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Apostelgeschichte 23,23-33

Apostelgeschichte, Teil 64/64
Apostelgeschichte 23,23-33
SERIE - Teil 64 / 64Apostelgeschichte

Paulus stand vor dem Hohen Rat und sprach zu ihnen: „Brüder, ich habe nach allem guten Gewissen vor Gott gelebt bis zu diesem Tag.“ Als der Hohepriester Ananias befahl, Paulus zu schlagen, sagte Paulus zu ihm: „Gott wird dich schlagen, du weißer Wand!“ Die Versammelten antworteten: „Willst du uns mit deinen Worten beleidigen, du Schriftgelehrter?“ Paulus erwiderte: „Ich wusste nicht, dass er der Hohepriester ist, denn es steht geschrieben: ‚Du sollst den Gottlosen nicht ehren.’“

Als Paulus merkte, dass ein Teil der Versammlung aus Sadduzäern und der andere aus Pharisäern bestand, rief er laut aus: „Brüder, ich bin ein Pharisäer, ein Sohn der Pharisäer. Ich werde wegen der Hoffnung auf die Auferstehung der Toten vor euch gerichtet.“ Sofort entstand ein Streit zwischen den Pharisäern und Sadduzäern. Die Sadduzäer bestritten, dass es eine Auferstehung gibt, Engel oder Geister, während die Pharisäer diese Dinge bejahten.

Der Streit wurde so heftig, dass der Hohe Rat sich spaltete. Einige Schriftgelehrte aus der Partei der Pharisäer standen auf und verteidigten Paulus, indem sie sagten: „Wir finden keinen Grund für diesen Menschen, oder etwas, das gegen ihn spricht.“ Andere aber riefen laut: „Er hat eine Dämon, oder er redet gegen den Hohepriester Ananias!“

In der Unruhe rief der Kommandant der römischen Soldaten, um Paulus aus der Menge zu retten, und befahl, ihn in das Militärlager zu bringen. In der Nacht jedoch schmiedeten mehr als vierzig Juden einen Plan, Paulus zu töten. Sie schworen, ihn nicht zu essen oder zu trinken, bis sie ihn ermordet hätten.

Aber Paulus’ Neffe erfuhr von der Verschwörung, ging zu dem Lager und berichtete es dem Kommandanten. Der Kommandant ließ Paulus bewachen und veranlasste, ihn am nächsten Tag zum Statthalter Felix zu bringen.

Am nächsten Morgen nahm der Kommandant eine starke Truppe von Soldaten, Reitern und Bogenschützen mit und brachte Paulus sicher nach Caesarea. Dort übergab er ihn dem Statthalter und berichtete von der Lage und der Verschwörung der Juden.

Felix hörte sich die Sache an und befahl, Paulus in Gewahrsam zu behalten, aber ihm freies Geleit zu gewähren. Felix wollte auf weitere Informationen warten, bis die jüdischen Führer aus Jerusalem gekommen waren, um ihre Klage vorzutragen.

Einführung in die Situation um Paulus in Jerusalem

Wir befinden uns weiterhin in Jerusalem und bei Paulus, der wegen eines Mordkomplotts festgenommen wurde. Der zuständige Oberste beschließt nun, Paulus wegbringen zu lassen, da das Mordkomplott immer noch im Raum steht.

In Apostelgeschichte 23, für alle, die zum ersten Mal dabei sind: Dies ist die 65. Predigt zur Apostelgeschichte. Wer die vorherigen 64 verpasst hat, kann sie alle nachhören.

In Apostelgeschichte 23, Vers 23, heißt es:

„Und als er zwei der Hauptleute herbeigerufen hatte – das ist der römische Oberste, der Paulus wegschaffen möchte – sprach er: Macht zweihundert Soldaten bereit, die bis Caesarea ziehen sollen, dazu siebzig Reiter und zweihundert Lanzenträger. Von der dritten Stunde der Nacht an sollen sie bereitstehen und Tiere bereithalten, damit sie Paulus daraufsetzen und sicher zum Statthalter Felix bringen können.“

Der Oberste heißt Claudius Lysias. Er will seinen Gefangenen loswerden und von Jerusalem nach Caesarea überstellen. Warum er gleich 470 Leute mitgibt, ist unklar. Wahrscheinlich möchte er auf Nummer sicher gehen, dass dem römischen Bürger Paulus nichts geschieht.

