Anfang: Bildhafte Erzählung über Gehorsam und Widerstand
Gott wird Mensch, Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist. Episode 695: Das Gleichnis von den zwei Söhnen, Teil 2.
Jesus erzählt seinen Gegnern ein Gleichnis. Hören wir noch einmal kurz hinein. Matthäus 21,28-31.
„Was meint ihr aber hierzu? Ein Mensch hatte zwei Kinder, und er trat hin zu dem Ersten und sprach: „Kind, geh heute hin, arbeite im Weinberg.“ Der aber antwortete und sprach: „Ich will nicht.“ Danach aber reute es ihn, und er ging hin.
Und er trat hin zu dem Zweiten und sprach ebenso. Der aber antwortete und sprach: „Ich gehe, Herr.“ Und er ging nicht.
Wer von den beiden hat den Willen des Vaters getan?“ Sie sagen: „Der Erste.“
Jesus spricht zu ihnen: „Wahrlich, ich sage euch, die Zöllner und die Huren werden euch in das Reich Gottes vorangehen.“
Das ist natürlich ein schwerwiegender Vorwurf. Ihr seid nicht bereit, den Willen Gottes zu tun. Deshalb sind Zöllner und Huren euch geistlich weit voraus.
Natürlich meint Jesus damit nicht alle Zöllner und Huren. Es reicht nicht, ein offensichtlicher Sünder zu sein, um ins Reich Gottes zu kommen. Es braucht Glauben, Buße und einen ehrlichen Neuanfang. Aber genau dazu waren die Zöllner und die Huren bereit.
Matthäus 21,32 Denn Johannes kam zu euch auf dem Weg der Gerechtigkeit, und ihr glaubtet ihm nicht; die Zöllner aber und die Huren glaubten ihm.
Analyse des Rufes: Verständnis von Berufung und Gerechtigkeit
Der Weg der Gerechtigkeit. Jesaja spricht davon, dass Johannes kommen würde, um einen Weg zu bereiten (Jesaja 40,3). „Eine Stimme ruft: In der Wüste bahnt den Weg des Herrn. Ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott.“
An anderer Stelle lesen wir vom Heilsweg, den die Gläubigen des neuen Bundes gehen werden (Jesaja 38,8). „Und dort wird eine Straße sein und ein Weg, und er wird der heilige Weg genannt werden; kein Unreiner wird darüber hinziehen, sondern er wird für sie sein. Wer auf dem Weg geht — selbst Einfältige werden nicht irregehen.“
Die Formulierung „Weg der Gerechtigkeit“ ist mehr als nur eine Beschreibung der moralischen Integrität des Johannes. Natürlich war der Prophet auch gerecht; das soll nicht in Frage gestellt werden. Gemeint ist hier jedoch eine andere Form von Gerechtigkeit.
Es handelt sich um die Form, von der Jesus spricht, als Johannes sich schwer tat, ihn zu taufen (Matthäus 3,14-15). Johannes aber wehrte ihm und sprach: „Ich habe nötig, von dir getauft zu werden, und du kommst zu mir?“ Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: „Lass es jetzt so sein; denn so gehört es sich für uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen.“
Wesentlich ist, zu verstehen, was hier mit „Gerechtigkeit“ gemeint ist. Daher ist die Aussage des Vaters an den Sohn in Jesaja 42,6 zentral: „Ich, der Herr, habe dich in Gerechtigkeit gerufen und ergreife dich bei der Hand. Und ich behüte dich und mache dich zum Bund des Volkes, zum Licht der Nationen.“
Wenn Gott davon spricht, dass der Messias in Gerechtigkeit gerufen und beauftragt wird, ist damit nicht die Gerechtigkeit des Messias gemeint, sondern die Bundesgerechtigkeit bzw. die Bundestreue Gottes. Wenn Jesus sagt, Johannes solle ihn taufen, um alle Gerechtigkeit zu erfüllen, dann wird damit die Bundesgerechtigkeit Gottes erfüllt. Gott ist ein treuer Gott, der seinem Volk Rettung versprochen hatte.
Mit der Taufe beginnt Jesus als Bund für das Volk und als Licht für die Nationen seinen Dienst. Mit Jesus eröffnet sich ein Heilsweg, der die Gerechtigkeit Gottes zu den Menschen bringt.
