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Der Prophet Daniel — Teil 1/7

Karriere ohne Kaviar
Daniel 1,1-2124.04.2016
Serie•Teil 1 / 7Der Prophet Daniel
Wer sich anpasst, verliert sich schnell. Daniel zeigt: Es gibt eine Grenze, an der du Gott mehr gehorchst als dem Druck von außen – und genau dort beginnt Standhaftigkeit.
Liebe Freunde,
ich habe mich jahrelang, zu DDR-Zeiten, davor gedrückt, über den Propheten Daniel zu predigen. Ich habe mir immer gesagt: Wenn du darüber mal öffentlich redest, wird das deine letzte Predigt sein, danach geht es ab in den Knast.
Aber im Jahr 1985 war ich dann doch so weit – ich habe es gemacht. Es war schon schwierig, allein die Texte vorzulesen, die in der Bibel stehen. Das werde ich euch am Morgen erklären. Dort, wo Nebukadnezar so ein großes Denkmal errichtet hat, vor dem alle niederfallen mussten. Jeder Karl Markstetter dachte natürlich an den „Nischel“. Jedenfalls brannte damals die Luft, als ich das gepredigt habe. Immerhin waren dreitausend junge Leute jedes Mal da – und eine Handvoll Iams. Die haben damals auch alles mitgeschnitten. Das bin ich gewohnt. Sie konnten zwar keine Kamera aufstellen, so weit sind sie damals nicht gegangen, aber sie waren immer mit dabei.
Na jedenfalls habe ich damals genau das erlebt, worüber ich in dieser Woche auch predigen will. Gott hat der Stasi die Krallen und die Klappe zugehalten, sodass sie nicht an mich herankamen.
Sechzehn Jahre später habe ich die gleichen Predigten gehalten. Da war man unter Freiheit, im Mission Camp in der Rhön im Westen. Dort waren westlich erzogene junge Leute, ganz anderer Herkunft, anderes soziales Milieu usw. Aber es war die gleiche Aktualität.
Es war noch deswegen besonders aktuell, weil eine Frau dabei war – Frau Asmon. Sie war als Kind im KZ und begann als Erwachsene, diese Erlebnisse in Bildern darzustellen. Meterhohe Bilder hatte sie gemalt. Sie wusste nicht, dass ich über Daniel predige, und ich wusste nicht, dass sie da ist. Aber wir traten zusammen auf. Man hätte eigentlich denken können, das sei geplant gewesen.
Ich habe dann über die Männer im feuerlichen Ofen gepredigt, und diese KZ-Bilder standen um mich herum. Man sah alles vor Augen, was Menschen gemacht haben – andere Leute in den Ofen gesteckt usw.
Ob ich im Kommunismus oder im Kapitalismus gepredigt habe, spielt überhaupt keine Rolle. Das Wort der Bibel ist jedes Mal aktuell. Wir brauchen es nicht zu modernisieren oder aufzupäppeln, sondern es spricht in jeder Generation und in jeder Situation.
Jetzt haben wir eine ganz andere Situation. Wir haben den 11. September hinter uns, eine Eurokrise, eine Asylkrise und vieles mehr. Doch all das spielt keine Rolle. Es ist das Wort des ewigen, lebendigen Gottes, und deshalb ist es aktuell.

