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Johannes 6,1-71: Das siebte Treffen oder Glauben: Liebst du den Geber oder die Gaben?

Johannes 6,1-6,7101.05.2006
Serie•Teil 5 / 8Das Johannes-Evangelium lesen
Willst du Jesus – oder nur, was er dir gibt? Johannes 6 stellt die harte Frage: Suchst du Versorgung, oder wirklich ihn, wenn der Glaube unbequem wird?

Ein praktischer Einstieg in das Verstehen der Bibel

Ich stehe vorne, und ihr habt euch sicher gedacht, was es heute wieder gibt. Ihr habt richtig gedacht: Es gibt eine Fortsetzung in unserer Johannesreihe.
Und ihr wisst schon: Am Anfang gibt es immer den Tipp aus der Praxis. Also, ich möchte mit meinem Freund oder mit meiner Freundin in der Bibel lesen, und mein Tipp heute lautet folgendermaßen: Male, erläutere, bring Beispiele aus deinem Leben. Mach viele Gegenstandslektionen, benutze alles, was du hast, um Dinge anschaulich werden zu lassen.
Ich habe euch etwas mitgebracht, damit ihr seht, dass man nicht so malen muss, wie Katharina das kann und andere von uns, sondern ihr wollt erklären, wie Johannes 5 funktioniert. Das ist original. Ja, ist schon gar nicht schlecht.
Also: Alle sind tot, und dann muss man sich entscheiden zwischen dem ewigen Leben und dem Gericht. Mal das hin. Das ist aus einem evangelistischen Hauskreis, es könnte der gewesen sein, wo Klaus Berger zum Glauben gekommen ist.
Manchmal hat man etwas schwierigere Sachen zu erklären, also wie das so mit dem ganzen geistlichen Leben ist. Also macht es euch schön bunt und farbig. Ihr seht, altes BVG-Papier war damals gerade übrig, habe ich mitgenommen. Einfache Eddings, einfach drauflosgemalt, das Ganze auch auf einen festen Untergrund geklebt, bei uns so ein Serviertablett, was wir halt hatten und was die Größe hatte.
Einfach malen. Gebt den Leuten etwas zum Sehen. Oder wenn man allgemein das Evangelium erklären will: Schau her, hier stehst du, da ist Gott, und dazwischen ist ein Graben. Dann kann man Jesus da drüber malen und drüberspringen, und da unten wird die Sünde durchgestrichen. Malt es den Leuten hin, und dann sagst du: Weißt du, damit du es nicht vergisst, nimmst du es einfach mit.
Male oder, wenn du Dinge erklären willst, verwende Gegenstandslektionen. Was steht gerade bei einem evangelistischen Hauskreis so auf dem Tisch? Also, was weiß ich, einen Kaffeepott, eine Flasche Warsteiner. Und jetzt kannst du sagen: Weißt du, jetzt möchtest du zum Beispiel Jesaja 59 erklären, die Sünde hat eine Scheidung gemacht zwischen dir und deinem Gott. Dann sagst du: Schau her, eigentlich gehören die Sachen ganz eng beieinander.
Und jetzt kommt die Sünde, und sie tritt dazwischen. Dann stellst du hier den Pott hin und da das Warsteiner. Und weil du natürlich für die Sünde kein gutes Beispiel hast, legst du deine Bibel dazwischen und sagst: So wie die Flasche Warsteiner sich jetzt von diesem Pott getrennt hat, so stehst du weit entfernt von Gott.
Was muss passieren, damit die Flasche Warsteiner wieder zu dem Pott kann? Die Sünde muss weg. So erklärt man es den Leuten, und ich verspreche euch, das mag ein bisschen drastisch sein, aber sie merken sich das.
Und du möchtest Bekehrung erklären. Das Beispiel kennt ihr, weil ich es schon oft von hier vorne gebracht habe. Ihr nehmt euren Schlüsselbund raus, und er sagt: Weißt du, Bekehrung, das ist, du hast dein Lebenshaus mit vielen kleinen Zimmerchen. Und jetzt nimmst du mal so deinen ganzen Schlüsselbund mit einem Schlüssel für jedes Zimmer in deinem Lebenshaus. Und Bekehrung heißt, du gibst den Schlüssel ganz Gott.
Und Gott kann ihn nehmen, und Gott kann jeden Schlüssel benutzen. Und er darf mal, was weiß ich, das ist mein Kellerschlüssel, er darf mal in meinen Keller reinschauen, darf sich da umschauen und darf sagen, das schmeißt er weg. Und du machst es. Und dann darf er, was weiß ich, meinen Autoschlüssel benutzen und darf damit einsteigen und darf sagen, jetzt fährst du fünfzig. Und dann mache ich das. Und dann habe ich hier, was weiß ich, noch meinen Arbeitszimmerschlüssel, und da darf Gott natürlich auch mit rein.
Bekehrung heißt, Gott darf überall reinschauen in deinem Leben. Du gibst ihm deinen ganzen Schlüsselbund. Und manchmal denken Leute, es geht auch so, dass ich sage: Klar Gott, ich bekehre mich, das ist gar kein Problem, du kriegst auch meinen ganzen Schlüsselbund, bis auf den da. Den behalte ich für mich, das ist mein Hobbyraum, und da darfst du nicht reinschauen. Bitteschön für dich.
Ihr merkt, ich habe euch ja gar nichts erklärt, das ist ja nur ein Tipp. Nehmt, was euch in die Finger fällt. Ja, wenn du ein Musiker bist, dann schau dir dein Instrument an und überlege, was kann ich mit so einem Instrument erklären an geistlichen Zusammenhängen. Wenn du ein Bastelfreak bist, dann überlege, was sich in meiner Wohnung an Gegenständen befindet, die ich einfach dazunehmen kann.
Wenn ihr kreativ seid, dann fällt euch das einfach zu. Das ist bei mir so ein bisschen. Wenn ihr nicht kreativ seid, kein Problem: vorher überlegen. Vorher überlegen, fünf, sechs, sieben, acht, neun, zehn gute Beispiele haben und immer wieder verwenden. Es sind ja immer neue Leute, mit denen ihr das macht, insofern ist das ja gar nicht dramatisch.
Also, der Tipp: Benutze Gegenstände, male, schau, was dir in die Hände fällt, illustriere das, was du zu sagen hast.

