Serie•Teil 2 / 2Hermeneutik-Seminar
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Einordnung zwischen bleibender Geltung und kultureller Prägung
Wir machen jetzt weiter mit einem zweiten Teil, und den möchte ich überschreiben mit der Überschrift: Ich erkläre sie dann gleich: Normativität und kulturelle Relativität, das heißt Normativität und kulturelle Relativität.
Normativität heißt: Welche Aussagen in der Bibel sind absolut normativ? Das heißt, sie sind ewig gültig, haben nie irgendwelche Einschränkungen, sondern sind wirklich grundsätzlich normativ gültig. Und kulturelle Relativität: Welche Aussagen in der Bibel sind vielleicht von ihrem Zusammenhang her, der Kultur usw. eben für eine bestimmte Zeit gegeben gewesen, für Israel oder so, und nicht für uns heute gültig? Damit es kein Missverständnis gibt.
Ich bin natürlich voll und ganz überzeugt, dass die gesamte Bibel von 1. Mose 1 bis Offenbarung 22 Gottes inspiriertes Wort ist. Die ganze Bibel ist Gottes Wort. Aber jetzt kommt ein Satz, da müsst ihr bitte gut hinhören: Die ganze Bibel ist für uns geschrieben, aber nicht die ganze Bibel ist an uns gerichtet. Ist der Unterschied deutlich?
Die ganze Bibel ist für uns geschrieben. Wir können durch jedes Wort der Bibel irgendwie Trost, Erbauung, Ermahnung empfangen. Ich sage das immer mit Spaß: Gott kann sogar durch das Geschlechtsregister des Esau jemanden zum Glauben führen. Ja, das kann er. Die ganze Bibel ist für uns geschrieben, aber nicht die ganze Bibel ist an uns neutestamentliche Christen gerichtet.
Das werden wir sofort akzeptieren, wenn wir eine Stelle lesen wie: Du darfst kein Schweinefleisch essen. Ja, dann werden wir sofort sehen: Moment mal, das kann doch wohl für uns heute nicht mehr gelten. Ob es gesund ist, ist eine andere Frage, aber von der Moral her wäre uns das erlaubt.
Und eine Frage bibeltreuer Schriftauslegung ist nun: Welche Aussagen der Schrift haben ewig gültige Bedeutung, sind absolut normativ, und welche sind in ihrer Bedeutung zeitlich begrenzt auf eine bestimmte Zuhörerschaft? Das werden wir sehen. Das ist wirklich wichtig, dass wir uns damit beschäftigen und dass wir das nicht nach dem Zufallsprinzip machen. Es gibt auch dafür wirklich klare Grundregeln.
Vier Möglichkeiten der Auslegung. Wir müssen zum Beispiel unterscheiden, dass überall in der Schrift eben Gottes Wort steht, dass es immer Gottes Wort ist. Aber es könnte sein, wenn wir es anwenden auf uns persönlich, dass wir unterscheiden müssen: Haben wir jetzt das zugrunde liegende Prinzip anzuwenden, den tiefer liegenden Grundsatz, der da zum Ausdruck gebracht wird? Oder müssen wir das zugrunde liegende Prinzip und die damalige Form auch anwenden, wie es damals eben angewendet wurde? Das wird gleich deutlicher.
Vier Wege des Umgangs mit biblischen Aussagen
Also gibt es die Möglichkeit, sowohl das Prinzip als auch die Form, also den kulturellen Ausdruck dieses Prinzips, für uns heute beizubehalten. Nehmen wir einmal an, ich bringe die Beispiele gleich: Das ist eine Möglichkeit.
Dann gäbe es die Möglichkeit, dass das Prinzip beibehalten wird, die Form aber entsprechend der jeweiligen Kultur angepasst wird. Das zugrundeliegende Prinzip wird also beibehalten, aber die Form wird angepasst.
Ich muss noch ein Beispiel bringen, sonst ist das zu theoretisch. Im Alten Testament gibt es zum Beispiel die Aussage an das Volk Israel: Ihr sollt keine Kleider tragen, an denen zweierlei Stoffe verwebt sind. Kennt ihr die Aussage? Ja? Habt ihr das schon irgendwo in den Mosebüchern gelesen? Keine Kleider, in denen zweierlei Stoffe verwebt sind.
Jetzt könnte das für uns heißen, wenn wir das lesen: Ja, das gilt dann auch für uns. Ich nehme das auch für mich. Das heißt, ich darf keine Kleidung tragen, in der irgendwie zwei verschiedene Stoffe verarbeitet sind. Also nur einen Einheitsrock darf ich dann tragen.
Oder ich erkenne, dass da ein tieferliegendes Prinzip ist, dass Gott nämlich keine Vermischung will. Gott will keine Vermischung von Licht und Finsternis. Und ich nehme das für mich heraus: Gott will keine Vermischung. Aber das hat für mich jetzt im Blick auf Kleidung keine Relevanz. Das hat für mich Relevanz, dass ich zum Beispiel keinen ungläubigen Ehepartner heirate oder dass ich nicht mit einem Ungläubigen zusammen irgendwie ein besonderes Projekt anfange oder so. Da könnte das dann für mich vielleicht ganz praktisch werden.
