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Apostelgeschichte 9,32-10,8

Apostelgeschichte 9,32-10,817.12.2015
Serie•Teil 18 / 64Apostelgeschichte
Gott schaut nicht auf Herkunft, sondern aufs Herz. Wer ihn sucht und anderen gerecht begegnet, den lässt er nicht allein – und sprengt jede Grenze, die Menschen ziehen.

Ein neuer Abschnitt in der Apostelgeschichte

Wir sind in der Apostelgeschichte. Wir haben die Apostelgeschichte in Kapitel 9 an einem Punkt verlassen, der ganz bewusst vom Autor, von Lukas, als Einschnitt, als Zäsur gedacht war. Apostelgeschichte 9,31 ist so ein Einschnitt, den man mitten in der Apostelgeschichte hat, um zu wissen, wo ein Gedankenstrang zu Ende geht. Die Verse hören sich dann in etwa so an:
 Apostelgeschichte 9,31: So hatte denn die Gemeinde durch ganz Judäa und Galiläa und Samarien Frieden und wurde erbaut und wandelte in der Furcht des Herrn und mehrte sich durch den Trost des Heiligen Geistes.
Ihr müsst immer auf dieses Mehren achten. Das ist so das Ende eines Gedankenstrangs.
Wir hatten uns zuletzt beschäftigt mit dem Leben von Philippus, dann auch recht stark mit dem Leben von Paulus. Und jetzt beginnt ein neuer Abschnitt, der geht bis Kapitel 12, Vers 24. Im Zentrum dieses Abschnittes steht ein neuer Held, nämlich Petrus.
Lukas bekommt diesen Übergang von Philippus und Paulus zu Petrus dadurch hin, dass er einfach eine kleine Geschichte erzählt, bei der man merkt: Ach, jetzt kommt jemand Neues. Die Geschichte bringt für unser Verständnis der Apostelgeschichte gar nicht so viel. Man liest das und sagt: Na ja, noch eine Heilung, schön. Was mache ich jetzt damit? Mach erst einmal gar nichts damit. Versteh einfach nur: Jetzt geht es um den, der im Zentrum dieser Geschichte steht.
Ich lese euch die kurze Geschichte vor:
 Apostelgeschichte 9,32-35: Es geschah aber, dass Petrus, indem er überall hindurchzog, auch zu den Heiligen hinabkam, die in Lydda wohnten. Lydda ist ein kleiner Ort zwischen Jerusalem und dem Mittelmeer. Er fand aber dort einen Menschen mit Namen Aeneas, der seit acht Jahren zu Bett lag; er war gelähmt. Und wir ahnen schon, was jetzt kommt. Und Petrus sprach zu ihm: Aeneas, Jesus Christus heilt dich; steh auf und mach dir selbst dein Bett! Und sogleich stand er auf. Und es sahen ihn alle, die in Lydda und Saron wohnten; die bekehrten sich zum Herrn.
Wir merken: Der Übergang ist geschafft. Jetzt steht Petrus im Mittelpunkt. Auch geografisch hat sich etwas verändert. Wir waren eben noch in Jerusalem, jetzt geht es langsam Richtung Mittelmeer.
Wir haben mit dieser Geschichte eine Ausgangsposition geschaffen für ein, in meinen Augen, unglaublich wichtiges Thema der Apostelgeschichte, das uns noch fehlt.