Die Geschichte von vier jungen Männern in einer kriegerischen Zeit

Ich erzähle euch die Geschichte von vier jungen Männern: Dani, Hansi, Micha und Atze. Natürlich standen in ihren Ausweisen nicht die Kurzformen Dani, Hansi und so weiter, sondern ihre vollen Namen: Daniel, Hananja, Michael und Azarja. Allerdings hatten sie ihre Ausweise gerade weggenommen bekommen. Wie das genau geschah, könnt ihr im Alten Testament der Bibel beim Propheten Daniel im Kapitel 1 nachlesen.
Es war wieder einmal Krieg. Ihr seht also, dass diese Geschichte voll aus dem Leben gegriffen ist. Solange es Menschen gibt, gibt es auch Krieg. Das begann schon mit Kain und Abel, aber das erzähle ich euch heute nicht.
Der absolute Höhepunkt dieser Kriegsgeschichte, die sich durch die Jahrtausende zieht, war der Zweite Weltkrieg mit ungefähr 50 Millionen Toten. Man könnte meinen, dass die Menschen nach einem solchen Krieg genug hätten und es endlich gut sein lassen würden. Doch von 1945 bis zum Jahr 2015 gab es 223 Kriege mit Millionen von Toten. Und was heute los ist, das wisst ihr ja.
Es war also Krieg. Nebukadnezar, der König von Babel, stand mit seinen Truppen vor Jerusalem. Als er die Stadt eingenommen hatte, nahm er sich ein paar Souvenirs mit – wie es bei solchen Leuten üblich ist. Er ließ einen Teil der kostbaren Geräte aus dem Tempel mitnehmen, zum Beispiel goldene Gefäße und kunstvoll geschmiedete Schüsseln.
Doch mit ein paar kunstvoll geschmiedeten Tellern und Schüsseln aus Gold gab sich jemand wie Nebukadnezar nicht zufrieden. Einer wie er nimmt nicht nur Schätze aus dem Tempel, sondern auch Schätze aus dem Volk Israel mit. Er nahm die Jugend mit, denn wer die Jugend hat, hat die Zukunft.
Nebukadnezar war einer der Ersten, der so dachte. Hitler war einer der Letzten, der so dachte. Und wer heute immer noch so denkt, ist wohl der Letzte. Denn obwohl Hitler die Jugend hatte, besaß er nicht die Zukunft. Das „tausendjährige Reich“, von dem er träumte, war nach nur zwölf Jahren schon vorbei. Für uns heute ist das nur noch wie ein böser Traum aus der fernen Vergangenheit – genauso wie das babylonische Weltreich, das Nebukadnezar regierte, längst der Vergangenheit angehört.
Aber in der Zeit, in der unsere Geschichte spielt – im sechsten Jahrhundert vor Christus – war Nebukadnezar noch fest davon überzeugt: Wer die Jugend hat, hat die Zukunft.