Es gibt dann drittens die Möglichkeit, nur das Prinzip wird beibehalten. Das wäre jetzt bei den zwei verschiedenen Stoffen sicher der richtige Weg, ja, nur das Prinzip beizubehalten.
Oder der vierte Weg wäre: weder das Prinzip noch die Form werden beibehalten. Das scheitert natürlich für uns von vornherein aus, aber ich habe es jetzt der Vollständigkeit halber noch erwähnt.
Es geht um die ersten drei: Wie verhalten wir uns gerade bei alttestamentlichen Texten oder bei Evangelientexten, oder wenn bestimmte kulturelle Formen des Orients vorkommen, der Kleidung, der häuslichen Sitten usw.? Wie verhalten wir uns damit? Müssen wir die alle genauso als neutestamentliche Christen übernehmen, oder gibt es da irgendwelche Variationen für uns?
Beispiele aus dem Neuen Testament und aus der Gemeinde
Jetzt nehmen wir mal ein Beispiel, an dem wir das wunderbar durchspielen können, nämlich die sogenannte Fußwaschung. Ihr kennt alle den Bericht von der Fußwaschung in Johannes 13. Da stellt sich nun die Frage: Was ist das zugrunde liegende Prinzip dieses Abschnitts? Ich würde es so ausdrücken: Jünger Jesu sollen einander dienen. Das ist ein ganz klares, durchgängiges Prinzip. Jünger Jesu sollen einander dienen.
Jetzt ist die Frage: Wenn wir sagen würden, wir lesen das in Johannes 13, da hat Jesus den Jüngern die Füße gewaschen und gesagt: Ein Beispiel habe ich euch gegeben, dass ihr so tut, wie ich euch getan habe, würde das eventuell bedeuten, dass wir jedes Mal, wenn wir Abendmahl feiern, auch einander die Füße waschen müssen? Jesus hat gesagt, ihr sollt so tun, wie ich euch das Beispiel gegeben habe. Prinzipunform würde heißen: Wir dienen einander durch Fußwaschung.
Damals im Orient gingen die Leute mit Sandalen, und nach zehn Schritten auf der Straße oder auf den Wegen hatten sie natürlich schon staubige Füße. Es gehörte einfach dazu, wenn man zum Beispiel in ein Haus eingeladen wurde und Gast war, dass es Sklaven gab, die den Leuten die Füße wuschen. Das ist so ähnlich wie bei einem Hotel, wo einem die Tür aufgehalten wird. Das gehört einfach dazu. Und so werden im Orient heute noch teilweise die Füße gewaschen.
Manche Gemeinden nehmen das aber jetzt so, wie es dasteht, auch für uns heute, obwohl wir ganz andere Wasserversorgung haben und jeden Tag duschen können und so weiter, und die Füße gar nicht so staubig hier reinkommen, jedenfalls die meisten, denke ich, oder wenn nicht alle. Von daher wäre das jetzt wirklich zu überlegen: Macht das Sinn? Wenn wir genau diese Form dieses Prinzips übernehmen, macht das bei uns heute Sinn?
Es gibt Gemeinden, ich will das jetzt in keiner Weise abwertend sagen, die das so praktizieren. Es gibt Gemeinden, die lehren drei symbolische Handlungen: Taufe, Herrenmahl und Fußwaschung. Jedenfalls zweimal im Jahr machen sie es so. Es gibt vielleicht auch welche, die machen es noch öfter. Wenn wir jeden Freitagabend hier Füße waschen wollten, ja, das wäre interessant.
Was würde das jetzt heißen, das Prinzip und die angepasste Form? Die kulturangepasste Form würde heißen: Ja, wir behalten das Prinzip bei, wir dienen einander, aber wir bestimmen eine andere Form, an der diese Haltung, diese Einstellung des einander Dienens in der Gemeinde exemplarisch dargestellt wird. Das heißt, wir wollen einander dienen. Wir helfen uns aus den Mänteln, wenn wir kommen und hier reinkommen. Wir bieten uns gegenseitig Plätze an. Wir stellen eine Kanne Tee hin oder Kaffee usw. Wir versuchen so, einander zu dienen. Das wäre die angepasste Form. Das Prinzip würden wir beibehalten: einander dienen.
Nur das Prinzip wäre einander dienen, ohne Fußwaschung und auch keine speziellen anderen Ersatzhandlungen speziell dafür. Ja, ohne Handlung, ja, ich meine jetzt ohne definierte Ersatzhandlung, dass wir jetzt sagen: Gut, statt der Fußwaschung machen wir, ja, putzen wir uns gegenseitig die Brillen. Das wäre jetzt die Ersatzhandlung, die definierte. Natürlich können wir nicht einander dienen ohne konkrete Beispiele, gell?
Viertens: Weder Prinzip noch Form. Wir brauchen einander nicht zu dienen. Dann würden wir das Prinzip ablehnen. Ja, dann würden wir sagen: Quatsch, wir brauchen doch einander nicht zu dienen, jeder ist für sich selbst zuständig. Ist nur einfach mal theoretisch durchgespielt.