Deshalb müssen sich alle ab 21 Uhr bereithalten.

Claudius Lysias’ Brief an den Statthalter Felix

Und in dieser Zeit schreibt der gute Claudius Lysias noch einen Brief an seinen Chef. Den lese ich euch mal vor: Apostelgeschichte 23, Vers 25.

Er schrieb einen Brief folgenden Inhalts:

Claudius Lysias dem hochedlen Statthalter Felix seinen Gruß.

Diesen Mann – er meint hier Paulus – diesen Mann, der von den Juden ergriffen wurde und nahe daran war, von ihnen umgebracht zu werden, habe ich Ihnen entzogen, indem ich mit den Truppen einen Schritt dazwischen trat, nachdem ich erfahren hatte, dass er ein Römer sei.

Da ich aber die Ursache wissen wollte, weshalb sie ihn anklagten, führte ich ihn in ihren Hohen Rat hinab.

Dort fand ich, dass er wegen Streitfragen ihres Gesetzes angeklagt war, dass aber keine Anklage gegen ihn vorlag, die des Todes oder der Fesseln wert wäre.

Da mir jedoch ein Anschlag hinterbracht wurde, der gegen den Mann im Werk sei, habe ich ihn sofort zu dir gesandt und auch den Klägern befohlen, vor dir zu sagen, was gegen ihn vorliegt.

Also, soweit das Begleitschreiben zu diesem Gefangenentransport.

Die Wahrheit hinter Claudius Lysias’ Darstellung

Und wenn ich diesen Text jetzt mit meinen Enkeln lesen würde, dann würde ich fragen: Wer findet den Fehler? Warum?

Weil das, was wir hier lesen, nur fast die Wahrheit ist, also nicht ganz. Claudius Lysias präsentiert sich gegenüber seinem Chef nämlich als der große Retter. Das, was er selbst falsch gemacht hat, fällt dabei ein bisschen unter den Tisch. Hier, in Vers 27, heißt es:

„Diesen Mann, der von den Juden ergriffen wurde und nahe daran war, von ihnen umgebracht zu werden, habe ich ihnen entrissen, indem ich mit den Truppen eingriff. Und warum? Da ich erfuhr, dass er ein Römer sei.“

Fast möchte ich sagen: Ja, es gab einen Tumult, und ja, Claudius Lysias schreitet auch ein, das stimmt. Aber eben nicht, weil er gehört hatte, dass hier ein römischer Bürger von einem jüdischen Mob gerade gelyncht werden sollte. Er schreitet einfach nur so ein, weil er der Oberste ist und in Jerusalem für Recht und Ordnung verantwortlich war.

Das mit dem römischen Bürger erfährt er erst deutlich später, nämlich nachdem er diesen römischen Bürger schon einmal rechtswidrig für die Geißelung hatte vorbereiten lassen. Davon lesen wir hier nichts. Vor seinem Chef ist Claudius Lysias einfach der strahlende Held.

Es geht genauso schön gefärbt weiter. In Vers 28 lesen wir:

„Da ich aber die Ursache wissen wollte, weshalb sie ihn anklagten, führte ich ihn in ihren Hohen Rat hinab. Da fand ich, dass er wegen Streitfragen ihres Gesetzes angeklagt war, dass aber keine Anklage gegen ihn vorlag, die des Todes oder der Fesseln wert wäre.“

Ach ja, ja, irgendwie so war es schon. Er hat ihn tatsächlich in den Hohen Rat geführt. Was wir nicht lesen, ist, dass diese ganze Aktion inhaltlich nicht sonderlich aufschlussreich war.

Was wir auch nicht lesen, ist, dass die Aktion prompt zu einem neuen Tumult führt, der ihn zwingt, mit den eigenen Soldaten Paulus gleich noch einmal retten zu lassen. Das fällt alles unter den Tisch.

