Wir haben einen Abschnitt jetzt nach der Auferstehung Jesu Johannes 20, die
Verse 24 bis 29.
Es ist immer gut, wenn Sie Ihre Bibel aufschlagen, Ihren Glauben, an die
richtige Verkündigung des Pfarrers, die sollten Sie ständig hinterfragen.
Am Bibelwort sollten Sie keine Zweifel hegen, aber deshalb sollten Sie
immer mit der Bibel die Predigt verfolgen. Liegt da gar keine bei Ihnen,
die sind alle so blindgläubig, dass alles, was ich so sage, so recht ist.
Also, Johannes 20, die Verse 24-29. Das ist eine deutsche Sitte. In der
ganzen Weltchristenheit gibt's keine Predigthörer, die nicht die Bibel auf
dem Schoß haben. Das ist bloß in Deutschland, dass man so ganz ergeben.
24 Thomas aber, der Zwilling genannt wird, einer der Zwölf, war nicht bei
ihnen, als Jesus kam.
25 Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber
sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und
meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege,
kann ich's nicht glauben.
26 Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen versammelt, und
Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und
tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch!
27 Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine
Hände und reiche deine
Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern
gläubig!
28 Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott!
29 Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst
du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!
Sollten Sie einmal nach Südindien in den Staat Kerala kommen, dann werden
Sie dort Christen treffen, und zwar ziemlich viele, die Ihnen erzählen,
ihre Kirche gehe auf Thomas zurück. Genau jenen Thomas. Hier, von dieser
Geschichte. Und das ist sehr glaubwürdig. Auch wenn es nicht in der Bibel
drinsteht. Damals war der Handelsverkehr mit Indien im Römerreich sehr
lebendig, da wurde Pfeffer transportiert. Wir haben schon um 200
schriftliche Zeugnisse über das Christentum in Indien, und schon um 400
gibt es Nachweise über große lebendige Christengemeinden in Indien. Alle
gegründet worden von dem Thomas. Bei uns hat man ja dem Thomas in aller
Stille den Beinamen gegeben: Der ungläubige Thomas. So wie man sagt:
Friedrich der Große oder Eberhard im Bart hat man gesagt: Das ist der
Tomas, der Ungläubige. Von wegen, er steckt Sie alle in die Tasche mit
seinem Glauben. Er ist uns allen hoch überlegen. Das war ein mutiger Mann.
Also, wenn Sie Ihre Bibel kennen würden, wüssten Sie, wo kommt der vor, der
Thomas im Johannesevangelium. Ich kann auch sagen: Johannes 11 beim
Lazarus. Wo er zu Jesus sagt: Wir sind bereit, mit dir zu sterben. Ja,
sagen Sie, ist das ein Ungläubiger? Würden Sie das so leichtweg sagen: Ich
bin bereit, mit Jesus zu sterben. Der Thomas war ein großer Mann. Und
wissen Sie, wenn man so alles glaubt, das stellt Ihnen kein gutes Zeugnis
aus. Glauben Sie als, was Ihnen so erzählt wird? Das in der Zeitung und im
Fernsehen und so? Das machen die Naivlinge. Das sind Sie doch nicht! Sie
fragen doch auch kritisch nach und sagen, halt mal, ich muss das mal
überlegen, ob das sein kann, oder ob das wahr ist, ein kritisches,
prüfendes Urteil ist ja immer ein Zeichen dafür, dass einer hell ist. Das
gehört mit dazu. Deshalb: Flicken Sie bitte nicht so schnell dem Tomas was
ans Zeug. Die Bibel tut das jedenfalls nicht. Das ist ja merkwürdig, dass
man beim Hören immer gleich sagt: Ah, der Thomas, und dann ordnet man alle
ein. Und man fühlt sich erhaben. Ich hab hohen Respekt vor dem Thomas. Und
ich find das großartig, dass er der Sache nachgegangen ist. Und dass er für
uns ein Zeuge der Auferstehung Jesu ist. Wir wollen doch prüfen, und
wissen, was wahr ist.
