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STILLE ZEIT

SO WÄCHST DU IM GLAUBEN
22.12.2023

Persönliche Erfahrungen mit dem Bibellesen

Hallo ihr Lieben, heute sind es nur du und ich. Ich möchte dich heute ein bisschen in ein Thema mit hineinnehmen, das viele hier gefragt haben: Wie kann ich meine stille Zeit gestalten? Wie kann ich Bibel lesen? Habt ihr Tipps fürs Bibellesen, habt ihr gefragt?

Ich möchte dir in diesem Video gern ein paar konkrete Tipps und Ideen für eine praktische Gestaltung geben. Damit das aber Sinn macht, muss ich dich kurz ein bisschen mit in meine persönliche Geschichte hineinnehmen.

Ich bin christlich aufgewachsen und hatte ein wirklich wunderbares christliches Elternhaus. Von Anfang an gehörten Beten und Bibellesen zuhause dazu. Ich bin in den Kindergottesdienst gegangen, war auf christlichen Freizeiten und all diese Dinge.

Mein persönlicher Weg ins Bibellesen war auch sehr gut. Ich habe immer früh vor der Schule beim Frühstück mithilfe von Bibelleseheften die Bibel gelesen – erst die Ausgabe für Kinder, dann für Teenies, später, als ich selbst junge Erwachsene war, dafür und schließlich die Frauenausgabe.

In diesen Heften ist täglich eine Bibelstelle vorgegeben, mal eine kürzere, mal eine etwas längere Passage, die man dann selbst in seiner Bibel liest. Dazu gibt es einen Erklärungstext. Ab und zu hatte ich auch intensivere Bibellesezeiten, zum Beispiel mal in der Jugendstunde oder bei Bibelarbeiten auf Freizeiten.

Ich hatte eigentlich immer eine ganz gute Bibelkenntnis: Ich wusste, wo welches Buch in der Bibel ist, wer die wichtigsten Personen aus dem Alten Testament sind und so weiter.

Aber in den ersten zwanzig, einundzwanzig Jahren meines Lebens lag der Höhepunkt von der Intensität und Zeit in Gottes Wort – also wie viel ich mich damit beschäftigt habe – wahrscheinlich in und um meine Abizeit. Danach bin ich ins Ausland gegangen, habe studiert, und rückblickend ist das eine Phase, in der ich sagen kann, dass ich geistlich so ein Plateau erreicht hatte. Ich bin nicht signifikant weitergewachsen.

Ich denke, das hatte zwei Gründe. Ich erzähle dir davon, weil du dich vielleicht in dem einen oder anderen wiedererkennst oder jemanden aus deiner Gemeinde oder Familie kennst, der eine ähnliche Erfahrung gemacht hat.

Einführung in den Bibelfit-Dienst und geistliches Wachstum

Aber zunächst einmal willkommen beim Bibelfit-Dienst. Hier versuchen wir, leicht verständlich tiefer in die Bibel einzutauchen, Jesus in unserem modernen Alltag nachzufolgen und schwierige Fragen von Nichtchristen klar zu beantworten.

Jeden Beitrag ergänzen wir mit Übersichten, biblischen Entscheidungshilfen, kompletten Hörbüchern und sogar Online-Kursen. Das alles gibt es kostenlos auf der Website. Dafür können wir den freiwilligen monatlichen Unterstützern aus dem ganzen Land danken – Menschen wie du und ich.

Wer möchte, dass Videos wie dieses in unserem Land weiter ausgespielt und nicht verborgen werden, kann gern die Glocke unten rechts unter dem Video drücken.

Schauen wir uns nun die Gründe an, warum ich ein geistliches Plateau erreicht hatte, von dem ich nicht wirklich weiter gewachsen bin.

Zum einen hatte ich nicht wirklich im Blick, wie wichtig es ist, geistlich weiter zu wachsen. Vor allem aber hatte ich nicht vor Augen, wie viel mehr ich noch wachsen könnte. Rückblickend hätte ich manchmal gern so eine Skala vor Augen gehabt: „Ich bin hier, aber es gibt noch so viel zu entdecken.“

Das ist das Phänomen der Stagnation – das Auf-der-Stelle-Treten, weil man nicht weiß, wie viel noch möglich ist.

Wir lesen in der Bibel jedoch immer wieder, wie wichtig geistliche Reife und das Streben danach sind. So heißt es in 1. Korinther 2,6: „Wenn ich es jedoch mit Menschen, die im Glauben gewachsen sind, zu tun habe, verwende ich Worte der Weisheit.“

Andere Übersetzungen schreiben an dieser Stelle: „Dennoch erkennt jeder im Glauben gereifte Christ, wie wahr und voller Weisheit unsere Botschaft ist.“

 Philipper 3,15 spricht davon: „Wir alle, die der Glaube an Christus zu geistlich reifen Menschen gemacht hat, wollen uns ganz auf dieses Ziel ausrichten.“

Und in 1. Korinther 3,1-3 heißt es: „Allerdings konnte ich mit euch, liebe Geschwister, nicht wie mit geistlich reifen Menschen reden.“

Eine andere Übersetzung sagt: „Mit Menschen, die im Glauben gewachsen sind, konnte ich nicht reden. Ich musste mit euch reden, als würdet ihr noch zu dieser Welt gehören oder als wärt ihr kleine Kinder im Glauben.“

Es geht weiter mit dem Bild von Säuglingen: „Ich musste euch mit Milch ernähren, statt mit fester Nahrung, die ihr noch nicht vertragen hättet. Und ihr könnt sie wohl auch jetzt noch nicht zu euch nehmen, denn ihr lasst euch noch von eurem alten Ich beherrschen.“

In Hebräer 5,12 heißt es: „Ihr seid nun schon so lange Christen und solltet eigentlich andere lehren. Stattdessen braucht ihr jemanden, der euch noch einmal die Grundlagen von Gottes Wort beibringt. Ihr seid wie Säuglinge, die nur Milch trinken, aber keine feste Nahrung essen können.“

Es gibt also offensichtlich einen Wachstumsprozess, den wir als Christen durchlaufen sollen. Dieser Prozess geschieht aber nicht automatisch. Sonst würde die Gemeinde ja nicht dafür gerügt werden, dass sie immer noch Babychristen sind.

Hier kommt der Punkt, der mir nicht bewusst war: Nur weil ich christlich aufgewachsen bin, macht mich das nicht automatisch zu einem reiferen Christen. Das bedeutet auch nicht automatisch, dass ich kein Babychrist mehr bin oder dass ich in Bezug auf meine geistliche Reife schon weiter vorne stehe.

Man wird ja nicht als Christ geboren. Man kann vielleicht christlich erzogen werden, klar. Aber man muss sich trotzdem noch bekehren und bewusst entscheiden, Christ zu werden. Danach gilt es, in das geistliche Wachstum zu investieren.

Der Einfluss des Dunning-Kruger-Effekts auf das geistliche Wachstum

Dazu kommt noch ein zweiter Grund, weshalb so ein Plateau erreicht wurde. Das klingt jetzt vielleicht erst einmal ein bisschen theoretisch und ist auch kurz, aber ich denke, es wird uns sehr helfen.

Es lässt sich mit dem Dunning-Kruger-Effekt erklären. Der Dunning-Kruger-Effekt ist ein Phänomen aus der Verhaltenspsychologie. Er besagt unter anderem, dass man, wenn man mit einem Bereich oder Thema viel Kontakt hat, dazu neigen kann, automatisch zu denken, dass man in diesem Bereich kompetent ist oder über viel Wissen verfügt.

Zum Beispiel sieht man das manchmal im Bereich Finanzen. Oft überschätzen Personen, die regelmäßig Finanzmedien schauen, ihr tatsächliches Verständnis von Finanzen und ihre Fähigkeit, finanzielle Entscheidungen zu treffen. Ähnlich legen Studien nahe, dass Menschen, die christlich aufgewachsen sind und immer von christlichen Inhalten umgeben waren, ihre Bibel teilweise weniger gut kennen und weniger intensiv lesen als Menschen, die nicht christlich aufgewachsen sind und sich erst später bekehrt haben.

Natürlich kann man das nicht pauschal sagen, aber es ist einfach zu beobachten und doch irgendwie interessant, oder? Nur weil man von etwas viel umgeben ist, wie zum Beispiel christlichen Inhalten, neigt man automatisch dazu zu denken, dass man sich besser damit auskennt, als es tatsächlich der Fall ist. Deshalb sieht man zum Beispiel weniger Notwendigkeit, die Bibel tatsächlich zu lesen.

Ich denke, etwas Ähnliches ist bei mir passiert, und vor einigen Jahren habe ich mich dadurch sehr überführt gefühlt. Noch einmal: Das heißt nicht, dass irgendetwas daran falsch war, wie ich aufgewachsen bin. Im Gegenteil, ich bin sehr dankbar dafür, dass ich christlich erzogen worden bin.

Aber zwei Dinge sind mir klar geworden. Erstens habe ich unterbewusst gedacht, dass ich ja kein Babychrist mehr sein kann, nur weil ich christlich aufgewachsen bin. Zweitens habe ich, glaube ich, gedacht, dass ich die Bibel kenne, nur weil ich seit meiner Kindheit jeden Tag mein Bibelleseheft gelesen habe und in größeren Abständen auch längere Passagen aus der Bibel.

Ich erinnere mich, dass mich eine nichtchristliche Schulfreundin einmal gefragt hat, ob ich die Bibel denn schon mal ganz durchgelesen hätte. Ich weiß noch, dass da wirklich keine Spur von Ablehnung mitschwang, sondern eher pures Interesse und vielleicht sogar, wenn ich mich richtig erinnere, eine Art Erwartungshaltung.

Damals habe ich leider etwas Ähnliches geantwortet wie: „Nee, das muss man doch nicht machen, so krass oder extrem bin ich nicht.“ Heute bereue ich diese Antwort zutiefst.

Denn zum einen wäre das ein super Aufhänger gewesen, um über den Glauben zu sprechen. Zum anderen weiß ich nicht, wie es auf sie gewirkt hat. Auf der einen Seite habe ich immer gesagt, ich bin so überzeugt davon, Christin zu sein. Auf der anderen Seite habe ich noch nie alles gelesen, was in Gottes Wort steht, und sage auch, dass man das nicht unbedingt tun müsste.

Reflexion und Ermutigung zur Selbstprüfung

Frag dich doch einmal kurz selbst: Wie ist das bei dir? Bist du nicht christlich aufgewachsen, wie Markus zum Beispiel? Dann schreibe gern einmal in die Kommentare, ob du vielleicht ähnliche Erfahrungen gemacht hast, wenn du mit Christen über ihren Glauben oder ihre Routinen gesprochen hast.

