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Worüber Satan in Rage gerät

Nehemia - aufbauen. erneuern. beleben, Teil 5/15
05.04.2020Nehemia 3-4
SERIE - Teil 5 / 15Nehemia - aufbauen. erneuern. beleben
Was passiert, wenn du beginnst, Gottes Plan zu leben? Warum kommen dann Widerstand, Spott und Angriffe – und wie kannst du trotzdem stark bleiben? Dieses Erlebnis von Nehemiah zeigt: Wenn du Gottes Auftrag folgst, wirst du herausgefordert, doch mit Glauben, Gebet und Gemeinschaft kannst du gegen alle Feinde bestehen.

Herzlich willkommen bei der Christusgemeinde Emmending!

Du bist der Weg zum Vater. Wir wollen dich hoch erhoben sehen, als Zeichen des Sieges in unserem Land. Damit jeder sieht, erkennt und weiß: Du bist der Weg zum Vater.

Nur Jesus, dich, nur Jesus, dich wollen wir hoch erhoben sehen. Schritt für Schritt gehen wir voran und nehmen das Gute ein.

Bitte, nur Jesus, dich, nur Jesus, dich wollen wir hoch erhoben sehen. Schritt für Schritt gehen wir voran und nehmen das gute Land ein.

Das Gebet ist unsere Waffe. Siegt uns den Sieg, den Sieg, den Sieg, den Sieg!

Wir wollen dich hoch erhoben sehen, als Zeichen des Sieges in unserem Land, damit jeder Sieg erkennt und weiß: Du bist der Weg zum Vater.

Wir wollen dich hoch erhoben sehen, nur Jesus, dich, nur Jesus, dich wollen wir hoch erhoben sehen.

Wir wollen dich hoch erhoben sehen, wir wollen dich hoch erhoben sehen, wir wollen dich hoch erhoben sehen, wir wollen dich hoch erhoben sehen.

Wir wollen dich hoch erhoben sehen, wir wollen dich hoch erhoben sehen, wir wollen dich hoch erhoben sehen, wir wollen dich hoch erhoben sehen.

Wir wollen dich hoch erhoben sehen, wir wollen dich hoch erhoben.

Begrüßung und Ankündigungen zum Online-Gottesdienst

Hallo und willkommen zum Online-Gottesdienst der Christusgemeinde! Wir feiern Gottesdienst – wir hier in Minimalbesetzung im Gemeindehaus und ihr daheim an den Bildschirmen.

Bevor wir Gott besingen und anbeten, möchten wir noch zwei Informationen weitergeben.

Morgen starten wir mit unserem Sieben-Tage-Gebet. Von Montag bis Sonntag treffen wir uns jeden Abend um 20.15 Uhr, um gemeinsam zu beten. Jedes Jahr findet unser Sieben-Tage-Gebet statt, und auch dieses Jahr wollen wir es trotz der Corona-Pandemie nicht ausfallen lassen. Wir werden uns in Telefonkonferenzen treffen. Die Nummern, unter denen ihr teilnehmen könnt, werden noch veröffentlicht. Wir freuen uns, wenn wir uns an jedem Abend der Osterwoche von Montag bis Sonntag sehen.

Ausgenommen ist der Mittwochabend. An diesem Abend treffen wir uns in den normalen DNA-Tele-Gruppen. Wie ihr wisst, haben wir unseren Bibelabend, bei dem wir seit Kurzem durch den Korintherbrief gehen. Im Anschluss an den Bibelabend werden wir in unsere DNA-Gruppen gehen.

Das war der erste Punkt. Der nächste betrifft die aktuelle finanzielle Situation. Manche kommen gerade in eine große Not. Die Portemonnaies werden dicker und dicker, weil es keine Möglichkeit gibt, die wöchentliche Spende am Sonntag abzugeben. Für einige ist das ein echtes Dilemma.

Tatsächlich haben mich bereits einige gefragt, wie sie die Gemeinde finanziell unterstützen können, da die sonntägliche Kollekte ausfällt. Das ist eine wichtige Frage für uns als Gemeinde. Nach mehreren Wochen Online-Gottesdiensten werden uns mehrere Tausend Euro im Gemeindehaushalt fehlen.

Deshalb ist es uns ein Anliegen, sicherzustellen, dass ihr, wenn ihr die Gemeinde finanziell unterstützen möchtet, wisst, wie ihr das tun könnt. Wir bitten euch, das, was ihr normalerweise in die Kollekte gegeben habt, zukünftig per Überweisung an die Gemeinde zu senden.

Die Kontoinformationen werden unter diesem Video verlinkt. Dort könnt ihr sehen, wohin ihr spenden oder überweisen könnt.

Außerdem prüfen wir gerade die Möglichkeit einer direkten Online-Spende. Bislang sind die guten alten, normalen Überweisungen möglich, und diese könnt ihr gerne nutzen. Weitere Online-Spendenmöglichkeiten werden hoffentlich bald zur Verfügung stehen. Darüber werden wir euch informieren.

Gebet zur Eröffnung des Gottesdienstes

Bevor wir jetzt in die Anbetung gehen und Gott mit Liedern ehren, möchte ich gerne gemeinsam mit uns beten.

Himmlischer Vater, ich danke dir für diesen Tag, den du neu gemacht hast, und für deine Gnade, die immer wieder neu ist. Ich danke dir, dass wir mit einem kleinen Team hier unserer Gesamtgemeinde dienen dürfen. Egal, ob wir am Bildschirm oder hier in diesem Raum sind – wir alle dienen dir gemeinsam.

Wir ehren dich, beten dich an und bitten dich um Stärkung und Auferbauung. Segne uns und erneuere uns von innen heraus. Ich bitte dich, dass du uns gibst, was wir brauchen, und dass du durch dein Wort zu uns sprichst.

Bitte richte diejenigen auf, die in Sorge sind, und die, die krank sind. Strecke deine heilende Hand aus und wirke deine Wunder. Herr, wir glauben, dass du lebendig bist und unser Gebet hörst.

Sei willkommen, stark in unseren Herzen zu wirken und dich auszubreiten. Danke, dass du da bist und uns liebst. Herr, wir lieben dich. Dieser Gottesdienst soll ein Ausdruck unserer Liebe zu dir sein, ein Zeichen, dass wir dir nachfolgen wollen und gerne auf dich hören, weil du gut bist und es wert bist.

Amen!

Lieder und Anbetung

Gesicht ein Gott, und es geschieht, er kommt, und Ängste fliehen. Das ist mein König, König der Herrlichkeit. Sein ist das Reich, von dem auch die Ewigkeit nichts zu fürchten hat.