Die Auswahl der Jugend und die Forderungen des Königs

Ich lese euch vor: Der König sprach zu Aschpenas, seinem obersten Palastvorsteher, er solle einige von den Kindern Israel auswählen. Dabei sollten sie aus königlichem Stamm und edler Herkunft stammen – junge Männer. Die jungen Männer fordert er, Mädchen braucht er keine.
Vom kriegstechnischen Standpunkt aus sind Frauen ja nur noch wichtig für die Nachwuchsproduktion, das sogenannte Kanonenfutter. Erst Napoleon hat später den Satz gesagt: „Gebt mir die Mütter.“ Aber so weit war Nebukadnezar noch nicht. Ihm genügen ein paar junge Leute, junge Männer – erst mal die Jungs.
Er beschränkt sich auf eine Auswahl, nämlich junge Männer, die keine Gebrechen hätten. Für gebrechliche junge Männer hat Nebukadnezar nichts übrig. Die können ja weder die Gasmaske tragen noch die Handgranate schleudern. Im Krieg sind sie zu nichts zu gebrauchen. Sie laufen ja schon im Frieden unter Unkosten.
Darum suchen die Nachfolger von Nebukadnezar auf der ganzen Welt heute Mittel und Wege, um zu verhindern, dass Behinderte überhaupt erst geboren werden. Wenn sie feststellen oder nur vermuten, dass ein Kind mit Behinderung zur Welt kommen könnte, versuchen sie das zu verhindern. Sie ordnen einen Schwangerschaftsabbruch an, empfehlen ihn oder führen ihn durch – also töten das Kind.
Wenn aber das behinderte Kind doch zur Welt kommt, versuchen sie möglichst unerkannt, es wieder loszuwerden. Es war wieder Adolf Hitler, der das im großen Stil betrieben hat. Die Nazis haben das Wort vom „lebensunwerten Leben“ erfunden und haben die Behinderten deswegen vergast – eben weil sie behindert waren.
Die Hilfsbedürftigen, die Gebrechlichen, die Behinderten haben in der Welt Nebukadnezars keine Chance. Wenn ich von Nebukadnezar spreche, meine ich den babylonischen König aus dem sechsten Jahrhundert vor Christus. Aber Nebukadnezar ist gleichzeitig ein Symbol für alle Jahrhunderte, für alle Mächte, die die Jugend, die Juden, die Menschen und die Seelen – das Leben überhaupt – bedrohen.
Nebukadnezar lebt unter uns. Er lebt in uns. Das ist nämlich der Geist dieser Welt, der Zeitgeist, der auch unser Denken mitbestimmt. Denn das Ideal der Jugend, das Nebukadnezar im sechsten Jahrhundert vor Christus hatte, deckt sich peinlich genau mit dem Ideal von Jugend, das wir im zwanzigsten Jahrhundert haben.
Nebukadnezar verlangte junge Leute, die keine Gebrechen hätten, sondern schön, begabt, weise, klug und verständig wären. Das ist doch genau das Ideal von Jugend, das hinter aller Werbung von Kosmetik, Kader und Kaserne steckt. Die Jugend muss schön sein.
Die Begriffe „schön“ und „jung“ gehören ja zusammen, genauso wie „hässlich“ und „alt“. Und noch die älteste Oma der Stadt wickelt sich einen flotten Schal um den Hals, um ein bisschen jünger zu wirken. Noch der älteste Mann der Stadt zwickt seine fette Bierwampe in die Jeans, um jugendlicher zu wirken.
Jugend sein ist angesagt – auf Biegen und Brechen, oder besser gesagt: auf Platzen. Auch für unsere Rentner hat die Jugendmode noch ein großes Angebot.
Und die übrigen Merkmale – begabt, weise, klug, verständig – die sind doch selbstverständlich für jedes Schulkind. So wollen wir sie doch haben, unsere Kinderchen. Dagegen ist ja auch gar nichts einzuwenden.
Die Frage ist nur, wozu Nebukadnezar die Jugend so haben möchte. Was ist das Ziel seiner Erziehung? Das steht hier ganz klar am Schluss – so wichtig, dass es gleich zweimal erwähnt wird, in Vers 4 und Vers 5: Sie sollen fähig sein, dem König zu dienen.
Königstreu muss die Jugend sein, regierungstreu, staatstreu, linientreu – das ist die Hauptsache. Darauf läuft alles hinaus: die Klappe halten und dem König dienen. Nebukadnezar muss sich auf die ergebenen Dienste seiner Untertanen verlassen können.
Ich zitiere zum letzten Mal Hitler, weil er es an diesem Punkt so übertrieben hat: „In meinen Ordensburgen“, so hat er gesagt, „wird eine Jugend heranwachsen, vor der die Welt erschrecken wird.“ Das Vorbild der Ordensburgen, in denen Hitler die Jugend auf Bestien getrimmt hat, hat Nebukadnezar geboten.
Er hat dort für die jungen Leute gut gesorgt, unheimlich gut. Er bot ihnen die besten Bildungschancen an, auch später die besten Posten. Und auch sonst wird an seinem Hof einiges gelaufen sein, was junge Leute interessiert: mal ein Sommernachtsball, mal ein Jugendfestival, mal ein harter Sporttest oder auch ein Schützenfest.
Jedenfalls ließ sich Nebukadnezar das etwas kosten, um das Erziehungsziel zu erreichen.

