Das vierte Treffen oder wie man neu geboren wird. Johannes 3
Johannes 305.03.2006
Serie•Teil 4 / 8Das Johannes-Evangelium lesen
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Eine Geschichte über fehlende Alternativen
Also, es gibt eine ausgedachte Geschichte, die ich eigentlich ganz nett finde. Wie gesagt, sie ist nur ausgedacht. Und wenn ihr sie theologisch ein bisschen bedenklich findet, sagt es mir danach. Ich finde sie trotzdem nett.
Jesus kehrt nach seinem Tod und nach seiner Auferstehung also wieder in den Himmel zurück. Und es sammelt sich natürlich sofort eine Schar begeisterter Engel um ihn, die versuchen, so mal die Wundmale anzufassen und bei dem Gedanken, was da passiert ist, innerlich erschaudern.
Und dann, während alle so um ihn herumstehen, fängt der Erzengel Gabriel an zu reden und fragt: Du, Herr, du hast furchtbar gelitten. Verstehen die Leute auf der Erde eigentlich, was du getan hast? Schätzen sie dein Opfer?
Und Jesus wird sagen: Nein, noch nicht. In diesem Moment gibt es ein paar Handvoll Leute in Palästina, die ungefähr wissen, was passiert ist, mehr noch nicht.
Was wirst du tun, damit die anderen Menschen davon erfahren, was da passiert ist, dass du für sie gestorben bist?
Jesus antwortet: Ich habe Petrus und Jakobus und die anderen damit beauftragt, es weiterzuerzählen. Sie sollen in ihrem Umkreis anfangen, es anderen weiterzuerzählen. Und die werden es wieder anderen weitererzählen. Und die werden es wieder anderen weitererzählen. Und so wird die Botschaft allmählich bis an die Enden der Erde gehen.
In diesem Moment wird Gabriel ein bisschen still und schüttelt leicht den Kopf, denn er kennt Petrus, er kennt Jakobus. Er kennt überhaupt die Menschen und weiß, wie sie sind. Und nach einer Weile fragt er: Hast du noch einen Plan B?
Und Jesus sagt: Nein, ich habe keinen Plan B. Es gibt dazu keine Alternative bis heute. Gottes Gedanke, die Welt zu erreichen. Es gibt für dich keinen Ersatz. Es gibt in Gottes Gedanken keine Alternative. Er verlässt sich darauf, dass wir die Menschen mit dem Evangelium erreichen.
Und deswegen wollen wir auch heute weitermachen in unserer Reihe über das Johannesevangelium. In der Predigtreihe über das Thema: Wie lese ich mit meinem Freund, mit meiner Freundin, wie lese ich das Johannesevangelium, so dass sie am Ende verstehen, was es heißt, gläubig zu sein? Und der Titel der Predigt lautet: Das vierte Treffen oder Wie man von neuem geboren wird.
Am Anfang gebe ich euch immer einen Tipp, und das ist dann auch Tipp vier schon. Und dieser Tipp heute lautet: Hüte dich davor, über andere Religionen oder Kirchen schlecht zu reden.
Als Christen sind wir zuerst einmal nicht gegen etwas, sondern für etwas. Wir sind nämlich für Jesus. Das heißt: Wenn man im Gespräch ist mit jemandem, der kritisch dem Glauben gegenübersteht, kritisch den Religionen gegenübersteht, und der uns dann die Frage stellt, was hält er denn von dieser oder jener Kirche, dann kann oder muss man vielleicht manchmal schon etwas sagen.
Aber ich möchte euch bitten, dabei extrem vorsichtig zu sein und extrem fair zu sein. Und ich habe es mir persönlich ein Stück weit zur Angewohnheit gemacht, wenn mich jemand fragt: Ja, wie stehst du zu dieser oder jener Kirche? Ja, jeder hat ja seine persönlichen religiösen Feindbilder. Und dann kommt ja ganz schnell die Frage: Wie stehst du zu denen?
Ich habe es mir persönlich zur Angewohnheit gemacht, dann ungefähr Folgendes zu sagen: Weißt du, ich kenne wirklich viele Christen, und ich kenne auch relativ viele religiöse Gemeinschaften irgendwie so ein bisschen. Und ich habe festgestellt, dass ich in den meisten christlichen Kirchen, die mir so über den Weg gelaufen sind, irgendwie Gläubige finde und Ungläubige. Und mit den Gläubigen, das sind die, die an Jesus Christus glauben, die Jesus Christus lieb haben, mit denen fühle ich mich verbunden. Das ist meine Antwort.
Ich lasse mich im Allgemeinen nicht darauf ein, Kirchen schlecht zu machen. Ich denke, dass auch Paulus das nicht getan hat, da im Aufstand in Ephesus, wo seine Mitarbeiter dann vor die Volksversammlung geführt werden. Da kann der Verteidiger sagen: Sie haben nie schlecht über unsere Göttin geredet. Und glaub mir, das, was da in Ephesus ging, hätte Anlass gegeben, an vielen Stellen schlecht darüber zu reden. Sie haben es nicht getan.
Und für mich ist das ein Hinweis dafür, dass wir, wenn wir in so eine Situation hineinkommen, wo wir etwas werten müssen, schön vorsichtig sein sollen, schön mindestens fair bleiben sollen, aber besser noch sagen: Weißt du, ich bin für Jesus. Ich erkläre dir, was Jesus gesagt hat, was Jesus getan hat, wer Jesus ist.
Und seid sicher: Eure Freunde sind klug genug, den Unterschied zu erkennen. Die haben ja ihre Erfahrungen gemacht, und jetzt geht es nicht darum, sie in ihren Erfahrungen zu bestärken, die sie eh schon haben, sondern es geht darum, ihnen Jesus vor Augen zu malen, ihnen Jesus zu zeigen.
Und deswegen der Tipp vier: Hüte dich davor, andere Religionen und Kirchen schlecht zu machen. Sei einfach für Jesus. Damit hast du wirklich genug zu tun.
Der Einstieg in das Thema der Neugeburt
Aber heute Johannes Kapitel 3. Was ist unser Thema, wenn wir über Johannes Kapitel 3 lesen? Na ja, das Thema fällt einem förmlich ins Auge. Da kann man ja fast nichts anderes darüber predigen als: Wie wird jemand von neuem geboren? Irgendwie kreist dieses Thema im Großen und Ganzen um die Wiedergeburt. Und darüber werde ich heute natürlich auch etwas sagen.
