Zum Inhalt

Von flatterigen Tauben und der Ruhe in Gott #1

Matthäus 11,28-2915.11.2015
Serie•Teil 1 / 4Ruhe in Gott
Du rennst, funktionierst, hältst durch – und bist innerlich trotzdem leer? Jesus lädt Ruhelosen nicht zu mehr Leistung ein, sondern zu echter Ruhe für die Seele.

Ein ungewöhnlicher Auftakt mit einem Bild aus der Arche

Ich habe vor zwei Wochen hier vorne gestanden und gesagt, dass ich eine Predigt vorbereitet habe. Die war einfach so gut, dass ich sie nicht in einer einzigen Predigt „verbraten“ wollte. Jetzt sind wir bei dem, was ich so gut fand. Ihr bekommt also heute und nächstes Mal eine Predigt, die zusammengehört.
Es wird also so sein: Ich predige durch, und irgendwann mache ich „Bing“, so wie im Kino, wenn ein Film Überlänge hat. Da kommt ja auch irgendwann eine Pause. Dann weiß man: Schade, jetzt ist es vorbei. Ja, das wird heute vielleicht auch so sein. Du wirst irgendwann sagen: Oh schade, jetzt vorbei. Wir werden mittendrin aufhören. Lebt einfach damit, okay? Und kommt nächste Woche wieder und hört euch dann den zweiten Teil an.
Ich starte mal mit einem Bild. Also eigentlich starte ich mit einem Bibeltext, aber ich möchte euch am Anfang ein Bild vor Augen malen. 1. Mose 8,6. Da heißt es: Und es geschah am Ende von vierzig Tagen, da öffnete Noah das Fenster der Arche, das er gemacht hatte, und er ließ die Taube von sich hinaus, um zu sehen, ob das Wasser weniger geworden sei auf der Fläche des Erdbodens.
Aber die Taube fand keinen Ruheplatz für ihren Fuß und kehrte zu ihm in die Arche zurück, denn noch war Wasser auf der Fläche der ganzen Erde. Da streckte er seine Hand aus, nahm sie und holte sie zu sich in die Arche.
Noah lässt eine Taube fliegen, aber die Taube findet keinen Ruheplatz. Sie kann nirgends landen, kehrt zurück, und Noah holt sie in die Arche, damit sie sich dort ausruhen kann.
Wenn ich im Moment die Gemeindeliste durchbete, dann kommt mir diese Taube in den Sinn. Ich habe den Eindruck, es geht vielen von uns im Moment wie dieser Taube. Ich glaube, dass sich viele von uns im Moment einen Ruheplatz wünschen, aber stattdessen hin und her flattern und irgendwie ruhelos sind.
Mein Job heute Nachmittag wird sein, euch zu zeigen und euch zu sagen, dass der Herr Jesus wie Noah in der Arche nur darauf wartet, dass wir zu ihm kommen. Und dass er, wenn wir das tun, in dem Moment, in dem wir ihm nahe sind, die Hand ausstreckt, um uns dorthin zu bringen, wo wir sicher sind und wo wir wirklich zur Ruhe kommen.
Deswegen hat die Predigt den ungewöhnlichen Titel: Von flatterigen Tauben und der Ruhe in Gott, Teil 1.
Das Thema Ruhe in Gott zieht sich tatsächlich durch die ganze Bibel.

