Einleitende Gedanken
Jesus bekam Bericht darüber, wie Johannes der Täufer enthauptet wurde.
Einen schrecklichen und unwürdigen Tod musste Johannes erleiden. Das war
der Preis, den er für seine Treue zu Gott bezahlte. Dieser Bericht ging
an Jesus nicht spurlos vorbei.
Als Jesus das hörte, zog er sich zurück; er fuhr mit dem Boot an einen
einsamen Ort, um allein zu sein. Matthäus 14, 13a.
Jesus wollte vermutlich etwas Abstand gewinnen. Vermutlich beschäftigte ihn
nicht nur der Tod von Johannes, sondern auch sein eigener Tod, der noch
schrecklicher sein würde. Manchmal muss man sich zurückziehen, um
unbeobachtet traurig zu sein. Wir brauchen Zeiten der Stille, damit wir
unsere Gedanken wieder einmal ordnen und Kräfte sammeln können. Jesus
lebte dieses Prinzip der Einkehr und Sendung.
Doch gelang es Jesus selten, diese Ruhe zu finden. Die Menschen wollten ihn
sehen. Sie wollten ihm zuhören und sie wollten geheilt werden. Die
einzige kurze Ruhezeit, die Jesus nutzen konnte, war die Zeit der
Überfahrt auf dem Schiff, denn
Es sprach sich herum, dass er wegfuhr, und aus den umliegenden
Ortschaften gingen ihm die Leute auf dem Landweg nach. Matthäus 14,
13b.
Eine riesige Menschenmenge eilte um den See Genezareth und als Jesus mit
dem Schiff landete, waren sie bereits dort.
Was an diesem Tag und vor allem gegen Abend geschah, wollen wir heute
miteinander betrachten.
Bibelstellen zum Nachschlagen: Markus 6, 31-44; Lukas 9, 10-17;
Johannes 6, 1-13 (Parallelberichte)
I. Budgetiertes Leben
Ich weiss nicht was Jesus dachte, als er die Menschenmenge sah. Er wollte
doch für sich allein sein und nun das. Er hätte ja gleich wieder in See
stechen können und einen anderen Ort suchen. Aber Jesus verhält sich
natürlich anders. Er dachte nicht zuerst an sich und seine Bedürfnisse.
Als Jesus aus dem Boot stieg und die vielen Menschen sah, ergriff ihn
tiefes Mitgefühl, und er heilte die Kranken. Matthäus 14, 14.
Jesus sah wie diese Menschen orientierungslos waren und wie sie sich nach
Hilfe sehnten. Im Markusevangelium heisst es:
Jesus ergriff tiefes Mitgefühl, denn sie waren wie Schafe, die keinen
Hirten haben. Markus 6, 34.
Jesus konnte nicht einfach wegsehen, es bewegt ihn, wenn er Menschen sieht,
die keine Perspektive haben. Jesus schaut auch heute nicht weg, wenn er
die Menschen in ihrer Orientierungslosigkeit beobachtet. Jesus hat tiefes
Mitgefühl mit der verlorenen Welt, das ist ja auch der Grund, warum er am
Kreuz für uns starb.
Nun, Jesus heilte die Menschen und wie man aus den anderen Berichten der
Evangelien sieht, unterwies er sie. Er lehrte sie über das Reich Gottes.
Jesus schien, die Zeit zu vergessen. Glücklicherweise war er mit seinen
Jünger unterwegs, denn sie schienen die Lage noch unter Kontrolle zu
haben. Gegen Abend machen sie Jesus auf den Ernst der Lage aufmerksam.
Gegen Abend kamen die Jünger zu ihm und sagten: "Wir sind hier an einem
einsamen Ort, und es ist schon spät. Schick die Leute fort, dann können
sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen." Matthäus 14,
15.
Die Jünger befürchteten, dass dieser Tag ein schlimmes Ende finden wird,
wenn diese vielen Menschen nichts zu Essen bekämen. Man musste handeln,
solange es noch Zeit war. Ihr Plan, wie sie das lösen könnten, war
vernünftig und gut. Ich hätte es – ehrlich gesagt – auch nicht anders
gemacht.
