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Vom LIBERALISMUS zum Christentum

Thomas Richter (IDEA)
25.02.2022

Persönliche Erfahrungen und Herausforderungen im Glaubensleben

Prüft das Gute und behaltet es. Da war nicht viel dabei. Die Lektion kann ich jedem empfehlen, der das sieht: Wenn du meist in so einer Situation bist, nimm die Herausforderung an.

Das habe ich in meinem Leben erfahren, und es war eine sehr heftige Zeit des Zerbruchs. Ich habe sehr viel geweint. Die Gesellschaft erlaubt alles und ermöglicht alles. Du bekommst alles sofort und hast irgendwie alles, aber es gibt kein Ziel mehr.

Wenn wir das Evangelium vor Augen haben, werden wir es nicht vergessen. Wir wissen, wo wir waren oder wo wir ohne Jesus wären. Und wir wissen, dass wir nicht besser sind.

Deshalb passen viele Stellen den Menschen oder Liberalen nicht in den Kram, weil es um Gott geht und nicht um den Menschen. Es wird oft das ersetzt, was einem so passt. Letztlich wird ein Gott angebetet, der einfach mir gleich ist.

Reise niemals einen Zaun ein, bevor du nicht weißt, warum er gebaut wurde.

Ich dachte: Wenn ich die Bibel aufgebe, was habe ich denn dann?

Vorstellung und Zielsetzung des Formats

Um Nachfolge zu verstehen, mach dich Hashtag Bibelfit. Ich bin Markus Voss, und hier machen wir drei Dinge.

Wir versuchen, tiefer in die Bibel einzusteigen. Außerdem überlegen wir, wie du und ich Jesus im modernen Alltag nachfolgen können. Zudem beantworten wir taffe Fragen, die die Gesellschaft uns Christen stellt.

Zu alldem gibt es Dutzende kostenfreie Tools. Dazu gehören Hörbücher, Onlinekurse, Tageschallenges und praktische Alltagsgegenstände, die du dir auf der Website gratis mitnehmen kannst.

Finanziert wird all das hier sehr transparent durch kleine monatliche Spenden von Menschen wie dir und mir aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das ist sehr hilfreich, denn dieses Projekt nimmt langsam Fahrt auf.

Gesprächseinleitung mit Thomas Richter

Neues Format

Heute werde ich gar nicht so viel sagen, sondern übergebe das Wort an unseren besonderen Gast Thomas Richter. Herr Thomas, vielen Dank, dass du dir nochmal die ganze Zeit genommen hast, damit wir uns hier zusammensetzen können. Ich freue mich wirklich riesig, dass du hier mein Gesprächspartner sein möchtest.

Ganz kurz für alle, die Thomas noch nicht kennen: Thomas, du hast jetzt eine ganze Zeit lang bei idea gearbeitet, was früher idea spektrum war. Du warst dort im Social-Media-Bereich tätig und hast das aus meiner Sicht extrem gut aufgebaut – mit Postings, Stories und Livestreams. Die Stammtisch-Gespräche sind ja schon fast legendär geworden.

Du warst natürlich gleichzeitig auch journalistisch tätig und hast viele Sachen hier im Osten gecovert. So hast du den Leuten die Möglichkeit gegeben, einen Einblick zu bekommen. Was hast du eigentlich noch alles gemacht, von dem wir gar nicht wissen?

Ja, da kann ich jetzt viel erzählen. Es kommt darauf an, wo ich anfangen soll.

Wo möchtest du denn anfangen? Ob jetzt parallel dazu oder erst mal kurz, wie du dazu gekommen bist?

Ich kann da viel erzählen.

Sehr gerne. Erzähl doch mal ganz kurz ein bisschen.

Wie alt bist du jetzt eigentlich gerade, Thomas?

Ich bin 32. Ich bin verheiratet mit meiner Jana seit bald sieben Jahren. Im Januar hatten wir unser siebenjähriges Jubiläum. Seit einem Jahr haben wir auch eine Tochter. Ich bin gerade in meiner Elternzeit, es ist der zweite Monat, und genieße die Zeit mit ihr. Sie ist kaum noch aus unserer Familie wegzudenken.

Lebensweg und theologische Entwicklung

Genau, ich bin in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen und habe dort mein Abitur gemacht. Danach habe ich ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei der Diakonie im Asylbewerberheim absolviert. Anschließend stand ich vor der Frage, wie es weitergehen sollte. Ich hatte keine klare Vorstellung, habe aber bei der Diakonie gearbeitet und dachte mir: Soziale Arbeit könnte perspektivisch das Richtige für mich sein.

Deshalb habe ich mich hier in Dresden an der evangelischen Hochschule für soziale Arbeit beworben. Leider wurde ich nicht angenommen, was häufig vorkommt. Rückblickend bin ich Gott dankbar, dass es nicht geklappt hat, denn die theologische Ausrichtung dort entsprach nicht ganz meiner.

Dann habe ich überlegt, was ich sonst noch machen könnte. Zu der Zeit hatte ich auch erste tiefere Erfahrungen mit Gott gemacht, weil ich junge Leute kennengelernt hatte, die mit Jesus unterwegs waren. Obwohl ich aus einem christlichen Elternhaus komme und dafür sehr dankbar bin, hatte ich nie so viele junge Leute um mich herum.