Gottes Zusage von Ruhe auf dem Weg ins verheißene Land

Wenn Gott zu seinem Volk spricht und ihm die Richtung ins verheißene Land zeigt, dann sagt er Folgendes: In 2. Mose 33,14 antwortet er: Mein Angesicht wird mitgehen. Gott verspricht: Ich werde mit euch in das verheißene Land gehen.
Und jetzt ist es ganz interessant, wie er das verheißene Land nennt. Ja, wir würden heute GPS-Koordinaten angeben und sagen: Ich werde mit euch da und da hingehen. Und dann würden wir vielleicht noch ein Google-Maps-Bild beifügen, damit man ungefähr weiß, wo das ist. Gott sagt etwas ganz anderes. Er sagt: Mein Angesicht wird mitgehen und dich zur Ruhe bringen.
Er sagt nicht einfach: Ich werde dich nach Kanaan bringen. Er sagt auch nicht einfach: Ich werde dich in ein Land bringen, wo Milch und Honig fließt. Das ist auch irgendwie wichtig. Sondern er nennt das Ziel ihrer gemeinsamen Reise: Ruhe.
Noch ein Stückchen markanter wird diese Betonung auf Ruhe, wenn man sieht, wie Jesus Menschen einlädt. Er sagt in Matthäus 11,28, und ich glaube, ich werde jetzt niemanden hier im Raum groß überraschen, es ist nur so, dass ich dieses Thema einmal in der Bibel nachzeichnen möchte: Jesus stellt sich hin mit den Worten: Kommt her zu mir, all ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben.
Und für den Fall, dass man das vielleicht am Anfang nicht gleich versteht, fährt er fort: Nehmt auf euch mein Joch, ein Bild für die Königsherrschaft Gottes. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen.
Jesus möchte mit dieser Einladung für die Ruhelosen dasselbe sein, was die Arche für die Taube war: ein Ort der Ruhe, ein Ort des Ausruhens, ein Ort des Zurruhekommens, des Angekommenseins. Das ist es, wozu Jesus uns einlädt. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir. Lasst euch darauf ein, dass ich der König werde in eurem Leben. Lasst euch darauf ein, dass ich der Lehrer werde in eurem Leben.
Und was passiert, wenn Jesus König und Lehrer wird? Wenn er uns sagen darf, wie wir zu leben haben, und es uns wirklich interessiert, was er uns zu sagen hat? Was passiert, wenn wir seiner Sanftmut und seiner Demut begegnen? Antwort: Wir werden Ruhe finden für unsere Seelen.

Warum die Seele nicht einfach durch Ablenkung zur Ruhe kommt

Mich fasziniert das, weil es mir zeigt, dass Jesus unsere Flatterigkeit kennt. Er kennt diese tiefe Sehnsucht meiner Seele nach Ruhe.
Und ich meine nicht, dass wir jetzt etwas falsch verstehen: Ja, man kann Ruhe falsch verstehen. Ich meine nicht eine Ruhe, ich meine nicht die Extraportion Mittagsschlaf. Ich meine nicht den geselligen Abend, an dem man sich mit Freunden vergnügt, das gute Buch und den schönen Pott Tee dazu, oder was weiß ich, die nächste Serie, meine Lieblingsserie, auf die man sich freut und sagt: Jetzt setze ich mich da hin. Das meine ich nicht.
Ich glaube, ich kann einen ganzen Tag am Strand liegen, und ich kann doch, obwohl ich nichts tue, obwohl ich mich nur mit dem beschäftige, was mir Spaß macht, trotzdem keine Ruhe für meine Seele finden. Und dafür gibt es einen einfachen Grund: Die Ruhe, nach der unsere Seele sich wirklich sehnt, die bekommen wir nur in der Gegenwart Jesu. Deswegen sagt er: Kommt her zu mir, und ich werde euch Ruhe geben.
Die Ruhe, nach der sich unsere Seele sehnt, die zum Besten gehört, was Gott uns überhaupt nur geben kann, die können wir nicht machen. Das ist eine Ruhe, die bekommt man geschenkt, und zwar da, wo wir dem Herrn Jesus als König und als Lehrer begegnen. Und das wissen wir alle, das gilt ja ganz grundsätzlich für den Anfang des Glaubenslebens.
Also dann, wenn man so das erste Mal die Schuld seiner Sünde spürt, wenn man wirklich sagt: Jetzt bin ich mühselig und beladen, und jetzt geht man das erste Mal zu Jesus und bekennt ihm seine Schuld, lädt den ganzen Ballast ab und sagt: Herr, rette mich! Wenn man da spürt, wie förmlich die zentnerschwere Last von den Schultern abfällt, an der Stelle erleben wir diese Ruhe. Wir erleben die Ruhe, zu der Gott uns eingeladen hat.
Das ist am Anfang des Glaubenslebens ganz einfach. Aber soll ich euch etwas sagen? Es ist dieselbe Ruhe, mit der Jesus uns immer und immer wieder beschenken will. Ich bin davon überzeugt, und ich weiß das, weil ich ja auch nicht anders bin als ihr, dass meine Seele bis ins hohe Alter nach dieser Ruhe sehnt. Also, ich kann sagen: bis neunundvierzig gilt das auf alle Fälle. Wenn ich die Predigt in zwanzig Jahren noch einmal halte, kann ich es noch ein bisschen weiterzeichnen. Aber auch nach fünfundzwanzig Jahren, nach dreißig Jahren gläubig sein, sehnt sich meine Seele nach dieser Ruhe in Gott.

