Generierte Mitschrift
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Die Gnade als Ausgangspunkt
Als Christen, die durch das Sterben von Jesus ein neues Leben bekommen haben, ist uns klar geworden: Die Sache mit Gott ist etwas, das wir uns nicht verdienen können. Das ist etwas, das wir uns schenken lassen müssen. Es hat mit unserer Leistung überhaupt nichts zu tun.
So sagt Paulus: Wenn jemand, ohne irgendwelche Leistungen vorweisen zu können, sein Vertrauen auf Gott setzt, wird sein Glaube ihm als Gerechtigkeit angerechnet. Denn er vertraut auf den, der uns trotz all unserer Gottlosigkeit für gerecht erklärt.
Paulus sagt also deutlich: Wir haben keine Leistung vorzuweisen. Und obwohl wir keine Leistung vorzuweisen haben, werden wir durch das Vertrauen auf Gott gerettet, wenn wir unser Vertrauen auf ihn setzen. Gott erachtet uns dann als gerecht. Das ist wirklich eine frohe Botschaft.
Und wenn du der Meinung bist, du müsstest zuerst eine gewisse Leistung, ein gewisses Niveau in deinem Leben erreichen, damit du vor Gott in Ordnung erscheinen kannst und ihm sagen kannst: Guck, ich habe das gemacht in meinem Leben, ich habe so vielen Armen geholfen, ich habe gebetet, ich habe in der Bibel gelesen, ich habe Gottesdienste besucht, dann ist man einem fatalen Irrtum verfallen. Denn Gott möchte einzig und allein, dass wir mit ihm in Beziehung leben. Und dass wir unser Leben ihm anvertrauen, ihm vertrauen, auf ihn leben. Alles andere kommt nachher automatisch oder fast automatisch.
Wer sich vor Gott und seinem Sohn beugt, wer sich zu Jesus hinwendet, der bekommt ewiges Leben. Und was Jesus einmal sagte, gilt heute noch, als er sagt: Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch plagt und von eurer Last fast erdrückt werdet, ich werde sie euch abnehmen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, sagt Jesus, denn ich bin gütig und von Herzen demütig. So werdet ihr Ruhe finden für eure Seele, denn mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht.
Eine wunderbare Einladung von Jesus an uns alle, und in besonderer Weise an die, die sie noch nicht angenommen haben.
Diese Vorstellung, die viele haben, wenn sie Christen werden, dann seien sie nachher arm dran, und dann sei das Leben nicht mehr lebenswert und alles sei langweilig, das sind alles Ammenmärchen. Es stimmt einfach nicht. Jesus macht ein Leben unwahrscheinlich reich und wertvoll.
Weil wir nun wissen, dass wir nicht durch eigene Werke gerettet werden, geht uns, die wir Jesus kennen, oft die Sicht und der Blick für die guten Werke verloren. Wir geben uns damit zufrieden und beschäftigen uns sehr stark damit, zu betonen, dass wir ja in Christus gerettet sind und dass überhaupt nichts mit unserem Tun zusammenhängt.
Und auf der anderen Seite vergessen wir dann gerne, dass das, was wir tun, trotzdem von hoher Bedeutung ist. Und so möchte ich heute ein bisschen über das Gute tun sprechen. Ich habe noch einen kleinen Hintergedanken, das merkt ihr dann. Ich möchte nämlich noch ein Konzept vorstellen, nach dem wir in unserer Gemeinde in diesem Bereich arbeiten möchten.
Wir werden zuerst sehen: Gutes tun als Ausdruck des Glaubens, als Zweites Gutes tun in der richtigen Reihenfolge und als Drittes Gutes tun als Evangelisations- und Verteidigungsstrategie.
Glaube, der sichtbar wird
Gutes tun – ein Ausdruck des Glaubens
Christen sollen Gutes tun. Das ist so selbstverständlich, wie wir atmen, essen und trinken. Das gehört zum Christsein einfach dazu.
„Jesus hat sein Leben für uns gegeben“, sagt Paulus dem Titus, „um uns von aller Schuld zu befreien und sich so ein reines Volk zu schaffen, das nur ihm gehört und alles daransetzt, das Gute zu tun.“ Das ist ein Grund, warum Jesus sich ein Volk gereinigt und zu sich genommen hat.