Der rote Faden durch Johannes 6

Kommen wir zu unserem Titel. Der Titel heute Morgen lautet: Das siebente Treffen. Wir haben uns jetzt schon sieben Mal mit unserem Freund getroffen, wir sind bei Johannes 6.
Das siebente Treffen oder: Was willst du eigentlich? Willst du den Geber? Oder nur die Gaben?
Das siebente Treffen. Und bevor wir in den Text einsteigen, möchte ich mit euch kurz einen Blick zurückwerfen. Die ersten fünf Kapitel im Johannesevangelium haben uns sehr stark informiert, und zwar einmal über Jesus. Bis wir jetzt hier am Anfang von Kapitel 6 sind, wissen wir über Jesus eigentlich schon genug, um uns bekehren zu können. Du kannst eigentlich mit dem Wissen, das du bis jetzt über Jesus hast, dich schon dreimal bekehren. Du weißt nämlich schon, dass dieser Mensch Jesus der Messias ist. Das war das Zeugnis der ersten Jünger. Du weißt über ihn schon, dass er der Schlüssel ist für die Verheißungen des Alten Testaments. Das war das Gespräch mit Nikodemus. Die Frau am Jakobsbrunnen, die Samariterin, zeigt uns, dass wir es mit Jesus, mit jemandem zu tun haben, der weltweite Errettung bringen will. Und Kapitel 5, na ja, da geht es darum, dass wir in Jesus Gott begegnen.
Wir wissen schon irre viel über Jesus. Und wir wissen auch schon ganz viel über den Glauben. Wir wissen schon von Kapitel 1 her, dass Glaube damit zu tun hat, Jesus in sein Leben und in sein Herz aufzunehmen. Wir wissen schon, dass Glaube mehr sein muss; das war Johannes 2. Das ist nicht nur ein Lippenbekenntnis, nur eine Begeisterung. Wir wissen, dass Glaube zu tun hat mit Gehorsam, mit einem bestimmten Lebensstil, das wäre Johannes 3 gewesen. Wir wissen auch, dass der Glaube uns von dem Zorn Gottes befreit und dass echter Glaube ewiges Leben garantiert. Alles Dinge, die wir bis jetzt schon einfach durch das Studium des Johannesevangeliums 1, 2, 3, 4, 5 wissen.
Und Jesus bringt Zeugen für diese Behauptungen. Er stellt uns eine historische Person vor, Johannes den Täufer, wir würden heute sagen seinen PR-Manager. Im Alten Testament angekündigt, tritt er auf und zeigt den Leuten: Da ist Jesus, an den müssen wir glauben. Jesus kommt mit seinen Werken, er zeigt uns, was er tut. Und es ist klar: Wer solche Dinge tut, da musst du zweimal hinschauen. Seine Werke zeichnen ihn einfach aus. Und dann kommt er genau so, wie das Alte Testament es vorzeichnet, und er kann sagen: Im Alten Testament steht von mir geschrieben.
Zeugen für das, was wir bis jetzt schon über Jesus und über den Glauben wissen können, gibt es unglaublich viele.

Die neue Frage nach der inneren Reaktion

Und jetzt starten wir in den Kapiteln sechs bis neun mit einem ganz neuen Schwerpunkt. Wenn in den Kapiteln eins bis fünf im Mittelpunkt steht: Wer ist eigentlich Jesus? Was heißt es eigentlich zu glauben? Dann geht es in diesen Kapiteln darum, wie Menschen auf Jesus reagieren.
Man könnte auch sagen: Was hält Menschen davon ab, Jesus als ihren Messias, als ihren persönlichen Retter anzunehmen? Es geht um die persönliche, die, wenn du willst, subjektive Seite des Glaubens. Also: Die ersten fünf Kapitel behandeln die Glaubensinhalte. Woran soll ich denn glauben bei diesem Jesus? Was jetzt kommt, sind die persönlichen Hindernisse, die meinem Glauben entgegenstehen. Was könnte mich davon abhalten, an Jesus zu glauben?
Und weil es beim Glauben immer um eine Entscheidung geht, müssen wir uns auch damit auseinandersetzen, dass solche Entscheidungen nie so rational und logisch gefällt werden, wie wir das gerne hätten. Man glaubt ja gerne, jede Entscheidung, die ich fälle, sei absolut logisch. Ich tue das, weil ... Aber das stimmt nicht. Ehrlicherweise muss man sagen: Wir treffen Entscheidungen oft weniger auf der Grundlage unserer Vernunft als vielmehr auf der Grundlage unseres Herzens.
Verliebtsein ist vielleicht das beste Beispiel. Du bist verliebt, und jemand sagt dir über den anderen: Der ist aber gar nicht so nett. Das glaubst du nie. Der mag hundert gute Gründe dafür ins Feld führen, aber das glaubst du nicht, weil du es nicht glauben willst. Du hast in deinem Herzen eine Entscheidung für den anderen getroffen. Und so ist es im Glauben auch. Glauben ist nicht einfach: Sag mir, wer Jesus ist, und dann ist alles gut. Beim Glauben geht es darum, dass wir eine Entscheidung treffen.
Und dabei müssen wir davon ausgehen, dass in meinem Herzen ganz falsche Motive schlummern können. Will ich Jesus, oder will ich nur seine Gaben, zum Beispiel Errettung? Das ist ja etwas, was Jesus mir anbietet. Also: Was will ich? Jesus oder seine Gaben? Suche ich eine Beziehung zu ihm, oder suche ich nur meinen persönlichen Gewinn? Das ist die große Frage, der wir in Kapitel sechs heute begegnen.
Jetzt wisst ihr: Das Johannesevangelium, Kapitel sechs, ist ein ziemlich langes Kapitel, und das kann ich nicht ganz lesen. Aber ich kann euch auszugsweise erklären, was darin steht, und das wollen wir heute auch tun. Also schlagt bitte das Johannesevangelium, Kapitel sechs, auf. Da gehen wir heute durch das Kapitel durch.