Die Antwort von Jesus war einmal mehr überraschend:
"Jesus erwiderte: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt doch ihr ihnen zu
essen!" – Matthäus 14, 16.
Ich kann mir gut vorstellen, wie verdattert und ungläubig die Jünger Jesus
anstarrten. Hatte er wirklich gesagt, wir sollen ihnen zu essen geben?
War das sein Ernst?
Vermutlich versuchten sie, nachdem sie sich einigermassen gefasst hatten,
eine Lösung zu finden. Es war aber relativ schnell klar, dass sie weder
genügend Geld hatten, um für die grosse Menschenmenge etwas zu besorgen,
noch hatten sie die geeigneten Transportmittel, um solche Mengen an
Esswaren zu transportieren.
Stellen wir uns vor, jemand würde zu uns kommen und uns mitteilen,
innerhalb der nächsten Stunde müssten wir 10'000 bis 15'000 Menschen
verpflegen.
Schliesslich hatten sie ihre Möglichkeiten abgeklärt. Diese Möglichkeiten
waren äusserst bescheiden.
"Wir haben hier aber nur fünf Brote und zwei Fische", entgegneten sie.
Matthäus 14, 17.
Das war's dann. Mehr hatten sie nicht zu bieten. Sie waren schon am Ende
mit ihrem Latein. Sie hatten absolut keine Ahnung, wie sie den Auftrag
von Jesus erfüllen könnten. Sie erstellten sozusagen ein Budget. Sie
stellten fest, was sie hatten und wussten relativ schnell wie viel sie
ausgeben können – es war nicht viel. Offen gesagt, war es praktisch
nichts im Vergleich zu der anstehenden Aufgabe.
Wie gut können wir diese Jünger verstehen. Wir hätten mit grösster
Wahrscheinlichkeit nicht anders reagiert.
Was aber doch zu Denken gibt, ist, dass die Jünger nicht auf die Idee
kamen, Jesus könnte da vielleicht etwas machen.
Immerhin erlebten sie täglich, wie Jesus Menschen heilte. Auch an diesem
Tag wurden viele Menschen geheilt. Sie waren dabei, als Jesus einen
gewaltigen Sturm bändigte. Sie wurden sogar von Jesus mit
ausserordentlichen Vollmachten ausgesandt.
"Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen
aus." Matthäus 10, 8.
Damals kehrten sie Begeistert von diesem grossartigen Missionseinsatz
zurück.
Das alles hatten diese Männer schon erlebt und nun stehen sie mit diesen
Broten und Fischen vor Jesus und wissen sich nicht zu helfen.
Keiner kam auf die Idee, Jesus zu sagen, er könnte doch jetzt ein Wunder
tun. Ein Wunder wie Gott seinerzeit in der Wüste bewirkte, als das Volk
Israel vierzig Jahre dort leben musste. Sie hätten ihm sagen können, dass
das für ihn bestimmt kein Problem sei. Ist das nicht erbärmlich, dass sie
nicht auf diese Idee kamen?
Aber – unterscheiden wir uns wirklich von diesen Jüngern? Ist unser
Verhalten nicht oft genug genauso erbärmlich?
Haben wir nicht auch schon viele Führungen und Wunder Gottes erlebt. Was
geschieht dann, wenn wir vor einer neuen Herausforderung stehen. Sagen
wir: jawohl, wir packen es an, denn Gott hat uns das letzte Mal geholfen,
diesmal wird er es genauso tun. Deshalb verlassen wir uns wieder neu auf
ihn?
Leider machen wir es wie die Jünger. Wir überlegen, was wir haben und
kommen zum Schluss, dass es nicht reicht. Wir möchten das gerne tun, was
Gott von uns erwartet, aber wir haben zu wenig.
Wir leben nach unserem Budget und das reicht selten weit.
Wir schauen was wir an Begabungen, Mitteln und Kräfte haben. Wir machen
einen Businessplan und rechnen mit dem, was wir haben. Wir reizen das
Menschenmögliche voll und ganz aus, doch wir vergessen leider zu oft, mit
dem zu rechnen, was Jesus könnte.