Einige Sätze weiter vertieft Paulus diesen Gedanken. Er sagt: „Diese Botschaft ist wahr und vertrauenswürdig. Ich erwarte, dass du mit Nachdruck für sie eintrittst und sie weitergibst. Du musst darauf hinwirken, dass alle, die zum Glauben an Gott gekommen sind, sich ernsthaft darum bemühen, das Gute zu tun. Das ist recht und bringt den Menschen Nutzen.“
Das ist ein Gedanke, der in unserem Denken als Christen oft in Gefahr steht, unterzugehen. Entweder haben wir die Tendenz, von einer Seite vom Pferd zu fallen. Wir bleiben selten gut im Sattel. Entweder sagen wir: Nur Evangelisation ist das Wichtigste, damit Menschen gerettet werden. Dann kippen wir von der einen Seite vom Pferd. Oder wir sagen: Nur Gutes tun und ja nichts sagen, die Leute sollen es an unserem Leben sehen. Beides ist falsch. Beides ist kein ausgewogener Weg des Glaubens.
Die guten Werke gehören dazu. Titus soll mit Nachdruck darauf hinwirken, dass die Christen sich bemühen, Gutes zu tun. Das ist recht und bringt den Menschen Nutzen.
Natürlich könnte man sagen, dass damit eigentlich gemeint ist, dass man nichts Böses tut. Also eher im moralischen Sinn: Es geht um den Lebensstil, um die Lebensführung, darum, dass ich niemanden betrüge und Ähnliches. So könnte man es sehen. Ich meine aber, dass es viel umfassender gemeint ist. Jakobus zeigt das an einem Beispiel auf, und das ist nachzulesen in 1. Jakobus 2,14. Er sagt dort, meinen Brüdern und Schwestern: Was hat es für einen Wert, wenn jemand behauptet: Ich vertraue Gott, ich habe Glauben, aber er hat keine guten Taten vorzuweisen?
Was sollen wir davon halten, wenn Leute sagen: Wir glauben an Gott, Jesus ist uns wichtig, aber sie haben keine guten Taten vorzuweisen? Ja, das ist für die einen vielleicht ein bisschen stressig, aber ich kann es nicht ändern. Es steht in der Bibel. Dann seid ihr halt gestresst, ich kann nichts dafür. Das ist wirklich ein biblischer Gedanke.
Und dann fragt Jakobus weiter: Kann der bloße Glaube retten? Nehmt einmal an, bei euch gibt es einen Bruder oder eine Schwester, die nichts anzuziehen haben und hungern müssen. Was nützt es ihnen, wenn dann jemand von euch sagt: Ich wünsche euch das Beste. Ich hoffe, dass ihr euch warm anziehen könnt und etwas essen könnt, aber er gibt ihnen nichts, was sie zum Leben brauchen?
Genauso ist es auch mit dem Glauben. Wenn er allein bleibt und aus ihm keine Taten hervorgehen, ist er tot. Dann ist es, etwas platt gesagt, frommes Geschwätz. Aber er hat mit dem, was Gott sich eigentlich vorgestellt hat, mit der Idee, mit der er uns erlöst hat, nicht besonders viel zu tun.
Glauben lebt wirklich, wenn er praktischen Ausdruck findet. Ansonsten wird er fruchtlos. So sagt Paulus dem Titus auch: Unsere Gemeinden müssen lernen, Gutes zu tun, wo es nötig ist. Sonst bringt ihr Glaube keine Frucht.
Die Ordnung der Fürsorge
Als zweites: Gutes tun in der richtigen Reihenfolge.
Im 2. Petrusbrief heißt es: Aus der Frömmigkeit wächst Liebe zu den Glaubensgeschwistern, aus der Liebe zu den Glaubensgeschwistern wächst Liebe zu allen Menschen. Das ist eine bestimmte Reihenfolge. Also: Aus der Liebe zu den Glaubensgeschwistern erwächst Liebe zu allen Menschen. Das heißt, am Schluss profitieren alle Menschen, aber die Christen werden bevorzugt.