Die Umerziehung der Gotteskinder

Das heißt, es handelt sich bei dieser Erziehung um eine Umerziehung. Nebukadnezar will Königskinder, aber vor sich hat er Gotteskinder. Die vier jungen Männer sind Juden, also Menschen, die an Gott glauben. Ihnen ist das erste Gebot in Fleisch und Blut übergegangen: „Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“
Solche Gottesdiener zu Königsdienern umzuschulen, dazu ist eine gezielte Schulung nötig, eine Umschulung. Und das klappt nicht von heute auf morgen. Deshalb stellt Nebukadnezar einen Plan auf – einen Dreijahresplan. Dieser Plan enthält drei Schwerpunkte.
Nebu weiß, dass der Mensch aus drei Teilen besteht: Leib, Seele und Geist. Deshalb kümmert er sich um ihren Geist und bestimmt, was sie zu denken haben. Er kümmert sich um ihre Seelen und bestimmt, was sie zu glauben haben. Und er kümmert sich um ihren Leib, ihren Körper, und bestimmt, was sie zu essen bekommen.
Nebus Erziehungsprogramm ist umfassend und total. Der erste Punkt der Umschulung ist die Umbenennung. Den Jungen wird als Erstes ihr Ausweis, also ihre Identität, weggenommen. Das heißt, ihnen werden ihre Namen genommen und sie bekommen neue.
Er nannte Daniel Belsazer, Hanania Schadrach, Michael Schmeschach und Azarja Abednego. Diese Umbenennung ist keine harmlose Spielerei und kein irrationaler Spinnerei. Dahinter steckt System. In allen vier Namen kommt nämlich das hebräische Wort „Gott“ vor.
Daniel bedeutet „Gott ist Richter“, also Gotthard. Michael bedeutet „Wer ist wie Gott“, also Gottwald. Hanania bedeutet „Güte Gottes“, also Gottlieb. Und Azarja bedeutet „Gott hilft“, also Gotthelf.
Stellt euch mal vor, sie haben gerade babylonische Staatskunde, und der Lehrer sagt: „Gotthelf, sei mal so lieb und hilf dem Gottlieb beim Abwischen vor der Tafel, damit der Gotthard verbessern kann, was der Gotthard falsch gemacht hat.“ Solche frommen Namen sind in der Kaderschmiede Nebukadnezars vollkommen unmöglich.
Das verhasste Wort „Gott“ muss verschwinden. Die Erinnerung an die Familie, an die Gemeinde, an Gott überhaupt, muss ausgelöscht werden. Was jetzt in die Köpfe der Jugendlichen rein muss, ist die Weltanschauung des Herrschers. Sie müssen sein Denken übernehmen.
Deshalb ist Punkt zwei des Dreijahresplans, dass sie in Schrift und Sprache der Kalder unterrichtet werden. Ein richtiger Diener muss die Sprache seines Herrn sprechen. Nur so kann das Erziehungsziel, vor dem König zu dienen, wirklich erreicht werden.
Dann kommt der dritte Schwerpunkt: Der König bestimmt, was man ihnen täglich geben soll – von seiner Speise und von dem Wein, den er selbst trank. Das war natürlich nobel, den Jungen das gleiche Futter zu geben, das der König selbst speiste. Aber auch das hatte seinen Haken.
Denn von dem, was am Königshof gegessen und getrunken wurde – jedenfalls von Fleisch und Wein – wurde ein Teil den Göttern geopfert. Hier konnten die vier jungen Männer nicht mitmachen.