Oder bist du auch christlich aufgewachsen wie ich? Dann möchte ich dich ermutigen, einmal darüber nachzudenken. Was sind bisher deine Einstellungen und Gedanken zum Bibellesen gewesen?

Und jetzt noch einen kleinen Sherlock-Tipp, bevor ich dir gleich erzähle, wie es mit meinem Bibelleseweg weitergegangen ist und dir auch ein paar konkrete Ideen gebe, wie du deine Bibellesezeit gestalten kannst: Stell dir vor, jemand fragt dich, wie in dem Beispiel eben, ob du schon mal die Bibel durchgelesen hast oder wie gut du deine Bibel kennst. Am Ende ist das vielleicht sogar ein anderer Christ, der dich das fragt.

Was ist deine instinktive Reaktion? Fühlst du dich angegriffen? Empört? Oder vielleicht sogar in deinem Stolz gekränkt? Dann könnte das eventuell ein Indiz dafür sein, dass du sie vielleicht nicht ganz so gut kennst, wie du sie kennen könntest.

Denn einfach mal von der Logik her: Jemand, der kompetent in dem ist, was er tut oder weiß, kann eigentlich gelassen darüber stehen, wenn jemand seine Kompetenzen oder sein Wissen hinterfragt oder vielleicht sogar anzweifelt.

Und sei dir gewiss, dass ich das wirklich in ganz liebevoller Fürsorge sage und damit zuallererst zu meinem früheren Selbst spreche. Denn das war genau meine Reaktion: Ich habe mich in solchen Situationen ein bisschen angegriffen und in meinem Stolz gekränkt gefühlt.

Ich durfte aber inzwischen lernen, wie viel mehr noch auf mich gewartet hat und wie viel ich mir in meinem falschen Stolz vorenthalten habe.

Ganz nebenbei ist Stolz sowieso etwas, das wir unbedingt ablegen sollten. Das muss ich mir zuallererst immer wieder sagen.

Falls du zum Thema Stolz ein Video haben möchtest, dann drücke gern die Glocke und schreibe einen Kommentar dazu.

Aktiv werden für geistliches Wachstum

Also, was hat sich bei mir geändert? Es waren viele Faktoren, die dazu geführt haben, dass ich mich selbst aus dieser gemütlichen Komfortzone meines geistlichen Plateaus geschubst habe. Ich sage bewusst, ich habe mich geschubst. Dabei will ich auf keinen Fall die Führung des Heiligen Geistes unterschlagen. Natürlich war bei mir auch ganz viel Führung von Gott dabei. Mir fallen auch direkt viele Faktoren ein, die Gott gnädig zusammengeführt hat, damit ich geistlich wachsen durfte.

Gleichzeitig muss ich dir aus meiner Erfahrung ehrlich sagen: Ich glaube nicht, dass es biblisch ist, in unserem geistlichen Leben komplett passiv zu bleiben und darauf zu warten, dass Gott uns geistlich wachsen lässt. Schauen wir mal, was die Bibel dazu sagt.

In Josua 1,8 heißt es: Über die Weisungen dieses Buches sollst du immer reden und Tag und Nacht darüber nachsinnen, damit du darauf achtest, genau so zu handeln, wie darin geschrieben steht. Und im Psalm 1,2 steht: „Wohl dem, der Gefallen hat an den Weisungen des Herrn, der bei Tag und bei Nacht über seine Weisungen nachdenkt.“

Auch Jesus bestätigt das. Er spricht mit seinen Jüngern und sagt: „Wenn ihr fastet...“ Damit setzt er schon voraus, dass sie überhaupt fasten. Er sagt: „Wenn ihr betet...“ Auch hier geht er automatisch davon aus, dass sie beten. Und er sagt immer wieder: „Habt ihr nicht gelesen?“ Das heißt, Jesus erwartet von seinen Jüngern, dass sie Gottes Worte lesen und behalten.

Ich sage das deshalb so nachdrücklich, weil ich das selbst erfahren habe. Es ist keine gute Idee, komplett passiv zu sein und irgendwie zu erwarten, dass geistliches Wachstum plötzlich vom Himmel fällt. Ich hatte damals nicht regelmäßig neue geistliche Erkenntnisse. Obwohl ich noch nie eine Person war, die ständig starke Eindrücke im Gebet hatte oder Gottes Stimme gehört hätte, habe ich mich manchmal trotzdem gefragt: Geht da nicht noch mehr? Müsste ich Gott nicht noch mehr auf welche Weise auch immer spüren und ihm begegnen?

Ganz ehrlich: Ich glaube, ich hatte es mir ein bisschen bequem gemacht in meiner christlichen Blase, wo ich dachte, zu wissen, wie man im Glauben lebt und was man eben so macht, wenn man Christ ist.

Also meine Ermutigung an dich: Such dir wirklich Menschen, bei denen du den Eindruck hast, dass sie geistlich weiter sind als du. Frag sie, was sie machen, wie ihre Routinen sind und was sie tun, um ihr geistliches Wachstum voranzubringen.

Rückblickend habe ich wahrscheinlich unterbewusst gedacht, dass geistliches Wachstum von selbst kommt. Es schien mir irgendwie nicht intuitiv, praktisch mehr zu machen, damit es dann auf einer abstrakten Ebene – also in meiner Beziehung zu Gott – Folgen hat. Der Gedanke kam mir nicht, dass ich konkret vielleicht auch theoretische und praktische Schritte gehen müsste, um im Glauben zu wachsen.

Dazu will ich sagen: Klar, Gott hat Möglichkeiten und Wege, die so viel höher sind als unser Verstand. Er kann Menschen auch suchen, die sich gar nicht nach ihm ausstrecken – und das tut er auch wieder und wieder. Aber wir sollten uns nicht darauf ausruhen und das erwarten, sondern selbst aktiv werden.

Ermutigung zum bewussten Bibellesen

Und wenn du dich Gott nicht nahe fühlst, wenn du dich von Gott allein gelassen oder nicht verstanden fühlst oder auch das Gefühl hast, nicht geistlich zu wachsen, dann möchte ich dich einfach zu Folgendem ermutigen: Lies mehr in der Bibel und steigere ganz bewusst die Häufigkeit deiner Bibellesezeit.

Warum sage ich das? Auf keinen Fall aus Gesetzlichkeit oder nach dem Motto, du müsstest diese Kästchen auf deiner Liste eines guten Christen abhaken, damit sich Gott dir zuwendet. Oder am Ende, dass du das tun musst, um in den Himmel zu kommen. Überhaupt nicht.

Sondern weil es gut für dich ist und weil die Bibel uns immer wieder dazu auffordert, fest mit Jesus verbunden zu sein, wie Reben an einem Weinstock. Gott immer wieder zu suchen und als Christ in enger Verbindung mit ihm zu leben.

So heißt es auch in Jakobus 4,8: "Naht euch Gott, dann wird er sich euch nahen." Im Englischen heißt es ebenfalls sehr schön: "Draw near to God, and he will draw near to you."

Gott zu erleben und ihm nahe zu sein, muss eben nicht nur über das Gefühl geschehen, wie manche manchmal denken – und das ist gerade dann schwer, wenn es sich eben mal nicht so anfühlt. Aber wir haben Möglichkeiten, Gott nahezukommen, auch wenn wir es nicht fühlen, zum Beispiel durch das Bibellesen.

Neue Erfahrungen durch das vollständige Bibellesen

Also zurück zu meiner Geschichte mit dem Bibellesen. Der Anstoß, mein geistliches Plateau zu überwinden, bestand darin, dass ich tatsächlich Menschen beobachten durfte, die das Bibellesen so intensiv in ihre tägliche geistliche Routine eingebunden hatten, wie ich es zuvor noch nicht bewusst erlebt hatte. Diese Personen lasen die Bibel wirklich mehrmals durch. Schon allein der Gedanke daran war für mich neu. Deshalb nahm ich mir vor, die Bibel einmal komplett durchzulesen.

Anfangs war meine Motivation natürlich noch eher so, dass ich dann auch mal sagen kann, ich hätte die Bibel ganz durchgelesen. Das war nicht die beste Motivation, aber es ist das Richtige daraus entstanden. Und das war eine so bereichernde geistliche Erfahrung, das hätte ich wirklich nicht erwartet. Ich erzähle dir gleich auch, warum.

Für das erste Mal, die Bibel ganz durchzulesen, habe ich den Bibelleseplan vom Bibelfitdienst benutzt. Den kann ich dir wirklich empfehlen. Ich habe ihn mir damals ausgedruckt und zuerst das Neue Testament gelesen, danach das Alte Testament. Dort kannst du dann auch abhaken, was du schon gelesen hast. Den Bibelleseplan kannst du dir gern kostenlos im ersten Link unter diesem Video herunterladen.

Die erste Bibel, die ich ganz zum Durchlesen gewählt habe, war tatsächlich eine englische Übersetzung, die NIV (New International Version). Warum habe ich ausgerechnet eine englische Bibel gelesen? Der Hintergrund ist, dass ich einige Zeit in den USA gelebt habe und auch Englisch studiert habe. Englisch ist sowieso eine Herzenssprache für mich, und ich wollte schon immer mal die Bibel auf Englisch lesen. Da habe ich die Gelegenheit genutzt.

Das hatte aber noch einen weiteren, sehr positiven Effekt: Da ich die Bibel mein Leben lang auf Deutsch gelesen hatte, hatte ich beim Lesen auf Englisch den Effekt, dass ich nicht einfach über Sätze hinweggeflogen bin, weil sie mir vermeintlich bekannt klangen oder weil ich die Formulierung schon kannte.

Es geht jetzt aber gar nicht darum, dass du Englisch oder andere Sprachen neben Deutsch können musst, um effektiv Bibel lesen zu können. Du kannst denselben Effekt zum Beispiel erreichen, wenn du einfach unterschiedliche Übersetzungen im Deutschen liest. Deshalb liest Markus zum Beispiel immer ganz gegensätzliche Übersetzungen nacheinander. Erst eine sehr wörtliche Übersetzung, die nah am Urtext ist, und dann eine sehr übertragene, die leicht verständlich, aber weiter vom Urtext entfernt ist.

Wenn du das auch machen möchtest, kannst du dir hier den Bibelfit-Übersetzungsguide kostenlos herunterladen. Er gibt eine Übersicht über einige der gängigsten deutschen Bibelübersetzungen. Dabei werden auch die Vor- und Nachteile sowie viele andere spannende Dinge erklärt. Du findest den Link dazu in der Videobeschreibung.