Die Frage nach dem Wesen der Gemeinde

Ich möchte mit euch einen Schritt zurückgehen, um dieses neue Thema ins rechte Licht zu rücken.
Die Apostelgeschichte beschreibt die Entwicklung der Kirche oder der Gemeinde, also die Entwicklung der Gemeinschaft der Gläubigen. Die Gemeinde beginnt mit der Pfingstpredigt. Plötzlich werden dreitausend Menschen gläubig, weil Petrus predigt, dass Jesus der Messias ist.
Diese 3000 Menschen unterscheiden sich von allen anderen Juden, die damals in Jerusalem wohnten, eigentlich nur durch eine einzige Sache: Sie glauben, dass Jesus der Messias ist. Jesus von Nazareth ist der Messias. Und weil sie das glauben, halten sie sich an das, was Jesus gesagt hat.
Die ganze Weite des Evangeliums hat sich zu dieser Zeit kaum jemandem wirklich erschlossen. Erst mit Stephanus kommt eine leichte Aufweitung, weil Stephanus die Frage nach der Bedeutung des Tempels und nach der Bedeutung des Priesterdienstes stellt. Was bedeuten Tempel und Priesterdienst im Angesicht von Golgatha? Wie kann das weitergehen?
Und plötzlich wird klar, dass mit Jesus ein neuer Bund angebrochen ist, eine neue Ära des Priesterdienstes. Der alte Bund, geschlossen am Sinai, war tatsächlich zum Auslaufmodell geworden. Mit der Gemeinde war ein neuer Tempel entstanden. Mit Jesus war ein ewiger Hoher Priester gekommen, der ein für allemal ein abschließendes Opfer für die Sünde der ganzen Welt am Kreuz gebracht hat. Und alle Gläubigen waren Priesterinnen und Priester geworden.
Je mehr man die Apostelgeschichte liest und je weiter man kommt, desto mehr merkt man, was Jesus an anderer Stelle gesagt hat: dass das Christentum tatsächlich neuer Wein in neuen Schläuchen ist. Es ist nicht einfach nur Judentum 2.0, also ein verbessertes Modell des Alten, sondern mit dem Christentum entsteht etwas völlig anderes.

