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Psalm 100

Wie kann ich Gott von Herzen danken?
Psalm 10006.06.2015
SerieTeil 23 / 26Die Psalmen - das Gesang- und Gebetbuch der Bibel
Warum Gott danken, obwohl das Leben oft genug nervt? Der kurze Psalm zeigt: Du musst nicht erst perfekt sein – Gottes Güte, Gnade und Treue sind schon Grund genug zum Jubel.

Ein persönlicher Bezug zu einem besonderen Psalm

 Psalm 100 ansehen. Psalm 100 ist für Erika und mich ein besonderer Psalm. Er steht in unseren Eheringen drin, zwar nur abgekürzt. Das war schon eine eigenartige Sache. Wir hatten damals zu unserer Verlobung diesen Psalm ausgesucht, dass er das Motto für unsere Ehe sein sollte. Und als ich die Ringe dann bestellte und dem Goldschmied sagte, was er da reinschreiben sollte, hatte ich ihm das aufgeschrieben. Dann guckte er mich sehr verwundert an und fragte: Was sollen denn hundert PS da rein? Und ich habe ihm gesagt, da steht nicht hundert PS, sondern PS 100. Dann habe ich ihm erklärt, was das bedeutet.
Ja, das steht also bei uns hier drin. Wir beide wissen das, ihr jetzt auch, und von daher ist dieser Psalm für uns ein besonderer Psalm. Ich habe ihn überschrieben: Jauchzt dem Herrn alle Welt oder: Wie kann ich Gott von Herzen danken?
Es ist ja nur ein ganz kurzer Psalm, nur fünf Verse. Ich lese ihn Ihnen mal vor:
Ein Psalm zum Dankopfer. Jauchzt dem Herrn, alle Welt! Dient dem Herrn mit Freuden, kommt vor sein Angesicht mit Jubel! Erkennt, dass der Herr Gott ist! Er hat uns gemacht und nicht wir selbst, sein Volk und die Herde seiner Weide. Zieht ein in seine Tore mit Dank, in seine Vorhöfe mit Lobgesang! Preist ihn, dankt seinem Namen! Denn gut ist der Herr, seine Gnade ist ewig und seine Treue von Generation zu Generation.
Wie gesagt, ein sehr kurzer Psalm. Und in der Überschrift steht: ein Psalm zum Dankopfer. Es steht also nicht der Autor dieses Psalmes darüber. Ich weiß nicht, wer ihn gedichtet und komponiert hat, aber es steht darüber: ein Psalm zum Dankopfer.
Das heißt, in Israel gab es ja die Möglichkeit, Opfer zu bringen. Und im dritten Buch Mose werden uns fünf verschiedene Arten von Opfern vorgestellt. Eines davon nennt sich Dankopfer. Ein Dankopfer wurde von einem Israeliten gebracht, wenn er Gott gegenüber dankbar war. Also nicht wie zum Beispiel das Schuldopfer oder das Sündopfer, wenn er irgendetwas ausgefressen hatte, sondern wenn er aus ganzem Herzen dankbar war und einfach Gott Danke sagen wollte.
Manche übersetzen das im Alten Testament dann auch mit „Friedensopfer“. Wir finden das in 3. Mose 3,1-17 und in 3. Mose 7,11-21.
Und ich glaube, dass das schon manchmal so ist. Ich weiß nicht, wie euch das geht, hier in Zavelstein kann man ja auch eigentlich jeden Tag nur Dank opfern. Wir genießen, wir werden bedient, wir brauchen uns um nichts zu kümmern. Man darf einfach nur dankbar sein. Und dieser Psalm ist aus diesem Grund geschrieben.
Das heißt also: Wenn ein Israelit Gott Danke sagen wollte, brachte er ein Opfer hier, um es Gott zu bringen. Ein Teil kam auf den Altar, ein Teil bekam der Priester, und das andere sollte in der Gegenwart Gottes gegessen werden. Das heißt, der, der das Opfer brachte, war in der Gegenwart Gottes und hatte sozusagen Tischgemeinschaft mit Gott.
Und ich glaube, das ist ein schönes Symbol, wenn wir dankbare Herzen haben.