Wir stehen dann etwas frustriert da und denken: eigentlich wollten wir,
aber wir können nicht, es reicht nicht.
Bibelstellen zum Nachschlagen: Matthäus 9, 35;
II. Bewegtes Leben
Wenigsten kamen die Jünger in ihrer Hilflosigkeit zu Jesus. Sie konnten
vermutlich gar nicht begreifen, wie Jesus so etwas Unmögliches von ihnen
fordern kann.
Aber sie brachten alles, was sie fanden zu Jesus. Sie hätten es ja auch für
sich behalten können. Sie hätten sich überlegen können: besser wir und
Jesus werden satt, als dass alle davon essen und niemand satt wird. Jesus
forderte sie auf:
"Bringt sie mir her!" Matthäus 14, 18.
So nahm das unfassbare Wunder seinen Fortgang. Übrigens, was hier geschah,
hatte auch schon Vorbilder im AT. Z.B. die Witwe, die ihre Ölgefässe
füllen konnte. Oder die Brotvermehrung bei Elisa. Also
Nachdem er angeordnet hatte, die Leute sollten sich im Gras lagern,
nahm er die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf und
dankte Gott dafür. Dann brach er die Brote in Stücke und gab sie den
Jüngern, und die Jünger verteilten sie an die Menge. Matthäus 14, 19.
Die Leute wurden in Gruppen zu ca. 50 Leuten gesetzt. Jesus nahm das Brot
und die beiden Fische und blickte zum Himmel und dankte Gott dafür. Es
war eine ganz normale Art, wie man damals für Speisen dankte. Für uns ist
vielleicht das Interessante, dass man dafür sein Haupt nicht neigte,
sondern zum Himmel erhob.
Also, die Jünger verteilten das Brot. Alle wurden satt!
Und alle assen und wurden satt. Am Schluss sammelte man auf, was übrig
geblieben war – zwölf Körbe voll. Matthäus 14, 20.
Am Ende war mehr übrig, als sie zu Beginn hatten. Das ist umso
erstaunlicher, wenn wir sehen, wie viele Leute verköstigt wurden.
Etwa fünftausend Männer hatten an der Mahlzeit teilgenommen, Frauen und
Kinder nicht mitgerechnet. Matthäus 14, 21.
Wenn man pro Mann eine Frau und ein Kind rechnet, wären wir schon bei
15'000 Menschen und keiner blieb hungrig.
Jesus kann aus unseren geringen Gaben und Begabungen grossartiges machen.
Es zeigt aber vor allem wie grosszügig Gott ist. Bei Gott gibt es alles
im Überfluss. Schon im ersten Kapitel des Johannesevangeliums steht:
Wir alle haben aus der Fülle seines Reichtums Gnade und immer neu Gnade
empfangen. Johannes 1, 16.
Der Samaritern am Brunnen erklärte Jesus:
Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr
durstig sein. Das Wasser, das ich ihm gebe, wird in ihm zu einer Quelle
werden, die unaufhörlich fliesst, bis ins ewige Leben. Johannes 4, 14.
Paulus war von den Möglichkeiten, die Gott öffnet auch sehr beeindruckt. Er
schrieb den Ephesern:
Gott kann unendlich viel mehr an uns tun, als wir jemals von ihm
erbitten oder uns ausdenken können. So mächtig ist die Kraft, mit der
er in uns wirkt. (Epheser 3, 20)Ist das nicht grossartig?! Unser Gott ist mit seinen Segnungen grosszügig.
Paulus hatte das in seinem eigenen Leben erfahren. Er musste mit Grenzen
leben, Gott verweigerte ihm die Heilung, aber gerade darin erwies Gott
seine Kraft.
»Du brauchst nicht mehr als meine Gnade. Je schwächer du bist, desto
stärker erweist sich an dir meine Kraft.« (2. Korinther 12, 9a)Die Reaktion des Paulus war:
Jetzt trage ich meine Schwäche gern, ja, ich bin stolz darauf, weil
dann Christus seine Kraft an mir erweisen kann. (2. Korinther 12, 9b)Wer aus seinen eigenen Kräften lebt, der wird nicht viel bewegendes im
Leben erfahren, er lebt ein budgetiertes Leben, ein berechenbares Leben,
da geschieht nicht viel.