Also dachte ich: Vielleicht ist Theologie etwas für mich. Ich habe mich einfach eingeschrieben, es gab keinen Numerus Clausus, und es hat sofort geklappt. Ich war mir allerdings sicher, dass ich nach einem Jahr wieder aufhören würde. Danach wollte ich mich noch einmal für soziale Arbeit bewerben, aber auch das hat nicht funktioniert.

Nach einem Jahr stellte ich fest, dass Theologie eigentlich eine ziemlich coole Sache ist und mir viel Spaß macht. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe das Studium an der TU Dresden durchgezogen. Es war ein historisch-kritisches Studium, das du ja kennst. Ich habe mir immer gesagt, ich werde niemals vor Leuten stehen, predigen oder Ähnliches tun.

Irgendwann bin ich dann aber doch reingerutscht. Meine erste Predigt habe ich 2010 oder 2011 gehalten. Ich war sehr jung und denke heute im Rückblick, dass ich noch nicht reif genug war. Aber Gott hat es gebraucht, und so bin ich jetzt seit über zehn Jahren im Predigtdienst aktiv. Ich tue etwas, was ich nie erwartet hätte.

Heute leite ich eine Gemeinde in Dresden, die Netzwerkgemeinde, und predige immer mal wieder. Letztes Jahr bin ich dann, um das noch abzuschließen, auf eine Anzeige bei idea gestoßen. Ich lese das Magazin schon länger. Dort wurde ein Ostredakteur gesucht. Ich habe mich als Theologe beworben, vor Ort Probe gearbeitet, und es hat geklappt.

Jetzt bin ich schon über ein Jahr als Ostredakteur tätig, wie du es schon gesagt hast. Außerdem bin ich seit etwa acht, neun Monaten für Instagram bei idea zuständig. Das war für mich auch ein großes Wunder, dass ich dafür angefragt wurde. Insgeheim hatte ich es im Herzen, habe es aber nie ausgesprochen.

In meinem Leben habe ich immer wieder gemerkt: Gott macht die Dinge, Gott tut es. Da könnte ich noch eine Geschichte erzählen, wie Gott einen in Sachen Demut schult. Passt das noch?
Na klar, bitte!

Demutserfahrungen und praktische Herausforderungen

Ich bin vor etwa zwei bis zweieinhalb Jahren zum Ältesten in meiner Gemeinde gewählt worden. Genau kann ich mich nicht erinnern. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich gerade mein Masterstudium am Bucer Seminar in Chemnitz in Theologie abgeschlossen, was ich vorher gar nicht erwähnt hatte.

Kurz nach meiner Einsegnung kamen zwei liebe Geschwister zu mir. Sie suchten das Gespräch mit jemand anderem und sagten, dass sie meine Arbeit sehr schätzen. Gleichzeitig meinten sie, es wäre gut, wenn ich noch einmal etwas Praktisches machen würde. Theologie sei oft sehr verkopft, und es wäre wichtig, auch praktische Erfahrungen zu sammeln. Das war für mich eine große Herausforderung und hat mich sehr aufgewühlt und frustriert. Ich hatte schon immer mal verschiedene Minijobs, zum Beispiel bei der Post, in einem Umzugsunternehmen, am Uniklinikum, als Tutor und auch in der Erstaufnahmeeinrichtung des Deutschen Roten Kreuzes, wo 2015 viele Flüchtlinge ankamen.

Trotzdem wollte ich mich der Herausforderung nicht entziehen. Vielleicht hatte das Ganze wirklich einen Sinn. Also habe ich mich online angeboten, unter anderem bei eBay. Irgendwann hat mich ein Christ aus Dresden angeschrieben. Er hatte früher als Gebäudereiniger gearbeitet und inzwischen ein zweites Unternehmen aufgebaut, das älteren Menschen im Alltag hilft.

Das war etwas, was ich mir gut vorstellen konnte. In unserem Haus lebte ein älterer Herr, dessen Frau gestorben war. Während meine Frau im Sterben lag, hatte sie kaum Kontakt zu ihm. Trotzdem ging sie oft zu ihm, setzte sich ans Bett und sang Lobpreislieder. Das hatte ihn sehr bewegt. Nach dem Tod meiner Frau entstand ein Kontakt zwischen uns. Ich besuchte ihn ein- bis zweimal pro Woche, trank mit ihm ein Bier oder Whisky und wir tauschten uns viel über Jesus aus. Er begann, die Bibel zu lesen, und kam auch zum Gottesdienst.

Daher hatte ich schon ein bisschen Erfahrung und Freude daran, mit älteren Menschen Zeit zu verbringen. Ich dachte, es ginge vor allem darum, zu reden, Zeit miteinander zu verbringen, vielleicht Einkäufe zu erledigen oder Spiele zu spielen. Doch am Ende bestand die Arbeit oft darin, viel zu putzen – vor allem auch Toiletten. Das war für mich das Schlimmste, weil ich etwas empfindlich bin, was Sauberkeit angeht.

Trotzdem habe ich die Arbeit ein Jahr lang durchgezogen. Es war eine demütigende Erfahrung. Ich erinnere mich, dass die Eltern einer älteren Dame das Gespräch mit mir suchten, weil ich mal zwei oder drei Minuten zu spät war. Die Rushhour außerhalb Dresdens machte es manchmal schwierig, pünktlich zu sein. Außerdem spürte ich oft Misstrauen, weil es ungewöhnlich ist, dass ein junger Mann alten Menschen beim Putzen hilft. Es wurde vermutet, ich hätte vielleicht andere Motive.

