Einleitung
Als ich noch sehr jung war – knapp 20 – bekam ich unter meinem Kinn
einen Knollen, er war richtig hart. Natürlich dachte ich an das
Schlimmste, ein Geschwür womöglich bösartig. Ich stellte mich bereits
darauf ein, dass man mir diesen Knollen rausschneiden wird. Nun so ging
ich, wenn ich mich recht erinnern kann, zuerst zum Arzt, der schickte
mich dann zum Zahnarzt. Der untersuchte mich und stellte fest, dass es
eine Entzündung ist, die von einer Zahnwurzel ausging. So bohrte er mir
diesen Zahn auf und behandelte die Wurzel und es dauerte nur wenige Tage
und der Knollen war weg.
Im wahrsten Sinne des Wortes hatte dieser Zahnarzt mein Problem an der
Wurzel gepackt.
Wir haben in unserem Leben auch solche kranken Wurzeln. Wir bekommen
dadurch Probleme, die tief in uns drin ihren Ursprung haben. Dem wollen
wir heute etwas auf den Grund gehen und uns Gedanken machen, wie eine
Wurzelbehandlung aussehen könnte.
## I. Wo die Wurzeln der Probleme liegen
Betrachten wir zuerst einmal die drei Ebenen eines Problems.
Die erste Ebene sind die Umstände, die ich nicht beeinflussen kann. Ich
bin diesen Umständen ausgeliefert, wie dem Wetter. Es scheint die Sonne,
es regnet oder stürmt, es ist wie es ist, es entzieht sich meinem
Einfluss.
Die zweite Ebene vergleiche ich mit einem Baum. Er trägt sichtbare
Früchte, es sind sozusagen meine Reaktionen auf die Umstände.
Die dritte Ebene sind die Motive und Leitsätze meines Lebens. Das sind
die tiefen Wurzeln. Die Bibel bezeichnet diese Wurzeln als Herz. Dort
befindet sich sozusagen die Steuerung oder die Programmierung unseres
Lebens. Hier sind die tiefsten Gedanken und Überzeugungen festgehalten,
die meine Reaktionen und mein Leben steuern.
Ich möchte das an einem Beispiel verdeutlichen.
Zwei Kriegsschiffe übten seit Tagen bei schlechten Wetterverhältnissen.
Ein Offiziersanwärter erzählt: Ich fuhr auf dem Leitschiff und hatte
gegen Abend Dienst auf der Brücke. Nebelschwaden erschwerten die Sicht,
also blieb auch der Kapitän oben und überwachte alles. Kurz nach Anbruch
der Dunkelheit meldete der Ausguck: "Licht steuerbord voraus!" "Bleibt es
stehen, oder bewegt es sich?" Der Ausguck antwortete: "Es bleibt,
Kapitän." Das hiess, dass wir uns auf einem gefährlichen Kollisionskurs
mit dem anderen Schiff befanden. Da rief der Kapitän dem Funker zu:
"Schicken Sie dem Schiff ein Signal: Wir sind auf Kollisionskurs,
empfehlen 20 Grad Kursänderung." Zurück kam das Signal: "Empfehlen Ihnen,
den Kurs um 20 Grad zu ändern." Der Kapitän sagte: "Melden Sie: Ich bin
ein Kapitän, Kurs um 20 Grad ändern." "Ich bin ein Unteroffizier",
lautete die Antwort. "Sie sollten Ihren Kurs besser um 20 Grad ändern."
Inzwischen war der Kapitän ziemlich wütend. Er schimpfte: "Signalisieren
sie, dass ich ein Kriegsschiff bin. Er soll den Kurs um 20 Grad ändern."
Prompt wurde eine Antwort zurückgeblinkt: "Ich bin ein Leuchtturm." Wir
änderten unseren Kurs.
Es war der Stolz dieses Kapitäns, der die ganze Mannschaft beinahe in
eine grosse Katastrophe manövrierte. Hier hat eine schlechte Wurzel das
Kommando übernommen. Wie Jesus den Pharisäern sagte:
Was aus dem Mund herauskommt, kommt aus dem Herzen, und diese Dinge
sind es, die den Menschen unrein machen. Matthäus 15, 18. Denn aus dem
Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl,
falsche Aussagen, Verleumdungen. Matthäus 15, 19.
Diese Pharisäer meinten, sie könnten ihr Leben verbessern, indem sie
ihre faulen Früchte verzieren. Das gab ihnen die Illusion, dass sie mit
äusserlichen Handlungen ein Leben führen könnten das Gott gefällt. Doch
Jesus sagt deutlich, wo Veränderung stattfinden müsste.