Warum die Grenzen des Judentums gesprengt werden müssen

Und deswegen nimmt sich Lukas Zeit, uns zu beschreiben, wie das Ganze passiert, und uns zu erklären, was wir zum Schluss hatten: echten Glauben. Er erklärt, was es heißt, zu dieser Gemeinschaft von Gläubigen zu gehören. Er möchte, dass wir verstehen, was es heißt, dabei zu sein.
Und jetzt ein letzter Schritt, wir gehen noch ein bisschen weiter: Die Frage, wer der Messias ist, ist geklärt, das Verhältnis zum alten Bund ist abgesteckt, echter Glaube ist definiert, und trotzdem hängt das Christentum geschichtlich noch fest. Es hängt in dem, was ich einen jüdischen Exklusivismus nennen möchte.
Also, was meine ich damit? Bis auf ein paar Samariter, und das sind eigentlich so halbe Juden, wenn man das mal so sagen darf, sind bislang nur Juden zum Glauben gekommen. Und im Kopf dieser Christen, die ja alle mal Juden waren, steckt der Gedanke: Na ja, das Evangelium ist für Juden. Ist doch irgendwie logisch.
Jetzt kann man sagen: Aber hallo, hatte Jesus nicht gesagt, dass das Evangelium bis an die Enden der Erde gepredigt werden soll? War das nicht schon von den Propheten her klar, dass der jüdische Messias die Hoffnung der Heiden werden würde? Hatten die Propheten nicht gesagt, dass der jüdische Messias die Hoffnung der Heiden werden würde? Und war es nicht so, dass über Abraham gesagt wurde, er solle ein Segen sein für die ganze Welt?
Das stimmt. Man hätte irgendwie wissen können, dass diese Idee, das Evangelium ist nur für uns Juden, viel zu kurz greift. Man hätte es wissen können, aber es hat keiner geglaubt. Ist manchmal so. Man hätte etwas wissen können, aber es hat keiner geglaubt.
Im Kopf steckte dieser Gedanke: Das sind wir, wir Juden, für die Jesus gekommen ist. Der Gedanke, dass die Heiden allein durch den Glauben an Jesus gleichberechtigt zum Volk Gottes gehören könnten, war für die Christen der damaligen Zeit, für diese Judenchristen, völlig abwegig. Jesus, Erlöser für die Heiden? Nein, für uns ja, aber für die anderen eher nicht.
Und man hatte gute Gründe. War nicht das Volk Israel zweitausend Jahre vorher aus allen Völkern von Gott erwählt worden? Hat nicht Gott mit diesem Volk besondere Geschichte geschrieben? War nicht der jüdische König so der Hüter der Frömmigkeit, der die Pflicht hatte, den rechten Glauben zu bewahren und zu beschützen? War nicht die jüdische Geschichte gerade deshalb so eine Erfolgsgeschichte geworden, weil man eine ganz strikte Trennung vollzogen hatte zwischen uns, den Juden, und all den anderen?
Da gab es Gebote, die das zementiert haben: das Sabbatgebot, die Speisegebote, bestimmte Heiratsverbote, wie man mit Götzen umgehen sollte. War das nicht klar? Gott hat uns in besonderer Weise erwählt. Und klar, wenn jetzt der Messias kommt, dann ist das unser Mann, und Punkt.
Jüdischer Exklusivismus. Solche Gedanken hemmen jetzt die Ausbreitung des Evangeliums, und deshalb stellt uns Lukas ein neues Thema vor, in diesem neuen großen Abschnitt. Es geht um die Frage: Welche Verbindung besteht zwischen dem Judentum und dem Christentum? Oder anders ausgedrückt: Welche Rolle spielt meine Herkunft, meine ethnische Herkunft, ob ich Jude oder Heide bin? Welche Rolle spielt meine Herkunft, und welche Rolle spielt auch der jüdische König als Inbegriff jüdischer Politik im Blick auf den Glauben an Jesus?
Muss ich, wenn ich Heide bin, erst Jude werden, bevor ich an den jüdischen Messias glauben kann? Ist Christentum eine exklusiv jüdische Angelegenheit, oder ist es frei von all dem, was Judentum ausmacht, ethnisch und politisch?
Das Thema ist groß, und wenn ihr es euch anschauen wollt, ist es herumgruppiert um zwei Aha-Erlebnisse, die beide Petrus hat. Die möchte ich euch zeigen.
 Apostelgeschichte 10,34, das ist die erste große Geschichte, und viele von euch werden sie kennen: das ist die Bekehrungsgeschichte von Cornelius. Und da steckt mittendrin ein Aha-Erlebnis. Da heißt es in Apostelgeschichte 10,34: Petrus aber tat den Mund auf und sprach: In Wahrheit begreife ich, dass Gott die Person nicht ansieht, sondern in jeder Nation ist, wer ihn fürchtet und Gerechtigkeit wirkt, ihm angenehm.
Ihr merkt ja, der große Apostel Petrus, der Fels, auf dem ich meine Gemeinde bauen werde, der hat ein: „Jetzt habe ich es geschnallt, Mann, jetzt ist es mir klar. In Wahrheit, endlich, plump, plump, Wahnsinn, die Trennung ist weg, boah.“ Das war für ihn richtig: Okay, jetzt habe ich es. Wir werden uns das noch in den nächsten Predigten anschauen. Aber das ist das eine Aha-Erlebnis.
Und das andere Aha-Erlebnis findet sich in der zweiten großen Geschichte, die in diesem Abschnitt erzählt wird. Wieder geht es um Petrus, um die Befreiung des Petrus aus der Gefangenschaft durch Herodes. Und auch da heißt es in Apostelgeschichte 12,11: Da haben wir wieder so ein Aha-Erlebnis. Und ich sage euch das deshalb so ausführlich, weil ich mir wünsche, dass ihr, wenn ihr biblische Texte lest, auf solche Dinge ein bisschen achtet. Wo gibt es solche Parallelen? Oder wenn ich denke: Das habe ich doch schon mal gehört, dass man noch einmal nachforscht: Wo habe ich das schon mal gehört?
 Apostelgeschichte 12,11: Und als Petrus zu sich selbst kam, sprach er: Nun weiß ich in Wahrheit wieder dieses Ah, jetzt habe ich es verstanden, nun weiß ich in Wahrheit, dass der Herr seinen Engel gesandt und mich gerettet hat aus der Hand des Herodes und aller Erwartung des Volkes der Juden.
Jetzt weiß er: Das, was früher normal war, dass der jüdische König der oberste Hüter der Frömmigkeit war, gilt nicht mehr. Die Bindung an Volk und Staat ist aufgehoben. Darum geht es.