Das hat mich herausgefordert, besonders weil ich auch andere Möglichkeiten gehabt hätte. Aber ich habe diese Zeit als Demutsschule erlebt. Am Ende glaube ich, dass Gott mich dadurch auf das vorbereitet hat, was danach kam. Er hat mir die Möglichkeit eröffnet, bei idea zu arbeiten, wo ich jetzt bin. Diese Arbeit macht mir große Freude und entspricht mehr dem, was ich gelernt habe.

Ermutigung und geistliche Erkenntnisse aus der Demut

Ja, und deswegen kann ich jeden ermutigen, der das sieht: Wenn du vielleicht in so einer Situation bist, nimm die Herausforderung an. Das habe ich in meinem Leben erfahren. Es ist gut, nicht vor den Herausforderungen wegzulaufen, sondern sie anzunehmen und dadurch zu wachsen – auch wenn es herausfordernd ist.

Herausforderungen bringen Schwierigkeiten mit sich, aber es lohnt sich. Danach ist man auf einem ganz neuen Level, denke ich, auch im Prozess der Heiligung.

Ich könnte jetzt nicht sagen, dass ich so demütig bin wie Mose, der als der Demütigste gilt, aber es hat mich schon gedemütigt – und das ist wichtig. Hochmut kommt vor dem Fall. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich persönlich habe immer ein bisschen damit zu kämpfen. Das wissen manche Leute auch, wenn es um mein Ego geht. Ich versuche immer, mein Ego im Zaum zu halten und mich in den Dienst der Sache zu stellen. Das gelingt mir mal besser, mal schlechter. Es ist ein ständiger Kampf.

Wenn man in seinem Leben wirklich einige schwierige Erfahrungen gemacht hat, wie du es gerade beschrieben hast – mir geht es ja ähnlich –, dann denkt man sich oft: „Oh, das hilft.“ Es ist unangenehm, und es sind Erfahrungen, die man manchmal lieber nicht gemacht hätte. Aber die Lektion, die man daraus lernt, möchte man nicht missen.

Die Lektion kann man jedoch nicht lernen, ohne die Erfahrung zu durchleben. Das sind zwei Seiten derselben Medaille.

Ich muss auch sagen, dass es nicht nur eine demütigende Zeit war, sondern auch eine sehr geistig erbauende Zeit. Ich hatte viel Zeit, beim Putzen zu beten und meine Predigten gedanklich vorzubereiten. Ich habe auch bei älteren Leuten Treppen geputzt und dabei Podcasts gehört, für die mir jetzt die Zeit fehlt – was ich auch ein bisschen vermisse.

Aber es war auch im geistigen Sinne eine gute Zeit. Ich konnte die Zeit nutzen, um parallel noch etwas anderes zu tun. Das war super.

Theologische Positionierung und Glaubensweg

Du hast jetzt erzählt, Thomas, dass du an der TU Dresden historisch-kritische Theologie studiert hast, also eher in Richtung liberaler Theologie. Und jetzt arbeitest du bei idea. Für diejenigen, die es nicht wissen: idea ist eher eine konservative theologische Zeitschrift, eine konservative christliche Stimme, darf man sagen.

Wenn man diese Spanne sieht, könnte man es schwarz-weiß malen: historisch-kritische, liberale Theologie steht vielleicht hier, und idea eher dort. Man könnte also sagen, es ist nicht unbedingt selbstverständlich, dass jemand, der diese Schule durchlaufen hat – die du und ich ja beide durchlaufen haben – ausgerechnet dort landet.

Wie kommt das? Wie hast du es geschafft, einerseits deine theologischen Positionen zu bewahren, ohne dich anzupassen? So hatte ich es damals gemacht: Ich bin vollkommen in diesem Strom mitgeschwommen – liberale Theologie, kritische Nebenjesuforschung, und habe die Bibel nicht mehr so gesehen. Mir ist das nicht gelungen, überhaupt nicht.

Wie hast du es geschafft, dir das zu bewahren und andererseits wieder so weit in die Richtung zu gehen, die du für richtig hältst, sodass du es jetzt sogar zu deinem Beruf gemacht hast?

Ich glaube, ich kann erst mal sagen: Es ist wirklich Gottes Gnade, die ich da erfahren habe. Im Rückblick sieht man, wie sich die Dinge zusammengesetzt haben. Das Kuriose war, ich glaube, es war der erste Samstag, an dem ich in Dresden war. Ich war mit meinem Bruder erstmals in Tschechien drüben, wie man das so macht: erst mal rübergefahren, günstig gegessen und Bier gekauft.

So begann auch meine Studienzeit. Ja, ich habe damals definitiv viel Mist gebaut und war oft unterwegs. Aber das führt mich gleich noch zu etwas anderem. Vielleicht kurz noch mal abbiegen: An diesem ersten Samstag war ich in Dresden-Neustadt unterwegs, laufe so herum. Ich war schon immer ein Fan des christlichen Metal und Hardcore, so diese Musikrichtung. Das war für mich immer ein Halt in meinen Jugendjahren, in denen ich oft sehr alleine war.