Mein erster Punkt: Nicht Sprüche, wir brauchen Tatsachen.
Sehen Sie, weil das so wichtig ist, dass man genau weiß, was wahr ist, muss
man vorsichtig sein. Es wird heute sogar viel gedruckt und viel erzählt,
was erlogen, betrügerisches Tun war. Und es ist bloß gut, wenn Sie ein
kritischer Mensch sind. Und fallen Sie bitte auch in Glaubensdingen nicht
auf alles herein, was Ihnen erzählt wird. Das wäre furchtbar. Wenn
irgendeiner Ihnen was erzählt, und sei es auch, wer auch immer, und Sie
sagen immer bloß ja, und nicken mit dem Kopf. Sie müssen doch prüfen! Wir
müssen sogar von dem Thomas lernen! Das er fragt und sagt: Ja, was ist denn
wirklich wahr? Ich hab viele Menschen getroffen, Christen, die gesagt
haben: Och, ist alles nicht so wichtig, was man glaubt. Ob das so oder
anders ist, mir ist alles recht. Das stimmt doch nicht! Das kann doch nicht
wahr sein! Sie müssen doch Bescheid wissen! Über Buddha oder Mohammed oder
Jesus, oder was über Jesus Sie glauben. Sagen Sie einfach, das kommt alles
nicht so genau drauf an. Das wäre ja, wie wenn Sie zum Arzt sagen: Es ist
mir ganz egal, was für ein Medikament Sie mir geben. Wofür. Hauptsache, ich
schluck was. Das kann die Pille sein oder ein Atemgold oder so, in schweren
Krankheiten, nein, Sie sagen: Ich will genau wissen, was für ein Medikament
das ist. Ich muss doch wissen, um was das geht. Und heute, Sie haben das
doch gemerkt. Oder haben Sie nicht gemerkt, dass heute auf den Kanzeln
allerlei Theorien verbreitet werden. Da gibt es Leute, die sagen, das ist
gar nicht so wichtig, ob Jesus auferstanden oder im Grab vermodert ist.
Sind Sie auch von dieser liberalen Toleranz? Ich nicht. Der Thomas hat doch
Recht! Wenn es um mein Sterben geht, muss ich doch wissen, was wahr ist!
Ich will doch nicht irgendeinem Aberglauben aufsitzen. Ich muss doch mein
Leben an eine Wahrheit binden, auf die ich mich felsenfest verlassen kann!
Das hat der Thomas gemerkt. Die Auferstehung Jesu ist der Dreh- und der
Angelpunkt aller christlichen Botschaft. Alle anderen Themen im Neuen
Testament, da könnte man hingehen und da noch ein bisschen drücken, wenn
man wollte. Aber wenn Jesus nicht auferstanden ist! Haben Sie sich mal über
die Konsequenzen Klarheit verschafft? Paulus hat das ja 1.Korinther 15getan. Wenn Jesus nicht auferstanden ist, dann ist es eine unverschämte
Arroganz, dass heute Morgen die Glocken geläutet haben. Und wenn man den
Leuten ihre gute Ruhe stört. Dann ist jedes Wort, das hier gepredigt wird,
die größte Lumperei. Denn was wollen wir hier reden, wenn Jesus gar nicht
auferstanden ist? Da ist jede Mark, die im Namen Jesu gesammelt wird,
Vortäuschung falscher Tatsachen und ein Betrug. Dann gibt es keine
Vergebung der Sünden. So war die Argumentation des Paulus, dann sind alle
Prediger die schlimmsten Volksverdummer. Denn sie behaupten etwas, was gar
nicht stimmt, und Paulus sagt: Nicht nur, dass sie die Menschen belügen,
sie haben ja noch Gott angelogen. Wenn Gott Christus nicht auferweckt
hätte, darum muss man wissen, ist das wahr oder ist das nicht wahr? Und uns
nützen keine Sinnbilder, uns nützen nicht einmal Visionen oder Träume oder
sonst irgendwelche Dinge, Ideen und Gedanken, Meinungen, die irgendetwas
ausdrücken sollen, sondern mein Sterben ist real, was wird denn bloß
bleiben, wenn ich einmal sterbe? Da muss ich eben wissen, was los ist! Was
denn sonst. Da hilft nur das eine: Hat Jesus wirklich den Tod überwunden,
ist er als der Tote von Gott auferweckt worden? Oder nicht? Ist das wahr?