Und ich denke, hier fällt es uns nicht schwer. Ich brauche jetzt keine Umfrage machen, aber ich nehme mal an, dass wir hier alle zu Punkt zwei neigen würden und sagen würden: Ja, wir behalten das Prinzip selbstverständlich. Wir wollen einander dienen als Jünger Jesu, und wir haben aber dafür abgewandelte Formen, die gar nicht groß definiert werden müssen, sondern was uns eben vor die Hände kommt, das tun wir und dienen einander. Es ist eine abgewandelte Form. Die Fußwaschung praktizieren wir so nicht.
Und wir müssen das doch begründen können. Ich kenne Brüder, auch im Rahmen der KfG, da sind die sogenannten Grace Brethren vertreten, die Gnadenbrüder, die praktizieren das mit der Fußwaschung. Und wir sind mit ihnen zusammen, wir haben gute Gemeinschaft miteinander. Sie stülpen das allerdings auch niemandem über. Sie sind nicht missionarisch mit diesem Gedanken und wollen jetzt alle Welt bekehren zu dieser Fußwaschung.
Wir müssen aber auch eine Begründung haben, warum wir es nicht machen, wenn sie uns fragen: Warum macht ihr das nicht? Es steht doch da: Ein Beispiel habe ich euch gegeben, dass ihr das auch tun sollt. Nun, wir sagen natürlich: Das Beispiel ist diese Haltung des Dienens, aber nicht diese konkrete Form. Wir wollen einander dienen, da wollen wir dem Beispiel folgen, aber nicht in dieser kulturell bedingten Form des Füßewaschens im Nahen Orient.
Wenn ich wieder einschule, jetzt dem anderen, 17, 20, gleich der eine ist dem anderen aus, manche der andere stellt sich um die Studien, aber es ist nichts Bestimmtes. Und von daher hast du recht. Das ist hier ein bisschen schwierig, weil wie soll man einander dienen? Also das 2 würde bedeuten, dass man jetzt eine formelle Handlung hat, aber nachher, okay, wir brauchen vielleicht nicht die Füße waschen, aber heute haben wir eine Brille. Sitzt man dann am Freitagabend da, gibt seinem Nachbarn die Brille, der Nachbar gibt seine und man putzt seine Haut wieder aus. Ja, gut, dann sind wir in dem Fall sogar eher bei drei, ja, weil das würde wirklich bedeuten, wir machen jetzt beim Brotbrechen eine spezielle Handlung, die jetzt alle einander machen, ja, der eine oder jeder putzt dem anderen die Schuhe. Das wäre auch so eine Ersatzhandlung. Da hast du recht, Susanne, da sind wir sogar eher bei drei.
Weitere Beispiele für kulturell gebundene Formen
Jetzt kommt ein Punkt, den haben wir hier in unserer Gemeinde auch schon behandelt. Da wird es vielleicht für den einen oder anderen ein bisschen schwieriger, aber lasst uns das auch einmal durchspielen.
In 1. Korinther 11 haben wir die Aussage von Paulus, dass Frauen, die beten oder weissagen, sich bedecken oder sogar verhüllen sollen, wie es eigentlich wörtlich da steht. Zumindest steht dort etwas von einem Kopftuch, etwas Herabhängendem über dem Kopf.
Prinzip und Form heißt: Die Frau ordnet sich unter und demonstriert ihre Unterordnung durch die Verschleierung ihres Kopfes. So war es damals, so war es in Korinth, so war es an anderen Orten. Frauen, die ihre Unterordnung wirklich zum Ausdruck bringen wollten, haben das durch die Verschleierung ihres Hauptes getan.
Prinzip und angepasste Form würde heute bedeuten: Die Frau ordnet sich unter und zeigt diese Haltung durch eine beliebige Kopfbedeckung, aber nicht durch Verschleierung. Verschleierung heißt nämlich eigentlich wirklich, dass der ganze Kopf verschleiert ist, wobei wir uns jetzt nicht darüber streiten wollen, ob nur die Augen heraus schauen oder die Nase oder der Mund. Auf jeden Fall ist der ganze Kopf bis zum Hals verschleiert. Das meint eigentlich Verschleierung.
Angepasste Form wäre also eine Kopfbedeckung. Ja, es soll durch die Bedeckung des Kopfes gezeigt werden, aber nicht unbedingt durch Verschleierung. Es geht sogar so weit, dass es auch ein Hut sein könnte, wobei ein Hut eigentlich nicht vom Kopf herunterhängt. Aber es ist eine Kopfbedeckung.
Dann drittens: Nur das Prinzip würde heißen, die Frau ordnet sich unter, zeigt aber ihre Unterordnung nicht durch Verschleierung, auch nicht durch Kopfbedeckung, sondern auf beliebige Weise. Zum Beispiel durch den Ehering, sagt sie: Ich bin verheiratet, ich gehöre zu einem Mann, ich ordne mich unter. Nur mal als Beispiel. Oder sie zeigt es, indem sie immer drei Schritte hinter ihrem verheirateten Ehemann hergeht, oder auf irgendeine andere Weise, wie sie zeigt, sie ist verheiratet und ordnet sich unter.