Diese Musik hat mir Halt gegeben. Damals war das so, falls das noch Leute kennen, P.O.D., später dann For Today. Das war meine absolute Lieblingsband, die die Bibel in harter Musik vertont hat. Ich war auch immer auf christlichen Festivals unterwegs. Eins war hier gleich in der Nähe von Dresden, das Sackstockfestival, das es leider nicht mehr gibt. Dort hat eine Band aus Dresden gespielt. In dem Jahr, in dem ich nach Dresden gezogen bin, habe ich sie auf der Bühne gesehen.

Ich laufe durch die Neustadt. Ich hatte in Gera auch schon so Musik gemacht, habe da geschrien, aber auch Bassgitarre gespielt. Ich laufe da lang, sehe einen aus der Band und spreche ihn an. Wir kommen ins Gespräch. Er war der Schlagzeuger der Band und sagte: „Hey, wir suchen gerade einen Bassisten.“ So ging das los, dass ich da reingekommen bin und gleichzeitig auch in die Gemeinde.

Das war das Kraftwerk damals, wo ich angefangen habe, in die Gemeinde zu gehen, hier in Dresden. So hatte ich gleich von Anfang an eine Gemeinde um mich herum mit jungen Leuten, die Jesus wollten, die ich vorher noch nicht kannte. Diese jungen Leute haben mich natürlich bewahrt in diesem Studium, wenn man mit kritischen Sachen zugepflastert wird: „Ja, Paulus hat das alles verfälscht“ oder „Das stimmt nicht“ und „Wer glaubt denn noch an die Schöpfung?“ Du kennst das ja.

Ich war damals aber sehr zurückhaltend, weil ich einfach keine Ahnung hatte. Ich hatte meinen kindlichen Glauben und habe gesagt: „Nein, wenn das in der Bibel steht, dann ist das so.“ Da konnte auch keiner dran rütteln, weil ich dachte: Wenn ich die Bibel aufgebe, was habe ich denn dann? So war das damals.

Ich hatte eigentlich keine Ahnung, auch in meinem Studium, weil ich theologisch keine Vorerfahrung hatte. Ich hatte die Bibel noch nicht mal durchgelesen. Aber Gott hat mich da irgendwie bewahrt. Ich habe Leute kennengelernt, die gesagt haben: „Sex vor der Ehe ist doof.“ Das hat mir extrem geholfen, weil ich zu dem Zeitpunkt viel gefeiert habe und diesen Blick nicht hatte.

Das hat mir einfach extrem geholfen. Heute würde ich wohl anders im Studium sitzen, es gäbe mehr Kontra. Damals habe ich das aufgenommen, geprüft und gut behalten. Es war nicht viel dabei, außer die Lektion über Bonhoeffer oder dass selbst Nietzsche noch positive Sachen in Bezug auf Christentumskritik hatte. Das ist ja auch mal wichtig, dass man das hört und sich prüft.

So bin ich quasi durch das Studium gekommen. Dann war für mich klar: Wenn ich noch weiter Theologie studiere, dann nur mit einem Studium, das die Bibel als Wort Gottes betrachtet. Punkt. Das ist die Ausgangslage. Darauf baut meine Theologie auf.

Dann habe ich das Buzer-Seminar gefunden, das in meiner Ecke war und genau diese Voraussetzung hatte: Die Bibel ist das Wort Gottes. Dann ging es weiter, und so wurde der Kinderglaube gestärkt.

Heute fällt mir ein: Ich habe heute ein Interview gehört mit Professor Gerhard Meyer, das offenbar in der Mediathek zu finden ist, auch als Podcast. Er hat erzählt, dass die historisch-kritische Methode versucht, den Kinderglauben an der Garderobe abzugeben. Aber das funktioniert nicht so, sondern der Kinderglaube wächst, wenn man sich mit der Bibel auseinandersetzt.

Die historisch-kritische Methode kann das nicht zerstören. Das wäre jetzt ein langes Thema. Da gibt es auch tiefere Einblicke, was da alles nicht so stimmt. Ich bin jetzt kein Riesentheologe, sage ich mal, aber ich sehe mich mehr als Prediger, als Evangelist, der Leute auf Jesus ausrichtet.

Ich freue mich über Theologen, die Basics geben, wie Markus, von dem ich lernen kann. Wir alle haben unsere Stärken, und Gott setzt uns an verschiedene Stellen.

Letztlich hat sich dieses theologisch Konservative bei mir über die Jahre verfestigt. Man sagt ja immer, wenn man aus christlichen Elternhäusern kommt, wird man oft liberaler, weil man eine theologisch konservative Erziehung hatte. Aber bei mir ist das anders.

Da bin ich Gott dankbar, denn meine Eltern haben mich auch rausgelassen. Sie haben mich auf Partys gehen lassen. Dafür bin ich mega dankbar. Ich sage nicht, dass alles, was ich getan habe, gut war, aber ich habe gemerkt, dass Gott kein Problem mit Party hat.

Was aber oft passiert, ist, dass man viel Alkohol trinkt, nach Frauen schaut und das Zentrum dieser jungen Lebensjahre ist. Am Ende bringt das keine Erfüllung. Am nächsten Morgen fühlt man sich schlecht.