Warum macht er das? Na ja, ich würde mal sagen, er will vor seinem Chef gut dastehen.

Die Überführung nach Caesarea

Und dann endet diese Überführung. Schauen wir uns noch Apostelgeschichte 23, die letzten drei Verse 31 bis 33, an:

Die Soldaten nahmen, wie ihnen befohlen war, Paulus bei Nacht und führten ihn nach Antipatris. Antipatris liegt ungefähr auf halber Strecke zwischen Jerusalem und Caesarea. Am folgenden Tag ließen sie die Reiter mit Paulus weiterziehen und kehrten selbst zum Lager zurück.

Als sie in Caesarea ankamen, übergaben sie dem Statthalter den Brief und führten ihm auch Paulus vor. Damit endet die eigentliche Überführung, der Verwaltungsakt, an dieser Stelle.

Zuerst wurden alle 470 Soldaten bis Antipatris begleitet, dann kehrten einige von ihnen zurück, während die Reiterei mit Paulus bis zur Mittelmeerküste nach Caesarea weiterzog. Dort wurde der Gefangene zusammen mit dem Brief dem Statthalter Felix übergeben.

Die persönliche Relevanz des Textes und das Thema Ehre

Bis dahin stellt sich die Frage: Was machen wir mit diesem Text? Es scheint nicht so recht ein Text zu sein, der persönlich mit uns zu tun hat. Und doch denke ich, dass es ein Thema gibt, mit dem wir uns vielleicht doch mehr identifizieren können, als uns das manchmal lieb ist. Wir werden das im Laufe der Predigt und im weiteren Verlauf sehen.

Denken wir noch einmal kurz über diesen Brief nach. Warum schreibt Claudius Lysias den Brief genau so, wie er ihn schreibt? Die Antwort ist ganz einfach – das würde wohl niemand anders vermuten: Es geht ihm um seine Karriere. Er schreibt den Brief so, dass er selbst gut dasteht. Deshalb lässt er die ganze Unwissenheit, die Fehleinschätzung einfach unter den Tisch fallen.

Worum geht es ihm also nicht? Es geht ihm nicht um Wahrheit. Worum geht es ihm dann? Es geht ihm um Imagepflege. Er benutzt die Sache mit dem römischen Bürger Paulus aus Tarsus, um seine eigene Karriere voranzutreiben.

Deshalb möchte ich das Thema für unsere Predigt jetzt auf die Frage der Ehre lenken. Ich möchte mit euch über Ehre sprechen – genauer gesagt über die Frage: Wessen Ehre suche ich eigentlich mit meinem Leben? Ist es die Ehre bei Gott oder die Ehre von Menschen? Vor wem will ich eigentlich gut dastehen? Vor Gott oder vor den Menschen, mit denen ich tagtäglich zu tun habe – in der Schule, in der Nachbarschaft, am Arbeitsplatz, in der Kita oder wo auch immer?

Um wen geht es mir da eigentlich? Der gute Claudius Lysias hat seine Entscheidung getroffen, aber diese ist nicht gut. An ihm dürfen wir uns kein Vorbild nehmen.

Das Beispiel König Sauls und der Umgang mit Gottes Auftrag

Ich möchte mit euch über das Thema Ehre vor Menschen sprechen. Ich beginne mit einem Beispiel, das sehr offensichtlich ist und vielleicht in jeder Kinderbibel vorkommt: 1. Samuel 15.

Dort geht es um König Saul. Er führt Krieg gegen die Amalekiter. Der Auftrag, den er erhält, klingt nicht freundlich: Ausrottung. Ich möchte hier nicht näher darauf eingehen, warum die Amalekiter, nachdem sie mehrere hundert Jahre keine Buße getan haben, an dieser Stelle bis zum letzten Esel und Schaf ausgerottet werden sollen.

Mir geht es um Saul und darum, wie er mit diesem Auftrag umgeht. In 1. Samuel 15, Vers 9 heißt es: Saul hat den Auftrag, alles auszurotten, doch er und das Volk verschonen Agag, den König, sowie die besten Schafe, Rinder, Tiere vom zweiten Wurf und die Lämmer – alles, was wertvoll war. Diesen Bann wollten sie nicht vollstrecken. Alles Vieh, das verachtet und schwächlich war, wurde jedoch vernichtet.