Zwei Zeichen, ein Ziel

Der Aufbau des Kapitels ist folgender: Am Anfang stehen zwei Zeichen. Das erste Zeichen ist die Speisung der Fünftausend, das zweite Zeichen ist, dass Jesus auf dem See geht. Danach folgt ein Mittelblock, eine Predigt oder Ansprache, die Jesus in der Synagoge in Kapernaum hält. Am Ende gibt es noch ein Gespräch mit seinen Jüngern.
Die Spannung in diesem Kapitel entsteht daraus, dass am Anfang bei der Speisung der 5000, wo ja nur die Männer gezählt werden, eine riesige Volksmenge mit Jesus unterwegs ist. Sie ist begeistert. Sagen wir mal: Jeder Mann hat eine Frau und ein Kind. Dann sind es schon 15.000 Leute, die am Anfang hinter Jesus her sind und begeistert mitgehen. Und am Ende des Kapitels bleibt nur noch so ein Häuflein Jünger übrig. Jesus fragt sie: Wollt ihr auch noch weggehen? Das ist die Spannung, in der dieses Kapitel steckt.
Zwischen diesen beiden Eckpunkten muss also etwas passiert sein, sodass Leute sagen: Vielen Dank, Jesus, nette Sache, hat geschmeckt, aber danke, mit dir nicht. Lass uns die zwei Zeichen anschauen.
Speisung der 5000: Ich erkläre nur, was da passiert ist. Leute sind begeistert, laufen hinter Jesus her. Jesus geht immer ein bisschen weiter weg. Es kommen immer mehr Menschen, immer mehr und immer mehr. Und plötzlich befindet man sich in einer Gegend, wo eigentlich nicht viel los ist, so ein bisschen wie in einer halben Wüste. Die Zeit ist fortgeschritten, die Leute hatten vergessen, sich ein Lunchpaket einzupacken. Der Hunger kommt, und alle wissen: Na ja, jetzt haben wir ein Problem. Hier gibt es nichts zu kaufen, hier gibt es nichts zu essen, ja nichts, wo man mal eben etwas pflücken kann oder so. Was machen wir denn jetzt?
Und Jesus sagt seinen Jüngern: Wisst ihr, dann könnten wir ihnen doch etwas geben. Die Jünger sind ein bisschen erschrocken und sagen: Also, ich weiß nicht, ob du unsere Finanzen so im Blick hast. Wenn ich hier vorne stehe und sage, ich brauche 15 Euro für ein Eis oder 17, kennst du unsere Finanzen? Na ja, Jesus sagt: Was haben wir denn? Ja, da drüben steht einer, der hat irgendwie, was war das, fünf Brote und zwei Fische. Fünf Brote und zwei Fische für die Masse hier? Und Jesus sagt: Wunderbar, lasst sie schon mal lagern.
Und dann beginnt das, was wir kennen: die Speisung der 5000. Die Jünger kümmern sich darum, Jesus nimmt das bisschen, was sie haben, er dankt Gott, er bricht das Brot, er verteilt, und alle werden satt. Und am Ende bleibt noch irre viel übrig. Die Speisung der 5000 ist wahrscheinlich eine der beliebtesten Kindergeschichten, die man so kennt.
Die Speisung der 5000 ist aber von Johannes ganz bewusst hier eingeführt worden, und wir müssen uns die Frage stellen: Was bedeutet dieses Zeichen? Das Zeichen bedeutet, dass Jesus Leute durch das, was er tut, ganz banal am Leben erhält. Das Zeichen bedeutet: Jesus ist die Quelle des Lebens. Sie leben, weil er sie ernährt. Und indem er vor dem eigentlichen Wunder noch betet, weist er über sich hinaus zu Gott und zeigt, dass das etwas ist, was mehr sein will als nur ein x-beliebiges Wunder.
Das Zeichen ist ein Hinweiszeichen auf Jesus selbst, und zwar ein Hinweiszeichen darauf, warum Jesus in diese Welt gekommen ist. Er will ihnen nämlich nicht nur das geben, was sie heute brauchen, sondern er möchte ihnen das geben, was sie zum ewigen Leben brauchen. Er möchte sie nicht nur heute durch den Tag versorgen, sondern er möchte ihnen das geben, was sie als Versorgung für die Ewigkeit brauchen.
Das ist das erste Zeichen, mit dem Johannes das sechste Kapitel beginnt. Johannes 6,1-15 war das.

Jesus als der, der von oben kommt

Das nächste Zeichen ist bei mir überschrieben mit „Jesus geht auf dem See“. Und das ist auch richtig. Das Problem dabei ist, dass diese Geschichte auch noch bei Matthäus und Markus berichtet wird, und dort hat sie einen anderen Schwerpunkt.
Wenn ihr jetzt die Geschichte von Jesus auf dem See vor Augen habt, dann denkt ihr an wen? Na, an Petrus, der da ja so mühsam übers Wasser balanciert und dann doch untergeht. Und Jesus hält ihm die Hand hin und sagt: „Du Kleingläubiger.“ Das kommt hier alles nicht vor. Das vergessen wir alles mal, weil Johannes uns einen ganz anderen Fokus bringt. Und den wollen wir uns anschauen.
Ich erzähle euch, was passiert: Die Speisung der 5000 geht zu Ende. Ich lese mal die letzten beiden Verse vor: Johannes 6,14-15. Als nun die Leute das Zeichen sahen, das Jesus tat, die Speisung, sprachen sie: Dieser ist wahrhaftig der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da nun Jesus erkannte, dass sie kommen und ihn ergreifen wollten, um ihn zum König zu machen, zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein.
Er hatte ihren Bauch gefüllt. Sie waren begeistert. So einen König können wir brauchen. Und Jesus sagt: Danke, das möchte ich nicht. Und geht auf den Berg.
Jesus ist auf dem Berg. Wir wissen aus anderen Texten, dass er dort betet. Und inzwischen fahren die Jünger mit ihrem Boot los. Sie sind mitten auf dem See. Um sie herum ist das Wetter so, dass es ihnen richtig Mühe macht. Ein Sturm tobt. Jesus kommt oben von diesem Berg herunter, auf eine etwas übernatürliche Weise, sprich: Er geht über das Wasser zu seinen Jüngern. Die fürchten sich, lassen sich dann aber überzeugen, dass das irgendwie alles gut ist. Und in dem Moment, und das ist der Knackpunkt, in dem Moment, wo sie sich entscheiden, ihn in ihr Boot zu holen, da, wo der Entschluss fällt, ja, in dem Moment ist das Boot am Ziel.
Er aber sprach zu ihnen: Ich bin’s, fürchtet euch nicht. Sie wollten ihn nun in das Schiff nehmen, und sogleich war das Schiff am Land, wohin sie fuhren.
Der Clou dieser Geschichte ist: Du holst Jesus in dein Boot hinein, und in dem Moment, zack, ist das Boot am Ziel. Die Bedeutung des Zeichens, platt gesagt: Wenn du Jesus in deinem Boot hast, bist du am Ziel.
Im Kapitel 6 werden wir öfter diesem Motiv begegnen, das in dieser Geschichte drinsteckt, nämlich dem Motiv: Da kommt einer von oben herab und tritt auf eine übernatürliche Weise in dein kleines Leben hinein. Wir lesen mal ein paar Verse:
 Johannes 6,33: Denn das Brot Gottes ist der, welcher aus dem Himmel herabkommt und der Welt das Leben gibt.
 Johannes 6,38: Denn ich bin vom Himmel herabgekommen, nicht dass ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.
 Johannes 6,50: Dies aber ist das Brot, das aus dem Himmel herabkommt, damit man davon esse und nicht sterbe.
 Johannes 6,51: Ich bin das lebendige Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist. Wenn jemand von diesem Brot isst, wird er leben in Ewigkeit.
 Johannes 6,58: Dies ist das Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist, nicht wie die Väter aßen und starben. Wer dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.
Er merkt immer wieder diesen Gedanken: Da kommt von oben etwas herab in mein Leben hinein, und das muss ich annehmen. Der Herr tritt in unser Leben. Er tritt in unser Leben als das Brot des Lebens. Und in dem Moment, wo wir ihn in unser Boot holen, wo wir ihn in unser Leben aufnehmen, in dem Moment sind wir am Ziel.
Und Johannes 6 sagt uns auch, warum das so ist: Weil nämlich der Herr Jesus den Willen des Vaters lebt. Und der Wille des Vaters ist, dass er keinen verliert. Der Wille des Vaters ist, dass er alle auferweckt. Der Wille des Vaters ist, dass er allen, die ihn aufnehmen, ewiges Leben schenkt.
Also zwei Themen, die in den zwei Zeichen angedeutet werden, die aber irgendwie ganz eng miteinander verbunden sind. Das eine Thema ist: Jesus ist die Quelle des Lebens. Und das andere Thema heißt: Ihn im Boot haben heißt, am Ziel angekommen sein.
Zusammengenommen betont Johannes 6: Du brauchst Jesus. Du brauchst ihn als die Quelle deines Lebens. Wir werden sehen, dass das eng mit dem Begriff Brot des Lebens verbunden ist. Und du brauchst ihn als den, der dich ans Ziel gebracht hat und bringt.