Johannes Evangelium Kapitel 1, die Verse 12 und 13, lese ich noch einmal vor. Dort heißt es über den Herrn Jesus: So viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben; die nicht aus dem Blut, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
Der Gedanke, dass wir im Leben eines Menschen eine Wiedergeburt, einen absolut radikalen Neuanfang brauchen, findet sich also schon ganz am Anfang. Und wie ihr euch vorstellen könnt: Ich habe gesagt, die ersten Verse sind wie eine Ouvertüre. Viele Themen werden schon einmal angerissen, man hört manches schon einmal, aber es wird noch nicht vertieft. So kommt natürlich jetzt irgendwann im Johannes-Evangelium auch das Thema Wiedergeburt wieder an die Oberfläche, und zwar richtig deutlich. Sagen wir jetzt schon einmal ganz genau hin, worum es eigentlich geht. Und das passiert eben hier in Kapitel 3.
Ich möchte drei Überschriften bringen. Die Überschriften sind erstens: Wiedergeburt kommt von Gott. Zweitens: Wiedergeburt kommt durch Glauben. Und drittens: Wiedergeburt kommt durch Glaubensgehorsam. Das werden meine drei großen Überschriften heute sein, und mit denen im Hinterkopf wollen wir uns dann dem Kapitel 3 nähern.
Der erste Blick auf Nikodemus
Also, die erste Überschrift: Wiedergeburt kommt von Gott.
Und wir lesen in Kapitel 3 die Verse 1 und 2:
Es war aber ein Mensch aus den Pharisäern mit Namen Nikodemus, ein Oberster der Juden. Dieser kam zu ihm bei Nacht und sprach zu ihm: Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott gekommen; denn niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.
Vielleicht erinnert ihr euch noch an das Ende von Kapitel 2. Dort stand über Jesus, dass er wusste, was in jedem Menschen war. Jetzt erleben wir einmal live, was das bedeutet, wenn Jesus weiß, was in einem Menschen ist. Und wir schauen uns dafür ein Beispiel an: Nikodemus.
Nikodemus ist ein Pharisäer. Pharisäer, das sind diese streng gläubigen Juden, die sich wirklich Mühe gemacht haben, die Gebote Gottes im kleinsten Detail einzuhalten. Und Nikodemus ist nicht nur irgendein Anhänger dieser Gruppe, sondern er ist noch ein besonders herausgehobener. Er ist ein Oberster der Juden.
Das heißt, wir würden heute sagen: Er ist Mitglied des Bundestages. Der Hohe Rat, anderes Wort Synedrium oder Sanhedrin, war das oberste Verwaltungsgremium der Juden, also das Parlament. Und Nikodemus gehört dazu.
Ich denke, es verlangt eine ganze Menge innere Stärke und vielleicht auch innere Not, dass sich ein solcher Mann, zugegebenermaßen nachts, ja, nachts sind alle Katzen grau, da sieht man ihn vielleicht nicht so genau, da sieht man nicht so genau, wo er jetzt hingeht, aber zugegebenermaßen doch irgendwann aufmacht und mit irgendeiner Not zu Jesus kommt. Zu jemandem, den man in der damaligen Zeit nicht so richtig einordnen könnte.
Ich würde sagen, Jesus ist das, was wir heute als einen Troublemaker sehen. Jemand, der durch den Tempel zieht und da erst einmal alles rausschmeißt. Zum Teil sind die Leute begeistert und sagen: Ja, richtig, endlich mal einer, der aufräumt. Aber da gibt es genug, die sagen: Wer ist denn der? Der hat ja noch nie eine Uni von innen angeschaut. Was erlaubt er sich eigentlich, hier so aufzutreten?
Dann gibt es wieder die, die sagen: Ja, aber der tut doch diese Zeichen. Da kannst du doch nicht dagegen sein. Es ist doch klar, dass Gott mit ihm ist. Und ihr könnt euch vorstellen, es gibt auch die, die Erklärungen dafür haben, wie man Zeichen tun kann, ohne Gott.
Also eine durchaus sehr kontroverse Persönlichkeit, dieser Jesus. Und Nikodemus hat irgendwie erfasst: Ich muss mit dem reden. Und er geht zu Jesus als einem Mann, der trotz seines Alters, trotz seiner Position innerhalb der Gesellschaft, trotz seines theologischen Wissens, wir werden ihn später erleben, dass Jesus zu ihm sagt: Du bist du der Lehrer Israels, da ist wirklich jemand, zu dem man immer hingegangen ist, wenn man eine Frage hatte. Der kam nicht zu einem mit einer Frage.
Und trotz der Anerkennung, die er als Bibellehrer schon hatte, trotz dieser vier Sachen kommt er zu Jesus und weiß: Ich habe da jemanden vor mir. Ich muss meinen Stolz überwinden. Ich habe da jemanden vor mir, der mir weiterhelfen kann, der mir vielleicht weiterhelfen kann.
Und ich finde es beeindruckend, Nikodemus aus dieser Perspektive zu betrachten. Ein Mann, der viel erreicht hat, der ganz oben steht und der sich trotzdem traut, ehrlich zu bleiben und zu sagen: Ich bin noch jemand, der Fragen hat. Ich bin mit meinem Denken, ich bin mit meiner ganzen Theologie, ich bin mit meinem ganzen Leben noch nicht am Ende.
Ich finde das extrem mutig. Und wir werden sehen, dass das große Thema bei der Wiedergeburt immer das ist: Bin ich bereit, mich in das Licht Jesu hineinzustellen? Bin ich an irgendeinem Punkt in meinem Leben wirklich ehrlich und gebe ich zu, dass ich noch Fragen habe? Gebe ich zu, dass mein ganzes Konzept von Leben und Lebenswirklichkeit noch nicht aufgeht? Gebe ich zu, dass ich mit bestimmten Problemen nicht fertig werde, dass meine religiösen Antworten, so klug sie auch rüberkommen mögen und so sehr sie auch andere Leute überzeugen, mich im innersten Kern meines Wesens nicht überzeugen?
Bin ich bereit, das zuzugeben? Und wenn ich dazu bereit bin, wenn ich quasi den Nikodemusweg gehe, dann habe ich allein eine Chance auf Wiedergeburt.
Die Antwort Jesu auf die falsche Frage
Johannes 3, Verse 3 bis 5. Nikodemus spricht ihn ganz freundlich an. Das ist so ein bisschen eine Mischung aus Freundlichkeit und Bauchpinselei. Gehört auch ein bisschen dazu. Es geht natürlich komplett am Thema vorbei, über Jesus zu sagen: Rabbi, du bist ein freundlicher Lehrer von Gott gekommen. Das trifft die Sache hinten und vorne nicht. Aber lassen wir mal alles beiseite, wir lesen einfach mal weiter, die Verse 3 bis 5.
