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Das große Heil Gottes, Teil 1/2

03.07.1996
SerieTeil 1 / 2Das große Heil Gottes
Kann ein Christ wieder verloren gehen? Der Streit dreht sich um eine Frage, die deinen Alltag und deinen Glauben hart trifft: Hältst du Gott fest – oder hält er dich?

Einleitung und Fragestellung

Heute Abend soll es also um das Thema „das grosse Heil Gottes“ gehen.
Seit vielen Jahrhunderten wird unter den Gläubigen die Frage bewegt: Kann ein Kind Gottes wieder verloren gehen? Kann ein Wiedergeborener sein Heil wieder verlieren? Gibt es Heilsicherheit oder nur Heilsgewissheit? Auch wenn nur Heilsgewissheit gemeint wäre, wäre das schon sehr viel. Aber gibt es Heilsicherheit oder nur Heilsgewissheit?
Und ihr merkt: Das ist wirklich kein nebensächlicher Fragenkomplex. Vielleicht ist es heute für die meisten von uns nur eine erkenntnistheoretische Frage. Das heisst, dass wir uns in der Theorie damit beschäftigen. Es könnte aber durchaus sehr schnell der Tag kommen, an dem diese Frage für uns ganz aktuell und sogar existenziell wird.
Ich weiss nicht, ob wir dann in der Lage sind, ob wir dann Zeit, Kraft und Gelegenheit haben, uns erst lehrmässig mit dieser Frage auseinanderzusetzen. Deshalb sollten wir es heute tun, wenn wir es jetzt tun. Denn ich bin davon überzeugt, dass es für jeden Gläubigen sehr wichtig ist, in dieser Frage echtes biblisches Fundament unter den Füssen zu haben und dazu eine persönliche Lehrmeinung zu besitzen, eine wirkliche fundierte Erkenntnis, die man so leicht auch nicht von irgendwelchen Leuten umwerfen lässt.
Zu allen Zeiten, bis in die frühesten Schriften der Kirchenväter hinein, wurde diese Frage kontrovers diskutiert. Es gab schon immer vehemente Befürworter dieser Lehre, und es gab schon immer vehemente Gegner. Alle berufen sich angeblich auf klare Bibelstellen, natürlich. Man kann mit der Bibel fast alles beweisen, wenn man einzelne Aussagen aus dem Zusammenhang reisst und zu einem bestimmten Gedankengebäude wieder zusammenbastelt.

Die Gegenposition und ihre biblischen Belege

Beginnen wir mit den Gegnern der Heilssicherheitslehre. Man nennt sie auch Arminianer, nach dem Theologen Jakob Arminius, der von 1560 bis 1609 lebte. Seine Anhänger verfassten ein Jahr nach seinem Tod, also 1610, eine sogenannte Remonstrantia. Das war eine Abhandlung, in der sie ihre Lehraussagen darlegten. Im fünften Artikel dieser Remonstrantia heißt es, der beharrliche Glaube könne nicht allein die Wirkung der göttlichen Gnade sein. Die Erfahrung zeige, dass auch Gläubige fallen, gegen den Heiligen Geist sündigen und in Sünden sterben.
„Die Lehre von einer absoluten Sicherheit der Gläubigen würde jede menschliche Frömmigkeit und alle guten Sitten sinnlos machen“, sagte damals Jakob Arminius. Die Lehre von der Heilsicherheit würde alle guten Sitten und jede menschliche Frömmigkeit sinnlos machen. Wir gehen später noch auf diese Aussage ein.
In den folgenden Jahren haben die Vertreter der arminianischen Sichtweise, die gegen eine Heilssicherheit sind und sagen, man könne als Christ wieder verloren gehen, fünfundachtzig Bibelstellen zusammengetragen, mit denen sie dieses Gebäude ihrer Lehre stützen. Fünfundachtzig Bibelstellen, die beweisen sollen, dass ein Christ das ewige Leben wieder verlieren kann.
Und jetzt können wir natürlich nicht alle fünfundachtzig heute Abend lesen. Aber ich habe einige der wichtigsten herausgenommen, und die wollen wir jetzt nacheinander lesen.