Und jetzt könnte man sagen: Aber das ist ja unchristlich, dass man jemanden bevorzugt. Das ist ja nicht richtig, alle Menschen müssen doch gleich profitieren. Aber das ist nur auf den ersten Blick etwas komisch. Wenn wir genauer hinsehen, dann ist das eigentlich eine ganz normale Sache. In jeder einigermaßen normal funktionierenden Familie kommen immer zuerst die Familienmitglieder und dann die anderen.
Wir leben in unseren Beziehungen immer in einer gewissen hierarchischen Struktur. Und zwar nicht im Sinne von Unterdrückung, sondern im Sinne von Fürsorge. Unsere Fürsorge gilt immer zuerst unseren Nächsten. Das ist in der Familie so, und das soll auch in der Gemeinde so sein. Die Fürsorge soll zuerst einmal unseren Nächsten zuteilwerden, und das sind die Glaubensgeschwister.
Es kann ja nicht sein, das habt ihr vielleicht auch schon gehört, dass dann Leute sich sehr stark um die Probleme anderer Menschen kümmern, aber in der Familie herrscht das Riesenchaos. Und was sagt man dann so im Volksmund? Der soll bitte zuerst vor seiner eigenen Tür wischen. Also rein intuitiv finden wir das nicht in Ordnung. Wenn jemand nach außen weiß ich nicht, was für wunderbare Taten vollbringt, aber innen kracht es und die eigenen Leute, für die wir sorgen sollten, werden vernachlässigt.
Und so ist das auch bei den Christen. Wir können nicht große Hilfsaktionen starten und dabei für die Geschwister, die uns am nächsten stehen, auch rein geografisch, einfach nicht sorgen und so tun, als würden sie nicht existieren. Paulus sagt den Galatern: Solange wir also noch Zeit haben, wollen wir allen Menschen Gutes tun, besonders denen, die mit uns durch den Glauben verbunden sind, also besonders denen.
Dann sollen alle Menschen davon profitieren. Das ist ja das Besondere: dass der christliche Glaube darauf ausgerichtet ist, dass alle Menschen davon profitieren, nicht nur die Christen. Die Christen sind einfach der Brückenkopf zur Welt, an denen man die Güte Gottes sehen kann, in dem, was sie leben, in dem, was sie tun.
Es ist nun ganz wichtig, dass eine Gemeinde das auslebt. Diese guten Werke, das Gute zu tun, auch in den eigenen Reihen. Wir haben seit Jahren in unserer Gemeinde einen Besuchsdienst. Das heißt: Normalerweise werden unsere Geschwister, die über Jahre in unserer Gemeinde ein und ausgingen, die mitgeholfen und mitgearbeitet haben und jetzt aus Altersgründen, aus Krankheitsgründen einfach nicht mehr die Gemeinde besuchen können, weiter von uns betreut, auch wenn sie nie mehr hier in diesen Raum kommen können und einen Gottesdienst besuchen.
Das ist etwas, was mich in dieser Gemeinde am meisten beeindruckt hatte, als ich hier als Prediger begonnen habe. Das hat mich wirklich sehr beeindruckt und beeindruckt mich immer noch.
Gemeinde als geteilte Verantwortung
Also, das heißt, es ist wichtig, dass eine Gemeinde, auch eine Freikirche, dafür sorgt, dass für ihre Glieder gesorgt ist. Es ist natürlich nicht so gemeint, dass man in die Gemeinde kommt und einfach immer profitiert. Wir wollen nicht eine Gemeinde sein, bei der man einfach Predigten abholt. Dreißig Jahre holt man die Predigten ab, rührt nie einen Finger für die Mitarbeit, nie. Da zeigen wir uns, ich behilf jemand anderem. Und dann, wenn man dann nicht mehr kann, dann erwartet man, dass dann praktisch die großen Hilfeleistungen kommen. Das ist auch ein bisschen eine Illusion.
Was die Schrift uns lehrt, ist, dass jeder Christ Gutes tun soll. Und sie lehrt uns nicht, dass die anderen alle an mir Gutes tun sollen und ich dann der große Profiteur bin und das genieße. Das heißt, dass wir alle miteinander anpacken. Gemeinde heißt, Gemeinschaft leben. Und Gemeinschaft leben, lassen Sie mich das mal ganz konkret sagen: Gemeinschaft leben kann auch anstrengend sein. Es hat schöne Seiten, es hat auch schwierige Seiten.