Der geistliche Kampf um unsere Aufmerksamkeit

Frage: Warum sind wir dann häufig so flatterig? Warum ist dieser Teil unseres Lebens so angefochten? Warum ist es so, dass Hektik, Probleme und Ängste permanent damit beschäftigt sind, diese Ruhe in Gott kaputtzumachen?
Die Antwort ist, glaube ich, ganz einfach, und ihr kennt alle die Antwort. Die Antwort lautet: weil der Teufel Angst davor hat, dass wir uns in Gottes Liebe geborgen fühlen. Das ist ganz simpel. Der Teufel hat einfach Angst davor, dass wir uns in Gottes Liebe wirklich geborgen fühlen.
Und solange sich unser Dasein, also der Alltag, solange sich dieser um Sorgen dreht und darum, ob ich genug Geld verdiene, vielleicht sind es bei anderen die Vergnügungen oder gleich der Stress auf Arbeit oder irgendwelche Neuigkeiten, solange besteht keine Gefahr für den Teufel. Problematisch wird es für ihn erst, wenn er uns nicht mehr beschäftigen kann. Solange der Teufel uns beschäftigen kann, solange fühlt er sich wohl.
Frage: Weißt du, von welchem Gedanken der Teufel nicht will, dass du ihn denkst? Weißt du, von welchem Gedanken der Teufel nicht will, dass du ihn denkst?
Es ist folgender Gedanke, und ich kann natürlich dem Teufel nicht ins Herz schauen, aber ich bin mir ganz sicher, dass er es absolut nicht will, dass du das denkst. Der Teufel möchte nicht, dass folgender Gedanke in deinem Hirn aufkommt. Der Gedanke geht so:
Eigentlich fühle ich mich gerade ganz schön mühselig und beladen. Sollte ich jetzt vielleicht alles andere sein lassen und mir so lange Zeit für meinen Herrn nehmen, bis meine Seele wieder zur Ruhe gebracht ist?
Also, der Teufel wird alles tun, damit du so beschäftigt bist, dass dieser Gedanke nicht kommt. Dieser eine kleine Gedanke, dass du kurz reflektierst und sagst: Eigentlich fühle ich mich ganz schön mühselig und beladen. Wenn ich so ganz ehrlich bin, ist das gerade ganz schön mühselig und beladen. Sollte ich jetzt vielleicht alles andere einfach mal sein lassen und mir so lange Zeit für meinen Herrn nehmen, bis er meine Seele wieder zur Ruhe gebracht hat?
Darf ich dich fragen, wann dieser Gedanke das letzte Mal in den Sinn gekommen ist? Vielleicht nicht in voller Länge, das sind zweieinhalb Textzeilen, ja, das ist schon ein bisschen lang, wenn man das so denken möchte. Aber vielleicht so als geistlicher Impuls, den der Heilige Geist dir gegeben hat, um dich auf eine innere Not aufmerksam zu machen:
Eigentlich fühle ich mich gerade ganz schön mühselig und beladen. Sollte ich jetzt vielleicht alles andere sein lassen und mir so lange Zeit für meinen Herrn nehmen, bis er meine Seele wieder zur Ruhe gebracht hat?