Mit Jesus ist das anders. Da hast du ein Ziel, eine Orientierung, klare Werte. Die Bibel gibt mir mein Gerüst. Ich will nicht ohne das Wort Gottes leben. Es ist das Schönste, was es gibt: diese klare Linie zu haben und zu wissen, so ist es.

In meinem eigenen Leben sehe ich: Die Liebe hat Recht, da ist nichts Gutes. Ich bin ein Sünder. Das Evangelium habe ich so richtig verstanden, als ich verheiratet war und mir der Spiegel vorgehalten wurde. Davor konnte ich mich immer zurückziehen.

Ich habe dann mehr erkannt, was für ein Egoist ich bin. Das war eine sehr heftige Zeit des Zerbruchs. Ich habe viel geweint, aber gleichzeitig die Liebe des Vaters erlebt. Da sind Dinge gewachsen.

Ich hatte auch eine Phase, in der ich sehr charismatisch unterwegs war, viel auf Wunder aus war. Aber ich merkte, dass das nicht meine Erfüllung war, weil vieles nicht so geklappt hat – prophetisches Reden, vielleicht kennst du das oder jemand, der hier zuschaut.

Ich habe kein Problem mit Geistesgaben, Prophetie oder Wundern. Ich glaube daran, aber alles muss einen gewissen Rahmen haben. Das würde jetzt zu weit führen.

Nach und nach habe ich gemerkt: Warum stürze ich mich nicht mehr auf die Bibel? Das habe ich dann getan. Darin habe ich Tiefe und Frieden gefunden, vor allem, weil ich Gott mehr und mehr erkannt habe.

Das ist zu meinem Lebensthema geworden: Gotteserkenntnis. Ich glaube, davon geht alles aus. Deshalb habe ich einen großen Eifer für seine Ehre. Die Bibel ist voll davon, dass Gott die Ehre bekommt.

Deswegen passen viele Stellen den Menschen oder Liberalen nicht in den Kram, weil es um Gott geht und nicht um den Menschen.

Letztlich sehe ich das jetzt bei Freunden, mit denen ich mal unterwegs war, die sich dem progressiven, liberalen Denken zugewandt haben. Dort wird Stück für Stück alles seziert und auseinandergenommen. Bordhaus und Co. sind dort die großen Helden.

Bei mir ist es anders. Deswegen sehe ich mich als theologisch konservativ. Ich könnte jetzt viel erzählen, aber das vielleicht mal ganz kurz.

Vielen Dank schon mal.

Gründe für den Zulauf zu konservativen Positionen

Ich glaube, wie du das jetzt sagst: Man muss die Gotteserkenntnis haben. Die ist sehr wichtig. Man muss sein Leben auf dem Wort Gottes gründen. Es ist klar, es gibt einem moralische Leitlinien. Diese zeigen einem, wie die Realität zu verstehen ist.

Ich glaube, da sprichst du bei vielen Leuten, wie auf diesem Kanal, mit Hashtag Wiebelfeld einfach offene Türen ein – auf jeden Fall. Ich kenne jetzt nicht die Absatzzahlen von Idea und musste auch gar nicht irgendwelche internen Infos haben. Was wir aber alle beobachten konnten, ist, wie der Idea-Instagram-Kanal, den du ja maßgeblich verantwortest, aufgebaut und umgebaut hast, immer mehr an Followerzahlen zugenommen hat. Er hat im Laufe der letzten Monate einfach immer mehr Zug bekommen.

Dabei hältst du mit manchen Themen keineswegs hinter dem Berg. Zum Beispiel, wer das nicht weiß: Thomas veröffentlicht, wenn ich es richtig verstanden habe, in regelmäßigen Abständen die aktuellen Abtreibungszahlen in Deutschland. Das ist etwas, worauf du aus meiner Sicht völlig gerechtfertigt immer wieder den Fokus legst. Du sagst: Liebe Leute, wir dürfen das Thema nicht weiter ignorieren.

Du postest auch immer wieder Storys und Beiträge, in denen du mit klaren biblischen Positionen argumentierst. Natürlich gibt es den einen oder anderen kritischen Kommentar, aber das ist überhaupt nicht schlimm. Was wir eindeutig beobachten konnten, ist, wie immer mehr Leute im positiven Sinne auf diesen Kanal aufspringen.

Man müsste eigentlich denken, dass man Leute abschreckt, wenn man sozusagen, wie du sagst, konservativ oder bibeltreu formuliert und auftritt. Aber du und ich machen die gegenteilige Erfahrung: Immer mehr Leute schließen sich an und sagen: Jawohl, das ist etwas, wozu ich mir noch mehr Input wünsche.

Was glaubst du, warum das so ist? Warum gibt es scheinbar so einen großen Hunger nach fundierten, bibeltreuen Positionen, die immer mehr öffentlich dargelegt werden? Woher kommt das?

Zum einen muss ich sagen: Zu den drei Kreuzen, also den Abtreibungszahlen – jede Woche veröffentlichen wir die Zahlen im Idea-Magazin. Ich greife die dann ab und zu in den Postings auf, um auf dieses Unrecht aufmerksam zu machen. Gott fordert uns ja dazu auf, unseren Mund für die Stimmlosen zu öffnen.