Nun möchte ich erklären, wie wir das an diesem Punkt sehen. Ich denke, es gäbe noch viel mehr Sachen, die wir dann aufbauen können, aber das möchten wir jetzt ein bisschen umstellen: einen Besuchsdienst. Das heißt, heute sieht das so aus, dass wir hier eine Bezugsperson haben, die sich um ein Gemeindeglied kümmert. In der Regel ist es nicht so extrem, wie es hier jetzt ist, aber in der Regel ist es doch so, dass an dieser Begleitperson oder Besuchsperson sehr, sehr viel hängt.
Das heißt, er macht Besuche, er begleitet die Leute zum Arzt, bis hin, dass man Kleider bügelt. Ich weiß nicht, wie man das auf Deutsch sagt. Seelsorge, Mithilfe bei Umzügen, Sterbebegleitung usw. Und wenn man das sieht und dann die Leute fragt, da könntest du jemanden begleiten und regelmäßig besuchen usw., dann sehen sich oft Leute gar nicht in der Lage, weil sie sich in diesem Bereich überfordert sehen.
Nun möchten wir das ein bisschen umkrempeln, weil natürlich auch Geschwister, die in diesem Dienst stehen, auch sehr stark gefordert sind. Nun, wir möchten eigentlich in Zukunft diese Hauptperson behalten, eine Hauptbezugsperson, die eigentlich dann die Übersicht hat über die Situation, in der dann der betreffende Mensch steht, unser Gemeindeglied. Und dann aber möchten wir, dass wir ganz viele Hilfsdienste haben, die dann dieser Person zur Verfügung stehen.
Das heißt, wenn jetzt jemand sieht: Da muss jemand zum Arzt, den ich jetzt betreue, hier die Hauptperson, dann weiß sie: Ah, hier haben wir einen Hilfsdienst, das ist jemand, der hat gesagt, ich würde das schon mal machen, jemanden holen und zum Arzt bringen. Dem kann ich anrufen. Oder wenn es um die Steuererklärung geht, wenn jetzt jemand sagt, ich komme mit den Steuern nicht mehr zurecht, dass nicht diese Bezugsperson die Steuerrechnung auch noch ausfüllen muss, sondern sagen kann: Du, wir haben jemanden in der Gemeinde, der versteht das, der kommt einmal vorbei.
Was dabei noch ein sehr schöner Nebeneffekt ist, ist, dass die Geschwister, die von uns betreut werden, ein viel breiteres Spektrum von uns als Gemeinde mitbekommen. Es ist nicht einfach ein oder zwei Personen, die sie noch kennen, sondern das Bild wird breiter. Vielleicht kennen sie dann fünf, zehn Personen, die noch in der Gemeinde sind.
Da gibt es ganz verschiedene Jobs. Wir haben sie natürlich nicht vollständig aufgeführt, das ist auch immer situationsbedingt. Da kann zum Beispiel jemand sagen: Ich möchte einfach Besuche machen, ich möchte mich hinsetzen und mit dem ein paar Worte wechseln, vielleicht einen kleinen Spaziergang. Und jemand anders sagt: Das ist für mich eine Katastrophe. Wenn ich nur schon daran denke, dass ich mich mit jemandem hinsetzen sollte und eine halbe Stunde plaudern, das ist für mich eine Horrorvorstellung. Aber der würde vielleicht sagen: Was ich ganz gerne machen würde, ist, wenn mal so jemand ins Altersheim umzieht, da würde ich gerne Hand anlegen, da würde ich gerne zupacken und mithelfen in der Seelsorge usw.
Es gibt ganz verschiedene Jobs, die eigentlich zu erledigen sind, und im Grunde genommen sollten dann diese Bezugspersonen in unserer Gemeinde wie ein Adressbuch haben von Leuten, die sich für bestimmte Aufgaben punktuell zur Verfügung stellen. Oder dass jemand sagt: Ich gehe mit diesem Mann alle zwei Wochen eine halbe Stunde spazieren. Dann kann ich meinen Job machen, und das mache ich alle zwei Wochen. Dann weiß ich, für die anderen Dinge sorgen andere. Oder wenn mir dann etwas auffällt, kann ich die Bezugsperson anrufen und sagen: Du, mir ist aufgefallen, ich habe den Eindruck, es geht ihm nicht mehr so gut, was könnten wir tun? Und dann kann die Bezugsperson mit dieser Information weiter überlegen, was zu tun ist.