Jesu eigenes Leben als Muster für Rückzug und Gebet

Weisst du, was der Teufel möchte? Der Teufel möchte, dass wir wie die Taube einfach immer weiter flattern, ohne Ruheort. Dass wir nicht zur Arche zurückkehren und dass wir irgendwann in dieser Flut aus Problemen und Ängsten einfach ertrinken. Das ist das, was der Teufel sich wünscht.
Er will, dass wir vergessen, wo wir herkommen. Dass wir diese ursprüngliche Lektion vergessen, am Anfang unseres Glaubenslebens, als wir uns in die Arche zum Herrn hineingeflüchtet haben und sicher waren. Er möchte, dass wir vergessen, zu wem wir wirklich gehören. Er möchte, dass wir glauben, wir seien dafür verantwortlich, uns irgendwie selbst zur Ruhe zu bringen. Er möchte, dass wir Jesus vergessen. Und er möchte, dass wir vergessen, was Jesus uns beibringen möchte.
Ich finde das immer wieder faszinierend, wenn ich sehe, wie der Herr Jesus selbst jemand war, der sich immer wieder bei Gott geborgen hat. Ich weiss, und da werde ich nächste Woche mehr dazu sagen. Da hat man vielleicht nicht ganz so viele Bibelstellen, das hat auch einen Grund dafür.
Aber ich lese euch mal aus Markus 1 etwas vor, was mich immer wieder fasziniert. Markus 1,32. Da hören wir davon, wie beschäftigt Jesus war. Jesus hatte ja durchaus kein gechilltes Leben, sondern er hatte richtig viel zu tun.
 Markus 1,32: Als es aber Abend geworden war und die Sonne unterging, brachten sie alle Leidenden und Besessenen zu ihm, und die ganze Stadt war an der Tür versammelt.
Stell dir das vor: Ganz Falkensee steht vor deiner Tür und möchte etwas von dir. Super! Und er heilte viele an mancherlei Krankheiten Leidende, und er trieb viele Dämonen aus und liess die Dämonen nicht reden, weil sie ihn kannten. Boah, bis spät abends, ja, richtig viel zu tun.
Und dann heisst es in Vers 35: Und früh morgens, als es noch sehr dunkel war, deutlich vor sechs Uhr, stand er auf und ging hinaus und ging fort an einen einsamen Ort und betete dort.
Kann man sich merken mit diesem Ort immer hinten dran. Er ging fort an einen einsamen Ort und betete dort. Das macht er.
Ich weiss nicht, was du denkst. Also wenn ich so einen richtig anstrengenden Abend habe, dann freue ich mich immer auf Ausschlafen. Ausschlafen, spätes Frühstück und dann weiter. Das wäre das, was ich im Text erwartet hätte. Aber Jesus macht das Gegenteil. Er steht extra früh auf. Warum? Um genug Zeit für Gott zu haben.
Und wenn du dich fragst, wo das Geheimnis in dem Leben liegt, das Jesus geführt hat, dann sind es diese Momente. Momente, Zeit mit Gott zu haben. Genug Zeit mit Gott zu haben. Immer wieder genug Zeit mit Gott zu haben. Einfach, um die eigene Seele immer wieder zur Ruhe zu bringen.
Für Jesus ist klar: lieber etwas weniger Schlaf und mehr Zeit für Gott als Ausschlafen und Unruhe. Für ihn ist das irgendwie klar. Er hatte ein inneres Gespür für die Not seiner Seele nach dem lebendigen Gott, nach diesem Ankommen bei Gott, nach diesem Beschenktwerden von Gott.
Und ich bin davon überzeugt: Es ging nicht nur Jesus so. Es gibt da eine merkwürdige Begebenheit im Leben des Apostels Paulus. Das ist eine Geschichte, die ihr vielleicht noch nie vergegenwärtigt habt. Man liest wirklich so darüber hinweg. Es ist so ein kleiner Einsprenkel auf dem Rückweg von der dritten Missionsreise.
Da heisst es in Apostelgeschichte 20,13: Wir aber gingen voraus auf das Schiff und fuhren ab nach Assos.
Also das Missionsteam ist da, und Lukas sagt: Wir als Missionsteam sind aufs Schiff gegangen und sind vorausgefahren nach Assos und wollten dort den Paulus aufnehmen, der war auch da. Aber warum will Paulus nicht mit dem Schiff fahren? Denn so hatte er es angeordnet, da er selbst zu Fuss gehen wollte.
Als er aber in Assos mit uns zusammentraf, nahmen wir ihn auf und kamen nach Nethilene. Völlig ohne Not nimmt Paulus einen Fussmarsch von Troas, wo sie losgefahren sind, nach Assos. Eigentlich müsste ich das so zeigen: Im Norden liegt Troas und im Süden liegt Assos. Seine Truppe fährt aussen herum mit dem Schiff, und er nimmt diese fünfzig Kilometer zu Fuss in Angriff.
Und du fragst dich, warum das denn? Na ja, weisst du, auf welchem Weg er ist? Er ist Richtung Jerusalem auf dem Weg. Kurz vorher hatten jüdische Extremisten versucht, ihn in Griechenland umzubringen. Vielleicht kannst du etwas erahnen von dem Druck, unter dem er steht. Vor dir Jerusalem. Der Heilige Geist zeigt dir, dass Verfolgung auf dich wartet. Du hast einen ganz schweren Weg zu gehen. Du hast auf der einen Seite eine Vision, das Evangelium an die Enden der Erde zu bringen, und auf der anderen Seite merkst du, wie das Böse so langsam immer dichter rückt und versucht, dich zu zerquetschen.
Und in diese Zeit hinein handelt er für mich absolut Jesus-typisch. Er nimmt den Druck aus seinem Leben raus, indem er eine Zeit schafft, in der er mit Gott alleine sein kann. Ich kann euch das nicht in letzter Konsequenz beweisen, ja, vielleicht ist er auch nur ein Spaziergefetischist, aber ich glaube das nicht. Ich glaube, dass er einfach gemerkt hat: Ich brauche jetzt eine Extraportion Zeit alleine mit Gott. Und hier ist eine Chance. Hier kann ich quasi zwei Tage laufen, und die holen mich wieder ab. Und ich nutze einfach die Zeit, um mit Gott alleine zu sein. Ich brauche mehr Zeit für Gott.