Jesus antwortete und sprach zu ihm: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ Nikodemus spricht zu ihm: „Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er etwa zum zweiten Mal in den Leib seiner Mutter eingehen und geboren werden?“ Jesus antwortete: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes eingehen.“
Jesus kennt dich. Jesus weiß, was in deinem Herzen ist. Ein Nikodemus weiß nicht, wer Jesus ist. Aber Jesus schaut durch ihn mitten hinein in sein Herz und kommt auf den Punkt, der ihn trifft. Und dieser Punkt ist kein anderer als der: Wie komme ich ins Reich Gottes? Wie kann ich das Reich Gottes sehen?
Dieser Begriff, Reich Gottes, ist ein biblischer Begriff, den wir heute schwer fassen können. Reich bedeutet so viel wie Herrschaft Gottes. Ich will das einmal von der anderen Seite her versuchen. Das Reich Gottes ist die Herrschaft Gottes. Die Frage lautet: Wie kann ich unter die Herrschaft Gottes kommen? Wie kann ich in den Schutz Gottes kommen? Wie komme ich so dicht an Gott heran, wie irgendwie möglich?
Wir können es auch andersherum formulieren und sagen: Jeder Mensch ist im Moment unter der Herrschaft Satans. Er ist versklavt. Und die Frage, wie sehe ich das Reich Gottes, kann ich auch so formulieren: Wie komme ich aus dieser Herrschaft des Teufels bitte schön heraus, unter die Herrschaft Gottes? Wie komme ich dahin, wo es Erlösung und Errettung gibt?
Und die Antwort lautet: durch Wiedergeburt. Es reicht nicht, dass du Lebenserfahrung hast. Die hatte Nikodemus. Es reicht nicht, dass du die Gebote kennst und hältst. Da hat mir der Nikodemus wahrscheinlich nichts vorgemacht. Es reicht nicht, dass du Wissen über die Bibel hast. Auch da steht hier ein Mann vor uns, der schon eine ordentliche Portion gelesen und gelernt hat. Sondern du musst von Neuem geboren werden.
Wer Kinder hat, weiß, was für ein radikaler Begriff das ist. Du gehst in den Kreißsaal ohne Kind hinein und du kommst mit einem lebendigen Kind aus dem Kreißsaal wieder heraus. Du hältst es in den Händen und sagst: Das kann ja nicht wahr sein, das ist wirklich Leben, das ist Geburt.
Von Neuem geboren. Nikodemus versteht die Sache völlig falsch. Er denkt sich: Oh Backe, ja, 1,82 groß, 96 Kilo schwer, na ja, wie soll das gehen? Ich passe ja gar nicht mehr rein. Von Neuem geboren. Ich weiß nicht, ob ihr eine Fußnote dran habt, das kann auch von oben geboren heißen. Und Jesus erklärt: Weißt du, Neugeburt funktioniert nur durch Wasser und Geist.
Und jetzt stehen wir da und sagen: Na, jetzt hat uns das ja wirklich viel gebracht. Tolle Sache. Ja, wir wissen nicht, wie es nicht geht, wir wissen aber auch nicht, wie es geht. Durch Wasser und Geist, bitteschön, was soll das denn?
Und zugegebenermaßen ist das natürlich eine Antwort, die gilt nicht so sehr uns, sondern die gilt Nikodemus. Das heißt, wir dürfen schon mal überlegen, was ein Nikodemus denkt, wenn er hört: aus Wasser und Geist. Vielleicht fällt uns bei Wasser und Geist nichts ein, aber bei Nikodemus macht es sofort Klingeling. Und diesen Klingeling, den müssen wir einfach einmal nachvollziehen.
Wenn Nikodemus hört, wir müssen aus Wasser und Geist geboren werden, dann denkt er an eine bestimmte Bibelstelle im Alten Testament, wo genau diese Dinge vorkommen. Es gibt nur die eine, insofern kann es nur einmal Klingeling machen. Und diese eine Bibelstelle findet sich in Hesekiel 36. Schlagt diese Stelle mal auf: Hesekiel 36,25 bis 27. Ich lese das mal vor.
Hesekiel ist ein Prophet, der zum Volk Israel in einer Zeit spricht, in der sie sich in der babylonischen Gefangenschaft befinden, und ihnen Versprechen mitgibt, also ein Stückchen Hoffnung auf die Zukunft mitgibt. Eines der großen Versprechen ist das, was wir hier lesen: Hesekiel 36,25.
Da spricht Gott: Und ich werde reines Wasser auf euch sprengen, und ihr werdet rein sein. Von allen euren Unreinheiten und von all euren Götzen werdet ihr euch reinigen. Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben. Und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Und ich werde meinen Geist in euer Inneres geben, und ich werde machen, dass ihr in meinen Ordnungen lebt und meine Rechtsbestimmungen bewahrt und tut.
Gott verheißt im Alten Testament seinem Volk einen ganz radikalen Neuanfang. Und Gott sagt: Ich habe hier ein Programm mit euch vor. Ein Programm, das aus drei Schritten besteht.
Erster Schritt: Ich werde die ganzen Unreinheiten, das ganze Sündhafte an eurem Leben, das werde ich wegwischen, das werde ich durchstreichen.
Zweitens: Ich werde euch ein neues Herz schenken. Man kann sagen: eine neue Ausrichtung, ein neues Inneres. Dieses steinerne Herz, das werde ich wegnehmen, und ich werde euch ein empfindsames, ein fleischernes Herz geben.
Und drittens, weil das alles noch nicht reicht: Ich werde euch mit mir direkt verbinden. Ich werde meinen Geist in euch hineinlegen.
Das heißt: Wasser ist der erste Punkt, ein neues Herz der zweite Punkt, Geist der dritte Punkt. Und jetzt ist es im Hebräischen tatsächlich üblich, dass man so eine Prozesskette, die man beschreiben will, dadurch beschreibt, dass man den ersten und den letzten Punkt nimmt und sagt: Diese beiden Punkte stehen exemplarisch für den gesamten Prozess.
Was Jesus hier macht, ist: Er sagt Nikodemus, wenn du von Neuem geboren werden willst, dann erinnere dich doch bitte mal an das, was du selber in deiner Bibel gelesen hast, in Hesekiel 36, wie das alleine passieren kann. Erinnere dich noch einmal an die Bibelstelle, die ich zusammenfassen kann mit Wasser und Geist, zwei Stichworte, damit du mal daran denkst, worum es dabei ging.