Der, der lebt, Alpha und Omega, der Zeit wird sein und klar. Berge verbeugen sich vor seinem Angesicht, ein buntes Geschehen. Er kommt, und Ängste fliehen. Ist gar nicht. Dem ich steh, das Licht auf meinem Weg, meine Heimat, mein Zuhause, deine Nähe.

Solange ich weiß, dass der König der Könige nah bei mir bleibt. Ich und in Herrlichkeit die Erde bebt, die Erde bebt. Ich sehe, wie seine Gnade uns von aller Schuld befreit, und jeder sehnt sich.

Sie ist die Hauptstadt der Kirche, die wirtschaftlich geändert wurde. Dann werden wir ernsthaft um See fliehen, es kann geschehen, es kann geschehen!

Zeig mir, wie man liebt, so wie du mich liebst. Lass mich fühlen, was dein Herz bricht. Ich will leben, Herrgott, in deinem Licht, bis ich dann zu dir eingehe.

Hosanna, Hosanna, Hosanna in der Höhe! Hosanna, Hosanna, Hosanna in der Höhe! Hosanna in der Höhe!

Ein König voller Pracht, voll Weisheit und voll Macht. Die Schöpfung betet an, die Schöpfung betet an! Er kleidet sich in Licht, das Dunkel hält nicht und flieht, sobald er spricht, sobald er spricht.

Benefekt! Reißt so groß, so groß ist der Herr. Sein Name sei erhöht, denn er verdient das Lob. Wir singen laut: So ist der Herr! Singt mit mir: So groß ist der Herr! Ihn preisen wir, so groß, so groß ist der Herr! So groß ist der Herr! Singt mit mir: So groß ist der Herr!

Ja, Vater im Himmel, so groß bist du, so groß ist deine Macht und so groß ist deine Liebe zu uns Menschen. Ich danke dir, Herr, dass wir dich anbeten dürfen.

Herr, du hast gesagt, dass wir dich anbeten dürfen, dass wir dich anbeten dürfen, dass wir dich anbeten dürfen, dass wir dich anbeten dürfen, dass wir dich anbeten dürfen, dass wir dich anbeten dürfen, dass wir dich anbeten dürfen, dass wir dich anbeten dürfen, dass wir dich anbeten, dass wir dich anbeten, dass wir dich anbeten, dass wir dich anbeten, dass wir dich anbeten, dass wir dich anbeten, dass wir dich anbeten, dass wir anbeten, dass wir anbeten, dass wir anbeten, dass wir anbeten, dass wir anbeten, dass wir anbeten, dass wir anbeten.

Dass wer dich aufrichtig sucht, dass du dich finden lassen willst, Herr. Wir stehen heute Morgen vor dir, dem einzig wahren Gott, und wir singen dir unser Lob. Wir bringen dir unsere Anbetung, denn nur du allein bist es wert, Herr, dass man dich preist und ehrt.

Herr, ich danke dir, ich danke dir für alles. Ich danke dir jetzt auch für diese Zeit, auch die Zeit der Krise, in der wir stehen, in der die ganze Welt ist. Aber danke, dass du gesagt hast, dass du auch in diesen Zeiten bei uns bist und deinen Arm ausstreckst, uns bewahrst und beschützt.

Ich danke dir, dass wir mit dir rechnen dürfen, dass wir nicht alleine sind und nicht ohne Hoffnung. Du bist unsere Hoffnung.

Und ich danke dir. Ich möchte dich einfach bitten für heute Morgen, dass du dein Wort, das wir hören, an uns segnest, Herr. Salbe Waldemars Lippen, der dein Wort bringt, Herr, und salbe du unsere Ohren, Herr, dass wir rechte Hörer und somit auch Täter deines Wortes werden. Amen.

Einführung in die Nehemia-Predigtreihe und historische Einordnung

Endlich können wir unsere Nehemiapredigt 3 fortsetzen, nach einigen Wochen Zwangspause. Nun beschäftigen wir uns weiter mit dem Nehemiabuch. Als kurze Hinführung zu unserem Text, der in Nehemia 3 ab Vers 33 beginnt – in manchen Bibeln beginnt dieser Abschnitt ab Nehemia 4, da es unterschiedliche Zählweisen gibt –, wollen wir die Situation kurz verstehen, in der wir uns befinden.

Jerusalem, der Ort der Anbetung Gottes, ist zerstört. Nehemia, ein Jude, ist davon sehr bewegt. Er hat den Wunsch, dass Jerusalem wieder aufgebaut und aufgerichtet wird. Nehemia war am Königshof von König Artaxerxes als Bediensteter tätig, genauer gesagt als Mundschenk. Sein Wunsch war es, zurückkehren zu können an den Ort seiner Bestimmung als Jude, nämlich nach Jerusalem. Dort, wo Gott sein Haus haben möchte und wo er angebetet werden soll.

Tatsächlich fand Nehemia Gunst beim König und konnte mit anderen Juden aus dem Land der Verschleppung zurückkehren. Dort begannen sie mit den Aufbauarbeiten. Nehemias Aufgabe war es, die Stadtmauern aufzubauen. Wie wir in den vergangenen Predigten gehört haben, war eine Stadt ohne Mauer eigentlich keine Stadt. Sie war schutzlos, und die Feinde konnten tun, was sie wollten. Um das zu verhindern, wurden Mauern um Städte errichtet, so auch um Jerusalem. Diese Mauern sollten Schutz bieten, damit man sich dort frei bewegen und das tun konnte, was man als Jude tun wollte.

Allerdings war Israel von feindlichen Mächten umgeben, was immer wieder zu Nöten führte. Dies werden wir jetzt auch gleich sehen, wenn wir in Nehemia 3 gehen. Ich möchte die Verse lesen, Nehemia 3, Verse 33 bis 35, also nach einer gewissen Zeit der Aufbauarbeiten an der Mauer.

Die Reaktion der Feinde auf den Mauerbau

Wie in Kapitel 3 beschrieben, heißt es in Vers 33: „Und es geschah, als Sanballat hörte, dass wir die Mauer bauten, da wurde er zornig und ärgerte sich sehr. Er spottete über die Juden und sprach zu seinen Brüdern und zur Oberschicht von Samaria: ‚Was machen die ohnmächtigen Juden? Wollen sie Jerusalem für sich befestigen? Wollen sie zum Opfer schlachten? Wollen sie es heute vollenden? Wollen sie die Steine aus den Schutthaufen wieder zum Leben bringen? Sie sind doch verbrannt!‘“

Tobija, der Ammoniter und somit ein weiterer Feind der Israeliten, stand neben ihm und sagte: „Was sie auch bauen mögen, wenn ein Fuchs daran hinaufspringt, reißt er ihre Steinmauer ein.“ Die Feinde sehen also, dass die Mauer aufgebaut wird. Sie haben natürlich etwas dagegen, werden zornig und ärgern sich sehr, wie wir hier gerade sehen.