Warum geistliche Kraft nur aus Gottes Nähe wächst

Ich glaube, wir wissen alle, dass wir uns nie Sorgen machen müssen darüber, dass es im Leben eines hingegebenen Christen an Problemen und Ängsten mangeln würde. Und wenn es nicht die eigenen sind, dann leiden wir eben mit anderen mit. Es ist immer irgendwie genug los.
Deswegen braucht unsere Seele eigentlich immer und immer wieder, dass sie bei Gott zur Ruhe gebracht wird. Wenn wir das nicht schaffen, wenn es uns nicht gelingt, dass unsere Seele bei all den Problemen, denen wir uns nicht entziehen können, Ruhe bei Gott findet, dann wird irgendwann dieser innere Mensch in uns teilnahmslos. Er wird kraftlos werden, er wird mutlos werden, er wird ängstlich werden und im schlimmsten Falle vielleicht sogar irgendwann bitter.
Ich glaube, wie unser Körper Schlaf braucht, so braucht auch unsere Seele Ruhe bei Gott. Du kannst einem Menschen nicht lange den Schlaf entziehen, bis er wirklich durchdreht. Das ist eine Foltermethode. Wie unser Körper Schlaf braucht, so braucht unsere Seele Zeit, um bei Gott auszuruhen. Und das ist Zeit, die wir uns nehmen müssen. Es ist Zeit, die uns der Teufel nicht schenken wird.
Und ich weiß nicht, wie es dir geht. Normalerweise, wenn ich sage, das ist Zeit, die wir uns nehmen müssen, dann zögern Zuhörer bei dem Wort Zeit. Warum? Na ja, Zeit habe ich nicht. Ja, logisch hast du die nicht.
Deswegen geht ein Kernsatz dieser ganzen beiden Predigten so, und ich bin fest davon überzeugt, dass er wahr ist: Wenn du denkst, du hast keine Zeit, dann gibt es nichts in deinem Leben, das dir mehr Zeit spart und dir mehr Kraft und mehr Erfolg gibt als die Zeit, die du betend und hörend in Gottes Nähe zubringst.
Ich sage das gerne noch einmal, weil ich nach über 25 Jahren Christsein zutiefst davon überzeugt bin, dass das wahr ist. Nichts in deinem Leben spart dir mehr Zeit, gibt dir mehr Kraft und mehr Erfolg als die Zeit, die du betend und hörend in Gottes Nähe zubringst.
Es ist tatsächlich dämonische Verblendung, wenn wir denken, dass wir keine Zeit haben, um in Gott zur Ruhe zu kommen.