Wer ist bitteschön der Initiator dahinter? Wer macht das? Und die Antwort muss lauten: Gott. Gott ist in diesem Prozess der Aktive. Und deshalb entspricht das, was bei diesem Prozess herauskommt, auch dem Schöpfer und nicht mehr dem Geschöpf.
In Johannes 3,6 heißt es: Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist. Selbst wenn Nikodemus das irgendwie geschafft hätte, da zurückzukriechen. Es ist lustig, darüber nachzudenken. Aber wir stellen uns einmal hypothetisch vor, noch mal geboren zu werden: Was hätte er damit erreicht? Ja, gar nichts. Irgendwie, na ja, nichts. Er wäre wieder an der Stelle gestartet, wo er schon mal gestartet ist.
Und wer wieder an den Punkt gekommen ist, wo er diese Frage hat: Ja, wie kriege ich denn jetzt ewiges Leben, wie funktioniert denn Wiedergeburt, wie komme ich denn zu Gott? Wir brauchen einen Neustart, der eine ganz andere Qualität hat. Und deswegen heißt es hier: Was aus dem Geist geboren ist, ist Geist.
Wenn der Heilige Geist hinter unserer Wiedergeburt, hinter diesem Neuanfang steht, dann kommt am Ende nicht so ein aufgepeppter, so ein rund erneuerter Mensch raus, sondern da kommt etwas ganz Neues raus. Etwas, was so neu ist, dass Paulus an anderer Stelle, dreißig Jahre später ungefähr, sagen kann: Wir sind eine neue Schöpfung. Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.
Johannes 3,7 und 8: „Wundere dich nicht, dass ich dir sage: Ihr müsst von Neuem geboren werden. Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist jeder, der aus dem Geist geboren ist.“
Das, was Gott tut, ist ungewöhnlich. Wahrscheinlich stand Nikodemus da oder saß da, hört sich das an, und irgendwann schaut er ihm ins Gesicht, und du merkst: Er versteht nichts. Absolut nichts. Und Jesus muss sagen: Hey, wenn das jetzt alles ein bisschen schnell geht, nicht schlimm, gar nicht schlimm. Wundere dich nicht. Du musst nicht alles sofort verstehen, wenn es um solche Dinge geht.
Wie ist das mit dem Wind? Du stellst dich raus hier in die Einfahrt, und es bläst dich fast um. Ja, wo kommt denn der Wind her? Keine Ahnung, irgendwoher wird er kommen. Ich weiß nicht, wo er herkommt. I don’t know where er seinen Ursprung hat, aber wenn er mich fast umweht, das kriege ich schon mit.
Und so ist das hier, wenn der Heilige Geist an einem Menschen arbeitet. Mach dir nicht so viel den Kopf darum: Wie funktioniert das mit dem Start der Wiedergeburt? Ja, wie hängt das alles so in sich zusammen? Wann hat Gott wie an mir gearbeitet? Vergiss es! Also, da haben sich schon viel klügere Köpfe als wir alle darüber den Kopf zerbrochen und sind nicht wirklich zu einem vernünftigen Ergebnis gekommen. Irgendwie macht Gott das.
Wichtiger ist, und richtig wichtig ist, dass wir die Auswirkungen erkennen, dass wir merken, da ist wirklich etwas im Leben eines Menschen passiert, und sagen können: Stimmt, du bist nicht mehr so wie vor zehn Jahren, du bist jetzt anders, du bist wirklich anders. Du hast eine ganz andere Einstellung. Du hast eine andere Einstellung zum Thema Sünde, du hast eine andere Einstellung zum Thema Gott, du hast ganz andere Lebensmaximen und du ziehst auch anders durch.
Das ist wichtig. Und das Zweite, was hier steht, ist: Der Geist weht, wo er will. Man erkennt ihn an seinen Auswirkungen, aber du kannst ihn nicht manipulieren, du kannst ihn nicht kontrollieren, du kannst nicht sagen: Ich werde mal den Geist so ein bisschen einspannen, so für meine Ziele. Das funktioniert nicht.
Der Geist ist nämlich Gott, und als Gott macht er, was er will. Und es ist ganz wichtig, dass wir das auch in dem großen Thema Wiedergeburt verstehen. Da heißt das nämlich: Wenn der Geist sagt, ich möchte das und das von dir, damit ich dir Wiedergeburt schenken, damit ich in dir Wiedergeburt wirken kann, dann müssen wir den Preis bezahlen, den der Geist festlegt, und können nicht sagen: Ich mache das irgendwie auf meine Weise. Das geht nicht, denn dahinter steckt Gott, und Gott tut, weil er Gott ist, so wie er es für nötig und richtig hält.
Die Grenze des Verstehens und die Weigerung des Herzens
Lesen wir weiter: Johannes 3,9-10. Nikodemos antwortete und sprach zu ihm: Wie kann dies geschehen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Du bist der Lehrer Israels und weißt das nicht?
Tja, das ist schon irgendwie blamabel, oder? Jetzt bekommt er schon die richtige Bibelstelle vorgesagt. Als wäre es in einer Prüfung so: Du kriegst noch einen Hinweis, der Lehrer sagt noch ein bisschen etwas und gibt dir noch einen Tipp, und du stehst immer noch da und sagst: Sorry, keine Ahnung.
Das ist ein bisschen Nikodemus. Tut mir echt auch für ihn leid. Er muss hier passen. Wenn es darum geht, wie ein Mensch eigentlich ein neues Angebot von Gott bekommt, wie Gott einen Menschen verändert, dann kann dieser Lehrer Israels nur sagen: Tja, gute Frage. Richtig gute Frage. Weiß ich nicht.
Und Jesus weiß, dass er es in diesem Moment bei Nikodemus noch mit jemandem zu tun hat, der ein Problem hat. Ein Problem, das euch in der Evangelisation auf Schritt und Tritt begegnen wird. Eigentlich das wichtigste und größte Problem, das wir bei Evangelisation überhaupt haben.
Ich lese euch mal den nächsten Vers vor, Vers 11: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben, und unser Zeugnis nehmt ihr nicht an.
Also das Wir, das sage ich mal, ist die Jesusfraktion. Da könnt ihr euch gerne mit reinschreiben: Leute, die sich hinstellen und Zeugnis davon geben, wie Jesus ist, was Jesus in ihrem Leben getan hat, wie Jesus durch die Weltgeschichte hindurch einfach Herzen verändert hat.
Und das große Problem ist nicht, dass es für die Wirksamkeit und für die Echtheit des biblischen Zeugnisses und des Evangeliums irgendwie an Beweisen fehlen würde. Es gibt genug Beweise. Es gibt genug Zeugnisse. Es gibt genug Leute, die sich hinstellen und sagen: Ich kann dir mein Leben zeigen, vorher und nachher. Schau es dir an. Ich kann es selber nicht erklären. Da ist Gott in mein Leben hineingekommen und hat alles umgekrempelt.