Zwei Menschen, zwei Herzen

Wir springen wieder zurück: Wie baut Lukas dieses grosse Thema Christentum und Judentum auf? Er macht es, indem er uns zwei Personen vorstellt: auf der einen Seite Tabitha und auf der anderen Seite Cornelius.
Tabitha heisst auch Dorcas, in manchen Übersetzungen auch Tabea. Es ist immer dieselbe Frau. Tabitha und Cornelius – die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein. Hier haben wir eine Jüdin, eine Frau, wahrscheinlich nicht ganz so wohlhabend. Und hier haben wir Cornelius, einen Mann, einen Heiden, mit ordentlich Einfluss.
Obwohl die beiden äusserlich so unterschiedlich sind, haben sie etwas gemeinsam. Sie teilen das, worauf es Gott am meisten ankommt, nämlich das Herz. Im Blick auf Gott haben beide ein Herz, das für Gott schlägt.
Ich zeige euch das mal, wie sie beschrieben werden: Apostelgeschichte 9,36. Da wird uns Tabitha vorgestellt: In Joppe aber war eine Jüngerin mit Namen Tabitha, die übersetzt heisst Dorkas. Diese war reich an guten Werken und Almosen, die sie übte. Schön, nette Frau, oder? Reich an guten Werken und Almosen.
Und dann stellen wir uns Cornelius mal kurz vor, Kapitel 10,1-2: Ein Mann aber in Cäsarea mit Namen Cornelius, ein Hauptmann von der sogenannten italischen Schar, fromm und gottesfürchtig mit seinem ganzen Haus, der dem Volk viele Almosen gab und alle Zeit zu Gott betete.
Zwei Menschen, die, weil sie an Gott glauben, zum Segen werden für ihr Umfeld. Das Problem ist nur, dass Tabitha, was Glaubensdinge angeht, dem Cornelius tatsächlich einen Schritt voraus ist. Sie war nämlich eine Jüngerin. Das heisst, sie folgte Jesus nach, sie kannte das Evangelium.
Ja, warum tut Cornelius das nicht? Ich meine, wenn er so fromm und gottesfürchtig ist, warum glaubt er nicht ans Evangelium? Ganz einfach: Niemand kam, um es ihm zu erzählen. Da war niemand. Das ist doch fies, oder? War sein Glaube vielleicht nicht echt?
Und ich denke, sein Glaube war genau so echt. Seine Hingabe an Gott war genau so echt wie die Hingabe und der Glaube von Tabitha.

Der sichtbare Glaube im Leben der Tabitha

Lasst uns kurz die Geschichte von der Auferweckung der Tabitha lesen, und ihr sagt mir, wo steht, dass sie glaubt.
Ich lese euch das mal vor, Verse 36 bis 43, Kapitel 9:
In Joppe aber war eine Jüngerin mit Namen Tabitha; diese war reich an guten Werken und Almosen, die sie übte. Es geschah aber in jenen Tagen, dass sie krank wurde und starb. Und als man sie gewaschen hatte, legte man sie in ein Obergemach.
Da aber Lydda nahe bei Joppe war – also Lydda ist der Ort, wo Petrus gerade ist, und Joppe liegt noch ein Stück weiter in Richtung Mittelmeer –, sandten die Jünger, als sie gehört hatten, dass Petrus dort sei, zwei Männer zu ihm und baten: Zögere nicht, zu uns zu kommen.
Petrus aber stand auf und ging mit ihnen. Und als er angekommen war, führten sie ihn in das Obergemach. Das ist schon eine tolle Sache: Jemand sagt, kannst du mal mitkommen, ich habe einen Auftrag für dich zu erledigen, da liegt ein Toter. Und dann geht er da hin. Oben im Obergemach liegt sie. Das ist die Situation.
Und alle Witwen traten weinend zu ihm und zeigten ihm die Unter- und Oberkleider, die Dorcas gemacht hatte und ihnen wahrscheinlich auch geschenkt hatte, während sie bei ihnen war. Petrus aber trieb alle hinaus, kniete nieder und betete. Und er wandte sich zu dem Leichnam und sprach: Tabitha, steh auf!
Sie aber schlug ihre Augen auf, und als sie den Petrus sah, setzte sie sich auf. Er aber gab ihr die Hand und richtete sie auf. Dann rief er die Heiligen und die Witwen und stellte sie lebend vor.
Es wurde aber durch ganz Joppe hin bekannt, und viele glaubten an den Herrn. Es geschah aber, dass er viele Tage in Joppe bei einem Gerber Simon blieb.
Das ist die Geschichte. Eine Geschichte einer Totenauferweckung. Es ist nicht die erste Totenauferweckung, die wir in der Bibel haben, sondern eine Geschichte.
Wo sieht man den Glauben der Tabitha? Wo steht es, dass sie gläubig ist?
Antwort: Das Wort Glaube taucht nirgendwo auf. Aber du siehst ihren Glauben an ihrem Leben, an der Art, wie sie mit anderen Menschen umgeht. Der Halbbruder Jesu, Jakobus, bringt das so auf den Punkt, dieses Verhältnis zwischen Glaube und guten Werken. Er sagt in Jakobus 2, dass man Glauben sehen kann an dem, was man tut.

