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Bloggen als Mittel der Verkündigung

25.05.2018
Ein Seminar mit Ron Kubsch, Hanniel Strebel und Andreas Dück auf der Evangelium21-Konferenz 2018.

Innere Ausrichtung und die Frage nach dem Warum

Ich werde eure Fragen, die er hier aufgepinnt oder angeklebt hat, im Hinterkopf behalten, wenn ich jetzt einiges dazu sage. Aus einer christlichen Weltsicht gesprochen, denke ich, dass auch beim Bloggen alles mit dem eigenen Herzen anfängt und endet. Das kann man so ausdrücken, etwas operationalisiert, wie ich es oben gesagt habe: Kümmere dich zuerst um das Warum. Das heißt nichts anderes, als vor Gott auf mein eigenes Herz zu blicken.
Wenn ich Herz sage, dann meine ich nicht nur irgendwie Gefühle. Das meine ich auch mit. Ich bin ein sehr gefühlvoller Mensch. Ich meine genauso den Verstand und auch den Willen. Ich meine alles zusammen. Das ist die innere Schaltzentrale, und die war auch bei mir, als ich angefangen habe, natürlich sehr stark beteiligt. Ich weiß nicht, wie es bei euch ist oder bei euch sein wird. Ich war am Anfang absolut in der Euphorie. Ich weiß es noch: Ich war absolut euphorisch. Ich habe lange gezögert anzufangen, und da es dann dieser Freund mir den Anstoß gegeben hat und ich nicht begonnen habe, war es so wie ein Wasser, das sich dann irgendwie die Bahn gebrochen hat.
Ich glaube aber, dass die absolut erste und wichtigste Frage eben beim eigenen Herz anfängt. Und wenn ich die erste Frage oben hingeschrieben habe, ist es wirklich nicht umsonst die erste Frage, die ich mir stelle. Übrigens stelle ich sie nicht nur am Anfang, sondern immer wieder. Ich lasse mich auch von anderen auf dieser Frage hinterfragen. Das ist nämlich: Wenn jemand mich fragt, warum bloggst du? Und wisst ihr, wer am besten solche Fragen stellt? Das sind die Kinder. Die stellen super Fragen auf das Herz. Die fragen mich nämlich: Warum machst du das, Papa? Warum schreibst du das? Oder in dieser Art: Was würde ich dann zur Antwort geben?
Ich sage nicht, dass diese Antwort schon von Anfang an ausgereift sein müsste und pannenfertig irgendwo an eine Hochglanzwand geklebt oder gepinnt. Nein, das meine ich nicht. Aber so, wie das Ronfer wunderschön formuliert hat, eine Idee, was mein Beitrag sein könnte, beziehungsweise warum ich das tue, was ich tue, das ist unglaublich wichtig.

Dienst, Motive und die Gefahr des Vergleichens

Mein Anstoß, mein persönlicher, war es, dass ich merkte, dass sowohl meine säkularen Arbeitskollegen – ich arbeite seit 20 Jahren in der Personal- und Führungsentwicklung, vor allem mit Führungskräften – als auch das christlich sozialisierte Umfeld, die Subkulturen, in denen ich mich bewege, ganz verschiedene christliche Subkulturen, eigentlich nur einen kleinen privaten Herzensbereich kannten, der irgendwie mit dem Glauben zu tun hatte. Die restlichen 95 bis 98 Prozent des Lebens hatten überhaupt nichts damit zu tun. Nichts! Schlicht einfach nichts. Es war eher eine Wand.
Das frustrierte mich zutiefst, und mein Anliegen vom ersten Tag an war es, täglich vor Gott auf dem Blog zu schreiben, welchen Fragen ich begegne, wenn ich beginne, mein ganzes Leben unter die Herrschaft von Christus zu stellen. Das war mein großes Anliegen. Und so kam es, dass ich vor allem in den ersten Jahren sehr, sehr viel zum Thema Familie geschrieben habe. Ich werde heute Nachmittag noch mehr dazu sagen. Ich habe auch oft die Rückmeldung von Nichtchristen bekommen, dass das der Grund war, warum sie überhaupt begonnen haben, meinen Blog zu lesen.
Ich sage genau das Gleiche wie Ron: Es ist nicht in erster Linie das missionarische Anliegen. Aber wenn ich auf Christus hinweise, dann kann ich gar nicht anders, als das mit einzubeziehen. Ich habe immer wieder Rückmeldungen bekommen, dass sie gesagt haben: Am Anfang habe ich nur deine Familienbeiträge gelesen, aber alles andere ging an mir vorbei. Mit der Zeit begann ich dann auch, die anderen Beiträge zu lesen. Das hat mich sehr ermutigt.
Die Frage, die sich damit verbindet und ins Gleiche hineinragt, ist die Frage: Weshalb ist dein Blog ein Dienst? Ich höre immer wieder in der säkularen Szene: Ja, jetzt habe ich irgendwie einen Kochblog eröffnet, oder jetzt habe ich einen Reiseblog eröffnet. Corrie ten Boom würde sagen – sie, die im Konzentrationslager war, diese Niederländerin –, dass das Ich immer noch sehr groß ist, mit ICH-Buchstaben, drei Großbuchstaben. Wenn es nämlich darum geht, um mich und um, ihr wisst schon, was ich meine, dann beginnt es irgendwo, vielleicht am Anfang in der Euphorie noch nicht, aber irgendwann beginnt es sich mit dem Dienst zu beißen, weil es dann um mich geht, der Richtblog.
Ich sage nicht, dass meine Motive jemals rein werden. Überhaupt nicht. Ich habe zum Beispiel große Probleme, das kann ich euch auch offen sagen, mit Zahlen und Vergleichen, mit diesen vier Beiträgen. Das ist genau so ein Beispiel. Ein Blogger darf ja auch nicht sagen, wie viele Zugriffe er hat, das ist so ein Bloggergeheimnis. Ich habe einen Lehrer, einen säkularen Lehrer, Alfred Ländle. Der hat mir gesagt: Heute sind alle dabei, alles und jedes miteinander zu vergleichen. Das absorbiert so viel Kraft und Energie. Und ich glaube, wenn man sich aus christlicher Sicht darauf schaut, hat er genau recht: Es absorbiert Energie in sich selbst.
Und ich kämpfe bis heute genau mit diesen Vergleichen. Darum ist die Frage, weshalb ist dein Blog ein Dienst, eine ganz, ganz zentrale Frage. Die zwei ersten sind für mich eigentlich die wichtigsten. Mit denen fängt alles an, mit denen endet es auch. Und es sind nicht Fragen, die ich mir nur am Anfang stelle, aber es ist gut, wenn wir sie uns schon am Anfang stellen.