Das große Problem, mit dem wir tatsächlich konfrontiert werden und wo wir außer Beten wahrscheinlich ganz wenig machen können, ist, dass wir bei vielen Menschen, auch bei intelligenten Menschen, an einen Punkt kommen, wo sie sagen: Ich will nicht. Ich kann nicht. Ich verstehe nicht. Ich habe nicht eingesehen, dass das eine gute Sache ist mit dem Glauben. Ich will nicht.
Meine Frau erzählte mir gestern von einem Gespräch mit einem jungen Mann. Tolles Gespräch, nettes Gespräch, sogar ein bisschen religiöseres Gespräch, bis zu einem bestimmten Punkt, wo es plötzlich anfing, ernst zu werden. Und derjenige dann sagt: Lass uns jetzt über etwas anderes reden.
Ich hoffe, ihr kennt das ein bisschen. Denn das ist eine ganz typische Erfahrung. Du triffst auf Menschen, die nicht wollen. Und es liegt nicht an dir, dass sie nicht wollen. Du kannst in dem Mundfusig reden an der Stelle, du kannst beten, du kannst nichts weiter machen als beten. Du kannst beten, dass Gott ihr Herz auftut, dass sich in diesem Herz irgendetwas verändert, dass da doch noch eine Bereitschaft wächst.
Und wie gesagt, ich weiß nicht, wie das mit dem Geist und dem Heiligen Geist und der Wiedergeburt an der Stelle funktioniert. Ich weiß nur: Ich muss dafür beten, dass Menschen offen werden, dass sie über diesen Punkt der Unwilligkeit hinauskommen und sich einlassen auf mein Zeugnis, auf meine Beispiele, auf meine Beweise, auf meine Bücher, auf meine Predigten, auf meine Escape-Veranstaltungen und und und.
Darauf darf er gar nicht beten.
Und natürlich ist diese Frage auch eine Frage, die man ein bisschen an uns stellen kann. Wie sieht es denn bei dir aus, wenn Jesus dir mal etwas Unangenehmes zu sagen hat? So eine Sache, die so ein bisschen sticht, wo man sagt: Passt mir jetzt nicht ins Konzept.
Haben wir uns diese Bereitwilligkeit, die mindestens am Anfang unseres geistlichen Lebens da war, bewahrt? Steht nicht im Text, also ihr könnt jetzt sagen: Jetzt machst du eine Sprungbreit-Predigt. Stimmt. Und trotzdem will ich die Frage einmal in den Raum hineinschieben.
Wie sieht das bei uns aus? Ist diese Bereitschaft, auf Gott zu hören und seine kritischen Fragen in unserem Leben anzunehmen, eigentlich noch da?
Die Schrift und der Glaube als Zugang
Johannes 3,12-13: Wenn ich euch das Irdische gesagt habe und ihr glaubt nicht, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch das Himmlische sage? Und niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen, außer dem, der aus dem Himmel herabgestiegen ist, der Sohn des Menschen.
Tja, was will Jesus hiermit sagen? Er will sagen: Wenn ich euch die einfachen Dinge erkläre, die irdischen Dinge, die Dinge, für die es Bibelstellen gibt, wo man wirklich sagen kann: Wir schlagen jetzt Hesekiel 36 auf und machen eine Auslegung dazu, diese banalen Dinge, wenn ich euch die erkläre, Dinge wie Wiedergeburt aus Wasser und Geist, und ihr nehmt sie nicht an, ja, was passiert denn dann, wenn ich anfange, über himmlische Dinge zu reden, über Dinge zu reden, über die ich nur aus meinem eigenen Erleben etwas beitragen kann?
Das Problem ist doch: Es ist kein anderer in den Himmel hinaufgestiegen. Da gibt es keinen, den du heranziehen kannst, um ihn zu fragen. Und wenn du mich nicht fragst und mich nicht ernst nimmst, stehst du tatsächlich ganz schön dumm da. Du stehst einfach da als jemand, der keine Ahnung hat. Denn es gibt nur einen, der dir in dieser Qualität Antworten geben kann. Und das ist der Sohn des Menschen.
Dieser Begriff „Sohn des Menschen“ stammt aus dem Buch Daniel. Es ist ein Messias-Titel, den Jesus hier auf sich anwendet. Und du hast nur ihn. Und wenn er nicht gilt, wenn du ihn nicht hörst, dann hast du ein riesiges Problem.
Habt ihr euch mal Gedanken darüber gemacht, dass die Antwort auf die Frage, die Nikodemus stellt, also: „Ich begreife gar nicht, wie das gehen soll, Wiedergeburt“, wisst ihr, wie die Antwort heißt? Na ja: aus Glauben. Ist einfach, oder? Also im Kindergottesdienst könnte man die Geschichte erzählen: aus Glauben, logisch, wie sonst.
Warum wusste Nikodemus eigentlich nicht, dass die Antwort lautet, Wiedergeburt geschieht aus Glauben? Habt ihr euch die Frage mal gestellt? Ich meine, für uns ist es ein Kindergottesdienstthema. Und hier habe ich den Lehrer Israels, und er kriegt diese simple Antwort nicht hin. Ich finde die Frage irre spannend, und ich möchte deswegen mit euch noch einen anderen Bibelvers lesen, nämlich aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 23, Vers 23.
Da steht nämlich die Antwort darauf, wie es sein kann, dass jemand wie Nikodemus, ein alter, reifer, angesehener Bibellehrer, die einfachsten Antworten einfach nicht drauf hat. Matthäus 23,23 ist die Antwort auf die Frage, warum Nikodemus nur Bahnhof versteht, wenn es um die Frage geht, wie jemand von neuem geboren wird.
Da heißt es dann über die Pharisäer: Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verzehntet die Minze und den Anis und den Kümmel, und ihr habt die wichtigeren Dinge des Gesetzes beiseite gelassen: das Gericht und die Barmherzigkeit und den Glauben.
Bis dahin. Wir haben es mit Leuten zu tun, die alles haarklein einhalten wollen. Wisst ihr, die stehen vor ihrem Gemüsegarten, machen da so ein Stängelchen Petersilie ab, halten es in die Luft, zehn Prozent zack für den Herrn und die 90 für mich ins Essen. Im kleinsten Detail sind sie korrekt, und trotzdem haben sie komplett falsche Prioritäten.
