Serie•Teil 4 / 4Glaube, Hoffnung, Liebe
Generierte Mitschrift
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Einleitung und Rückblick
Die Bücherkiste wird immer grösser.
Einen wunderschönen guten Abend. Schön, dass ihr da seid, hier vor Ort. Schön, dass du da bist, an deinem Endgerät. Und ich freue mich sehr, hier zu sein. Das ist jetzt keine Floskel, sondern das ist von aufrichtigem Herzen gemeint. Es ist echt ein Geschenk, hier bei euch zu sein, so viele liebe Leute. Und das ist eine extrem grosse Bereicherung, oder? Was für ein gewaltiges Geschenk ist christliche Gemeinschaft. Ist so toll, oder?
Und ich finde das sehr interessant: Man sagt wildfremden Leuten seine Examensnote. Ja, also was Gemeinde mit einem alles bewirkt, oder? Ist grossartig, ne? Ist irgendwie echt schön.
Und wir wollen heute eine kurze, ich starte erst mal mit so einer kurzen Rückschau, und ich habe vor, pünktlich Feierabend zu machen, auch. Deswegen habe ich mir extra so einen Wecker eingebaut, damit der Schluss auf jeden Fall platziert wird. Aber am Anfang erst mal eine kleine Rückschau: Was haben wir eigentlich bisher alles so betrachtet? Es ist ja jetzt der vierte Teil, den wir angehen und uns mit 1. Korinther 13 beschäftigen. Und ihr habt festgestellt: Zwei Vorträge hatten mit 1. Korinther 13 jetzt nicht so wirklich was direkt zu tun, denn wir mussten erst mal eine Grundlage schaffen. Und das haben wir am Sonntagvormittag gemacht, wo wir uns die Frau angesehen haben, die so einen schlimmen Ruf hatte, dass sie von allen Leuten als die Sünderin angesprochen wird.
Und diese Sünderin, die kommt zu dem Herrn Jesus, salbt ihm die Füsse, küsst ihm die Füsse ohne Unterlass und trocknet die Füsse mit ihren Haaren ab. Und der Jesus macht bei ihr das Prinzip aus Lukas 7,47 deutlich, indem er sagt: Wem viel vergeben wird, der liebt viel. Und damit wird klar: Weitergeben können wir nur das, was wir selber empfangen haben. Wenn wir versuchen, aus uns heraus Liebe zu produzieren, klappt das Ganze nicht. Und deswegen ist es so kostbar, dass Gott in uns wirkt, dass Gott derjenige ist, der sagt: Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.
Am Sonntagabend haben wir uns angeschaut oder haben wir so diesen Überblick über die Gemeinde in Korinth gemacht: Was waren das für Leute? Und wir haben festgestellt, dass es eine Abwärtsspirale ist, die diese Gemeinde auszeichnet. Paulus schreibt das in 1. Korinther 11,17: Wenn ich aber folgendes vorschreibe, so lobe ich nicht, dass ihr nicht zum Besseren, sondern zum Schlechteren zusammenkommt. Das ist schon fast juristisch, wie Paulus formuliert, sehr kompliziert. Er macht damit deutlich: Es geht nach unten mit euch. Ihr seid gerade nicht von einer kleinen Turbulenz betroffen, sondern euer Flugzeug trudelt gerade abwärts. Es wird schlimmer mit euch.
Und dann kamen wir gestern Abend und haben die Liebe als die erste Frucht des Geistes betrachtet. Galater 5,22 beginnt ja mit der Frucht des Geistes, nicht mit den Früchten. Ist auch ganz interessant: Die Frucht des Geistes ist Liebe. Und damit macht Paulus deutlich, dass das Flaggschiff die Liebe ist. Das, worauf es ankommt, ist die Liebe. Und wir haben das ganz praktisch hier auf der Bühne mal dargestellt, lieber Jonas, mit der Vielzahl von Nullen und haben festgestellt: Egal, wie viele Nullen man hier noch aneinanderreihen würde, die Summe ist immer null. Aber wenn eine positive Zahl davor steht, ergibt das Ganze direkt einen Wert. Und genau so sieht es aus mit unserem Dienst, den wir für Gott tun. Der Multiplikator für den Dienst ist die Liebe. Und wenn die Liebe gleich null ist, dann ist der Dienst auch null und wertlos. Ich habe das mit dieser Zimbel hier mal kurz nur angedeutet, um euch nicht zu lange zu quälen.
Heute Abend wollen wir jetzt fortsetzen in 1. Korinther 13, und ich lese einfach noch mal die Verse, mit denen wir uns heute beschäftigen wollen. Ich lese ab Vers 4 noch mal, um das von gestern mit abzuholen. Da schreibt Paulus in 1. Korinther 13,4-13:
Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig, sie neidet nicht, die Liebe tut nicht gross. Bis dahin sind wir gekommen, und jetzt geht es heute weiter mit: Sie bläht sich nicht auf, sie benimmt sich nicht unanständig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet Böses nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sondern sie freut sich mit der Wahrheit, sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles. Die Liebe vergeht niemals.
Und dann der Vers 13 noch: Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die grösste aber von diesen ist die Liebe.
Stolz, Aufgeblasenheit und die Gefahr geistlicher Selbstüberschätzung
Die Liebe bläht sich nicht auf. Das ist die erste Eigenschaft, die wir uns heute Abend anschauen wollen. Arroganz ist nicht ein Charakterzug unseres Heilandes, sondern eher des Teufels. C. S. Lewis sagte einmal Folgendes: Durch den Stolz wurde der Teufel zum Teufel.
Dieses Wort, aufgebläht, kommt siebenmal im Neuen Testament vor, und sechsmal davon im 1. Korintherbrief. Das macht schon ein bisschen deutlich, dass das nicht unbedingt eine Stärke war, die die Gemeinde auszeichnete. Wir wollen uns diese sechs Stellen einmal anschauen, und wir beginnen mit 1. Korinther 4. Dort finden wir direkt die ersten drei Male des Aufgeblähtseins.
Paulus schreibt dort folgende Warnung. 1. Korinther 4,6: Dies aber, Brüder, habe ich auf mich und Apollos bezogen, um euretwillen, damit ihr an uns lernt, nicht über das hinauszudenken, was geschrieben ist, damit ihr euch nicht aufbläht für den einen gegen den anderen.
Und dann noch Vers 18 und 19: Einige aber sind aufgeblasen, als ob ich nicht zu euch kommen würde. Ich werde aber bald zu euch kommen, wenn der Herr will, und werde nicht das Wort, sondern die Kraft der Aufgeblasenen kennenlernen. Die Kraft der Aufgeblasenen ist auch mal eine interessante Formulierung.