Weder Prinzip noch Form würde bedeuten, die Frau lehnt die Unterordnung ab. Sie lehnt das Prinzip ab, den Grundsatz, der in 1. Korinther 11 zugrunde liegt. Sie will sich dem Mann nicht unterordnen und sie braucht es nicht. Sie lehnt es ab. Natürlich braucht sie dann die Unterordnung auch nicht zu zeigen, Walter.
Ja, gut, wenn wir sagen nur das Prinzip, da habe ich mich vielleicht verleiten lassen von denen, die sagen: Wir brauchen das nicht mehr durch diese Form der Kopfbedeckung zeigen. Bei uns ist es doch schon klar, dass wir verheiratet sind, durch einen Ehering. Aber du hast recht: Wenn man konsequent denkt, dann ist das eine angepasste Form. Das heißt eben nicht Verschleierung, sondern dass der Kopf bedeckt ist. Diese Form, die angepasste, steht noch in einem inneren Zusammenhang zu der ursprünglichen. Sie ist noch nah dran, sie ist nur etwas hingebogen, etwas verändert, eben angepasst.
Und du hast recht, Walter: Beim Prinzip würde es eigentlich heißen, die Frau ordnet sich unter, zeigt das aber nicht. Jetzt demonstriert sie es nicht durch irgendeine bestimmte Kleidung oder Gegenstände wie Ringe. Da hast du recht, ja. Ich habe mich da verleiten lassen, weil viele sagen: Bei mir ist der Ehering das Symbol dafür, dass ich mich unterordne. Ja. Aber nur das Prinzip können wir auch jetzt mal so stehen lassen: Sie will sich unterordnen, aber sie braucht das nicht irgendwie auffällig zu zeigen.
Und weder Prinzip noch Form heißt: Sie braucht sich überhaupt nicht unterzuordnen, meint sie.
Wir spielen das noch erst an ein paar Beispielen durch.
Das Beispiel des heiligen Kusses: In 1. Korinther 16,20 steht: Grüßt einander mit dem heiligen Kuss. In einem Lehrbrief des Neuen Testaments steht das. Warum macht ihr das nicht? Ich habe das heute Morgen nicht gesehen, dass ihr euch mit dem heiligen Kuss begrüßt habt.
Was ist das zugrunde liegende Prinzip, der geistliche Grundsatz dieses Abschnitts? Einander in Liebe begegnen ist das Prinzip. Und das durch eine warme Berührung zum Ausdruck bringen. Ja, einander in Liebe begegnen ist das Prinzip, und Form ist: in Liebe begegnen und einander auf die Wangen küssen. So wurde es damals gemacht, in der Kultur des Orients.
Prinzip und angepasste Form: in Liebe begegnen, aber nicht küssen, sondern zum Beispiel herzlich die Hände drücken oder umarmen. Das wäre eine angepasste Form, wie wir es machen. Ja, ein Händedruck, kein Hundedreck, nein, ein Händedruck.
Und dann drittens: nur das Prinzip. In Liebe begegnen, ohne eine vorgeschriebene Form. Gerade auch bei der Begrüßung einfach nur lieb anschauen oder so. Das ist aber auch schon wieder eine Form.
Viertens: weder Prinzip noch Form. Wir können uns begegnen, wie wir wollen. Wir brauchen uns nicht in Liebe zu begegnen und zu begrüßen. Begrüßen ist ganz altmodisch, das lassen wir weg.
Ihr versteht: Es gibt verschiedene Formen. Hier fällt es uns nicht schwer zu sagen, dass wir hier die angepasste Form haben. Wir haben eine Form der Begrüßung, aber eben nicht den heiligen Kuss, jedenfalls wir hier nicht. Die Geschwister in Russland praktizieren das zum Teil noch, ja, in Frankreich auch. In Italien ist das Kultur, ja, und deswegen praktizieren es die Christen da auch, weil es allgemeine Kultur ist. Wir Männer drücken uns auch manchmal.
Leitlinien für die Auslegung biblischer Texte
So, jetzt haben wir das an ein paar Beispielen durchgespielt, und wir haben gesehen, dass es wirklich Bereiche gibt, in denen wir uns sehr interessiert haben. Das hat sich bei uns einfach so eingebürgert. Es hat sich irgendwie eine Form gebildet, und wir hinterfragen sie normalerweise gar nicht. Wir haben kein Problem damit.
Bei 1. Korinther 11 hatten wir schon ein Problem damit. Da mussten wir uns dann länger damit auseinandersetzen. Ich will nicht sagen, dass wir damit schon ganz fertig sind, aber es gibt auch dafür wieder bestimmte Grundsätze in der Bibel, die uns helfen können, auf die Dinge, die wir eben durchgespielt haben, Antworten zu finden. Es geht darum, ob es wirklich berechtigt ist, dass wir das so machen, oder ob wir wirklich alle Dinge genauso kopieren müssen, wie wir sie in der Bibel finden, im Alten Testament oder auch im Neuen.