Sie verzehnten die Minze, den Anis und den Kümmel, aber wenn es um die großen, wichtigen Dinge des geistlichen Lebens geht, um Gericht – das Wort kann auch Gerechtigkeit heißen –, um Barmherzigkeit und um Glaube, haben sie null Peilung. Und das, obwohl Paulus das im vierten Kapitel des Römerbriefs bringt: Ihre großen Glaubenshelden Abraham und David hatten genau mit diesem Glauben irre viel am Hut. Das war ihre Lebensgrundlage. Und diese Leute gehen einfach daran vorbei.
Der Weg des Vertrauens und die Entscheidung am Licht
Unser nächster Punkt heißt: Wiedergeburt kommt durch Glauben an Jesus. Jetzt wollen wir uns das genauer anschauen, denn Nikodemus kann es nicht sehen, aber Jesus zeigt es ihm jetzt.
Und ich will daran erinnern, dass wir vorhin gesagt haben: Du kannst den Heiligen Geist nicht manipulieren. Du kriegst die Wiedergeburt nicht auf andere Weise. Entweder zahlst du ihm die Münze, die er sehen möchte, das ist Glaube, oder du kriegst keine Wiedergeburt. Du kannst machen, was du willst.
Und wenn wir uns über Glauben Gedanken machen, dann bleiben immer zwei große Themen da. Das eine ist: Glaube, bitteschön, woran? Woran soll ich eigentlich glauben? Und die zweite Frage ist: Wie sieht echter Glaube aus? Diese beiden Fragen wollen wir jetzt noch behandeln.
Johannes 3,14-15, da heißt es: Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben habe.
Schön, ja? Jesus sagt ihm: Du möchtest ewiges Leben, anderes Wort für Wiedergeburt, oder anderes Wort dafür, das Reich Gottes zu sehen. Du möchtest das wirklich haben? Kein Problem, du musst nur glauben, und zwar an Jesus.
Und was er tut, ist: Er sagt: Erinnerst du dich noch an deine Bibel da, 4. Mose, 4. Mose 21, an diese Geschichte da mit den feurigen Schlangen? Und natürlich konnte sich Nikodemus daran erinnern. Die Geschichte geht so: Das Volk murrt mal wieder auf der Wüstenwanderung gegen Gott. Gott sagt: Kein Problem, diesmal gibt es feurige Schlangen. Die feurigen Schlangen kommen, die Leute werden gebissen, die Leute sterben. Die Leute tun Buße und sagen: Mose, jetzt mach endlich was, dass die Schlangen wieder weggehen.
Gott sagt: Okay, frag mich, was soll ich tun? Gott sagt: Kein Problem, du machst Folgendes: Du machst dir so aus Bronze eine Schlange, steckst die auf den Stab und postierst die in der Mitte vom Lager. Und wenn jemand gebissen wird, ganz einfach: Schaut er sich die Schlange an, wird er wieder gesund.
Überlegen wir uns, was das heißt. Wir haben ein Zelt, in diesem Zelt schläft Klein Sebulon, und er schläft einen tiefen, guten Schlaf, hat viel gearbeitet. Und plötzlich wacht er auf, weil ihm etwas sticht. Und er sieht gerade noch, wie sich etwas aus dem Zelt rausschlängelt. Er merkt, er hat am Arm zwei so rote Punkte, und er weiß: Ach, jetzt bin ich gebissen worden. Er weiß, in seinen Adern ist schon das Gift, und er weiß, er wird sterben, weil er nur solche Fälle kennt, wo Leute danach gestorben sind.
Und jetzt stellt sich für ihn ganz praktisch die Frage: Glaube ich Gott oder glaube ich ihm nicht? Bin ich bereit, so einen Blödsinn zu glauben? Da ist eine Bronzeschlange auf einem Stab, und die anzuschauen soll mich gesund machen? Wer hat sich so einen Blödsinn ausgedacht? Noch nie gehört, noch nie in der Bibel gelesen, noch nie gehört, dass das woanders funktioniert hat.
Auf der anderen Seite: Ich bin gebissen worden. Wenn ich hier liegen bleibe, werde ich sterben. Ich weiß auch nicht, was ich sonst machen soll. Ich habe auch nicht gehört, dass das andere funktioniert. Also glaube ich jetzt, dass dieser komische Rettungsweg, den Gott sich da ausgedacht hat, eine Schlange hinzustellen, zu erhöhen und die anzuschauen, dass es das ist? Glaube ich daran? Oder bleibe ich vielleicht einfach liegen und sterbe wie alle anderen auch, weil das eh Blödsinn ist?
Das ist Glauben. Wenn er aufsteht, aus seinem Zelt rausgeht, sich kurz orientiert, diesen Stab mit der Schlange anschaut und weiß: Jetzt bin ich gerettet.
Glaube heißt: Ich nehme die Rettungstat und den Rettungsweg Gottes an. Ich lasse mich darauf ein, egal ob das eine Bronzeschlange auf einem Stab ist oder ob das ein Messias an einem Kreuz ist, den man erhöht. Und ich vertraue darauf, dass das, was Gott tut, egal, wie komisch das erstmal daherkommt, genau das ist, weil Gott weiß, was er tut. Das ist Glauben.
Und die gute Nachricht lautet: Niemand muss verloren gehen. Geht sogar noch weiter, hört euch das an: Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe. Das ist doch genial. Nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.
Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn errettet werde. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet. Halleluja, oder? Das ist doch genial. Du liest das und sagst: Jeder, ganz, alle, niemand, ach, du hast Glauben, vergiss den Rest, alles in Ordnung. Du bist mit Gott im Reinen, mach dir keinen Kopf mehr, du kommst nicht ins Gericht, du hast ewiges Leben, du darfst Gott schauen, deine Sünden werden abgewaschen, du kriegst ein neues Herz und den Heiligen Geist auch in dir. Das ist die gute Nachricht. Ich hoffe, sie begeistert euch noch ein bisschen.
Die schlechte Nachricht ist: Es gibt keine Grauzone. Wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. Du glaubst nicht? Das tut mir auch für dich leid. Du glaubst nicht, du sprichst dir selbst Gericht.
Vers 19: Dies aber ist das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen haben die Finsternis mehr geliebt als das Licht, denn ihre Werke waren böse.
In dem Moment, wo du Jesus begegnest, begegnest du dem Licht. Und wenn du dem Licht begegnest, zwingt es dich zu einer persönlichen Entscheidung. Du kommst an dieser Entscheidung einfach nicht vorbei. Und Menschen entscheiden sich gegen Jesus. Und wisst ihr warum? Es heißt hier: Sie entscheiden sich gegen Jesus, sie entscheiden sich gegen Erlösung, sie entscheiden sich gegen ewiges Leben, weil ihre Werke böse waren.