Das ist so ein bisschen die Vorstellung, die wir haben, um dem auch nachzukommen, Gutes zu tun, besonders auch in den eigenen Reihen. Und wir wollen diese Begleitung, zum Teil bringt man auch das Abendmahl dann, feiert man das Abendmahl bei diesen Geschwistern zu Hause in der Wohnung oder im Altersheim, im Zimmer und so weiter. Einfach, dass das auf mehr Schultern verteilt wird.
Und es wäre schön, wenn der eine oder andere denkt: Ja, das ist super, da könnte ich etwas machen, ich könnte bei Steuern helfen, ich könnte beim Umzug helfen, ich könnte auch bei Arztbesuchen usw. Und dann kann man ja immer noch im konkreten Fall das absprechen. Da wird man dann ja angefragt, und dann kann man da das Miteinander vereinbaren, wie man das machen möchte.
Das mal kurz. Wir werden dieses Modell weiter natürlich dann vorstellen und werden sehen, wie wir das auch umsetzen können. Aber nur, dass ihr das mal etwas vor Augen habt, eine Vorstellung, mit was wir uns beschäftigen, und dass ihr auch wisst, dass wenn Geschwister bei uns wirklich integriert sind und sie nicht mehr in den Gottesdienst kommen, dann sind sie nicht einfach abgeschrieben. Sondern wir möchten als Gemeinde diese Verantwortung übernehmen.
Und ich möchte all den Geschwistern danken, die auch hier drinsitzen und das tun, einen stillen Dienst. Viele haben vielleicht gar nicht gewusst, dass das im Hintergrund sich auch alles noch abspielt und hier gemacht wird. So viel einmal zu diesem Modell.
Gutes Handeln als Zeugnis und Schutz
Und als Drittes noch ein Gedanke, um das zu vervollständigen: Gutes zu tun, Gutes tun, ist auch eine Evangelisations- und Verteidigungsstrategie.
Zuerst einmal die Evangelisationsstrategie. Wir neigen eben dazu, in diese zwei Extreme zu fallen: dass wir alles auf Evangelisation setzen, also verkündigen, verkündigen, immer das Evangelium, und dann die praktischen Dienste, von denen Menschen profitieren, als etwas Niedrigeres, als nicht so Bedeutendes ansehen. Oder eben das ganz andere Extrem, das ich schon erwähnt habe, dass wir sagen: Die Hauptsache ist, wir tun Gutes, und wir sprechen nur vom Evangelium, wenn uns jemand darauf anspricht.
Da kann ich euch eigentlich sagen: Die wenigsten von uns schaffen es, so gut zu leben, dass sie dauernd auf ihren Glauben angesprochen werden. Das ist eine meiner Begründungen, warum ich doch ab und zu etwas von Jesus erzählen muss. Weil ich selber nicht so gut bin, dass mich dauernd Leute ansprechen: Warum machst du das? Und warum machst du das? Und ich kann immer sagen: Weisst du, ich glaube an Jesus, darum mache ich das.
Also, es braucht beides. Aber was faszinierend ist, ist, was Petrus hier in diesem Zusammenhang sagt. Er sagt: Euer Leben mitten unter den Menschen, die Gott nicht kennen, muss einwandfrei sein. Wenn sie euch alles Mögliche Böse nachsagen, sollen sie eure guten Taten sehen und von ihren eigenen Augen eines Besseren belehrt werden. Vielleicht kommen sie dann zur Besinnung und preisen Gott für die Rettung am Tag seines Gerichts.
Müsst ihr noch einmal lesen, es ist eine interessante Aussage. Das heisst: Wenn euch Menschen beschimpfen, ihr Frömmler, ihr Stündler und weiss ich was ihr alles seid, und beten, weiss ich was, dann sollen ihnen die guten Werke, die sie sehen, die wir tun, vor Augen führen, dass das, was wir glauben, vielleicht doch mehr Hand und Fuss hat, als sie meinen. Und dass sie eventuell sogar zur Besinnung kommen und Christ werden. Das ist der Gedanke, dass sie am Schluss Gott preisen für ihre Rettung.