Die Reaktion der Jünger und die Frage nach dem Motiv

Aber aufgepasst, möchte ich fast sagen: So einfach ist die Geschichte nicht.
Wir sind ja dabei, unser Herzchen zu erforschen. Und jetzt schauen wir uns die zwei Geschichten aus einer anderen Perspektive an. Wir schauen einmal darauf, wie die Jünger darauf reagieren. Das klingt ja alles ganz gut: Jesus macht Brot, und Jesus bringt ans Ziel. Aber wie geht es eigentlich den Jüngern dabei?
Na ja, Jesus kommt da übers Wasser, und was machen die Jünger? Sie erschrecken erst einmal fürchterlich. Und vor der Speisung der Fünftausend, wenn Jesus sagt: Also gebt ihr ihnen doch zu essen, da kratzen sie sich am Hinterkopf und sind ein bisschen ratlos. Sie denken sich: Hm, eigentlich wissen wir nicht, was Sache ist.
Das heißt, beide Geschichten, und das müssen wir auch unseren Freunden sagen, wenn wir mit ihnen in der Bibel lesen, weisen darauf hin, dass es nicht ganz so einfach ist, wenn du Jesus begegnest. Das ist eine etwas komplizierte Angelegenheit. Du bist an der Stelle vielleicht im ersten Moment ein bisschen irritiert. Du bekommst Fragen, auf die es nicht so schnell und so furchtbar leicht immer eine Antwort gibt.
Und woran liegt das? Das liegt daran, dass Jesus in dein Herz hineinschaut. Er ist nicht mit so einer oberflächlichen Art von Glauben zufrieden, also mit so einem Fake-Glauben oder mit einem Lippenbekenntnis oder mit jemandem, der so im Gemeindestrom mitschwimmt. Das ist etwas, was ihn überhaupt nicht interessiert. Und deswegen provoziert er. Deswegen stellt er Fragen, Fragen, auf die die Jünger keine Antwort wissen. Deswegen benimmt er sich in einer Weise, die erst einmal erschreckt, und wir sagen: Uh, so ist Jesus, hm.
Und dann bleibt sofort die Frage: Was will ich eigentlich? Will ich wirklich diesen Jesus haben? Der ist ja wirklich ein bisschen kompliziert. Der ist nicht so einfach, wie ich mir das vorstelle. Er kommt mit einem Anspruch. Er kommt manchmal mit Sachen, wo ich erst einmal dastehe und sage: Boah, das kann ja nicht wahr sein. Der blamiert mich ja völlig mit dem, was er da tut oder von mir verlangt.
Was ist denn, wenn das nicht klappt mit der Speisung? Dann habe ich hier 15 Leute dazu gebracht, sich in Fünfzigergruppen zu lagern, und dann schauen die mich alle erwartungsvoll an, und dann kommt nichts. Darf Jesus das?
Ich glaube ja. Er darf uns fragen: Was suchst du? Suchst du jemanden, der deine Bedürfnisse befriedigt, oder jemanden, der mit seinen Gaben dein Leben aufpeppt, oder suchst du ihn? Möchtest du eine oberflächliche Bekanntschaft mit Jesus oder eine intime Beziehung?
Und ihr merkt schon: Die oberflächliche Bekanntschaft, die taugt gar nichts. Und deswegen kommt Jesus so, wie er kommt. Er möchte die Motive aufdecken. Und das tut er hier auch.

Die Entlarvung oberflächlicher Erwartungen

Wir lesen in Johannes 6,25-29.
Und als sie ihn jenseits des Sees gefunden hatten, sprachen sie zu ihm: Rabbi, wann bist du hierher gekommen?
Ich erkläre euch jetzt nicht, das ist so ein bisschen Hin-und-her-Fahrerei. Sie suchen sich, und dann finden sie sich doch. Sie wollen also wissen: Wann bist du hierher gekommen?
Und Jesus sagt: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und gesättigt worden seid.
Das ist ein eiskalter Vorwurf der Oberflächlichkeit. Ihr habt null Interesse an mir. Das Einzige, was euch begeistert, ist: Ihr seht in mir eine wandelnde Suppenküche, und ihr denkt, es gibt heute wieder etwas. Und deswegen seid ihr hier.
Die nächsten beiden Verse: Wirkt nicht für die Speise, die vergeht. Also wenn du schon Einsatz bringst in deinem Leben, dann bitteschön nicht für Essen und Trinken. Für das, was du heute isst, um es morgen wieder essen zu müssen. Lass das in deinem Leben, so wichtig es auch sein muss, um einfach zu leben, aber lass das nicht an die erste Stelle in deinem Leben treten.
Wirkt nicht für die Speise, die vergeht, sondern für die Speise, die da bleibt ins ewige Leben. Du merkst: Du brauchst etwas für das ewige Leben, die der Sohn des Menschen euch geben wird; denn diesen hat der Vater, Gott, beglaubigt.
In Vers 28 sprachen sie zu ihm: Was sollen wir tun, damit wir die Werke Gottes wirken?
Ja, was sollen sie denn tun? Jesus sagt in Vers 29: Dies ist das Werk Gottes, gemeint ist das Werk für Gott, das Werk, was Gott von euch verlangt, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.
Ihr merkt: Christsein ist ganz einfach. Du musst einfach nur glauben.
Aber wir merken auch: Dahinter steckt die Frage des Motivs. Was suchst du eigentlich? Und wie es in ihrem Herzen aussieht, das merken wir gleich. Denn sie könnten ja jetzt sagen: Boah, das möchte ich. Ja, so, ja, das möchte ich von ganzem Herzen. So wie wir am Ende vom Johannesevangelium Thomas sehen: Mein Herr und mein Gott. Das passiert aber nicht.