Wenn du Jesus das erste Mal begegnest, verspreche ich dir, dass dir diese Begegnung ein Stück unangenehm sein wird. Mein Lieblingsbild, um das zu erklären, ist das der Küchenschaben. Der Satz lautet, manche kennen ihn schon, aber ich sage es kurz: Menschen sind wie Küchenschaben. Du machst Urlaub irgendwo im südlichen Raum, da, wo die hygienischen Verhältnisse ein bisschen schlechter sind als bei uns und Schaben ein bisschen größer. Du machst da Urlaub, und du schläfst. Du hast dich an das Rascheln in der Wohnung schon gewöhnt, und du denkst dir nichts dabei. Du wachst nachts auf, du hast Durst, gehst nochmal in die Küche, schlurfst in die Küche. Es ist dunkel, du denkst dir: Na, gehst du mal zum Kühlschrank. Du machst das Licht an, und da lebt der Fußboden, zumindest für einen Moment.
Menschen sind wie Küchenschaben. Sie begegnen dem Licht, und viele, viele Menschen ... Na ja, Vers 20: Denn jeder, der Arges tut, hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht bloßgestellt werden.
Die Menschen hassen das Licht. Sie hauen ab, bloß nicht bloßgestellt werden, es bloß nicht zulassen, dass jemand mal über mich etwas sagt, was wirklich schlecht ist und wahr. Dass jemand mitkriegt, mein ganzes Leben, diese schöne Fassade, die ich um mich herum aufgebaut habe, die ist gar nicht so schön, wenn man ein bisschen dran pikst. Und das, womit ich mich vor anderen brüste, wo ich sage: Boah, schau mal, was ich für ein toller Kerl bin, bloß nicht mal ehrlich hinterfragen, wie toll das denn ist, wie denn die Motive aussehen, wie viele Leute denn unter mir leiden, wie kaputt ich eigentlich bin, dass ich diesen Lebensstil noch toll finden kann, bloß nicht.
Nein, möchte ich nicht. Jesus, ich will mit dir nichts zu tun haben. Du bist mir irgendwie zu freaky, du bist mir zu anders. Wenn du in mein Leben hineinkommst, dann fühle ich mich wie so eine Küchenschabe nachts um halb drei, wenn jemand das Licht anmacht. Und ich möchte ganz schnell wieder in meine dunkle Ritze, wo keiner mir so nahekommt und so unangenehm nahekommt und mein eigentliches Leben so offenbart, wie du das tust. Bloß schnell weg.
Und ganz anders ist das, wenn jemand gläubig ist, ganz anders. Ein Gläubiger hasst das Licht nicht, sondern er liebt es. Könnt ihr euch das vorstellen? Er liebt es, im Licht Gottes gesehen zu werden. Da heißt es dann: Wer aber die Wahrheit tut, kommt zu dem Licht, damit seine Werke offenbar werden, dass sie in Gott gewirkt sind.
Der Gläubige hat keine Angst mehr, sich in das Licht Gottes hineinzustellen. Ja, warum auch? Meine Sünden sind erledigt, ich habe ein neues Herz und ich kriege den Heiligen Geist. Na wunderbar! Warum sollte ich bitteschön jetzt noch Angst haben, Gott zu begegnen?
Ja, aber du machst doch auch noch Fehler. Na logisch, ja, ich mache Fehler. Und ich begegne meinem Vater im Himmel, der sagt: Jürgen, du hast deinen Fehler gemacht. Ist okay, stimmt, habe ich gemacht. Aber Vater im Himmel, kriegen wir beide das hin, dass es besser wird? Und Gott sagt: Jo!
Wie lange? Hesekiel 36. Ich lese euch die Stelle nochmal vor, sie ist einfach zu schön. Ich glaube, es ist eine Stelle, die man nicht so im Kindergottesdienst auswendig lernt, aber wenn man so erwachsen wird, wäre das eine Stelle, die man lernen könnte.
Also Hesekiel 36 am Ende, das ist eine Stelle, die mir Mut macht, weil ich in meinem Leben Sünden habe, mit denen ich nicht so schnell fertig werde, die sich so, na ja, peu à peu immer mal wieder zeigen. Aber jetzt hört euch das mal an, das ist eine Verheißung für dich und für mich, wenn Gott sagt: Hesekiel 36,27, Und ich werde meinen Geist in euer Inneres geben, und ich werde machen, dass ihr in meinen Ordnungen lebt und meine Rechtsbestimmungen bewahrt und sie tut.
Gott sagt: Ich kümmere mich darum, dass du die Sache mit den Geboten auf die Reihe kriegst. Jetzt rede ich nicht darüber, dass wir uns an der Stelle auch dagegen wehren können. Wir können den Geist dämpfen, und wir können allen möglichen Blödsinn noch anstellen. Aber erst einmal gilt diese Zusage: Gott sagt, ich will mich darum kümmern, dass es in deinem Leben geistlich richtig vorangeht.
Und aus diesem Grund gilt, was hier steht: Wer die Wahrheit tut, wer mit Gott lebt, auch das ist ein alttestamentlich angebundener Begriff, wer mit Gott lebt, hat keine Angst mehr, Gott zu begegnen. Der sagt: Na Wahnsinn, hoffentlich zeigt mir Gott noch ein paar Sünden in meinem Leben. Hoffentlich zeigt er mir noch ein paar Dinge, die nicht richtig gut laufen, dass ich sie endlich anpacken kann. Ich will nämlich Jesu ähnlicher werden. Ich will gar nicht bleiben, wie ich bin. Ich will ganz anders werden. Ich hoffe, dass das unsere Motivation ist.
Ich merke es manchmal, dass Leute Angst vor ihrer eigenen Sünde haben. Ich möchte euch Mut machen, keine Angst vor eurer Sünde zu haben. Ich habe eine lange Liste von Sünden, die in meinem Leben da sind. Immer wenn mir eine auffällt, schreibe ich sie noch dazu. Und inzwischen ist das Überzweifel ist um zwei Seiten jetzt. Also als Älterer fällt einem immer noch ein bisschen mehr auf, glaube ich, weil man da mehr ist usw.
Also schreibt euch die Sünden auf, gönnt euch einen ehrlichen Blick auf eure Sünde, schreibt sie auf und sagt: Vater im Himmel, hier, ich bin noch stolz oder was weiß ich, ich habe noch Probleme mit Unzucht oder ich habe noch, was weiß ich, hier im Mund, den kriege ich nicht zu, wenn er eigentlich zu sein sollte, ich habe diese Probleme. Vater im Himmel, ich möchte das aufschreiben, und du hast gesagt, du arbeitest mit deinem Heiligen Geist an mir. Wann, wie? Gib mir noch eine Bibelstelle zum Lernen, gib mir noch irgendwie eine Methode, hilf mir noch, dass ich ein gutes Buch lese, lass mich noch irgendwie weiterkommen. Ich möchte, dass das Realität wird, diese Verheißung in meinem Leben.