Das Problem war, dass die Korinther stolz waren auf die Gaben, die sie geschenkt bekommen hatten. Und anstatt darüber dankbar zu sein für das, was sie empfangen hatten, haben sie sich gegenseitig nicht berücksichtigt, sondern sich arrogant aufgeplustert, um damit herumzuprahlen. Unter anderem haben sie auch Paulus’ Autorität nicht anerkannt. Das wird in diesem vierten Kapitel von Paulus herausgearbeitet, und Paulus sagt: Das geht nicht, das ist absolut verkehrt.
Amy Carmichael, eine Missionarin in Indien, sagte einmal: Diejenigen, die zu hoch von sich denken, denken nicht genug.
Und wir wollen das Ganze ja auch immer auf uns anwenden. Ich habe mich gefragt: Boah, wie sieht das denn aus in meinem Leben? Bin ich auch vielleicht aufgeblasen? Habe ich damit auch ein Problem? Spiele ich da vielleicht eine Rolle in dem Spiel? Hat ein Rat, den mir ein lieber Bruder oder eine liebe Schwester steckt, noch etwas zu sagen, oder achte ich da zuerst auf den Ton? Was ist mit dem Reden meiner Frau? Wir haben gestern dieses Zitat gehabt aus Zielstrebig. Höre ich da noch zu, wenn meine Frau spricht oder auch schweigt? Suche ich den Rat und Hilfe bei älteren Geschwistern, oder denke ich, dass ich die Weisheit mit Löffeln gefressen habe?
Ich möchte euch da einfach mal humorvoll abholen mit einer Begebenheit, die Spurgeon in seiner Autobiografie Alles zur Ehre Gottes zitiert. Und zwar hat ihn eine Köchin stark geprägt, und diese Köchin war eine ganz einfache, schlichte Frau.
Spurgeon wollte da zur Kirche gehen und hat nur über den Pastor abgezogen, weil er gesagt hatte, da findest du ja gar nichts Gutes. Und dann schreibt er in seiner Biografie Folgendes: Die Köchin in Newmarket war eine in göttlichen Dingen erfahrene Frau, von der ich auch weit mehr gelernt habe als von dem Prediger, der in der Kirche predigte, die wir besuchten. Warum gehst du an einen solchen Ort?, fragte sie eines Tages. Ich antwortete: Es gibt keinen anderen Ort, an dem ich zum Gottesdienst gehen könnte. Aber es ist auch besser, zu Hause zu bleiben, als sich einen solchen Unsinn anzuhören. Vielleicht, meinte sie, aber ich gehe gern zum Gottesdienst, auch wenn ich dort nichts bekomme. Du siehst auch Hühner oft in einem Abfallhaufen scharren, um dort ein Korn zu finden. Sie finden zwar keines, aber das Scharren zeigt, dass sie danach suchen und die Werkzeuge, es zu finden, üben. Außerdem werden sie vom Scharren warm.
So machte mir diese alte Dame klar, dass ihr Kratzen und Scharren in den armseligen Predigten, die sie hörte, ihre geistlichen Fähigkeiten schulte und ihren Geist wärmte. Ein andermal sagte ich ihr, dass ich in der ganzen Predigt nicht einen Krümel gefunden hätte, und fragte sie, wie es ihr ergangen wäre. Oh, mir ging es heute Abend besser, meinte sie, denn alles, was der Prediger sagte, habe ich einfach ins Gegenteil verkehrt, und so wurde sein Gerede zum wirklichen Evangelium.
Ich hoffe, dass das nicht der Fall sein wird bei euch, aber auch das ist ein guter Umgang, oder? Wir sind dann so schnell frustriert. Also, ich glaube, dass man aus so vielen Dingen noch gute Sachen rausziehen kann. Wie hoch ist deine Messlatte bei anderen? Das ist auch so eine Frage, ne? Wir senken die bei uns ja oft schnell herab. Mich hat das stark ermutigt.
Gemeindliche Verantwortung und der Blick auf verborgene Sünde
Das ist der erste Fall, wo es um Aufgeblähtsein geht: Die Korinther erkennen Paulus’ Autorität nicht an. Der zweite Fall, in dem das Aufgeblähte vorkommt, ist der Fall der Blutschande in 1. Korinther 5, wo Paulus ja beschreibt, dass einer sogar seines Vaters Frau hat. Und dann schreibt er in Vers 2: Und ihr seid aufgeblasen und habt nicht etwa Leid getragen, damit der, der diese Tat begangen hat, aus eurer Mitte entfernt würde.
Also Paulus kritisiert hier, dass Gemeindezucht nicht ausgeübt wurde. Und er sagt: Das geht gar nicht. Dieser Fall ist selbst unter den Nationen zum Gerede geworden, und ihr handelt da nicht. Was ist da los?
Und ich habe mich dann gefragt, wenn man das auf das eigene Leben wieder anwendet: Worauf bin ich eigentlich stolz? Erzähle ich oder träume ich gerne von Abenteuern mit einem anderen Geschlecht? Über was für Dinge darf in meiner Anwesenheit alles geredet werden?
Ich glaube, das ist ein Problem von Alt und Jung. Da kann man nicht irgendwie sagen: Ach ja, das betrifft hier die Unterzwanzigjährigen oder so.
Ich habe vor zwei Jahren ein sehr einschneidendes Erlebnis gehabt, das mich stark schockiert hat. Er rief einen Freund mich an und sagte: Du kommst ja zur Beerdigung von dem so und so, kannst du den Abend vorher anreisen? Das habe ich gemacht, weil man merkte, der hat da irgendwie echt ein Problem.
Dann kam ich den Abend vorher an, und er sagte zu mir: Tommy, ich muss mit dir über die Beerdigung von morgen reden. Er war dafür verantwortlich, den ganzen Nachlass zu regeln und sich darum zu kümmern. Und er sagte: Ich fahre den Rechner hoch. Und dieser Mann war über achtzig Jahre alt, ein gestandenes Tier in der Gemeinde, hatte viele Ehrenämter, Verantwortung. Und er sagte: Ich fahre den Rechner hoch, und der ganze Rechner ist voll mit Pornografie verseucht. Ich mache den Aktenschrank auf, um die Ordner rauszuholen für die Unterlagen, und sehe da erst mal so einen Stapel Magazine.
Ja, der brauchte einfach jemand, um das zu platzieren, Mann. Das hat mich so schockiert. Und dann war am nächsten Tag die Beerdigung, und dann sagt die Witwe: Mein Mann war so ein guter und reiner. Und das hat mich so mitgenommen, als ich gedacht habe: Das darf doch nicht sein, oder?
Jetzt kommt die erste Buchempfehlung von Rebecca McLaughlin: Das neue Credo. Was mir gut gefällt bei der Autorin, ist, dass sie sehr gewinnend schreibt. Sie ist also apologetisch unterwegs, erklärt den Glauben, verteidigt ihn und macht das nicht vom hohen Ross herab, sondern versucht, Menschen zu gewinnen. Das gelingt ihr ziemlich gut.