Das Herz bleibt am Sichtbaren hängen

Die nächsten drei Verse: Da sprachen sie zu ihm: Was tust du nun für ein Zeichen? Heute ist ja ein neuer Tag, damit wir sehen und dir glauben. Was bringst du? Unsere Väter aßen das Manna in der Wüste, wie geschrieben steht: Brot aus dem Himmel gab er ihnen zu essen.
Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot aus dem Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahrhaftige Brot aus dem Himmel. Denn das Brot Gottes ist der, welcher aus dem Himmel kommt und der Welt das Leben gibt.
Ey, das ist frech, oder? Also, du möchtest glauben, kein Ding, was gibt’s denn heute? Was machen wir heute für ein Zeichen? Wenn dir nichts einfällt auf die Schnelle, Jesus, wir haben da so eine Geschichte aus dem Alten Testament. Da war das mit dem Essen noch ein bisschen praktischer, da war das nämlich sechs Tage die Woche, weißt du, mit Manna.
Wir hatten das ja gestern schon mal mit dem Brot und den Fischen, und heute könnten wir auch was vertragen. Aber wenn das so zu jedem Tag gehen würde, so Brot aus dem Himmel, so was Leckeres immer morgens, so dass wir nicht mehr arbeiten gehen müssen und das irgendwie so ein bisschen von uns abfällt, wir ein bisschen mehr Siesta machen können, wenn es reicht, morgens nach dem Frühstück oder nach dem Aufstehen erst mal Frühstück holen gehen und dann hat man das zu Hause, und das wäre doch nett, oder?
Also nur für den Fall, Jesus, dass dir nicht einfällt, was wir heute für ein Zeichen machen sollen. Mose, Stichwort.
Ich finde das unglaublich frech. Unglaublich frech deshalb, weil ihr Fokus viel zu klein ist. Und deswegen antwortet Jesus hier so und versucht ihm klarzumachen: Hey, mir geht es doch nicht darum, dass ihr heute etwas zu essen bekommt, sondern mir geht es darum. Mein Fokus ist viel breiter. Mir geht es nicht um das Heute, sondern um eure Ewigkeit, um das ewige Leben. Mir geht es auch nicht um euch paar Hanselchen, mir geht es um die ganze Welt.
Ich bin in dem Sinne, wie ihr das versteht, schon das Brot. Ihr braucht mich zum Leben. Ich bin das Brot. Aber in einem übertragenen Sinn: Ich bin das Brot, das aus dem Himmel kommt und das der Vater euch gibt. Heute gibt. Das ist ein Angebot an euch. Nicht so happi happi, dann bist du für drei, vier, sechs, acht Stunden satt, sondern: Habbi, habbi, und du bist satt in die Ewigkeit. Du brauchst nichts mehr, da ist der innere Hunger in dir gestillt. Das ist mein Angebot für euch.

Der Anspruch des Brotes des Lebens

Die nächsten drei Verse: Da sprachen sie zu ihm, Vers 34: „Herr, gib uns alle Zeit dieses Brot.“ Oh, das klingt ja toll, oder?
Jesus sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, wird nimmermehr dürsten. Aber ich habe euch gesagt, dass ihr mich auch gesehen habt und nicht glaubt. Dass ihr mich zwar gesehen habt, aber nicht glaubt.
Sie sehen ihn, aber sie glauben nicht. Sie erleben ein Wunder, aber sie können das Zeichen dahinter nicht verstehen. Für sie bleibt das, was sie da erlebt haben, in seiner Begrenztheit alles, was sie erfassen können. Sie sehen diesen Fischdöner vom Vortag, und da bleibt ihr Denken hängen.
Und wisst ihr warum? Weil sie einen Gott haben. Dein Gott, das ist das, worum du dich in deinem Denken drehst. Dein Gott ist das, worum du dich in deinem Denken drehst, worauf du immer wieder alles beziehst. Und ihr Gott, das ist ihr Bauch. Das Größte in ihrem Leben ist: Ja, mir geht’s gut, das war nett.
Und die dachten zurück und dachten: Boah, da konnten wir uns den Wams so richtig vollschlagen. Am Anfang vielleicht noch ein bisschen zögerlich, mal schauen, ob es wirklich für alle reicht. Und dann bis nichts mehr reinpasst, noch ein Stückchen Fisch, und komm, lass es aus, noch mal rein. Die waren pappesatt, die brauchten kein Frühstück am nächsten Tag. Und das haben die so in Erinnerung und sagen: Ja, das möchte ich wieder haben.
Und Jesus sagt: Freunde, checkt ihr es nicht? Ihr habt es gesehen, wahrscheinlich habt ihr immer noch ein bisschen Sodbrennen davon. Und ihr könnt nicht sehen, wohin das zeigt? Ihr könnt nicht weiter denken als bis über euren Bauch? Dann ist Schluss.
Die Frage ist: Wie begegne ich Menschen, die so eine Einstellung haben? Was mache ich mit solchen Menschen, die immer nur aus allem ihr eigenes rausziehen wollen?

