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Eigenwilligkeit (4/4)

Predigt
Matthäus 4,2316.07.2026
SerieTeil 3 / 3Eigenwilligkeit
Eigenwilligkeit klingt harmlos, endet aber oft in Kontrolle und Selbstschutz. Der Ausweg: nicht stur durchziehen, sondern lernen zu sagen: Dein Wille ist besser als meiner.

Einleitung und Hinführung zum Thema

Eigenwilligkeit
Wenn mein Wille sich dem Wort Gottes entzieht
Theologie, die dich im Glauben wachsen lässt, Nachfolge praktisch, dein geistlicher Impuls für den Tag. Mein Name ist Jürgen Fischer, und während ich auf der Sommerbibelschule bin, bekommt ihr eine frische Predigt.
Und ich möchte jetzt den letzten Punkt bringen. Das ist Punkt Nummer vier. Das ist die Alternative zur Eigenwilligkeit, und das ist nämlich Vertrauen und Gehorsam.
Wenn Saul uns zeigt, wie Eigenwilligkeit aussieht, die Frage ist: Wer zeigt uns dann den anderen Weg? Und der stärkste Entwurf, den wir haben, der stärkste Gegenentwurf zu Saul in der ganzen Bibel, das ist Jesus. Und der klarste Moment, in dem er zeigt, wie Leben wirklich funktioniert, das ist in Gethsemane.
Da kniet Jesus in der Nacht vor seiner Kreuzigung. Er weiß, was kommt, und er betet. Und er sagt: Vater, ich will das eigentlich nicht, was da kommt. Er hat Angst.
Und wisst ihr, was Jesus nicht sagt? Ich will es nicht, also mache ich es nicht. Das ist nicht, was Jesus gebetet hat. Jesus betet auch nicht mit zusammengebissenen Zähnen: Na gut, wenn es unbedingt sein muss, ja, dann mache ich es halt.
Jesus betet in Lukas 22,42: „Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir weg; doch nicht mein Wille, sondern der deine geschehe.“

Der Weg Jesu als Gegenbild zur Eigenwilligkeit

Und da müsst ihr jetzt aufpassen, das ist der entscheidende Unterschied. Das hier ist keine passive Resignation, das ist kein Aufgeben. Es ist etwas anderes: ein aktives, vertrauendes Sich-dem-Willen-des-Vaters-Unterstellen.
Jesus hat einen eigenen Willen. Er sagt ja ausdrücklich: „mein Wille“. Aber er löscht ihn nicht aus, sondern übergibt ihn. Ich hoffe, ihr merkt, was hier passiert.
Man könnte ja denken, Gehorsam wäre Willensschwäche. Wer gehorcht, hat keinen eigenen Willen, dem fehlt irgendwie Charakterstärke. Und das ist falsch. Jesus zeigt das genaue Gegenteil. Gehorsam ist die höchste Form von Vertrauen, um das ganz deutlich zu sagen.
Ich brauche keinen starken Willen, um zu sagen: Ich mache, was ich will. Jedes Kind hier im Raum kann das. Ich brauche keinen starken Willen, um mich wie so ein patziges Kind in die Ecke zu stellen und zu sagen: Dafür braucht es keinen starken Willen. Aber es braucht einen gereiften Willen, um zu sagen: Vater, dein Wille ist besser als meiner, und deswegen möge dein Wille geschehen.

Wie Vertrauen im Alltag wächst

Wie geht das praktisch? Wenn wir das in der Bibel ein wenig nachzeichnen, und das wäre sicherlich einen eigenen Vortrag wert, dann würden wir bei verschiedenen Kapiteln vorbeikommen. Ein Kapitel wäre Jakobus 4. Dort wird ein konkreter Weg gezeichnet, wie man in dieses Vertrauen mit Gott hineinkommt.
Da geht es darum, dass wir uns vor Gott demütigen. Da geht es darum, dass wir dem Teufel mit seinen Lügen bewusst Widerstand leisten. Dass wir die Nähe zu Gott suchen. Übrigens ist das eine ganz großartige Sache: dass der Schöpfer des Universums sich von dir finden lässt, wenn du seine Nähe suchst. Dann geht es darum, dass wir unsere Hände reinigen und die Sünde sein lassen. Und dass wir mit der Wankelmütigkeit in unserem Herzen, mit diesem Nichtgenauwissen, ob ich jetzt auf der Seite Gottes stehe oder doch auf meiner Seite, wo man so hin und her schwankt und denkt: Wem vertraue ich denn jetzt eigentlich? Dass wir das sein lassen.
Und das, was ich euch eben gesagt habe, das, was wir in Jakobus 4 finden, ist kein einmaliger Akt. Das machst du nicht einmal. Das ist eine Dynamik, eine Bewegung, ein Lebensstil. Ich klettere jeden Tag. Ich klettere im Blick auf den Umgang mit meinem Handy, mit meiner Zeit, meinem Terminkalender, meiner Frau, meinen Kindern. Ich klettere vom Thron runter, gehe hin zu Gott. Ich beuge mich jeden Tag neu vor Gott. Ich widerstehe den dämonischen Lügen, die versuchen, in mein Leben einzudringen. Ich suche Gottes Nähe. Ich lasse Sünde. Ich höre auf, Gott zu misstrauen.