Ruhe, Umkehr und die Frage nach echter Beziehung

Was wir wirklich im Leben brauchen, ist doch ganz einfach. Wenn man mal fragt: Was brauchst du denn fürs Leben? Dann sagst du: Ich brauche Gottes Kraft und Gottes Hilfe.
Stimmt, wo findet man denn beides? Hast du mal überlegt, wo die Bibel sagt, dass es Gottes Kraft und Gottes Hilfe gibt? Jesaja ist ein guter Startpunkt. Jesaja 30,15, da heißt es: Denn so spricht der Herr, Herr, der Heilige Israels: Durch Umkehr und durch Ruhe werdet ihr gerettet. Habt ihr gehört? Ruhe! Durch Umkehr und durch Ruhe werdet ihr gerettet. In Stillsein und in Vertrauen ist eure Stärke.
Umkehr und Vertrauen stehen für Glauben. Ruhe und Stillsein stehen für unser Ankommen bei Gott. Und ich habe wirklich Sorge, dass viele moderne Christen Jesaja 30,15 so lesen: Denn so spricht der Herr, Herr, der Heilige Israels: Durch Umkehr und durch gute Leistung werdet ihr gerettet, im Ackern bis zum Umfallen, und in Vertrauen ist eure Stärke.
Ich habe echt Sorge, dass wir das so hören. Aber da steht: Denn so spricht der Herr, Herr, der Heilige Israels: Durch Umkehr und durch Ruhe werdet ihr gerettet. Umkehr und Ruhe, in Stillsein und in Vertrauen ist eure Stärke.
Und dann geht es weiter: Das ist traurig, aber ich glaube, das gilt bis heute. Dann geht es weiter: Aber ihr habt nicht gewollt.
Warum wollen Menschen nicht, dass Gott sie rettet und ihnen Kraft gibt? Mein Eindruck ist: Menschen wollen das nicht, weil dieses Angebot einfach viel zu gut ist. Es kann doch nicht sein, dass es so einfach ist, oder? Es kann doch nicht sein, dass die meisten Probleme, die sich in meinem Leben dadurch lösen, dass ich einfach zu Gott gehe und sage: Hi, hier bin ich. Ich habe jetzt hier ein Stündchen Zeit. Können wir mal reden?
Und Gott sagt: Klar, was liegt dir auf dem Herzen? Sag mal, was interessiert dich? Unruhig, flatterig, Angst, Probleme, Probleme anderer, noch mehr Probleme anderer, noch ein bisschen Unruhe, ja.
Kann das wirklich so einfach sein? Und ich glaube: Ja, das ist es. Ich glaube, das Angebot ist einfach zu gut. Wenn Gott von uns, stellt euch das mal vor, wenn Gott von uns einfach nur Glauben verlangen würde und uns einfach nur so Ruhe schenken würde, einfach nur mit seiner Ruhe beschenken würde, wisst ihr, wo wir da hinkämen?

Ein Christsein, das aus Beziehung lebt und nicht aus Leistung

Ich habe mal drei Dinge zusammengefasst, wo man hinkäme, wenn man das für einen kurzen Moment so stehen ließe, wenn man sagen würde: Wir lassen uns mal auf den Gedanken ein, dass das wirklich alles ist. Gott sagt einfach: Hey, ich möchte dich beschenken. Lass dich einfach auf meine Ruhe ein.