Ich hoffe, und ich hoffe das im Ernst, und das ist ein Stück weit eigentlich auch so eine Leidenschaft von mir, die ich noch nicht ausleben kann. Ich habe auch mal in der Randgruppenarbeit einige Jahre gearbeitet. Ich hoffe, dass wir als Gemeinde dahin kommen, dass wir Menschen helfen können, auch ausserhalb unserer Gemeinde. Weiss ich was, es gibt viele Nöte.
Ich kenne Gemeinden, die helfen Leuten, die zu wenig Geld haben, die trotzdem zu wenig zum Leben haben. Sie sammeln jeden Sonntag Lebensmittel und verteilen diese Familien. Sie haben den ganzen Apparat aufgezogen. Das sind keine Christen, aber sie gehen an die Türe, klingeln und geben ihnen diese Lebensmittel.
Ich wünschte, und ich hoffe, ich sage nicht, dass wir das morgen machen können, aber wenn ihr mich nach einer Vision fragt, ist das in meinem Blick immer präsent: dass wir als Gemeinde nebst allen evangelistischen Anstrengungen auch einen ganz starken Zweig entwickeln können, wo wir Gutes tun als Gemeinde. Wo genau das geschieht, was hier Petrus sagt: dass Menschen auch an diesen Sachen vielleicht aufmerksam werden und aufatmen. Und was wir alles machen, überhaupt nichts anfangen können, aber sie können vielleicht aufmerksam werden, wenn sie unsere guten Taten sehen.
Und wir dürfen Menschen mit unseren guten Taten beeindrucken, nicht indem wir rumlaufen und sagen: „Hallo, habt ihr gesehen, so viel habe ich gespendet“, sondern indem wir das mit grösster Selbstverständlichkeit tun. Dann werden die Menschen es sehen.
Ich möchte mal fragen: Die Heilsarmee. Kaum einer kennt die Theologie der Heilsarmee. Aber die Heilsarmee hat so einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft, eine Anerkennung. Obwohl sie den Kriegsruf verteilen und in den Restaurants singen und belächelt werden, werden sie hoch geachtet, weil die Menschen ihre guten Taten sehen, unabhängig von der Theologie. Die wenigsten wissen, was sie lehren.
Ich denke, das ist etwas, was wir entdecken müssen. Und wo es auch wichtig ist, dass wir das als Gemeinde nicht aus dem Blick verlieren.
Und dann sind gute Werke auch eine Verteidigungsmethode. Hier sagt das Petrus, er sagt das an eine verfolgte Gemeinde: Denn Gott will, dass sie durch eure guten Taten alle zum Schweigen bringt, die aus Dummheit und Unwissenheit gegen euch reden. Ich glaube, Luther übersetzt sogar, dass sie ihnen das Maul stopft. Das macht es etwas urtiger.
Das heisst: Mit guten Taten können wir den Menschen das Maul stopfen. Wenn sie aus Dummheit und Unwissenheit gegen uns sprechen, so sprechen unsere guten Taten für uns und gegen sie. Wir könnten uns aufregen und sagen: Ja, die sprechen gegen uns, und jetzt schreiben wir aber nicht gegen Leserbriefe. Aber ich sage ein bisschen extrem: Jetzt schreiben wir Leserbriefe, jetzt schalten wir einen Rechtsanwalt ein, jetzt prozessieren wir gegen die, die so gegen uns reden und uns verleumden. Alles schade um jede Zeit. Unser Auftrag ist, Gutes zu tun. So sollen wir ihnen das Maul stopfen, nicht mit Rechtsanwälten.
Und dann sollen sie selber, selber sollen sie perplex darüber sein, darüber erschrecken, wie dumm sie eigentlich sind. Es ist interessant, was für einen hohen Stellenwert die guten Werke haben.
Dann sagt er: Jetzt weiss ich gar nicht, ob er, Entschuldigung, jetzt habe ich etwas falsch geschalten, oder nicht? Also auf jeden Fall, egal was jetzt: Vergiss nicht, Gutes zu tun, mit anderem zu teilen, ja genau, das ist dann ganz am Schluss. Entschuldigung, hast du noch einmal zurückgeschaut? Ja, ich habe es lang, ich muss tauschen, so.