Glaube, der sich im Handeln zeigt

 Jakobus 2,14: Was nützt es, meine Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glauben, hat aber keine Werke? Kann etwa ein solcher Glaube ihn erretten? Jakobus stellt diese Frage so, dass man weiß: Die Antwort lautet nein, das kann er nicht.
Woran sehe ich also den Glauben? Wenn jemand sich hinstellt und sagt: Ich glaube, woher weiß ich dann, ob das echt ist? Jakobus macht dazu ein Beispiel. Er möchte zeigen, wie unsinnig es ist, einfach nur zu sagen: Ich glaube. Und er möchte zeigen, wie leicht es ist, aus einem Leben abzuleiten, dass da jemand glaubt.
So ist es zum Beispiel leicht zu sagen: Tabitha hat geglaubt, weil man sich ihr Leben anschaut, wie sie mit Gott umgegangen ist und wie sie mit Menschen umgegangen ist. Da schreit es förmlich danach, dass sie gläubig war.
Noch einmal Jakobus 2,15: Wenn aber ein Bruder oder eine Schwester dürftig gekleidet ist und der täglichen Nahrung entbehrt und jemand unter euch zu ihnen spricht: Geht hin in Frieden, wärmt euch und sättigt euch!, ihr gebt ihnen aber nicht das für den Leib Notwendige, was nützt es? Die Antwort lautet: gar nichts. Wenn jemand Hunger hat und du sagst: Geh hin in Frieden, aber du gibst ihm nichts, dann ist er mit Hunger gekommen und mit Hunger gegangen. Super, dass du es ihm gesagt hast.
Wenn jemand friert und du hast einen Mantel, den du ihm schenken könntest, und du gibst ihn ihm nicht, dann hilft das auch nicht. Das Beispiel ist ein bisschen schräg, aber der Punkt ist klar: Wenn du jemandem nur schöne Worte gibst, aber keine Hilfe, dann ist ihm nicht geholfen. Was nützt das? Es nützt gar nichts.
Vers 17: So ist auch der Glaube, wenn er keine Werke hat, in sich selbst tot. Ein nur behaupteter Glaube bewirkt nichts. Jeder kann sich hinstellen und sagen: Ich glaube. Wenig später im Text wird Jakobus die Dämonen anführen, die bösen Engel. Die glauben auch. Das ist kein Problem. Du kannst auch sagen: Ich glaube. Das können die auch. Die Frage ist: Was für ein Leben kommt dabei heraus?
Dann Vers 18: Es wird aber jemand sagen: Du hast Glauben, ich habe Werke. Zeige mir deinen Glauben ohne Werke, und ich werde dir aus meinen Werken den Glauben zeigen. Ich werde dir aus meinen Werken zeigen, wie ich lebe, und du kannst an dem, wie ich lebe, sehen, ob ich glaube.
Jesus bringt das mit den Worten auf den Punkt in Lukas 6,43-44. Wir haben darüber vor Jahren einmal gesprochen: Lukas 6,43: Denn es gibt keinen guten Baum, der faule Frucht bringt, auch wieder keinen faulen Baum, der gute Frucht bringt. Denn jeder Baum wird an seiner eigenen Frucht erkannt. Das ist das Prinzip.
Und für alle Perfektionisten unter euch, die jetzt gleich wieder mit einem schlechten Gewissen aus dem Gottesdienst gehen wollen: Es geht nie um Perfektionismus. Aber es geht darum, dass es Lebensprinzipien in uns gibt, Dinge, die wir immer wieder tun, die wir für richtig halten, und bei denen man sagen muss: Die stehen für das, was wir sind. Oder mit anderen Worten: Du bist das, was du tust.
Wenn wir Vers 45 noch hinzunehmen: Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz seines Herzens das Gute hervor, und der Böse bringt aus dem Bösen das Böse hervor; denn aus der Fülle des Herzens redet der Mund. Dann heißt das: Man kann an der Art und Weise, worüber wir reden, sehen, was in uns drinsteckt. Man kann an der Art und Weise, wie wir leben, sehen, was in uns drinsteckt.
Wo gute Werke herauskommen und wo eine Sprache herauskommt, die Gott gefällt, die Gott ehrt und die Gott groß macht, da steckt auch das Richtige drin, so wie bei Tabitha. Gott ist ein Herzenskenner. Er schaut ganz tief in unsere Herzen hinein. Er weiß ganz genau, wann wir ihn anlügen, und er weiß, wann wir es ernst meinen.
Die Kleider, die Tabitha den Witwen gemacht hat, waren ein sichtbarer Ausdruck ihres Glaubens. Und deswegen ist es auch gar nicht verwunderlich, dass Gott Petrus’ Gebet für diese Frau erhört.

