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Der Judasbrief - Teil 2

Thumer Tage 2026
22.09.2026
SerieTeil 2 / 3Der Judasbrief
Kann Gnade wirklich eine Ausrede sein? Judas warnt: Wer sich von Jesus lösen und trotzdem „christlich“ wirken will, zerstört Glauben, Frieden und am Ende sich selbst.
Die Tumatage 2026 Der Judasbrief

Die Tumatage zwanzigsechsundzwanzig Der Judasbrief

Theologie, die dich im Glauben wachsen lässt, Nachfolge praktisch – dein geistlicher Impuls für den Tag.
Mein Name ist Jürgen Fischer, und statt Jesu Leben und Lehre gibt es ein paar Gedanken von seinem Halbbruder.

Ein Gruß, der das Gemeindeleben prägen soll

Jetzt der Gruß. Da heißt es dann in Vers zwei: Barmherzigkeit und Friede und Liebe werde euch immer reichlicher zuteil.
  1. Barmherzigkeit
Wir erfahren die Barmherzigkeit Gottes, wenn er uns einerseits Gutes tut. Dann aber auch, wenn wir fähiger werden, die Barmherzigkeit Gottes mehr zu verstehen. Dort, wo wir gegenseitige Fürsorge erfahren, und natürlich auch dann ganz am Ende, das werdet ihr am Ende des Briefes sehen, wenn Gott uns mit seiner Barmherzigkeit begegnet und ewiges Leben schenkt. Und das dürfen wir einander zusprechen: Barmherzigkeit.
Und Friede: Friede hier im Konkreten, nicht einfach nur Sicherheit und Gelassenheit, sondern tatsächlich der Gegenentwurf zu Streit. Wir haben es mit Leuten zu tun, die Streit in die Gemeinde hineinbringen. Deswegen wünscht er ihnen am Anfang Barmherzigkeit und Frieden. Und natürlich auch Liebe: einerseits die Liebe von Gott, aber dann eben auch Liebe als etwas, was sich in der Gemeinschaft zeigt.
Und diese Dinge, dass du Barmherzigkeit wirklich erfährst, dass du sagst: Mein Leben, es ist ein Leben, wo ich mich einfach darüber freue, was Gott mir Gutes tut, was ich von meinen Geschwistern Gutes erfahre; diese Erfahrung von Frieden, angekommen zu sein in Gottes Schalom und diesen Frieden auch in der Gemeinschaft mit den Geschwistern zu erleben; und dann zu wissen, da ist Liebe, mein Leben ist geprägt von Liebe – das ist etwas, wo Judas sagt: Ich wünsche mir, dass euch das immer reichlicher zuteil wird.
Das heißt: Da, wo die Irrlehre genau das Gegenteil produzieren will, wo durch ihr Tun in die Gemeinde Härte hineinkommt, Unfrieden und Lieblosigkeit, da steht am Anfang eines Briefes, der diese Irrlehre bekämpft, dass Judas sagt: Ich wünsche euch genau das Gegenteil. Ich möchte eine Lanze brechen für Barmherzigkeit, für Frieden und für Liebe. Einfach, weil diese Aspekte so unglaublich wichtig sind und weil sie in der Gemeinde unter Druck so schnell auf der Strecke bleiben.