Interessant ist an diesem Text, dass die Juden in Jerusalem alles machen konnten, was sie wollten. Solange sie jedoch nicht das taten, was Gott wollte, gab es keine Probleme mit Feinden. Erst in dem Augenblick, in dem sie begannen, die Dinge zu tun, die Gott gefallen, die Gott will, gab es Zorn und Ärger mit den Feinden, mit ihren umliegenden Gegnern.

Erst als sie anfingen, die Mauer zu bauen, kam Gegenwind von den Feinden. Das ist für uns wichtig zu verstehen, weil wir daraus erkennen, dass wenn wir anfangen, die Dinge zu tun, die Gott gefallen, und die Werke tun, wie es im Epheserbrief heißt, die Werke, die er für uns vorbereitet hat, wir darauf vorbereitet sein sollten, dass dann auch Probleme kommen.

Solange man nicht die Dinge tut, die Gott sich wünscht, die Gott von einem möchte, die Gott von einem fordert, die Gott für einen will, wird man ein ruhiges Leben haben. Genau das haben die Juden dort auch erlebt. Die Feinde hatten so lange kein Problem damit, dass Juden dort waren – Hauptsache, sie taten nicht die Dinge, die Gott auf dem Herzen hatte.

Aber wenn wir anfangen, die Dinge zu tun, die Gott auf dem Herzen hat, dann kommen Probleme, dann kommt Gegenwind. Wichtig ist, dass Nehemia hier nicht seine eigenen Pläne verfolgt. Er hat sich nicht einfach ein Projekt ausgedacht und gesagt: „Ich möchte mal nach Jerusalem gehen und gerne eine Stadtmauer bauen, weil ich schon immer mal eine Mauer bauen wollte.“

Vielmehr lesen wir in den vorherigen Kapiteln, in Kapitel 2, dass Gott ihm diesen Plan aufs Herz gelegt hat. Gott hat es ihm persönlich aufs Herz gelegt, und es war ein Auftrag Gottes.

Das ist genau das Gleiche, was Jesus selbst auch erlebt hat. Wir sehen das am Beginn seines Dienstes. Als Jesus starten wollte mit dem Predigdienst, nach seiner Taufe, wo sein öffentliches Wirken begann, lesen wir in den Evangelien, dass gleich zu Beginn sofort Probleme auftauchen. Satan steht sofort bereit und möchte Jesus den Garaus machen. Satan will das Werk, das Jesus vorhat, das der Vater im Himmel auf dem Herzen hat, zunichte machen, zerstören und dort intervenieren.

Das bedeutet auch für uns: Wer seine eigene persönliche Agenda verlässt und anfängt, Gottes Agenda zu verfolgen, der muss mit Gegenwind rechnen. Genau das beschreibt Jesus auch in Markus 4.

In Markus 4 lesen wir das Gleichnis vom vierfachen Acker. Dort beschreibt Jesus Menschen, wie sie Gottes Wort aufnehmen und was dann mit ihnen passiert, wenn sie Gottes Wort aufnehmen. Es heißt, dass es satanische Angriffe geben wird, Bedrängnis, Verfolgung, Sorgen und trügerische Begierden.

All diese Schwierigkeiten waren nicht da, ehe das Wort Gottes die Menschen getroffen hat. Aber in dem Augenblick, in dem Gottes Wort unsere Herzen trifft und wir bereit sind, es aufzunehmen, beginnen Bedrängnis, Verfolgung, Sorgen und satanische Angriffe.

Die Macht des Spotts als erste Waffe der Feinde

Bevor es im Nehemia-Text zu einer handfesten Auseinandersetzung kommt, beginnt alles mit etwas Interessantem. Die Gegner greifen nicht sofort zu Fäusten, sondern starten mit Spott. Ihre Argumente sind dabei sehr aufschlussreich.

Es heißt, was machen die ohnmächtigen Juden? Wollen sie Jerusalem für sich befestigen? Wollen sie ein Opfer schlachten? In Vers 3,4 heißt es, sie wollen es heute vollenden, die Steine aus dem Schutthaufen wieder zum Leben bringen – doch diese seien doch verbrannt! Ein anderer sagt: Was sie auch bauen mögen, wenn ein Fuchs daran hinaufspringt, reisst er ihre Steinmauer ein.

Sie hinterfragen die Stärke der Juden, bezweifeln ihr Ziel und übertreiben den Zeitpunkt. Wer spricht schon davon, es heute schon zu schaffen? Sie überspitzen ihren Spott und legen die Juden auf ihre Vergangenheit fest, indem sie auf die verbrannten Steine hinweisen. So wollen sie die Gedanken der Juden auf die Vergangenheit fixieren und sie darauf festlegen.

Zu guter Letzt kritisieren sie auch noch die Bemühungen der Juden. Das, was sie gerade tun, wird schlechtgeredet und abgewertet. Allein auf Argumentebene, die total überzogen ist, versuchen sie, die Juden zu drangsalieren. Die Feinde wollen allein durch Spott das Werk zu Fall bringen, den Auftrag Gottes durch schlechte Rede beenden.

Das ist eine ziemlich krasse Sache: Worte können so viel Macht entwickeln, dass die Feinde sagen, wir fangen erst einmal an zu spotten – über diese Kindergottes, über das Volk Gottes. Sie sind zuversichtlich, dass sie mit ihrem Spott die Juden niederhauen können.

Das ist nicht nur eine Erfahrung von Nehemia und den Gläubigen um ihn herum, sondern etwas, das das Volk Gottes zu allen Zeiten erlebt hat. Bedrängnis wird nicht immer sofort handgreiflich, sondern beginnt oft mit Spott.

Deshalb ist dieser Text auch für uns nicht so weit weg. Auch wir können erleben, dass über unseren Glauben und das, was wir für unseren Herrn aus ganzem Herzen tun, gespottet wird. Wir dürfen nicht vergessen, dass der Spott das Ziel hat, das Werk Gottes zu zerstören und uns kaputtzumachen.

Auch Jeremia und andere große Propheten waren davor nicht gefeit. In Jeremia 20,7 und 9 leidet Jeremia richtig. Er sagt zu Gott: „Ich bin zum Gelächter geworden den ganzen Tag. Jeder spottet über mich.“ Er benutzt die gleiche Vokabel, die wir hier in Nehemia 3 finden. „Jeder spottet über mich.“

Später sagt Jeremia: „Ich will nicht mehr.“ Wie kann das sein, dass so ein großer Prophet, der von Gott berufen und bevollmächtigt ist, der das Vorrecht hat, die Worte Gottes zu hören und weiterzugeben, so etwas sagt? Man würde meinen, solche Leute kann nichts umhauen. Doch Jeremia sagt: „Sie spotten über mich.“ Er sagt nicht, sie schlagen mich die ganze Zeit. Er ist zum Gelächter geworden, zur Witzfigur. Und er will nicht mehr.