Sie stellt hier fünf Glaubenssätze auf, die unsere Gesellschaft heute hat, und setzt sich mit diesen Glaubenssätzen dann einfach mal auseinander. Zum Beispiel: Black Lives Matter, Liebe ist Liebe, Frauenrechte sind Menschenrechte, Transfrauen sind Frauen, die Schwulenbewegung ist die neue Bürgerrechtsbewegung. Das sind diese fünf Grundsätze, und darauf geht sie ein.
Dann schreibt sie folgendes Bild, und das fand ich ausgezeichnet, gerade bei diesem Gedanken, den ich gerade ausgeführt habe mit der Pornografie. Dann schreibt sie: Kürzlich sah ich eine Folge der Dokumentationsserie Planet Erde, in der ein Babyelefant in einem Sandsturm von seiner Mutter getrennt wurde. Die Herde befand sich auf einer langen, anstrengenden Wanderung auf der Suche nach Wasser. Nach dem Sandsturm fand das einsame Elefantenkind die Spuren seiner Mutter wieder. Während die Kamera jedoch auf dieses einzelne Elefantenkalb schwenkte, sagte der Erzähler uns die schmerzhafte Wahrheit: Dieses Kalb folgte den Spuren seiner Mutter in der falschen Richtung.
Und das ist doch so krass, oder? Wenn wir über Pornografie reden, ist das eine Sache, die vor unseren Gemeindetüren ja nicht Halt macht. Und es ist aber ein Weg in die falsche Richtung. Es ist ein Weg, der nicht zum Leben führt. Und gerade für uns als Männer ist das, glaube ich, wichtig.
Da wiederhole ich den Gedanken von gestern: Es ist wichtig, dass du dir einen Freund suchst, mit dem du dich schonungslos austauschst, der dir Dinge einfach sagen darf, weil er sie dir auch sagen muss.
Dieses Ereignis hat mich so schockiert. Letztes Jahr im Frühjahr bin ich mit meinem Papa dann zusammen nach Siegen gefahren zum Brüdertag, und wir hatten eine Autofahrt zusammen. Megaschön. Und dann habe ich zum Papa gesagt, als ich eingestiegen bin, und da war die Pumpe echt am Flattern so, ich habe gesagt: Papa, ich möchte die Autofahrt gerne nutzen, entweder Hin- oder Rückfahrt, such sie aus, weil ich mit dir eine Sache besprechen möchte.
Und dann habe ich ihm diese Begebenheit erzählt, was ich da erlebt habe auf der Beerdigung. Dann habe ich gesagt: Papa, wenn du heimgehst und dich da in den Rechner haust, was finde ich? Das war so ein Geschenk, wie wir als Vater und Sohn darüber reden durften. So eine krasse Bereicherung, so unendlich kostbar.
Da war mit Papas Krebs noch gar nichts da. Ich habe euch das hier erzählt: Papa ist am 1. April heimgegangen. Ich saß neben ihm, und das war im Zimmer sein Arbeitszimmer, also da stand auch sein PC. Ich habe den zwischendurch mal angeguckt und habe gesagt: Du kannst mir gar nichts. Das ist so herrlich. Es war so erleichternd zu wissen, wenn der Papa heimgeht, dass ich auf dem Hof keine Überraschung mehr habe, nichts.
Und das ist kostbar, liebe Geschwister, dass wir uns sortieren, dass wir nicht zu stolz sind, die Hilfe von anderen in Anspruch zu nehmen. Gott hat uns doch zusammengestellt als Brüder und Schwestern.
Ja, das ist der nächste Punkt hier: diese schlimme Unzucht, die da stattfand, 1. Korinther 5. Dann 1. Korinther 8, da wird das Essen oder das Grundsätzliche mit Götzenopferfleisch behandelt. Also das war ja damals echt ein Problem. Wenn man an die Fleischtheke ging, da war dann die ganze Ware ausgestellt mit dem Götzen so und so geopfert, dem so und so geopfert. Und da haben sensible Christen ein Problem mitgehabt, das Fleisch zu kaufen, weil die gesagt haben: Das kann ich nicht machen, ich gehöre doch Jesus Christus.
Und dann gab es andere Christen, die gesagt haben: Überhaupt kein Problem, ich bin des Christus, und deswegen juckt mich das doch nicht, wem das geweiht ist. Und das hat dazu geführt, dass die gegenseitig nicht so Rücksicht aufeinander genommen haben. Und Paulus kritisiert das hier in 1. Korinther 8,1, und da schreibt er: Was aber das Götzenopferfleisch betrifft, so wissen wir, dass wir alle Erkenntnis haben. Die Erkenntnis bläht auf, die Liebe aber erbaut.
Fehlende Rücksichtnahme auf Geschwister, das ist so eine traurige Sache. Ich glaube, da ist es wichtig, dass wir uns gegenseitig abholen. Und das setzt voraus, dass ich meine Geschwister ja auch kenne, dass ich weiß, wo deren Probleme sind, und dass wir da gegenseitig Rücksicht nehmen. Kenne ich die Schwachheit meiner Geschwister?
Rücksicht, Demut und das Lernen, die zweite Geige zu spielen
C. S. Lewis ist ja ein ganz bekannter Schriftsteller gewesen. Ich glaube, jeder Verlag hätte sich um ihn geprügelt. Da wäre es schon schön, wenn man ihn im Programm hätte. Er hat Bücher geschrieben, die millionenfach verkauft worden sind.
Es ist ganz interessant, was jemand dann über die Art schrieb, wie er Briefe beantwortete. Folgendes Zitat: Er behandelte jeden Briefschreiber so, als sei er genauso wichtig wie der König oder die Königin von England.
Lewis selber hatte kein Auto und musste sich deswegen immer mit einem Taxi an die Universität nach Cambridge bringen lassen. Der Fahrer hieß Morris. Und Morris sagte dann einmal, dass C. S. Lewis Folgendes öfter zu ihm gesagt hat: Morris, es tut mir leid, dass ich eine Viertelstunde nicht mit Ihnen reden kann, aber ich muss beten.
Das ist so schön, oder? Bei uns Christen gibt es ja kein Oben und kein Unten. Wir haben ja kein Gefälle. Ihr alle aber seid Brüder. Was für ein gewaltiges Geschenk, oder? Und das ist so kostbar, diese Einstellung zu haben.
Martin Luther sagte mal: Rechte Demut weiß nimmer, dass sie Demut ist, falsche Demut weiß nimmer, dass sie Hochmut ist. Und genau das ist ja das Problem dabei. Deswegen ist es so wichtig, dass wir uns reflektieren lassen. Kennst du einen Menschen, der dir die Wahrheit ins Gesicht sagt und sagt: Hör mal, das Auftreten hier war nicht so prickelnd?