Planung, Rhythmus und die Frage nach dem eigenen Profil

Ich habe immer wieder Gespräche mit Bloggern, und ich kann das sehr gut nachvollziehen. Sie sagen dann: Dann habe ich noch dieses Feature, dann habe ich noch diesen Content-Tag, dann habe ich noch dieses, das und jenes. Die sind schon völlig im Wie, also darin, wie sie das aufbauen, mit diesen coolen Features. Es gibt wirklich so coole Features.
Ich bin bei diesem Thema nicht so gut. Auch beim Thema Grafik wäre ich gerne schon viel weiter, aber es reicht nicht, ich bin immer am Schreiben. Aber ich glaube, wenn wir uns immer mit dem Wie auseinandersetzen, wird das noch peppiger, noch besser. Und das ist einfach am falschen Ort angefangen.
Ich glaube, viel wichtiger ist die Frage, was mich antreibt und weshalb mein Blog ein Dienst ist. Das sind die Fragen, die ich mir nicht nur am Anfang stelle, sondern auch heute, morgen und solange ich weiterblogge. Was ich mir am Anfang viel zu wenig überlegt habe: Ich gebe euch einfach als Anschluss, manchmal ist es auch gut, das mit einem Freund oder mit der Ehefrau oder dem Ehemann zu besprechen. Wenn ich blogge, was sollen die Leute in einigen Jahren über mein öffentliches Schreiben sagen? Da sagt ihr vielleicht: Ja, was, das ist eine sehr abstrakte Frage. Das ist es heute schon, wenn du beginnst, aber in einigen Jahren wird dich diese Frage beschäftigen.
Denn ich habe über die Jahre täglich Zuschriften bekommen, täglich mehrere Zuschriften. Wenn man das mal hochrechnet: Also, wenn ich, sagen wir mal, täglich fünf bekomme, dann habe ich im Jahr vielleicht 1500 bis 2000. Und dann werden es über fünf Jahre zehntausend. Das verdichtet sich ja irgendwann dann zu einem Bild. Und irgendwo ist es einfach so, dass die Leute mit den Jahren etwas über mein öffentliches Schreiben sagen, ob ich es will oder nicht. Also, das muss man sich bewusst sein. Und es ist gut, sich schon am Anfang das auch zu überlegen. Darum auch die Rückkopplung nochmals zur Frage: Weshalb blogge ich? Das ist ganz wichtig.
Ich sage noch etwas zur Selbstführung, das ist für mich wirklich die Reihenfolge. Man könnte auch mehr an den Inhalten weitergehen, da kann man sich darüber streiten, aber ich sage noch einige Dinge zur Selbstführung.
Ich bin von Natur aus, also ich muss noch sagen: Ich habe erst mit der Zeit entdeckt, dass meine Vorfahren mütterlicherseits auch alle in dieser Art gebloggt haben. Nicht auf dem Blog, sondern sie haben Kalenderzettel geschrieben. Generationen zurück haben sie Kalenderzettel geschrieben. Und mir hat ein Mann geschrieben, er verwendet ganz viele meiner Bloginhalte für die Kalenderzettel, die evangelistischen, ganz viele Anstösse. Da wusste ich mit diesem Mal, das war erst nach einigen Jahren: Aha, Gott führt offenbar eine rote Linie von meinen Vorfahren her, vielleicht, wenn ich es richtig sehe, weiter in dieser Richtung, dass es nicht mehr Kalenderzettel sind, sondern Blogzettel im Netz sozusagen.
Also darum ist auch dann die Frage: Wie oft werde ich schreiben? Solange es mich nicht stresst und freut, schreibe ich mehr oder weniger täglich. Ich weiss, ich bin jetzt verrückt. Das heisst aber nicht, dass du täglich schreiben musst, sondern es ist gut, sich zu überlegen: Wie oft werde ich schreiben? Ich kenne viele, die sagen: Okay, ich mache zum Beispiel jede Woche oder jede zweite Woche einen Beitrag. Es ist gut, sich die eigenen Ressourcen zu überlegen und zu sagen: Wenn ich mir einmal vornehme, ein Jahr lang alle zwei Wochen zu schreiben, dann sind das doch 25 Beiträge. Liegt das drin? Werde ich das schaffen? Ich habe ja die Frage im Kopf: Wie überstehe ich das erste Jahr?
Eine realistische Planung ist gut, um sie für das erste Jahr aufzusetzen und dann wirklich mal eine Zeit durchzuhalten. Ich habe mit vielen erfahrenen Bloggern gesprochen. Eigentlich ist es wichtig, dass du wirklich durchhältst und regelmässig schreibst. Dann erst kommst du in eine Regelmässigkeit hinein, und auch deine Leser können diese Regelmässigkeit entwickeln. Ich kenne immer wieder Leute, die sagen: Wenn du mal etwas nicht schreibst, dann suche ich schon auf dem Blog, ob etwas kommt. Also mit der Zeit gewöhnen sich die Leser auch an eine gewisse Frequenz, offenbar.
Die Frage nach den Pausen, das ist mein Schwachpunkt, Ron. Ich bin nicht so gut im Pausieren, weil mein Kopf die ganze Zeit neue Ideen ausspuckt. Meine Frau hat mich in dieser Hinsicht mal ganz enorm entlastet und hat gesagt: Du bist unausstehlich, wenn du versuchst zu pausieren und dann trotzdem Beiträge kommen. Wenn es über dich kommt, dann schreib es besser raus. Dann bist du nachher wieder ansprechbar.