Wenn Sie einmal wirklich über diese Fragen nachdenken, dann spüren Sie, was
sich da auftut. Haben Sie schon einmal über Ihr eigenes Sterben
nachgedacht? Denn das sind ja ganz unheimliche Konsequenzen! Wenn es keine
Auferstehung gibt, ja, was ist dann? Ja, dann versinke ich im Nichts. Es
gibt nie mehr eine Wiederkehr. Den Optimismus, dass dann alles gut wird,
ich weiß nicht, ob die Leute das dann können. Wenn die Auferstehung Jesu
nicht ist. Die Zweifel, die wirklichen Zweifel, die werden ja nicht im
Hörsaal oder im Schulzimmer oder aus Büchern gezogen. Manchmal sind so
Diskussionen so arg theoretisch, akademisch. Die wirklichen Zweifel kommen
ja im Leben. Also, wenn Sie eine schwere Krankheit haben, und es noch
fragen: Hört Gott mein Gebet? Und Sie sich auf einmal bewusst machen: Wenn
das nicht wahr ist, wenn das nur ein Ammenmärchen meiner Oma war, was ist
dann? Das unheimliche Nichts, in das ich stürze. Die ewige Weite, und ich
stehe allein und habe keinen Halt. Was denken Sie, wie das heute bei
Menschen ist, denen vielleicht ein Wirbelsturm ihre kleinen Hütten
zusammengebrochen hat, die vor dem Nichts stehen. Die fragen ja ganz anders
in ihrem Zweifel. Ist da wirklich ein Gott, der mich kennt? Da wissen Sie,
was Zweifel ist. Ein ganz ernsthaftes Suchen und Fragen. Und da helfen
Ihnen nicht Sprüche. Dass Ihnen irgendjemand sagt: Ach ja, du musst halt
den Mut nicht sinken lassen. Du musst eben irgendeine Hoffnung haben. Ich
möchte wissen, was ist wahr, wenn alles zerbricht. Letzten Sonntag, an
Ostern, hatten wir einen afrikanischen Dozenten noch hier. Da hätte keiner
gedacht, dass wenige Tage später siebzig Kilometer von dem Heimatort dieses
Dozenten weg von Kambale in Uganda wahrscheinlich zehntausende auf
bestialische Weise grausam ermordet wurden, in Kigali. Und das Schlimmste
kommt noch. Mir sagte doch die deutsche Botschafterin in Bushumbura einmal:
Wir wissen alle, es kommt wieder, dieses unheimlich Morden, aber es weiß
niemand, es weiß eine halbe Stunde vorher noch niemand, aber wenn es
losgeht, sind in kürzester Zeit zehntausende umgebracht. Und niemand weiß,
warum. Das ist in Jugoslawien doch nicht anders. In der deutschen
Geschichte, bei unserer Judenvernichtung erklären, warum? Wenn das alles
ist in dieser unheimlichen Welt, wo habe ich denn einen Halt, auf was kann
ich mich denn verlassen, worauf kann ich denn bauen? Ich muss das einmal so
sagen, weil manche reden so munter von ihren Zweifeln. So ganz heiter: Ach
ich hab jetzt Zweifel, wie wenn sie von den Rettichen im Garten reden oder
von den Skatkarten. Die Zweifel sind nämlich die letzten existenziellen
Lebensbedrohungen. An den Zweifeln gehe ich zugrunde. Und da muss ich rufen
wie ein Hiob, der mit Gott gerungen hat und sagt: Wo denn, wo ist denn ein
Halt, worauf kann ich mich denn noch verlassen in meiner Not, woran kann
ich mich denn binden? Wenn Ihnen Leib und Seele verschmachtet, wo wollen