Ja, ich habe da noch weiter überlegt. Wenn man sich anguckt, wie unser Herr unterwegs ist, dann passt ja so ein aufgeblähtes Verhalten überhaupt nicht zu so einem Herrn, der seinen Jüngern die Füße gewaschen hat. Und Jesus sagt: Lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig. Das ist die Aussage von unserem Herrn.
Wir Männer, wir Menschen, sind so darauf, dass wir Adler auf unsere Regierungsflaggen setzen, wir machen Bronzestatuen von Habichten, und wir nennen Sportvereine nach Falken. Aber Gott kümmert sich um die Spatzen. Das ist so cool, oder? Mich hat das so gefreut. Wie genial ist Gott unterwegs?
Gestern hatten wir schon die Begebenheit, als Jesus die Kinder segnet. Die Jünger sagen einfach: Boah, komm, geht mal weg, heute gab es genug zu tun. Und Jesus nimmt die Kinder auf seinen Arm und segnet sie. Was für ein großer Gott ist das? Gott kümmert sich um die Spatzen in deinem und meinem Leben. Wir haben oft nur die Adler im Blick, oder?
Die Liebe benimmt sich nicht unanständig. Das ist die nächste Eigenschaft, die sechste. Und unanständig ist ein skandalöses Verhalten, das mit den bestehenden gesellschaftlichen Verhaltensnormen nicht übereinstimmt, also so eine Art Knigge. Unanständig sein schließt alles Verhalten ein, das biblische oder mitmenschliche Normen verletzt. Es setzt also voraus, dass man Rücksicht nimmt auf andere.
Und wir haben das jetzt schon mehrfach betrachtet, wie rücksichtslos waren die Korinther teilweise. Wir haben in 1. Korinther 5 von einer Unzucht gelesen, die selbst unter den Nationen nicht da war. Das ist skandalös. Wir haben in Kapitel 8 gelesen, dass einige ihre Freiheit gebrauchten, Götzenopferfleisch zu essen, und dadurch zum Fallstrick wurden für andere, die darauf verzichtet haben. Auch das ist ein skandalöses Verhalten, das geht gar nicht.
Wir lesen in 1. Korinther 11,2-16 und 14,34-35, dass Paulus zum rechten Verhalten beim Beten und Reden ausführt. Und dann spricht er in dem Zusammenhang von Entehrung und von Schande. Dann haben wir in 1. Korinther 11, wenn es weitergeht und es zum Abendmahl hinkommt, dass Paulus sagt, es geht nicht, dass manche betrunken zum Abendmahl kommen, während andere Hunger haben. Da jagt ein Skandal eigentlich den nächsten.
Und ich glaube, dass die Korinther durchaus ihr Verhalten versucht haben zu legitimieren und zu rechtfertigen. Die werden da auch mit Sicherheit gute Gründe genannt haben. Aber irgendwie passt das doch alles nicht, oder? Das können wir so von außen, so objektiv sagen: Hör mal, ihr habt so das eine oder andere Problem bei euch. Aber wie sieht unser Alltag aus? Besteht der nicht auch oft aus Skandalen, die wir versuchen, herunterzureden oder schönzureden?
Wie ist dein Verhalten an der Einkaufsschlange, wenn sich bei dir jemand vordrängelt? Wie ist dein Verhalten als Autofahrer? Ich habe heute noch die Rückfahrt nach Leichingen vor mir. Wie ist mein Verhalten vor dem Rechner? Was gucke ich mir an?
Alexander Strauch, das Buch hatte ich ja schon empfohlen, ein ausgezeichnetes Buch, in dem er die Biografie von Robert Chapman darstellt, und das Buch ist leider vergriffen, Mit Liebe leiden. Da führt er Folgendes aus zu diesem Skandalösen: Daher ist es ein Beweis für den Mangel an Liebe, wenn man sich unpassend kleidet, rücksichtslos redet, das Zeitgefühl und die Moralvorstellung anderer Menschen missachtet, andere Menschen ausnutzt, taktlos ist, die Mitarbeit und die Ideen anderer ignoriert, sich rücksichtslos über die Pläne und Interessen anderer hinwegsetzt, sich unanständig gegenüber dem anderen Geschlecht verhält, unhöflich ist und sich allgemein nicht an die geltenden sozialen Verhaltensregeln hält. Das alles hat keinen Platz in der Gemeinde, schreibt er.
Ich glaube, dass es wirklich wichtig ist, neu zu überlegen, was für eine Kostbarkeit eigentlich Höflichkeit ist. Meine Frau hat vor drei, vier Wochen ihren Ehering verloren. Dann kam sie rein und sagte: Schatz, der fehlt. Ich war echt traurig. Ich habe nur gesagt: Besser der Ring als die Frau, also alles gut. Also ich war echt nicht traurig, wirklich nicht. Ich habe gedacht: Boah, schade. Aber ja, Britta wird Goldschmiedin, irgendwas kriegen wir hinten. Dann habe ich gedacht, damit ist alles gut.
Dann kam letzte Woche, wo ich mich hier auf diese Abende vorbereitet habe. Plötzlich öffnet sich die Tür zu meinem Büro, und da steht meine Frau mit meinen beiden Jüngsten, mit unseren beiden Jüngsten, Elli und David, da. Und David strahlt über beide Ohren, der kleine Kerl, und er hält seine Hand zu so einer Faust. Und dann sagte Mimi, die war fast sprachlos, sagte: Boah, Schatz, David, zeig mal. Und dann öffnet der kleine Stöpsel seine Hand, und da lag der Ring drin.
Da habe ich gedacht: Was für ein gewaltiges Geschenk. Es war wirklich so eine richtige Stimmung, wo ich, also es war vormittags, aber ich hätte am liebsten da schon Sekt geöffnet. Es war so, keine Ahnung. Ich habe den Ring ja wirklich nicht vermisst oder sowas, also es war wirklich okay. Aber wo der Ring da war, habe ich etwas wiedergefunden, und ich dachte: Boah, ist das schön.
Und ich glaube, Höflichkeit ist auch so ein Ring, der uns vielleicht schon lange abhandengekommen ist. Und wir sagen: Ach ja, ne, wir müssen uns ja so durchs Leben boxen. Ey, wie schön wäre das, wenn wir die Schönheit dieses Ringes mal wieder entdecken würden. Es ist ein Fest, Höflichkeit gegenüber anderen Mitmenschen in dieser Welt, die so rau und kabbelig ist.
Es ist so wichtig, dass wir Menschen mit Liebe begegnen. Unser Zeugnis ist nur dann glaubhaft, wenn wir ein rücksichtsvolles Verhalten an den Tag legen. Jemand sagte mal: Der Botschafter soll kein Hindernis für die Botschaft sein.