Inhalte, Schwerpunkte und der Umgang mit Technik

Zu den Inhalten: Ich glaube, auch bei den Inhalten war ich mir am Anfang, ehrlich gesagt, in der Euphorie zu wenig bewusst. Bei den Inhalten ist es auch gut, wenn sich ein gewisser Schwerpunkt herausbildet. Ron wird dazu sicher noch einige Dinge sagen.
Bei mir ist es so, dass ich jetzt im neunten Jahr bin. Im Laufe der Jahre mag sich dieser Schwerpunkt etwas verschieben, weil mein inneres Skript mein tägliches Leben vor Jesus und vor Gott in meinen verschiedenen Lebensbereichen ist. Das heißt natürlicherweise schreiben mir Leute: Warum schreibst du nicht mehr über Familie? Ich kann darauf antworten: Weil ich mir eigentlich fest vorgenommen habe und durch Gottes Gnade weiterhin festhalte, dass ich die nächsten Jahre daran bleibe, was ich schon geschrieben habe. Es geht jetzt darum, und es geht um nichts anderes.
Es kann sich etwas verschieben, und trotzdem ist es wichtig, auch einen Schwerpunkt zu haben. Manchmal bildet sich daraus auch etwas heraus. Es gilt zu überlegen, was mein eigener Beitrag ist, um euch etwas zu entlasten. Das kann ganz unterschiedliche Dimensionen annehmen. Ich habe hier vier Schwerpunkte gebildet.
Es kann sein, dass du gut darin bist, bestehende Inhalte auszuwählen. Es gibt so viele gute Inhalte, die weitergegeben werden wollen. Wenn du gute Ausschnitte hast, die die Leute auf andere gute Inhalte verweisen, ist das ein Dienst. Denn genau dieses Fenster der Auswahl ist ja heute das große Problem: Viele Leute zappen endlos irgendwo herum, aber die Auswahl guter Inhalte kommt dann etwas zu kurz.
Wenn du dich etablieren kannst als jemand, der gute Inhalte auswählt und an die Leute heranträgt, sodass sie mit der Zeit eine Lesegewohnheit entwickeln, Ron, das wäre super.
Ein anderer Schwerpunkt wäre zum Beispiel, eine eigene Bewertung hineinzugeben. Das schätze ich bei Ron immer sehr: dass er schon durch die Auswahl und einen kurzen Kommentar, und dann über die Zeit, einen Fokus legt, damit das Denken erneuert und verändert wird. Das kann sein, dass sich dann die Auswahl mit einer Bewertung verbindet.
Etwas Drittes ist, dass man Gelesenes weitergeben kann. Das hat sich bei mir auch etwas in diese Richtung verlagert. Und das Vierte, was ich merke, ist das selbst Erlebte, Durchlittene und täglich Erlebte. Da bin ich auch jetzt stärker in diese Richtung gegangen, dass ich eigene Beiträge schreibe. Und es sind ehrlich gesagt auch die Beiträge, die über die Jahre am meisten gelesen werden. So viel kann ich schon sagen.
Ich mache es aber nicht einfach so. Eigentlich wüsste ich jetzt über die Jahre, was ich schreiben müsste, um das alles noch zu steigern. Und ich möchte nicht diesem Versuch anheimfallen. Da sind wir nämlich wieder bei der Anfangsfrage: Warum bloggst du? Die Frage dürft ihr mir übrigens alle gern stellen. Ihr dürft mir auch, ich habe unten meine Mail angegeben, wenn ihr das Gefühl habt, ein Beitrag von mir wäre nicht gut gewesen oder irgendetwas, Hanela hat sich irgendwie verändert, dann schreibt mir doch eine kurze Nachricht. Ich nehme die wirklich ernst, ich nehme sie auch ins Gebet und bin froh, wenn wir auch einander auf Dinge hinweisen können.
Ich sage noch etwas zum Schluss, ich habe noch eine Minute, über Technik. Das bewusst am Schluss. Ich sage mal ein paar Dinge, die man am Anfang nicht so bedenkt. Zum Beispiel: Was passiert, wenn mein Blog gehackt wird? Das ist mir alles schon passiert. Ich war absolut entsetzt, und dann wurde ich von Google gescannt. Die scannen so alle regelmäßig, und dann wurde dort auch noch eine Warnung aufgelegt, und so war ich völlig überfordert. Was muss ich jetzt tun?
Also sich da schon vorher einmal so klug zu machen, wie gehe ich vor, wenn mein Blog gehackt wird, das ist gar keine so schlechte Idee. Anstatt jetzt all diese Features und all diese neuen Tools und Einbauelemente zu bedenken, ist es absolut wichtig, und das mache ich selber auch, dass ich regelmäßig Leute sage: Lies wieder mal 20, 30 Beiträge von mir. Da mache ich noch einige Beiträge. Wie sind sie inhaltlich, wie sind sie formell? Wirf mal einen Blick auf die Leserführung. Kann man das lesen? Kommst du noch mit, oder bin ich schon so?
Das ist auch gut, am Anfang zu bedenken. Wichtiger als jetzt die Elemente und die Farben und die Grafiken. Ich weiß ja, durch Grafiken, ich habe mich eben beraten lassen, steigen die Zugriffszahlen. Wenn man noch ein Bildchen dranhängt, ist es noch besser. Aber viel wichtiger finde ich, dass mir immer wieder jemand auf den Inhalt schaut, auf die Leserführung, auf die Gedankenführung und sagt: Entwickelst du irgendwelche Macken? Das finde ich eigentlich fast das Wichtigste.
Und wenn man schon am Anfang das etablieren kann, dass jemand dich vielleicht begleitet und sagt: Ich lese dir einfach deine Beiträge durch, ich korrigiere dir deine Beiträge, ich gebe dir Rückmeldung, zum Beispiel: Kann ich es lesen? Ist die Leserführung gut? Ist die Länge gut? Dann ist viel geholfen. Klaren Ansagen in Richtung des Starts eines Blogs.
Aber wenn man nun gestartet ist, Ron, du hast dich bereit erklärt, einen tiefen Einblick zu geben in das eigentlich Unschöne, und zwar über die größten Fehler, die du selbst beim Bloggen gemacht hast und die du weitergeben willst. Ich habe gehört, dass man oft durch Fehler mehr lernt als durch Erfolge. Ich weiß nicht, ob da etwas dran ist, aber ich freue mich darüber, dass du das machen willst. Daher: Ja, das wäre sein Part.
Ich habe mir ein paar große Fehler aufgeschrieben. Die Frage ist, haben wir noch Zeit, diese Fragen dann aufzunehmen? Du hast einen Block vorgesehen, dann im Anschluss, okay. Ich werde mir ein paar herausgreifen und nicht alle besprechen können, die ich vorhatte zu besprechen.
Ja, also wenn man einen Blog beginnt, ist man, wie Haniel sagte, sehr idealistisch. Man legt einfach los und ist dann relativ schnell ernüchtert. Am Anfang natürlich wegen der schlechten Zugriffszahlen. Irgendwann werden die Zugriffszahlen besser, und dann bekommt man extrem viel Kritik. Man bekommt nicht nur ermutigendes Feedback, sondern auch sehr viel Kritik. Man muss sich damit auseinandersetzen, und ich habe gelernt, Kritik grundsätzlich ernst zu nehmen, sie aber auch richtig einzurahmen. Also zu schauen und wirklich zu prüfen: Ist die Kritik berechtigt oder ist sie es nicht?
Und ein paar Sachen habe ich im Laufe der letzten zehn Jahre gelernt. Die will ich mal versuchen zu vermitteln.