Wenn man weiterliest, ist es kaum auszuhalten, wie er über seine Geburt spricht und den Tag seiner Geburt verflucht. Das sind harte Worte.

Spott möchte unser Werk und unseren Dienst für Gott zu Fall bringen. Das ist uns vielleicht manchmal nicht so fern.

Die Frage nach dem Sinn des Leidens und die Antwort aus dem Neuen Testament

Bevor wir jetzt einfach weitermachen, beschäftigt mich eine Frage: Wenn man ein Kind Gottes ist, Christ ist und Jesus nachfolgt – was ja irgendwie zum Programm dazugehört – warum sollte man sich dann überhaupt so aufreiben lassen?

Wenn all diese Schwierigkeiten nur dann kommen, wenn ich Gottes Wort in meinem Herzen wirken lasse und ihm nachfolgen möchte, wenn Bedrängnis, Spott und Gegenwind nur dann auftreten, wenn ich Gott treu sein will, warum sollte ich das dann überhaupt tun? Das ist keine schöne Perspektive.

Diese Frage ist zentral, denn wenn wir sie nicht klären, werden wir keinen Millimeter weiterkommen, wenn der Spott kommt. Im 2. Korintherbrief, Kapitel 4, Verse 16-18, spricht Paulus selbst von seinen Bedrängnissen. Dort heißt es:

„Darum ermatten wir nicht, sondern wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, so wird doch der innere Mensch Tag für Tag erneuert. Denn das schnell vorübergehende Leichte unserer Bedrängnis bewirkt uns ein über die Maßen überreiches ewiges Gewicht von Herrlichkeit. Wir sehen nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare; denn das Sichtbare ist zeitlich, das Unsichtbare aber ewig.“

Wir könnten noch andere Passagen lesen. Im 1. Petrusbrief heißt es, dass diejenigen, die für Jesus leiden, den Geist der Herrlichkeit auf sich ruhen haben. Das bedeutet, dass die Kinder Gottes trotz Leid, Druck, Bedrängnis und Verfolgung – auch wenn es zunächst nur beim Spott bleibt, der aber schon heftig genug sein kann, wie wir bei Jeremia gesehen haben – dennoch die Verheißung haben, dass Gott mit seiner Herrlichkeit, Kraft und Größe in der Lage ist, unser Herz zu erfüllen. Er legt ein Gegengewicht.

Deshalb sagt Jesus an einer Stelle zu seinen Jüngern: Wenn ihr jetzt für mich leidet, werdet ihr in Ewigkeit einen Lohn dafür bekommen und schon jetzt vielfach im Hier und Jetzt etwas davon zurückerhalten. Das ist nicht der genaue Wortlaut, aber im Prinzip verspricht uns Gott: Ich lasse dich nicht allein in diesem Ding. Es wird hart, und du wirst auch mit mir im Gebet ringen, aber ich verspreche dir ein Maß an Herrlichkeit, das so überaus groß ist, dass es das, was du gerade an Spott erlebst, komplett überwiegt.

Und das ist auch der einzige Grund, warum es weitergeht – auch bei Nehemia in seinem Werk. Weil diese Herrlichkeit wahr ist, weil der Geist der Herrlichkeit auf uns ruht, wenn wir für Gott leiden. Ist das der einzige Grund, warum es auch bei Nehemia weitergeht?

Nehemia bittet Gott um Gerechtigkeit gegen die Feinde

Und wir lesen weiter in Nehemia 3,36-37: „Höre, unser Gott, wie wir zum Gespött geworden sind, und lass ihre Schmähung auf ihren Kopf zurückkommen. Gib sie der Plünderung preis in einem Land der Gefangenschaft, und decke ihre Schuld nicht zu; ihre Sünde werde vor deinem Angesicht nicht ausgelöscht, denn sie haben in den Bauenden dich zum Zorn gereizt.“

Hier reagiert Nehemia mit einem sehr kühnen Gebet. Christen können solche Gebete, wie Nehemia sie hier betet, oft nicht ertragen. Was Nehemia hier bittet, ist schon ein hartes Stück: „Höre, unser Gott, wie wir zum Gespött geworden sind, und lass ihre Schmähung auf ihren Kopf zurückkommen. Gib sie der Plünderung preis in einem Land der Gefangenschaft, und decke ihre Schuld nicht zu; ihre Sünde werde vor deinem Angesicht nicht ausgelöscht.“

Manche sagen an dieser Stelle: Okay, Nehemia ist schon ein Vorbild im Buch Nehemia, aber hier geht er doch einen gewaltigen Schritt zu weit in seinem Gebet. Packt ihn jetzt hier irgendwie das Rachegefühl? Ist er nicht richtig heiß auf Zorn und lässt das einfach freien Lauf im Gebet? Sollte dieses Gebet wirklich ein Vorbild für uns sein?

Ich glaube nicht. Nehemia ist eben nicht so. Obwohl er so krass betet, ist er nicht von Rache und Zorneslust geleitet. Was Nehemia hier tut, ist, dass er eine emotionale und persönliche Reife besitzt. Er ist in der Lage, nicht oberfromm das Unrecht einfach beiseitezuwischen, als wäre es nicht geschehen. Stattdessen benennt er das Unrecht beim Namen und bringt es zu Gott.

Indem er das Unrecht benennt und sich zu Gott wendet, entgeht er unserem manchmal natürlichen Drang, Selbstjustiz zu üben. Wenn es ihm um Selbstjustiz ginge, dann würde er alle Spötter kurz und klein hauen. Aber das macht Nehemia nicht. Er nimmt nicht das Zepter in die Hand, holt nicht seine Schwerter und schlachtet die Leute ab. Stattdessen tut er etwas anderes: Er geht zu seinem Gott.

Das zeigt, dass er nicht von persönlicher Rache gesteuert ist. Er erkennt das Unrecht und benennt es. Dabei sieht er, dass seine Feinde nicht einfach nur persönliche Gegner sind, sondern eigentlich Gottesfeinde. Sie sind gottfeindlich gesinnt, aber das manifestiert sich in seiner Person.

Nehemia ist nicht der Typ, der alles ultrapersönlich nimmt und nur auf Augenhöhe agiert. Er sieht die geistliche Realität. Er erkennt, dass Menschen gegen Gott rebellieren, und er verkörpert das gerade als Person mit seinen Freunden und seinem Volk. Dieses Unrecht, das er erlebt, möchte er nicht einfach unter den Teppich kehren.