Ich kenne jetzt nicht die ganze Geschichte im Detail, aber es ist eigentlich schon immer eine Stimme für das ungeborene Leben. Deshalb steht Idea dahinter, und ich poste es sozusagen.

Warum interessiert das die Leute? Warum kommen da Leute dazu? Zum einen glaube ich, dass es viele konservative Christen gibt, die man bloß nicht so kennt. Das finde ich ein bisschen traurig. Wenn wir von konservativ sprechen, meinen wir ja theologisch konservativ, nicht unbedingt politisch konservativ.

Ich sehe da ein Problem bei den Konservativen: Sie halten sich oft zurück und präsentieren sich öffentlich nicht so. Viele haben vielleicht kein Interesse an Social Media, keine Ahnung davon oder sogar eine gewisse Abneigung dagegen. Aber das Leben spielt sich eben dort ab, ob man das gut findet oder nicht – das sei dahingestellt.

Vor allem sind es die jungen Leute, die man erreichen will. Deshalb glaube ich, dass viele aufspringen, weil viele theologisch konservativ sind und in sozialen Netzwerken unterwegs sind, aber oft nicht den Mut haben, ihre Stimme zu erheben.

Auf der anderen Seite merke ich durch die Instagram-Arbeit, dass viele junge Leute Feuer für Jesus haben. Sie gehen voran, öffnen ihren Mund und die Zahlen wachsen.

Ich denke, das liegt natürlich auch daran, dass der Geist Gottes zieht – zu seiner Wahrheit, zu seinem Wort. Die Leute sehnen sich nach Orientierung. Wir brauchen Grenzen, Gott hat uns Grenzen gesetzt.

Mir hilft auch das Zitat von Chesterton: „Reise niemals einen Zaun ein, bevor du nicht weißt, warum er gebaut wurde.“ In der liberalen und progressiven Welt wird oft alles dekonstruiert und niedergerissen. Vor allem im Progressiven wird alles mit dem ersetzt, was einem gerade passt. Letztlich wird ein Gott angebetet, der einfach „mir gleich“ ist.

Aber ich glaube, attraktiver ist der Gott der Bibel, den wir nicht erfinden, sondern der real und echt ist. Am Ende muss es der Heilige Geist tun, denn wir wissen aus der Bibel, dass wir Gott nicht von uns aus unbedingt suchen oder finden. Er ist oft gegen das, was wir toll finden – die Sünde, die wir umarmen und lieben.

Vielleicht ist es schon ein bisschen Erweckung. Vielleicht bahnt sich da auch etwas an bei der jungen Generation – das wäre wunderbar. Aber ich glaube auch, dass die Gesellschaft, die alles erlaubt und ermöglicht, in der man alles sofort bekommt, kein Ziel mehr hat. Irgendwie merken die Leute am Ende, dass etwas fehlt.

Auch in der liberalen Theologie kann man sich alles zurechtzimmern, wie man es gerne hätte. Aber Gott bleibt derselbe gestern, heute und in Ewigkeit. Er ist es, der zieht. Es gibt wahrscheinlich viele Gründe, warum Leute so etwas anzieht.

Ich hoffe, es wird noch mehr. Mein Ziel mit dem Kanal ist auch, zu zeigen – und ich hoffe, dass auch mehr Konservative auf ihren Kanälen das zeigen –, dass theologisch konservativ sein nicht bedeutet, nur gegen Dinge zu sein, verbittert, engstirnig oder immer ernst.

Theologisch konservativ zu sein heißt, Freude zu haben, weil man ein Fundament hat, eine Linie kennt, weiß, was das Ziel ist, wo man herkommt, warum man hier ist und Gottes Wort hat, das ein Licht auf dem Weg und den Füßen ist. Und Jesus wird wiederkommen. Das sind alles wichtige Punkte.

Bedeutung von Glaubenshügeln und zentrale Glaubensfragen

Wenn wir dieses Gespräch jetzt auf Instagram führen würden, würden dir laute Herzen zugeflogen kommen. Dort gibt es nämlich diese Like-Funktion. Vielleicht, vielleicht auch eher nicht.

Du hast damals, als wir uns das letzte Mal unterhalten haben – ich hoffe, ich erinnere mich richtig –, gesagt: Markus, man muss sich die Hügel aussuchen, auf denen man sterben will. Das heißt, man muss sich wirklich überlegen, für welche Überzeugungen man bereit ist, auch im schlimmsten Fall einzustehen. Vielleicht kannst du in deinen Worten ausdrücken, was du mit „Hügel, auf denen man sterben will“ meinst. Was sind das für Hügel, die wir vielleicht gar nicht so sehr sehen, die wir aber besser sehen sollten?

In wenigen Sekunden geht es weiter. Ich möchte gern allen danken, die schon die Glocke unter diesem Video gedrückt haben, damit mehr Menschen christliche Inhalte angezeigt werden. Das ist anonym, in zwei Sekunden erledigt und hilft auch diesem Kanal. Vielen Dank!

Ich kann es dir nicht genau sagen, aber die Übersetzung lautet ungefähr: Berge oder Hügel, auf denen es sich lohnt zu sterben. Dabei geht es um eine Art theologisches Triage. Das heißt, im Ernstfall entscheidet man, was wirklich überlebenswichtig für den christlichen Glauben ist und wo man vielleicht Kompromisse eingehen kann, um trotzdem Einheit zu bewahren.