Sorgfalt, Dialog und seelsorgerliche Verantwortung

Der erste Punkt ist, dass man in einer Zeit, in der sehr viel Meinung veröffentlicht wird — wir leben ja sowieso in einer Zeit, in der die Unterscheidung zwischen Meinung und Tatsachenberichterstattung oft gar nicht mehr stattfindet — sich als Christ verpflichtet fühlen sollte, das, was man meldet, so gründlich wie möglich zu prüfen.
Mir ist es einmal passiert, oder sogar mehrmals, dass ich irgendeine Meldung verbreitet habe, die schon ein paar Jahre alt war. Ich habe nicht genau hingeguckt: Was sind die Quellen? Hat mir irgendjemand einen Link geschickt, nach dem Motto: Darüber musst du berichten? Und ich habe das gemacht. Was habe ich vergessen? Ich habe nicht gegengecheckt.
Deshalb ist mein Rat, wenn ihr anfangt zu bloggen oder wenn ihr bloggt: Es ist hilfreich, immer genau hinzugucken, was das für eine Information ist. Gegengecheckt heißt, dass man eine Information, die man von einer Quelle hat, nicht einfach übernimmt, sondern sie mit anderen Quellen verknüpft.
Ein kurzes Beispiel: Ich habe einen Hinweis bekommen, dass es eine kleine Firma in Australien gibt, die Schmuck aus Embryonen herstellt und dann verkauft, also sozusagen die Asche abgetriebener Kinder benutzt, um daraus Schmuck herzustellen, und einen Internetshop aufgebaut hat oder so etwas. Wenn so eine sehr ungewöhnliche, auch besondere Meldung im Raum steht, ist es immer sehr wichtig zu prüfen, ob das stimmt, was da vermittelt worden ist. Denn die ersten Rückfragen werden kritisch sein, wenn man so etwas bekanntgibt. Und genau so war es auch.
Also: Je ungewöhnlicher eine Meldung ist, die man verbreitet, desto gründlicher sollte man prüfen.
Ein zweiter Fehler, den ich im Laufe der Jahre gemacht habe, war, dass ich zu lange mit Leuten diskutiert habe, die überhaupt nicht dialogbereit sind. Da ist keine Bereitschaft da, in den Austausch hineinzukommen. Sie treten sehr missionarisch auf und wollen mich von irgendetwas überzeugen. Ich habe mir dann manchmal Stunden und Tage Zeit genommen, um mit ihnen zu diskutieren, und es kommt überhaupt nichts in Bewegung. Da muss ich heute einfach sagen: Mir ist die Zeit zu schade, wenn mir jemand nicht wirklich zuhört, wenn da kein Dialog stattfindet. Dann wende ich mich anderen Herausforderungen zu und verschwende diese kostbare Zeit nicht.
Umgekehrt ist es mir aber auch passiert, dass ich Diskussionen auf dem Blog zu früh abgebrochen habe, weil ich meinte, die Leute seien nicht dialogbereit. Gleichzeitig lesen aber ganz, ganz viele Leute mit, und die brauchen praktisch dieses Gespräch, sie brauchen diese Diskussion. Mein Anliegen ist es dann gar nicht, meinen Gesprächs- oder Diskussionspartner zu gewinnen, sondern etwas an die Leute zu vermitteln, die mitlesen, die vielleicht Zweifler sind, die hin- und hergerissen sind, und sie von etwas zu überzeugen, von dem ich meine, dass es wert ist, darum zu kämpfen.
Ein großes Thema, wenn man so einen Blog beginnt, ist die seelsorgerliche Herausforderung. Ich verbringe eigentlich mehr Zeit — nicht immer, aber immer wieder mehr Zeit — mit Leuten, die sich bei mir melden, weil sie seelsorgerliche Fragen stellen, als mit Leuten, die einfach nur diskutieren wollen. Das einfache Diskutieren ist relativ einfach. Das geschieht in der Öffentlichkeit, da muss man bestimmte Dinge beachten. Aber mir schicken Leute persönliche Nachrichten, und das sind dann Leute, die zum Beispiel ein großes Problem haben, eine seelsorgerliche Herausforderung, und die jetzt Hilfe brauchen.
Ich nehme diese Anfragen grundsätzlich sehr ernst, und ich nehme sie wichtiger als Diskussionsbeiträge. Aber mir ist es schon mehrmals passiert, dass ich vielleicht eine Stunde, zwei Stunden oder drei Stunden an einem Antwortbrief gesessen habe und versucht habe, ihn loszuschicken, und dann stelle ich fest: Diese Absenderadresse ist ein Fake. Also habe ich gar nicht die originale Adresse desjenigen, der mir da geschrieben hat. Und dann ist das natürlich auch vergeudete Zeit.
Deswegen habe ich mir angewöhnt, erst einmal einen Kontakt herzustellen: Gibt es diese Person überhaupt, die sich hier bei mir gemeldet hat? Und wenn so ein Minimalkontakt steht, dann nehme ich mir auch die Zeit, um da eine Antwort zu schreiben.

Umgang mit Kontroversen und klare Kommunikation

Ja, ein Fehler, auf den ich noch hinweisen möchte, ist, dass es sehr hilfreich sein kann, bei extrem kontroversen Beiträgen und Diskussionen einmal darüber zu schlafen, vielleicht auch zweimal darüber zu schlafen, und sich ein bisschen Zeit für die Antwort zu nehmen. Denn wenn man zum Beispiel aus einer aggressiven Wuthaltung heraus schreibt, dann kann das, was letztlich daraus kommt, Gott weniger Ehre bereiten, als wenn es eine Sache ist, die aus dem Gebet heraus geschrieben ist.
Also meine Empfehlung: nicht zu schnell reagieren, sich Zeit lassen mit der Antwort, ganz besonders dann, wenn die Kommentare oder eben auch die Beiträge an sich sehr, sehr kontrovers diskutiert werden.
Ein Beispiel: Ich habe auf meinem Blog immer wieder Hinweise auf mein Lieblingsthema Sexualethik, also Homosexualität, Genderismus, Transsexualität usw. Um ehrlich zu sein, interessieren mich diese Felder nicht so besonders, aber sie sind heute ein Riesenthema in unserer Gesellschaft. Ich nehme dazu auch immer wieder Stellung, weil es aus meiner Sicht gemacht werden muss. Und das ist natürlich unglaublich provokant für die Menschen, die das lesen. Ich kriege also sehr aggressive Reaktionen, und ich kriege eben manchmal auch Reaktionen von Menschen, die persönlich betroffen sind.
Dann schreibt mir ein homoerotisch empfindender Christ, der in seiner Gemeinde lebt und damit überhaupt nicht klarkommt, der nicht weiß, an wen er sich wenden soll, der keinen Seelsorger hat, der Suizidgedanken hat und so weiter und einfach nicht weiter weiß. Es ist einfach wichtig, diese Perspektive auch im Kopf zu haben, wenn man über etwas schreibt. Und dafür braucht es manchmal Zeit.
Also man braucht auch Ruhe, man soll genau darüber nachdenken, man soll nicht ängstlich sein in dem, was man schreibt, das will ich auch nicht sein. Ich bin überhaupt nicht politisch korrekt, aber es geht um Menschen. Und es geht nicht darum, irgendwelche Diskussionen zu führen oder vielleicht sogar zu gewinnen, sondern es geht darum, Menschen letztlich für die Wahrheit, für Christus einzuladen.
Noch ein letzter Hinweis, der in Verbindung steht mit dem, was ich eben gesagt habe: Man soll auch Diskussionen nicht zu früh abbrechen, weil man mit den Hauptdiskutanten im Gespräch ist, die gar nicht daran interessiert sind, einen echten Dialog zu führen. Ich merke, dass der postmoderne Kommunikationsstil heute sich dadurch auszeichnet, dass Leute sich auch in dem, was sie sagen, nicht festlegen wollen. Vielleicht habt ihr die Erfahrung auf eurem Blog auch schon gemacht. Sie sagen irgendetwas und sie sagen es in einer Weise, dass sie das gleich wieder zurückziehen können und sagen: Ja, so habe ich das nicht gemeint. Das ist nicht mein Anliegen gewesen.
Also ich bezeichne das immer so: Die Leute versuchen, unter dem Radar zu fliegen, sie wollen nicht erkannt werden. Und ich glaube, dass es wichtig ist, zu versuchen, so etwas aufzudecken. Wir müssen eindeutig kommunizieren. Natürlich müssen wir Kanäle finden, Wege finden, um mit Menschen, die von dieser Sicht geprägt sind, kommunizieren zu können. Aber wir dürfen uns nicht voll einlassen auf diesen Kommunikationsstil, sondern wir müssen eben auch klar machen, dass sie sich in logische Widersprüche verwickeln und dass letztlich um Inhalte diskutiert werden muss.
Christlich gesprochen soll unser Ja ein Ja sein und unser Nein ein Nein.