Man könnte sagen, dieses Gebet funktioniert ungefähr so: Herr, es ist nicht dein Stil, großes Unrecht und große Schuld einfach zu übergehen oder darüber hinwegzusehen. Sind wir nicht wertvoll in deinen Augen? Wenn deinen Kindern etwas angetan wird, macht das etwa nichts mit deinem Herzen? Du bist doch ein guter Vater, und weil du ein guter Vater bist, legst du Wert auf Gerechtigkeit und das Wohlergehen deiner Kinder. Wenn dort Unrecht geschieht, registrierst du das.

Es ist nicht dein Ziel, einfach zu sagen: „Ich lasse mal Fünfe gerade sein, das ist nicht so schlimm, das ist doch gar kein Problem.“ Doch, es ist ein Problem. Es gehört zu geistlicher Reife, wenn wir als Christen lernen, so zu beten und zu sagen: Herr, hier ist Unrecht, und wir machen nicht die Augen zu. Wir wissen, du bist ein gerechter und heiliger Gott. Unrecht wird eines Tages von dir zur Rechenschaft gezogen.

Weil das Wahrheit ist, wollen wir dir das bringen. Derek Thomas hat einmal gesagt oder geschrieben, was ich in diesem Zusammenhang sehr lesenswert finde: Wenn wir Probleme mit der Vorstellung haben, dass Gott Rache an seinen Feinden nimmt, dann haben wir eine Sichtweise von Gott angenommen, von der die Bibel nichts weiß. Unser Problem betrifft also die Bibel selbst.

Denn was Nehemia hier tut, sehen wir sehr deutlich in Römer 12,17-19, wie wir mit Unrecht umgehen sollen: „Vergeltet niemand Böses mit Bösem, seid bedacht auf das, was ehrbar ist vor allen Menschen. Wenn möglich, so viel an euch ist, lebt mit allen Menschen in Frieden. Rächt euch nicht selbst, Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes. Denn es steht geschrieben: ‚Die Rache ist mein, ich will vergelten, spricht der Herr.‘“

Und das ist genau das, was Nehemia hier tut. Er rächt sich nicht selbst. Er lässt sich nicht von zornigen Gedanken übermannen und gibt seinen leidenschaftlichen Begierden freien Lauf. Ganz im Gegenteil: Er kennt seinen Gott. Er kennt die Bibel und weiß, wie Gott ist. Er weiß, dass Gott ein liebevoller, eifersüchtiger, eifernder und leidenschaftlicher Gott ist, dem Unrecht nicht egal ist.

In diesem Gebet gibt Nehemia dem Zorn Gottes Raum – nicht seinem eigenen.

Die Bedeutung des Gebets für Nehemiah und die Gemeinde

Die Lektion, die wir in diesen Versen lesen, zeigt sich am Ende von Nehemia Kapitel 3. Nehemia bittet nicht den König Artaxerxes, der ihm ja überhaupt erst ermöglicht hat, nach Jerusalem zu kommen. Er bittet nicht den König um Hilfe, sondern wendet sich an Gott.

Denn letztlich hat nicht König Artaxerxes ihn nach Jerusalem gebracht, sondern das Gebet zu dem lebendigen Gott. Das Gebet war es, das Nehemia nach Jerusalem geführt hat. Deshalb ist es für Nehemia folgerichtig, dass er jetzt wieder zu seinem Gott betet.

Dieses Gebet zu dem lebendigen Gott wird auch das sein, was ihn in Jerusalem halten und erfolgreich sein lassen kann. Das Gebet hat Nehemia nach Jerusalem gebracht und wird ihn auch dort erfolgreich sein lassen.

Lassen Sie uns weiterlesen. Wir lesen Vers 38 und gehen dann weiter bis Kapitel 4, Vers 2.

Fortschritte beim Mauerbau und die Reaktion der Feinde

Wir aber bauten die Mauer weiter auf, sodass die ganze Mauer bis zur Hälfte geschlossen werden konnte. Das Volk war mit ganzem Herzen an der Arbeit.

Als Sanballat, Tobija, die Araber, Ammoniter und Aschdoditer hörten, dass die Ausbesserung der Mauern Jerusalems Fortschritte machte und die Breschen sich zu schließen begannen, wurden sie sehr zornig. Sie schlossen sich alle zusammen, um gegen Jerusalem zu kämpfen und darin Verwirrung anzurichten.

Auf das Gebet von Nehemia folgt die Fortsetzung des Mauerbaus. Es ist interessant zu beobachten, dass wenn wir beginnen, Widerstände zu überwinden – so wie Nehemia es durch Gebet tat – und für Gottes Sache mit ganzem Herzen und in Einheit arbeiten, dann gerät Gottes Feind in Rage. Der Feind Gottes kann es nicht ertragen, wenn wir Widerstände überwinden und gemeinsam mit ganzem Herzen für Gottes Sache tätig sind.

Besonders spannend ist die Parallele im Hebräischen: Es heißt, dass die Mauer geschlossen wird – sie ist also schon weit fortgeschritten. Gleichzeitig lesen wir dasselbe Wort dafür, dass die Feinde sich zusammenschließen. Genau das Gleiche passiert auf der Gegenseite. Was im Reich Gottes geschieht, findet im Reich der Finsternis auf ähnliche Weise statt. Die Mauer beginnt zu schließen, und der Feind verbündet sich und schließt sich ebenfalls zusammen. Es ist kein Zufall, dass Nehemia hier dasselbe Verb verwendet.

Außerdem heißt es, dass die ganze Mauer rundherum steht. Sie ist zwar noch nicht komplett aufgebaut, sondern erreicht etwa die halbe Höhe. Manchmal gibt es noch Passagen, durch die Feinde eindringen könnten, aber im Großen und Ganzen ist die Mauer fast vollständig umschlossen.

Spannend ist auch, dass in Kapitel 4, Vers 1, die Feinde aufgelistet werden. Wenn man eine Landkarte betrachtet, sieht man, dass der Feind genau das Gleiche tut: Er kommt vom Norden, Süden, Westen und Osten. Zum ersten Mal in der Nehemia-Erzählung sind die Feinde ringsum. Sie haben sich nicht nur verbündet, sondern kommen aus allen Himmelsrichtungen.

Für uns ist wichtig zu erkennen, dass, auch wenn Satan hier nicht explizit genannt wird, wir durch Gottes Wort wissen, dass Satan hinter jeder Attacke gegen die Kinder Gottes steht. Er ist die treibende Kraft hinter diesen Angriffen. Satan wird Kräfte vereinen, um gegen uns zu kämpfen. Wo wir mit vereinten Kräften zusammenstehen, wird auch Satan Koalitionen bilden und Allianzen schließen, die es vielleicht vorher nicht gab.