Die Glaubensentscheidung und die Grenzen der Anpassung

Um zu verstehen, warum das so ist, schauen wir uns jetzt die vier jungen Männer etwas genauer an – vor allem Daniel. Daniel war ein junger Mann, der an Gott glaubte. Er wurde gezwungen, in einer Welt zu leben, die ihn zu einem gottlosen Fürstengeschlecht erziehen wollte.
Daniel hatte ein waches Gewissen und war gewissenhaft. Dieses Gewissen führte an einem bestimmten Punkt zu einer folgenreichen und segensreichen Gehorsamsverweigerung aus Gewissensgründen. Er wusste, dass der Glaube schnell schwach werden kann, wenn man keine Glaubensgenossen hat. Deshalb suchte sich Daniel Freunde.
Wie das oft so ist, fand er nicht viele. Hunderte, sogar Tausende waren mit ihm in Gefangenschaft. Aber in einer Jugend, die meist nur an der Flasche hing oder herumsaß, gab es nicht viele, die treu bleiben wollten. Unter den Tausenden Mitgefangenen fand Daniel nur drei Freunde: Hansi, Micha und Atze. Vier von Tausenden – mehr nicht.
Diese vier jungen Männer setzten sich zusammen und sagten: „Wir würden ja lieber woanders leben. Schließlich sind wir hierher deportiert worden. Aber wir leben nun mal hier, und Gott hat uns hierher gestellt. Es ist nicht unsere Aufgabe, Plakate mit der Aufschrift ‚Nebu ist blöd‘ zu malen. Wir sollen auch keine Schriften gegen die babylonischen Unterdrücker drucken. Wir müssen diesem Staat gehorchen, ob wir wollen oder nicht.“
Sie wussten, dass sie manches mitmachen mussten, was ihnen nicht passte – zum Beispiel das Schulungsprogramm. Daran konnten sie nicht einfach aussteigen. Sie mussten manches schlucken, was ihnen nicht schmeckte, ohne sich deswegen von Gott trennen zu müssen. Aber es gibt für alles eine Grenze. Wenn diese überschritten wird, ist die Trennung von Gott vollzogen.
Deshalb sagten sich die vier: „Wir müssen eine klare Grenze ziehen. Wir müssen entscheiden, wie weit wir hier in diesem Staat mitmachen können und wo die Grenze ist, an der wir dem König den Gehorsam verweigern müssen. Dort gehorchen wir Gott mehr als den Menschen.“
Die vier setzten diese Grenze fest und sagten: „Bis hierhin kann der König mit uns rechnen, ab hier nicht mehr.“ Mit dieser Grenzziehung taten sie etwas sehr Wichtiges: Sie retteten damit ihren Glauben.
Viele Menschen verlieren ihren Glauben nicht durch Zweifel oder Vernunftargumente, sondern durch Anpassung an die gottlose Umwelt. So erging es vielen Juden in Babel. Erst machten sie ein bisschen mit, dann passten sie sich immer mehr an. Schließlich kamen Zweifel, dann Unglaube – ob es überhaupt Gott gibt – und dann stellten sie ihren Glauben beiseite.
Die vier jungen Männer retteten ihren Glauben, indem sie eine Grenze zogen. Diese Grenze lag beim Essen und Trinken. Ich habe das schon erwähnt: Das Fleisch und der Wein, die man am Königshof aß, waren zum Teil den Göttern geopfert und geweiht. Gott hat in der Bibel streng verboten, an solchen Opfern und Weihen teilzunehmen.
Wenn die vier mitgemacht hätten, hätte es so ausgesehen, als glaubten sie auch an die babylonischen Götter oder wären überzeugt von der modernen Weltanschauung, die in Babylon herrschte. Jeder, der sie dabei gesehen hätte, hätte gesagt: „Schau mal, die sind auch umgefallen, sind nicht mehr treu.“
Aber Daniel nahm sich in seinem Herzen vor, sich mit des Königs Speise und seinem Wein nicht unrein zu machen. Er ging zum obersten Küchenchef, legte ihm sein Anliegen vor und bat höflich: „Alle Zimmergenossen von Stube 15 haben etwas gegen Fleisch und Alkohol. Können wir bitte auf Diät gesetzt werden?“
Die Bibel berichtet: „Und Gott gab es Daniel, dass ihm der oberste Küchenchef günstig und gnädig gesinnt war.“ Es heißt auch: „Das Königsherz ist in der Hand Gottes wie Wasserbäche; er lenkt es, wohin er will.“ Hier ist ein Beispiel, wie Gott das Herz eines königlichen Beamten lenkte.
Der Küchenchef zeigte Nachsicht und erlaubte Wasser statt Wein. Allerdings hatte er große Angst, dass die Jugendlichen ohne das königliche Fleisch schwach werden könnten. Deshalb sah er sie zuerst eher als für die unteren Regierungsebenen geeignet an.
Daniel machte dem Küchenchef Mut und sagte: „Versuch es doch mal mit deinen Knechten, wenigstens zehn Tage. Lass uns Gemüse essen und Wasser trinken. Dann sieh dir unser Aussehen an und das der jungen Leute, die von des Königs Speise essen.“
Die „Gemüsedekade“ begann. Nach zehn Tagen meldeten sich die vier Vegetarier beim Küchenchef zur Kontrolle. Und siehe da: Nach zehn Tagen sahen sie gesünder und kräftiger aus als alle anderen jungen Leute, die des Königs Speise aßen.
Diese Geschichte ist keine Werbung für alternative Ernährung oder Schulessen mit Müsli und Möhren. Obwohl ich sagen muss, dass wir alle viel zu viel Fleisch essen. Besonders die vielen Schweinefleischgerichte sind wirklich ungesund. Da bin ich mir mit Piggy völlig einig.
Das steht übrigens alles schon in der Bibel. Wenn wir uns mehr an die biblischen Vorschriften, auch an die Ernährungsvorschriften, halten würden, würden wir viel gesünder leben. Es gäbe wirklich weniger kranke Menschen, wenn mehr Menschen Gott gehorsam wären.
Merke: Auch Fettbauch, Nieren- und Gallensteine können die Folge von Gottlosigkeit sein.