Rückfragen, Berufung und nachhaltiges Schreiben

Ja, das mal so als einige Hinweise aus meinem Alltagsleben. Jetzt machen wir wahrscheinlich weiter mit Fragen. Ja, auch dafür vielen Dank. Vielleicht habt ihr das eine oder andere Anliegen selbst erlebt in eurer Blogarbeit oder auch schon beim Mitlesen gemerkt. Ich bin nämlich auch einer derjenigen, der nicht mehr mitliest. Die Kommentare, also ich würde nicht irgendwas schreiben, das ist mir dann manchmal auch zu heikel. Aber guck mal, was die anderen schreiben. Und wo wird man eigentlich mal ein Like setzen, wenn man könnte, und darauf reagieren?
Ja, wir wollen uns ja Zeit nehmen, um auf die Fragen, die bisher nicht eingegangen werden konnte oder nicht eingegangen wurde, einzugehen. Und, Haniel, ich würde vielleicht mal bitten, dass du startest. Und dann wollen wir auch, dass du eine Frage denkst, die wichtig ist, die noch nicht angesprochen worden ist, die du herausziehst und ja, deine Meinung dazu ganz postmodern wiedergibst. Das war jetzt ein Scherz.
Wer soll locken, gibt es dazu eine Berufung? Das ist ja eine Frage, die wirklich am Anfang steht, und vielleicht beschäftigt sie ja auch die einen oder anderen von euch. Gibt es dazu eine Berufung? Es gibt zwei Gefahren: die Berufung zu stark auszubauen und alles auf diese Berufung, auf diesen magischen Moment und auf diese Berührung Christi und so zu setzen. Das ist zu viel. Da gibt es aber auch das zu wenige Ernstnehmen. Beides. Ich weiß jetzt nicht genau, in welcher Gefahr du eher stehst. Manchmal erlebe ich gerade schreibende Leute eher in der Position: Ja, im Face-to-Face-Kontakt bin ich nicht so stark, bin eher introvertiert, aber schreiben kann ich. Dass es manchmal eher noch einen Anstoß mehr braucht, um jemanden zu ermutigen und zu sagen: Beginn doch mal, zum Beispiel.
Um das zu checken, frag mal ein paar Leute von dir, was drei wichtige Bezugspersonen, die dich schon über mehrere Jahre kennen, auch ältere Leute, die dich gut einschätzen können, sagen würden. Gut einschätzen meine ich auch Leute, die dir kritische Rückmeldungen geben. Die sind die wertvollsten. Frag mal zwei, drei Leute, ob sie sowas bei dir erkennen.
Und es gibt ja auch den Teil, ich finde, es gibt auch den Aspekt: Man kann es, es gibt so viele Möglichkeiten mitzuarbeiten. Das heißt eben mal Beiträge zu lesen. Wenn ich mal hundert Beiträge lese, nicht nur einfach als Leser, sondern wie würde ich es formulieren, wie wird die Leseführung besser und so weiter, dann baue ich mir schon innerlich Kompetenzen auf und kann gleichzeitig überprüfen: Ist es etwas für mich? Bleibe ich auch dabei, auch wenn es mühsam ist? Bringe ich das gut daraus? Es gibt viele Zwischenvarianten, und so würde ich ermutigen, gerade introvertierte, gern schreibende Menschen, dass sie so mit einer Testphase beginnen. Es muss noch nicht mal ein eigener Blog sein, vielleicht mitarbeiten in einer Form, das mal überprüfen vor Gott und auch einige ihrer wichtigen Bezugspersonen dann auch befragen. Vielleicht gibt es dann auch einen Paten beim Starten eines Blogs. Das wäre mal interessant, würde es dann ja für Pate stehen können.
Such dir noch die nächste.
Die nächste? Ja, würde ich sagen, oder? Genau, genau. Ja, ja, gut. Gerne, ja. Du kannst dir gerne noch mal eine aussuchen, wo du noch eine beantwortest.
Nein, für dich, ich suche dann auch noch. Wir haben ja noch ein bisschen Zeit. Also meine Frage hier: Wie kann ich nachhaltig bleiben beim Bloggen? Kontinuität, wie überlebe ich das erste Jahr? Gute Frage.
Letztlich hat so jeder seinen Stil, er muss sich den herausarbeiten. Aber es stimmt: Einen Blog zu eröffnen lohnt sich nicht, wenn man nur einmal in drei Monaten einen Beitrag publiziert. Dann kommen die Leute nicht wieder, dann ist dieser Blog langweilig, uninteressant. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite darf man sich auch nicht unter Druck setzen lassen und meinen, um jetzt attraktiv zu werden, muss ich hier jeden Tag einen Beitrag schreiben. Das nicht.
Ich habe das für mich so gelöst, dass ich in Zeiten, in denen ich produktiv bin und auch Zeit habe, mich hinsetze und mehrere Beiträge verfasse, so dass ich in Zeiten, in denen ich eben unterwegs bin, nicht so produktiv bin, vielleicht auch eine Blockade habe oder krank bin oder was auch immer, dass ich dann Beiträge habe, die ich publizieren kann. Also, wenn du einen Blog starten möchtest, wäre meine Empfehlung, jetzt nicht den Aufwand zu betreiben, einen Blog zu mieten oder selber aufzusetzen und dann einen Beitrag zu schreiben, sondern umgekehrt: Schreib doch zum Beispiel zehn Beiträge, die für einen Blog geeignet wären, und wenn du diese Beiträge hast, dann fange an, das auch umzusetzen und die technische Plattform aufzubauen. Dann hast du so eine gewisse Reserve und hast dann auch mal Zeit, kannst publizieren und gleichzeitig dann an neuen Texten arbeiten.
Richtig natürlich auch, was wir hier schon mehrfach gesagt haben: eine Ausrichtung zu haben. Du kannst nicht bloggen und über alles schreiben wollen. Dein Blog braucht ein gewisses Profil, du musst wissen, um was es geht, sonst hast du keinen Wiedererkennungswert.