Satan wird keine Himmelsrichtung einfach aufgeben oder offenlassen. Er wird versuchen, von allen Seiten zu kommen und den Kampf auf jeder Ebene zu führen, um uns zu drangsalieren. Er wird nicht nur auf eine Weise angreifen, sondern auf unterschiedliche Arten versuchen, die Kinder Gottes zu zerdrücken.

Denn wir wissen aus 1. Petrus 5,8, dass Satan mit einem brüllenden Löwen verglichen wird. Er geht umher und sucht, wen er verschlingen kann. In einer Predigt im letzten Jahr habe ich erwähnt, dass Löwen oft Rudeltiere jagen, die schwach und abseits der Herde stehen. Durch ihre Jagdstrategie trennen sie das Tier endgültig von der Herde.

So versucht auch Satan, Zugriff auf das Volk Gottes, auf die Kinder Gottes zu bekommen. Deshalb ist es wichtig, dass wir miteinander kämpfen und vereint stehen. Wenn der Feind aus allen Himmelsrichtungen kommt, können wir nicht einfach eine Flanke öffnen. Wir müssen die Herde gut zusammenhalten und schwache Schafe nicht abseits stehen lassen.

Wir dürfen dadurch keine Angriffsfläche bieten, sondern müssen uns von allen Seiten schließen und gemeinsam vereint kämpfen. Denn Satan wird ebenfalls vereint gegen uns streiten und aus allen Himmelsrichtungen angreifen.

Die Krise der Bauarbeiter und Nehemia ermutigt zum Vertrauen auf Gott

Und diese gegnerischen Angriffspläne blieben nicht ohne Wirkung, das lesen wir jetzt in den Versen 3 bis 8. Ich muss hier mal ganz kurz etwas nachschauen, einen Augenblick. Meine Stoppuhr geht hier die ganze Zeit aus. Die Verse 3 bis 8 lauten:

„Da beteten wir zu unserem Gott und stellten eine Wache gegen sie auf, Tag und Nacht zum Schutz vor ihnen. Und das Volk von Juda sagte: ‚Die Kraft der Lastträger schwindet, und es ist noch so viel Schutt da, wir allein schaffen es nicht mehr, an der Mauer zu bauen.‘ Unsere Bedränger aber sagen sich: ‚Sie sollen es nicht erkennen und sollen nichts von uns sehen, bis wir mitten unter sie gekommen sind und sie erschlagen und das Werk zum Stillstand bringen.‘“

Und es geschah, als die Juden, die neben ihnen wohnten – also neben den Bedrängern –, kamen und uns wohl zehnmal sagten: „Von allen Orten, wohin ihr euch auch wenden mögt, sie sind gegen uns.“ Da stellte ich an allen Stellen, die niedriger waren als der Platz hinter der Mauer, an den offenen Stellen, das Volk auf, nach Sippen geordnet, mit ihren Schwertern, ihren Lanzen und ihren Bögen. Und als ich ihre Furcht sah, da machte ich mich auf und sagte zu den Edlen und zu den Vorstehern und zum Rest des Volkes: „Fürchtet euch nicht vor ihnen! Denkt an den Herrn, den Großen und Ehrfurchtgebietenden, und kämpft für eure Brüder, eure Söhne und eure Töchter, eure Frauen und eure Häuser!“

Also, nachdem wir in Kapitel 4 lesen, dass die Feinde sich von allen Himmelsrichtungen auf Jerusalem fixierten und gegen sie arbeiten wollten, sehen wir, was für ein herrliches Bild: Das Volk beginnt zu beten. Das ist aber nur die eine Seite, denn sie beten zwar, geraten aber gleichzeitig in eine echte emotionale Krise. Das Volk betet, ist aber gleichzeitig in einer Krise.

„Da beteten wir zu unserem Gott und stellten auch Wachen gegen sie auf, und das Volk von Juda sagte: Die Kraft der Lastträger schwindet, und es ist auch so viel Schutt, wir allein schaffen es nicht mehr, an der Mauer zu bauen.“

Wir haben also ein Volk, das irgendwie betet, aber gleichzeitig total niedergeschlagen und entmutigt ist und bereit, aufzugeben. Ich finde es schön, wie Nehemia das hier aufschreibt, dass er dieses Paradox aufzeigt. Er zeigt nicht einfach Menschen, die ihren Gott kennen, beten und dann über die Probleme hinwegfliegen. Nein, sie beten, und das Gebet mag vielleicht richtig geklungen haben, aber was danach beschrieben wird, zeigt uns: Sie haben zwar vielleicht richtig gebetet, aber sie haben dem, was sie gebetet haben, nicht geglaubt. Vielmehr glaubten sie ihren Umständen mehr als dem, zu dem sie gebetet hatten.

Denn ansonsten wäre diese Krise nicht vorhanden, sonst wären sie nicht in dieser krassen Entmutigung bereit, komplett aufzugeben. Sicherlich waren sie physisch und psychisch wahrscheinlich wirklich sehr gebeutelt. Aber wir sehen hier auf der einen Seite das Gebet, bei dem man denken müsste: „Hey, sie werfen sich auf Gott, der wird doch Kraft geben!“ Aber irgendwie hat ihr Gebet nicht das bewirkt, was wir so gerne lesen würden, wenn wir weiterlesen. Stattdessen lesen wir genau das Gegenteil. Wir sehen sehr ohnmächtige, schwache Menschen, die eben gerade noch gebetet haben, aber irgendwie ist von dem Gebet nichts übrig geblieben.

Und was tut Nehemia? Nehemia stellt sich an ihre Seite, ist fürsorglich für sie da und ermutigt sie. In Vers 8 heißt es: „Und als ich ihre Furcht sah, da machte ich mich auf und sagte: ‚Fürchtet euch nicht vor ihnen! Denkt an den Herrn, den Großen und Ehrfurchtgebietenden, und kämpft für eure Brüder, eure Söhne und eure Töchter, eure Frauen und eure Häuser!‘“

„Wir allein schaffen es nicht.“ Das ist eben gerade: Sie beten, und dann sagen sie: „Wir allein schaffen es nicht.“ Wer hat gesagt, dass sie es alleine schaffen sollen? Nehemia antwortet ihnen: Besinnt euch in euren Umständen auf Gott, besinnt euch nicht auf eure eigene Kraft, sondern auf den großen und Ehrfurcht gebietenden Gott.