Die angeführten Warn- und Gerichtstexte

Wir beginnen also bei Matthäus 7. Die Verse 21 bis 23, das ist am Ende der Bergpredigt. Matthäus 7,21 sagt unser Herr Jesus:
Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr, wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist. Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben und durch deinen Namen viele Wunderwerke getan? Und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt; weicht von mir, ihr Übeltäter!
Ziemlich hartes Wort am Ende der Bergpredigt. Lassen wir es erst einmal so stehen.
 Matthäus 24, die Verse 4 und 5, das ist die sogenannte Ölbergrede oder Endzeitrede Jesu. Matthäus 24,4, und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Seht zu, dass euch niemand verführe! Denn viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin der Christus, und sie werden viele verführen.
Und dann weiter in Vers 11 bis 13:
Und viele falsche Propheten werden aufstehen und werden viele verführen. Und weil die Gesetzlosigkeit überhandnimmt, wird die Liebe der meisten erkalten. Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird errettet werden.
Darauf besondere Betonung: Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird errettet werden.
Gehen wir weiter ins Johannesevangelium und schauen uns da zwei Verse an. Johannes 6,66. Da heißt es: Von da an gingen viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm.
Haben wir gehört: Viele seiner Jünger gingen zurück und gingen nicht mehr mit ihm.
Dann Johannes 15,1-2. Der bekannte Abschnitt vom Weinstock und den Reben. Johannes 15,1:
Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner. Jede Rebe an mir, die nicht Frucht bringt, die nimmt er weg; und jede, die Frucht bringt, die reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe.
Es kommt mir auf den Satz an: Jede Rebe an mir, die nicht Frucht bringt, die nimmt er weg. Der Vater.
Machen wir einen großen Sprung in den Römerbrief, Kapitel 11. Römer 11,19-22. Paulus schreibt hier über Israel und die Nationen. Römer 11,19:
Du wirst nun sagen: Die Zweige sind ausgebrochen worden, damit ich eingepfropft würde. Richtig, sie sind ausgebrochen worden durch den Unglauben, du aber stehst durch den Glauben. Sei nicht hochmütig, sondern fürchte dich! Denn wenn Gott die natürlichen Zweige nicht geschont hat, wird er auch dich nicht schonen. Sieh nun die Güte und die Strenge Gottes: gegen die, welche gefallen sind, Strenge; gegen dich aber Güte Gottes, wenn du an der Güte bleibst; sonst wirst du auch ausgeschnitten werden.
Einen Brief weiter kommt der Korintherbrief. 1. Korinther 3,14-15. Ich glaube, die Verse kennen wir recht gut. 1. Korinther 3,14-15:
Wenn jemandes Werk bleiben wird, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. Wenn jemandes Werk verbrennen wird, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer.
Galater, die hatten ja besondere Not mit dem Gesetz der Juden. Galater 5,4 schreibt Paulus:
Ihr seid von Christus abgetrennt, die ihr im Gesetz gerechtfertigt werden wollt; ihr seid aus der Gnade gefallen.
  1. Timotheusbrief, Kapitel 1,
    1. Timotheus 1,18-20
    , auch wieder Paulus:
Dieses Gebot vertraue ich dir an, mein Kind Timotheus, nach den vorangegangenen Weissagungen über dich, damit du durch sie den guten Kampf kämpfst, indem du den Glauben bewahrst und ein gutes Gewissen. Das haben einige von sich gestoßen und so im Hinblick auf den Glauben Schiffbruch erlitten. Unter ihnen sind Hymenäus und Alexander, die ich dem Satan übergeben habe, damit sie zurechtgewiesen werden, nicht zu lästern.
Jetzt kommen zwei ganz schwere Stellen im Hebräerbrief. Hebräer 6 und dann sind wir gleich durch. Hebräer 6, die Verse 4 bis 6. Über diese Aussagen sind schon viele junge Gläubige gestolpert und manche sogar fast gestrauchelt. Hebräer 6,4:
Denn es ist unmöglich, diejenigen, die einmal erleuchtet worden sind und die himmlische Gabe geschmeckt haben und des Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind und das gute Wort Gottes und die Kräfte des zukünftigen Zeitalters geschmeckt haben und doch abgefallen sind, wieder zur Buße zu erneuern, da sie für sich den Sohn Gottes wieder kreuzigen und dem Spott aussetzen.
 Hebräer 6.
Und die andere Stelle in Hebräer 10, von Vers 26 bis 29. Da mahnt der Hebräerbriefschreiber:
Denn wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig, sondern ein furchtbares Erwarten des Gerichts und der Eifer eines Feuers, das die Widersacher verzehren wird. Hat jemand das Gesetz Moses verworfen, stirbt er ohne Barmherzigkeit auf zwei oder drei Zeugen hin. Wie viel schlimmere Strafe, meint ihr, wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füßen getreten und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt wurde, für gemein geachtet und den Geist der Gnade geschmäht hat?
Ja, ich kürze ab, noch eine letzte Stelle: Jakobusbrief, Kapitel 2, Vers 26. Jakobus schreibt:
Denn wie der Leib ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot.
Glaube ohne Werke ist tot.
Ja, ich hätte da noch eine Stelle lesen lassen aus 2. Petrus 2 und aus Offenbarung 12,11, aber die lassen wir jetzt mal weg.
Wenn wir diese ganzen Bibelstellen, die wir nun gelesen haben, so an uns Revue passieren lassen, wenn wir sie auf uns wirken lassen, ist das nicht ein eindeutiger Befund? Geht da nicht die Waagschale zugunsten der Lehre gegen die Heilssicherheit ganz nach unten? Wenn man diese Bibelstellen liest, scheint es doch ganz eindeutig klar zu sein, dass Gläubige wieder verloren gehen können.
Aber wir wollen zunächst einmal versuchen, Licht in dieses Dunkel zu bringen und diese Aussage hinterfragen.

Wer ist ein wahrer Gläubiger?

