches Problem. Und jetzt kommt Jesus daher, entlarvt unsere Ausreden und bietet Sündenvergebung an. Damals wie heute: eine Ungeheuerlichkeit!
Die Antwort auf den Einwand
Verse 21 bis 23 prompt die Reaktion: „Was bildet sich dieser Mensch eigentlich ein?“, entrüsteten sich da die Pharisäer und die Schriftgelehrten. „Das ist Gotteslästerung, nur Gott kann Sünden vergeben.“
Jesus durchschaute sie und fragte: „Wie könnt ihr nur so etwas denken? Ist es leichter, zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder diesen Gelähmten zu heilen?“
Und wie lautet die Antwort? Natürlich ist es leichter zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben. Ich kann ja keinen Menschen nachprüfen. Ich kann alles hier vorne behaupten. Und Scharlatanerie ist in der Religion bis heute ein wirklich großes Problem.
Ich finde es faszinierend an der Stelle, dass Jesus diese kritischen Rückfragen zulässt. Ich finde es deshalb faszinierend, weil Christsein nicht bedeutet, dass du an der Garderobe deinen Verstand abgibst und sagst: Ich muss da etwas glauben, es macht nur überhaupt keinen Sinn. Ich behaupte ganz frech, dass Christsein eigentlich heißt, dass du mit Denken erst anfängst.
Jesus geht darauf ein. Und die Verse 24 bis 26 zeigen uns, was er tut: „Aber ich will euch zeigen, dass der Menschensohn die Macht hat, schon hier auf der Erde Sünden zu vergeben.“ Und er forderte den Gelähmten auf: „Steh auf, nimm deine Trage und geh nach Hause.“
Da stand der Mann vor aller Augen auf, nahm seine Trage, ging nach Hause und dankte dabei Gott. Fassungslos und voll Furcht sahen ihm die Leute nach. Doch dann fingen sie an, Gott zu loben, und riefen: „Wir haben heute Unglaubliches gesehen.“
Das Wunder, das Jesus tut, ist die Antwort auf ihre Fragen. Man kann viel behaupten, dass man Sünden vergibt. Sehen kann man in dem Fall nur die Heilung. Der Geheilte selbst wird zu einem Symbol für eine andere Realität, zum Beweis für die Echtheit des Anspruchs Jesu darauf, dass er sagt: Ich kann Sünden vergeben.
Der eigentliche Neubeginn
Kommen wir zum Schluss. Gute Freunde sind Gold wert, darum ging es uns heute. Aber jede Freundschaft stößt an Grenzen, und die wichtigste Grenze dabei findet sich in mir selbst.
Und ich bin davon überzeugt, dass es nicht so sehr das Problem ist, dass wir uns eingestehen, dass wir ein Problem haben, oder dass wir ein Problem damit hätten, Sünde in unserem Leben zu sehen oder zu entlarven. Das ist nicht das Hauptthema. Das eigentliche Thema in unserem Leben ist die Frage: Bin ich bereit, mit diesem Problem zu Jesus zu gehen, der allein dieses Problem lösen kann, in welcher Facette es auch in meinem Leben auftritt?
Für uns Menschen ist Sündenvergebung Mission impossible. Für Jesus ist das anders. Er hing am Kreuz, und er konnte zu Recht sagen: Es ist vollbracht.
Und so wie der Gelähmte sich vorher nicht bewegen konnte und jetzt nach der Heilung natürlich ein ganz neues Leben führt, ein Leben, wie er es vorher noch nie erlebt hat, so gilt das auch im übertragenen Sinn für jeden Menschen, der Sündenvergebung erfährt. Er startet noch einmal neu durch. Er bekommt von Gott die Möglichkeit, noch einmal neu anzufangen.
Mein Lieblingsbeispiel ist der Windows-Rechner. Ihr kennt das: Wenn plötzlich nichts mehr geht? Da hilft nur, also bei meinem zumindest, dieser Reset. Irgendwo da unten muss ich dann drücken, dann fährt er wieder hoch. So etwas bietet uns Gott an. Einen Reset für dein Leben, Sündenvergebung, noch mal neu durchstarten.
Und warum kann er das? Na ja, Samganschi war bereit, für die Freundschaft mit Frodo zu sterben, alles auf eine Karte zu setzen. Gott kam in diese Welt, und er starb für seine Freundschaft zu uns. Wir können uns unsere Sünden nicht selber vergeben und aus eigener Kraft noch einmal von vorn anfangen. Allein Jesus kann das tun, und er will es tun.
Und das wünsche ich mir, dass wir heute mitnehmen.
Abschlussgebet
Ich möchte zum Schluss noch kurz beten.
Vater im Himmel, wir wollen dir dafür danken, dass das eine geistliche Realität ist. Wir wollen dir dafür danken, dass dieses Angebot heute noch gilt. Wir wollen dir dafür danken, dass du deinen Arm ausstreckst, um Menschen zu erreichen, Menschen in ihrer Verlorenheit abzuholen, mit unseren Sünden umzugehen.
Und ich bitte dich einfach von Herzen darum, dass wir bereit werden, das auch zu sehen: wer wir vor dir sind. Hilf, Herr, dass die Herzen aufgehen für diese Botschaft, die seit zweitausend Jahren gilt und einfach nicht totzukriegen ist, weil sie immer wieder neu begeistert und Menschen berührt.
Danke, Herr Jesus, dass du dieses Angebot nicht nur damals einzelnen Menschen gemacht hast, sondern heute noch für alle Menschen, die das hören wollen. Danke, dass dieser Weg zu dir im Glauben für alle offen ist. Amen.
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