Ich glaube, das sind die ganz entscheidenden Themen. Für mich ist eines der am stärksten angegriffenen Themen das Sühneopfer von Jesus. Wenn ich nicht mehr glaube, dass Jesus zur Sünde wurde und zum Fluch, dann wird es für mich gefährlich. Denn dann rückt der Mensch immer mehr an Gottes Position.

Gerade dieses Sühneopfer, das ich als das Zentrum des Glaubens sehe, wird in der Offenbarung beschrieben. Dort wird das Lamm angebetet, das geschlachtet wurde. Das heißt, bis in Ewigkeit werden wir dieses Opfer von Jesus feiern, bestaunen und bejubeln. Es ist einfach das Zentrum der Aufmerksamkeit.

Ich glaube, das ist so entscheidend, dass es eigentlich in jeder Predigt erwähnt werden sollte. Denn hier sehen wir, wie verloren wir sind und wie gut und gerecht Gott ist. Im Kreuz sehen wir zum einen den Zorn Gottes und zum anderen die Liebe Gottes – die höchste Offenbarung Gottes sozusagen.

Das erinnert an den Vers, über den wir vorhin schon kurz gesprochen haben, aus Exodus 34,6. Dort geht Gott an Mose vorüber und offenbart seine Herrlichkeit. Er ist barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn, aber gleichzeitig sagt er, dass er nicht ungestraft lässt. Das sehen wir am Kreuz: die Barmherzigkeit Gottes und die Strafe Gottes.

Es ist wichtig, dass das Sühneopfer das Zentrum oder eines der Zentren ist, weil hier gezeigt wird, dass Gott allein die Menschen retten konnte und dass er die Rettung initiiert hat. Jesus war kein Opfer von Umständen oder anderen Dingen. Er war nicht hilflos.

Nein, er hat es ganz bewusst getan, weil er es wollte. Er hat es nicht getan, um irgendwie prominent zu werden oder weil er sich selbst toll findet. Vielmehr bin ich toll oder wertvoll, weil er es getan hat. Aber eigentlich war ich so verloren. Die Bibel sagt, dass er uns geliebt hat, als wir noch Sünder waren. Das ist ein noch höheres Verständnis von Gottes Liebe.

Ich glaube, der Liebesbegriff ist dadurch nicht zu einer beliebigen Floskel geworden. Wenn wir das Sühneopfer wirklich in der Tiefe erfassen, bekommen wir ein ganz tiefes Bild von Gottes Liebe. Auch wenn es am Anfang vielleicht abschreckend klingt, ist es beim genauen Nachdenken und Forschen in der Bibel ein Grund zur Freude. Halleluja!

Das ist ein Hügel, für den es sich lohnt zu sterben. Letztlich geht es darum, wofür ich bereit wäre zu sterben – auch leiblich. Wir leben jetzt in einer Zeit, in der das keine große Rolle mehr spielt. Aber es gab Zeiten, da war das anders. Wir wissen, dass es Zeiten gab, in denen es entscheidend war, ob man eine Lehre widerruft oder nicht.

Eine solche Lehre ist letztlich alles, was im apostolischen Glaubensbekenntnis steht. Für mich sind das unverrückbare Hügel, für die es sich lohnt zu sterben. Für uns geht es heute mehr darum, für diese Hügel aufzustehen, für sie einzutreten und im Notfall auch Trennungen in Kauf zu nehmen – auch wenn das schmerzlich ist.

Ich bin prinzipiell ein sehr offener Typ, vor allem was Äußerlichkeiten angeht. Ich mag es überhaupt nicht, wenn Konservative auf Äußerlichkeiten herumhacken – musikalisch oder was auch immer. Ich komme aus einer ganz anderen Richtung. Für viele passt das vielleicht nicht zusammen, aber für mich ist es überhaupt kein Problem, so eine Musik mit dieser Theologie zu verbinden.

Der Inhalt, das Herz, das ist das Entscheidende. Das sind einfach wichtige Themen. Ich weiß gar nicht, ob du noch etwas anderes wissen wolltest.

Es gibt auch Fragen zu Äußerlichkeiten. Für mich sind etwa Tauffragen oder das Abendmahlsverständnis nicht unbedingt Themen, über die ich mich total zerstreiten würde. Ich kann verstehen, dass daraus neue Gemeinden entstehen. Aber ich glaube, ich kann trotzdem ein brüderliches Verhältnis zu den Menschen haben und mit ihnen zusammen beten.

Wir haben Jesus im Zentrum. Letztlich ist auch das Evangelium unser Kern. Und da ist das Sühneopfer, wie ich schon gesagt habe, einfach mega zentral im ganzen Evangelium.

Dank und Zusammenfassung der theologischen Haltung

Ich bin Thomas sehr dankbar, dass aus vielen seiner Beiträge eine echte Sorge um das reine Evangelium spricht. Diese Sorge ist nicht dogmatisch oder aus Selbstzweck, sondern weil es wirklich um etwas Wichtiges geht.

Weißt du, wenn das stimmt, was Jesus sagt, dann entscheidest du in diesem Leben – heute und jetzt – ob du in die Hölle oder in den Himmel möchtest. Das ist deine Entscheidung. Jesus kann sie dir nicht abnehmen, und ganz bestimmt auch nicht Thomas oder ich.