Ich glaube, wir kämen zu einem Christsein, das sich nicht mehr über Leistung definiert, sondern über Beziehung. Ich sage das noch einmal: Ich glaube, wir kämen zu einem Christsein, das sich nicht mehr über Leistung definiert, sondern über Beziehung. Wir würden uns dann nämlich zuerst die Frage stellen: Lebe ich aus Gottes Ruhe heraus oder lebe ich aus den Ansprüchen heraus, die ich an mein geistliches Leben stelle? Oder, schlimmer noch, die vielleicht von anderen an mich herangestellt werden, damit ich als guter Christ funktioniere?
Was ich dich gerne fragen würde, ist Folgendes: Wie geht es deiner Beziehung zu Jesus? Also, ich habe jetzt nicht gefragt — das ist nämlich ein Unterschied —: Betest du, liest du in der Bibel, denkst du über Gottes Wort nach, kommst du gern und regelmäßig in den Gottesdienst, kümmerst du dich um die Schwachen in der Gemeinde? Das sind alles gute Fragen. Ich habe überhaupt nichts gegen diese Fragen. Nicht, dass ihr denkt, Jürgen hat die Seiten gewechselt. Ich bin immer noch für diese Fragen, keine Sorge. Aber sie sind bei aller Notwendigkeit nicht hinreichend.
Ich kann diese Fragen stellen, aber die Antworten auf diese Fragen sagen noch nichts aus über deine Beziehung zum Herrn Jesus. Sie sagen nichts darüber aus, ob du für ihn brennst. Und das ist die Frage, die mich interessiert, wenn ich dich frage: Wie geht es dir in deiner Beziehung zu Jesus? Nicht: Hast du eine To-do-Liste, die du abarbeitest? Sondern: Hast du bei aller Disziplin, die irgendwo eine Rolle spielt im geistlichen Leben — logisch, werde ich nächstes Mal noch ein bisschen was zu sagen —, hast du dieses Brennen noch in deinem Herzen? Ist es noch so, dass du morgens aufwachst und dir denkst: Boah, verzeiht mir das Wort, aber es passt an der Stelle: geil, ja, ich bin Christ. Wow, ich habe es nicht verdient, aber es ist immer noch cool. Es ist einfach genial. Es ist einfach, einfach diese Begeisterung, die man nicht fassen kann, wo man einfach nur sagt: Das ist der Hammer. Ich, ich ... Und dann schaust du in den Spiegel und kannst es noch weniger glauben: Ich. Ist das noch da?
Und das ist eine Frage der Beziehung. Das ist nicht eine Frage deiner Leistung. Und wenn wir das schaffen würden, regelmäßig bei Gott zur Ruhe und in der Ruhe zur Kraft zu kommen, dann wäre das für uns selbstverständlich. Denn wir würden unser Leben nicht nach dem beurteilen, was wir leisten, nach Ansprüchen, die wir erfüllen, sondern wir würden uns diese Frage stellen: Wie geht es mir hier innen drin?
Und ganz ehrlich: Vielleicht tust du keine dieser Sachen und sagst, im Moment geht es mir richtig gut. Ich weiß auch nicht warum. Es ist einfach so, da ist was, da ist so ein Draht da, und ich kann es dir auch nicht beschreiben. Das ist einfach da. Und vielleicht bist du dabei, all das zu machen, und du funktionierst wie so ein geölter Motor, aber du musst feststellen: Der Draht, das Innere, weißt du, ist irgendwie gerade nicht so prickelnd. Also, das wäre eine Folge davon.