Die Konzentration der Pharisäer auf den äusserlichen Schein ist
sinnlos. Wenn sie sich innerlich, im Herzen, an den Wurzeln nichts
ändern. Jesus gebrauchte einmal ein interessantes Bild für diese
anscheinend guten Menschen: Er sagte den Pharisäern:
Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr seid
wie weissgetünchte Gräber: Von aussen sehen sie schön aus, innen aber
sind sie voll von Totengebeinen und von Unreinheit aller Art. Matthäus
23, 27.
Sie haben ein Problem mit der Wurzel, deshalb werden sie durch negative
Motive geleitet: böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl,
falsche Aussagen, Verleumdungen. Matthäus 15, 19.
Wenn wir an einer Ebene etwas machen können, das Wirkung zeigt, dann
ist es die dritte Ebene, also an der Wurzel. Die erste Ebene können wir
oft nicht beeinflussen. Wollen wir die 2. Ebene beeinflussen, dann müssen
wir uns mit den Wurzeln beschäftigen. Wenn die Wurzel gut ist, dann wird
der Baum wunderbare Früchte hervorbringen. Wenn die Wurzeln schlecht
sind, dann werden sich die Früchte nicht besonders gut entwickeln.
Es gibt zwei Arten von Wurzeln, denen wir heute unsere Aufmerksamkeit
schenken wollen. Es sind zum einen unsere Motive zum anderen unsere
Leitsätze.
Bibelstellen zum nachschlagen: Matthäus 12, 33; Matthäus 15, 18-19;
Matthäus 23, 27; Hebräer 12, 15
## II. Wie die Wurzeln behandelt werden
…indem ich die Motive ändere (Evangelisation)
Leider sind die Motive in unseren Herzen nicht gut. Nicht, dass wir
nicht wüssten, was gut wäre, doch können wir oft nicht das Leben, was wir
eigentlich möchten. Unser Herz macht sich immer wieder mit diesen
negativen Auswirkungen bemerkbar. Wir bemühen uns sogar und wollen etwas
ändern, aber trotzdem, es klappt nicht:
Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht,
Diebstahl, falsche Aussagen, Verleumdungen. Matthäus 15, 19.
Seit dem Sündenfall sind wir Menschen falsch programmiert. Die Sünde
bestimmt unsere Reaktionen mehr, als uns lieb ist. Gott weiss, dass mit
unseren Motiven etwas nicht stimmt. Er sagte:
Alles, was aus dem Herzen der Menschen kommt, ihr ganzes Denken und
Planen, ist nun einmal böse von Jugend auf. (1. Mose 8, 21) Paulus beschrieb dieses Dilemma folgendermassen:
Wir wissen genau: In uns selbst, so wie wir der Sünde ausgeliefert
sind, lebt nicht die Kraft zum Guten. Wir bringen es zwar fertig, uns
das Gute vorzunehmen; aber wir sind zu schwach, es auszuführen. (Römer
7, 18)
Diese Programmierung sitzt so tief, dass wir sie aus eigener Kraft
nicht ändern können. Wenn wir eine grundlegende Veränderung wollen, dann
geht das nur, wenn uns Gott hilft und das bietet er uns an. Er macht bei
uns eine Wurzelbehandlung wie seinerzeit der Zahnarzt bei mir. Im AT
kündigte er das an:
Ich werde ihnen ein neues Herz und einen neuen Geist geben. Ich nehme
das versteinerte Herz aus ihrer Brust und schenke ihnen ein Herz, das
lebt. (Hesekiel 11, 19) Es ist eine Herztransplantation, die Gott selbst vornimmt. Dazu braucht
er aber unsere Einwilligung, wie bei einer Operation. Das geschieht durch
ein einfaches Gebet. Nun bekommt das Leben eine ganz neue Dimension.
Damit das möglich wurde, ist Jesus am Kreuz gestorben. Sein Sterben
macht es möglich, dass wir neue Menschen werden.
Wegen unserer Schuld wurde er gequält und wegen unseres Ungehorsams
geschlagen. Die Strafe für unsere Schuld traf ihn, und wir sind
gerettet. Er wurde verwundet, und wir sind heil geworden. (Jesaja 53,
5)
Es entsteht ein ganz neues Lebensgefühl.
Wenn also ein Mensch zu Christus gehört, ist er schon »neue Schöpfung«.
Was er früher war, ist vorbei; etwas ganz Neues hat begonnen. (2.