Als ich mit der NIV fertig war, habe ich als Nächstes die "Hoffnung für alle"-Übersetzung durchgelesen. Das ist die Übersetzung, mit der ich aufgewachsen bin, und deshalb wollte ich sie einfach noch mal in ihrer Gänze erfassen. Das war eine ganz tolle Erfahrung.

Aktuell mache ich es ein bisschen anders. Gerade lese ich zwei Bibelübersetzungen gleichzeitig. Warum und wie ich das mache, dazu erzähle ich dir gleich mehr.

Die Bedeutung des vollständigen Bibellesens

Vielleicht fragst du dich jetzt: Das ist ja alles ganz nett, aber was hat das mit mir zu tun?

Ich möchte dich einfach dafür begeistern, deine Bibel intensiv, häufig und vollständig zu lesen. Lass mich dir kurz erklären, was es mit mir gemacht hat, die Bibel ganz durchzulesen. Denn es hat mich wirklich verändert.

Dafür möchte ich dir acht konkrete Punkte vorstellen, die zeigen, was es bewirken kann, wenn du deine Bibel vollständig durchliest. Es sind also acht Gründe, warum das eine gute Idee ist.

Mach dir gern Notizen, falls du die Punkte später für deine eigene Übersicht noch einmal brauchst.

Punkt eins:

1. Einfluss auf den Alltag

Es wird deinen Alltag verändern. Durch die Routine des morgendlichen und abendlichen Lesens – dazu erzähle ich dir gleich mehr – stehe ich immer fester und tiefer in der Bibel.

Es passiert so häufig, dass die biblischen Bücher, die ich gerade lese, genau in meine Lebenssituation sprechen. Markus kann wahrscheinlich schon gar nicht mehr zählen, wie oft ich sage, wenn wir uns über irgendein Thema unterhalten: „Du, ich bin aktuell im 1. Korinther 5,3-12, da steht das und das dazu.“ Die Bibel wirkt aktiv und ist so relevant für unser Leben.

So heißt es zum Beispiel in Hebräer 4,12: „Das Wort Gottes ist lebendig und wirksam, es ist schärfer als das schärfste Schwert und durchdringt unsere innersten Gedanken und Wünsche. Es deckt auf, wer wir wirklich sind, und macht unser Herz vor Gott offenbar.“

Und so sagt Gott auch in Jesaja 55,11: „So ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt; es kehrt nicht leer zu mir zurück, ohne zu bewirken, was ich will, und das zu erreichen, wozu ich es ausgesandt habe.“

Im Psalm 1, wo es heißt: „Wohl dem, der Gefallen hat an den Weisungen des Herrn und bei Tag und bei Nacht über seine Weisungen nachdenkt“, hatten wir das vorhin schon.

Ich persönlich bin wirklich noch weit davon entfernt, konstant über Gottes Wort nachzusinnen, aber ich bin zumindest, denke ich, ein Stückchen näher dran, als ich es früher war.

Dass das Bibellesen Einfluss auf deinen Alltag hat, passiert wirklich ganz automatisch. Du wirst den Unterschied deutlich merken, womit sich deine Gedanken im Alltag beschäftigen, wenn du viel Bibel liest. Denn womit du dich füllst, das wird dich auch bewegen.

Punkt zwei.

2. Bessere Erinnerung an Bibelstellen

Mit der Zeit merkt man sich immer mehr Dinge aus der Bibel. Ich fand es schon immer faszinierend, wenn Menschen Bibelstellen spontan zitieren und dabei auch noch genau sagen konnten, wo diese Stelle zu finden ist.

Die genaue Kapitel- und Versangabe werde ich mir wahrscheinlich nie bei allzu vielen Versen merken können. Dennoch merke ich, dass mir im Alltag zu meinen Alltagssituationen inzwischen viel mehr Bibelstellen einfallen als früher.

Punkt drei

3. Thematisches Bibellesen

Du kannst ganz praktisch sehr spannende und bereichernde Dinge erleben, wenn du deine Bibel regelmäßig durchliest. Neben dem Offensichtlichen – dass du jedes Mal eine andere Übersetzung lesen kannst und dadurch neue Einsichten gewinnst – kannst du die Bibel zum Beispiel gezielt auf ein bestimmtes Thema hin durchlesen.

Ich gebe dir ein Beispiel: Nehmen wir an, dich interessiert das Thema Heiliger Geist oder was die Bibel zu Beziehungsthemen sagt. Dann könntest du dir vornehmen, beim nächsten Bibellesen genau diesem Thema besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Du könntest alles, was du dazu findest, unterstreichen oder markieren.

Dieser Schatz – das muss uns erst einmal bewusst werden – ist wertvoll. Die wenigsten von uns, die keine Theologen sind, würden sich ein ganzes Jahr lang intensiv einem geistlichen, theologischen Thema widmen. Aber wenn du ohnehin morgens und abends deine Bibel liest, bekommst du das quasi nebenbei geschenkt.

Du bildest dich so nebenbei sehr intensiv weiter, wie du es sonst vielleicht nie schaffen würdest, ohne dafür extra Zeit aufwenden zu müssen. Das gelingt einfach dadurch, dass du dir vor dem Bibellesen klarmachst, worauf du unter anderem besonders achten möchtest.

Punkt vier.

4. Neues Verständnis für die Bibel als Ganzes

Du wirst ein ganz anderes Empfinden für die Gesamtheit der Bibel bekommen. Für mich war es einfach überraschend, Passagen zu lesen, die ich schon kannte – sei es, weil sie besonders häufig zitiert werden oder weil ich sie bereits in meiner Bibellese gelesen hatte. Dabei war es spannend zu sehen, in welchem Zusammenhang sie stehen, also in Passagen, die weniger häufig zitiert werden.

Das ist mir vor allem beim Alten Testament aufgefallen. Ein Beispiel ist das Buch Josua. Aus diesem Buch werden oft Segenswünsche oder mutmachende Verse zitiert. Wenn man jedoch liest, an welche Personen diese Worte gerichtet waren und in welchen Situationen sie gesprochen wurden, gewinnt man eine ganz neue Perspektive. Besonders beeindruckend ist dabei, dass diese Worte im Zusammenhang mit der Landnahme Kanaans stehen. Das macht das Lesen einfach großartig.

5. Schutz vor Einseitigkeit

Regelmäßiges Bibeldurchlesen schützt vor eigener Einseitigkeit. Wenn du weißt, dass du in regelmäßigen Abständen alles, was Gottes Wort zu sagen hat, liest, schützt dich das vor einer einseitigen Sichtweise.

Wir werden gleich noch etwas genauer darauf eingehen. Dies ist zum Beispiel auch ein Argument für Auslegungspredigten.

Wenn Markus dazu ein Video machen soll und auch die Vor- und Nachteile von Auslegungspredigten im Vergleich zu Themenpredigten erläutern soll, dann drücke jetzt gern die Glocke und schreibe einen Kommentar dazu.

Punkt sechs

6. Verständnis für das Verhältnis von Themen

Du wirst ein neues Verständnis für das Verhältnis der Themen zueinander in der Bibel gewinnen. Was meine ich damit? Wir Menschen neigen dazu, Themen zu betonen, die uns gerade besonders am Herzen liegen oder mit denen wir häufig in Kontakt waren.

In der kognitiven Psychologie hat man beispielsweise herausgefunden, dass Menschen die Häufigkeit oder das Risiko von Ereignissen danach einschätzen, wie leicht sie sich an Beispiele erinnern können. Nehmen wir ein Beispiel aus der Luftfahrt: Wenn wir viele Nachrichten über Flugzeugabstürze sehen, führt das dazu, dass diese Ereignisse in unserem Kopf präsenter sind. Dadurch kann es passieren, dass wir das Risiko des Fliegens überschätzen. Wir denken dann, dass Fliegen viel gefährlicher ist, als es statistisch gesehen tatsächlich ist. Das hat also nichts damit zu tun, wie gefährlich oder ungefährlich Fliegen objektiv ist.

Vielleicht kennst du das auch von dir selbst: Wenn dich ein Thema gerade sehr beschäftigt – bei Frauen ist das häufig das Thema Kinderkriegen – dann siehst du plötzlich überall Frauen mit Kinderwagen. Das liegt aber nur daran, dass du mehr darauf achtest, nicht unbedingt daran, dass objektiv wirklich mehr Frauen mit Kinderwagen präsent sind.

Das ist auch nicht schlimm. Ein Problem entsteht erst, wenn wir unsere persönliche Färbung nicht vom Objektiven unterscheiden, also von dem, wie es tatsächlich ist. Wenn wir unser Empfinden und unsere Wahrnehmung als Wahrheit Gottes darstellen, wird es gefährlich.

Das kannst du auch an einem Beispiel aus der christlichen Welt beobachten. Die Generation von Markus und meinen Eltern ist häufig sehr gesetzlich geprägt aufgewachsen. Sie haben so viel von der strafenden und richtenden Seite Gottes gehört, dass teilweise sogar wiedergeborene Christen manchmal nicht verstanden haben, dass ihnen dauerhaft vergeben wurde und sie keine Angst mehr vor der Hölle haben müssen. In dieser Generation fehlte oft die Predigt von der Liebe und Vergebung Gottes.

Andersherum ist es in Markus’ und meiner Generation mittlerweile ein Phänomen, dass Prediger häufig so sehr die liebende und vergebende Seite Gottes betonen, dass ein Nichtchrist unter Umständen gar nicht versteht, wofür er Gottes Vergebung und Liebe überhaupt braucht. Das liegt daran, dass wir kaum noch vom Gericht und der Hölle sprechen. Vielleicht ist das einfach ein Umschwenken von einem Extrem ins andere, weil man gemerkt hat, dass in den früheren Generationen ein wichtiger Aspekt ausgelassen wurde.

Heute spricht man kaum noch von der Strafe und dem Gericht Gottes. Zur Transparenz: Jeder Mensch, jeder Christ hat eine Schlagseite. Das ist klar – auch ich, Markus und alle Referenten beim Bibelverdienst. Die Frage ist nur, was wir damit machen.

Wir denken, dass zwei Dinge wichtig sind: Erstens ist es gut und wichtig, sich dessen überhaupt bewusst zu sein, dass wir dazu tendieren, auf der einen oder anderen Seite eine Schlagseite zu haben. Zweitens sollten wir versuchen, diese Schlagseite so gut wie möglich auszubalancieren.