Grundsätze biblischer Auslegung
Erstens: Bestimme den Empfänger, die Zuhörerschaft.
Es ist ganz wichtig, wenn ich einen Text lese, auch ihr, wenn ihr in eurer Stille am Morgen, in eurer Zeit mit dem Herrn, einen Text lest. Wir machen das ja zum Teil automatisch, aber wir müssen es auch wirklich bewusst machen, vor allen Dingen dann, wenn wir einen Text auszulegen haben, wenn wir einen Abschnitt weitergeben wollen, auch wenn es beim Brotbrechen ist am Freitagabend oder wenn es sonntags morgens ist. Wenn wir etwas weitergeben und es anwenden wollen, müssen wir uns vorher Gedanken machen: Wer ist denn der Empfänger, die Zuhörerschaft?
Wenn die Zuhörerschaft begrenzt ist, dann ist sehr wahrscheinlich auch der Inhalt kulturell begrenzt. Aber das ist nicht immer so, es gibt da ein paar Ausnahmen. Aber in der Tendenz gilt das. Deswegen habe ich wahrscheinlich geschrieben: Wenn die Zuhörerschaft begrenzt ist, ist wahrscheinlich auch der Inhalt kulturell begrenzt. Es gibt Ausnahmen.
Ich will mal ein Beispiel gebrauchen, das ist jetzt für die Muna ganz wichtig. In Apostelgeschichte 9,11 steht: Gehe hin nach Damaskus in die Straße, die genannt wird „die Gerade“, und frage in dem Haus eines Judas nach einem Saul von Tarsus.
Ihr habt das alles schon gelesen. Hat einer von euch sich aufgemacht, nach Damaskus zu gehen und diese Straße zu besuchen? Das können wir machen, einen Paulus werden wir aber da nicht mehr finden. Ja, wir lesen das, aber es ist eine Anweisung an Ananias. Zu ihm wird das in der damaligen Situation gesagt. Keiner von uns käme auf die Idee, das jetzt wörtlich zu nehmen und sich aufzumachen nach Damaskus. Das hat ja keinen Sinn.
Oder 1. Korinther 7. 1. Korinther 7 schildert die Frage der Eheschließung vor dem Hintergrund der Verfolgung. Es ist ganz wichtig: 1. Korinther 7 hat den Hintergrund der Verfolgung. Paulus schreibt im Schatten der gegenwärtigen Not und der künftigen Not willen. Er schreibt den Brief, als Nero an die Macht gekommen war und als die neronische Verfolgung begann.
Und wir haben so ein Kapitel in der Bibel, weil die Verfolgung in den meisten Jahrhunderten der Normalfall für die Christen auf dieser Erde war. Und darum hat es Gott gefallen, dieses Kapitel über die Frage der Eheschließung unter dem Aspekt der Verfolgung hier in diesen Lehrbrief hineinzunehmen. Aber es ist nicht die Beschreibung für eine normale Ehe, wie wir sie heute in einem freiheitlich-demokratischen Land führen können. Da gibt es andere Aussagen im Epheserbrief und viele andere Aussagen.
Aber wenn wir 1. Korinther 7 auslegen und vergessen, dass hier der Hintergrund der Verfolgung ist, dann entsteht ein sehr negatives Bild von der Ehe. Und man dürfte eigentlich keinem jungen Menschen mehr raten, so zu heiraten, wenn man nur von 1. Korinther 7 her auslegen würde.
Aber wenn Geschwister in der Verfolgung stehen, wie unsere Geschwister in Russland lange Zeit, und es könnte für sie bedeuten, sie sind verheiratet ein paar Monate, und dann muss der Mann im Untergrund verschwinden für Jahre, dann werden sie Trübsal leiden. Was wird es für eine Ehe sein? Und da müssen sich junge Menschen wirklich die Frage stellen: Wollen wir unter diesem Vorzeichen heiraten?
Und so war es über Jahrhunderte. Und darum 1. Korinther 7.
Weitere Grundsätze für die Auslegung
Zweitens: Beachte die Lehre der ganzen Schrift. Wenn eine biblische Aussage auf eine frühere biblische Aussage des Alten Testaments aufbaut oder bei Jesus anschließt, dann scheint das auf ein biblisches Prinzip hinzuweisen.
Es gibt übrigens drei Begründungen für überkulturelle Prinzipien in der Bibel.
Erstens: Wenn die Lehre im Charakter Gottes begründet liegt. Wenn eine bestimmte Lehre mit dem Charakter Gottes begründet wird, dann ist sie überkulturell, weil der Charakter Gottes nicht an eine Kultur gebunden ist. Er ist immer gleich. Wenn eine Lehre mit dem Charakter Gottes begründet wird, dann ist sie überkulturell. Zum Beispiel wird die Lehre der Todesstrafe in der Bibel mit dem Charakter Gottes begründet. In 1. Mose 9,6 steht: Weil Gott den Menschen zu seinem Bilde geschaffen hat, soll niemand töten; und wer es doch tut, der muss getötet werden. 1. Mose 9,6. Und das wird im Neuen Testament in Römer 13 aufgenommen. Ich weiß, das ist für viele Christen eine schwere Herausforderung, das so zu sehen, gerade in unserer Zeit heute immer mehr. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass die Bibel grundsätzlich die Todesstrafe bejaht.