Die Bedeutung von Glauben für Leib und Seele

Aber in unserer Geschichte geht es nicht nur um die Gesundheit des Leibes, sondern vor allem um die Gesundheit der Seele.
Wie Jesus einmal gesagt hat: Der Mensch lebt nicht von Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt. Du kannst noch so viel zu essen haben – wenn du unglücklich bist, schmeckt es dir nicht. Und wenn du mit schlechtem Gewissen isst, wird es dir auch nicht gut bekommen.
Der Daniel knabbert seine Radieschen mit einem guten Gewissen, einem dankbaren Herzen, einem Tischgebet – und gedeiht prächtig dabei. Er fühlt sich wohl bei Milch und Kohl, obwohl das, was er isst, also Gemüse, in den Augen seiner Umwelt eine verachtete Speise ist.
Wie viele unserer Kinder müssen sich gefallen lassen, dass ihnen verächtlich gesagt wird, was sie im Kindergottesdienst erzählt bekommen: „Das ist doch Kohl!“ Wie viele Jugendliche müssen sich in der Schule anhören, dass das, was sie im Konfirmandenunterricht lernen, „doch alles Käse“ sei! Wie viele Menschen hören, dass das, was ihnen in der Kirche erzählt wird, „überholter, kalter Kaffee“ ist – von diesem abgestandenen Zeug, „da kann doch kein Mensch leben!“
Um im Leben voranzukommen, brauche man heutzutage einen ganz anderen Standpunkt – das hören wir schon seit Nebukadnezars Zeiten. Aber seit Erschaffung der Welt ist das Wort Gottes der sicherste Standpunkt der Welt. Gott segnet alle, die gehorsam nach seinem Wort leben.
Am Ende unseres Kapitels heißt es von den vier jungen Männern: Der König fand sie in allen Sachen, die sie als Zeichendeuter taten, zehnmal klüger und verständiger als alle Zeichendeuter und Weisen in seinem ganzen Reich.
Gott ist denen treu, die ihm treu sind. Und wenn du Gott die Treue hältst, dann lässt er dich nicht im Stich oder im Regen stehen. Er wird dir genau das geben, was du brauchst. Wer nach Gottes Wort lebt, wird nicht verkohlt, sondern gesegnet.
Dem Daniel gab Gott Freunde, Gesundheit, Verstand, Erfolg und einen guten Posten. Er lebte als treuer Staatsdiener auf einem der höchsten Posten im Reich Nebukadnezars – zum Wohle des babylonischen Reiches.
Aber die oberste Autorität seines Lebens blieb das Wort Gottes.