Wen ich da sehr bewundere, ist Hudson Taylor, der Gründer der China Inland Mission. Und der wird in seiner Biografie von Roger Stier ausgeführt: Die Missionare sollten aus Achtung vor dem chinesischen Volk einheimische Kleidung tragen und ihre Gottesdienste in Gebäuden abhalten, die in chinesischem Stil errichtet waren.
Selbstbeherrschung, Nutzen und die Ausrichtung auf Gottes Ehre
Ich habe mir gedacht, wie kann man das heute Abend verdeutlichen, damit ihr das mitnehmt. Das waren jetzt schon ganz viele Worte, und ich bin auf den Trichter gekommen, euch etwas einzutrichtern, weil Paulus auch einen Trichter verwendet im ersten Korintherbrief. Extra gebastelt, noch heute, im ersten Korintherbrief.
Da trichtert Paulus uns etwas ein, was absolut wichtig ist. Und zwar beginnt Paulus in 1. Korinther 6,12. Da schreibt Paulus über ein Verhalten, das mich selbst erst einmal nur betrifft. Und da sagt Paulus: Alles ist mir erlaubt. Nach dem Motto: Wenn unsere Taten hier oben reinkommen, ist erst einmal alles abgedeckt. Da oben kannst du alles reinkippen, was geht. Alles ist mir erlaubt. Und jetzt verjüngt sich das Ganze schon: Aber nicht alles ist nützlich. Alles ist mir erlaubt, führt er weiter aus, aber ich will mich von nichts beherrschen lassen.
Ja, also auch wenn er sagt: Hör mal, nicht alles, was erlaubt ist, ist auch nützlich. Es gibt auch dumme Sachen. Also nicht alles ist clever, was du in deinem Leben machst. Ist die Sache, die du tust, nützlich? Und dann sagt er: Und dir geht es ja um einen selbst. Aber lass dich von nichts beherrschen. Das ist so eine Sache, zum Beispiel der Umgang mit Alkohol. Das ist bei uns in Deutschland ja recht locker gehandhabt, aber hat das Ding dich im Griff oder du das Ding? Es ist immer eine Frage, wo man sich sagen muss: Werde ich gerade beherrscht oder habe ich es nur im Griff? Das ist, wenn es ums Eigene geht.
Und dann geht es weiter in 1. Korinther 10. Da wird der Trichter wieder von oben angefangen. Da geht es jetzt um andere, das ist genau in diesem Zusammenhang, wie verhalte ich mich auch anderen gegenüber. Und da schreibt Paulus in 1. Korinther 10,23: Alles ist erlaubt. Da fehlt das „mir“, weil jetzt geht es ja um den anderen. Alles ist erlaubt, aber nicht alles ist nützlich. Zack, schon wieder diese Stufe. Es gibt Sachen, die uns schaden. Und dann führt er weiter aus: Alles ist erlaubt, und jetzt geht es ja um den anderen, aber nicht alles erbaut. Und dann merken wir: Schon wieder wird der Trichter enger, da passt nicht mehr alles durch.
Und der Trichter ist immer noch nicht am Ziel. Es gibt hier diesen schmalen Schlauch am Ende, und da ist 1. Korinther 10,31: Tut alles zur Ehre Gottes. Ich finde, das ist so eine schöne Sache, die man mitnehmen kann. Also: Ist das nützlich, was ich mache? Beherrscht es mich oder beherrsche ich es? Erbaut es den anderen? Dient es der Ehre Gottes? Und da scheiden so viele Dinge aus, wenn wir uns ehrlich hinterfragen. Und das hilft uns, wenn wir diesen Punkt hier betrachten.
Die Haltung, die nicht nur an sich selbst denkt
Der siebte Punkt: Die Liebe sucht nicht das Ihre.
Die Liebe will weder ihre eigenen Interessen befriedigen noch auf den eigenen Vorteil bedacht sein. Und ich glaube, dass Liebe in dieser Art und Weise nicht das Ihre sucht, sondern dass Liebe mehr ist als ein schönes Gefühl. Dass Liebe nicht Zeit in Stunden und Sekunden misst, sondern dass Liebe einfach da ist und sich verschwendet. Dass Liebe nachfragt, was der andere wirklich braucht.
Alexander Strauch hat mal gesagt, wir leben in einer Gesellschaft des radikalen Individualismus. Und das ist, glaube ich, unser Problem. Jeder dreht sich um sich selbst, und das ist nicht gut. Paulus setzt dem Ganzen etwas anderes entgegen. Er sagt in Philipper 2,4: Ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern ein jeder auch auf das des anderen.
Was uns dabei helfen kann, ist unser Universum. In der Sportzeitschrift habe ich mal eine Anweisung gelesen für stolze und arrogante Sportler. Da stand drin: Denke immer daran, dass du nur einer von circa acht Milliarden Menschen bist, die gerade auf der Erde leben. Die Erde ist nur einer von acht Planeten unseres Sonnensystems. Seit 2006 ist Pluto ja draußen. Die Sonne ist nur ein kleiner Stern in dem äußeren Spiralarm der Milchstraße, und diese Milchstraße ist eine von unendlich vielen Galaxien im Universum. Wer sind wir eigentlich?
Das sagt David ja in Psalm 8, wenn ich anschaue den Himmel, dein Händewerk, was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst und des Menschen Sohn, dass du dich um ihn kümmerst? Da ist so großartig, wie genial unser Gott ist, und es führt uns vor Augen, wie wir über uns denken sollen.
Jemand, der das sehr praktisch umgesetzt hat im Neuen Testament und der mir ein großes Vorbild ist, ist der Sohn des Trostes, Barnabas. Barnabas wird in eine blühende Gemeindeentstehung hineingerufen. Er wird von Jerusalem ausgesendet, um der neugegründeten Gemeinde in Antiochien zu helfen. Und dann lesen wir in Apostelgeschichte 11,21: Und des Herrn Hand war mit ihm, und eine große Zahl glaubte und bekehrte sich zum Herrn.
Barnabas steht im Zentrum einer aufblühenden Gemeindebewegung. Da muss man ja sagen: Boah, was für eine schöne Welle, auf der man gerne mitschwimmt, oder? Aber Barnabas ist ein Mann, der weiter denkt und der um das Wohl der Gemeinde besorgt ist. Und deswegen schickt er aus und holt Paulus mit ins Boot und spielt nur noch die zweite Geige.
Und, liebe Männer, heute Abend ist so der letzte Abend, wo ich in dieses Buch zielstrebig hineingehe. Ihr kommt nicht drum herum, ich muss es nochmal empfehlen, es ist einfach zu gut. Steve Ferrer schreibt dazu zur zweiten Geige etwas wahnsinnig Interessantes. Er sagt, ein Punkt, der christliche Leiterschaft von jeder anderen Art von Leiterschaft unterscheidet, ist die Vorstellung, ein Diener zu sein.