Der beste Weg, um eine objektive Grundlage zu finden, ist, regelmäßig deine Bibel zu lesen und dadurch deine Schlagseite immer wieder zu korrigieren.

7. Bibelfit werden

Durch regelmäßiges Bibeldurchlesen wirst du bibelfitter. Das klingt vielleicht erst einmal lustig, aber vielleicht hast du mitbekommen, was zurzeit in der christlichen Landschaft brodelt und immer weiter eskaliert. Nehmen wir nur das Stichwort Dekonstruktion.

Du wirst immer häufiger erleben, dass unter demselben Etikett „christlich“ Dinge behauptet werden, denen die Bibel aber klar widerspricht. Dazu musst du wissen, was in der Bibel steht, um dann ehrlich sagen zu können: Das steht wirklich so drin oder das steht so wirklich nicht drin.

Ein tatsächliches Beispiel: Markus sollte in einer Gemeinde einen Vortrag zum Thema Sex ohne Ehe halten. Vorher wurde er von einer Person zur Seite genommen, die ihm sinngemäß sagen wollte, dazu stehe ja gar nichts in der Bibel. Als Markus diese Person fragte, wie oft sie denn ihre Bibel schon auf dieses Thema hin durchgelesen habe, antwortete sie: null Mal. Dann fragte Markus, wie oft sie die Bibel überhaupt schon durchgelesen habe. Auch null Mal.

Als Markus daraufhin fragte, auf welcher Grundlage die Person das denn dann beurteilen könne, war sie erst einmal verblüfft.

Also noch einmal zusammengefasst: Jeden Vers der Bibel einmal gelesen zu haben, ist wichtig, damit du kompetent biblisch argumentieren kannst. So hast du ehrlich und authentisch eine Ahnung, was in der Bibel überhaupt drinsteht. Sonst ist es im besten Fall Stückwerk. Im schlechtesten Fall übernimmst du unvollständige oder sogar tatsächlich falsche Lehren, obwohl du die Bibel doch vor deiner Nase hast und es besser wissen könntest.

Mit jedem Mal Bibel durchlesen wirst du kompetenter und hast in gewisser Weise mehr Autorität, Bibelstellen zu zitieren. Das ist ein wichtiger Punkt für mich persönlich in letzter Zeit. Vielleicht ist dir das auch schon öfter passiert, dass Menschen sagen: „Du kannst nicht Bibelstellen als Argument nutzen“ oder „Du darfst Bibelverse nicht ohne Kontext zitieren.“

Kontext ist ein etwas heikler und auch mehrdeutiger Begriff, weil Leute damit Verschiedenes meinen können. Wenn dich das interessiert, können wir vielleicht nochmal extra ein Video darüber machen. Schreib das gern.

Für den Moment meinen wir mit Kontext den kanonischen Zusammenhang, also die Verbindung zwischen einem Vers und dem nächsten, was dann die Gesamtheit eines Kapitels und damit eines Buches und der ganzen Bibel ergibt.

Weil es so ein mehrdeutiger Begriff ist, ersetze ich jetzt mal kurz Kontext durch Gesamtheit, um es kurz zu machen in Bezug auf das Bibellesen.

Mit jedem Mal Bibellesen wirst du kompetenter und hast in gewisser Weise mehr Autorität, Bibelstellen zu zitieren, weil du immer mehr weißt, was die Gesamtheit von Gottes Wort dazu sagt. Du kennst den kanonischen Kontext, also die Fülle der Bibel ohne Abstriche, immer besser.

Salopp könnte man sagen: Wer die Gesamtheit von Gottes Wort kennt, der darf auch aus dem Kontext, aus der Gesamtheit heraus zitieren. Und das ist aus folgendem Grund so:

Wenn du die Bibel komplett durchgelesen hast und sie in ihrer Gänze kennst, dann weißt du, was noch in Gottes Wort steht. Dann weißt du auch, ob irgendetwas dagegen spricht, dass du eine Bibelstelle für ein Argument anbringst.

Ich gebe dir ein Beispiel: Du würdest zum Beispiel nicht sagen, ich springe jetzt einfach aus einem fahrenden Auto, nur weil in den Psalmen steht, dass Gott seinen Engeln befohlen hat, dich zu beschützen, überall wohin du gehst. Du weißt, dass die Bibel auch sagt, dass wir Gott nicht versuchen sollen.

Ganz nebenbei wüsstest du auch, dass genau dieses Beispiel aus der Versuchung Jesu stammt, wo nämlich der Teufel versucht hat, Jesus genau das zu verkaufen. Und Jesus hat, Achtung, die Bibel genommen, um dagegen zu argumentieren. Das findest du in Matthäus 4.

Und wenn das nicht das Schachmatt-Argument schlechthin ist, warum du deine Bibel gut kennen solltest, dann weiß ich auch nicht. Jesus kannte Gottes Wort gut und hat es uns vorgelebt.

Also, wenn du deine Bibel in der Gänze kennst, dann weißt du, was noch in Gottes Wort steht und ob irgendetwas dagegen spricht, dass du diese Bibelstelle für dieses Argument anbringst. Du kannst dann auch begründen, warum du diesen Vers in diesem Kontext zitierst.

Und selbst wenn du etwas nicht bedacht haben solltest und jemand zu dir kommt und sagt: „Du, aber Gottes Wort sagt auch das und das“, dann ist das total okay. Uns allen geht es so, dass wir manchmal einen blinden Fleck haben, nicht alles sehen und dann sagen können: „Oh, danke, dass du mich darauf hingewiesen hast, das stimmt.“ Dann könnt ihr auf biblischer Basis darüber diskutieren.

Also: Mit jedem Mal Bibel durchlesen wirst du kompetenter und bibelfitter.

Wenn ich dich jetzt nicht überzeugt habe, dass es cool ist, deine Bibel zu lesen, dann weiß ich auch nicht. Schreib mir gern in die Kommentare, was dir vielleicht noch fehlt oder wo du noch Fragen hast, was noch gute Gründe sind. Diese Liste ist ja auf keinen Fall abschließend. Ich freue mich darüber.

Jetzt aber mal praktisch zur Frage: Wie lese ich denn jetzt meine Bibel, welche und wann? Wie kann ich stille Zeit machen?

Der kluge Bibellehrer R.C. Sproul hat dazu mal gesagt: „When someone asks me which Bible translation is the best, I answer, whichever one you'll read.“ Frei übersetzt heißt das: Wenn mich jemand fragt, welche Bibelübersetzung die beste ist, antworte ich, die, die du am Ende wirklich liest.

Das kann man natürlich nicht verallgemeinern. Unterschiedliche Bibelübersetzungen haben verschiedene Vorteile. Wir sollten trotzdem nicht vergessen, dass der Urtext der Urtext bleibt. Aber am Ende spricht jede Übersetzung eine wichtige Wahrheit an.

Das Wichtigste ist erst einmal, dass du anfängst und eine Bibelübersetzung wählst, mit der du gut klarkommst und bei der du Freude und Lust hast, weiterzulesen.

Dazu kannst du dir hier nochmal eine Übersicht über einige der gängigsten deutschen Bibelübersetzungen gratis mitnehmen. Dort findest du auch die Vorteile, Nachteile, Stärken und Schwächen auf einen Blick erklärt. Das hilft dir vielleicht bei deiner Auswahl. Den Link findest du im ersten Link unter diesem Video.

Wie gestalte ich meine stille Zeit? Stille Zeit ist die Zeit, die du intensiv und bewusst mit Gott verbringst, wenn du dich hinsetzt. Da bin ich selbst noch am Ausprobieren. Schreib mir gern, wie du deine stille Zeit gestaltest. Ich freue mich über Inspiration.

Ich sage euch aber kurz, wie ich es mache: Meist bete ich zuvor kurz, um mich auf Gott auszurichten. Ich bitte ihn dann, dass er mir zeigt, was er mir durch sein Wort sagen möchte – vielleicht im Gebet, vielleicht durch einen schlauen Gedanken.

Danach lese ich Bibel. Dazu gleich mehr. Hinterher nehme ich mir noch einmal Zeit für ein intensiveres Gebet.

Morgens fällt meine stille Zeit meist länger aus, abends etwas kürzer. Wenn ich mehr Zeit habe, schreibe ich noch in mein extra Gebets- und Gedankenbuch. Dort schreibe ich manchmal schriftlich meine Gebete auf, was ich euch wirklich sehr empfehlen kann.

Schriftlich beten hilft zum Beispiel dagegen, dass deine Gedanken abschweifen und du plötzlich merkst, dass du bei der Einkaufsliste bist, anstatt weiter mit Gott zu reden.

Ein zweiter Vorteil: Es ist festgehalten, was du gebetet hast, und das kann richtig helfen und dich im Glauben bestärken, wenn du siehst, wie Gott deine Gebete entwickelt und vielleicht auch beantwortet hat.

Manchmal schreibe ich auch andere Gedanken rein, Zitate oder ich journale, also ich gestalte Bibelverse.

Schauen wir uns doch mal konkret das Bibellesen genauer an: Wann liest du Bibel und welche Priorität hat es für dich?

Wir wollen jetzt am Anfang einmal ehrlich mit uns selbst sein und über die Priorität nachdenken. Das heißt, wir müssen kurz die Perspektive unseres eigenen Lebens einnehmen.

Es gibt verschiedene tägliche Aktivitäten im Leben, und ein Teil davon sind Routinetätigkeiten, die wir jeden Tag wieder machen.

Auf einem Spektrum von „Natürlich mache ich es jeden Tag, es kommt gar nicht in Frage, einen Tag ohne zu vergehen“ bis „Es ist komplett optional, es passiert nichts, wenn ich es nicht mache“:

Wo ordnest du Zähneputzen ein? Bei den meisten wird es ziemlich weit rechts sein, dass man es jeden Tag macht.

Wo auf diesem Spektrum ordnest du Essen und Trinken ein? Das kommt wieder auf den Typ an. Markus würde das nicht so kritisch wichtig einordnen wie ich, aber die meisten Menschen würden es sogar noch vor das Zähneputzen setzen.

Wo steht bei dir auf dieser Skala, dich anzuziehen? Für Frauen, falls du das machst, dich zu schminken, für Männer, dich zu rasieren? Und wo steht das Bibellesen?

Ich lade dich wirklich ein, dir so einen Strahl aufzumalen und dann die verschiedenen Routinetätigkeiten, unter anderem das Bibellesen, einzuzeichnen. So kannst du es für dich einmal konkret reflektieren.