Eine solche Gerechtigkeit beschreibt Paulus später so (Philipper 3,9): „Indem ich nicht meine Gerechtigkeit habe, die aus dem Gesetz ist, sondern die durch den Glauben an Christus, die Gerechtigkeit aus Gott aufgrund des Glaubens.“
Auf diesem Weg, der von Glauben und Buße gekennzeichnet ist, befindet sich Johannes. Mit ihm sind alle, die sich von ihm taufen ließen. Das waren all jene, die der Botschaft des Johannes und damit der Botschaft Gottes Glauben schenkten. Matthäus 21,32: „Denn Johannes kam zu euch im Weg der Gerechtigkeit, und ihr glaubtet ihm nicht; die Zöllner aber und die Huren glaubten ihm.“
Wer zeigt echte Umkehr? Verhalten versus Verheißung
Die Zöllner und die Huren glauben Johannes dem Täufer, lassen sich taufen und finden Vergebung. Die Theologen und Politiker aus Jerusalem tun das nicht. Sie glauben Johannes nicht; seine Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden war nichts für sie. Sie hielten sie ihrer Meinung nach nicht für nötig, und deshalb stehen sie in dem Gleichnis auch für den zweiten Sohn.
Also für den, der erst sagt „Ich gehe, Herr“, dann aber sein Versprechen bricht und nicht zum Arbeiten in den Weinberg geht. Das ist wichtig. Man kann viel über Theologie wissen, fromm wirken, sich an Regeln halten und eine geachtete Persönlichkeit des öffentlichen Lebens sein und trotzdem von Herzen Gottes Propheten verachten und seine Vorstellung vom Leben ablehnen.
Das gilt besonders dann, wenn diese Vorstellung damit zu tun hat, sich zusammen mit Zöllnern und Huren auf eine Stufe zu stellen, die eigenen Sünden vor anderen zu bekennen und sich von einem sonderbaren Rabbi im Jordan zur Vergebung der eigenen Sünden taufen zu lassen.
An genau dieser Stelle wird das Herz eines Menschen offenbar. Man sieht ganz deutlich die Probleme der hohen Herren: Eigenwilligkeit, Hochmut, Unbußfertigkeit und den unbedingten Wunsch, gut dazustehen. Diese Dinge ersticken Buße.
So fragte Jesus an anderer Stelle (Johannes 5,44): „Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander nehmt, und die Ehre, die von dem alleinigen Gott ist, nicht sucht?“ Das geht eben nicht. Ich kann nicht glauben, solange ich noch die Ehre von Menschen suche. Es geht einfach nicht.
Untersuchung der Verweigerung und Schlussfordernis zur Umkehr
Deshalb sind ihnen die Zöllner und die Huren auch ins Reich Gottes vorangegangen. Die hatten nämlich keinen Ruf mehr zu verlieren. Johannes kam zu euch auf dem Weg der Gerechtigkeit, und ihr glaubtet ihm nicht. Die Zöllner und die Huren hingegen glaubten ihm. Euch aber, als ihr es saht, reute es auch danach nicht, sodass ihr ihm nicht glaubtet.
Den Gegnern Jesu fehlte die Reue, die der erste Sohn gezeigt hatte. Es war kein Glaube an Johannes und seine Botschaft vorhanden.
Dabei hatten sie doch die Früchte des Dienstes Johannes' gesehen. Sie hatten Huren und Zöllner Buße tun sehen. In ihren Augen wagten vermeintlich verlorene Sünder einen Neuanfang mit Gott. Vor ihnen standen veränderte Herzen und veränderte Leben. Mit Johannes ging ein moralischer Ruck durch die jüdische Gesellschaft.
Ihr hättet begeistert sein sollen. Das war doch, was ihr euch immer gewünscht hattet, oder? Warum wollt ihr dann nicht Teil dieser Reformbewegung sein? Warum konntet ihr nicht glauben? Warum wart ihr wie der zweite Sohn mit einem Lippenbekenntnis zufrieden?
Und die Antwort ist: weil ihr euch nicht vor Gott beugen wolltet. Ihr wolltet von anderen als fromme Theologen wahrgenommen werden. Aber in eurem Herzen wart ihr eigenwillige, hochmütige, unbußfertige Selbstdarsteller.
Was könntest du jetzt tun? Denke darüber nach, wie echt dein Leben mit Gott ist. Wie viel ist echt, und wie viel ist nur Schein?
Das war's für heute. Nimm dir vor, für so viele Sünden wie möglich Buße zu tun. Predige dir selbst, dass du kein Heuchler bist. Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