Leonard Bernstein, der inzwischen verstorbene Dirigent des New Yorker Symphonieorchesters, wurde einmal gefragt, welche die schwierigste Funktion im Orchester sei. Ohne zu zögern antwortete der Maestro: Die zweite Geige. Woran liegt das wohl? Ist es so viel schwieriger, die zweite Violine zu spielen als eine Piccoloflöte oder ein Fagott? Nein, es ist nicht schwieriger. Sein Punkt war, dass jeder gerne die erste Geige spielen möchte.
Das finde ich so einen wichtigen Punkt, und da ertappt man sich selber. Das ist irgendwie schon so eine Sache, wo man denkt: Mensch, wie oft versuche ich doch, die erste Geige zu spielen. Und in Korinth gab es sehr viele erste Geigen, das war ein großes Problem in dieser Gemeinde. Wir haben schon von dieser Freiheit gehört, Götzenopferfleisch zu essen, und die wurde missbraucht auf Kosten von anderen. Das eigene Recht wurde mithilfe der Justiz durchgeboxt und durchgesetzt. Wunderbare Gaben wurden zur Selbstdarstellung missbraucht, und das ist extremst abstoßend, oder?
Ich empfehle heute Abend ein weiteres Buch. Es ist neu bei uns herausgekommen im Verlag: Von Flugakrobaten und Verwandlungskünstlern – Geschichten aus der Welt der Insekten. Ich weiß nicht, wie es euch geht. Klar, mittlerweile hat man als Vater immer die Funktion, die Spinnen nach draußen zu befördern. Aber das ist jetzt nicht so. Wobei Spinnen ja nochmal was anderes sind. Aber auch Insekten, das ist jetzt nicht so die Art von Tieren, wo ich sage: Boah, wie schön, halte ich mir gerne.
Und der Autor Matthias Moos schildert mit viel Humor und mit viel Sachverstand Geschichten aus der Welt der Insekten. Ich habe das Buch am Wochenende angefangen und verschlungen, weil es so gut geschrieben ist. Das ist echt schön. Und ein Beispiel nur, um euch neugierig zu machen: Da geht es um die Wolfsspinne. Aber es ist ja ein Insektenbuch, deswegen ist sie Opfer. Und dann wird da von dem Angriff der bleigrauen Wegwespe geschrieben. Und das ist so ein Feind von dieser Wolfsspinne. Die bleigraue Wegwespe kämpft mit der Spinne, und mit einem gezielten Stich betäubt sie die dann. Dann zieht sie die zu einem Erdloch hin, knapst ihr oft noch die Beine ab, das ist echt brutal, um sie dann ins Erdloch reinzuziehen. Bei lebendigem Leib wird sie ja verbuddelt, und ihr Ei setzt sie noch darauf ab. Da entschlüpft eine Larve, und dann entsteht neues Leben. Eine neue bleigraue Wegwespe kann sich an der Spinne sattessen und selber losfliegen.
Aber wer gedacht hat, das war’s jetzt, wird noch einen draufgesetzt: Doch auch hier sind Überraschungen möglich. Mag uns das Fortpflanzungsverhalten der bleigrauen Wegwespen an Kaltblütigkeit und Perfektion kaum überbietbar erscheinen, die Kuckuckswegwespe kann mithalten. Sie hat zwar keine Ahnung von der Spinnjagd, versteht es aber, die Strategie der bleigrauen Wegwespe für ihre Zwecke auszunutzen. Entdeckt sie eine, die gerade einen Kampf mit einer Spinne erfolgreich hinter sich gebracht hat, so greift sie sie an und tut, als wolle sie ihr die Beute streitig machen. Es handelt sich aber nur um ein Scheingefecht, währenddessen die bleigraue Wegwespe die Spinne loslassen muss. In einem unbeobachteten Moment springt die Kuckuckswegwespe an das gelähmte Tier und legt in dessen Atemöffnung ihr eigenes Ei. Das war es, was sie wollte, und sogleich tritt sie den Rückzug an.
Die bleigraue Wegwespe aber setzt den Abtransport ihrer Beute fort. Man ahnt, was passiert. Nur kurze Zeit, nachdem die Spinne mitsamt einem hinzugefügten Ei der bleigrauen Wegwespe vergraben wurde, schlüpft die Larve der Kuckuckswegwespe. Und kaum ist sie bei Kräften, macht sie sich auf die Suche nach der Larve der anderen Wespenart. Sie tötet diese, hat nur den Spinnenleib für sich, und nach ungefähr zehn Tagen verlässt keine bleigraue Wegwespe, sondern eine Kuckuckswegwespe das Sandloch.
Die Geschichte kann man behalten, oder? Und die passt irgendwie auch gut zu dieser negativen Eigenschaft, die wir hier betrachtet haben: die erste Geige spielen zu wollen, da es um meine Interessen geht. Das ist extrem abstoßend, oder? Wollen wir es wirklich?
Ich habe letzte Woche eine Mitarbeiterempfehlung bekommen von der Gemeinde für eine Teeniehelferin für eine Kinderfreizeit, wo ich mitarbeite. Da schrieben die Leiter der Gemeinde Folgendes über dieses junge Mädchen: Sie hat ein Herz für Kinder und bringt das unter anderem in ihrer Bereitschaft, auf eigene Ansprüche zu verzichten, zum Ausdruck. Sie hat einen ausgeprägten Blick für andere.
Boah, so eine Mitarbeiterin nimmst du freudig auf in die Freizeitarbeit. Das ist perfekt, oder? Das erinnert mich ein bisschen an das, was Paulus schreibt über Markus in 2. Timotheus 4,11: Nimm Markus und bringe ihn mit dir, denn er ist mir nützlich zum Dienst.
Boah, was für ein genialer Mann, oder, dieser Markus. Was für ein tolles Zeugnis für ein Teeniemädel, das in der Gemeinde sich einsetzt und wahrscheinlich bei vielen gar nicht so auf dem Radar ist. Lass dich nicht entmutigen für deine Dienste, die du tust für Gott. Da ist so wichtig, mit welcher Einstellung wir sie tun.
Sanftmut im Umgang mit Kränkung und das Vorbild des Herrn
Er muss ein bisschen mich sputen, sie lässt sich nicht erbittern. Erbittern bedeutet, Ärger hervorzurufen. Und da ist es wichtig, dass wir willig Beleidigungen und Kränkungen ertragen.
In unserer Gesellschaft sind wir ja so darauf eingetrichtert, dass wir für unser gutes Recht kämpfen. Und davor warnt Paulus hier sehr deutlich. Das stimmt, das haben wir vielleicht schon mal erlebt: So zornige Christen sind nach außen hin ein grottenschlechtes Zeugnis für die Gemeinde, und nach innen sorgen sie für Verängstigung, Verletzung und Spaltung. Es ist gefährlich, wenn man sich selbst nicht unter Kontrolle hat.