Sie Ihren Trost denn haben? Und deshalb ist es doch gut, dass der Thomas
nachfragt! Welcher Christ hat das Recht, diesen Thomas irgendwie
überheblich abzukanzeln? Vor Jahren traf ich jene schrullige Frau in der
Dachgeschosswohnung. Ich hab oft versucht, reinzukommen in die Wohnung. Es
ist mir gar nicht gelungen. Sie hat auch nie die Türe aufgemacht. Nur ihre
Katzen ließ sie rein. Aber sie hat gesagt: Menschen traue ich nicht. Alle
Menschen sind böse. Und sie wurde immer in ihrem Glauben bestätigt. Und in
ihren Zweifeln. Sie hatte immer recht. Sie sagte: Es gibt nur böse
Menschen. Sie war froh, wie ich wieder weg war. Es gibt Leute, die gefallen
sich in ihrer Skepsis, wissen sie, auch in Glaubensdingen. Die sagen: Ich
kann nicht glauben. Ja, sie wollen gar nie auch ihrem Zweifel. Es gibt
Menschen, die sagen: Ic hwürde gerne glauben, wenn du es mir beweisen
würdest. Dann würde ich mich auch bequemen. Aber sie sind ganz froh, dass
man den Glauben nicht beweisen kann, dann müssen sie sich auch nicht
bekehren. Da war ein Thomas ganz anders. Für den Thomas war das der Schrei
aus der großen Not, der absoluten Dunkelheit, der Verzweiflung. So wie
diese zwei Männer nach Emmaus hinausgelaufen sind, und nicht wussten, wo
soll man hin: Es gibt keine Hoffnung mehr. Und dann suchen sie. In unserer
Zeit gibt es natürlich viele Menschen, denen genügt es, was man in die Hand
nehmen kann: Natürlich, ich glaube nur, was ich sehe. Was man mit beiden
Händen fassen kann. Genauso sagt man: Ich glaube nur, was man kauen kann.
Ich glaube nur, was meine Sinne befriedigt. Meine Lebenssehnsucht. Ich
glaube nur, was auf meinem Konto liegt, was in meinem Geldbeutel aufbewahrt
wird. Aber wer wirklich sein Leben begriffen hat, ich verstehe den Thomas,
dass man tiefer suchen muss, ernsthafter suchen muss.
Da bin ich beim zweiten Punkt. Richtig suchen muss man. Das erste war:
Nicht Sprüche, wir brauchen Tatsachen. Zweitens: Richtig suchen muss man.
Wie sucht der Thomas? Bei dem merkt man, ob man richtig sucht. Er geht zu
den anderen Glaubenden. Merken Sie schon? Wie ist das bei Ihnen, wenn Sie
Zweifel haben? Ich hab oft gehört: Ich hab grad Zweifel, dann komm ich
nimmer, für das nächste halbe Jahr. Der Thomas geht zu den andern Jüngern.
Obwohl er nicht mehr klarkommt. Gerade dann umso mehr. Und ich freu mich,
wenn wir in der kommenden Woche viele Gespräche führen können mit Ihnen.
Denn da wird sich's zeigen, ob Sie richtig suchen, oder ob Sie nur drüber
reden über Ihre Zweifel. Suchen – so macht's der Thomas. Er war ja nicht
da, als Jesus den Jüngern erschienen war. Aber dann hat er sich trotzdem zu
den Jüngern gehalten. Im Hebräerbrief steht das schöne Wort: Lasst uns
nicht verlassen die Versammlungen. Auch wenn Sie in Zweifeln sind, niemand
verachtet Sie. Es gibt niemand hier heute in diesem Gottesdienst, der nicht
mit seinen Zweifeln im Leben ringen muss. Ganz natürlich. Und wenn einmal
die Anfechtungen an Sie kommt, es wird schwer werden. Wo kann ich glauben?