Und in Wahrheit ist es nicht so, wenn wir uns diese Passage durchlesen, dass man sagen könnte: Ja, wir sind in der Regel die Nehemias, die hier herumwandeln und alle anderen ermutigen. Sondern wir möchten uns gerne mit den großen Figuren identifizieren, aber meistens ist es doch so, dass wir uns mit den Schwachen identifizieren – mit dem Volk, das total entmutigt ist. Wir sind das Volk, könnte man jetzt an dieser Stelle sagen, wir gleichen diesem Volk, das oft entmutigt ist, zwar betet, aber dennoch dann irgendwie bei sich selber stehen bleibt und sagt: „Wir allein schaffen es nicht, ich allein schaffe es nicht.“

Und dann kommt ein Nehemia. Dieser Nehemia ist eigentlich nur schon ein großer Schatten von dem, der kommen sollte, nämlich Jesus Christus. Jesus kommt und sagt: „In der Welt habt ihr Angst? Glaubt an Gott, glaubt an mich.“ Jesus ist der ultimative Ermutiger, der zu uns kommt, wenn wir als Volk wieder nur uns sehen, nur unsere eigene Schwachheit und sagen: „Es geht nicht weiter.“ Aber Jesus ist da, er benennt unsere Angst, wendet den Blick auf den, der helfen kann: „Glaubt an Gott, glaubt auch an mich.“ Und das tut auch hier Nehemia: „Fürchtet euch nicht vor ihnen! Denkt an den Herrn, den Großen und Ehrfurchtgebietenden!“

Warum erinnert Nehemia hier mit diesen Worten ausgerechnet an den großen und ehrfurchtgebietenden Gott? Warum tut er das? Das tut er nämlich öfter. Im Buch Nehemia wird Gott immer wieder so beschrieben, als der Große und Ehrfurchtgebietende. Ich glaube, Nehemia macht das aus folgendem Grund: In dem Augenblick, als er noch im Land der Verschleppung war, am Königshof, hat er mit derselben Formulierung zu seinem Gott gebetet. Er hat Gott genau so angesprochen und selbst seine Situation erkannt: „Ich bin absolut in einer unmöglichen Lage, mich hier hinaus zu navigieren und das zu tun, was Gott möchte. Es ist unmöglich, ich kann nicht. Ich sitze hier fest, alle Umstände um mich herum sagen Gefangenschaft, Ohnmacht. So gern ich es auch will, ich kann nicht!“

Aber Nehemia besinnt sich auf den großen und ehrfurchtgebietenden Gott, der größer ist als seine Umstände. Nehemia hat dasselbe durchlebt und mit dieser eigenen Erfahrung, die er hat, geht er jetzt zu seinen Brüdern und Schwestern und sagt: „Hey Leute, ich bin im selben Boot wie ihr, ich habe dasselbe erlebt, und es gibt Hoffnung. Nicht schaut mich an!“

Das ist nicht seine Hoffnung. Seine Hoffnung ist: Es gibt einen Gott, der lebendig, groß und ehrfurchtgebietend ist und eure Umstände übertrumpfen kann. Und das ist seine Hoffnung. Deswegen kann er zu diesen Mutlosen gehen und ihnen beistehen. Er kommt nicht von oben herab, sondern auf ihre Ebene und zeigt ihnen den Weg raus aus dieser Bedrängnis, raus aus dieser Ohnmacht, damit eben nicht die Feinde Recht behalten.

Denn sie haben gespottet: „Oh, schaut mal die ohnmächtigen Juden an.“ Ja, die Feinde haben auch Recht – aber nur dann, wenn wir unseren Gott vergessen. Wenn wir unseren Gott im Blick behalten, dann müssen unsere Feinde zum Schweigen gebracht werden. Aber nur dann, wenn Gott im Fokus ist, wenn wir einen gottfokussierten Blick haben.

Darum heißt es auch in Hebräer 11,6, ein wunderbares Wort: „Ohne Glauben aber ist es unmöglich, Gott wohlzugefallen; denn wer zu Gott kommt, muss glauben, dass er ist und denen, die ihn suchen, ein Belohner sein wird.“ Wenn wir zu Gott kommen, will Gott, dass wir glauben. Und was sollen wir glauben? Wir sollen glauben, dass er uns belohnen wird, dass er uns von sich her geben wird, dass er uns segnen und überreich beschenken wird.

Das ist es, was wir im Hebräerbrief lesen, und das ist es, was Nehemia persönlich erlebt hat und wozu er seine Freunde, seine jüdischen Freunde, auffordert, dass sie es ihm gleich tun.

Gottes Treue wird dadurch offenbar, dass die Pläne der Feinde tatsächlich vereitelt werden – und schaut mal, durch wen. In Vers 9 heißt es: „Und es geschah, als unsere Feinde hörten, dass es uns bekannt geworden war und dass Gott ihren Rat zunichte gemacht hatte, da konnten wir alle zur Mauer zurückkehren, jeder an sein Werk.“

Ebenso war noch die fette Krise, ebenso war alles noch unmöglich. Die Juden waren außer sich, sie haben nur auf sich geschaut. Dann kamen Leute zu Nehemia und sagten ihm zehnmal dasselbe. Damit möchte Nehemia zum Ausdruck bringen: Sie lagen uns in den Ohren, sie haben die ganze Zeit gesagt: „Von allen Orten, wohin ihr euch auch wenden mögt, sie sind gegen uns. Unmöglich, unmöglich, unmöglich!“ Sie lagen uns damit in den Ohren.

Und durch dieses schwache Bodenpersonal hat Gott den Plan der Feinde vereitelt. Das ist krass, denn das lesen wir in Vers 9: „Und es geschah, als unsere Feinde hörten, dass es uns bekannt geworden war und dass Gott ihren Rat zunichte gemacht hatte, da konnten wir alle zur Mauer zurückkehren und jeder an sein Werk gehen.“

Also gebraucht Gott in seiner Treue genau diese schwachen Gefäße, dort, wo sie in Hysterie waren und gedacht haben, es ist nichts möglich. Genau das gebraucht Gott, diese Schwäche, um seine Stärke und seine Größe sichtbar zu machen.

Denn genau darin zeigt sich die Größe Gottes hier in dieser Szene. Nicht an den großen Juden, die eine tolle Mauer gebaut haben und jeden Feind abwehren können, nein. Gott nimmt das Schwächste, wo diese Menschen selber sagen: „Mit mir ist nichts mehr zu machen.“ Genau das nimmt Gott und zeigt seine Größe – und das ist wirklich ehrfurchtgebietend.