Schritte der Umkehr und neue Gewohnheiten

Und an der Stelle muss uns eines klar sein, und das ist wieder so eine seelsorgerliche Betrachtung: Die Heilung von Eigenwilligkeit passiert nicht in einem einzigen dramatischen Moment. Das wäre ja schön: Man betet einmal, und dann ist alles gut. Aber so arbeitet Gott meistens nicht.
Gott führt uns schrittweise aus der Angst. Er führt uns schrittweise aus der Kontrollsucht. Er führt uns schrittweise aus dem Selbstschutz. Das ist ein Weg, auf dem wir lernen müssen, Gott zu vertrauen.
Ganz praktisch formen sich dabei neue Gewohnheiten. Unser Wille wird neu, wenn wir zum Beispiel, bevor wir eine Entscheidung treffen, noch einmal bewusst innehalten und uns fragen: Was will Gott? Bevor wir gleich loslaufen. Oder wenn wir unsere Motive prüfen: Was will Gott eigentlich? Warum will ich denn tun, was ich will? Und wie passt das mit dem zusammen, was Gott will?
Dazu gehört auch, dass wir Rat annehmen, und zwar auch dann, wenn er unbequem ist. Dass wir Korrektur zulassen, ohne uns gleich zu verteidigen. Dass wir bewusst kleine Akte des Gehorsams einüben. Dadurch entstehen dann neue gute Gewohnheiten. Und das wird sich am Anfang komisch anfühlen. Genau darum geht es auch: dass wir geistliche Experimente wagen.
Und wenn wir das tun, so im Kleinen, im Täglichen, dann wird es in uns drin so sein wie bei jemandem, der Sport treibt. Wir müssen täglich den Muskel trainieren, damit er stark wird. Und beim Glauben und Vertrauen ist das genauso. Wenn ich zehnmal im Kleinen, im Alltag, sage: Ja, Herr, dann wird mich irgendwann das Nicht mein Wille auch nicht mehr überfordern.

Ermutigung, Zuspruch und geistliche Perspektive

Und weil dieser Abschnitt so viel Wahrheit enthält, will ich ihn auch mit einem Zuspruch beenden. Ich möchte dir sagen: Wenn du heute hier sitzt und sagst, irgendwie ist da etwas dran, und ich muss über mich nachdenken, das kann so nicht weitergehen, dann ist diese Erkenntnis tatsächlich bei Gott schon der Anfang von Gottes Gnade. Dass du überhaupt hinschauen darfst auf dein Leben, und dass Gott dir das schenkt, dich zu korrigieren, das ist ungeheuerlich.
Dass der Geist Gottes dich befähigt zu einem Leben des Gehorsams, und zwar zu einem Leben, das gehorsam leben will, nicht aus Zwang, sondern aus Vertrauen, ist etwas Großartiges. Wo es nicht darum geht, sich zusammenzureißen, sondern wo es darum geht, dass Gott mich verändert, das ist einfach nur großartig.
Und deswegen lautet der Kernsatz hier: Der geheiligte Wille sagt: Vater, dein Wille ist vertrauenswürdiger als meiner.
Kommen wir zum Schluss. Wem vertraust du deinen Willen an? Ich hatte am Anfang gesagt, Eigenwilligkeit fängt fast nie groß an, sondern beginnt im Kleinen. Es ist ein Wort von Gott, das ich gehört habe, aber nicht getan habe. Eine Entscheidung, die ich mir schön geredet habe. Ein Bereich meines Lebens, den ich ganz fest in meiner Hand halte. Eine fromme Begründung, hinter der sich Unglaube und Ungehorsam versteckt.