Der Vater zieht, der Sohn rettet

Jesus sagt in Johannes 6,37 Folgendes: Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen, und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. Denn ich bin vom Himmel herabgekommen, nicht dass ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.
Später wird er erklären, warum er diesen Satz gesagt hat. Das möchte ich auch vorlesen. In Vers 63 in der Mitte heißt es: Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben. Aber es sind einige unter euch, die nicht glauben. Denn Jesus wusste von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer es war, der ihn überliefern würde. Und er sprach, weil einige nicht glaubten: Darum habe ich euch gesagt, dass niemand zu mir kommen kann, es sei ihm denn von dem Vater gegeben.
Und noch ein anderer Vers, Vers 44, betont das ebenfalls. Da heißt es: Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht. Und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag. Es steht in den Propheten geschrieben: Und sie werden alle von Gott gelehrt sein. Das bezieht sich, um das nur einzuschieben, im Propheten auf die Bekehrten. Wenn du ein Bekehrter bist, bist du immer auch einer, der von Gott belehrt wurde. Jeder, der von dem Vater gehört und gelernt hat, kommt zu mir.
Weil Jesus weiß, dass in seiner Umgebung viele Leute sind, die nicht glauben, betont er hier ganz bewusst einmal die göttliche Seite der Errettung. Errettung ist ein Prozess. Und es ist der Vater, der an den Menschen zieht. Es ist der Vater, der die Menschen belehrt und dann, wenn sie gläubig sind, sie dem Sohn gibt. Und was will der Vater von dem Menschen? Das haben wir ja gelesen: Dies ist das Werk Gottes, dass sie an den glauben, den er gesandt hat. Gott will Glauben.
Ich denke, es ist gut, dass wir das einmal kurz durchdenken. Wie funktioniert eigentlich Bekehrung? Es ist so, dass zwei Handlungsstränge zusammenfließen. Auf der einen Seite steht Gott, der Vater. Er schickt den Sohn in die Welt und wirbt um den Menschen. Wer auf Gott hört, das heißt, wer an den Sohn glaubt, den nimmt der Vater und gibt ihm den Sohn. Paulus wird später sagen, er versetzt ihn in das Reich des Sohnes seiner Liebe.
Ich habe mir die Frage gestellt: Wenn das so ist, dass auf der einen Seite Gott an den Menschen zieht und auf der anderen Seite unser Glaube gefragt wird, wenn diese beiden Dinge zusammenlaufen müssen, warum ist das so wichtig hier im Anblick von ungläubigen Menschen? Ich habe den Eindruck, es ist Folgendes: Hier stehen Menschen vor Gott, die, wenn Jesus ihnen das Brot des Lebens anbietet, sagen: Herr, gib uns alle Zeit dieses Brot! Und da stimmt nichts dran. Sie sagen Herr, und er ist überhaupt nicht ihr Herr. Sie sind überhaupt nicht bereit zu tun, was er sagt. Und auf der anderen Seite wollen sie zwar Brot, aber nicht dieses Brot aus dem Himmel. Sie wollen nicht Jesus, sondern sie wollen, na ja, mindestens noch mal Fischdöner. Manna wäre besser, sechs Tage die Woche wäre auch gut, immer wieder. Das ist das, was sie eigentlich wollen.
Und egal, wie oft Jesus ihnen alles erklärt, es ist ja nun nicht so superkompliziert. Das Johannesevangelium ist ja deshalb so, dass es immer in Spiralen geht. Du kommst ja immer wieder auf die gleichen Themen. Immer und immer wieder erklärt Jesus ihnen, worum es geht. Aber sie lassen sich von Gott einfach nicht belehren. Sie lassen es nicht zu, dass der Vater sie zieht. Sie wollen nicht begreifen, dass Jesu Worte für sie Geist und Leben sind.
Und nicht nur das: In kurzer Zeit, das lesen wir ab Vers 41, werden sie anfangen zu murren, und am Ende, Vers 66, werden die meisten weggehen, trotz der Speisung der Fünftausend. Und wenn Jesus hier formuliert: Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen, und die anderen Verse, dann bringt er damit eine ganz eindringliche Warnung rüber. Er sagt: Du kannst dich abwenden. Aber wer nur das hört, was ihm passt, wer aus Jesus etwas anderes macht, als Jesus eigentlich sein will, der hat ein Problem mit Gott, dem Vater. Der soll bloß nicht denken, dass in seinem geistlichen Leben alles in Ordnung ist, dass es vielleicht sogar ganz richtig war, na ja, dieser Spinner Jesus, pff, da hast du gehört, was der gemacht hat, da hat er das mit den Fischen und dem Brot, okay, aber was er danach so erzählt hat, na ja, bloß gut, dass wir weg sind!
Vorsicht! Dieser Gedanke ist völlig falsch. Warum? Weil du den Vater und den Sohn nicht voneinander trennen kannst, weil beide an dir wirken. Und wenn du den Sohn verwirfst, verwirfst du immer auch den Vater. Immer auch. Das geht gar nicht anders. Wenn du am Sohn vorbeigehst, gehst du am Vater vorbei. Warum? Weil es der Vater ist, der darüber entscheidet, wer zum Sohn gehört. Der Vater entscheidet darüber, wen der Sohn am letzten Tag auferwecken wird.
Und es stimmt nicht, dass jeder nach seiner Fasson selig wird. Das stimmt einfach nicht, sondern du wirst nur dann gerettet, wenn du den Willen Gottes tust. In Vers 40 heißt es: Und dies ist der Wille meines Vaters, dass jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben habe. Das will Gott.

Die Entscheidung zwischen Gabe und Geber

Nochmal zurück zu unseren beiden Eingangszeichen: Speisung der Fünftausend, Jesus geht auf den See. Immer wieder erschrecken die Leute ein Stückchen vor dem, was Jesus tut. Die Jünger hören Jesus, sie hören ihn reden, sie sehen ihn etwas tun, sie erschrecken. Sie stellen sich die Frage: Wie kann der so etwas sagen? Wie kann der sich so verhalten?
Und ich kann mir vorstellen, in dem Maß, wie diese Predigt hier läuft, werden die Jünger immer kleiner. Ja, sie verstehen selber nichts mehr. Sie merken, wie die Leute allmählich in eine Abneigung hineingeraten.
Unser Thema lautet: Was suchst du? Willst du Gott oder willst du seine Gaben?
Ich möchte dir heute Morgen sagen: Wenn du aus bist auf Gottes Gaben, egal, was es ist, kann es sein, dass du Errettung willst. Es kann sein, dass es dir um innere Ausgeglichenheit geht. Es kann sein, dass du an Heilung interessiert bist oder an einer geistlichen Gemeinschaft mit Gleichgesinnten. Ich weiß nicht, was du an den Gaben Gottes schätzt.
Aber dieser Text stellt auch uns die Frage, wen wir eigentlich wollen. Denn wenn du die Gaben willst und nicht den Geber, dann verspreche ich dir, dass du in deinem Leben enttäuscht wirst. Jesus wird dich enttäuschen, wenn nicht Schlimmeres. Es wird dort passieren, wo sich Probleme einstellen. Dort passiert es, wo Gott nicht so reagiert, wie du es dir vorstellst, wo deine Gebete nicht erhört werden, wo Versuchungen kommen, die dein Leben zu einem Albtraum werden lassen. Wo Krankheit in dein Leben einbricht und du Gott nicht mehr verstehst und deine schönen Gaben, das, was du dir immer erhofft hast vom Christsein, mit einem Mal ausradiert wird.
In diesem Moment wird für uns alle, spätestens dann wird jeder Einzelne wissen: Was habe ich eigentlich damals gewollt, als ich gläubig geworden bin? Bin ich überhaupt gläubig geworden? Wollte ich den Geber, wollte ich Gott oder die Gaben? Hatte ich es darauf angelegt, Jesus zu lieben, egal, wie er mir begegnet, mit all den erschreckenden Momenten, die manchmal im geistlichen Leben drin sind? Oder wollte ich Jesus eigentlich nur benutzen?