Das war nicht das, was Gott wollte.

Die Frage ist: Warum tut Saul das? Warum verschont er den König und die besten Tiere? Diese Frage ist sehr interessant, denn die Tatsache, dass er es tut, kostet ihn sein Königtum. Er tut nicht, was Gott sagt, und Gott nimmt ihm deshalb das Königtum weg.

Nach dem Krieg kommt der Prophet Samuel zu Saul und stellt ihn zur Rede. Das lese ich euch vor, 1. Samuel 15, Verse 20-23:

Saul antwortete Samuel, der ihn gerade zur Rede stellte: „Ich habe der Stimme des Herrn gehorcht und bin den Weg gegangen, den der Herr mich gesandt hat. Ich habe den König von Amalek hergebracht und an Amalek den Bann vollstreckt. Aber das Volk hat von der Beute Schafe und Rinder genommen, das Beste vom Gebannten, um es dem Herrn, deinem Gott, in Gilgal zu opfern.“

Das klingt ja nett, oder? Saul sagt im Grunde: „Ich habe schon irgendwie gemacht, was Gott wollte. Wir haben nicht alles umgebracht, da sind ein paar Tiere übrig geblieben, aber eigentlich sind das ja nur die Besten. Und die sind ja auch nur dazu da, damit wir sie Gott opfern.“ Das ist zumindest seine Erklärung, nicht unbedingt das, was Gott wollte.

Samuel aber sagt: „Hat der Herr so viel Lust an Brandopfern und Schlachtopfern wie daran, dass man der Stimme des Herrn gehorcht? Siehe, gehorchen ist besser als Schlachtopfer, aufmerken besser als das Fett der Widder. Denn Widerspenstigkeit, also nicht zu tun, was Gott sagt, ist eine Sünde wie Wahrsagerei, und Widerstreben ist wie Abgötterei und Götzendienst.“

„Weil du das Wort des Herrn verworfen hast, hat er dich auch verworfen, sodass du nicht mehr König sein sollst.“

Das passt gut in diesen Gottesdienst, oder?

Was ist das Wichtigste für Älteste? Genau: „Verwerft nicht das Wort Gottes, bleibt da dran und traut euch das.“ Dann wird Gott zu eurem Dienst stehen. Hier sehen wir ein Beispiel von jemandem, der das nicht tut.

Die wahre Motivation Sauls und die Gefahr der Menschenfurcht

Warum tut er das nicht? Wir wollten die besten Tiere Gott opfern, und das müssen wir uns gut merken. Egal, wie gut unsere Erklärungen klingen, wenn wir ungehorsam oder widerspenstig sind — egal, wie gut sie klingen — Gott will sie nicht hören.

Gott wird uns für unsere Widerspenstigkeit, für unser Widerstreben zur Rechenschaft ziehen. Er hat uns ein Wort gegeben, damit wir uns daran halten.

Und jetzt wird es ganz spannend. Eben noch sagten wir: „Ja, wir wollten das doch, wir haben es nur aufgehoben, um es zu opfern.“ Jetzt schauen wir mal dahinter, was eigentlich Sache ist.

Hier, 1. Samuel 15, Vers 24: Saul sagte zu Samuel: „Ich habe gesündigt.“ Stimmt das, Saul? „Ich habe gesündigt, dass ich dem Befehl des Herrn und deinen Worten übertreten habe, denn ich fürchtete das Volk und hörte auf seine Stimme.“

Merkt ihr, was wirklich Sache ist? Der König bekommt den Auftrag zur Ausrottung, macht es aber irgendwie halbherzig. Der Prophet kommt und fragt: „Was machst du da?“ Dann folgt eine super geistliche Erklärung, aber alles ist heiße Luft. Was steckt dahinter?

Dahinter steckt einfach ein bisschen Menschenfurcht. Das ist alles. In Wahrheit lautet die Wahrheit hinter der Ausrede: „Ich fürchtete das Volk und hörte auf seine Stimme.“

Manchmal ist es so simpel: Wir tun nicht, weil wir uns fürchten, aber nicht vor Gott, sondern vor Menschen. Es ist oft so einfach, so simpel.