Der Hintergrund dieser Übung ist die etwas saloppe Aussage, die für viele mit einem sehr vollen Alltag manchmal wie ein Witz klingt: „Für Prioritäten räumt man immer Zeit ein.“

In den meisten Lebensphasen, wenn bei dir nicht gerade ein kompletter Ausnahmezustand herrscht, zum Beispiel mit einem Neugeborenen zu Hause, ist das tatsächlich so: Für Prioritäten räumt man Zeit ein.

Die meisten von uns würden selbst, wenn sie in großer Eile sind, nicht aus dem Haus gehen, ohne sich anzuziehen. Die meisten würden nicht regelmäßig ins Bett gehen, ohne Zähne zu putzen, ohne ihren Schlafanzug anzuziehen oder ohne wenigstens am Tag etwas gegessen zu haben, auch wenn sie noch so müde sind.

Wenn du deine Priorität für dich festgelegt hast, überlege dir, wie du sie gut in deinen speziellen, individuellen Tag integrieren kannst.

Ich spreche nur von mir: Für meinen Alltag passt es gut, dass ich immer morgens und abends die Bibel lese. Das habe ich als Teil meiner Morgenroutine etabliert. Das mache ich meist nach dem Frühstück mit einem Kaffee, bevor der Rest des Tages beginnt, der dann immer unterschiedlich aussehen kann. Aber dieser Teil ist fast immer fixe Morgenroutine.

Abends lese ich noch vor dem Ins-Bett-Gehen Bibel, als allerletztes wirklich, wenn ich schon im Bett sitze. Dann lese ich nur noch Bibel, bete und schlafe direkt ein. So weiß ich für mich, dass es eigentlich fast immer stattfinden wird, egal wann ich ins Bett gehe. Das ist für mich auch fast immer unverhandelbar.

Wenn du allerdings jemand bist, der schnell einschläft und auch beim Lesen einschlafen könnte – was bei mir nicht der Fall ist, weil ich eher Einschlafprobleme habe –, dann ist vielleicht ein anderer Zeitpunkt für dich besser.

Jetzt hast du für dich vielleicht deine Priorität fürs Bibellesen definiert und überlegt, an welcher Stelle am Tag du es integrieren kannst. Vielleicht merkst du aber, dass du dich noch nicht wirklich auf das Bibellesen freust oder nicht wirklich von innen heraus motiviert bist.

Mein erster Tipp: Bete darum! Mach es wirklich zu einem festen Gebetsanliegen, dass Gott und der Heilige Geist dir eine Sehnsucht nach Zeit mit Gott und dem Bibellesen schenken.

Du wirst sehen, dass umso mehr du es machst, also darum betest und auch einfach die Bibel liest, umso mehr wirst du dich danach sehnen. Es wird dir fehlen, wenn du die Routine aussetzt. Das ist ja gerade das Tolle daran.

Ein anderes Problem könnte sein, dass du für dich nicht klar genug formuliert hast, warum du regelmäßig in der Bibel lesen willst.

Psychologisch ist das ganz klar: Wenn du nicht das „Why behind the What“, also das Warum hinter dem Was, für dich gedanklich klar formuliert hast, dann hast du eine signifikant geringere Motivation, das zu tun, was du tun willst.

Hier mein zweiter Tipp: Halte dir regelmäßig vor Augen, warum Bibellesen für dich eine Priorität hat. Schreib es dir wirklich mal auf und lies es dir dann vor dem Bibellesen durch, wenn die Motivation fehlt.

Dann merkst du vielleicht auch, dass du über ein unterbewusstes „Weil man das als Christ so macht“ hinausgehen willst. Formuliere einmal wirklich aus, was konkret sich ändert, was du erreichen willst, wo du hinwillst, wenn du regelmäßig die Bibel liest.

Wieder ein anderes Problem könnte sein, dass dir das Bibellesen langweilig erscheint, dass du vielleicht nicht so gerne liest oder es dich einfach irgendwie nicht anspricht.

Dafür mein dritter Tipp: Suche dir Anreize und mach es zu etwas, was dir Spaß macht.

Wenn du zum Beispiel jemand bist, der Struktur liebt, gern ans Ziel kommt, den Überblick hat und Dinge abhakt, dann halte dir vor Augen, dass du beim Bibellesen genau das tun kannst.

Du kannst dir einen Bibelleseplan nehmen, bei dem du regelmäßig die Bücher, die du gelesen hast, abhaken kannst. Es gibt sogar Pläne, bei denen man kapitelweise abhaken kann.

Du kannst dich damit motivieren, dass du, wenn du die Bibel einmal durchgelesen hast, wirklich die ganze Bibel erfasst hast und keinen Vers ausgelassen hast.

Du kannst dir sagen, dass du mit jedem Vers, den du weiterliest, dem Ziel näherkommst, die Bibel durchgelesen zu haben.

Jetzt trifft das vielleicht nicht auf dich zu und du bist eher jemand, der den Prozess liebt, für den der Weg das Ziel ist, der nicht so strukturiert ist oder dem das schwerfällt.

Da würde ich dir trotzdem empfehlen, dir einmal die Mühe zu machen, auch wenn es anstrengend ist, dir einen Plan zu machen, wie du die Bibel lesen willst und was dein Ziel ist.

Zum Beispiel legst du fest: Mein Ziel ist, die Bibel einmal ganz durchzulesen. Dann suchst du dir einen Plan raus, der festlegt, in welcher Reihenfolge du liest.

Wenn du das klar hast, musst du dir nicht jedes Mal vor dem Bibellesen neu überlegen, wie du dich strukturierst, sondern du folgst einfach diesem Plan.

Innerhalb dieses Rahmens kannst du dein Lesetempo komplett selbst entscheiden, du kannst den Weg, den Prozess genießen. Du musst nicht lesen, um anzukommen – all die guten Dinge, die keinen Druck machen.

Du weißt aber trotzdem im Hinterkopf, dass du am Ende ankommst und dein Ziel erreichst, weil du diesem Plan folgst.

An dieser Stelle möchte ich einen super hilfreichen Gedanken mit dir teilen, den ich von einem weisen Bibellehrer gehört habe: die Unterscheidung zwischen Bibelstudium und Andacht.

Beides ist im Rahmen deiner stillen Zeit, egal wie du sie aufteilst, nötig.

Andacht beschreibt nach dieser Unterscheidung die bewusste Zeit mit Gott zu verbringen, über einzelne Verse nachzusinnen, über einzelne Verse zu meditieren, einen Psalm intensiver zu beten, vielleicht auch mehrmals zu wiederholen, darüber ins Gebet zu kommen und mit Gott ins Gespräch zu kommen.

Ziel bei der Andacht ist nicht, Strecke zu machen, in der Bibel voranzukommen und viel Wissen anzueignen, sondern qualitative Zeit mit Gott zu verbringen und die Beziehung zu pflegen.

Beim Bibelstudium hingegen geht es darum, sich wirklich Wissen anzueignen, was Gottes Wort sagt, Strecke zu machen beim Bibellesen, nicht bei jedem Detail hängen zu bleiben, sondern die Bibel in ihren faktischen Inhalten und Gott in seinem beschreibbaren Wesen immer besser zu verstehen.

Meine Vermutung ist, jeder von uns neigt dazu, auf einer Seite vom Pferd herunterzufallen.

Ich vermute, dass Kopfmenschen eher dazu tendieren, einseitig auf der Bibelstudiumseite zu sein, und Bauchmenschen, Gefühlsmenschen eher auf der Seite der Andacht.

Beides ist wichtig. Mit dem einen ohne das andere bekommst du Schlagseite.

Ich lade dich ein, darüber nachzudenken: Wie ist es bei dir?

Ich selbst habe noch nicht den idealen Weg gefunden, beides fest in meinen Alltag zu integrieren. Ich glaube, ich bin aktuell etwas mehr beim Bibelstudium, so wie ich die Bibel gerade lese.

Falls du Tipps oder Ideen hast, wie man beides gut integrieren kann, schreib sie gern in die Kommentare. Ich freue mich wirklich darüber.

Zurück zur Frage: Wie kannst du dich zum Bibellesen motivieren?

Einerseits halte dir die Aspekte am Bibellesen vor Augen, die dir Spaß machen und deiner Persönlichkeit entsprechen. Das war gerade das mit den zielorientierten Typen versus prozessorientierten Typen.

Mach das aber erst, nachdem du dir einen Plan gemacht hast, was du machen willst, nicht davor.

Andererseits rate ich dir, dir Anreize rund ums Bibellesen zu schaffen.

Bei mir gibt es zum Beispiel drei Hauptdinge, die meine Lust aufs Bibellesen verstärken: Ich liebe ästhetische Umgebungen, ich liebe Kaffee und ich liebe es, Texte zu analysieren, mit einem System auseinanderzunehmen und dann schön zusammenzufassen.

So habe ich seit kurzem meine stille Zeit strukturiert: Ich trinke meist einen Kaffee dabei, zumindest morgens. Ich habe mir eine Bibel gekauft, die ich total schön finde und bei der ich Lust habe, sie aufzuschlagen und viel Zeit mit ihr zu verbringen.

Ich habe ein Lesesystem für mich entwickelt, das meiner Natur entspricht und mir richtig Lust darauf macht.

Überleg dir doch mal, was diese Anreize für dich sein könnten.

Vielleicht bist du gerne in der Natur und nutzt die Bibellesezeit, um dich im Sommer in den Garten oder auf den Balkon zu setzen.

Vielleicht hörst du gern Hörbücher und hörst die Bibel als Audioformat, zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit und zurück.

Oder vielleicht bist du der praktische Typ und kannst die Bibel als Audio hören, während du etwas werkelst.

Schreib das gern in die Kommentare, ich bin gespannt.

Jetzt erkläre ich dir noch kurz ganz praktisch mit Beispielen aus meiner aktuellen stillen Zeit, wie ich vorgehe, wenn ich einen Bibeltext lese. Mach dir gern Notizen, falls etwas für dich dabei ist, was du ausprobieren möchtest. Schreib mir gern, falls du noch Ideen hast, was ich machen könnte.

Ganz konkret lese ich aktuell die englische Bibel „New Living Translation“, also die englische Neues-Leben-Übersetzung.

Gleich vorweg: Das ist keine Werbung, sondern nur eine Beschreibung. In ein oder zwei Jahren werde ich wahrscheinlich wieder eine andere Bibel lesen.

Diese Bibel hat ein paar Besonderheiten: Zum einen ist es eine sogenannte Journal Bible. Das heißt, sie hat einen Rand, den man nutzen kann, um dort Notizen zu machen, etwas zu malen und so weiter.