Wer aber Jesus etwas zutraut, der lebt ein bewegtes Leben, ein Leben das
erfüllt.
Aber eines müssen wir beachten. Das alles erleben wir, wenn wir Jesus unser
ganzes Vertrauen schenken. Oder man kann es noch etwa direkter sagen,
wenn wir Jesus gehorchen.
Wenn die Jünger schon nicht wussten, wie sie den Auftrag von Jesus erfüllen
sollten, dann befolgen sie wenigsten seine Anweisungen. Sie gaben ihm das
Brot und die Fische, sie schauten dafür, dass sich die Leute richtig
hinsetzten und sie verteilten das Brot und die Fische, die Jesus ihnen
gab.
Wenn wir die Kraft Gottes erleben wollen, wenn wir ein bewegtes, ein von
Gott bewegtes Leben führen wollen, dann werden wir das nur erleben, wenn
wir das tun, was Gott von uns erwartet.
Wir werden nicht erleben, wie Menschen zu Jesus finden, wenn wir ihnen
nichts von Jesus erzählen.
Wir werden im Friesenberg nichts bewirken können, wenn wir auf unsere
Kräfte setzen. Wir können planen und rechnen wie wir wollen. Es wird
nicht reichen. Nur wenn wir Jesus das Wenige geben, was wir haben, kann
er etwas daraus machen. Behalten wir aber alles für uns, weil wir
befürchten, wir würden alles verlieren, dann werden wir die Kraft Gottes
nicht erleben.
Ich kann das nicht ändern. So funktioniert die geistliche Welt nun mal.
Bibelstellen zum Nachschlagen: 2. Könige 4, 1-7; 2. Könige 4, 42-44;
Johannes 3, 34; Epheser 3, 28-21; Kolosser 2, 2-3
Schlussgedanke
Uns geht es oft wie den Jüngern. Wir rechnen mit dem, was wir haben und
dementsprechend handeln wird. Wir sind uns gewohnt – und das ist sicher
nicht schlecht – ein Budget zu erstellen. Aber das machen wir eben nicht
nur im finanziellen Bereich, das machen wir auch im praktischen Bereich
unseres Leben. Das führt zu einem budgetierten Leben, ein Leben, das für
uns berechenbar und so weit wie möglich absehbar ist. Vielleicht da oder
dort eine kleine Budgetüberschreitung, aber wir sind froh, wenn das nicht
geschieht.
Jesus möchte aber nicht, dass wir so leben. Er will, dass wir von seinen
Möglichkeiten ausgehen. Er will, dass wir ihm zutrauen, dass er genug für
alle hat, dass keiner hungrig bleibt. Jesus möchte uns ein bewegtes Leben
schenken, oder könnte auch sagen ein erfülltest, ein reiches Leben, reich
an Erfahrungen mit Gott. Er will das wir erleben, dass er durch alles
hindurch zu helfen vermag, wie es Gott seinem Volk versprochen hatte, als
er sagte:
Ich, der HERR, werde euch immer und überall führen, auch im dürren Land
werde ich euch satt machen und euch meine Kraft geben. Ihr werdet wie
ein Garten sein, der immer genug Wasser hat, und wie eine Quelle, die
niemals versiegt. (Jesaja 58, 11)Das gilt auch für die, die mit Jesus unterwegs sind. Du wirst immer
erleben, wie Jesus Dir hilft und Dich durchträgt.
Aber alles hat seinen Preis. Ich muss lernen, meine Sicherheiten auf die
ich mein Leben aufbauen Jesus zu übergeben, denn nur dann können wir
erleben, was grossartiges Jesus damit machen kann.
Jesus sagte einmal zu seinen Jüngern:
Ich bin der Weinstock, und ihr seid die Reben. Wenn jemand in mir
bleibt und ich in ihm bleibe, trägt er reiche Frucht; ohne mich könnt
ihr nichts tun. Johannes 15, 5.
ohne mich könnt ihr nichts tun. Johannes 15, 5.
Amen