Dankbarkeit als Grundhaltung des Glaubens

Im zweiten Buch Mose, Kapitel 15, als die Kinder Israel aus Ägypten kamen, haben sie am anderen Ufer des Roten Meeres ein Danklied gesungen. Da kommt auch so etwas darin vor, wo sie Gott einfach für die Rettung danken.
Man kann viele Gründe haben, Gott zu danken, und es ist gut, wenn wir ein dankbares Herz haben. Ich freue mich, dass wir in unseren Liederbüchern viele Dankeslieder haben und nicht so viele Bittlieder. Wenn wir uns selbst beobachten und fragen, wie unsere Gebete Gott gegenüber sind, dann muss man schon bekennen: Die meisten Gebete sind Bittgebete. Aber wenn wir recht über unser Leben nachdenken, müssten wir eigentlich viel mehr danken.
Ich weiß, vor einiger Zeit hatten wir dieses Thema im Hauskreis bei uns. Dann haben wir uns vorgenommen, in den vierzehn Tagen wollen wir in unseren Gebeten keine Bitten bringen, sondern nur Dankeschön sagen. Ich kann nur anregen, das einmal zu versuchen. Nach den 14 Tagen haben die Geschwister im Hauskreis gesagt, dass es schwierig war, alle Bitten zurückzustellen und Gott nur zu danken. Auf der anderen Seite merkt man aber, wie viel Grund man hat zu danken. Vieles nimmt man so selbstverständlich. Wir haben wirklich allen Grund, Gott zu danken.
Interessant ist, dass dieser Psalm sieben Imperative in nur fünf Versen hat. Imperative, also Befehlsform. Und ihr habt das sicher gemerkt: Ich habe sie mir in meiner Bibel hier unterstrichen. In Vers 1: jauchzt. In Vers 2: dient. Auch in Vers 2 kommt: erkennt. In Vers 3: zieht ein. Auch in Vers 4: preist. Und auch in Vers 4: dankt. Sieben Aufforderungen, sieben Imperative.
Das Volk Israel und jeder Einzelne, der diesen Psalm gesungen hat, forderte sich damit auf, diese Dinge zu tun. Das hat uns damals beide bewegt, diesen Psalm sozusagen als Überschrift für unsere Ehe zu nehmen. Ich glaube, dass es gut ist, dass man sich daran immer wieder erinnert.
Und daran merkt ihr: In diesen sieben Aufforderungen steht nicht „bittet“, das steht auch nicht „klagt“, das steht auch nicht „jammert“. Wir merken: Das sind Aufforderungen, unser Leben in einer ganz bestimmten Weise zu leben. Und ich möchte diese sieben verschiedenen Aufforderungen einmal mit euch einzeln durchgehen.