Ja, es versteht Sie jeder, und ist bereit, Ihnen zu helfen. Und bevor man
sucht, und setzt sich damit auseinander, und da mag eine Gemeinde noch so
armselig und kümmerlich und schwach aussehen, dort, sagt, Jesus, wo zwei
oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen. Das
ist ein Geheimnis. Ich weiß nicht, wie viele Menschen hier sind, die
einfach durch den Gottesdienst zum Glauben gekommen sind. Die gehen nachher
raus und sagen: Jetzt sehe ich durch. Gott sei Dank! Gott hat sein Wort so
gesprochen, dass ich es fassen kann. Wunder des Heiligen Geistes. Wenn ich
einmal in der Ewigkeit bin, und Sie treffen auch den Thomas, danken Sie
ihm. Danken Sie ihm, dass er damals nachgehakt hat. Denken Sie, wenn Thomas
das nicht gemacht hätte, dann hätten ja die Theologen doch recht gehabt,
die gesagt haben, das war bloß so eine Theologie von der
Urchristengemeinde, so eine Vorstellung, dass Jesus auferstehen muss. Die
haben Jesus nur emporgejubelt. Aber das ist ja Quatsch! Die Gemeinde ist
immer ungläubig. Christus hat sie überwunden und der Thomas hat noch einmal
nachgefasst und gesagt: Ist das wirklich so, kann man dich auch anfassen,
ist das wirklich Leiblichkeit? Und das ist doch so wichtig! Da müssen die
Leute das ganze Stück aus der Bibel rausreißen, wenn sie jetzt noch weiter
das leugnen. Es geht um eine leibhafte Auferstehung, nichts anderes. Und
das sind wir dem Thomas so dankbar. Ich hab sie ja vorhin gefragt, ob Sie
Ihre Bibel kennen. Den Thomas, wo kommt er denn noch vor im
Johannesevangelium? Wer sagt es denn? - Bei der Auferweckung des Lazarus.
Und noch mal wo? Bei den Abschiedsreden. Johannesevangelium 14. Jetzt
müssen Sie doch noch mal in Ihre Bibel reinschauen. Nicht so weit
vorgeschlagen. Johannes 14. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich
nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich. Ich gehe hin euch die Stätte zu
bereiten. Und dann sagt er: Und wo ich hingehe, den Weg wisst ihr. Die
Jünger standen ergriffen da, als Jesus sagte: Ich gehe jetzt weg, und ihr
wisst ja den Weg, und die Jünger standen da, ja, ja, wir wissen den Weg. So
wie Sie ja auch in der Predigt taten und sagten: Ja, ja, wird schon so
sein. Und bloß der Thomas sagt: Herr, ich weiß nicht, was dein Weg ist,
bitteschön. Wieder ist er der Gründliche. Und tun Sie das doch nicht
verurteilen. Wenn er nachfragt: Ich habe das nicht begriffen, von was redet
Jesus, und da hat er Jesus zu einem Satz herausgefordert, für den will ich
ihm auch in Ewigkeit noch danken. Er sagt: Herr, ich weiß den Weg nicht,
und was sagt dann Jesus? Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben,
niemand kommt zum Vater denn durch mich. Das haben wir dem Thomas zu
verdanken. Dass ein für allemal klargestellt ist, wissen wir den Weg. Jesus
hat nicht gesagt: Dies und das und jenes, sondern: Durch mich. Niemand
kommt da durch. Kommt zu mir und dann kommt ihr zum Vater. Das ist die
Wahrheit und das ist der Weg. Und durch dieses kritische Nachfragen vom
Thomas ist es ans Licht gekommen und wir können den Weg jetzt wissen. Das
ist ein Eckpfeiler unseres Glaubens, für uns dargelegt im Wort Gottes. Und
jetzt ist eindeutig, genauso mit dem auferstandenen Jesus, er ist wirklich
auferstanden. Jesus sagt: Thomas, du darfst mich anfassen, deine Hand in
die Wundmale legen und meine Seite berühren, da, wo der Spieß
hineingestoßen wurde. Berühre mich. Dass du siehst, ich bin's wirklich. Es
ist ja merkwürdig, dass Thomas nach allem, was dasteht, den Jesus gar nicht
mehr berührt hat. Es hat ihm genügt. Ich weiß, dass Skeptiker, und so ist
heute meine Predigt-Überschrift: Jesus für Skeptiker. Skeptiker brauchen
gar nicht viel. Ich will Ihnen sagen: Sie werden von vielen Christen
enttäuscht sein. Regen Sie sich nicht auf. Das ist uns allen so gegangen.