Gottes Blick auf Herz und Herkunft

Also ein erstes Fazit: Gott mag Christen, die gute Werke tun, die sich um die Armen kümmern, die mit ihren Gaben dienen, wie wir es vorhin hatten, 1. Petrus 4,10. Gott mag solche Leute.
Die Frage ist: Mag Gott auch Heiden? Bei Tabitha ist das irgendwie klar. Aber mag Gott auch einen Heiden, von dem gesagt wird, dass er fromm ist? Dass er gottesfürchtig ist, dass er viele Almosen gibt und dass er alle Zeit betet?
Wie geht Gott damit um, dass er so einen ersten echten Glauben nicht nur bei einer Tabitha sieht, die er wieder auferweckt, sondern bei einem Cornelius? Ist Cornelius weniger gläubig als Tabitha? Und in einem gewissen Sinn muss man sagen: Ja, weil er nicht an Jesus glaubt. Achtung: Er hat ja auch eine gute Ausrede dafür. Es hat ihm ja auch keiner bislang von Jesus erzählt.
Und wenn Gott sich jetzt so offensichtlich zu Tabitha stellt, woran liegt das? Liegt das daran, dass sie Jüdin ist? Oder ist es Gott egal, welche Nationalität ein Mensch hat?
Und was jetzt folgt, wenn wir die Geschichte weiter betrachten, ist ein grandioser Blick in das Herz Gottes. Wir haben das schon gelesen in Apostelgeschichte 10, dieses erste Aha-Erlebnis, wo Petrus sagt: Apostelgeschichte 10,34: Petrus aber tat den Mund auf und sprach: In Wahrheit begreife ich, dass Gott die Person nicht ansieht.
Dass Gott also egal ist, wo ein Mensch herkommt. Es ist völlig egal, ob du Kannibale warst, ob du Investmentbroker warst, ob du dich als Putzfrau durchgeschlagen hast oder was auch immer, ob du am Nordpol geboren bist oder am Äquator. Es spielt keine Rolle. Gott schaut die Person nicht an. Sondern in jeder Nation ist, wer ihn fürchtet und Gerechtigkeit wirkt, ihm angenehm.
Zwei Dinge sind Gott unwiderstehlich: Gottesfurcht und Gerechtigkeit. Wer im Rahmen seiner Möglichkeiten, im Rahmen seines Wissens Gott sucht und fair mit Menschen umgeht, der wird von Gott wahrgenommen.
Es ist eben nicht so: Die Juden, die sind das auserwählte Volk, die haben eine Chance, und die Heiden, na ja, die haben halt Pech. Es ist anders. Wo Gott ein Herz findet, das ihn sucht, und ein Herz findet, das Menschen liebt, da sorgt er selbst dafür, dass solch ein Herz ihn findet.
Wenn euch das nicht packt, dann kann ich euch bei den Temperaturen jetzt nicht groß helfen. Aber überlegt, was das bedeutet. Gott schaut sich diese Erde an, und er lässt sich nicht blenden. Von den Äußerlichkeiten nicht, von dem, was wir angezogen haben, nicht von dem, was wir sagen, nicht von den Autos, die wir fahren, und den Titeln, die wir führen, nicht von den Jobs, die wir haben, und unseren Freunden. Sondern er schaut mitten in unser Herz hinein.
Und wenn er ein Herz findet, das mit Leidenschaft an ihm hängt und ihn sucht und sagt: Ich weiß zwar nicht viel von dir, aber das, was ich weiß, das möchte ich leben. Und ich merke, dass du ein Gott bist, der es darauf anlegt, dass Gerechtigkeit mein Leben prägt. Ich will das Gute tun.
Micha sagt, dass Gott von den Menschen verlangt, Recht zu üben, Güte zu lieben und demütig zu gehen mit deinem Gott. Wo Gott so etwas im Herzen eines Menschen findet, und sei es noch so klein und sei es noch so unausgereift, da kann das so ein Embryonalstadium sein, das kann so eine verpuppte Sache sein. Da ist vielleicht noch so ein Kokon außenrum, und du kannst noch gar nicht zum Herzen durchbrechen so richtig. Und du weißt vielleicht gar nicht, wie du die Ausdrucksformen finden sollst, worum es eigentlich beim Glauben richtig geht. Aber Gott sieht das Herz, und Gott wird alles tun, um so einen Menschen zu gewinnen.