Die erste Bewegung: Freude, die Gott ehrt

Also in Vers 1: Jauchzt! Wir haben gelesen: Jauchzt dem Herrn, alle Welt. Das ist eine Aufforderung nicht nur an den Einzelnen. Manchmal kommt das ja in Psalmen vor: Preise den Herrn, meine Seele. Da fordert man sich selbst auf, das ist auch oft nötig. Aber hier wird die ganze Welt aufgefordert, den Herrn zu preisen.
Wenn wir in unsere Welt hineinschauen, haben wir den Eindruck, nur ein verschwindender Bruchteil der Menschheit jauchzt und preist Gott. Wenn wir aber in die Bibel hineinschauen, merken wir, dass die Bibel eine Perspektive hat und ein Ziel: dass wirklich einmal alle Welt Gott verehrt.
Ich habe hier mal kurz aufgeschrieben: 1. Mose 18,18 oder 1. Mose 22,18. Da sagt Gott zu Abraham: In dir werden gesegnet werden alle Nationen. Davon merkt man heute noch nicht viel. Natürlich wissen wir, damit ist die Wirkung des Herrn Jesus gemeint, der einmal aus dem Samen Abrahams gekommen ist oder gekommen wird, jetzt für uns in der Vergangenheit. Er hat Segen für alle Nationen. Aber diese Verheißung, die Gott dem Abraham gegeben hat, macht deutlich, dass das Ziel Gottes ist, dass wirklich einmal alle Nationen gesegnet sind in dem Herrn Jesus.
Und dieser Psalm sagt, dass die ganze Welt einmal Gott preisen wird, Gott jauchzen wird. Wann hast du zum letzten Mal gejauchzt? Unser Jauchzen ist meistens sehr verhalten. Wir gebrauchen mehr das Wort Loben, Lobsingen, Lobpreis. Jauchzen kennen wir eigentlich nur bei Kindern, oder? Wenn sie hüpfen und laut von sich geben, dass sie sich freuen. Das sähe jetzt schon komisch aus: Du gehst durch die Fußgängerzone und jauchzt. Wahrscheinlich bringen sie dich dann irgendwo in eine Nervenklinik. Wir sind immer so nüchtern, gerade wir Deutschen.
Jauchzt dem Herrn, alle Welt! Das Ziel Gottes ist, dass wirklich alle Nationen, die ganze Welt, einmal Gott jauchzen soll. Denken wir an den Missionsbefehl, den der Jesus seinen Jüngern gegeben hat: Geht hin und macht alle Nationen zu Jüngern. Und wir sagen: Wir haben im Augenblick Angst, Islamisierung, Gewalt, Terror. Wir haben eher Angst, dass wir überrollt werden, als dass das geschieht: Geht hin und macht alle Nationen zu Jüngern.
Man kann zu der Flüchtlingswelle stehen, wie man will, aber ich denke, das ist im Augenblick die größte Chance, die wir Christen in Europa je gehabt haben, das Evangelium weiterzusagen. Wir können anderen Völkern, anderen Nationalitäten vom Herrn erzählen, ohne dass wir deren Sprache lernen müssen, oder? Die müssen Deutsch lernen. Diese Chance hat es noch nie gegeben. Das Ziel Gottes ist, dass wirklich alle von dem Herrn Jesus erfahren und dass sie zum Jauchzen kommen.
Oder der Römerbrief sagt: Alle Nationen werden ihn preisen. Ich muss sagen, gegenwärtig ist das noch nicht vorstellbar. Könnt ihr euch vorstellen, dass die ganzen Mohammedaner dem Gott der Bibel zujubeln, dass die ganzen Buddhisten, Hinduisten usw. dem Gott der Bibel zujauchzen? Wir sagen: unmöglich. Aber die Bibel verheißt das. Alle Nationen werden ihn preisen. Und in der Offenbarung finden wir das auch: Offenbarung 15. Alle Nationen werden kommen und vor dir anbeten.
Und ich möchte das eigentlich uns allen und allen Christen zurufen: Schaut in die Bibel, was Gott für ein Projekt hat. Wir brauchen nicht Angst zu haben. Das Ziel Gottes ist, dass er angebetet wird, und das wird geschehen. Jauchz dem Herrn, und wir dürfen schon damit anfangen, nicht nur in der Badewanne jauchzen, sondern auch sonst.
Johann Sebastian Bach fängt sein Weihnachtsoratorium so an: Jauchzet, frohlocket! Gut, ich kann mir nicht vorstellen, wie Johann Sebastian Bach das wirklich ausgesprochen hat. Er war immerhin Sachse. Das hörte sich wahrscheinlich nicht ganz so gut an, wenn er „Jauchzet, frohlocket“ sagte, aber Hochdeutsch ist schon gut, ja. Jauchzt dem Herrn, alle Welt!
Und ich möchte euch damit anstecken: Diese zukünftige Freude dürfen wir schon haben.