Jakobus bringt das auch gut auf den Punkt: Eines Mannes Zorn, sagt er, wirkt nicht Gottes Gerechtigkeit. Mir sagte mal einer: Ich musste da mal kurz Dampf ablassen. Ja, vergiss es. Wenn du irgendwo mal kurz auf den Knopf drückst und damit etwas Falsches auslöst, ist das auch nicht mal kurz draufgedrückt, das hat Folgen. Mal kurz Dampf ablassen ist absolut verkehrt. Und Henri Drumand sagt mal: Merkwürdigerweise ist Gereiztheit das Laster der Tugendhaften und ist oft der einzige dunkle Fleck an einem sonst tadellosen Charakter.
Das beste Beispiel ist unser Herr Jesus. Als Petrus mit dem Schwert draufhaut und versucht, die Gefangennahme zu verhindern, da sagt Jesus: Steck’s wieder ein. Oder meinst du nicht, dass ich den Vater bitten könnte, und er mir jetzt mehr als zwölf Legionen Engel stellen würde?
Mir ist vor Kurzem aufgefallen: Wenn wir ins Alte Testament gucken, wird uns Hiskia vorgestellt. Hiskia wacht eines Morgens auf und stellt fest, dass ein riesiges Heer aus Assur vor seinen Toren lagert, mindestens 185.000 Mann. Und er vertraut sich da Gott an. Dann lesen wir in 2. Könige 19: Und es geschah in dieser Nacht, da zog der Engel des Herrn aus und schlug im Lager von Assur hundertfünfundachtzigtausend Mann.
Also, das waren ja Kriegsapparate, diese Männer, ne? Der Engel des Herrn, in anderen Übersetzungen ein Engel des Herrn, wie auch immer. Jesus sagt: Meinst du nicht, dass ich den Vater bitten könnte, der mir zwölf Legionen Engel senden würde? Und er hat es nicht gemacht. Er ist den Weg weitergegangen zum Kreuz und stirbt wegen dir und mir. Ist das nicht schön, ey? Dass er darauf verzichtet hat, seine Rechte geltend zu machen.
Ja, da wären wir gestern Abend eigentlich fertig gewesen. Und jetzt kommen wir zur neuen Eigenschaft, und keine Sorge, wir machen da jetzt nur einen Überblick. Und zwar stellen die drei folgenden Eigenschaften die Freude am Guten dar. Die Liebe rechnet Böses nicht zu. Römer 12,21 sagt Paulus: Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten.
Ein Beispiel, weil mich das so begeistert und fasziniert, ist Robert Chapman. Der Mann ist einfach so genial, also die Biografie liegt da hinten. Robert Chapman war wirklich extrem demütig und hat gepredigt. Dann kam ein Lebensmittelhändler, der ihn während seiner Predigten ausgelacht und angespuckt hat. Robert Chapman hat das alles so über sich ergehen lassen. Und irgendwann kam ein reicher Verwandter bei ihm zu Besuch. Der reiche Verwandte öffnete die Tür zur Vorratskammer und stellte fest: eine gähnende Leere. Weil Robert Chapman jetzt nicht irgendwas angehäuft hatte, sondern auch viel weggegeben hat.
Und der Verwandte dringt auf Chapman ein und sagt: Hör mal, lass dir etwas einfallen, ich möchte für dich einkaufen gehen. Irgendwann lässt sich Chapman erweichen und sagt: Ja, aber ich habe eine Bedingung. Du darfst nur bei einem ganz gewissen Lebensmittelhändler einkaufen gehen. Und dir ahnt schon, wer der Kollege ist. Wir hätten uns den wahrscheinlich nicht rausgesucht. Er schickt ihn genau zu diesem Typen hin.
Und der Händler, also der reiche Verwandte, der klotzt richtig ran. Der gibt eine richtig große Bestellung auf. Und der Händler, da sind die ganzen Dollarzeichen in den Augen, und er ist so begeistert, dass er irgendwann sagt: Hör mal, ich biete dir einen Lieferservice an, wo soll ich es hinbringen? Ja, ich wohne bei so einem Robert Chapman.
Krass, oder? Dieser Mann ist zu Robert Chapman gegangen und hat sein Leben Jesus übergeben. Das ist schön, oder? Das kann Liebe bewirken. Ja, wir können noch weitere Beispiele machen, die Zeit reicht leider nicht.
Die Liebe freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, die Liebe freut sich mit der Wahrheit, die Liebe erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles und sie erduldet alles. Und da wollen wir jetzt zur Landung ansetzen.
Das Bleibende und die letzte Ausrichtung des Glaubens
Die Liebe vergeht niemals, sagt 1. Korinther 13,8. Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die größte aber von diesen ist die Liebe, sagt 1. Korinther 13,13.
Die Liebe kann gar nicht an Bedeutung verlieren, denn Gott selbst, der Ewige, ist Liebe. Ich habe mich gefragt: Warum schreibt Paulus hier nicht einfach: Die Liebe bleibt ewig? Also, wir werden ja schon von Kindesbeinen an angewöhnt: Formuliere positiv. Wenn man auch in Seminaren ist, heißt es irgendwie: Fixiere deine Ziele schriftlich, und zwar positiv formuliert. Und Paulus sagt ja aber nicht: Die Liebe bleibt ewig, sondern: Die Liebe hört niemals auf. Warum macht er das?
Paulus macht das deswegen, weil er sonst auf ein sehr starkes Verb hätte verzichten müssen. Und zwar dieses Aufhören. Um es einmal kulinarisch zu beschreiben: Paulus muss sich erst dem Loch und dann dem Käse zuwenden. Dann schmeckt er umso besser. Und das Loch, um das es hier geht, der griechische Begriff für Aufhören, hat die Grundbedeutung von Fallen und wird vor allen Dingen dann verwendet, wenn es um etwas geht, was abfällt. Von einer Pflanze zum Beispiel, wenn ein Blatt oder eine Blüte auf den Boden fällt und dann auch zerfällt. Das kennen wir wieder im Deutschen an diesem Begriff.
Ich habe mich gefragt: Boah, dieses Kapitel 13 aus dem ersten Korintherbrief macht mir auch so deutlich, dass unser Leben hier begrenzt ist, dass wir vergänglich sind. Und die Riesengefahr, die besteht, ist, dass unser Leben nicht nur vergänglich ist, sondern dass unser Dienst, unser Handeln vergeblich ist. Ich glaube, das ist ein ganz wichtiges Gebet, dass wir Gott bitten: Lasst zu meiner Vergänglichkeit, die in uns drinnen liegt, nicht noch die Vergeblichkeit hinzukommen. Ohne Liebe hat alles keinen Wert. Wir Menschen sind vergänglich, aber die Liebe hört niemals auf.