Und jetzt sagt der Petrus noch: Wenn das nicht klappt, wenn Gott es aber anders beschlossen hat und es auf sie keinen Eindruck macht, ist es auf jeden Fall besser, für gute Taten zu leiden, als für schlechte. Das heisst also, er sagt: Wenn das nicht funktioniert, wenn ihr ihnen das Maul nicht stopfen könnt, wenn sie sich nicht beeindrucken lassen, dann ist es immerhin besser, wenn ihr wegen guten Taten verleumdet werdet als wegen schlechten. Dann macht ihr auch nichts daraus.
Also: Gute Werke, gute Taten sind eine Evangelisations- und eine Verteidigungsstrategie.
Zusammenfassung und Ausblick
Ich fasse zusammen: Gutes tun ist ein Ausdruck des christlichen Glaubens. Viele, viele Hilfswerke auf der ganzen Welt sind durch Menschen entstanden, die Jesus kennen. Und auch viele Werke, die heute nichts mehr oder nicht mehr viel mit dem christlichen Glauben zu tun haben, haben oft ihren Ursprung in Menschen, die Jesus nachfolgen. Die Werke sind dann gewachsen, wurden übernommen oder säkularisiert, wie man das sagt. Aber der Ursprung liegt eigentlich im christlichen Gedankengut.
Es ist eine Selbstverständlichkeit: Gutes tun sollen wir auch in der richtigen Reihenfolge. Wir können nicht die eigenen Geschwister oder die eigenen Familienmitglieder verwahrlosen lassen und außen herum, weiß ich wie, uns als die Helden zeigen, die immer Gutes tun. Zuerst die eigenen und dann die anderen, dann sind wir auch effizienter.
Und Gutes tun ist eine Evangelisations- und Verteidigungsstrategie. Gottes Segen ist uns zugesagt, wenn wir den Menschen helfen. Paulus schreibt sogar, dass Gott die Macht hat, euch so reich zu beschenken, dass ihr nicht nur jederzeit genug habt für euch selbst, sondern auch noch anderen reichlich Gutes tun könnt. Also Gott wird segnen, da bin ich überzeugt: Wenn wir Gutes tun, dann wird Gott selber sich darum kümmern, dass wir so einen Überfluss haben, dass wir das Gute auch wirklich tun können. Gott wird uns reich beschenken. Er hat die Macht, euch so reich zu beschenken, dass ihr nicht nur jederzeit genug habt für euch selbst, sondern auch noch anderen reichlich Gutes tun könnt.
Also behalten wir das in unseren Gedanken wach. Vergesst nicht, Gutes zu tun und mit anderen zu teilen; das sind die Opfer, an denen Gott Gefallen hat. Wollen wir im Hinterkopf behalten, bei allen Anstrengungen, die wir auch als Gemeinde unternehmen, um Menschen mit dem Evangelium zu erreichen, dass wir auch sehen, dass der Aspekt der guten Werke, der guten Taten, ein starker Ausdruck des christlichen Glaubens ist, der auch für uns als Gemeinde wichtig ist. Dass wir das im Auge behalten. Gott wird das segnen.
Ich bete mit uns.
Ich möchte dir danken, Vater, dass du gnädig und barmherzig und gütig bist und dass du möchtest, dass wir diese Barmherzigkeit und Güte auch als deine Kinder ausleben, auch im Alltag. Mögest du das schenken, dass wir als Menschen leben, die Gutes tun, und an denen man ablesen kann, dass wir menschenfreundlich sind und dass sie dann vielleicht sogar erkennen können, dass du eigentlich der Gott bist, der hinter all dem steht. Herr, hilf uns auch als Gemeinde, einen guten Weg zu finden, dass wir ein gesundes Maß an Evangelisation und an guten Taten, guten Werken, haben. Amen!
Übrigens kann auch ein gutes Werk sein, dass ich meinem Schulnachbarn im Klassenzimmer behilflich bin, wenn er Hilfe braucht. Das fängt so klein an, dass ich meinem Nachbarn mal irgendetwas schnell hochtrage. Und ich denke, er soll dasselbe, er geht mich das an. Wir können mit kleinen, das müssen wir nicht Werke bauen, wir können mit kleinen Handreichungen den Menschen zeigen, dass wir Gutes tun, dass wir ihnen gutgesinnt sind. Wollen wir das doch praktizieren?