Sie werden von Jesus nicht enttäuscht sein. Jesus versteht Sie. Machen Sie
das Gespräch mit Jesus. Gehen Sie in die Stille. Nehmen sie sein Wort.
Reden Sie mit ihm. Und Jesus wird Sie überführen und gewiss machen. Er geht
auf Ihre Zweifel ein.
Mein dritter Punkt: Glaube, der die Welt überwindet. Sieghafter Glaube, der
die Welt überwindet. Dass Thomas ein Zeichen bekommt, ist für uns alle
überraschend. Also, Jesus sagt: Fasse mich an, das wurde der Maria
Magdalena nach der Auferstehung verwehrt, und da sagt er: Du darfst mich
nicht anfassen. Jesus erlaubt's dem Thomas. Da geht Jesus ja ganz
verschiedene Wege. Da macht er's ganz verschieden. Bei Ihnen und bei mir.
Aber Jesus beugt sich sehr weit herunter. Und wir sagen manchmal: Wir
wollen das gar nicht. Doch! Jesus will Sie zum Glauben überführen und sie
können in Ihrem Leben ungeheure Dinge erleben. Es ist ja wichtig, dass
unser Glaube nicht an den sichtbaren Dingen klebt. Denn wenn Sie noch die
wunderbarste Krankenheilung erlebt haben, kann sie ja Ihr Glaube nur so
weit führen, wie diese Krankenheilung reicht. Wenn's dann ans Sterben geht,
dann reicht Ihr Glaube nicht mehr darüber hinaus. Deshalb ist es ja so
wichtig, dass Sie nicht am sichtbaren hängen. Ich hab's ja vorhin aus den
Worten des Paulus verlesen: Uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare,
sondern auf das Unsichtbare. Und wie geht es dann? Da ist ein Mensch, der
skeptisch ist, plötzlich auf den Unsichtbaren schaut, da gibt Jesus ein
Zeichen, so, wie er dem Thomas sagt: Du darfst mich anfassen. Bei Ihnen
gibt er ein anderes Zeichen. Auch Sie werden erkennen über seinem Wort, da
redet ja Jesus nochmal, und das ist die Wahrheit, und da trifft er Ihr
Gewissen. Werden Sie auf einmal merken, wie Jesus genau auf Ihre Dinge
eingeht. Wo Sie suchen, ob Sie vorne oder hinten suchen, Sie werden so viel
entdecken. Die Bibel bleibt ein unergründliches Geheimnis. Wie Jesus mit
zweifelnden Menschen redet und sie gewiss macht, und sie überführt. Es geht
manchmal zu, wie bei dem König Ahas. Prophet Jesaja sagte: Such dir ein
Zeichen für deinen Unglauben. Gott wird dich überführen. Sagt: Ich will
kein Zeichen. Man soll Gott nicht versuchen! Und dann wird der Jesaja
ärgerlich: Gott geht dir doch entgegen in deinem Glauben, aber du darfst
nicht im Unglauben verharren, sonst gehst du unter. Gott will dich
überführen. Gott wird Ihnen in Ihrem Leben ungeheuer reden können. Ich hab
das so oft erlebt, und es können viele bezeugen, dass man in kürzester Zeit
von Gott oft Dinge erlebt, wo man sagt: Ich weiß doch, Gott ist dir
hinterher, da hat Gott zu mir gesprochen: das Wort war für mich. Es geht
manchmal bloß, dass einer Losungsbüchlein aufschlagt und sagt: Ja, das war
von Gott. Ich sage: Ne, ne, ne, das haben die in Herrnhut in der Redaktion
vor drei Jahren herausgesucht aus der Büchse. Nein! Gott redet mit Ihnen,
und Sie dürfen das wissen: Wo Sie ihm nachgehen, und wo Sie ihn suchen, und
Sie dürfen wissen, dass Gott Sie überführt. Und deshalb stehe ich jetzt an