Glaube und Standhaftigkeit in der DDR-Zeit

Zur DDR-Zeit hatten vor allem junge Christen besonders schwere Zeiten und es war schwierig, im Leben voranzukommen. In der Schule wurden die Schüler so erzogen, dass sie den Standpunkt eines überzeugten Sozialisten einnehmen sollten. Wer nicht mitmachte, hatte keine Chance.
Ich hatte zum Beispiel drei Töchter, und sie hatten wie jeder junge Mensch natürlich ihre Träume. Sie wollten gerne Abitur machen oder vielleicht studieren. Doch all diese Träume zerplatzten. Obwohl sie gute Zensuren hatten, hatten sie einen falschen Vater. Ich war Pfarrer, politisch auf dem falschen Standpunkt, mit einer falschen Ideologie und dem falschen Glauben. So ging es auch meinen Kindern.
Sie waren Christen, besuchten die Christenlehre und nicht die Jugendweihe. Deshalb wurde ihnen schon im achten Schuljahr gesagt: Ihr fliegt im zehnten Schuljahr sowieso aus der Schule raus, da ist Schluss für euch, es gibt keine weitere Bildung. Und so war es auch. Der Traum von Bildung und Karriere war vorbei.
Es gab allerdings, das muss ich korrekterweise sagen, auch andere Wege. Ich denke dabei besonders an eine, die damals im blauen Hemd herumlief, die Staatsjuristin war und ihre Karriere machte. Sie hat auch in Moskau studiert – solche karrierefördernden Wege gab es also auch.
Meine Töchter hingegen machten keine Karriere. Sie bekamen keine Lehrstelle mehr und konnten nur das werden, was für Pfarrtöchter die einzige Möglichkeit war: Krankenschwester, Pflegerin für hirngeschädigte Kinder oder Kindergärtnerin. Das haben meine Töchter gemacht – und tun es bis heute. Dabei sind sie auch glücklich geworden.
Sie mussten wegen ihres Glaubens vieles aufgeben, aber sie haben durchgehalten.
Damals, im Jahr 1985 oder eher mitten in der DDR-Zeit, habe ich mit meinem Freund Jörg Swoboda ein Lied geschrieben. Meine Jahreslosung war damals: „Vertraut auf den Herrn für immer, denn er ist der ewige Fels.“ Wir wollten ein Trost- und Mutmachlied für die jungen Leute schreiben, die ihre Karriere und vieles andere aufgaben, um Jesus nachzufolgen.
Man muss wissen: Ein Lied für die Jahreslosung schreibt man eigentlich im Jahr vorher. Aber wir haben das Lied erst im März oder April geschrieben, das Jahr lief schon lange. Damals gab es keine Möglichkeit, Noten zu drucken, und es gab noch keinen EHF oder eine andere Organisation, die das Lied für uns verbreiten konnte.
Doch dort, wo Jörg sang – im Gottesdienst oder bei seinen Auftritten – verbreitete sich das Lied wie ein Lauffeuer durch die ganze DDR. Es schwappte sogar in den Westen über. Es war ein Trostlied für junge Christen, die wegen ihrer Nachfolge Jesu Nachteile in Kauf nahmen.
„Bleiben wird nur, wer auf Gottes Wort steht, dem sichersten Standpunkt der Welt“, heißt es in dem Lied. So war es zur Zeit Daniels, so war es in der DDR-Zeit, und so ist es auch heute. Gott segnet alle, die ihm die Treue halten und nach seinem Wort leben.

Das Scheitern irdischer Mächte und die Beständigkeit Gottes

Um noch einmal auf den Satz zurückzukommen: „Wer die Jugend hat, hat die Zukunft.“
Das hat auch beim Nebukadnezar nicht funktioniert. Es dauerte nämlich gar nicht lange, bis das babylonische Weltreich zusammenbrach. Es kam die nächste Großmacht und der nächste Herrscher, Kyrus. Damit war Nebukadnezar Geschichte.
Am Schluss des Kapitels heißt es, dass Daniel bis ins erste Jahr des Königs Kyrus im Dienst blieb. Das bedeutet nicht, dass Nebukadnezar weiterregierte. Vielmehr blieb Daniel im Dienst.