Als Erstes müssen wir klären, wer ein wahrer Gläubiger ist. Das ist ganz entscheidend wichtig, dass das von vornherein geklärt ist. Wer ist ein wirklicher Gläubiger im Sinne Gottes? Nicht das, was wir uns menschlich vorstellen, sondern von Gott her.
Wir wissen alle: Ein Mensch kann Christus annehmen bei irgendeiner Evangelisationsveranstaltung oder Freizeit, ein Jugendlicher kann sich taufen lassen, er kann sich einer Gemeinde anschließen, ohne wirklich errettet zu sein. Äußerlich und formal kann alles stimmen, und der Betreffende ist vielleicht doch, von Gott her gesehen, nicht wiedergeboren. Und darum kommt die entscheidende Frage: Wie sieht Gott diesen Menschen?
Wir Menschen sehen nur, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an. Gott weiß, wer wirklich bekehrt und wiedergeboren ist. Gott hat das objektive Bild vor Augen, wir nur das subjektive. Es ist nicht das äußere Bekenntnis, das ewige Sicherheit gibt, sondern nur die echte, wahrhaftige Errettung. Die gibt wirklich Sicherheit.
Darum müssen wir hier eine erste Schneise in diese fünfundachtzig Bibelstellen schlagen, indem wir feststellen: Viele biblische Aussagen wenden sich gar nicht gegen die Heilssicherheit, sondern zu Recht gegen einen oberflächlichen Glauben, der nicht retten kann. Da sind wir uns doch alle einig, ja? Gegen einen oberflächlichen Glauben wendet sich Gottes Wort, und dagegen wenden wir uns auch. Zuerst in unserem Leben, aber auch im Leben anderer.
Ein oberflächlicher Bekenntnisglaube, ein Lippen- und Kopfglaube und was es da alles gibt, der kann uns nicht retten. Und gegen den ist Gottes Wort. Die eigentliche Frage, ob ein tatsächlich erretteter Mensch das ewige Leben verlieren kann, wird hier gar nicht berührt. Da geht es ja um Menschen, die nur oberflächlich gläubig waren, die vielleicht nur „erweckt“ waren, wie wir das nennen, oder vielleicht sich auch in gewisser Weise zu Gott hingewandt hatten. Aber wo diese ganz tiefe Sündenerkenntnis fehlte oder auch die Bereitschaft, Christus wirklich Herr sein zu lassen in ihrem Leben, dann gibt es keine Wiedergeburt. Dann ist es nur ein oberflächlicher Glaube. Und wenn solch einer zurückgeht, wieder zurückgeht in die Welt, dann ist da kein Gläubiger abgefallen. Dann ist da nicht jemand seines ewigen Lebens verlustig gegangen, sondern der hat es nie gehabt.
Versteht ihr: Wenn wir eben die Stelle gelesen haben, die erste Stelle, Matthäus 7,23, dann haben wir hier solche Leute vor uns. Das ist eindeutig. Denn unser Herr Jesus sagt in Vers 23, dann werde ich diesen Leuten bekennen, die da immer gesagt haben: Herr, Herr, ich habe euch niemals gekannt. Er sagt: Ich habe euch niemals gekannt. Er sagt nicht: Na ja, jetzt habt ihr irgendwelche großen Fehler gemacht, jetzt seid ihr über die Deadline gegangen, jetzt kenne ich euch nicht mehr, wie wir Menschen manchmal so sagen können: Der ist für mich gestorben, den kenne ich gar nicht mehr. Nein, so sagt der Herr Jesus hier nicht. Er sagt: Ich habe euch niemals gekannt.
Diese Leute waren nie wirklich Gläubige, sondern es waren einfach Lippenbekenner, die gesagt haben: Herr, Herr, und die religiöse Taten vollbracht haben, aber nicht wirklich Kinder Gottes waren. Oberflächlicher Glaube, das haben wir auch gesehen in der Stelle Johannes 6,66. Ihr könnt euch erinnern, da hieß es: Von da ab wandten viele seiner Jünger sich ab und gingen nicht mehr mit ihm.
Da müssen wir einfach diese Eigentümlichkeit in den Evangelien zur Kenntnis nehmen. In den Evangelien wird immer das gleiche Wort verwendet: Glauben oder Jünger. Aber der Zusammenhang zeigt uns, ob das ein Anfangsglaube ist oder ob da jetzt wirklich jemand durchgedrungen ist, ob er wiedergeboren ist. Das sehen wir am Zusammenhang, das sehen wir nicht unbedingt gleich an dem Wort.
Schaut, ich mache es deutlich in Johannes 8. Wenn ihr das bitte mit aufschlagt: Johannes 8. Da kann man das in einem Kapitel sehr schön sehen. Johannes 8,30: Da heißt es, als er dies redete, glaubten viele an ihn. Viele Juden glaubten an ihn. Hier steht: Sie glaubten an ihn. Und wenn wir das jetzt mal so nehmen, ganz blauäugig: Aha, die waren errettet, die glaubten an ihn. Ja, von wegen. Jetzt werden wir gleich sehen, wie das weitergeht.
Vers 31: Jesus sprach nun zu diesen Juden, die ihm geglaubt hatten: Wenn ihr in meinem Wort bleibt, dann seid ihr wahrhaft meine Jünger, und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch freimachen. Jesus sagt: Das muss weitergehen mit euch. Und dann sagen sie: Wir sind Abrahams Nachkommenschaft und sind niemals jemandes Sklaven gewesen. Wie sagst du denn: Ihr sollt frei werden? Was fällt dir ein? Jetzt merken wir: Damit sind sie schon gar nicht einverstanden.
Und wenn wir dann ein Stückchen weiter runtergehen, kommen wir zu Johannes 8,48. Es ist immer der gleiche Personenkreis, ihr könnt es später zu Hause nachlesen, es ändert sich nicht. Es sind dieselben Leute. Und da sagen sie: Die Juden antworteten und sprachen zu ihm: Sagen wir nicht recht, dass du ein Samariter bist? Das war ein ganz übles Schimpfwort. Ja, das würde heute heißen: Du dreckiger Türke, du, oder so würden heute Leute sagen. Und er sagt hier: Du bist ein Samariter und hast einen Dämon.
Und das Gleiche in Vers 52: Da heißt es, die Juden sprachen zu ihm: Jetzt erkennen wir, dass du einen Dämon hast. Aber jetzt ist es sicher, du hast einen Dämon. Und dann Vers 59: Da hoben sie Steine auf, um auf ihn zu werfen. Das ist das Ende vom Lied.
Und da sind dieselben Leute, von denen es in Vers 30 heißt: Als er dies redete, glaubten viele an ihn. Derselbe Personenkreis, und am Ende heben sie Steine auf und wollen ihn steinigen. Da müssen wir schauen in den Evangelien, gerade bei den Juden: Da ist Glauben nicht gleich Glauben. Das meint oft einen Anfangsglauben, der erst weitergehen muss, wie wir eben gesehen haben, wie es Jesus selbst sagt, der aber nicht immer so weiterging.
Und das gibt es auch heute, dass Menschen so einen Anfangsglauben haben, aber noch lange nicht wirklich wiedergeboren sind. Und deswegen gehen diese biblischen Aussagen nicht gegen die Heilsicherheit, sondern gegen einen oberflächlichen Glauben, der nicht retten kann. Der wird überall getadelt in der Bibel, zu Recht getadelt.
Aber ich sehe schon, wie bei einigen jetzt das Gehirn heiß gelaufen ist, weil sie an den oder jenen denken, den man mal so kennengelernt hat im Lauf der Jahre, der doch mal so eifrig dabei war und heute leider weit weg ist vom Fenster. Aber seid ohne Sorge, ihr braucht mir keine Beispiele erzählen, ich kenne selbst genug von diesen Leuten.

Erfahrungen, Sichtbarkeit und die Grenzen menschlicher Urteile

Und dann müssen wir aber einen zweiten Kernsatz hier miteinander anschauen. Viele Gegner der Heilsicherheit bauen ihre Sicht mehr oder weniger auf subjektive Erfahrungen auf und vergessen dabei, dass Erfahrungen die Schrift bestätigen sollen, aber nie umgekehrt. Die Schrift muss nie unsere Erfahrungen bestätigen; die kann auch einmal einen dicken Strich durch unsere Erfahrungen machen. Erfahrungen müssen immer die Schrift bestätigen. Die Schrift ist das Entscheidende.
Schaut: Als ich als junger Gläubiger ins Seminar der Liebenzeller Mission eintrat, da hatte ich unter den Mitschülern vor allem zwei Vorbilder. Diese beiden waren an Ernsthaftigkeit und Eifer für die Sache des Herrn nicht mehr zu übertreffen. Aber wenn ich heute, fünfzehn Jahre danach, frage, was aus den beiden geworden ist, dann ist das ein sehr trauriges Ergebnis. Der eine hat sich vor einigen Jahren das Leben genommen, und der andere hat eine ungläubige Frau geheiratet, steht in einem weltlichen Beruf, und keiner weiß, wie es in seinem Herzen aussieht.
Das waren zwei wirkliche Vorbilder für mich in den ersten Jahren meiner Seminarzeit in Liebenzell. Wenn man solche und ähnliche Fälle zusammenzählt und daraus dann seine theologischen Schlüsse zieht, dann scheint einem die Lehre von der ewigen Sicherheit der Gläubigen eine Farce zu sein oder Vermessenheit. Aber Vorsicht, auch hier ist wieder ein Haken an der Sache. Mit welcher Berechtigung dürfen wir denn aus unseren Erfahrungen theologische Schlüsse ziehen? Das ergibt dann immer Erfahrungstheologie anstatt einer ausgewogenen Schrifttheologie.
Und außerdem: Wer kann mit absoluter Sicherheit sagen, dass die beiden jungen Männer, von denen ich eben gesprochen habe, wirklich wiedergeboren waren, oder ob sie es waren? Wer sagt, dass sie wirklich von Gottes Seite her verloren sind? Auch das kann sich von uns keiner letztlich anmaßen, ein Urteil zu sprechen. Gerade der Zweite, der noch lebt: Vielleicht lässt ihn der weise Gott im Augenblick an einer langen Leine laufen, an der er ihn eines Tages wieder ganz nah zu sich zieht. Wer sagt uns das? Wer von uns will das ermessen?
Nur Gott sieht, was wirklich im Herzen eines Menschen vorgeht. Und darum: Vorsicht mit unseren subjektiven Erfahrungen. Die Schrift ist maßgebend, die Schrift allein. Und die Schrift sagt in 2. Timotheus 2,19: Der Herr kennt die Seinen. In der Lutherbibel hieß es: Es kennt der Herr die Seinen. Ja, und danach ist auch das Lied gedichtet, das wunderschöne Lied: Es kennt der Herr die Seinen, hat sie stets gekannt.
Wir können oft in Anbetracht eines verworrenen Lebens nicht mit Sicherheit sagen, ob dieser oder jener Mensch gerettet ist oder nicht. Und schon gar nicht, wenn wir so ein Leben in der Mitte beurteilen. Unsere Menschenleben werden immer vom Ende her beurteilt, nie von der Mitte. Und dafür haben wir auch ein Beispiel in der Bibel, das Leben Lots zum Beispiel, Lots, des Neffen Abrahams. Von der Schilderung im ersten Buch Mose her könnten wir nicht wissen, ob dieser Lot errettet war oder nicht. Wir könnten es nicht wissen. Aber das Neue Testament sagt uns im zweiten Petrusbrief, dass er errettet war. Gott weiß es und hat es so offenbart.
Gott wusste es bei Lot, Gott weiß es bei mir, Gott weiß es bei anderen Menschen, er allein. Quintessenz aus diesem Punkt: Vorsicht in der endgültigen Lebensbeurteilung anderer. Ich sage immer wieder: Wir wissen nicht einmal, ob Adolf Hitler in der Hölle ist, wir wissen es nicht. Wir wissen nicht, was dieser Mann in den letzten Minuten seines Lebens getan hat, wir wissen es nicht. Es steht uns absolut nicht zu, darüber zu urteilen. Das weiß nur Gott.