Weil Gott den Menschen zu seinem Bilde geschaffen hat, steht in 1. Mose 9,6, und zuvor natürlich auch schon im Schöpfungsbericht in 1. Mose 1. Todesstrafe. Ja, das regt an. Ja, dann kann er das ewige Leben bekommen und wird trotzdem hingerichtet und geht ins ewige Leben, auch wenn er hingerichtet wird. Das ist etwas anderes. Wenn er dann begnadigt wird, habe ich natürlich nichts dagegen, aber ich spreche nur grundsätzlich. Grundsätzlich hat ein Staat das Recht, Todesstrafe auszuüben, von staatlicher Seite. Wenn er begnadigt wird, freue ich mich, habe ich nichts dagegen. Aber wenn der Staat konsequent wäre, dann würde er zwar hingerichtet, und er geht ins ewige Leben, auch als Hingerichteter. Das hat es schon gegeben.
Ja, das ist ein kontroverses Thema. Das brauchen wir jetzt nicht weiter zu vertiefen. Jeder kann seine eigene Sicht haben. Aber ich persönlich bin überzeugt, dass ein Staat von der Bibel her die Berechtigung hätte.
Zweitens: Wenn von der Schöpfungsordnung her argumentiert wird. Zum Beispiel ist die Einehe in 1. Mose 2 Schöpfungsordnung Gottes. Und die ist auch überkulturell. In allen Kulturen der Erde haben wir die Einehe. Wir haben auch hier und da Vielehe, aber die Einehe findet sich trotzdem weltweit, weil sie aus der Schöpfungsordnung Gottes kommt. Sie ist überkulturell.
Drittens: Wenn von der Erlösung her argumentiert wird. Zum Beispiel bei der Tauflehre. Die Tauflehre wird an die Erlösung gebunden: Christus ist gestorben und auferstanden für uns, und wir werden bei der Taufe untergetaucht und tauchen wieder auf. Damit symbolisieren wir, dass wir mitgestorben und mitauferstanden sind. Es wird an die Erlösung gebunden, und die ist auch überkulturell. Deswegen wird auch in allen Kulturen die gleiche Taufhandlung vollzogen, nicht irgendwo anders.
Ja, und das ist eben der Fehler gewesen, dass man hier in Deutschland eine andere Form der Taufhandlung eingeführt hat, nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa eben die Säuglingsbesprengung. Das war nicht richtig. Von der Schrift her kommt es nur durch das Untertauchen zum Ausdruck.
Man kann da auch fragen: Wird die Taufe der Gläubigen in der ganzen Schrift gelehrt? Wird die Fußwaschung in der ganzen Schrift gelehrt? Bei der Taufe werden wir zum Beispiel finden: Sie wird nicht im Alten Testament gelehrt, aber im ganzen Neuen Testament. Und für die Fußwaschung findet ihr nur zwei Stellen in der Schrift, nämlich in Johannes 13 und dann noch einmal im Timotheusbrief, wo von den Witwen gesagt wird, dass sie den Heiligen die Füße gewaschen haben. Und das ist auch ein Indiz, ein Kriterium dafür, dass es eben nur zweimal vorkommt und nicht durchgängig durch das Neue Testament.
Kultur, Offenbarung und sprachliche Form
Drittens müssen wir das kulturelle Umfeld beachten. Wenn der Schreiber eines biblischen Buches die kulturellen Bedingungen seiner damaligen Zeit überschreitet, dann hat diese Lehre sehr wahrscheinlich auch kulturüberschreitende, sprich ewig gültige, normative Bedeutung. Wenn der Schreiber schon damals seine Kultur überschritt, also die damals vorherrschende Kultur, und zwar mit seiner Lehre, dann ist das ein ganz starker Hinweis darauf, dass die Lehre grundsätzlich kulturübergreifend ist, also ewig gültig.
Zum Beispiel Homosexualität: Zur Zeit, als Paulus den Römerbrief schrieb und gegen Homosexualität Stellung nahm, war Homosexualität bei den Griechen anerkannt, also als Sexualität gesellschaftlich akzeptiert. Und Paulus lehnt das ab, schon damals, und geht gegen die damalige hellenistische, freizügige Kultur. Damit ist ganz klar: Selbst wenn wir heute in eine Gesellschaft hineinwachsen, die Homosexualität immer mehr als sexuelle Lebensform anerkennt, stehen wir als Christen trotzdem als bibeltreue Christen gegen Homosexualität. Wir sind dann in derselben Haltung wie Paulus damals. Er überschritt schon seine damalige Kultur, und wir tun es dann heute auch, wenn wir an Gottes Wort festhalten.