Um diese Entscheidung bewusst zu treffen, habe ich dir hier den Bibelfit-Leitfaden für die Versöhnung mit Gott erstellt. Dort findest du kurz und einfach, mit Audio und Video, auf den Punkt erklärt, was Jesus sagt, wie man in den Himmel kommt und was das Evangelium nach Jesus ist.

Du kannst den Leitfaden gern kostenlos nutzen. Klicke dafür einfach auf den Link unter diesem Video.

Und jetzt weiter mit Thomas. Das ist fast ein richtig schönes Schlusswort.

Anliegen für das Gebet und die christliche Gemeinschaft

Ich möchte zum Schluss zwei Anliegen nennen, für die wir als Christen in Deutschland im Jahr 2022 mehr beten sollten. Ein Thema, das mich derzeit sehr bewegt, ist, wie Christen sich in den sozialen Medien gegenüber der Politik positionieren. Man kann unterschiedliche Meinungen haben, aber ich finde es problematisch, wenn ich bei Christen zehn Beiträge sehe, in denen die Regierung lächerlich gemacht wird, sie als Versager bezeichnet werden und Ängste geschürt werden. Danach folgt vielleicht ein Beitrag über das Evangelium, und dann geht es weiter mit Kritik. Die Leute sehen das.

Ich glaube, wir sind als Christen nicht dazu aufgerufen, über die Politik zu lästern oder uns darüber lustig zu machen. Natürlich sollen wir unseren Mund öffnen, wenn Ungerechtigkeiten passieren. Aber unser erstes Mandat ist es, für die Politiker zu beten, sie zu segnen und auch das Positive in ihrem Handeln zu sehen. Hier kommt für mich der Punkt Demut ins Spiel. Oft denken wir, wir könnten alles besser machen. Aber das können wir nicht. Vielleicht können wir es besser im Sinne des Heiligen Geistes, doch das ist nicht unser Verdienst.

Ich glaube, es braucht mehr geisterfüllte Politiker. Das ist für mich ein sehr wichtiger Punkt, besonders auch, weil wir in Sachsen kürzlich erlebt haben, dass ein Anschlag auf unseren Ministerpräsidenten Kretschmer geplant war. Ich sage nicht, dass Christen daran beteiligt waren, aber ich denke, wir gießen Öl ins Feuer, wenn wir ständig auf Politikern herumhacken.

Deshalb ist es für mich 2022, auch weil Corona wahrscheinlich noch eine Rolle spielen wird, eine wichtige Aufgabe für uns Christen, für unsere Amtsträger zu beten und sie zu segnen. Natürlich soll Wahrheit ausgesprochen werden, aber es geht auch darum, Gutes zu tun.

Das wäre dann wahrscheinlich der zweite Punkt: Zum einen sollte die Gemeinde nach außen gerichtet sein – für die Politik beten, sie segnen und Gutes tun, wie es uns die Bibel auffordert. Davor brauchen wir keine Angst zu haben, sagt die Bibel. Zum anderen sollte die Gemeinde wieder zum Zentrum zurückkehren. Und das Zentrum ist nicht Corona, die Maskenpflicht oder die Impfung. Das Zentrum ist das Evangelium.

Wir müssen aufpassen, denn es ist sehr gefährlich, was gerade passiert. Corona ist kein Hügel, auf den es sich lohnt zu sterben. Ich glaube, der Feind will gerade hier mehr und mehr Missgunst, Neid, Zwietracht und Bitterkeit in die Gemeinde bringen. Die Bibel zeigt uns, dass die Gemeinde sich wieder auf das Wesentliche fokussieren muss: das Evangelium von Jesus Christus. Dafür sollte uns die Welt kennen – nicht als die größten Meckerer oder als Menschen, die aus dem Rahmen fallen, weil sie sich an Regeln nicht halten oder meinen, das wäre besonders geistlich. Sondern wir sollen auffallen durch unseren Herrn Jesus Christus und die Ehre Gottes.

Wir müssen uns selbst und anderen wieder vor Augen führen, worum es wirklich geht. Das demütigt uns auch in unserer Situation und hilft uns, Gott im Blick zu behalten. Denn das Existenzrecht unserer Gemeinde gründet sich allein auf Jesus. Ohne ihn hätten wir kein Existenzrecht.

Ein Vers, der mich im Urlaub besonders beschäftigt hat und mir ins Auge gesprungen ist, steht im 5. Buch Mose, Kapitel 6 und auch in Kapitel 8. Dort ermahnt Gott durch Mose sein Volk Israel: Hüte dich, den Herrn nicht zu vergessen. Das passiert so schnell. Es geht darum, was Gott alles getan hat. Er hat sein Volk aus der Knechtschaft geführt, ihnen Weinberge im Überfluss gegeben und vieles mehr.

In unserer westlichen Gesellschaft besteht die Gefahr, vom Wohlstand und Reichtum geblendet zu werden und Gott zu vergessen. Aber auch in der ganzen Corona-Debatte besteht die Gefahr, dass wir vergessen, worum es eigentlich geht und was Ewigkeitswert hat. Das sind Themen, die mich persönlich als Gemeindeleiter sehr beschäftigen: Sich erinnern an das, was Ewigkeitswert hat.