Außerdem hat diese Bibel eine App dazu, die sie zu einer Studienbibel macht.

Vielleicht kennst du klassische Studienbibeln, bei denen der größte Teil der Seite mit Bibelkommentaren und erklärenden Anmerkungen gefüllt ist.

Stell dir vor, du hast keine Seitenbegrenzung mehr, weil die Studienkommentare digital sind.

Wie das funktioniert: Du scannst die Seite und bekommst zu fast jedem Vers einen Studienkommentar angezeigt. Das ist eine tolle Sache.

Dazu hast du noch Karten, Andachten, Bibellesepläne, zum Beispiel für vier Tage oder einmal im Jahr durch die Bibel.

Du findest Informationen zu Personen, Büchern oder Orten der Bibel – richtig viel Material.

Ich verlinke dir diese Bibel unter dem Video. Niemand hat uns gebeten, Werbung zu machen. Ich habe mich selbst auf die Suche nach Journalbibeln gemacht, weil ich den Rand wollte, und bin auf diese gestoßen.

Falls es nichts für dich ist, eine Bibel auf Englisch zu lesen, gibt es natürlich auch deutsche Journalbibeln. Bei meiner Recherche bin ich auf nicht ganz so viele und keine so große Auswahl gestoßen wie bei den englischen Bibeln. Deshalb habe ich eine englische genommen.

Vielleicht ist das für dich genau das Richtige. Deshalb habe ich sie dir unter dem Video verlinkt, falls du dich bei den deutschen Journalbibeln umschauen willst.

Ich möchte, dass du ein großes Repertoire hast, einen großen Pool an Ideen und Möglichkeiten, um das meiste aus deiner Bibellesezeit herauszuholen.

Das System, mit dem ich die einzelnen Passagen lese, funktioniert für mich und meinen Persönlichkeitstyp sehr gut.

Mein Ziel ist, die ganze Bibel mit dem Bibelleseplan vom Bibelfitdienst durchzulesen. Andere Pläne funktionieren auch, keine Sorge. Nimm ihn dir gern mit, wenn du möchtest.

Aktuell lese ich zum ersten Mal noch eine zweite Bibel parallel.

Warum und wie? Die Bibel, die ich morgens lese, ist die New Living Translation. Sie eignet sich meiner Meinung nach auch sehr gut zur Andacht, also zur bewussten Zeit mit Gott.

Ich liebe diese Übersetzung, weil sie sehr verständlich, ausformuliert und bildlich ist, etwas weiter vom Urtext entfernt. Man kann sich gut vorstellen, was gemeint ist.

Im Neuen Testament habe ich damit begonnen zu lesen.

Die andere Bibel lese ich abends. Sie ist näher am Urtext und eher eine apologetische Studienbibel. Dadurch habe ich einen anderen Fokus, was ich sehr mag.

Mit der lese ich im Alten Testament.

Das heißt, ich habe jeden Tag das Alte und das Neue Testament, was ganz anders ist, als wenn du erst ein halbes Jahr das Neue Testament und dann ein halbes Jahr das Alte Testament liest. Beides hat seine Vorteile.

Wenn ich meine Bibellesezeit beginne, lese ich dort weiter, wo ich aufgehört habe.

Ich lese zuerst die Perikope, also den Abschnitt, einmal durch und unterstreiche oder markiere, was mir ins Auge gestochen ist.

Dabei habe ich ein Markiersystem. Ich bin eine intuitive Markiererin, also nicht ganz streng, aber ich erkläre dir kurz, wie ich es mache – vielleicht ist es eine Inspiration für dich.

Ich nutze Unterstreichen für historische oder interessante Fakten.

Mit Markierstiften in verschiedenen Farben markiere ich Folgendes:

  • Blau: alles, was über Gott, den Vater, gesagt wird

  • Grün: alles, was über uns als Nachfolger Jesu gesagt wird, also Appelle und Aufträge an mich

  • Zwei Rosafarbtöne, hellrosa und dunkelrosa, zur Abstufung von Prioritäten

Mit Dunkelrosa markiere ich den wichtigsten Satz in einem Abschnitt, den ich mir merken will. Häufig ist das im Neuen Testament das, was Jesus sagt. In dieser Bibel ist das sowieso rot gedruckt, was ein Vorteil ist.

Mit Hellrosa markiere ich ausführende Gedanken oder Ergänzungen, um eine Abstufung zu zeigen.

Du siehst, man kann verschiedene Systeme nutzen. Manche markieren zum Beispiel Verheißungen in einer Farbe, Prophezeiungen in einer anderen.

Mir geht es darum, dass ich nach der Bearbeitung einer Passage auf einen Blick erfassen kann, worum es geht. So lerne ich besser und mein Lerneffekt steigt.

Das bewirkt, dass ich mir etwas mitnehme und besser behalte, was ich gelesen habe, als wenn ich das nicht machen würde.

Deshalb markiere ich danach, wie zentral ein Gedanke ist, damit ich Kernaussagen und Randaussagen unterscheiden kann.

Es gibt viele Markiersysteme. Wenn du ein tolles System hast, schreib es gern in die Kommentare. Das ist sicher bereichernd für unsere Community, und ich bin gespannt, von dir zu lesen.

Während des ersten Markierdurchgangs schreibe ich manchmal schon Gedanken an den Rand.

Nach dem ersten Markierdurchgang nehme ich die App und lese die Studienkommentare dazu.

Ein Nachteil ist, dass man das Handy beim Bibellesen dabei hat. Da muss man konsequent sein, den Flugmodus einschalten oder die App auf einem Tablet nutzen.

Wenn du eine analoge Studienbibel hast, in die die Kommentare direkt eingetragen sind, umso besser.

Den Rand gestalte ich unterschiedlich: Manchmal schreibe ich zentrale Zitate aus der Passage ab, damit sie mir ins Auge fallen, wenn ich die Seite aufschlage. Dabei kann ich Wörter größer oder kleiner schreiben oder unterstreichen, um einen Fokus zu setzen.

Manchmal schreibe ich einen Bibelkommentar aus der App auf, manchmal meine eigenen Gedanken, manchmal markiere ich Learnings, also zentrale Erkenntnisse, die ich mitnehmen will.

Manchmal male ich kleine Bildchen.

Ich zähle mich nicht zu den Bibeljournal-Profis, die Verse wunderschön am Rand gestalten. Es gibt Leute, die sind darin richtig talentiert, malen Bilder und lettern Verse in toller Schrift. Wer das kann, wow, das inspiriert mich sehr.

Du kannst den Rand nutzen, wie du möchtest. Er bietet tolle Möglichkeiten.

Für mich ist der Rand zentral, denn so lese ich öfter meine Randgestaltung und Notizen durch.

Das sind häufig die Dinge, die ich im Nachgang Markus zeige und über die wir ins Gespräch kommen. So habe ich einen Wiederholungseffekt.

Damit komme ich zwar viel langsamer voran, als wenn ich nur lese und vielleicht etwas unterstreiche, aber dann gleich weitergehe.

Das habe ich bisher immer so gemacht, und es ist total okay, so die Bibel zu lesen.

Egal wie lange es dauert: Manche lesen die Bibel in drei Monaten durch, andere in zwei Jahren.

Es kommt darauf an, dass du es machst und geistlich wächst.

Dafür wünsche ich dir Gottes Segen.

Praktische Tipps zum Bibellesen und zur Gestaltung der stillen Zeit

Wenn ich dich jetzt nicht überzeugt habe, dass es cool ist, deine Bibel zu lesen, dann weiß ich auch nicht weiter. Schreib gerne in die Kommentare, was dir vielleicht noch fehlt oder welche Fragen du hast. Was sind für dich noch gute Gründe? Diese Liste ist ja keinesfalls abschließend. Ich freue mich über deine Rückmeldungen.

Kommen wir nun praktisch zur Frage: Wie lese ich denn jetzt meine Bibel? Und welche Bibel nehme ich? Wann lese ich sie? Wie kann ich stille Zeit gestalten?

Der kluge Bibellehrer R.C. Sproul hat dazu einmal gesagt: „When someone asks me which Bible translation is the best, I answer, Whichever one you'll read.“ Frei übersetzt heißt das: Wenn mich jemand fragt, welche die beste Bibelübersetzung ist, antworte ich, die, die du am Ende wirklich liest.

Das kann man natürlich nicht verallgemeinern. Unterschiedliche Bibelübersetzungen haben verschiedene Vorteile. Trotzdem sollten wir nicht vergessen, dass der Urtext der Urtext bleibt. Dennoch spricht diese Aussage eine wichtige Wahrheit an: Das Wichtigste ist erst einmal, dass du anfängst. Dass du eine Bibelübersetzung wählst, mit der du gut klarkommst und bei der du Freude und Lust hast, weiterzulesen.

Dazu kannst du dir hier nochmal eine Übersicht über einige der gängigsten deutschen Bibelübersetzungen kostenlos mitnehmen. Dort findest du die Vorteile, Nachteile, Stärken und Schwächen auf einen Blick erklärt. Das hilft dir vielleicht bei deiner Auswahl. Den Link findest du im ersten Kommentar unter diesem Video.

Gestaltung der stillen Zeit

Wie gestalte ich meine stille Zeit? Stille Zeit ist die Zeit, die du bewusst und intensiv mit Gott verbringst, wenn du dich hinsetzt. Ich selbst bin dabei noch am Ausprobieren.

Ich teile dir gerne mit, wie ich es mache. Meist bete ich zuerst kurz, um mich auf Gott auszurichten. Dabei bitte ich ihn, mir zu zeigen, was er mir sagen möchte – sei es durch sein Wort, im Gebet oder durch einen besonderen Gedanken.

Anschließend lese ich in der Bibel. Dazu sage ich gleich noch mehr. Danach nehme ich mir Zeit für ein intensiveres Gebet. Morgens fällt meine stille Zeit meist länger aus, abends ist sie etwas kürzer.

Wenn ich noch mehr Zeit habe, schreibe ich in mein Extra-Gebets- und Gedankenbuch. Dort halte ich manchmal schriftlich meine Gebete fest, was ich wirklich sehr empfehlen kann. Schriftlich zu beten hilft zum Beispiel dabei, dass deine Gedanken nicht abschweifen. So merkst du nicht plötzlich, dass du bei der Einkaufsliste bist, statt weiter mit Gott zu reden.

Ein weiterer Vorteil ist, dass du festhältst, was du gebetet hast. Das kann dir helfen und dich im Glauben stärken, wenn du siehst, wie Gott deine Gebete entwickelt oder vielleicht auch beantwortet hat.