Die Entscheidung für Hingabe und Nachfolge

Und ich habe euch heute zwei Wege gezeigt. Da ist einmal der Weg der Selbstrechtfertigung, das ist der Weg von Saul. Ich erkläre, ich verschiebe, ich beschönige, aber am Ende sitze ich doch auf dem Thron meines Lebens und entscheide selbst.
Und dann gibt es den Weg von dem Herrn Jesus. Das ist der Weg der Hingabe, das ist der Weg von dem, der sagt: Nicht mein Wille, sondern der Deine. Und in dem Moment, wo er das sagt, findet er höchste Freiheit. Und nicht nur höchste Freiheit, sondern auch Berufung.
Und das muss uns klar sein: Wenn du möchtest, dass dein Leben nicht nur wie so ein Brummkreisel sich um sich selbst dreht, sondern wenn du sagst: Ich möchte in dieser Welt einen Unterschied machen, ich möchte die Berufung leben, die Gott mir gegeben hat, ich möchte das Werkzeug sein in der Hand Gottes, ich möchte diejenige und derjenige sein, die Gott in mir sieht, wenn du sagst, ich will wirklich etwas bewegen, ich möchte zum Segen sein, dann geht es nur darüber, dass wir Jesus imitieren. Dann geht es nur darüber, dass wir sagen: Nicht mein Wille, sondern der Deine geschehe.
Und aus diesem Vorbild Jesu wird dann für dich heute Morgen hier eine ganz konkrete Einladung zur Umkehr. Eine Einladung zur Umkehr, dass nicht mehr mein Wille geschieht. Es geht nicht darum, den eigenen Willen zu verdrängen oder zu unterdrücken, sondern es geht darum, den eigenen Willen zu nehmen und zu sagen: Vater im Himmel, das ist das, was in mir drin ist, und ich weiß auch nicht, warum das da ist. Aber ich möchte dir das präsentieren. Ich werde das nicht länger verstecken, so sieht es wirklich in mir aus.
Ehrlich zu Gott zu gehen und zu sagen: Vater, es fällt mir schwer, so zu leben, wie dein Wort es sagt, weil hier sind Ängste. Ängste, die sind real und die sind da, und die treiben mich an, und die kriege ich auch nicht von heute auf morgen weg. Oder aber zu Gott zu gehen und zu sagen: Herr, hilf mir dabei, dass ich dein Wort wieder höher achten lerne als mein Urteil.

Schlussappell und Segen

Und dann geht es zum Schluss darum, wenn wir zu Gott gegangen sind, wenn wir gemerkt haben, hier sind Dinge, die müssen wir in Ordnung bringen, da haben wir uns ein Stück verlaufen, da stehen wir wie Saul vor Gott und reden uns etwas Schönes ein. Dann geht es darum, Buße zu tun und zu sagen: Vater im Himmel, bitte hilf mir. Hilf mir, diese Woche ein, zwei kleine, konkrete Schritte des Gehorsams zu gehen.
Ich weiß nicht, wie es bei dir aussieht, wenn du diesen ganzen Vortrag über Saul und über Jesus dir anhörst und was in dir jetzt angerissen wurde. Aber wenn es so ist, dass du merkst, da ist eine Stimme in dir drin, die dich an Dinge erinnert, bei denen du sagst, da muss ich drüber nachdenken, dann möchte ich dich einladen, diesen Tag heute als einen guten Tag zum Wenden zu verstehen.
Und warum? Ganz einfach: weil der, der dich ruft, es mit dir selbst besser meint als du selbst. Wisst ihr, wenn wir uns erlauben, Gott auf den Thron zu setzen, wenn wir erlauben, unsere Eigenwilligkeit als das zu sehen, was sie wirklich ist, nämlich Abgötterei und Götzendienst, und wenn wir uns erlauben, Gott hundert Prozent nachzufolgen in allen Bereichen unseres Lebens, selbst wenn wir uns in den Augen anderer zum Narren machen, selbst wenn wir Angst haben, die Schritte zu gehen, weil wir die Kontrolle loslassen müssen und in den Glauben hinein starten, dann wird es am Ende des Tages so sein, dass Gott dich beschenkt mit dem Leben, das zu dir passt.
Und du wirst am Ende dastehen und sagen: Das war das beste Leben, das ich überhaupt haben leben können, weil ich auf Gott vertraut habe. Gott ist der, der es mit dir besser meint, als du es mit dir selber meinst. Und deswegen lohnt es sich, auf ihn zu vertrauen und wirklich alle Eigenwilligkeit weit wegzutun, zu sagen: Nein, das will ich nicht. Ich will Gott folgen. Ich möchte wie Jesus in Gethsemane sein: nicht mein Wille, sondern der Deine.
Das war’s für heute. Nimm dir Zeit, in Ruhe über das Thema Eigenwilligkeit nachzudenken. Was solltest du ändern? Welche Bibelverse könntest du auswendig lernen? Welche Aspekte des Themas müsstest du noch studieren?
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade. Und lebe in seinem Frieden! Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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