Wenn ein biblisches Prinzip hingegen an eine Praxis geknüpft ist, die es heute gar nicht mehr gibt, dann kann es sein, dass diese Aussagen kulturbedingt sind. Das heißt: Hier würden wir das zugrunde liegende Prinzip anwenden, nicht aber die kulturelle Form. Ein Beispiel ist das berühmte Götzenopferfleisch in 1. Korinther 8. Wir haben heute kein Götzenopferfleisch mehr. Und wir kommen gar nicht auf die Idee, wenn wir Fleisch kaufen, zu überlegen, ob das vielleicht irgendeinem Götzen geopfert worden wäre. Höchstens dem Götzen Mammon ist es zuvor geopfert worden, aber sonst keinem. Von daher ist es für uns jetzt nicht mehr so relevant. Aber das Prinzip, das in 1. Korinther 8 zum Ausdruck kommt, mit dem Götzenopferfleisch, das können wir auch wieder anwenden auf andere Bereiche unseres Lebens heute.
Viertens: Beachte den Fortschritt der Offenbarung. Das ist auch wieder ein ganz wichtiger Punkt. Das hängt mit der Heilsgeschichte zusammen. Wir haben vorhin schon kurz die Heilsgeschichte skizziert, von 1. Mose bis zur Offenbarung. Das nennt man den Fortschritt der Offenbarung. Gott hat nicht gleich alles auf einen Schlag offenbart. Er hat nicht die komplette Bibel einfach vom Himmel fallen lassen, sondern er hat angefangen. Er hat zu Menschen geredet. Mose war der erste, der den Auftrag bekam, es aufzuschreiben. Und die Offenbarung, die das Volk Israel zur Zeit Moses hatte, die war gut, sie war sehr hochstehend. Aber das war noch nicht die komplette Offenbarung, die wir heute haben.
Die Offenbarung Gottes, seine Mitteilungen an uns Menschen, sind fortgeschritten. Sie haben sich gesteigert und sie haben sich auch auf moralischer Ebene in gewissen Dingen verändert. Zum Beispiel galten im Alten Testament die Speisegesetze aus 3. Mose 11. Im Neuen Testament lehrt uns Apostelgeschichte 10, dass die Speisegesetze für uns Christen keine Anwendung mehr finden. Petrus sieht etwas vom Himmel kommen, und darin sind lauter unreine Tiere. Und er bekommt die Anweisung: Schlachte und iss. Gott zeigt ihm damit, dass die Speisegesetze aus dem dritten Buch Mose für neutestamentliche Christen vorbei sind.
Im Alten Testament galten die Opfergesetze aus dem dritten Buch Mose. Im Neuen Testament lehrt uns vor allem Hebräer 10, dass diese Opfergesetze in Christus vollkommen erfüllt wurden. Wir bringen keine Opfer mehr, keine Tieropfer. Im dritten Buch Mose wurde Inzucht mit Tod bestraft, im Neuen Testament mit Ausschluss aus der Gemeinde. Es ist also ein Fortschritt der Offenbarung. Gott hat sich nicht widersprochen. Es widerspricht sich nicht, wenn man die Bibel in heilsgeschichtliche Abschnitte einteilt. Sieben heilsgeschichtliche Abschnitte, die wir hier schon durchgesprochen haben, sie haben alle ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten, die während dieses Abschnitts galten. Zur Zeit Israels galten ganz andere Gesetzmäßigkeiten als jetzt in der Zeit der Gemeinde. Und wenn man das beachtet, stimmt die Bibel überein, und es gibt keine Widersprüche.
Es gibt Leute, die sehr unqualifiziert an die Bibel herangehen und sagen: Hier im Alten Testament stand Auge um Auge, Zahn um Zahn, jetzt kommt Jesus und sagt: Liebe deine Feinde. Also ist das doch ein Widerspruch. Das ist kein Widerspruch, es ist nur ein Fortschreiten der Offenbarung. Augustin sagte: Teile die Schriften, und sie stimmen zueinander. Ein sehr weiser Satz. Wenn ich die Schrift einteile in Heilszeiten, in Haushaltungen, in bestimmte Abschnitte der Heilsgeschichte, dann ist das kein Problem. Dann stimmt es zueinander. Den Fortschritt der Offenbarung beachten.
Es kommt ein Fall, den hat noch keiner von uns gemacht: Prüfe, ob einer bestimmten Aussage an anderer Stelle der Schrift widersprochen wird. Ich meine jetzt Jephtha. Jephtha tötete seine Tochter in Erfüllung seines Schwurs, Richter 11,28-40. Und wenn ich das jetzt lese, kann ich nicht einfach sagen: Jephtha hat das damals gemacht, also mache ich das auch so. Wenn mein Kind irgendetwas anstellt und ich habe da einen Schwur auf es gelegt, dann muss es getötet werden oder ganz schlimm gezüchtigt werden. Das können wir nicht machen, weil zwar beschrieben wird, dass Jephtha das gemacht hat, aber es wird gar nicht kommentiert, ob das gut war oder ob das schlecht war. Das müssen wir vom Gesamtzusammenhang der Bibel her erst einmal prüfen.