Werke, Früchte und Belohnung

Drittens: Viele der 85 Bibelstellen, die die Vertreter der Armenianer zusammengestellt haben und mit denen sie behaupten, dass es keine Heilssicherheit gibt, handeln davon, dass eine Errettung auch in Werken und Früchten sichtbar werden muss. Das stimmt auch, das ist grundsätzlich richtig so. Errettung sollte in Werken und Früchten sichtbar werden.
Wenn irgendwo ein Feuer ist, dann gibt es Rauch. Das ist das untrügliche Kennzeichen: Wenn irgendwo Rauch aufsteigt, dann ist da ein Feuer. Ohne Feuer gibt es keinen Rauch. Und wenn einer errettet ist, dann muss da irgendwo etwas herauskommen, nämlich Werke und Früchte. Und wenn das nicht herauskommt, dann ist da kein Feuer. Das stimmt, das gehört wirklich zusammen.
Nur Vorsicht: Einen Menschen nach seinen Werken und Früchten zu beurteilen, kann uns auch schnell in die Irre führen. Manchmal führen Nichtchristen ein anständiges, korrektes, moralisch einwandfreies Leben, oft sogar vorbildlich in Selbstlosigkeit und Nächstenliebe, sodass wir uns alle eine dicke Scheibe davon abschneiden könnten. Es gibt Nichtchristen, die ein wirklich sauberes Leben führen.
Und wir echten Christen können leider manchmal in grobe Fleischlichkeit fallen oder auch in Sünden, sodass wir uns von den Ungläubigen nicht mehr unterscheiden oder sogar noch schlechter dastehen als sie. Wir heben uns dann sogar noch negativ von ihnen ab, ist es nicht so? Darum können wir anhand solcher Stellen nicht definitiv sagen: Dieser ist ein Wiedergeborener, weil seine Früchte ihn identifiziert haben, und nun ist er abgefallen, also hat er das ewige Leben verloren. Vielleicht war es nur ein moralisch sehr edler und guter Mensch, der sich bemüht hat und in Gottes Augen eben nicht wiedergeboren war.
Darum beeinflussen alle Stellen, die sich mit den sichtbaren Werken und Früchten der Errettung beschäftigen, nicht notwendigerweise die Lehre von der Heilsicherheit. Denn dabei geht es um objektive Tatsachen, wie wir vorhin auch im Jakobusbrief gesehen haben.
Eine vierte Aussage: Manche Stellen beziehen sich auf den Verlust der Belohnung, aber nicht auf den Verlust des Heils. Das müssen wir unterscheiden. Wir haben die Stelle gelesen in 1. Korinther 3,15. Ein Mensch, der errettet ist und sicher in Christus ist, kann trotzdem durch eine bestimmte Lebensführung viel, viel Frucht verlieren. Er kann sehr fleischlich, egoistisch, vordergründig und diesseitig leben, sehr wenig für den Herrn tun, und am Ende seines Lebens verliert er einen großen Teil der Belohnung, die er hätte haben können, wenn er hingegeben gelebt hätte.
Und da sagt uns diese Stelle in 1. Korinther 3,15 ausdrücklich: „Er selbst wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.“ Er verliert seine Belohnung, aber nicht die Seligkeit. Es berührt die Seligkeit nicht. Das müssen wir einfach unterscheiden.
Nach der Schrift kann ein Gläubiger auch aus der Gnade fallen, wie wir eben im Galaterbrief gelesen haben. Was heißt das, aus der Gnade fallen? Diese Stelle lehrt aber nicht, dass ein Christ das ewige Leben verliert, sondern dass er dann nicht mehr in dem Freiraum der Gnade lebt, wenn er wieder in Gesetzlichkeit zurückfällt.
Gesetzlichkeit heißt nicht, dass man irgendwie Äußerlichkeiten überbetont, das gebrauchen wir da fälschlich. Das Wort Gesetzlichkeit heißt immer: wenn ich mir das Wohlgefallen Gottes bewusst oder unbewusst wieder verdienen will. Das heißt Gesetzlichkeit. Wenn ich mir das Wohlgefallen Gottes verdienen will, wer in diese alte Verhaltensweise zurückrutscht, fällt aus der Lebenshaltung der Gnade heraus, nicht aber aus dem Werk der Errettung.
Er lebt nicht mehr in der Gnade, er ist auf einmal wieder auf dem Boden des Gesetzes, auf einmal muss er wieder, und auf einmal macht er wieder diese Erfahrungen von Römer 7, die wir vor einigen Monaten hier auch durchgesprochen haben. Aus der Gnade fallen heißt im Zusammenhang des Galaterbriefs und des ganzen Neuen Testaments: nicht mehr in diesem Freiraum der Gnade leben, dass ich mich geliebt und angenommen weiß und dass ich weiß, ich muss nichts bringen, sondern Christus hat alles gebracht, und mir ist alles geschenkt in ihm. Das heißt, in der Gnade leben.
Wir sollten da vielleicht nicht so schnell Steine auf die Galater werfen, denn es kann sein, dass auch wir immer wieder mal Phasen in unserem Christenleben haben, in denen wir ein Stückchen aus der Gnade fallen. Und auf einmal sind wir wieder dabei. Zuerst geschieht es meistens, ohne dass wir es merken. Bis es uns dann wieder aufgezeigt wird, durch den Herrn, durch sein Wort, durch eine Predigt oder was auch immer, dass wir auf einmal wieder dran sind, selbst zu treten und selbst zu arbeiten.