Wie kommen die Leute zum Lesen des Contents? Ich versuche jetzt, das etwas zusammenzuziehen, was wir schon gesagt haben. Das Wichtigste ist: Ich ermutige euch, wirklich auch Content zu schreiben. Ich höre gestern Abend auch die Diskussion: Ja, muss man noch kürzer, noch weniger, noch schneller, nur auf das Neue, dass eine Message draufgestellt wird und die geht gleich wieder zugrunde. Ich weiß gar nicht, Snapchat, ja genau, das ist gar nichts für mich.
Ich ermutige euch, dass ihr einfach, wie du das gerade eben schon gesagt hast, selber einen gewissen Vorrat erstellt und dann auch mutig wirklich Content schreibt. Also es braucht nach wie vor guten Content. Es hat mich sehr ermutigt, gestern von Jay Carson zu hören, dass zum Beispiel auch Content dann auch über die Zeit gelesen wird. Also lassen wir uns nicht erschrecken von all diesen Marketing-Experten, die sagen: noch kürzer, noch schneller, noch farbiger und so. Ich würde sagen: Nein, wir leben vor Christus, es geht nicht um den nächsten Klick, es geht nicht um den nächsten Boost, sondern es geht darum, langfristig auch gute Inhalte zu etablieren und über die Zeit und die Ausdauer. Und wenn Gott Frucht wirkt und auch durch die Bestätigung der Berufung, werden sich schon Leser finden. Also ich finde, der deutschsprachige Raum braucht dringend guten Content, guten reformierten Content, unbedingt.
Gestern sagte Zschäppel zum Beispiel, dass sie festgestellt haben, dass alle Beiträge, die über 1 Zeichen sind, rapide in die Zukunft zahlen, Wörter waren das. Zeichen oder Wörter? Ich glaube, Wörter ist eher, ja, ja, das muss passen. Haut das als grobe Richtung hin, so, oder wie lang kann dann ein Blog sein? Ich kann es an einigen Buchbesprechungen machen. Ich habe fünf Formate für Buchbesprechungen. Eine Empfehlung sind zwei- bis dreihundert Worte, dann fünfhundert ist eine kurze Inhaltsangabe, tausend ist dann eine ausführliche Inhaltsangabe, zweitausend ist ein Buchessay. Also ich denke so 200, 300, 500 Worte. Wenn ich etwas Persönliches schreibe, schaue ich, dass ich ungefähr bei 500 Worten, 600 Worten bin. Also ich achte mich schon darauf. Ich habe viel bei Zeitschriften gelernt, wo ich Artikel einreiche, die einem auch dann sagen, wie viele Worte. Aber es ist auch immer wieder erstaunlich: Ich habe letztendlich eine Rückmeldung bekommen für einen ganz langen Buchessay über Amazon, über einen Autoren, der gesagt hat, dass ich mir solche Mühe genommen hätte, das so auseinanderzunehmen. Es hätte ihn wirklich weitergebracht in seinem Leben mit Gott. Das ist schwierig zu sagen, aber wichtig, darauf zu achten, auf die Länge, unbedingt.
Da würde ich jetzt mal so reagieren wie Karsten gestern Abend in der nicht so ergiebigen Diskussionsrunde: Ja, aber. Also ich gebe einerseits natürlich recht, dass die Lesegewohnheiten auch junger Menschen heute anders sind als noch vor zwanzig Jahren und man vorsichtig damit sein sollte, zu lange Beiträge zu veröffentlichen. Auf der anderen Seite hängt das auch sehr stark von der Zielgruppe ab. Welche Leute will man erreichen? Einige meiner meistgelesenen Beiträge sind Beiträge, die vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun, zehn Seiten lang sind, über die Jahre gestreckt. Also es gibt auch noch Leute, die gerne lange Sachen lesen, die auch ein bisschen gründlicher lesen. Und sich jetzt nur an der Erwartungshaltung der Lesergruppe zu orientieren, würde ich eigentlich nicht machen. Ich würde eher sagen, es ist hilfreich, wenn man ein großes Thema hat, das auch mit kleinen Artikeln anzuteasern und dann vielleicht auch längere Texte zu veröffentlichen oder mal eine Serie dazu zu machen.
Ich habe hier die Frage, mit welchem wöchentlichen Zeitaufwand ist zu rechnen, um so einen Blog zu betreiben. Recherche, Technik, Schreiben, also all inclusive. Das kann jetzt nur von mir reden. Ich würde sagen, dass ich schon pro Woche zwischen drei und fünf Stunden investiere, je nachdem, wie intensiv die Zeit ist. Kleine Warnung: Leben kann man davon nicht, also man verdient kein großes Geld mit Blogging im christlichen Bereich, es sei denn, man hat einen Channel beim Spiegel oder vielleicht bei der Süddeutschen, die verdienen ganz gut. Wenn man einen privaten Blog hat, ist das überschaubar.
Und dieser Aufwand teilt sich noch mal natürlich in viel Recherche. Ich schreibe ja gar nicht so viel selbst, sondern versuche auch gute Beiträge aus dem internationalen Bereich oder aus dem deutschsprachigen Bereich einfach bekannt zu machen, darauf hinzuweisen. Diese Recherche kostet Zeit. Das mache ich gerne in so Phasen, wo ich mich nicht sonderlich konzentrieren kann, zum Beispiel im Zug. Wenn ich Zug fahre, dann habe ich einfach meine Tools und hole mir dann Infos herunter. Und alles, was interessant ist, das wird bei mir dann in einen bestimmten Ordner hinein verfrachtet, und diese Sachen verarbeite ich dann, wenn ich die Möglichkeit habe, intensiver zu arbeiten.