einem Punkt, wo ich Sie gar nicht mehr bereden will. Nicht, dass Sie
meinen, Sie müssten glauben, weil ich Sie dazu dränge. Wenn Sie suchen und
Sie wollen dieser unheimliche Tiefe und Leere des Abgrunds des nichts
entgehen und sagen: Ich suche die Wahrheit, wird die Wahrheit sich
erschließen. Aber eins möchte ich Sie noch bitten: bleiben Sie nicht in
Ihrem Zweifel stehen. Ich muss das auch sagen. Da habe ich schon manchen
verletzt, manchen guten Freund verloren. Weil ich sage: Zweifel zerstören
den Glauben. Irgendwo müssen Sie das sehen. Da fing die ganze Not des
menschlichen Elends an. Sollte Gott gesagt haben? Sie können alles
bezweifeln. Da ist ein Liebespaar. Es gibt ja noch viele Liebespaare, die
gehen heute Mittag in der Blüte spazieren. Sonnenschein, die Blüte
leuchtet, oder unterm Regenschirm kann's auch ganz gemütlich sein, und die
gucken einander an und sagen: Hach, du bist der größte Schatz der Welt, du,
und: nie hat's so einen Menschen gegeben... Sie wissen ja, was Verliebte
einander zuflüstern. Und plötzlich hat die Braut eine Ahnung und sagt: Und
wenn das alles nicht wahr ist, was ist denn gesagt? Zweifel! Zweifel ist ja
gar nicht harmlos. Und dann denkt sie nach und sagt: Das könnte natürlich
sein, der will mich bloß um den Finger wickeln, vielleicht hat er schon
sechs andere Freundinnen im Blick. Zweifel! Sie wissen ja, wie Eifersucht
alle Beziehung zerstört. Zweifel! Der Spielt das nur und Treue bis zum Tod
– bestimmt nicht! Die Beziehung ist kaputt. Sie können jede Beziehung mit
dem Zweifel kaputtmachen. Aber zwischen zwei Personen gibt es nur
Vertrauen. Nicht, dass das ein Wagnis ist, wenn Sie sich Jesus anvertrauen,
das ist überhaupt kein Wagnis. Sondern eine Frage: Sagen Sie: Ich glaube
nur an mich selber? Ich glaube nur an das, was ich in die Hand nehme. Oder
sehen Sie hier Elend und liebe Not und sagen: Das, was Jesus sagt, das ist
wahr, das habe ich in meinem Leben geprüft, und darum vertraue ich mich dem
auferstandenen Jesus an. Das ist Glaube! So hat es ein Thomas entdeckt, so
kam er zum Glauben, so hat er's erfahren, und so wurde er zum
Missionsapostel. Zu einem großen Mann und er sinkt vor Jesus nieder und
ruft: Mein Herr und mein Gott! Er wusste plötzlich, wer Jesus ist. Nicht
bloß der Sohn Gottes, der ist Gott selber. Das größte Jesus-Bekenntnis im
ganzen Neuen Testament. Und da wusste er: Wenn ich Jesus hab, dann hab ich
alles, dann bin ich geborgen in Zeit und Ewigkeit, dann kann ich nicht mehr
verloren gehen, dann sinke ich nicht mehr in die Tiefen. Und sie werden
wachsen in der Erkenntnis: Je mehr Sie mit Jesu dieses Gespräch aufnehmen,
und Sie sollen wissen, Jesus geht den Skeptikern und den Zweiflern nach und
sucht sie. Und über diesem Reden, in dieser Liebesbeziehung werden Sie
merken: Ich bin ja von ihm durchschaut, wie es der Thomas gewusst hat. Und
das war die Freude seines Lebens. Und er durfte für viele ein Zeuge des
Glaubens werden. Wunderbar, Jesus. Skeptiker kriegen Gewissheit.