Das Brot, das sich selbst gibt

In Johannes 6,48-51 heißt es: Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben das Manna in der Wüste gegessen und sind gestorben. Dies aber ist das Brot, das aus dem Himmel herabkommt, damit man davon esse und nicht sterbe. Ich bin das lebendige Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist. Wenn jemand von diesem Brot isst, wird er leben in Ewigkeit. Das Brot aber, das ich geben werde, ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt.
Und jetzt merken wir schon: Jesus gibt sein Fleisch, er gibt sein Leben für das Leben der Welt. Ihr könnt euch vorstellen, er sagt das, und die Leute verstehen nichts. In Vers 52 heißt es: Die Juden stritten nun untereinander und sagten: Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben?
Ja, und jetzt macht Jesus etwas, was ich mich nicht trauen würde. Er entschärft nicht und sagt: Noch mal einen Schritt zurück, ihr habt mich falsch verstanden, das war ein bisschen bildlich, völlig falsche Richtung, ich erkläre es euch noch mal mit einfacheren Worten. Sondern er geht mitten ins Herz hinein und offenbart ihnen das innerste Motiv ihres Herzens, indem er eisern weiter formuliert. Hört euch das an, ich lese einfach die nächsten Verse. Und es geht nicht um Kannibalismus, es geht darum, dass er das Bild fortsetzt.
Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht das Fleisch des Sohnes des Menschen esst und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch selbst. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat ewiges Leben, und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag. Denn mein Fleisch ist wahre Speise und mein Blut ist wahrer Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, bleibt in mir und ich in ihm. Wie der lebendige Vater mich gesandt hat und ich lebe um des Vaters willen, so wird auch, wer mich isst, leben um meinetwillen. Dies ist das Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist, nicht wie die Väter das Manna gegessen haben und starben. Wer dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.
Er merkt: Er zieht das einfach durch. Sein Fleisch essen und sein Blut trinken ist ein Bild, und wisst ihr, wofür? Für Glauben. Wir sehen das daran, wenn wir Vers 54 nehmen: Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat ewiges Leben, und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag. Das Ergebnis von Essen und Trinken ist Auferweckung, ist ewiges Leben. Und wir können das vergleichen, zum Beispiel mit den Versen 40 und 47. Da heißt es, dass jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben habe. In Vers 47 steht auch: Wer glaubt, hat ewiges Leben. Und in Vers 40 steht ebenfalls: Und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.
Es geht um Glauben. Wenn du glaubst, dann wirst du auferstehen und ewiges Leben haben. Und wenn du sein Fleisch isst und sein Blut trinkst, wirst du auch auferstehen und ewiges Leben haben. Was ich esse und trinke, damit mache ich mich eins, ich bin zu innigst damit verbunden. Ich kann es nicht mehr von mir trennen. Und genau so ist es mit deiner Beziehung zu Jesus. Ohne diese Beziehung bleibt der Mensch, obwohl er körperlich irgendwie noch lebt und atmet, eigentlich tot.
Vers 53: Wenn ihr nicht das Fleisch des Sohnes des Menschen esst und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch selbst. Wenn jemand das tut, so hat er ewiges Leben, er hat die Sicherheit der Auferstehung, und was ich ganz schön finde: Er hat bleibende Gemeinschaft mit Jesus und ein ganz klares Ziel in seinem Leben.
Nochmal dieses: Wie der lebendige Vater mich gesandt hat und ich lebe um des Vaters willen, so wird auch, wer mich isst, leben um meinetwillen. Ihr merkt: Alles dreht sich um Jesus, ganz einfach. Alles dreht sich immer und immer wieder um Jesus. Ich bleibe in ihm, er bleibt in mir, ich lebe für ihn, ich bekomme durch ihn ewiges Leben. Warum? Weil er sein Fleisch gibt, das heißt, er stirbt für mich, und er wird mich am Ende auferwecken. Alles dreht sich um Jesus.

Nähe, die herausfordert

Und wisst ihr was? So viel Nähe, die erschrickt.
Ich habe einen Bekannten, mit dem ich in der Bibel noch nicht lese. Aber wir sind so, wir tasten uns heran, sagen wir es mal so. Ein sehr kluger Kopf. Und er sagt: Ich kann mich auf diesen Jesus nicht einlassen. Sein Anspruch an mein Leben ist einfach viel zu groß.
Und ich dachte: Wow. Ja, der hat noch nicht angefangen, mit ihm in der Bibel zu lesen, aber das hat er schon verstanden. Wenn ich ihn an mich herankommen lasse, kann ich ihn kaum auf Distanz halten. Er kommt mitten hinein und will alles bestimmen.
Denkt an die Jünger. Sie sind in ihrem Boot, sie rudern, das macht keinen Spaß, und sie kommen relativ schlecht voran. Und Jesus sitzt oben auf dem Berg. Sie denken das jedenfalls. Ein Jesus, der auf dem Berg sitzt und betet, ja, das ist so etwas wie ein Mutmacher für mein Leben. Ein bisschen weiter weg, aber letzten Endes weder eine echte Herausforderung noch eine echte Hilfe.
Und jetzt kommt dieser Jesus von seinem Berg herunter und tritt mitten in das Leben der Jünger hinein. Er kommt ihnen so nah, auf eine so ungewöhnliche Weise, auf eine so herausfordernde Weise, dass die Jünger erst einmal erschrecken.
Aber genau das ist es, was Jesus will. Er will kein ferner Gott sein. Er möchte ein Gott sein, der in unser Leben hineinkommt, der ganz nahe kommen darf. Er will ein Gott sein, der so kommt und so ungewöhnlich ist, dass uns manchmal der Atem stockt. Dass ich mir die Frage stelle: Was ist denn jetzt passiert? Warum denn das bitteschön?
Und die Frage, die ich uns mitgeben möchte, ist: Wie nah ist Jesus in deinem Leben? Ist er dir so nah wie das Abendbrot von gestern Abend, das inzwischen schon in dir aufgeht? Er hat gestern Abend einen Bagel gegessen. Den möchte keiner von euch jetzt mehr sehen, der ist schon Teil von mir. Der ist wirklich, ich habe da etwas in mir aufgenommen.
Ist das ein Bild für deine Beziehung zu Jesus? Dreht sich in deinem Leben alles um Jesus? Bist du in ihm und er in dir? Ist deine Gemeinschaft so eng, dass Paulus sagen könnte: Und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir? Ist das eine Beschreibung für dein Leben? Zu wem lebst du?
Und Vorsicht: Hier geht es die ganze Zeit nicht um Heiligung, so nach dem Motto: Jetzt hat er schon wieder so ein paar Ansprüche an mein Leben, und ich soll noch ein bisschen besser leben. Darum geht der Text nicht. Der Text dreht sich um echten Glauben.
Jesus sagt: Wenn dein Leben, wenn dein Glaube nicht das ist, dass du dich danach um Jesus drehst, wenn das nicht dein Glaube ist, dann hast du keinen Glauben. Ich weiß nicht, was du dann hast. Ich weiß es wirklich nicht.
Und es gibt viele Menschen, denen rückt Jesus mit diesem Anspruch einfach viel zu dicht auf den Pelz.