Wenn man das erlebt, wenn man das durchlebt, dass Gott wirklich das schwächste Bodenpersonal – und dazu gehören wir alle irgendwann mal – gebrauchen kann, um seine Ehre großzumachen, um zu sein, sie zu kommen. Das ist Wahnsinn! Das genau passiert hier und muss eine mega Ermutigung gewesen sein für die Juden in diesen Tagen, dass sie gedacht haben: „Wow, nicht aufgrund meiner Stärke, sondern weil mein Gott stark ist.“

Gemeinsames Arbeiten und Bewaffnung gegen die Feinde

Und das Erlebte hat dann auch Folgen. Wir lesen die letzten Verse von zehn bis siebzehn:

„Und es geschah von diesem Tag an, dass die eine Hälfte meiner jungen Männer an dem Werk beschäftigt war. Die andere Hälfte hielt die Speere, die Schilde, die Bögen und die Schuppenpanzer bereit. Die Obersten standen hinter dem ganzen Haus Juda, das an der Mauer baute. Die Lastträger trugen ihre Last folgendermaßen: Mit der einen Hand arbeiteten sie am Werk, während die andere die Waffe hielt. Von den Bauleuten hatte jeder sein Schwert um die Hüften gegürtet. So bauten sie, und der, der im Zorn zu stoßen hatte, war neben mir.

Ich sagte zu den Edlen, zu den Vorstehern und zu dem Rest des Volkes: ‚Das Werk ist groß und weitläufig, und wir sind auf der Mauer zerstreut, jeder weit entfernt von seinen Brüdern. An dem Ort, wo ihr den Schall des Horns hört, dorthin sammelt euch zu uns. Unser Gott wird für uns kämpfen.‘

So arbeiteten wir an dem Werk. Die Hälfte von ihnen hielt die Lanzen bereit vom Aufgang der Morgenröte an bis die Sterne hervortraten. Zur selben Zeit sagte ich auch zum Volk: ‚Jeder soll mit seinem Helfer die Nacht über innerhalb Jerusalems bleiben, damit sie uns nachts als Wache dienen und tagsüber am Werk.‘

Weder ich noch meine Brüder, noch meine Diener, noch die Männer der Wache, die in meinem Gefolge waren, zogen ihre Kleider aus. Jeder hatte seine Waffe zu seiner Rechten.“

Die Angriffe, der Gegenwind, wenn der Feind tobt, hatten Auswirkungen auf Nehemia und auf das gesamte Volk. Sie legten die Waffenrüstung nicht mehr ab. Sie hielten sie an sich, behielten sie an.

Jeder, der im letzten Jahr die Gottesdienste besucht und die Predigten gehört hat, dem klingt vielleicht die Waffenrüstung Gottes vertraut. Die Elemente der Waffenrüstung Gottes finden wir hier in Nehemia: Schild, Brustpanzer, Schwert. Wir finden auch das Gebet, ein weiteres Element der geistlichen Waffenrüstung.

Diese Waffenrüstung legten sie nicht mehr ab. Der feindliche Angriff prägte ihren weiteren Weg. Sie gingen nicht einfach zur Tagesordnung über, als sei nichts gewesen.

Wenn ein Christ erlebt, dass es in der Nachfolge zu Widerständen kommt und dass er sich rüsten muss, dass er sich panzern muss, wird er darauf achten und auch müssen, diese Waffenrüstung nicht wieder abzulegen. Er wird in Wachsamkeit und Bereitschaft sein.

Diese Passage zeigt uns: Der Plan wurde von den Feinden vereitelt, aber wir müssen trotzdem wachsam bleiben. Der Feind ist jetzt nicht einfach verschwunden und schläft, sondern er wird wiederkommen. Wir müssen uns bereit machen.

Das, was wir erlebt haben, sollte uns jetzt für unser Hier und Jetzt und für die Zukunft vorbereiten – für das, was kommt. Auch wir müssen bereit sein. Wir als Christusgemeinde müssen bereit sein, auch in dieser Zeit, denn Satan tobt.

Wenn du und ich anfangen, unsere eigene persönliche Agenda, unsere eigenen Ziele und Sehnsüchte abzulegen und stattdessen Gottes Agenda verfolgen, und wenn wir darin sogar noch Einheit haben – und dazu sind wir aufgerufen, weil es uns schützt –, dann wird der Kampf noch extremer.

Doch mit Jesus Christus auf unserer Seite haben wir jemanden, der die Attacken, Anschläge und Pläne unseres Feindes vereitelt. Er ist in der Lage, uns zu schützen – auch wenn es extrem wird, auch wenn es hart wird, auch wenn wir von allen Himmelsrichtungen angefeindet werden.

Mit Jesus Christus auf unserer Seite haben wir jemanden, der diese Pläne vereiteln kann. Und dazu wird er dich und mich gebrauchen, auch wenn wir schwach sind.

Darum, und damit will ich schließen: Fürchtet euch nicht! Fürchtet euch nicht! Denkt an den Großen und Ehrfurcht gebietenden Herrn. Amen.

Schlusslied und Ausklang des Gottesdienstes

Weißt du, du gehst mit mir. Deshalb gehe ich weg vom Erschau, nur auf dein Herz hin. Du kennst das ganze Weh.

Und während mich dein Trost umschließt, spüre ich, wie du mir Seelen gibst. Du lebst mich aus, um dir zu verleihen.

Und selbst wenn alle Wände bangen, Sturm und Regen um mich wehen, halte ich alles aus, weil Jesus mit mir geht.

Wenn der Feind um mich her ist und die ganze Erde weht, halte ich alles aus, weil...

Ist das in Deutschland?

Während mich dein Trost umschließt, spüre ich, wie du mir Frieden gibst. Du lebst mich aus, um dir zu vertrauen.

Und selbst wenn alle Wände bangen, Sturm und Regen um mich wehen, halte ich aus.

Das, was ich brauche, bist du!

Einladung zur Gemeinschaft und gemeinsames Vaterunser

Wir sind am Ende unseres Gottesdienstes angekommen. Kaffee, Kuchen und Gebäck können wir euch heute leider nicht anbieten. Dafür müsst ihr jetzt zuhause selbst sorgen.

Die Gemeinschaft soll jedoch nicht verloren gehen. Nach dem Gottesdienst, nach der Aufnahme und nach dem Video hier werden wir uns in unseren DNA-Telegruppen zusammentreffen. Ihr habt die Nummern und die Zugangscodes. Nehmt das Telefon in die Hand, trefft euch und habt Gemeinschaft miteinander.

Tauscht euch aus über das, was ihr gehört habt. Erinnert euch, wie Nehemia, an den großen und ehrfurchtgebietenden Gott. Betet füreinander und segnet einander. Das, was wir hier Woche für Woche immer wieder tun – uns zu ermutigen, zu stärken und einander beizustehen – wollen wir nicht missen. Das werden wir auch gleich in den Telegruppen gemeinsam tun.

Zum Abschluss des Gottesdienstes möchte ich gemeinsam mit euch und mit uns hier in unserer kleinen Besetzung das Vaterunser beten. Wir beten:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. Amen.