Der eigentliche Anlass des Schreibens

Vers drei: Geliebte, da ich allen Fleiß anwandte, euch über unser gemeinsames Heil zu schreiben, war ich genötigt, euch zu schreiben und zu ermahnen, für den ein für allemal den Heiligen überlieferten Glauben zu kämpfen.
Er wollte also eigentlich über etwas ganz anderes schreiben. Aber mitten im Schreiben merkt er: Da gibt es noch ein Thema, und das ist viel wichtiger. Während ich allen Fleiß anwandte, euch über unser gemeinsames Heil zu schreiben, war ich genötigt – also von außen kam etwas hinein. Es kamen vielleicht Berichte von Gemeinden, denen es richtig schlecht ging, und von Entwicklungen in der Gemeinde, die ebenfalls sehr schlecht waren –, euch zu schreiben und zu ermahnen, für den ein für allemal den Heiligen überlieferten Glauben zu kämpfen.
Jetzt merkt ihr: Der Begriff Glaube kann einerseits für diesen Akt des Glaubens stehen: „Ich vertraue Gott.“ Aber hier steht der Begriff Glaube für den Glaubensinhalt, das, woran ich glaube, für den ein für allemal den Heiligen überlieferten Glauben, also für den ein für allemal den Heiligen überlieferten Glaubensinhalt. Es geht um die Botschaft. Es geht darum, dass wir begreifen, dass einerseits jede Generation für sich neu die Bibel lesen muss und entdecken muss, was in der Bibel steht, dass es aber gleichzeitig etwas gibt, das ein für allemal überliefert ist.
Das heißt: Es gibt diesen Apostelglauben, der am Anfang geglaubt wurde und den wir heute noch glauben. Wir glauben ihnen, weil wir dieselbe Bibel lesen. Und wenn man die Bibel liest und dafür sorgt, dass sich nicht neben die Bibel eine Tradition stellt, dann ist das die Gefahr: Man liest die Bibel, aber eigentlich liest man nicht die Bibel, sondern man hat die Traditionsbrille auf. Durch diese Traditionsbrille, durch die wir immer schon diese Texte gelesen haben, lesen wir jetzt die Texte. Und eigentlich lesen wir nicht die Texte, sondern wir wiederholen nur das, was wir von anderen gehört haben, das da stehen soll.
Macht das nicht. Traut euch, die Bibel zu lesen. Traut euch, heilige Kühe zu schlachten. Traut euch, neu zu entdecken, was da steht. Und reizt eure jungen Leute an, das zu tun. Es ist mein Rat, den ich euch nur geben kann: Studiert die Bibel. Habt Freude daran, wenn ihr Texten auf den Grund geht und überlegt, was da wirklich steht. Und wenn es dann mal nicht zu dem passt, was du vielleicht von deinen Eltern gehört hast oder was man gemeinhin in Predigten sagt, ja, dann ist das so. Dann genießt es.
Genießt, dass es diesen ein für allemal den Heiligen, also uns überlieferten Glauben gibt und dass wir für den kämpfen müssen. Das heißt: Es ist nicht so, dass jede Zeit die Glaubensinhalte an den Zeitgeist anpasst. Nein, das tut sie nicht. Wir haben da Dinge, die hat man vor 500 Jahren geglaubt, vor 1000 Jahren, vor 1500 und vor 2000 Jahren. Die waren so, die werden so bleiben. Und die sind – das haben wir ja schon gesehen, zum Beispiel im Blick auf die Christologie – nicht nur nicht verhandelbar, sie sind überlebensnotwendig.
Wenn du da nicht mehr weißt, wer Jesus ist und was du über Jesus glauben sollst, dann gehst du schlicht und ergreifend verloren. So einfach ist das. Dann gibt es keine Rettung mehr. Denn Rettung hängt nicht nur daran, dass jemand glaubt, dass er den Akt des Glaubens macht, also sich bekehrt, sich hinsetzt, die Hände faltet und „Herr Jesus, bitte rette mich“ sagt und das auch so meint. Ich brauche im Akt des Glaubens einen Glaubensinhalt. Ich kann nicht an einen selbstgestrickten Bastel-Jesus glauben, in den alles hineinkommt, was mir gefällt. Das funktioniert nicht.
Ich brauche das Original, the real thing, so wie bei Coke. Also ich weiß, Fritz-Kohler mögen manche, aber es ist halt nur, na ja, okay, es ist halt nicht das Wahre. Und so ist es bei Jesus auch: Du brauchst den Echten, und nur der Glaube an den Echten rettet.