Und so heißt es in den Sprüchen — das wäre mein Lernvers für diesen Sonntag, also für alle, die sagen, sie lernen jede Woche einen Bibelvers, der ist cool, den sollte man können, der ist wirklich nice: Sprüche 29, Vers 25: „Menschenfurcht stellt eine Falle; wer aber auf den Herrn vertraut, ist in Sicherheit.“

Wir müssen uns das gut merken: Wir können nicht Gott gefallen und gleichzeitig den Menschen. Es geht nicht. Wir können es nicht.

Deshalb ist es wichtig, dass wir uns überlegen, für wen wir leben wollen, und dass diese Entscheidung, wenn wir morgens aufwachen, noch gilt. Wir müssen uns jeden Morgen fragen: Für wen will ich leben?

Und die Entscheidung sollte lauten: Ich möchte in dieser Dunkelheit — in der Dunkelheit dieser Welt — für Gott leuchten.

Warnung vor Menschenfurcht anhand von Jesu Worten

Wenn wir anfangen, Ehre bei Menschen zu suchen, wird das zum Gift für den Glauben. Ich habe euch zwei Stellen von Jesus mitgebracht, in denen er seinen Gegnern erklärt, wie gefährlich es ist, mehr darauf zu achten, was Menschen von uns denken, als auf Gott.

In Johannes 5,44 sagt Jesus: „Wie könnt ihr glauben, ihr, die ihr Ehre voneinander nehmt und die Ehre, die von dem alleinigen Gott ist, nicht sucht?“ Es ist unmöglich zu glauben, wenn Gott und das, was er über dich denkt, nicht das Wichtigste in deinem Leben sind. Es geht einfach nicht.

In Johannes 12,42-43 steht: „Dennoch glaubten auch viele von den Obersten an ihn, aber wegen der Pharisäer bekannten sie ihn nicht. Denn sie liebten die Ehre bei den Menschen mehr als die Liebe bei Gott.“ Das zeigt, dass es Leute gibt, die glauben, es aber nicht zugeben. Wenn du sie fragst: „Glaubst du auch?“ sagen sie oft: „Nein, tue ich nicht.“ Warum? Weil sie die Ehre bei den Menschen mehr lieben als die Liebe Gottes. Und deshalb geben sie ihren Glauben nicht zu, um nicht aus der Synagoge ausgeschlossen zu werden.

Das ist das Problem: Manche lieben das, was Menschen über sie denken, mehr als das, was Gott über sie denkt. Wenn wir Jesus nachfolgen wollen und es uns ernst meinen, müssen wir damit aufhören. Wir müssen aufhören, Menschen gefallen zu wollen. Menschenfurcht ist eine Falle, aus der man kaum wieder herauskommt.

Menschenfurcht verhindert und behindert den Glauben und das Leben mit Jesus. Deshalb muss sich jeder, der mit Gott leben will, vor Menschenfurcht in Acht nehmen.

Paulus’ Haltung zur Ehre und zum Dienst

 Galater 1, Vers 10: Paulus fragt: Rede ich jetzt, um Menschen zu gefallen, oder um Gott zu gefallen? Zuvor hat er ein kritisches Thema angesprochen und stellt nun die Frage, warum die Leute glauben, dass er das, was er schreibt, aus Liebe zu den Menschen tut oder aus Liebe zu Gott. Sucht er etwa, den Menschen zu gefallen?