Das Kapitel 13 endet mit dem Vers: Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; oder diese Passage hier, Entschuldigung, in 1. Korinther 13,13, dieser Absatz, Abschnitt: Die größte aber von diesen ist die Liebe. Warum? Weil Glaube und Hoffnung aufhören werden zu existieren.
Zum Finale hat mir mein lieber Ted seine Lego-Rakete anvertraut, und ich wollte das mit euch einfach mal teilen, damit ihr das vielleicht behaltet von diesen Bibeltagen. Das ist eine Trägerrakete. Jetzt brauche ich meinen Spickzettel hier. Der Ted, könnt ihr euch das schöner vorstellen, ist die Saturn V. Sie ist 111 Meter hoch, wiegt voll betankt 2,8 Millionen Kilogramm und wird halt auf diesen Apollo-Missionen eingesetzt.
So ein Prinzip von einer Trägerrakete ist halt wichtig, und das wollte ich euch mal kurz verdeutlichen, um deutlich zu machen, was das Ganze mit Glaube, Hoffnung und Liebe zu tun hat. Also, so eine Rakete startet irgendwann. Die wird gezündet, hier unten: buff, geht's los. Dann wird der Treibstoff, der sich im unteren Tank befindet, komplett aufgezehrt. Und irgendwann, nach 68 Kilometern Höhe, also das Ding fliegt steil nach oben, und nach 68 Kilometern – jetzt kommt der Vorführeffekt, doch, es hat geklappt – nach 68 Kilometern, wir machen jetzt keine... also das ist Müll und Schrott, der jetzt irgendwo rumfliegt, egal. Das wird einfach abgetrennt, ist weg. Die nächste Stufe wird gezündet, dann wird der Rettungsturm hier abgetrennt, der ganz oben drauf ist, und die Rakete fliegt weiter. Das brauchen wir auf jeden Fall noch. Und die zweite Stufe wird gezündet und versucht, die Rakete bis zur Erdumlaufbahn hinzubringen. Und dann wird die zweite Stufe auch noch getrennt. Das machen wir gleich, danke dir, ah danke, ja. Und dann fliegt der dritte Teil hoch, und jetzt passiert etwas ganz Interessantes, nämlich dann findet so ein Abkopplungsmanöver statt.
Das alles hier fliegt im Weltraum herum, und der Ted hat mir extra noch ein Männchen mitgegeben. So groß ist ein Männchen im Vergleich zur Rakete, also kann man es kaum sehen, nur damit er sieht, wie viel mal hundert Elfmeter sind. Die Rakete fliegt weiter, und im Ergebnis ist das, was auf die Erde zurückkommt, diese Kapsel. Das ist das, was dann irgendwann hoffentlich im Wasser landet, von dem ganzen Teil.
Ich habe gedacht, irgendwie ist das schon eine schöne Anschauung für Glaube, Hoffnung und Liebe. Warum? Entschuldigung, ich muss mich gerade sortieren jetzt hier. Schön, ich habe den Zettel gar nicht mehr, ist aber auch egal, doch darunter ist er. Glaube und Hoffnung sind wie so zwei Raketenstufen von einer Trägerrakete, die den Flugkörper in den Himmel hineinschießen. Aber der Glaube hört irgendwann auf, der Glaube, der uns rettet. Wir hatten das am Sonntagmorgen bei dieser Frau, dieser Sünderin, wo der Jesus sagt: Geh hin, dein Glaube hat dich gerettet. Der Glaube bringt uns in den Himmel, und die Hoffnung wendet unseren Blick von der Erde weg. Aber unser Glauben wird bald schon zum Schauen, und unsere Hoffnung erreicht bald das Ziel. Aber was bleibt, ist die Liebe.
Das finde ich so gewaltig. Vielleicht können wir das einfach mitnehmen: Liebe, die nichts irgendwie mit Erfolg zu tun hat, Liebe, die auch keine Garantie für Erfolg ist. Das Einzige, was Paulus hier festhält am Ende, ist, dass die Liebe ewig hält, dass die Liebe niemals vergehen wird. Und deswegen ist es so wichtig, dass wir uns danach ausstrecken, nach der Liebe. Und Johannes schreibt in seinem ersten Brief, und damit möchte ich schließen: Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm.
Schlussgebet
Ja, wir stehen noch auf, und ich bete noch.
Lieber Jesus, ich bin dir dankbar für diese Zeit, die wir hier gemeinsam geniessen durften. Danke für dein Wort, Herr, es ist so lebendig. Es ist kein leeres Wort, sondern es ist unser Leben.
Und wenn wir diesen 1. Korintherbrief aufschlagen, dann schlägt uns da so viel entgegen, dass die Zeit dafür gar nicht reicht. Und Herr, wir haben festgehalten, dass Liebe ewig ist, und das ist so gut. Denn so vieles in unserem Leben ist vergänglich, so vieles hört auf. Von so vielen müssen wir uns verabschieden, von Menschen, von Dingen, aber auch von Gewohnheiten, die schlecht sind. Die wollen wir hinter uns lassen. Wir brauchen einfach deine Liebe.
Und deswegen ist es so ein gewaltiges Geschenk, dass du uns diese Liebe zusprichst, dass wir lieben dürfen, weil du uns zuerst geliebt hast. Das ist ja schon abgeschlossen her. Wir danken dir für dein Werk am Kreuz, Herr. Wir danken dir, dass du diesen Weg durchgehalten hast bis zum Ende, dass du nicht auf diese zwölf Legionen gesetzt hast und eine gewaltige Befreiungsaktion für dich gestartet hast, sondern dass du gestorben bist für unsere Schuld, um uns zu Kindern Gottes zu machen, damit wir zu diesem gewaltigen Schöpfer Himmels und der Erde Vater sagen dürfen.
Wir haben das kurz betrachtet, wie gross das Universum ist. Und du hältst es alles in deiner Hand, und du hältst es auch am Laufen. Dafür wollen wir dir einfach danken von ganzem Herzen.
Ich möchte dich für die Geschwister hier vor Ort bitten, dass du sie segnest, dass du bei dieser Gemeinde bist und dass du sie ausfüllst. Du hast Gedanken des Friedens hier, und da wollen wir dich einfach bitten, dass du dich hier vor Ort auch verherrlichst, Herr.
Wir bitten dich, dass du uns jetzt auf dem Nachhauseweg begleitest. Geh du mit. Danke, dass du unser grosser Gott bist!
Wir befehlen dir vor allen Dingen alte und kranke Geschwister an, Herr, und bitten dich, dass du sie aufrichtest. Wir bitten dich für trauernde Geschwister, dass du sie als der Gott allen Trostes tröstest.
Danke dafür, du grosser Gott! Amen!