Manchmal schreibe ich auch andere Gedanken hinein, Zitate oder ich journalle, das heißt, ich gestalte Bibelverse kreativ.

Priorität und Integration ins tägliche Leben

Schauen wir uns doch einmal ganz konkret das Bibellesen genauer an. Wann liest du in der Bibel, und welche Priorität hat es für dich?

Wir wollen jetzt zu Beginn ehrlich mit uns selbst sein und über diese Priorität nachdenken. Das heißt, wir müssen kurz die Betrachterperspektive unseres eigenen Lebens einnehmen. Es gibt verschiedene tägliche Aktivitäten, und ein Teil davon sind Routinetätigkeiten, die wir jeden Tag wiederholen.

Auf einem Spektrum von „Natürlich mache ich es jeden Tag, es kommt gar nicht in Frage, einen Tag ohne zu vergehen“ bis zu „Es ist komplett optional, es passiert nichts, wenn ich es nicht mache“ – wo ordnest du zum Beispiel das Zähneputzen ein?

Zähneputzen ist bei manchen vielleicht unterschiedlich, aber für die meisten steht es ziemlich weit rechts, also als etwas, das man jeden Tag macht. Wo auf diesem Spektrum ordnest du Essen und Trinken ein? Das hängt auch vom Typ ab. Markus würde das vielleicht nicht so kritisch wichtig einordnen wie ich, aber die meisten Menschen würden es sogar noch vor das Zähneputzen setzen.

Wo steht bei dir auf dieser Skala das Anziehen? Für Frauen, falls du das machst, das Schminken, für Männer das Rasieren? Und wo steht das Bibellesen?

Ich lade dich wirklich ein, dir so einen Strahl aufzumalen und dann die verschiedenen Routinetätigkeiten, unter anderem das Bibellesen, einzuzeichnen. So kannst du für dich ganz konkret reflektieren, wo du stehst.

Der Hintergrund dieser Übung ist die etwas saloppe Aussage, die für viele mit einem sehr vollen Alltag manchmal wie ein Witz klingt: „Für Prioritäten räumt man immer Zeit ein.“

In den meisten Lebensphasen, wenn bei dir nicht gerade ein kompletter Ausnahmezustand herrscht, zum Beispiel wenn du ein Neugeborenes zu Hause hast, ist das tatsächlich so. Für Prioritäten nimmt man sich Zeit.

Die meisten von uns würden selbst in großer Eile nicht aus dem Haus gehen, ohne sich anzuziehen. Die meisten würden nicht regelmäßig ins Bett gehen, ohne Zähne zu putzen, ohne ihren Schlafanzug anzuziehen oder ohne wenigstens am Tag etwas gegessen zu haben – auch wenn sie noch so müde sind.

Wenn du deine Priorität für dich festgelegt hast, überlege dir, wie du sie gut in deinen speziellen, individuellen Tag integrieren kannst.

Ich spreche nur von mir: Für meinen Alltag passt es gut, dass ich morgens und abends die Bibel lese. Das habe ich als Teil meiner Morgenroutine etabliert. Meist mache ich das nach dem Frühstück mit einem Kaffee, bevor der Rest des Tages beginnt. Dieser Teil ist fast immer eine fixe Morgenroutine.

Abends lese ich noch vor dem Ins-Bett-Gehen in der Bibel, als allerletztes wirklich, wenn ich schon im Bett sitze. Dann lese ich nur noch Bibel, bete und schlafe direkt ein. So weiß ich für mich, dass das Bibellesen eigentlich fast immer stattfinden wird, egal wann ich ins Bett gehe. Für mich ist das fast immer unverhandelbar.

Wenn du allerdings jemand bist, der schnell einschläft und auch beim Lesen einschlafen könnte – was bei mir nicht der Fall ist, da ich eher Einschlafprobleme habe – dann ist vielleicht ein anderer Zeitpunkt für dich besser.

Motivation und Anreize

Vielleicht hast du für dich schon festgelegt, wann und wie du das Bibellesen in deinen Tagesablauf integrieren möchtest. Doch möglicherweise merkst du, dass du dich noch nicht wirklich darauf freust oder nicht von innen heraus motiviert bist.

Mein erster Tipp lautet: Bete darum. Mach es zu einem festen Gebetsanliegen, dass Gott und der Heilige Geist dir eine Sehnsucht nach Zeit mit Gott und dem Bibellesen schenken. Du wirst feststellen, dass je mehr du darum betest und die Bibel liest, desto mehr wirst du dich danach sehnen. Es wird dir fehlen, wenn du die Routine aussetzt. Das ist das Schöne daran.

Ein anderes Problem könnte sein, dass du für dich nicht klar genug formuliert hast, warum du regelmäßig in der Bibel lesen möchtest. Psychologisch ist das ganz klar: Wenn du das „Why behind the what“, also das Warum hinter dem Was, gedanklich nicht klar hast, dann ist die Motivation deutlich geringer, das zu tun, was du vorhast.

Hier mein zweiter Tipp: Halte dir regelmäßig vor Augen, warum Bibellesen für dich eine Priorität hat. Schreib es dir auf und lies es dir vor dem Bibellesen durch, wenn die Motivation fehlt. Vielleicht merkst du dann auch, dass du über ein unterbewusstes „Weil man das als Christ so macht“ hinausgehen möchtest. Formuliere deshalb ganz konkret, was sich durch das Bibellesen für dich ändert, was du erreichen willst und wohin du kommen möchtest, wenn du regelmäßig die Bibel liest.

Ein weiteres Problem könnte sein, dass dir das Bibellesen langweilig erscheint oder du einfach nicht so gerne liest. Dafür mein dritter Tipp: Suche dir Anreize und mach es zu etwas, das dir Spaß macht. Wenn du zum Beispiel jemand bist, der Struktur liebt, gern Ziele erreicht, den Überblick behält und Dinge abhakt, dann kannst du das beim Bibellesen nutzen.

Du kannst dir einen Bibelleseplan nehmen, bei dem du die Bücher, die du gelesen hast, abhaken kannst. Es gibt sogar Pläne, bei denen du kapitelweise abhaken kannst. So kannst du dich motivieren, weil du mit jedem gelesenen Vers deinem Ziel näherkommst: die ganze Bibel zu erfassen, ohne einen Vers auszulassen.

Vielleicht trifft das nicht auf dich zu und du bist eher jemand, der den Prozess liebt, für den der Weg das Ziel ist, der nicht so strukturiert ist oder dem das schwerfällt. Trotzdem empfehle ich dir, dir die Mühe zu machen, einen Plan zu erstellen, auch wenn es anstrengend erscheint. Überlege dir, wie du die Bibel lesen möchtest und was dein Ziel ist.

Zum Beispiel kannst du festlegen: Mein Ziel ist es, die Bibel einmal ganz durchzulesen. Dann suchst du dir einen Plan aus, der festlegt, in welcher Reihenfolge du vorgehst. Wenn das klar ist, musst du dir vor dem Bibellesen nicht jedes Mal neu überlegen, wie du dich strukturierst, sondern folgst einfach diesem Plan.

Innerhalb dieses Rahmens, den du einmal festgelegt hast, kannst du dein Lesetempo selbst bestimmen. Du kannst den Weg und den Prozess genießen, ohne Druck zu verspüren, um anzukommen. Gleichzeitig weißt du im Hinterkopf, dass du am Ende doch dein Ziel erreichst, weil du diesem Plan folgst.

Andacht versus Bibelstudium

An dieser Stelle möchte ich einen sehr hilfreichen Gedanken teilen, den ich von einem weisen Bibellehrer gehört habe. Es geht um einen wichtigen Unterschied zwischen Bibelstudium und Andacht. Beide sind im Rahmen deiner stillen Zeit nötig, egal wie du sie aufteilst.

Andacht bedeutet nach dieser Unterscheidung, bewusst Zeit mit Gott zu verbringen. Dabei geht es darum, über einzelne Verse nachzudenken und zu meditieren. Man kann einen Psalm intensiver beten, ihn vielleicht auch mehrmals wiederholen, um so ins Gebet zu kommen und mit Gott ins Gespräch zu treten. Das Ziel bei der Andacht ist nicht, schnell in der Bibel voranzukommen oder viel Wissen anzusammeln. Vielmehr geht es darum, qualitative Zeit mit Gott zu verbringen und die Beziehung zu ihm zu pflegen.

Beim Bibelstudium hingegen geht es darum, sich wirklich Wissen anzueignen, was Gottes Wort sagt. Dabei macht man beim Bibellesen Strecke, ohne bei jedem Detail hängen zu bleiben. Ziel ist es, die Bibel in ihren faktischen Inhalten besser zu verstehen und Gott in seinem beschreibbaren Wesen immer tiefer zu erfassen.

Meine Vermutung ist, dass jeder von uns dazu neigt, auf einer Seite vom Pferd zu fallen. Ich vermute, dass Kopfmenschen eher dazu tendieren, einseitig auf der Seite des Bibelstudiums zu sein. Bauchmenschen oder Gefühlsmenschen hingegen neigen vielleicht eher dazu, einseitig auf der Seite der Andacht zu bleiben. Beides ist wichtig. Ohne das eine oder das andere bekommt man eine Schlagseite.

Es lohnt sich, darüber nachzudenken, wie es bei dir selbst aussieht. Ich selbst habe noch nicht den idealen Weg gefunden, beides fest in meinen Alltag zu integrieren. Aktuell bin ich eher beim Bibelstudium, so wie ich momentan die Bibel lese.

Falls du Tipps oder Ideen hast, wie man beides gut miteinander verbinden kann, freue ich mich, wenn du sie in die Kommentare schreibst. Ich bin wirklich gespannt darauf.

Weitere Motivationstipps und Anreize

Aber zurück zur Frage: Wie kannst du dich zum Bibellesen motivieren?

Auf der einen Seite, wie wir gerade besprochen haben, halte dir die Aspekte des Bibellesens vor Augen, die dir daran Spaß machen und die zu deiner Persönlichkeit passen. Das war gerade das mit den zielorientierten Typen versus prozessorientierten Typen. Mach das aber erst, nachdem du dir einen Plan gemacht hast, was du machen willst – nicht vorher.

Auf der anderen Seite rate ich dir, dir Anreize rund ums Bibellesen zu schaffen. Bei mir gibt es zum Beispiel drei Hauptdinge, die meine Lust aufs Bibellesen verstärken. Das eine ist, dass ich ästhetische Umgebungen liebe, das zweite, dass ich Kaffee liebe, und das dritte, dass ich es liebe, Texte zu analysieren, sie systematisch auseinanderzunehmen und dann schön zusammenzufassen.