Korinther 5, 17)
Das ist die fundamentalste Wurzelbehandlung, die nötig ist. Sie ist
auch 100%ig erfolgreich. Wenn diese Behandlung unterlassen wird, dann
werden wir schlussendlich durch äusserliche Anstrengungen, unseren
inneren Menschen verstecken, aber nicht verändern.
Mit ca. 19 Jahren erlebte ich diese Behandlung…
Bibelstellen zum nachschlagen: 1. Mose 8,21; Hesekiel 11, 19; Jesaja
53, 5; 2. Korinther 5, 17; Römer 7, 18
…indem ich lebe, was ich bin (Heiligung)
Wer nun diese fundamentale Wurzelbehandlung oder eben, diese
Herztransplantation bekommen hat, der steht auf einem ganz neuen
Fundament. Das Leben kann jetzt ganz neu gestaltet werden. Paulus sagte:
Wenn also ein Mensch zu Christus gehört, ist er schon »neue Schöpfung«.
Was er früher war, ist vorbei; etwas ganz Neues hat begonnen. (2.
Korinther 5, 17)
Jetzt geht es darum, dass wir lernen als neue Menschen zu leben. Sonst
geht es uns wie jenem sparsamen Mann.
Er hatte nicht viel Geld. Doch die Reise mit dem Schiff, um nach Hause
zu fahren war teuer, darum wollte er 'nur' die Überfahrt bezahlen. Mit
dem Essen, so dachte er, würde er sich schon helfen. Einige Tage
verpflegte er sich mit Broten und Früchten, die er mitgenommen hatte. In
den ersten Tagen ging es auch sehr gut. Eines Tages aber zog der lockende
Geruch leckeren Bratens durch die offene Küchentür gerade in seine Nase
hinein. Sein Magen fing an zu knurren. Er bekam gewaltigen Appetit auf
eine warme Mahlzeit. Endlich hielt er es nicht mehr aus und fragte einen
der Mitreisenden, was es wohl kosten würde, einmal mitzuessen. Der
schaute ihn ganz erstaunt an und bat ihn, ihm doch einmal seinen
Fahrschein zu zeigen. Darauf stand deutlich: 'Überfahrt mit voller
Verpflegung!' Es wurden nämlich überhaupt nur Fahrscheine mit Verpflegung
verkauft. Er hätte also jeden Tag die leckersten Speisen essen und
genießen können, stattdessen hatte er gefastet! Wie töricht war er
gewesen, dass er nicht genau hingesehen hatte! Wirklich ein armer Kerl!
So können wir leben, wenn wir gar nicht richtig verstehen, was es
bedeutet, dass Gott uns verändert hat. Deshalb müssen wir an dem
festhalten, was Gott zusagt. Paulus fordert uns auf:
Geht von der Tatsache aus, dass ihr für die Sünde tot seid, aber in
Jesus Christus für Gott lebt.
Römer 6, 11.
Von Luther wird folgende Anekdote erzählt:
Der Teufel habe sich in Wittenberg vor dem Hause Martin Luthers (1483-
1546) aufgebaut und drohend zum Fenster, aus dem der Reformator gerade
herausschaute, emporgerufen: »Wohnt der Doktor Luther hier?« Darauf kam
aus Luthers Mund die Antwort: »Nein, der ist schon lange tot; hier wohnt
jetzt der Herr Jesus Christus.« Was blieb dem Teufel übrig, als
erschrocken den Schwanz einzuziehen und sich davonzumachen? (Siegfried
Kettling)
Wir müssen lernen, das zu leben, was wir wirklich sind. Das ist der
Prozess, den die Bibel auch Heiligung nennt. Gott geht gar nicht davon
aus, dass wir, nach der Transplantation perfekte Menschen sind, die keine
Fehler mehr machen. Wir sind aber Menschen, die achtsam sind. Menschen,
die in einem Veränderungsprozess stehen. Wir lassen uns verändern, durch
Gottes Wirken in unserem Leben, wie Paulus schreibt:
Lasst euch in eurem Denken erneuern durch den Geist, der euch geschenkt
ist. (Epheser 4, 23) Zieht den neuen Menschen an, den Gott nach seinem
Bild geschaffen hat und der gerecht und heilig lebt aus der Wahrheit
Gottes, an der nichts trügerisch ist.
(Epheser 4, 24)
Mit Gottes Kraft können wir die Wurzeln gesund erhalten. Wir sollten
Zugschristen sein, nicht Autochristen.