Oder noch ein gravierenderer Fall, den habe ich auf der Folie vergessen: Hosea 3,1. Wisst ihr, was da steht? „Nimm eine Hure zur Frau“, sagt Gott zu Hosea, „nimm eine Hure zur Frau.“ Das war eine Symbolhandlung damals. Gott wollte zeigen, dass sein Volk Israel mit anderen Göttern Hurerei treibt. Und er ging so weit und ließ seinen Propheten diesen Auftrag ausführen. Er musste eine Hure zur Frau nehmen. Keiner von uns könnte jetzt sagen: Hosea hat das gemacht, also kann ich das auch machen oder soll das auch machen. Das wäre völlig falsch, weil es an anderen Aussagen der Schrift widersprechen würde.
Sprachform, Beschreibung und Vorschrift
So, und jetzt kommt etwas, das auch ganz enorm wichtig ist: Untersuche die sprachliche Form. Ich muss bei einem Abschnitt, den ich auslegen will, schauen: Beschreibt der Text etwas, oder schreibt der Text etwas vor? Das sind doch zwei ganz verschiedene Stiefel. Befiehlt der Text etwas, dann ist er eher ewig gültig.
Ein Beispiel: In Apostelgeschichte 2,42-47 wird die Güterteilung der ersten Christen vorgeschrieben? Nein, beschrieben. Aha, kleiner Unterschied. Ja, da wird beschrieben, wie die ersten Christen ihre Güter in einen Topf warfen und dann so lebten. Es wird beschrieben, es wird nicht vorgeschrieben. Ihr wisst doch alle, wie das endete: dass die Jerusalemer Gemeinde total verarmte und sogar die armen Heidenchristen dann für sie Sammlungen durchführen mussten. Das ist ein misslungenes Experiment. Es kam aus gutem Eifer, und Gott hat sie auch gewähren lassen, weil er weiter gedacht hat als diese Christen. Denn als dann die Verfolgung über Jerusalem kam, hätten sie sowieso alles verloren, ihre Äcker und Häuser. Darum war es gut, dass sie es vorher schon eingesetzt hatten und so einander in Liebe dienen konnten.
Aber bitte beachten: Kein vorschreibender Text, ein beschreibender Text. Ja, ganz genau, das ist keine Vorschrift. Wir haben keine absolute Vorschrift, das Brotbrechen am ersten Tag der Woche machen zu müssen. Aber es gibt auch Argumente dafür, warum es gut ist, es am ersten Tag der Woche zu machen. Da werde ich heute Nachmittag noch etwas dazu sagen.
Beschreibt der Text etwas? Zum Beispiel: Die Bibel beschreibt Sklaverei. Sie beschreibt sie, sie schreibt an keiner Stelle Sklaverei vor. Sie beschreibt es als damalige kulturelle, soziologische Gegebenheit. Da war Sklaverei üblich, aber sie nennt es nicht gut. Sie hat es nicht eingerichtet, sie beschreibt es nur. Und darum war es gut, dass Wilberforce und andere die Sklaverei abgeschafft haben.
Es gibt aber Dinge, die hat die Bibel eingerichtet, und sie heißt sie ausdrücklich gut, wie zum Beispiel die Ehe und die Gemeinde. Das ist etwas anderes. Aber die Bibel hat nicht Könige eingerichtet, also Monarchie, und sie hat nicht Sklaverei eingerichtet. Sie beschreibt es nur. Weil es Christen gegeben hat, die das missverstanden haben und gesagt haben: Ein Staat muss unbedingt einen König haben. Ja, das schreibt die Bibel so nicht vor, sie beschreibt es nur. Sehr wichtig, diese Unterscheidung.
Aber in Matthäus 28,19, bei der Taufe, da ist ein Befehl. Ja, wir sollen Jünger machen, indem wir taufen und indem wir sie lehren, alles, was der Herr geboten hat.
Abschließende Orientierung
Siebtens: Bete und suche die Leitung des Heiligen Geistes.
Letzter Punkt: Ich weiß, das ist für einige von euch nicht ganz leicht zu sehen. Wir haben eine Bibel, aber keinen Leitfaden und kein Kochbuch, in dem genau alles drinsteht. Es gibt keine Rezepte dafür, wie wir jeden Text zu lesen haben. Auch steht nicht bei jedem Text dabei: Der ist jetzt nur für Israeliten, der ist jetzt für Judenchristen, der ist für Heidenchristen, der ist für den und der ist für den.
Für einige von uns ist das vielleicht schwer. Es gibt Menschen, die haben gerne Ordnungen. Sie haben gerne Geländer rechts und links, an denen sie sich entlangbewegen können. Dann gehen sie ihren Weg. Es gibt aber auch andere, die sind mehr freiheitsliebend. Sie brauchen diese Geländer nicht. Sie wollen sich selbst ihren Weg suchen.
Und Gott hat es in diesem Fall wirklich so gemacht, dass er uns nicht so enge Geländer gegeben hat.