Züchtigung, Warnungen und die richtige Einordnung der Texte

Sechstens: Ein wirklicher Christ kann aufgrund seiner Widerspenstigkeit von Gott durchaus gezüchtigt oder gestraft werden, sogar bis hin zum körperlichen Tod. Und das ist für mich eine ernstzunehmende Deutungsmöglichkeit für Johannes 15,2, weil es dort heißt, dass jede Rebe, die Frucht bringt, gereinigt wird. Im Griechischen steht wörtlich: eine jegliche Rebe, die nicht Frucht bringen will.
Wenn ein Gläubiger wirklich widerspenstig ist und keine Frucht bringen will, dann kann ihn der Vater wegnehmen. Dann kann er bis zum Äußersten gehen und eine solche Rebe wegnehmen. Das heißt, er kann sie auch körperlich züchtigen, bis hin zum früheren Tod, als es eigentlich vorgesehen war.
Dasselbe haben wir ja auch in 1. Korinther 11, nicht dasselbe, aber Ähnliches. Dort sehen wir im Zusammenhang mit dem Mahl des Herrn, dass Gott Menschen, die das Mahl in unwürdiger Weise nehmen, sehr streng züchtigen kann, bis hin dazu, dass er Menschen entschlafen lässt. Das war bei den Korinthern damals der Fall.
Aber eine solche Züchtigung ist kein Beweis für den Verlust des Heils. Im Gegenteil, es ist sogar ein Beleg dafür, dass der betreffende Mensch ein Kind Gottes ist. Denn die Bibel sagt uns doch: Wen der Herr liebt, den züchtigt er. Mit dem handelt er so, nicht mit den Bastarden, die lässt er laufen.
In diesem Zusammenhang hat Hebräer 12,4-11 eine ganz eminente Bedeutung. Hebräer 12,4-11. Vielleicht ist es möglich, dass auch mal jemand von uns Brüdern in den nächsten Monaten über diesen Abschnitt spricht, der sehr wichtig ist. Im Bibellesezettel kommt das sehr häufig vor. Alle von uns, die den Bibellesezettel lesen, kennen diese Stelle sehr gut, aber es wäre auch gut, wenn darüber hier mal gesprochen würde.
Siebtens: Eine ganze Reihe dieser fünfundachtzig Stellen wird einfach falsch ausgelegt, schlicht und ergreifend falsch ausgelegt. Manche dieser 85 Stellen beziehen sich nicht auf Gläubige und die Gemeinde, sondern auf das Volk Israel in der Zeit der großen Drangsal.
Wir haben vorhin die Stellen gelesen in Matthäus 24, wo die Rede ist von der großen Verführung, dass viele verführt werden durch falsche Christusse, falsche Propheten und dergleichen. Und da hieß es auch: Nur wer beharrt bis ans Ende, der wird errettet werden. Gerade diese Stelle, Matthäus 24,13, hat eine Schlüsselrolle gespielt in der Geschichte der Lehre gegen die Heilssicherheit. Auf diese Stelle wurde sehr oft Bezug genommen. Man hat eine ganze falsche Lehre darauf aufgebaut, eine Beharrungslehre im württembergischen Pietismus, durch Johann Albrecht Bengel und andere, die sich auf diesen Vers gegründet haben und ihn so ausgelegt haben: Da seht ihr es doch, nur wer beharrt bis ans Ende, der kann wirklich selig werden. Wie kann da einer schon vorher wirklich wissen, dass er errettet ist und auch wirklich das Ziel erreicht?
Und man kommt automatisch in diese falsche Richtung, wenn man Israel und die Gemeinde nicht unterscheidet. Das sind zwei ganz verschiedene Paar Stiefel. Im Matthäusevangelium, Kapitel 24, geht es um das Volk Israel. Das ganze Matthäusevangelium hat ganz besonders das Volk Israel im Blickfeld, und diese beiden Kapitel zeigen uns die Zukunft Israels am Ende, ganz besonders in der Zeit der großen Trübsal, der großen Drangsal. Und da ist von der Gemeinde Jesu nach meiner Erkenntnis überhaupt nicht die Rede, weder in Kapitel 24 noch in Kapitel 25.
Auf jeden Fall nicht in Vers 13, denn das meint ausdrücklich Leute, die am Ende der großen Trübsal eben durchhalten müssen. Dann werden sie errettet werden aus dieser Trübsal heraus und dürfen mit Christus auf dieser Erde in das tausendjährige Reich hineingehen. Also, so sehen wir, sind viele Stellen gerade in Matthäus 24, 25 und auch in der Offenbarung des Johannes falsch ausgelegt worden, weil man Israel und die Gemeinde nicht unterschieden hat.
Manche dieser 85 Stellen beziehen sich auch auf falsche oder nicht wiedergeborene Lehrer der Endzeit, der letzten Tage, zum Beispiel die Stelle in 1. Timotheus 4,1-3, die wir jetzt nicht lesen wollen, oder auch das ganze Kapitel 2. Petrus 2. Das ganze Kapitel beschäftigt sich mit falschen Lehrern der Endzeit. Aber vielleicht können wir gerade diese Stelle aufschlagen, das ist auch so eine schöne Stelle: 2. Petrus 2,22. Da schließt er dieses lange Kapitel, das sich mit den falschen Lehrern der Endzeit beschäftigt, mit dem Vers, den wir sicher alle kennen: Der Hund kehrt wieder um zu seinem eigenen Gespei, und die gewaschene Sau zum Wälzen im Kot.
Wir hätten jetzt schon mindestens ab Vers 20 lesen müssen, aber nehmen wir mal nur den Satz. Wir müssen sehr genau darauf achten, welche Tiere hier gewählt werden. Hier ist die Rede von Hund und Sau. Sind das Ausdrücke, die die Bibel für einen Gläubigen verwendet, für Christen? Petrus kannte sich da gut aus. Er spricht oft von den Gläubigen, aber er nennt sie nie Hunde, und er nennt sie nie Säue. Er nennt sie Schafe, 1. Petrus 2. Er nennt sie Schafe, so wie die ganze Schrift. Hund und Sau meinen eindeutig Heiden, Nichtchristen. Niemals werden Christen in der Bibel Hunde und Säue genannt. Es sind Nichtchristen, und das ist klar.
Ein Hund kehrt wieder zu seinem eigenen Gespei zurück, oder eine gewaschene Sau: Wenn die wieder in den Kot reinläuft, in den Schlamm, dann ist das normal, aber es war eben nur eine Sau. Auch wenn sie gewaschen war, die kann sich mit 4711 einreiben und eine goldene Kette umhängen, es ist und bleibt eine Sau, S-A-U.
Von daher können wir auch diese Abschnitte, die sich auf die falschen Lehrer der Endzeit beziehen, hier nicht gelten lassen. Sie richten sich nicht gegen die Lehre der Heilssicherheit. Solche waren nie wirklich Kinder Gottes, sondern falsche Gläubige, getarnte Gläubige und Verführer.
Die Stelle Römer 11,21 habe ich vorhin noch genannt, wir haben sie gelesen. Sie meint nicht einzelne Christen, sondern mahnt die Heiden als Gesamtheit vor Hochmut gegenüber dem gefallenen Israel. Wir sehen jetzt, dass Israel gefallen ist, dass Gott Israel an die Seite gestellt hat, und da sollen wir als Heiden, einfach als andere Körperschaft der Heiden, der Nationen, uns jetzt nicht über Israel erheben und auf Israel herunterschauen und sagen: Guck, was die dummen Juden gemacht haben. Nein, das wäre eine vermessene, falsche, ungeistliche Haltung. Und davor mahnt der Apostel Paulus und sagt deswegen: Nein, ihr Heiden, passt auf, Gott ist souverän, und er könnte das mit euch genauso machen, wenn ihr diese Haltung einnehmt.
Also sehen wir: Eine ganze Reihe dieser 85 Stellen wird einfach falsch ausgelegt, wenn wir sie genau im Kontext, im Zusammenhang des jeweiligen Abschnitts beleuchten.