Paulus zeigt hier einen wichtigen Aspekt, den er natürlich im Blick auf sich selbst und sein Apostelamt schreibt. Doch dieser Grundsatz gilt für jeden von uns. In 1. Thessalonicher 2, Vers 4 heißt es: „Sondern wie wir von Gott tauglich befunden worden sind, mit dem Evangelium betraut zu werden, so reden wir. Jetzt haben wir es wieder: Nicht um Menschen zu gefallen, sondern Gott, der unsere Herzen prüft.“

Gott ist derjenige, der dein Herz prüft, um zu sehen, ob du es ernst meinst. Paulus sagt: „Ich weiß das.“ Deshalb sprechen wir so, dass Gott, wenn er unser Herz betrachtet, sagen kann: „Tschakka, ja, mein Mann, meine Frau, mit dem und mit der kann ich etwas anfangen.“

Vers 5: „Denn weder sind wir jemals mit schmeichelnder Rede aufgetreten, wie ihr wisst, noch mit einem Vorwand für Habsucht. Gott ist Zeuge. Noch suchten wir Ehre von Menschen, weder von euch noch von anderen.“

Wir suchen also nicht die Ehre von Menschen. Wir brauchen keinen Applaus und keine Anerkennung von Menschen. Dafür leben wir nicht.

Ich möchte aber auch sagen: Wir haben kein Problem damit, wenn wir Erfolg haben und wenn ausnahmsweise alle uns mögen. Ja, okay, das nehmen wir auch mit. Der Punkt ist nur: Für den Erfolg, für den Applaus, für die Wohlgesonnenheit und den Respekt der Menschen opfern wir nicht die Wahrheit – so wie Claudius Lysias das nicht getan hat.

Soweit die Theorie.

Praktische Szenarien zur Reflexion über Ehre und Glauben

Ich mache mal Folgendes: Ich spiele mit euch ein kleines Spiel. Ich stelle euch drei kleine, völlig hypothetische Szenarien vor. Ich habe niemanden im Blick, sondern habe sie von ChatGPT erstellen lassen, damit sie wirklich völlig neutral sind. Drei Szenarien, wie sie vorkommen könnten.

Erstens: Ein christlicher Abteilungsleiter soll einen Nachhaltigkeitsbericht unterschreiben. Die Zahlen stimmen, aber sie vermitteln ein besseres Bild, als es in Wirklichkeit ist. Die Firma will gut dastehen, und wer mitmacht, hat Karrierechancen. Der Leiter spürt, dass es nicht gut ankommen wird, wenn er ehrlich ist. Er steht in einem inneren Konflikt. Hält er an Gottes Wahrheit fest, auch wenn ihn das vielleicht die Beförderung kostet?

Szenario zwei: Eine christliche Lehrerin wird von ihrem Kollegium auf ihre Meinung zu Genderfragen angesprochen. Für sie gibt es Mann und Frau. Sie merkt aber, dass sie anecken könnte, wenn sie das offen sagt. Dann gilt sie vielleicht als intolerant und rückständig. Sie spürt innerlich den Druck: Soll sie zu ihren biblischen Überzeugungen stehen oder lieber um den heißen Brei herumreden und nichts sagen?

Ein drittes Szenario: Ein christlicher Jugendlicher ist Teil einer Sportmannschaft. In der WhatsApp-Gruppe werden regelmäßig anzügliche Videos, Witze und Sprüche geteilt. Er fühlt sich unwohl damit, sagt aber nichts. Stattdessen liked er mit, um nicht als Außenseiter dazustehen. Er weiß, wenn er sich klar positioniert, verliert er den Anschluss an die Gruppe. Sein Gewissen verurteilt ihn für das, was er tut, aber er möchte dazugehören. In ihm steht die Frage: Wie weit passe ich mich an, um dabei zu sein?

Drei ganz simple Szenarien: ein Abteilungsleiter, eine Lehrerin, jemand, der Sport macht.

Und jetzt für euch die Frage: Gab es in den letzten paar Wochen eine Situation, in der du nicht wirklich ehrlich warst, weil du gut dastehen wolltest? Wo du dich angepasst hast, obwohl dir dein Glaube eigentlich etwas anderes gesagt hat? Gab es so eine Situation in deinem Leben?

Und wie gesagt, ihr dürft euch jetzt melden, wenn ich das sage. Es geht nicht darum, dass ihr euch outet, sondern dass ihr euch umblickt, um zu sehen, wie viele Leute es gibt, denen es genauso geht. Nur die letzten paar Wochen.