Und das Schreiben selbst, wenn man was schreibt, ist natürlich auch sehr zeitintensiv. Für mich ist ein Vorteil, viele Produkte, also Artikel, die ich schreibe, Rezensionen und so weiter, sind Auftragsarbeiten. Das sind sozusagen Derivate von Sachen, die ich sowieso mache. Dann muss ich mich nicht extra dafür hinsetzen, und dann kann ich die doppelt verwerten. Wenn ich jetzt mal was Eigenes schreiben will, dann eine Serie oder so, dann ist das schon sehr zeitintensiv. Und besonders zeitintensiv können eben Phasen sein, wenn man gehackt wird. Das ging mir so wie Haniel auch, ich bin mehrfach gehackt worden. Und das kann dann schon Nächte und Tage kosten, das alles wieder zu reparieren und aufzusetzen.
Seid ihr schon satt oder mögt ihr noch? Keine Fragen.
Wann fängt Ron ein Theo-Podcast an, habe ich hier draufstehen. Ich freue mich über diese konkreten Fragen. Ich habe begonnen mit diesem Format, Daniel Hirnt also Weiterführung, und zwar bin ich persönlich von der Qualität her gar nicht begeistert davon, weil ich bin Künstlertyp. Das heißt, wenn ich irgendwo unterwegs bin, irgendwo zum Kunden oder vom Kunden oder sogar beim Kunden, sage ich: Du, Moment, ich muss schnell unterbrechen, ich habe einen wichtigen Beitrag. Gehe auf die Terrasse raus, und dann hat es halt unten irgendeinen Kranwagen, der gerade Geräusche von sich gibt. Aber dann muss es raus, die fünf Minuten, weil das habe ich nur einmal, es kommt bei mir genau einmal, und das weiß ich mit der Zeit.
Ich habe aber gesagt: Okay, es haben mich so viele gedrängt, das zu beginnen, jetzt habe ich mal so 100 Beiträge gemacht, werde mal dann Bilanz wiederziehen. Ich bekomme aber Rückmeldungen, ermutigende Rückmeldungen von Menschen, die gesagt haben, ich kann einfach nicht so gut lesen, und du schreibst ziemlich dicht. Ein Kritiker von mir, ein theologisch liberaler Kritiker, sagt: Haniel mit seinen Imperativketten. Das kommt aus meiner Arbeit mit Führungskräften heraus. Und einige Leute sagen mir das schon seit Jahren: Ich quere mich durch deine Beiträge, eigentlich sind sie spannend, aber wenn du was sagst, dann höre ich und ich gebe es auch weiter. Das hat mich ermutigt, dass sogar meine Söhne zum Teil bei Leuten, wo sie sind, zusammen meine mündlichen Meldungen anhören. Das gibt einfach noch mal einen anderen Kanal.
Sehr zufrieden bin ich nicht, und es würde mich wundern, Ron, wann du beginnst. Ich glaube, ich selbst werde keine Podcasts produzieren. Ich habe ein paar produziert vor, wie gesagt, acht Jahren, zehn Jahren. Aber es ist eben sehr aufwendig. Wir als E 21 überlegen allerdings, da mehr zu machen. In den nächsten Jahren werden wir wahrscheinlich dann auch einen eigenen Kanal für Podcasts haben, wo wir dann so Gelegenheiten wie hier auf Konferenzen nutzen, um bestimmte Leute zu interviewen, kleine Gespräche zu führen oder auch Ereignisse zu kommentieren. Da werde ich mich sicher auch mit einbringen.
Ich habe noch eine letzte spannende Frage hier: Wohin steuert die Blogosphäre? Ich bin jetzt vielleicht nicht der Prophet im Blick auf die Blogosphäre, kann nicht wirklich voraussagen, was passiert, aber ich kann so ein paar Wahrnehmungen meinerseits vermitteln. Ich habe schon den Eindruck, dass das Interesse an den klassischen Blogs einerseits etwas zurückgeht. Also die Zugriffszahlen bei mir gehen seit ich hatte so einem absoluten Höhepunkt, glaube ich, um 2010 gigantische Zugriffszahlen, und seitdem wird das jedes Jahr so ein bisschen weniger.
Was passiert? Es hat natürlich damit zu tun, dass viel Diskussion verlagert worden ist in die sozialen Netzwerke wie Facebook und andere. Es gibt ja nicht nur Facebook, es gibt auch andere Netzwerke, und dort finden dann auch die Diskussionen statt, dort liegen dann auch die Zugriffe. Was ich auch beobachte, ist eben, dass sich viele junge Leute jetzt lieber einen YouTube-Kanal abonnieren und dann im Badezimmer morgens, wie meine Tochter, sich dann halt ihr YouTube-Video täglich reinzieht, wenn sie im Badezimmer ist. Und das dauert dann auch entsprechend lange, bis sie wieder rauskommt. Das ist halt unter Jugendlichen sehr, sehr populär, und es wird weniger gelesen.
Ich glaube, dass auch positiv gesprochen die Krise der sozialen Netzwerke dazu führen könnte, dass stärkere Meinungsbildung über Blogs wieder stattfindet, also dass da mehr geschieht. Ich bin da gar nicht so pessimistisch. Mir macht das auch nichts aus, wenn die Zugriffszahlen so leicht zurückgehen. Ich habe keine schlaflosen Nächte und werde da nicht überlegen, was kann ich jetzt machen, damit ich mehr Zugriffe habe, sondern es geht um mittellangfristige Meinungsbildung, Beiträge zu theologischen Kontroversen und auch gesellschaftlichen Prozessen. Und da glaube ich, dass die Blogs eine sehr große Zukunft haben.
Grundsätzlich befürworte ich auch Netzwerke, Zusammenschlüsse wie Bibliopedia oder sowas. Reinhard hat das angestoßen, dass man sich einander vernetzt und dadurch auch klarer wahrgenommen wird. Diese Verlinkungen untereinander in der Blogosphäre, gerade auch zwischen reformatorisch gesinnten Bloggern, ist sehr wichtig.