Bedingte Aussagen und die Frage nach Bewährung

Achtens: Einige Bibelstellen enthalten Bedingungssätze, etwa: „Wenn ihr bleibt ...“ Solche Aussagen werden oft so ausgelegt, als gelte unsere Errettung nur auf Bewährung.
Wenn jemand aus dem Gefängnis entlassen wird, bekommt er manchmal seine Haft auf Bewährung geschenkt. Dann muss er sich ganz ordentlich benehmen, darf nicht mit dem Gesetz in Konflikt kommen, sonst muss er wieder hinein. Die Strafe hängt dann weiterhin über ihm.
Und so meinen manche: Wir sind nur errettet auf Bewährung, bis wir irgendwann wieder einen groben Fehler machen. Dann fällt alles wieder auf uns zurück, was vorher vielleicht schon vor unserer Bekehrung auf uns lag. Doch diese Lehre kennt die Schrift nicht.
Ich nenne mal zwei Stellen, wo wir so ein „Wenn“ in den Briefen des Paulus haben: 1. Korinther 15,1-2 und Kolosser 1,21-23.
Nehmen wir die Stelle in 1. Korinther 15 als Beispiel, wenn ihr die bitte mit aufschlagt: 1. Korinther 15,1-2. Da schreibt Paulus: „Ich tue euch aber, Brüder, das Evangelium kund, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch steht, durch das ihr auch errettet werdet, wenn ihr festhaltet, mit welcher Rede ich es euch verkündigt habe, es sei denn, dass ihr vergeblich zum Glauben gekommen seid.“
Durch dieses Evangelium werdet ihr auch errettet. Es gibt kein anderes. Paulus führt das in den folgenden Versen aus, aber er fügt hier hinzu: Natürlich müsst ihr dieses Evangelium festhalten. Und wenn ein Korinther das nicht festhalten würde, so wie es Paulus gepredigt hat, wenn er auf einmal anfinge, ein neues Evangelium aufzustellen, so wie die Galater auch plötzlich ein anderes Evangelium hatten, dann mahnt er sie und sagt: Wenn ihr mit letzter Konsequenz an diesem Evangelium festhalten würdet, dann würde das am Ende beweisen, dass ihr gar nicht wirklich wiedergeboren wart, dass ihr das wahre Evangelium verkannt habt, dass euch das gar nicht aufgeschlossen war. Sonst hättet ihr nicht an dem Falschen festgehalten.
Aber die Schlussbilanz wird erst ganz am Ende gezogen. Und Gott sieht sie, nicht wir irgendwo zwischendrin. Da kann es im Menschenleben mal so oder mal so aussehen.
Ähnlich verhält es sich mit der Stelle im Kolosserbrief, Kapitel 1, 21-23.
Also, wir müssen das schon deutlich sagen: Es gibt in der Schrift nicht Errettung nur auf Bewährung. Dann wären wir ganz schön arm dran. Wenn wir wirklich nur errettet wären auf Bewährung, wenn es auf unsere gute Führung ankäme.
Wenn deine Bewahrung von dir selber abhängt, schreibt Spurgeon, dann bist du verloren. Du kannst dir das notieren, denn es stimmt: Wenn du auch nur ein Pünktchen zu deiner Bewahrung in der göttlichen Gnade beizutragen hast, dann wirst du niemals Gottes Angesicht sehen. Das war Klartext. 1859, im Januar, hat Spurgeon das in England gepredigt.
Deine Gnade wird dir sterben, dein Leben wird dir ausgelöscht werden, und du musst zugrunde gehen, wenn das Heil von dir selber abhängt. Wenn. Aber es ist nicht so.
Spurgeon hat es richtig durchschaut: Die Konsequenz wäre, wir wären verloren, wenn wir unser Heil aufrechterhalten müssten, bis zum letzten Tag, wenn es auf uns ankäme.