Ein Auto wird voll getankt und fährt autonom, solange der Kraftstoff
reicht. Wenn er aufgebraucht ist, muss man von neuem tanken. Anders
dagegen verhält es sich beim Zug. Über den Schienen verlaufen die
Stromleitungen, und solange der Zug auf den Schienen fährt und der
Kontakt mit der Leitung in Ordnung ist, hat er Kraft.
Bibelstellen zum nachschlagen: Psalm 139, 23-24; Matthäus 6, 21; Römer
5, 5; Römer 6, 1-14; Epheser 4, 23-24; Jakobus 3, 13-18
…indem ich meine Leitsätze der Wirklichkeit anpasse
Nebst den Motiven, gibt es Leitsätze, die unsere Leben bestimmen. Die
können ganz verschieden sein, je nachdem, wie wir aufgewachsen sind und
was unser Leben geprägt hat. Leitsätze sind Überzeugungen, die wir über
uns und über unsere Umgebung haben.
Solche Leitsätze können folgendermassen aussehen:
Ich bin reich und kann mir alles leisten. oder
Ich bin dick, deshalb nehmen mich die Leute nicht ernst.
Eine Frau, die etwas schwergewichtiger war berichtete:
Ich wollte abnehmen und meldete mich in einem Fitness-Studio an.
Allerdings fürchtete ich, unter all den durchtrainierten schlanken
Menschen, die schon länger dabei waren, mit meiner Körperfülle unangenehm
aufzufallen. Deshalb suchte ich mir ein Trainingsgerät in der hintersten
Ecke aus. Trotzdem bestätigten sich meine Befürchtungen: Mindestens ein
Dutzend Leute blickten immer wieder zu mir herüber. Eine Frau setzte
sogar extra ihre Brille auf, wahrscheinlich, um es besser sehen zu
können. Jetzt reichte es mir. Ärgerlich stieg ich von dem Gerät ab und
wollte gehen. Doch als ich mich nochmals umdrehte, bemerkte ich etwas: An
der Wand direkt über meiner Wirkungsstätte hing die einzige Uhr im
Studio. Susan Lehner, USA, Das Beste, 12.04, S. 27
Ihr Leitsatz war: Ich bin mollig, deshalb nehmen sie Anstoss und die
Leute belustigen sich an mir. Diese Leitsätze werden zu selbsterfüllenden
Prophetien!
Leitsätze können weiter sein:
Niemand mag mich. oder
Ich bin nichts und ich kann nichts. oder
Ich bin gut und verdiene es auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen.
oder
Ich bin nicht schön oder ich bin schön.
Gott kann einen wie mich nicht lieben
Usw.
Diese Leitsätze müssen auf ihre Richtigkeit überprüft werden. Oft sind
diese Sätze Lügen, die durch die Wahrheit ersetzt werden müssen.
Jakobus gibt in seinem Brief einen Rat für solche Leitsätze:
Wenn ein Bruder arm und unterdrückt ist, soll er sich damit rühmen,
dass er bei Gott hochangesehen ist. (Jakobus 1, 9) Wer dagegen reich und mächtig ist, soll sich bewusst sein, dass er Gott
damit keinen Eindruck machen kann; denn wie eine Blume auf der Wiese
wird er vergehen. (Jakobus 1, 10) Wenn die Sonne mit ihren sengenden Strahlen emporsteigt, verdorren die
Blätter, und die Blüte fällt ab; ihre ganze Schönheit ist dahin.
Genauso werden die Reichen zugrunde gehen, und mit all ihren
Unternehmungen hat es ein Ende. (Jakobus 1, 11) Ausführen…
Bibelstellen zum nachschlagen: Jakobus 1, 9-11; 1. Petrus 1, 3;
Philipper 4, 13
Schlussgedanke
Manche Probleme können nicht einfach wegorganisiert werden. Manchmal
braucht es eine Wurzelbehandlung. Wir müssen ganz tief in unserem Wesen
ansetzen und nicht äusserliche Korrekturen anpacken, das ist oft einfach
ein riesiger Krampf, der schlussendlich nichts bringen wird.
Wenn wir diese Wurzelbehandlungen zulassen und anpacken, werden nicht
einfach keine Probleme mehr haben, aber wir haben die besten
Voraussetzungen, dass wir mit Gottes Hilfe und Kraft vorwärts kommen.
Gott ist es wichtig, dass wir am Herzen ansetzen. Zu seinem Volk sagte er
einmal:
Zerreisst eure Herzen und nicht eure Kleider!« Ja, kehrt um zum HERRN,
eurem Gott! Ihr wisst doch: »Er ist voll Liebe und Erbarmen. Er hat
Geduld, seine Güte kennt keine Grenzen.« (Joel 2, 13)
Amen