Gegen die Blase: Austausch, Vielfalt und neue Themen

Vielleicht, Heiner, dazu eine Frage an dich, und dann eine abschließende Frage: Was müsste man denn tun, was würdest du sagen, um nicht in so einer Echokammer zu landen, dass man quasi nur noch unter seinesgleichen redet und sich eigentlich in der Meinung hochpusht, wo alle übereinstimmen? Siehst du da eine Gefahr, oder würdest du sagen: Nein, das ist eher nicht der Fall? Man könnte manchmal meinen, auch ich bin ja Blogleser, dass einige Dinge an eine Zielgruppe gesagt werden, die einen nur bestärkt, statt vielleicht Leute zu erreichen, die man wirklich erreichen möchte.
Sehr gute Frage, das ist eine, die ich mir auch stelle. Ich kann nur sagen, was ich persönlich mache, von der Selbstführung her. Ein Beispiel: Ich bin in einer Mittagspause, bin froh, endlich meinen Bohnensalat in Angriff nehmen zu können. In dem Moment kommt jemand in die Küche rein, so geschieht es oft, und fragt: Bist du Haniel im Unternehmen? Ich sage: Ja. Haniel blockt. Dann entwickelte sich ein Gespräch mit einer Muslimin, die vom christlichen Glauben zum Islam konvertiert ist. Und das ist jetzt nicht das einzige Mal, es beginnt sich zu vermehren. Solche Dinge, solche Gespräche, finde ich unheimlich wichtig. Alle diese Gespräche, die mich in eine neue Richtung führen, ich bin ein sehr neugieriger Künstlertyp halt, das nehme ich ganz ernst.
Ich habe mir dann vorgenommen, ich bin noch nicht ganz dabei, wirklich jeden Monat auch mindestens ein Buch über den Islam zu lesen, um auch hier einfach, weil ich merke, irgendwie sind wir auch aus, einige reden ja schon von einer nachsäkularen Zeit. Ich merke einfach, in meiner phänomenologischen Wirklichkeit und bei den Leuten, die bei mir auftauchen, gibt es neue Themen. Und es ist unheimlich wichtig, diesen auch nachzuspüren und nicht einfach nur auf dem gewohnten Pfad weiter zu blocken.
Wo seht ihr eine Lücke, wo seht ihr Lücken in der christlichen Blogosphäre, wo ihr sagen würdet: Okay, dieses Format oder diese Inhalte oder diese Art von Blogs sind unterbesetzt, da müsste eigentlich am liebsten noch etwas passieren, um das abzudecken?
Ja, richtig, also ich würde das gar nicht so sagen, da ist eine Lücke. Also grundsätzlich möchte ich euch alle, wenn ihr das nicht schon macht, ermutigen, dort auch Farbe zu bekennen, also euch einzuklinken in die Blogosphäre und keine Angst davor zu haben, Fehler zu machen und so weiter, sondern fangt erst einmal an, wenn ihr den Eindruck habt, das passt zu mir, da könnte ich etwas machen.
Große Herausforderungen sind die YouTube-Kanäle, die einfach technisch anspruchsvoll sind. Die Erwartungshaltung der jungen Leute ist enorm hoch, die sind sehr verwöhnt, was diese Videogeschichte anbetrifft. Und ich glaube, die Entscheidung von Haniel ist richtig, zu sagen: Das ist nicht mein Bereich, ich kümmere mich um den Text. Ich habe das auch so gemacht. Wir müssen uns die Vorwürfe der Textlastigkeit dann gefallen lassen. Auf der anderen Seite muss es auch Leute geben, die dann in dem Bereich aktiv sind, die das dann aber auch wirklich gut machen. Also es muss dann einfach gut sein. Das muss mithalten können mit dem, was im säkularen Bereich da angeboten wird, um die Botschaft gut kommunizieren zu können.
Ich denke aber auch, es braucht zum Beispiel Blogs von Hausfrauen, die darüber berichten, wie sie mit ihren Kindern umgehen, wie sie Kinder erziehen, wie sie Familie erleben. Es braucht Blogs von Leuten, die sich zum Beispiel Gedanken über biblische Texte machen, die schwierigen Texten mehr Aufmerksamkeit schenken und versuchen, solche Textstellen einmal von allen Seiten zu beleuchten und gute Lösungen für Rätsel zu finden, die diese Texte aufgeben, und so weiter.
Und es braucht natürlich auch provokative Blogs, also um noch einmal auf die Blase zurückzukommen. Das, was Reinhard macht, dass man sich auch den Feinden stellt, dass man nicht nur in der eigenen Welt lebt, sondern sich mit den Leuten auseinandersetzt, dass man mit ihnen redet. Übrigens ist es viel leichter, sich kritisch im Blog mit Leuten, mit sogenannten Feinden, auseinanderzusetzen, als mit ihnen dann face to face zu reden, mit ihnen zu diskutieren. Für mich ist es ein Stilmittel, im Blog zu versuchen, so zu schreiben, dass man sich mit gutem Gewissen dann auch mit denen an den Tisch setzen und diskutieren kann.
Wenn wir davon überzeugt sind, dass wir in der Botschaft der Bibel Antworten haben auf die Fragen der Menschen von heute, dann müssen wir keine Angst haben, uns diesen Leuten auszusetzen. Dann können wir diese Konfrontation annehmen, dann können wir uns mit denen an den Tisch setzen, dann können wir mit denen diskutieren. Und wenn wir dann mal keine Antwort haben, ist es kein Drama, einfach zuzugeben: Mensch, hier habe ich auch keine Antwort.
Also, ich muss jetzt mal ganz ehrlich ein Kompliment machen, Ron. Meine provokative Art, gerade bei so Leuten wie Tobias Falks und so, lässt sich eigentlich zurückführen auf den Vortrag, den du gehalten hast und den ich in meinem Urlaub gehört habe. Da ging es um die Transformationstheologie. Das war für mich total terra incognita. Das ist jetzt dran, höre ich mir mal an, ist ja hier auch bei E21 gelaufen. Das hat mich voll erwischt, voll erwischt. Ich habe mich dann auch gleich bei Tobias Feix gemeldet. Ich habe eigentlich ein richtig gutes Verhältnis mit ihm. Er weiß es zunehmend, wir, ja, aber das ist eigentlich die Wurzel gewesen und kommt ja auch aus dieser Blogosphäre. Ich habe mich dann damit beschäftigt, habe dann immer mehr, und habe dann darüber auch eigentlich erst so richtig diese emergente Szene kennengelernt. Aber dein Vortrag, das war der Auslöser dazu, hat mich unglaublich beschäftigt.
Ja, ich glaube, zum Einstieg meines Blogs 2007 war ja die emergente Szene sehr aktiv. Es ist ja heute nicht viel übrig geblieben, und damals hatten wir die Auseinandersetzungen mit Peter Aschoff und Tobias usw. und auch in IDEA oder eben live. Und wenn wir einfach nur sozusagen weglaufen oder wegschauen, dann erwecken die Leute den Eindruck, sie geben die besseren Antworten für die Fragen in der heutigen Zeit. Das ist aber nicht der Fall. Ihre Antworten sind sehr, sehr kritisch zu hinterfragen und oft überhaupt nicht tragfähig. Aber wenn wir uns die Mühe nicht machen, uns mit ihnen auseinanderzusetzen, dann werden wir eben auch die Leute, die wirklich durch zum Beispiel Transformationstheologie, emergente Szene und so weiter ins Fragen gekommen sind, auch nicht erreichen. Deswegen setzt euch mit diesen Themen auseinander und gebt auch in einer freundlichen Art und Weise euren Kritikern gegenüber Rechenschaft. Das lohnt sich. Also da nicht nur im eigenen Land, sondern auch wirklich an die Front.
Ja, hattest du schon zu den Lücken etwas gesagt? Ich glaube nicht. Einen Schwerpunkt, über den ich mich echt freuen würde, wäre so diese Ergänzung auch in verschiedene Medien und Kanäle. Das heißt, wenn es noch mehr so jüngere Leute gäbe, auch. Es braucht dafür keine Altersgrenze, die mal sagen: Ich poste ab jetzt nicht mehr einfach nur noch die Urlaubsfotos und die tollen Clips, oder weniger, und dafür zwischendurch mal etwas ganz Hartes, etwas Wirkliches zum Lesen. Oder die irgendwie auch sagen: Ich mache mal hundert Snapchats pro Tag, statt um die hundert Snapchats einfach irgendetwas Sinnloses. Jetzt mache ich hundert sinnvolle. Hundert pro Tag, dreihundert mal, dann müssen. Ich glaube, da ist auch wirklich etwas von dem Wohlgeruch Christi zu verbreiten, auch in den sozialen Netzwerken, wie die auch immer sich entwickeln werden. Das würde mich echt freuen.
Hast du nicht hundert pro Tag gesagt?
Hundert pro Tag oder so. Es ist einfach unglaublich zum Teil, was da als WhatsApp und was da Hunderte rundgeistern, da. Von mir aus auch fünfzig.
Also von ihm aus auch gern fünfzig.
Ja, danke für die Impulse, die ihr gegeben habt, auch für die Zukunft. Ich würde jetzt noch einmal zum Abschluss Folgendes machen wollen: Ihr habt uns einen zweiten Zettel bei euch auf dem Stuhl vorgefunden, und wir haben uns ja jetzt relativ intensiv mit dem Thema Bloggen als Mittel der Verkündigung beschäftigt. Und ich hoffe, dass es etwas mit eurem Anliegen gemacht hat, vielleicht hat es es vertieft, ausgerichtet, möglicherweise auch verändert. Und ich würde euch jetzt noch einmal bitten wollen, aktiv zu werden und für euch mit einem Satz aufzuschreiben: Welches Anliegen für das Bloggen nehme ich für mich mit?
Sehr schön, wenn ihr das aufschreibt, zusammenfaltet, und in zwei Jahren sehen wir uns wieder, und dann reden wir darüber vielleicht. Ja, lasst uns einmal eine Minute Zeit nehmen, damit man das notieren kann.