Dienst und Freude als geistliche Berufung

Die zweite Aufforderung in Vers 2 lautet: Dient dem Herrn mit Freuden. Ich muss sagen, das war eigentlich die Aussage, die uns damals besonders angesprochen hat, als wir uns diesen Psalm ausgesucht haben. Unser Wunsch war und ist nach wie vor, dem Herrn zu dienen, und das nicht, weil man muss, sondern aus Freuden.
Wir haben damals, als wir geheiratet haben, weil wir kein Geld hatten, die Wohnung im Gemeindehaus genommen. Damit war verbunden, dass wir auch als Hausmeister die Räume sauber halten mussten. Einer der Brüder kam dann nach unserer Hochzeit und sagte: Ihr habt ein besonderes Vorrecht, ihr dürft den Dreck der Heiligen kehren. Das haben wir 32 Jahre lang getan.
Ich bin dankbar, dass uns damals ein alter Bruder gesagt hat: Ihr beiden, wenn ihr diesen Dienst tut und wenn ihr diesen Dienst nur für die Geschwister tut, dann werdet ihr daran scheitern und ein dickes Herz bekommen. Wenn ihr diesen Dienst für den Herrn tut, dann wird er euch die Kraft und die Freude dazu geben. Und so ist es auch gewesen. Es hat durchaus Zeiten gegeben, in denen wir gesäufzt haben. Nicht alle Geschwister sind die Engel, die wir sein sollten. Man kann, wenn man diesen Dienst nur für die Geschwister tut, ein dickes Herz bekommen. Und wir müssen sagen: Am Anfang hat es auch Tränen gegeben.
Aber wir sind dankbar, dass wir diesen Dienst tun durften und dass unsere Kinder im Gemeindehaus groß geworden sind. Damit ist man direkt mittendrin in der Gemeinde. Für die Nachbarn und die Umgebung war man sozusagen eine Identifikationsfigur der Gemeinde. Und wir mussten schon manchmal unseren Kindern sagen: Überlegt, wo wir wohnen. Das ist so ähnlich, wie wenn man hinten auf dem Auto einen Spruch drauf hat. Damals gab es ja noch nicht diese Vans, in die eine größere Familie passt. Es gab nur ein schwedisches Auto, wo hinten im Kofferraum eine Sitzbank war, die umgedreht war, und die, die da draufsaßen, guckten hinten raus. Und wir hatten hinten den Spruch drauf. Wir sagten immer: Da dürfen nur solche von unseren Kindern sitzen, die sich dementsprechend auch verhalten. Also, das passt natürlich nicht: Du hast hinten einen Spruch auf dem Auto drauf, und die Kinder machen den nachfolgenden Autos lange Nasen oder so.
Dient dem Herrn mit Freuden. Und ich glaube, dass das auch eine Sache ist, die Gott von uns erwartet. Es ist unsere Berufung, es ist unser Auftrag, Gott zu dienen. Ich habe hier eine Stelle hintergeschrieben: 1. Thessalonicher 1,9. Paulus schreibt den jungen Gläubigen in Thessalonich: Ihr habt euch bekehrt. Warum? Um dem lebendigen Gott zu dienen und seinen Sohn aus dem Himmel zu erwarten.
Und manchmal wünschte ich mir, dass diese Botschaft heute viel deutlicher wäre. Die meisten bekehren sich, weil sie in den Himmel kommen wollen, weil sie Vergebung ihrer Sünden bekommen wollen, weil sie Probleme in ihrem Leben gelöst haben wollen. Das ist alles recht. Aber die Thessalonicher hatten sich bekehrt, um Gott zu dienen. Und ich glaube, das hat eine völlig andere Bedeutung, wenn ich weiß: Ich lebe nicht, damit ich Karriere mache, nicht, damit es mir gut geht, sondern es geht darum, dass ich Gott diene. Das hat eine ganz bestimmte Zielrichtung für mein Leben, und ich bin dankbar dafür.
Dienen mit Freude, also gerne dienen. Paulus schreibt das in Kolosser 3,24: Alles, was immer ihr tut, arbeitet von Herzen, als dem Herrn und nicht den Menschen. Dient dem Herrn mit Freude.
Vielleicht sagst du: Aber mir ist jetzt gar nicht so danach. Ich finde in meiner Bibel nirgendwo eine Stelle, wo steht: Dient dem Herrn mit Muffeln. Auch solche Christen gibt es ja, nicht wahr? Ja, ich habe die Aufgabe, also muss ich das machen. Und ich glaube, man merkt das sehr schnell.
Stellt euch vor, die Lieben hier im Haus Zabelstein würden ihren Dienst nur mit Muffeln machen, die hätten keine Gäste, oder? Man spürt es ihnen ab, dass sie ihren Dienst mit Freuden tun. Und wohl uns, wenn wir das auch tun.
Die dritte Aufforderung: Ach so, das noch, ja. Dienen bringt Freude. Das ist die andere Seite dann auch. Wenn ich den Dienst mit Freuden tue, dann kriege ich auch wiederum Freude.