So habe ich seit kurzem meine stille Zeit strukturiert: Ich trinke meist einen Kaffee dabei, zumindest morgens. Ich habe mir eine Bibel gekauft, die ich total schön finde und bei der ich einfach Lust habe, sie aufzuschlagen und viel Zeit mit ihr zu verbringen. Außerdem habe ich ein Lesesystem für mich entwickelt, das einfach so meiner Natur entspricht, dass ich richtig Lust darauf habe.

Jetzt überlege doch mal, was diese Anreize für dich sein könnten. Vielleicht bist du gerne in der Natur, und Bibellesen ist die Zeit, in der du dich im Sommer in den Garten oder auf den Balkon setzt. Vielleicht hörst du sehr gern Hörbücher und deshalb hörst du die Bibel als Audioformat, zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit und von der Arbeit nach Hause. Oder vielleicht bist du der praktische Typ und kannst die Bibel als Audio hören, während du dabei etwas werkelst.

Schreib es gerne in die Kommentare – ich bin gespannt darauf.

Konkrete Beispiele aus der aktuellen Bibellesezeit

Und jetzt erkläre ich dir ganz praktisch und mit Beispielen aus meiner aktuellen stillen Zeit, wie ich vorgehe, wenn ich einen Bibeltext lese. Mach gern Notizen, falls etwas für dich dabei ist, das du auch mal ausprobieren möchtest. Schreib mir auch gern, falls du noch Ideen hast, was ich zusätzlich machen könnte.

Ganz konkret lese ich zurzeit die englische Bibel der New Living Translation, also die englische Neues Leben Übersetzung. Gleich vorweg: Das ist keine Werbung, sondern einfach nur eine Beschreibung. In ein oder zwei Jahren, wenn ich diese Bibel durchgelesen habe, werde ich wahrscheinlich wieder eine andere Bibel verwenden. Es ist also einfach die Bibel, die ich gerade lese und von der ich sehr begeistert bin.

Diese Bibel hat einige Besonderheiten. Zum einen ist es eine sogenannte Journal Bible. Das heißt, sie hat einen Rand, den man nutzen kann, um dort Notizen zu machen, etwas zu malen und so weiter. Außerdem gibt es zu dieser Bibel eine App, die sie zu einer Studienbibel macht.

Vielleicht kennst du eine klassische Studienbibel, bei der der größte Teil der Seite unten mit Bibelkommentaren und erklärenden Anmerkungen gefüllt ist. Stell dir jetzt aber vor, du hast keine Seitenbegrenzung mehr, weil die Studienkommentare digital sind. So funktioniert es: Du scannst die Seite, und dann zeigt dir die App zu fast jedem Vers einen Studienkommentar an. Das ist wirklich eine tolle Sache.

Dazu gibt es noch Karten, Andachten und Bibellesepläne – zum Beispiel, um in vier Tagen oder einmal im Jahr durch die Bibel zu lesen. Außerdem findest du Informationen zu den Personen, Büchern und Orten der Bibel. Es gibt also richtig viel Material, das du zusätzlich bekommst.

Ich verlinke dir diese Bibel einfach mal unter dem Video. Niemand hat uns gebeten, Werbung dafür zu machen. Ich habe mich selbst auf die Suche nach Journalbibeln gemacht, weil ich diesen Rand haben wollte, und bin dann auf diese gestoßen.

Falls es für dich nicht unbedingt in Frage kommt, eine Bibel auf Englisch zu lesen, gibt es natürlich auch deutsche Journalbibeln. Bei meiner Recherche bin ich allerdings auf nicht ganz so viele und keine so große Auswahl gestoßen wie bei den englischen Bibeln. Deshalb habe ich mich für eine englische entschieden. Vielleicht ist das für dich aber genau das Richtige.

Deshalb habe ich sie dir einfach mal unter dem Video verlinkt, falls du dich bei den deutschen Journalbibeln umschauen möchtest. Ich möchte einfach, dass du ein großes Repertoire hast – einen großen Pool an Ideen und Möglichkeiten –, um wirklich das Beste aus deiner Bibellesezeit herauszuholen.

Mein Lesesystem und Markiermethode

Das System, mit dem ich die einzelnen Passagen lese, funktioniert für mich und meinen Persönlichkeitstyp einfach sehr gut. Mein Ziel ist es, die ganze Bibel mit dem Bibelleseplan vom Bibelfitdienst durchzulesen.

Andere Pläne funktionieren natürlich auch, keine Sorge. Aber du kannst den Bibelfitdienst-Plan gerne nutzen, wenn du möchtest. Aktuell lese ich zum ersten Mal parallel noch eine zweite Bibel. Warum und wie ich das mache, erkläre ich dir jetzt.

Diese Bibel lese ich morgens. Die New Living Translation eignet sich meiner Meinung nach sehr gut für Andachten. Du kennst ja die Unterscheidung, die wir vorhin besprochen haben, zwischen Andacht und Bibelstudium. Ich liebe die New Living Translation, weil sie sehr verständlich, ausformuliert und bildlich ist. Sie ist zwar etwas weiter vom Urtext entfernt, aber man kann sich gut vorstellen, was gemeint ist. Mit dieser Bibel habe ich im Neuen Testament zu lesen begonnen.

Die andere Bibel lese ich abends. Diese Übersetzung ist näher am Urtext und eher eine apologetische Studienbibel. Dadurch habe ich einen anderen Fokus, was ich sehr mag. Mit dieser Bibel habe ich im Alten Testament angefangen zu lesen. Das heißt, ich lese jeden Tag sowohl im Alten als auch im Neuen Testament. Das ist ganz schön und anders, als wenn man erst ein halbes Jahr das Neue Testament liest und danach ein halbes Jahr das Alte Testament. Beide Varianten haben ihre Vorteile.

Wenn ich meine Bibellesezeit beginne, lese ich immer dort weiter, wo ich aufgehört habe. Zuerst lese ich den Abschnitt, die sogenannte Perikope, einmal komplett durch. Dabei unterstreiche oder markiere ich oft schon das, was mir auffällt. Ich habe dafür ein Markiersystem. Allerdings bin ich eine intuitive Markiererin und nicht ganz so streng. Trotzdem erkläre ich dir kurz, wie ich das mache – vielleicht ist es ja eine Inspiration für dich.

Ich nutze Unterstreichungen für historische oder interessante Fakten. Außerdem verwende ich Markierstifte in verschiedenen Farben: Blau markiere ich alles, was über Gott, den Vater, gesagt wird. Grün nutze ich für alles, was über uns als Nachfolger Jesu gesagt wird. Das heißt, wenn ich wissen will, was ich tun soll oder was mein Auftrag ist, kann ich einfach schauen, was ich in Grün markiert habe. Dann weiß ich, das ist ein Appell an mich.

Außerdem habe ich zwei Rosafarbtöne: hellrosa und dunkelrosa. Diese nutze ich zur Abstufung, also für unterschiedliche Prioritäten. Meist markiere ich mit Dunkelrosa den wichtigsten Satz in einem Abschnitt, den ich mir merken möchte. Häufig ist das im Neuen Testament das, was Jesus sagt. Das ist in dieser Bibel sowieso rot gedruckt, was ein weiterer Vorteil ist. Hellrosa nutze ich für ergänzende oder ausführende Gedanken, um eine Abstufung zu zeigen.

Man sieht also, man kann ganz unterschiedliche Systeme nutzen. Manche markieren zum Beispiel Verheißungen in einer bestimmten Farbe, Prophezeiungen in einer anderen und so weiter. Mir geht es vor allem darum, nach der Bearbeitung einer Passage auf einen Blick zu erfassen, worum es darin geht. So lerne ich besser, und mein Lerneffekt wird erhöht.

Das bewirkt, dass ich mir etwas mitnehme und besser behalte, was ich gelesen habe, als wenn ich das nicht machen würde. Deshalb markiere ich auch nach der Zentralität eines Gedankens, damit ich Kernaussagen und Randaussagen auf einen Blick unterscheiden kann. Es gibt wirklich viele Markiersysteme. Wenn du ein tolles System hast, das du nutzt, kannst du es gerne in die Kommentare schreiben. Das bereichert unsere Community, und ich bin gespannt, von dir zu lesen.

Während des ersten Markierdurchgangs schreibe ich manchmal schon Gedanken an den Rand. Nach dem ersten Durchgang nutze ich dann eine App, um die Studienkommentare dazu zu lesen. Ein Nachteil ist, dass man dabei das Handy beim Bibellesen dabei hat. Da muss man konsequent sein und den Flugmodus einschalten. Man kann die App auch auf einem Tablet nutzen. Wenn du eine analoge Studienbibel hast, in der die Kommentare direkt eingetragen sind, ist das natürlich noch besser.

Den Rand gestalte ich ganz unterschiedlich. Manchmal schreibe ich zentrale Zitate aus der Passage eins zu eins ab, damit sie mir beim Aufschlagen der Seite sofort ins Auge fallen. Dabei kann ich bestimmte Wörter größer oder kleiner schreiben oder unterstreichen, um den Fokus zu setzen.

Manchmal schreibe ich einen Bibelkommentar aus der App auf, manchmal notiere ich meine eigenen Gedanken. Auch Learnings, also das, was ich mitnehmen will und mir merken möchte, halte ich fest. Manchmal male ich kleine Bildchen dazu.

Ich zähle mich aber nicht zu den Bibeljournal-Profis, die Bibelverse wunderschön am Rand gestalten. Es gibt Leute, die sind wirklich talentiert darin: Sie malen Bilder, lettern Verse schön in toller Schrift – wer das kann, ist wirklich beeindruckend und inspirierend.

Du kannst den Rand nutzen, wie du möchtest. Er bietet tolle Möglichkeiten. Für mich ist es zentral, diesen Rand zu haben, denn so lese ich später oft meine Randnotizen noch einmal durch. Das sind häufig die Dinge, die ich im Nachgang Markus zeige und über die wir dann ins Gespräch kommen. So habe ich einen Wiederholungseffekt.

Dadurch komme ich zwar langsamer voran, als wenn ich einfach nur lese und vielleicht etwas unterstreiche, aber dann gleich weitergehe. Das habe ich bisher immer so gemacht, und es ist total okay, die Bibel auf diese Weise zu lesen.

Egal, wie lange es dauert: Manche lesen die Bibel in drei Monaten durch, andere in zwei Jahren. Wichtig ist, dass du es machst und geistlich wächst. Dafür wünsche ich dir Gottes Segen.