Wer gehört alles in meine Gruppe? Schaut euch um! Es geht mir nur um einen Punkt: Du bist mit diesem Thema nicht allein. Das ist der Punkt. Du bist nicht allein. Du darfst ehrlich sagen: „Ah, ja, das gehört ein Stück weit dazu.“

Und ich möchte von den Ältesten wissen: Wer ist jetzt jung Ältester, das erste Mal dabei? Ich weiß seinen Namen gerade nicht. Hans? Hans, laut von hinten einmal für die Gruppe beten, bitte. Amen.

Zusammenfassung und zentrale Botschaft der Predigt

Worum geht es mir heute? Mir geht es darum, dass wir mit Claudius Lysias und seinem, sagen wir mal, geschönten Brief an den Statthalter Felix starten. Hier begegnet uns jemand, der die Vergangenheit umschreibt, um selbst in einem guten Licht dazustehen.

Dann haben wir uns Saul angeschaut, weil er aus dem gleichen Grund sein Königtum verliert. Er hat Angst vor Menschen und vergreift sich an Gott.

Im Zentrum haben wir einen Vers gestellt: Sprüche 29,25. Diesen dürft ihr auswendig lernen: „Menschenfurcht stellt eine Falle, wer aber auf den Herrn vertraut, ist in Sicherheit.“ Wie gesagt, ich meine das ernst. Schreibt ihn wenigstens auf und hängt ihn euch irgendwo hin, um in der nächsten Woche noch ein bisschen darüber nachzudenken.

Warum nachdenken? Weil Jesus und Paulus darauf bestehen, dass ein solches Verhalten den Glauben kaputtmacht. Sie betonen, dass wir nicht Christus nachfolgen und seine Jünger sein können, wenn es uns eigentlich noch darum geht, Menschen zu beeindrucken und das Wohlwollen sowie den Respekt von Menschen zu gewinnen.

Reflexionsfragen zur persönlichen Anwendung

Und so habe ich euch zum Schluss sieben Reflexionsfragen mitgebracht, die ich euch vorstellen möchte. Diese Fragen könnt ihr mitnehmen in den Hauskreis, in euer Gebetsleben oder einfach in eure persönliche Reflexion, wenn ihr vor Gott steht.

Die Fragen lauten:

Wen will ich in meinem Leben beeindrucken – Gott oder Menschen?
Welche Wahrheit verschweige ich, weil ich Angst vor Ablehnung habe?
Wo rede oder handle ich anders, als ich glaube, nur um dazuzugehören?
Bin ich wirklich bereit, Nachteile in Kauf zu nehmen, um Christus treu zu bleiben?
Wo suche ich Anerkennung, statt im Verborgenen treu zu sein?
Handle ich aus Überzeugung oder weil ich gut dastehen will?
Was motiviert mich im Innersten, so zu leben, wie ich lebe?

Und der letzte Punkt: Wenn nur Gottes Urteil zählt, was müsste sich in meinem Leben dann ändern?

Ermutigung zur Ehrlichkeit vor Gott und Verheißung der Vergebung

Sondern wenn du jetzt hier sitzt und sagst: Jürgen, ganz ehrlich, ich habe mich vielleicht nicht einmal getraut, mich zu melden. Aber wenn ich das in Ruhe durchdenke, dann sehe ich, dass da Luft nach oben ist. Vielleicht ist auch manchmal ein bisschen etwas wie bei Claudius Lysias auf der Strecke geblieben in meinem Leben.

Wenn du jetzt hier sitzt und ein bisschen gedetscht bist, dann lass mich noch einen letzten Punkt sagen, der wichtig ist: Gott ist ein Gott, der gerne vergibt. Du darfst ihm aufrichtig bekennen, was in deinem Leben nicht oder noch nicht läuft. Er hat überhaupt kein Problem damit, überhaupt kein Problem.

Das Einzige, was Gott nicht mag, ist diese Versteckeritis – wenn man Dinge nicht bekennt. Damit mag er nicht umgehen. Gott ist ein Gott, der gerne vergibt, der uns täglich aufrichtet und der uns durch seinen Geist neu bevollmächtigen möchte, seine Zeugen zu sein.

Dazu bist du berufen, und dazu will Gott dich gebrauchen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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