Nähe zu Gott und die Freude seiner Gegenwart

Die dritte Aufforderung, auch in Vers zwei, lautet: Kommt vor sein Angesicht mit Jubel. Gott möchte, dass wir, wenn wir ihm dienen, in seiner Nähe sind, das heißt, in seiner Gegenwart.
Vor ein paar Jahren war diese Jahreslosung: „Gott nah zu sein ist mein Glück“; Psalm 73. Und ich glaube, dass das ein ganz wesentlicher Punkt für unser Leben ist. In der Gegenwart meines Herrn zu sein, vor sein Angesicht zu kommen mit Jubel, das prägt unser Leben.
Der Hebräerbrief sagt, dass wir unser Zusammenkommen nicht versäumen sollen. Wie geht es dir, wenn du unterwegs bist und die Gemeindestunden zu Hause nicht besuchen kannst? Hast du dann Entzugserscheinungen? Ich muss sagen, gerade die Stunde sonntags morgens zum Brotbrechen ist für mich die schönste Stunde, die es gibt. In der Gegenwart Gottes zu sein, ihm zu danken für das, was geschehen ist, ihm zu danken, wer er ist, was er ist und was er tut, das prägt das Leben.
Gott nahe zu sein ist mein Glück, und ich wünschte, wir hätten diese Sehnsucht danach, in der Gegenwart Gottes zu sein. An anderer Stelle, in Psalm 32, haben wir gelesen, in diesen Tagen unter den Augen Gottes zu sein, also vor seinem Angesicht, zu wissen: Gott hat ein Auge auf mich. Ich brauche nicht, vor Gott Angst zu haben, so wie das oft dann dargestellt wird: „Big brother is watching you.“ Gott sieht mich, sein Auge ist auf mir, er hält seine Augen über mir offen.
Und noch einen Vers möchte ich zitieren, der uns vor einigen Jahren sehr wichtig geworden ist. Den hat damals unsere Pflegetochter mir mal zum Geburtstag aufgeschrieben. Der hängt bei uns im Wohnzimmer, aus Zephania 3,17: „Jahwe, dein Gott, ist in deiner Mitte ein rettender Held. Er freut sich über dich mit Wonne, er schweigt in seiner Liebe, frohlockt über dich mit Jubel.“
Durch diesen Vers ist mir Gott noch einmal ganz neu groß geworden. Manchmal denke ich, wenn Gott auf mich runterguckt, dann muss er wahrscheinlich eher seufzen, als dass er jubelt. Aber hier wird etwas anderes gezeigt: Er freut sich über dich mit Wonne, er frohlockt über dich mit Jubel. Kannst du dir Gott vorstellen, dass er da im Himmel sitzt und dich beobachtet und anfängt zu jubeln? Und du würdest sagen: Na ja, vielleicht ist in meinem Leben nicht so viel, worüber Gott jubeln könnte. Klagt er dann? Nein, den Zwischensatz finde ich fantastisch: Er schweigt in seiner Liebe. Also lässt er dann nicht, wenn bei mir etwas schiefläuft, gleich ein Donnerwetter los, oder? Das ist die Liebe Gottes.
Ich denke manchmal an meinen Vater. Ich hatte euch ja gerade gesagt, dass mein Vater uns Kinder so erzogen hat mit seinen Augen. Und das kam durchaus schon mal vor, wenn wir etwas nicht gemacht haben oder etwas gemacht haben, was nicht in Ordnung war. Mein Vater hat nie geschrien, er hat uns nie angebölkt. Er hat uns angeguckt, und er hat geschwiegen, und das war schon genug Strafe.
Gott schweigt in seiner Liebe. Aber zweimal steht, dass er sich freut mit Wonne und frohlockt mit Jubel. Und deswegen werden wir aufgefordert: Kommt vor sein Angesicht. Es ist gut, bei Gott zu sein, und gerade auch die Zusammenkünfte der Gläubigen nicht zu versäumen.
Natürlich kann man sagen, es gibt keine ideale Gemeinde. Vor vielen Jahren hat einer der Jansbrüder mal auf einer Evangelisation gesagt: Wenn du meinst, du hättest die ideale Gemeinde gefunden, dann tritt ihr nur ja nicht bei, denn dann ist sie nicht mehr ideal. Aber ich darf, und das sagt die Bibel uns immer wieder, im Kreise der Gläubigen sein. Das macht Mut, und zusammen Gott zu jubeln, ist eigentlich eine Steigerung des Jubelns.