Kraft ohne Ausbrennen und der Ort der Begegnung

Ich glaube, wenn wir es wagen würden zu glauben, dass wir dazu berufen sind, bei Gott zur Ruhe zu kommen, aus dieser Flatterigkeit heraus immer wieder Ruhe bei ihm zu finden, dann würden wir zweitens zu einem Christsein kommen, das brennt, ohne auszubrennen.
Wenn du das Geheimnis hinter wirklich leistungsstarken Christen anschauen möchtest, die über Jahrzehnte dienen, dann ist es letztlich ihre Nähe zum Herrn. Von außen, ich weiß, sieht man häufig eigentlich nur die Arbeitslast. Man sieht die vielen Projekte, die sie stemmen, man sieht die vielen Termine, die sie schaffen. Aber ich versichere euch eines: Sie ziehen ihre Ideen, ihre Kraft, dieses Maß an Disziplin, das man braucht, um dranzubleiben, und letztlich ihren Erfolg aus der Ruhe in Gott. Sie ziehen das aus Zeiten des Stillseins und des ganz persönlichen Umgangs mit Gott.
Es gibt einen riesigen Unterschied zwischen viel Arbeiten und geistlich erfolgreich sein, also das zu tun, was Gott mir aufgetragen hat. Viel arbeiten! Unterhaltet euch mit Markus, der wird euch sagen, dass es Leute gibt, die null Probleme mit einer 80-Stunden-Woche haben. Die geben das einfach. Du musst nicht geistlich sein, um viel zu arbeiten. Das kann jeder Manager.
Aber wenn du jahrelang an der Spitze einer so wackeligen Sache wie Gemeinde stehen möchtest, wenn du das Evangelium dorthin tragen möchtest, wo es noch nie gehört wurde, wenn du Menschen in ihrem Leid beistehen möchtest, ohne selbst im Leid unterzugehen, dann brauchst du mehr. Du brauchst dieses Geheimnis eines Lebens, das immer wieder Kraft bei Gott tankt. Sonst wirst du irgendwann ausbrennen.
Ist euch aufgefallen, wie Mose in der Wüste handelt? Mose führt das Volk aus Ägypten heraus, dann bekommen sie die Zehn Gebote und noch ein bisschen mehr, und alle sind ganz begeistert, total begeistert. Wow, Gott ist auf unserer Seite. Sie schließen einen Bund mit Gott. Das hält dann nicht einmal ganz vierzig Tage, und dann tanzen sie schon wieder ums goldene Kalb.
Und Mose kommt, weil er das nicht mitgekriegt hat, vom Berg runter. Er war bei Gott und war da auch beschäftigt. Er kommt runter, er sieht das mit dem goldenen Kalb, und eigentlich ist alles kaputt. Also hat gerade dieses „Wir mit Gott, ja, Aufrichtung, keine Ahnung, auf in die Ruhe“ angefangen, und da ist schon wieder alles kaputt.
Und jetzt steht Mose da. Ist dir aufgefallen, was Mose tut, als quasi sein gesamtes Lebenskonzept kaputt ist? Du bist berufen, ein Volk aus Ägypten nach Kanaan anzuziehen, und die haben nichts Besseres zu tun, als ums goldene Kalb herumzutanzen. Super Sache. Du stehst da und sagst: Was mache ich denn jetzt? Vor lauter Frust zerschlägst du diese Steintafeln. Gut, das hat auch nicht viel weitergeholfen. Was mache ich denn jetzt? Da sind zig Zehntausende, Hunderttausende in der Wüste, du musst dich ja irgendwie um sie kümmern. Was mache ich denn jetzt in so einer Situation?
Und es ist so spannend, was er tut. Ich lese euch das vor: 2. Mose 33,7. Mose nun – und wir hätten ein Organisationskomitee eingerichtet, ich weiß nicht, was wir alles getan hätten – Mose nun nahm das Zelt, also er besorgt sich ein Zelt, und schlug es außerhalb des Lagers auf, fern vom Lager, für sich, und nannte es Zelt der Begegnung.
Was Mose mitten in dieser Situation tut, in der alles verloren erscheint, wo er gerade noch den Zorn Gottes abwenden kann, sodass Gott nicht sagt: Weißt du was, ich mache die alle platt und fange mit dir neu an. Nein, okay, gut, dann halt nicht, aber dann lass dir was einfallen. Okay, er schnappt sich ein Zelt, nennt es Zelt der Begegnung, geht raus aus dem Lager, wo keiner mehr ist, schlägt es da auf.
Und es geschah jedes Mal, wenn Mose in das Zelt kam, dann stieg die Wolkensäule herab und blieb am Eingang des Zeltes stehen. Und der Herr redete mit Mose. Und der Herr redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freund redet. Dann kehrte er Mose ins Lager zurück.
Du möchtest wissen, wie man brennt, ohne auszubrennen? Das ist das Geheimnis. Du hast irgendwo ein Lager, also nicht wörtlich, aber du hast irgendwo außerhalb des Lagers dein Zelt aufgeschlagen. Ich möchte gerne nächstes Mal mit euch darüber reden, wie das aussieht. Aber du hast irgendwo dein Zelt aufgeschlagen, wo du allein Gott begegnest, deinen Ort der Begegnung mit dem lebendigen Gott, wo du ihm von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freund, wie ein Mann mit seiner Freundin redet, wo du ihm da begegnen kannst: brennen, ohne auszubrennen, und das im Angesicht allergrößter Schwierigkeiten und Herausforderungen.
Das geht nur, wenn genug Zeit für Gott bleibt. Wenn mir genug Zeit für Gott bleibt. Wenn ich im Angesicht der Probleme Gott begegnen kann.

Gott genießen als Herzstück der Ruhe

Letzter Punkt für heute:
Ein Christsein, das von Ruhe geprägt ist, ist ein Christsein, das weiß, was es heißt, Gott zu genießen. Denn das ist es, was das Zentrum dieser Ruhe ausmacht. Gott nicht nur intellektuell zu begegnen, sondern bei ihm anzukommen und ihn als Person zu genießen, zu genießen, was er mir zu geben hat: Dinge, die ich nirgendwo anders bekommen kann.
Das kann Trost sein, Vergebung, Weisung. Wir hatten schon von der Ruhe gesprochen. Das kann bedeuten, dass ich die Last, die auf meiner Seele für meine Freunde liegt, bei ihm abladen kann. Das kann bedeuten, dass ich ihm begegne und zum ersten Mal erfahre, was es eigentlich heißt, geliebt zu sein.
Gott zu genießen, von flatterigen Tauben und der Ruhe in Gott.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.

Jürgens aktuellste Gebets-Infos gibt's hier zum Lesen und Abonnieren.