Das ist doch eine Chance. Und stattdessen erlebe ich Christen, die sagen: Na, bloß nicht Sünde entdecken in meinem Leben, oh, bloß nicht hinschauen, da darf nichts sein. Falsch, falsch, finde so viel Sünde in deinem Leben, wie du irgendwie nur finden kannst, schreib sie auf, leg sie vor Gott und sag: Vater, das muss alles raus. Das wäre die richtige, also das ist das, was hier so ein bisschen steht.
Wir kommen ins Licht, wir wollen ins Licht, wir lesen die Bibel, damit wir das Licht haben. Wir lassen uns durchfluten. Das Licht geht an, du denkst, jetzt hätte ich wieder Lust abzuhauen, du merkst diese Küchenschabenmentalität, bloß in meine dunkle Ritze. Du triffst auf den Bibelvers, der spricht dich an, der zwickt und sagt: Nur schnell weg. Und Gott sagt: Nee, hey, bleib stehen, du musst keine Angst haben, ich werde dich nicht verwerfen, ich habe dich lieb, wir gehören zusammen, wir werden das gemeinsam schaffen.
Das war der zweite Punkt.
Gehorsam als sichtbare Form des Glaubens
Der letzte Punkt, ganz kurz: Wiedergeburt kommt durch Glaubensgehorsam. Da springe ich jetzt in den allerletzten Vers hinein, in diesem Kapitel. Den Zwischenteil lasse ich einfach aus. Man kann ihn predigen, muss es aber nicht. Es ist eine eigene Episode über Johannes den Täufer, in der es um die Frage geht: Wem folge ich eigentlich nach, einem Menschen oder Gott? Ja, woran hängt mein Herz?
Aber ich möchte einfach zum letzten Vers gehen: Johannes 3,36. Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben. Wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.
Hier werden zwei Dinge gegenübergestellt. Auf der einen Seite Glaube: Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben. Jetzt könnte er es bestimmt nicht mehr hören: Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben. Und dann heißt es im zweiten Teil nicht: Wer aber dem Sohn nicht glaubt, sondern: nicht gehorcht. Zumindest heißt es das in den besseren Textzeugen.
So werden hier zwei Dinge gegenübergestellt: Glaube oder Unglaube und Gehorsam, Glaube und Gehorsam, diese beiden Dinge. Glaube ist an der Stelle echt, wo er sich mit Gehorsam verbindet. Und das ist absolut logisch, nicht nur wegen dieser Küchenschabengeschichte und der Beziehung mit Gott, sondern weil: Wenn du sagst: „Ich vertraue darauf, dass Jesus der ist, der mir meine Ewigkeit sichert“, dann darfst du nicht sagen: „Aber ich glaube, es ist eine ganz dumme Sache, wenn ich meine Gegenwart auf ihn baue.“ Das ist Quatsch.
Wenn du sagst, alles, was Jesus getan hat, macht meine Ewigkeit sicher, da meine Zukunft auf Jesus steht, na bitteschön, dann stell deine Gegenwart bitte auch auf Jesus. Dann kümmer dich darum, dass auch das Hier und Jetzt zu Jesus gehört. Wenn du sagst, ich vertraue mit allem, was ich habe, darauf, dass das, was Jesus am Kreuz für mich getan hat, stimmt, dann vertraue doch bitte mit aller Kraft auch darauf, dass der Rest, den Jesus gesagt hat, auch stimmt, also das, was dein tägliches Leben betrifft. Und das ist die Idee des Glaubensgehorsams.
Wenn du Jesus in dein Leben einlädst, dann kommt er nicht als gleichberechtigter Partner, wo du morgens nach dem Aufstehen sagst: „Hi! Wollen wir mal darüber reden, was es heute so zum Frühstück gibt? Ich mache einen Vorschlag, und du machst einen Vorschlag, und dann würfeln wir mal.“ Das wird nicht funktionieren. Du begegnest, wenn du Jesus einlädst, Gott. Und Gott kommt in dein Leben hinein als Gott. Er bleibt Gott, und du bleibst Mensch. Und deswegen darf er sagen: Schön, dass ich jetzt in deinem Leben bin. Ich habe dir versprochen, dass du in meinen Ordnungen leben wirst und in meinen Rechtsbestimmungen leben wirst. Fangen wir mal an.
Du hast geglaubt, wunderbar. Weißt du, was Glauben ist? Glauben ist Vertrauen, richtig? Ja, fangen wir mal damit an. Ich habe da noch eine kleine Sache. Weißt du, da hast du so eine CD, die hast du dir heimlich gebrannt. Ich würde sagen, das ist Sünde, das ist Diebstahl. Vertraust du mir, dass ich Recht habe? Ja, eigentlich hast du schon Recht. Eigentlich müsste ich, wenn ich an dich glaube, das auch so sehen. Weil ich da ... Wunderbar, schmeiß das Ding weg.
Merkt ihr was? Du holst dir Gott in dein Leben hinein, und das wird unglaublich praktisch. Ist gemein, oder? Weil Glaube auf die Ewigkeit zielt. Gott schenkt dir nicht die Ewigkeit und lässt dein Jetzt in Ruhe. Gott schenkt dir jetzt ewiges, neues Leben und sagt: Jetzt lass uns gemeinsam anfangen. Und damit du dich nicht irrst, die Zukunft schenke ich dir gleich mit obendrauf.
Schlussgedanken
Fazit: Drei Punkte
Ohne Gott gibt es keine Wiedergeburt. Das zieht sich als Prinzip durch die ganze Bibel hindurch. Der Prophet Hosea hat das einmal so ausgedrückt: Es gibt keinen anderen Retter als mich. Punkt. Ohne Gott keine Wiedergeburt.
Zweitens: Ohne Glauben gibt es keine Rettung. Das ist das zweite Prinzip, das sich durch die ganze Bibel hindurchzieht. Du möchtest gerettet werden, du brauchst Glauben. Das findet sich bei Abraham, das findet sich bei David, das findet sich im Neuen Testament immer und überall. Es ist der Glaube, nie die Werke.
Dritter Punkt: Ohne Gehorsam ist ein Glaube nicht echt. Wenn Gott mein Retter ist, dann ist er auch mein Herr.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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