Erkenntnis, die verwandelt

In Vers drei folgt die nächste Aufforderung: Erkennt, erkennt, dass der Herr Gott ist. Er hat uns gemacht und nicht wir selbst, wir sind sein Volk und die Herde seiner Weide.
In der Bibel ist das Wort erkennen mehr als nur etwas mit den Augen zu sehen. Es bedeutet ein inneres Einswerden mit dem Anderen. Das gleiche Wort wird auch in Bezug auf Mann und Frau gebraucht, zum ersten Mal bei Adam und Eva: Adam erkannte seine Frau. Damit ist auch das Einswerden in der geschlechtlichen Vereinigung gemeint.
Erkennen bedeutet in der Bibel, mit dem Anderen eins zu werden. Deshalb sagte der Herr Jesus in Johannes 17 auch: Dies ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, erkennen. Das ewige Leben bedeutet: Wenn ich mein Leben Jesus gebe und Vergebung meiner Sünden habe, dann werde ich eins mit Gott.
Gott zu erkennen geschieht natürlich dadurch, dass ich mich mit dem Wort Gottes beschäftige, dass ich mich mit ihm beschäftige. Und je mehr ein Mensch sich mit einem anderen beschäftigt, desto ähnlicher werden sie sich. Das kennt ihr inzwischen auch. Beobachtet Senioren, Ehepaare in der Fußgängerzone. Es gibt durchaus welche, bei denen man den Eindruck hat: Das sind Zwillinge. Mann und Frau haben sich so angeglichen, dass sie sich ähneln. Leider ist es heute meist anders, dass manche im Alter eher ihrem Dackel gleichen.
Aber den anderen zu erkennen, und hier wird gesagt, dass das ewige Leben ist, Gott zu erkennen: Je mehr ich mich mit ihm beschäftige, desto mehr wirkt sein Wesen auf mich und färbt ab. Und das ist wahrscheinlich das, was wir uns gestern bei Mose angesehen hatten: Dass Mose sich charakterlich so verändert hat, kam daher, dass er mit Gott auf du und du war.
So kann ein Mensch verändert werden. Für uns ist es immer wieder spannend zu sehen, wie junge Menschen, gerade in der gefährdeten Hilfe bei uns, wenn sie dann zum Glauben kommen und wirklich mitten in Jesus leben, sich in ihrem Charakter und in ihrem Wesen völlig verändern.
Erkennen, dass Gott dich gemacht hat. Paulus schreibt in Epheser 2, dass wir geschaffen sind zu guten Werken. Also etwas Ähnliches, wie wir das eben im 1. Thessalonicherbrief gelesen haben: Gott zu dienen. Gott hat uns gemacht, damit wir gute Werke tun, nicht um durch gute Werke gerettet zu werden, sondern damit dadurch Gott geehrt wird.
Dieser Vers sagt auch, dass Gott mein Hirte ist. Wir kennen die Stellen aus Psalm 23 und Johannes 10, wo der Herr Jesus beziehungsweise Gott im Psalm 23 als der gute Hirte vorgestellt wird, der uns führt und leitet. In diesem Psalm wären wir aufgefordert, das zu erkennen, uns damit zu beschäftigen und dadurch verändert zu werden.