Die Warnungen des Hebräerbriefs und ihre Zielgruppe

So, wir haben schon acht dieser Aussagen miteinander durchleuchtet, zwei kommen noch. Jetzt kommen aber noch zwei ziemlich dicke Brocken, nämlich als Neuntes die sogenannten Warnstellen im Hebräerbrief.
Keine Sorge, wir werden jetzt nicht alle fünf dieser Warnstellen betrachten. Das können wir nicht, das haben wir auch vor einigen Jahren schon getan, als wir hier den Hebräerbrief Woche für Woche durchgenommen haben. Nein, ich möchte einfach sagen, dass diese Stellen im Hebräerbrief unbedingt im Zusammenhang des ganzen Briefes ausgelegt werden müssen. So wie Matthäus 24 und 25 auch im Zusammenhang des Matthäusevangeliums ausgelegt werden müssen, so müssen diese Stellen im Zusammenhang des Hebräerbriefs ausgelegt werden.
Und der Hebräerbrief ging ursprünglich auch zunächst an Juden, an Judenchristen. Und schau: Diese Hebräerchristen saßen damals, als der Schreiber schrieb – es war wahrscheinlich der geistliche Vater des Timotheus, wie Fred Kolbin zu sagen pflegt. Er sagt nicht, dass es Paulus war, er sagt, es war der geistliche Vater des Timotheus. Als der Hebräerbriefschreiber schrieb, da saßen diese Hebräerchristen wirklich zwischen allen Stühlen.
Als Christen wurden sie sowohl von den Römern als auch von den Juden abgelehnt. Sie waren wirklich schwerer Verfolgung ausgesetzt. Im Judentum wurden sie nicht verfolgt, das Judentum stand unter dem Toleranzedikt des Caesar. Caesar hatte den Juden als einziger Religion in seinem Reich erlaubt, einen anderen als ihn, den Kaiser, anzubeten. Alle anderen mussten den Kaiser anbeten, ihn, Caesar, Julius, den Kaiser. Und nur die Juden durften außer dem Kaiser noch ihren Gott anbeten, Toleranzedikt des Caesar seit 63 v. Chr.
Und da spielten nun einige der Judenchristen, der Hebräerchristen, mit dem durchaus verständlichen Gedanken, wieder ins Judentum zurückzugehen, um so der Verfolgung zu entgehen. Man muss sich das mal vorstellen: Das waren Juden. Sie hätten sich doch nur auf ihre ursprüngliche jüdische Identität berufen müssen und sagen können: Ich bin doch Jude, ich kann doch wieder in den jüdischen Tempel gehen, das ist doch nichts dabei. Ich gehe einfach in den jüdischen Tempel, ich gehe nicht mehr dahin, wo sich die Christen versammeln. Deswegen glaube ich doch immer noch an Gott, deswegen lehne ich doch Gott nicht ab, und so weiter.
Und in dieser Gefahr waren die Hebräerchristen, dem Druck der Verfolgung auszuweichen und einfach ins Judentum sich zurückzuziehen. Und da warnt sie der Hebräerbriefschreiber und sagt: Ihr lieben Brüder, Hebräerchristen, wenn ihr das macht, wenn ihr wieder am Opfersystem des jüdischen Gottesdienstes teilnehmt, dann sagt ihr damit: Christus war doch nicht der Messias. Sein Opfer am Kreuz von Golgatha hat uns doch nicht erlöst. Es ist doch nicht vollkommen und ewig gültig, sondern jetzt nehmen wir wieder teil an dem jüdischen Opferkult.
Und damit würden sie Jesus als den Messias verleugnen, und das hieße, ihn abermals kreuzigen. Dann würden sie sagen: Er war nicht der Messias, weg mit ihm, und würden ihn wieder kreuzigen. Und da mahnt sie der Hebräerbriefschreiber. Die Warnungen steigern sich in dem Brief, aber auch die Verheißungen, und die Größe Jesu zeigt er immer größer. Er führt sie hin zu Christus, dass er es doch ist und dass sie an ihm festhalten sollen und dass er ihnen auch die Kraft gibt, der Verfolgung standzuhalten. Dass sie rausgehen sollen aus dem Lager, damit schließt dann der Brief.
Das nur in aller Kürze zum Hebräerbrief, so wie wir ihn auch damals hier ausgelegt haben. Und darum können diese fünf Warnstellen nicht einfach hergenommen werden als Belege dafür, dass Christen wieder ihr Heil verlieren und das ewige Leben praktisch verlustig gehen.

Die Sorge vor Missbrauch und die Kraft der Gnade

Zehntens: Am häufigsten wird gegen die biblische Lehre von der Sicherheit der Errettung eingewendet, sie mache die Gläubigen selbstsicher, träge und fruchtleer. Manche meinen sogar, diese Lehre würde Christen zu einem Leben in der Sünde ermutigen.
Was, wenn ein Christ nicht mehr verloren gehen kann? Na ja, dann kann er ja drauflossündigen, dann kann er ja fünfe gerade sein lassen, dann kann er ja das Leben genießen, es kann ihm ja nichts mehr passieren, er hat ja den Yachtschein sicher, ja, für die ewigen Jagdgründe usw. So wird dann darüber geredet, darüber hergezogen.
Nun, was soll ich hierzu sagen? Leider ist keine einzige biblische Lehre davor gefeit, von uns Gläubigen verzerrt zu werden oder sogar ins Gegenteil verkehrt zu werden. Das ändert aber an der Richtigkeit des Wortes Gottes nichts. Es zeigt nur den verzweifelt bösen Zustand unseres Herzens. Aber sicherlich sollten wir mit diesen kostbaren Schriftwahrheiten verantwortlich umgehen.
Das ist ganz sicher richtig, dass ich damit verantwortlich umgehe. Und ihr kennt mich jetzt schon einige Jahre, die meisten von euch: Ich bin keiner, der diese Lehre von der Sicherheit der Gläubigen in dem Erlösungswerk Jesu so rausbosaunt, so pauschal, so bei jeder Gelegenheit in die große Menge reinruft oder gar bei Evangelisationen oder was weiß ich oder gar ungläubig in diese Lehre so vor die Augen stellt. Sondern ich versuche, damit wirklich verantwortlich umzugehen, in der Seelsorge, da, wo Menschen angefochten sind, wo sie schwach sind, wo sie Ermutigung brauchen, wo sie gerade eben diese Wahrheiten brauchen, dass der Herr treu ist und dass er sie festhalten wird.
Ich betone die Treue Gottes in unserem Leben. So verwende ich diese Lehre und nicht so plakativ, nicht so pauschal über alle drüberstülpen: Ein Christ kann nie mehr verloren gehen, Punkt. Sondern damit sollen wir ganz, ganz vorsichtig und weise umgehen.
Wenn ich zum Beispiel jemanden vor mir habe, der vorgibt, Christ zu sein, ansonsten aber fünfe gerade sein lässt, dann werde ich ihm nicht gerade mit dieser ewigen Sicherheit des Heils trösten. Sondern dann werde ich ihm ganz schön Dampf machen. Dann werde ich ihm sagen: Mein lieber Freund, wenn du behauptest, Christ zu sein, und dich so verhältst und so lebst, dann muss ich das ganz gewaltig anzweifeln. Das kann wohl nicht sein. Ich fürchte, du bist gar nicht wiedergeboren.
Da muss man Menschen unter Umständen so behandeln. Aber dann werde ich ihm nicht sagen: Na ja, wenn du sagst, du bist gläubig, dann ist ja alles in Butter, dann kann dir nie mehr was passieren, mach gerade weiter so. Das wäre natürlich völlig falsch damit umgegangen.
Aber zu sagen, dass das eine gefährliche Lehre sei, zeigt nur einen Mangel, einen großen Mangel an Verständnis der Gnade Gottes. Das Wissen, dass Gott uns ein solch großes Heil geschenkt hat, das weckt doch nicht die Sünde in uns, sondern den Wunsch, der Sünde zu fliehen. Das weckt doch in uns einen Abscheu vor der Sünde. Wenn wir sehen, was Gott für ein großes Heil geschaffen hat, was er für uns getan hat in Christus, dann bewirkt das doch in uns nicht so einen lästerlichen Gedanken: Na ja gut, dann kann ich ja drauflossündigen, dann kann mir nichts mehr passieren. Wer so denkt, der entlarvt sich selbst, dass er das nicht verstanden hat und dass da nicht wirklich das Heil Gottes in seinem Leben ist.
Das weckt in uns den Wunsch, der Sünde zu fliehen und Gott in Liebe und Dankbarkeit zu dienen.
Jemand schrieb: Es ist nicht notwendig, Menschen in fortwährender Furcht vor der Verdammnis zu behalten. Das macht die katholische Kirche. Die hält die Leute immer in permanenter Furcht vor der Verdammnis. Und so werden sie ihr ganzes Leben lang durch in Furcht gehalten, und wenn sie gestorben sind, dann wissen sie es immer noch nicht, dann kommt erst noch das Fegefeuer, dann werden sie noch in der Ewigkeit in Furcht gehalten, bis sie vielleicht irgendwann mal durch sind.
Nein, es ist nicht nötig, Gläubige in fortwährender Furcht vor der Verdammnis zu halten, damit sie sich ordentlich betragen. Die vornehmste und stärkste Voraussetzung für den Gehorsam ist die Liebe zu Gott, die Liebe zu Christus, die Liebe zu ihm. Die bewirkt Gehorsam in uns, nicht die Furcht nur, dass wir in die Hölle kommen, dass wir ein armes Christenleben führen würden, wenn wir nur aus Furcht vor Strafe und Hölle irgendwie ein geheiligtes Leben führen würden.
Außerdem wollen wir als Christen nicht deshalb ein geheiligtes Leben führen, um unsere Errettung abzusichern, sondern aus Liebe zu Jesus, der uns so teuer erkauft hat. Und darum ist es uns eine größere Sünde, gegenüber der Gnade zu sündigen, als gegenüber dem Gesetz zu sündigen. Das kann ich wirklich auch so bezeugen. Das tut mir heute mehr weh, wenn ich jetzt sündige gegen meinen Herrn, der mir so ein großes Heil geschenkt hat, den es so viel gekostet hat, als früher, als ich darauf losgesündigt habe.
Sobald ein Mensch errettet ist, erhält er auch eine neue Natur. Das sagt uns 2. Petrus 1: Es ist uns eine neue Natur geschenkt. Alles, was zum göttlichen Leben und Wandel dient, ist uns geschenkt durch eine neue Natur. Und diese Natur bewirkt Abscheu vor der Sünde. Sie bewirkt nicht, dass wir darauflossündigen und sagen: Na ja, mir kann ja nichts mehr passieren, ich bin ja versiegelt. Nein, nein, das ist ein völlig falsches Verständnis.
Wer so denkt und wer so redet, hat die Gnade Gottes nicht wirklich verstanden. Der hat es noch nicht begriffen, dass die Gnade Gottes uns in Zucht nimmt, das ungöttliche Wesen zu verleugnen. Titusbrief 2,11-14. Ganz wichtiger Abschnitt. Die Gnade nimmt in Zucht. Die Gnade bewirkt nicht, dass wir so drauflossündigen.