Die Gefahr von innen

Und jetzt die Frage: Warum sagt er, kämpfe dafür? Wisse, was Glaube ist. Kenn deine Grundlagen. Verwechsle das nicht mit Traditionen, die du irgendwo übernommen hast. Schau, was in der Bibel steht, und dann kämpfe dafür. Warum?
Vers 4: Denn gewisse Menschen haben sich heimlich eingeschlichen. So, das ist das Problem. Da kommen Leute, die Feinde sind schon da, und das Heimliche bedeutet, dass sie ihre wahren Motive, ihren eigentlichen Charakter, verborgen haben. Das sind gottlose Menschen, die so tun, als wären sie Christen.
Gewisse Menschen haben sich heimlich eingeschlichen, die längst zu diesem Gericht vorher aufgezeichnet sind. Also: Gott weiss das, Gott hat die schon verurteilt. Die sind quasi schon gerichtet. Aber das ändert nichts daran, dass sie immer noch, auch wenn Gott das Urteil über sie schon gesprochen hat, weiterhin in der Gemeinde Unheil anrichten.
Und jetzt werden die weiter qualifiziert als Gottlose. Das sind Leute, die gegen Gott sind. Das sind Leute, die leben, als würde es Gott nicht geben. Die leben als Menschen, die Gott nicht ehren wollen, wo Gott nicht Herr und Meister ist. Das sind Gottlose. Und die machen etwas.
Und ich hatte euch gesagt: Judas greift nicht die Theologie an. Das hatten wir im Zweiten Johannesbrief. Da kamen die Lehrer und haben gesagt, Jesus ist nicht im Fleisch gekommen. Das ist hier nicht der Fall. Er sagt: welche die Gnade unseres Gottes in Ausschweifung verkehren.
Gnade: Gott begnadigt mich, Gott vergibt mir meine Schuld. Die Frage ist: Was macht das mit meinem Leben, wenn mir meine Schuld vergeben wird? Die biblische Antwort wäre: Da, wo mir meine Schuld vergeben wird, kommt Gnade in mein Leben. Und wo vorher die Sünde geherrscht hat, herrscht jetzt die Gnade.
Die Sünde herrscht, indem sie mir Impulse zum Bösen gibt, und ich folge diesen Impulsen zum Bösen, und ich werde ein Böser. Das macht die Sünde. Jetzt kommt die Gnade. Was macht die Gnade? Die Gnade herrscht auch anstelle der Sünde. Jetzt kommen andere Impulse. Das sind Impulse, die vom Heiligen Geist kommen, die mich dazu bringen wollen, die richtigen Sachen zu tun.
Und jetzt entsteht eine Spannung. Jetzt ist mir vergeben. Und jetzt könnte ich denken: Na, wenn mir vergeben ist, dann kann ich doch weiter sündigen. Das spielt doch gar keine Rolle mehr. Und Paulus im Römerbrief würde sagen: Das sei ferne. Genau, das sei ferne. Das ist grosser Unsinn, weil Gott dir vergeben hat.
Den ganzen Blödsinn, den du gemacht hast, deswegen sollst du den nicht weitermachen, sondern du sollst damit aufhören. Du sollst jetzt die Gnade, die dir geschenkt worden ist, nehmen und sie nicht als Ausrede für Sünde gebrauchen, sondern richtig verstanden einsetzen, um jetzt zu sagen: Ich gehe jetzt Vollgas in die andere Richtung. Das ist das, was Gnade will.
Unsere gottlosen, heimlich eingeschlichenen Leute machen aber etwas anderes. Die sagen: Mir ist vergeben, jetzt kann ich leben, wie ich will. Und deswegen heisst es hier, dass sie die Gnade Gottes in Ausschweifung oder in Zügellosigkeit, in Schwelgerei verkehren.
Also statt zu sagen: Jetzt bin ich Kind Gottes, wow, jetzt bin ich endlich frei von dem ganzen Blödsinn, den ich früher gedacht und getan habe. Früher war ich ein Sklave der Sünde, da musste ich die Dummheit leben, da musste ich das Böse tun, da war in mir eine Macht, die hat mich versklavt. Jetzt bin ich frei. Jetzt kann ich endlich so leben, wie Gott sich Menschsein eigentlich denkt.
Statt so zu denken, denken die sich: Oh super, mir ist vergeben, jetzt kann ich machen, was ich will. Klasse. Das ist Zügellosigkeit, Schwelgerei. Problem: Wer so lebt, zeigt damit, dass er ein Gottloser ist. Das ist das Spannende.
Also wenn du in deinem Leben merkst, ich lebe eigentlich nach all den Dingen, auf die ich Bock habe, dann kann ich dir von hier vorne sagen: Du bist nicht bekehrt, du bist ein Gottloser. Du hast die Gnade Gottes genommen und hast sie als Ausrede benutzt, um ein Leben zu führen, auf das du Lust hast. Aber da ist nicht Gott drin in diesem Leben. Da bist du drin, da ist Sünde drin, da ist Ausschweifung drin.

Praktische Verleugnung und der Schlussappell

Und es ist noch schlimmer, wenn du dich hinstellst und sagst: Ich bin aber doch Christ. Dann heißt es hier: und unseren alleinigen Gebieter und Herrn Jesus Christus verleugnen.
Also, du musst dir darüber im Klaren sein, dass Jesus zu verleugnen nicht nur darin besteht, dass ich in einem Hof sitze und dann kommt eine Magd rein und sagt: Kennst du diesen Jesus? Und dann sagt Petrus: Nee, kenne ich nicht. Das ist immer das, was wir uns vorstellen, das wäre Verleugnung. Jemand fragt mich: Bist du Christ? Und ich sage: Nee, bin ich nicht.
Es gibt eine subtilere Form, Jesus zu verleugnen, und zwar indem dein Leben ganz praktisch durchstreicht, dass er Herr in deinem Leben ist. Spannend, oder? Es gibt ein Verleugnen dadurch, dass mein Lebensstil Jesus als Herrn in meinem Leben durchstreicht. Ich muss nichts sagen, ich muss einfach nur mein eigenes Ding tun. Ich muss einfach nur für mich leben. Ich muss einfach nur durch mein Leben zum Ausdruck bringen, dass Jesus nicht Herr ist, und schon verleugne ich ihn ganz praktisch, obwohl ich vielleicht jeden Sonntag in den Gottesdienst gehe, obwohl ich im Hauskreis bin und obwohl ich vielleicht christliche Bücher lese. Spannend, oder?
Das ist das, was hier passiert. Solche Leute kommen in den Gottesdienst, solche Leute kommen in die Gemeinde, behaupten, sie sind Christen. Und Judas macht klar: Schaut euch ihr Leben an, das stimmt nicht, das stimmt nicht. Die leben nicht für den Herrn Jesus, die leben für ihren Urlaub, die leben für ihre Karriere, die leben für ihr Häuschen, die leben für ihre Familie und Kinder, die leben für ... Das ist nicht Jesus, wofür die leben. Die sind nicht echt. Pass auf, dass du von denen nicht über den Tisch gezogen wirst. Die sind falsch!
Das war's für heute. Nimm dir Zeit, in Ruhe über den Judasbrief nachzudenken. Wo spricht er in dein Leben hinein? Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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