Das Leben in Gottes Gegenwart

In Vers 4 kommt die nächste Aufforderung: Zieht ein in seine Tore mit Dank, in seine Vorhöfe mit Lobgesang. Preist ihn, dankt seinem Namen.
Gott fordert uns auf, bei ihm zu wohnen, bei Gott einzuziehen, bei Gott zu wohnen. Die andere Frage wäre: Wo wohnt Gott? Jesaja sagt schon, Gott wohnt im Himmel und bei jedem, der zerschlagenen Herzens ist. Gott hat also zwei Wohnorte: den einen im Himmel, den anderen bei uns auf der Erde.
Jesus hat gesagt, dass der Vater und der Sohn und der Heilige Geist bei uns einziehen, wenn wir uns bekehren. In unseren Herzen wohnt Gott in seiner Dreieinheit. Die Bibel macht deutlich, dass wir der Tempel des Heiligen Geistes sind, wir persönlich, jeder einzelne Gläubige, aber auch als Gemeinde wird gesagt, dass wir der Tempel Gottes sind. Und ich muss sagen: Eigentlich denkt man nur selten wirklich darüber nach, im alltäglichen Leben noch weniger.
Was geschieht, wenn Gott bei mir einzieht? Er wohnt in der Gemeinde inmitten seines Volkes, so sagt es Paulus in 1. Korinther 14, und er zieht bei dir ein, Johannes 14, Offenbarung 21. Die eine Seite ist: Ich darf bei Gott wohnen. Und die andere Seite ist: Gott wohnt bei mir.
Ich weiß nicht, ob ich die Begebenheit schon einmal erzählt habe. Vor einigen Jahren hat mir ein Bruder in einer Gemeinde das erzählt. Er ist von Hause aus Albaner. Als er damals nach Deutschland kam, war er Atheist und konnte kein Wort Deutsch. Er bekam eine Arbeitsstelle zugewiesen, und der Chef dieser Firma hatte einem Arbeitskollegen gesagt, er solle sich um diesen Albaner kümmern.
Dieser Arbeitskollege war gläubig. Er konnte auch nicht Albanisch, aber er hat ihn mitgenommen, er hat ihn mit nach Hause genommen. Und mittags, abends war Gemeindestunde, Gebetsstunde, und da hat er ihn mitgenommen. Der Albaner, inzwischen ist er Christ geworden, hat mir das erzählt, wie das für ihn gewesen ist. Er sagt: Ich war Atheist, ich wusste nicht, was da geschieht. Ich war noch nie in einer Kirche oder in einer Gemeinde. Und dieser Arbeitskollege nimmt ihn mit in die Gemeinde, Mittwochabend, Gebetsstunde.
Jetzt müsst ihr euch vorstellen: Sie sangen ein Lied, es wurde ein Wort gelesen. Und dann knieten sich alle vor ihren Stühlen hin. Und der Albaner überlegt, was suchen die alle unter ihren Stühlen? Er verstand ja nichts. Er wusste nicht, was sie da jetzt machen. Und dann hörte er sie beten. Und er merkte auf einmal: Die Leute reden zu jemandem, der offensichtlich im Raum ist, aber den man nicht sehen kann.
Er verstand nicht, was die da sagten. Aber er merkte: Sie sprechen mit jemandem, den er nicht sieht. Und er sagt: Durch dieses Gebet ist mir klar geworden, es gibt Gott.
Da habe ich gedacht: Das ist das, was Paulus da in 1. Korinther 14 sagt: Wenn ein Unkundiger zu euch hereinkommt, wird er erkennen, dass Gott mitten unter euch ist. Ehrlich, Hand aufs Herz: Wir trauen uns in der Regel nicht, jemanden Fremdes mit in die Gemeinde zu nehmen, schon gar nicht in die Gebetstunde. Was soll der denn denken?
Also mich hat es sehr stark beeindruckt, wie dieser Bruder mir das erzählt hat. Er sagt: Dadurch ist mir klar geworden, die reden mit jemandem, den sie nicht sehen, es muss Gott geben. Erst kurze Zeit darauf, als er dann Deutsch gelernt hat, ist er zum Glauben gekommen.
Gott lässt sich nicht unbezeugt. Gott sagt, dass er mitten in der Gemeinde wohnt. Ist uns das bewusst? Er wohnt bei uns. Er kommt nicht nur zu Besuch.
Ich bin häufig bei russlanddeutschen Gemeinden unterwegs und dann auch oft eingeladen zum Essen. Es gibt manche Russlanddeutsche, die lassen einen Platz am Esstisch frei, und sie sagen, das ist für den Herrn Jesus. Eigentlich ja eine schöne Geste, um bewusst zu machen: Der Jesus ist da.