Schlussgedanken und Ausblick auf den zweiten Teil

So, ich muss zum Schluss kommen für diesen ersten Teil heute Abend. Wir haben zu Beginn gesagt, dass die Armenier, diese Christen, die die Heilsgewissheit ablehnen, wohl an die 85 Bibelstellen zusammengetragen haben, die ihre Sicht stützen sollen.
Wir haben nun diese 85 Stellen, oder viele von ihnen, zehnmal gefiltert. Wir haben sie durch zehn Filter durchlaufen lassen. Und vielleicht haben wir nicht alle 85 Stellen jetzt widerlegen können. Ich gebe ganz offen zu: Es gibt einige Stellen im Neuen Testament, für die ich bis zum heutigen Tag noch keine letztgültige Erklärung habe.
Eine davon ist 1. Johannes 3,15, wo es heisst, dass ein Totschläger das ewige Leben nicht bleibend in sich hat. Da kann man Auslegungen lesen, wo man will. Und das haben wir schon getan. Wir haben schon fast alles dazu gelesen, was uns zugänglich war. Darauf haben wir noch keine letztgültige Antwort. Es gibt auch noch einige andere Stellen, mit denen ich noch nicht fertig bin.
Aber wenn auf der anderen Seite Dutzende von Stellen eindeutig von der ewigen Sicherheit der Kinder Gottes sprechen, dann kann ich nicht anders. Dann wäre es unredlich, jetzt wegen einer oder zwei oder drei Bibelstellen, die ich noch nicht verstehe, diese Lehre abzulehnen, wo es Dutzende gibt, die eindeutig sind, wo die Maus keinen Faden abbeisst.
Nur können wir heute Abend diese Stellen, die für diese Lehre von der Sicherheit der Gläubigen sprechen, nicht mehr anschauen. Das wollen wir im zweiten Teil machen, heute in einer Woche.
Ihr fragt euch vielleicht, warum haben wir damit nicht angefangen? Man fängt doch immer mit dem Positiven an. Ich habe mir das gut überlegt. Ich habe absichtlich angefangen mit diesen Stellen heute Abend. Denn manchmal muss erst einmal Platz geschaffen werden, muss erst einmal das Pfahlhausenweg geräumt werden, damit das wirklich wahre Gebäude aufgebaut werden kann. Und darum bin ich in dieser Weise vorgegangen.
Lasst mich schliessen mit einem Zitat von Spurgeon und mit einem Zitat aus der Schrift. Spurgeon, wenn ihr noch einmal kurz hören könnt, ein gewaltiges Zitat aus einer Predigt, ebenfalls aus dem Jahr 1859, da sagt er: Wenn wir auch nur ein einziges Mal der Lehre Glauben schenken würden, dass das Kind Gottes aus der Gnade fallen und für ewig verloren gehen kann, könnten wir in der Tat unsere Bibel in Verzweiflung schliessen. Denn was für einen Sinn hätte dann meine Predigt, die Verkündigung eines derart schwindsüchtigen Evangeliums, nenn es, wozu dann dein Glaube, ein Glaube an einen Gott, der nicht bis ans Ende durchbringen kann und wird? Wozu wäre das Blut Christi gut, wenn es vergeblich vergossen wäre und den Bluterkauften nicht sicher heimbringen würde? Welchen Sinn hätte der Geist, wenn er nicht allmächtig genug wäre, um unsere Irrwege zu meistern, unsere Sünden aufzuhalten, uns vollkommen zu machen und schliesslich fehlerlos vor dem Thron Gottes zu präsentieren? Mit der Lehre von der endgültigen Bewahrung der Heiligen, das glaube ich, steht und fällt das Evangelium, so wie mit dem Artikel von der Rechtfertigung aus Glauben. Ein unwandelbarer Gott, ein ewiger Bund, eine sichere Gnade, das ist es, woran meine Seele Freude hat. Spurgeon, 1859.
Und zum Schluss das Schriftzitat Judas, gerade Judas, der in seinem Brief auch mit vielen falschen Lehrern zu tun hat, die damals schon da waren und die auch in der Endzeit da sein werden. Er schliesst seinen Brief mit einem wunderbaren Lobpreis:
 Judas 24-25: Dem aber, der euch ohne Straucheln zu bewahren und vor seiner Herrlichkeit tadellos mit Frohlocken hinzustellen vermag, dem alleinigen Gott, unserem Heiland durch Jesus Christus, unseren Herrn, sei Herrlichkeit, Majestät, Gewalt und Macht vor aller Zeit und jetzt und in alle Ewigkeit. Amen.