Die letzte Entscheidung

Hier, Vers 60: Viele nun von seinen Jüngern, die es gehört hatten, sprachen: Diese Rede ist hart. Ja, das kann ich verstehen. Das kann ich wirklich verstehen. Das ist mir auch ein Stückchen zu steil.
Vers 61: Da aber Jesus bei sich selbst wusste, dass seine Jünger hierüber murrten, sprach er zu ihnen: Ärgert euch das?
Na, Jesus war mit seinen komischen Fragen klar. Ja, ärgert uns das. Total! Das geht doch nicht, dass du hier in der Synagoge so ein Fass aufmachst. Und sie so zu präsentieren, das kann man noch ein bisschen freundlicher machen, ein bisschen weniger angriffig, ein bisschen weniger provokant, ein bisschen netter, ein bisschen geschmeidiger.
Vers 66: Von da an gingen viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm. Viele seiner Jünger gingen zurück. Also, die Volksmenge hat er schon lange verloren. Jetzt geht es um die Jünger, die schon ein bisschen dichter dran waren. Die wollen nichts mehr mit ihm zu tun haben.
Vers 67: Da sprach Jesus zu den Zwölfen: Wollt ihr etwa auch weggehen?
Und das ist nicht eine Frage im Sinne von: Oh bitte, bitte, bitte bleibt wenigstens ihr hier! Das ist ganz ernst. Das ist dieses: Sagt mal, wie sieht es bei euch aus? Wie sieht es aus, wollt ihr? Ich werde von meinem Anspruch nicht zurückgehen.
Jesus lässt die Leute ziehen, er bleibt nicht allein. Zwölf bleiben zurück. Nicht ganz aus ehrlichen Motiven, alle. Deswegen sagt er über Judas, dass einer ein Teufel ist. Aber Glaube funktioniert nicht, wenn es uns nicht ausschliesslich um Jesus geht. Glaube ist wie eine Rakete, die dich in die Umlaufbahn um Jesus trägt.
Und was dein Freund, mit dem du in der Bibel liest, braucht, das ist, dass er versteht, was Petrus hier sagt, ganz am Ende in Vers 68 und 69. Petrus sagt: Herr, zu wem sollten wir gehen? Das ist unsere Situation, das ist die Situation jedes Lebens in dieser Stadt, die nicht Gott kennt. Wohin sollen sie gehen? Die Situation ist völlig aussichtslos. Es sind Leute, die wie bei der Speisung der Fünftausend nicht wissen, wie sie sich helfen sollen. Es sind Leute, die wie bei dem zweiten Zeichen in ihrem Leben sich irgendwie wahrscheinlich eher fühlen wie so eine Nussschale mitten im See bei stürmischem Wetter. Das sind die Leute, mit denen wir es zu tun haben.
Und Petrus versteht, dass er sagt: Ich weiss nicht, wo ich hingehen sollte. Wohin sollte ich gehen? Ich habe keinen Weg, wo ich hingehen kann. Ich habe niemanden, der mir helfen kann. Ich habe niemanden, der in meine Situation, in mein Leben hineinkommen und mich ans Ziel bringen könnte. Ich habe das nicht.
Herr, zu wem sollten wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens. Das müssen unsere Freunde verstehen. Es gibt so viele Scharlatane, die mit ihren Pseudoweisheiten Menschen verführen, aber es gibt nur einen, der den Weg zum Leben weisen kann mit seinen Worten. Es gibt nur einen, der sagen kann: Meine Worte sind Geist und Leben.
„Herr, zu wem sollten wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens, und wir haben geglaubt, halleluja!“
Wisst ihr, was Petrus nicht weggehen lässt? Warum Petrus stehen bleibt neben Jesus und sagt: Ich gehe nicht? Weil seine Verbindung zu diesem Jesus nicht etwas Äusserliches ist. Er ist nicht so ein Trendvetter. Er ist nicht einfach einer, der jeden Tag ein Wunder erleben möchte und damit zufrieden ist. Er hat innen drin etwas. Unter der Oberfläche eine Liebesbeziehung zu diesem Jesus, und die lässt ihn bleiben, obwohl alle anderen gehen, obwohl du plötzlich alleine dastehst, obwohl du nicht weisst, was der nächste Tag bringt.
Der Tag fing ja gut an gestern mit all den Leuten, die so begeistert waren, und heute? Tja, wir sind noch zu zwölft, immerhin, nicht schlecht. Gestern hatten wir doch ein Fussballstadion voll. Na ja.
Herr, zu wem sollten wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens, und wir haben geglaubt und erkannt, dass du der heilige Gottes bist. Solange du Jesus für einen Geschenkeonkel hältst, bei dem ich mich artig für die Scheine zum Geburtstag bedanke, aber ansonsten interessiert er mich nicht, solange hast du nicht verstanden, wer er ist. In dem Moment, wo wir verstehen, wem wir da begegnen, dem heiligen Gottes, in dem Moment muss mein Leben mit Glauben, und zwar mit echtem Glauben, oder mit Unglauben antworten.
Was ist mein Gebet? Mein Gebet heute ist für euch und für mich, dass unser Glaube wirklich echt ist.
Unter den Jüngern war Judas. Er hatte alle Wunder erlebt. Er wurde benutzt, um anderen das Evangelium zu sagen. Auch in der Situation ist er stehen geblieben, er ist nicht weggelaufen, er ist kein Feigling. Und doch, in seinem Herzen, er war immer dabei, in seinem Herzen, tja, in seinem Herzen hing er nicht an Jesus, sondern er hing am Geld.
Und deswegen ist Johannes 6 nicht nur ein Mittel, um unseren Freunden das Evangelium zu predigen, sondern es ist eine Anfrage an unser Leben. Und ich denke an euch Jugendliche, aber ich denke auch an uns Ältere, an unser Leben. Es lässt sich ganz leicht sagen: Ich bin für Jesus. Es lässt sich überall mitschwimmen wie Judas. Es lässt sich sogar das Evangelium verkünden, für Kenia laufen, WM-Kickereinladungen machen und was weiss ich. Es lässt sich alles machen. Aber die eigentliche Frage ist: Wen lieben wir im Innersten? Wem gehört unser Leben? Jesus? Lieben wir Jesus, den heiligen Gottes, oder Jesus, den Geschenkeonkel? Lieben wir den Geber oder lieben wir die Gaben?

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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