Lob, Dank und die Begründung aller Aufforderungen

Die sechste Aufforderung finden wir auch in Vers 4: Preist ihn, zieht ein in seine Tore mit Dank, in seine Vorhöfe mit Lobgesang. Preist ihn, dankt seinem Namen.
Gott zu preisen ist unsere Aufgabe. Gott zu loben, Gott anzubeten, das ist unsere Berufung. Gott hat uns gerettet, und wir haben allen Grund dazu, ihn zu loben und ihn zu preisen. Es ist unsere Aufgabe als Gläubige, ihm Dank, Anbetung und Preis darzubringen.
Heute wird oft von Worship geredet, aber ich glaube nicht, dass Worship das ist, was die Bibel unter Preisen, Danken, Loben, Jauchzen und Anbeten meint. Preisen ist nicht nur Lieder singen. Preisen ist nicht nur beten. Preisen ist eine Lebenseinstellung. In welcher Beziehung stehe ich zu meinem Herrn?
Gott zu loben geht auch, wenn du keine Stimme mehr hast. Gott zu loben kannst du auch, wenn du im Bett liegst und dich nicht mehr bewegen kannst. Ich glaube, dass es wichtig ist: Unser ganzes Leben soll Lob Gottes sein. Und wir werden merken, dass wir dann eine völlig andere Einstellung haben.
Wir werden das einmal im Himmel tun. Ich weiß nicht, wie wir das dort tun werden. Es ist sicherlich völlig anders, als Karl Valentin das einmal kommentiert hat. Ich weiß nicht, wer Karl Valentin noch kennt, von Vorträgen oder von Sketchen. Er hat sich lustig darüber gemacht. Es gibt so eine CD, Ein Bayer im Himmel, da macht er sich darüber lustig, wie langweilig das sein müsste, im Himmel auf einer Wolke zu sitzen und den ganzen Tag Halleluja zu rufen. Er könnte sich etwas anderes besser vorstellen. Er wollte lieber im Hofbräuhaus sitzen.
Ich glaube, Gott zu loben in der Ewigkeit wird keinesfalls langweilig sein. Überleg einmal die Engel, die Cherubim: Sie machen das schon seit Jahrhunderten und Jahrtausenden, und wir werden es auch die ganze Ewigkeit tun. Ich kann mir schon vorstellen, wie das sein wird. Es ist schon etwas Gewaltiges, auch in einem großen Chor mitzusingen.
Ich kann mich noch gut daran erinnern: Wir waren in Japan bei unserem Missionar, und dort gibt es einen großen Chor und ein großes Orchester. Vor Jahren ist einmal ein sehr bekannter Dirigent aus Japan zum Glauben gekommen, und er hat mit den Gläubigen einen großen Chor und ein großes Orchester aufgebaut. Sie führen jedes Jahr Kantaten von Bach oder Oratorien von Händel durch, mieten Konzertsäle, und das war schon ein Erlebnis, den Messias in solch einem Chor mitzusingen.
Sie hatten mich eingeladen, mit im Bass zu stehen. Sie sangen in Englisch, wir hatten die Partitur, und dann muss ich schon sagen: Da ging Freeren über den Rücken. Wie viel mehr wird das im Himmel sein? Ich sang sicherlich nicht sehr gut. Ich habe ziemlich leise gesungen, damit das nicht so auffiel, aber es war gewaltig. Zweihundert Sänger, ein großes Orchester, und wer das große Halleluja aus Händels Messias kennt, der weiß: Das ist schon gewaltig. Oder das letzte Amen, da kracht es.
Nicht umsonst ist es bis heute in Konzertsälen so, wenn dieses Oratorium aufgeführt wird, dass man bei dem großen Halleluja aufsteht. Das hat bei der Uraufführung der englische König eingeführt. Er war so ergriffen, dass er bei dem großen Halleluja aufstand. Und alle anderen taten das auch. Das ist bis heute Sitte, bei der Aufführung des Messias das zu tun.
Und ich habe so gedacht: Wenn man da mitsingt und das erlebt, ist das schon fast, als wenn man im Himmel wäre. Aber ich glaube, das wird dort noch schöner sein. Preist ihn!
Und dann wird noch eine Aufforderung gesagt: Dankt ihm, dankt seinem Namen. Bin ich wirklich in allem Gott dankbar? Paulus schreibt in Kolosser 3,15: Und der Friede des Christus regiere in euren Herzen, zu welchem ihr auch berufen worden seid, in einem Leib, und seid dankbar.
Und wir sollen hier dankbar sein, Gott danken seinem Namen. Es lohnt sich immer wieder, darüber nachzudenken: über Gottes Namen, Ich bin, der ich bin, und über den Namen des Herrn Jesus. Der bedeutet: Gott ist Rettung. Gott gibt uns viel Grund, ihm zu danken.

Der Grund für alles: Gottes Güte, Gnade und Treue

Und Vers 5 gibt die Begründung für diese sieben Aufforderungen, diese sieben Imperative. Die Begründung dafür, wie heißt es? Denn gut ist der Herr, seine Gnade ist ewig und seine Treue von Generation zu Generation.
Die Begründung für diese Aufforderungen, diese sieben Aufforderungen, Gott zu jauchzen, Gott zu dienen, zu ihm zu kommen, ihn zu erkennen, einzuziehen in Gottes Gegenwart, ihn zu preisen und ihm zu danken, sind die Gnade und die Treue Gottes. Gott ist gut, Gott ist gnädig, Gott ist treu, und er bleibt treu.
Nehmen wir das mit aus diesen fünf Versen: Gut ist der Herr, seine Gnade ist ewig, seine Treue von Generation zu Generation. Er hat uns nicht getan nach unseren Übertretungen und nach unseren Sünden uns nicht vergolten. Wenn das kein Grund zum Jubel ist. Amen.

© Autor, Referent: Eberhard Platte

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