Gottes Suche nach den Suchenden

Und das sehen wir hier in Apostelgeschichte 10,1-4: Ein Mann aber in Caesarea mit Namen Cornelius, ein Hauptmann von der sogenannten italischen Schar, fromm und gottesfürchtig mit seinem ganzen Haus, der dem Volk viele Almosen gab und alle Zeit zu Gott betete.
Und jetzt kommt es: Wenn Menschen nicht predigen, dann predigt Gott eben. Wenn die Apostel nicht losziehen wollen, dann sorgt Gott dafür. Du glaubst doch nicht, dass Gott, wenn er ein Herz sieht, das er gewinnen will, nicht alles in seiner Macht Stehende tun wird, um dieses Herz zu gewinnen.
Und für Cornelius bedeutet das: Er sah in einer Erscheinung ungefähr um die neunte Stunde des Tages deutlich, wie ein Engel Gottes zu ihm hereinkam und zu ihm sagte: Cornelius! Ihr wisst schon, immer wenn Engel kommen, kriegt man Angst. Er aber sah ihn gespannt an und wurde von Furcht erfüllt und sagte: Was ist, Herr? Er sprach aber zu ihm: Deine Gebete und deine Almosen sind hinaufgestiegen zum Gedächtnis vor Gott.
Und wir lesen das so, aber Achtung: Deine Almosen und deine Gebete, du frommer Heide, kein Jude, nicht zum auserwählten Volk gehörig, sind hinaufgestiegen direkt vor den Thron des lebendigen Schöpfergottes. Gott hat die Gebete gehört, und Gott macht etwas damit. Er sagt zu ihm: Und jetzt sende Männer nach Joppe und lass Simon holen, der den Beinamen Petrus hat. Dieser herbergt bei einem Gerber Simon, dessen Haus am Meer ist.
Als aber der Engel, der mit ihm redete, weggegangen war, rief er zwei seiner Hausknechte und einen frommen Soldaten von denen, die beständig bei ihm waren. Und als er ihnen alles erzählt hatte, sandte er sie nach Joppe.
Wisst ihr, was mich an diesem Text fasziniert? Mich fasziniert natürlich die Tatsache, dass Gott das Evangelium zu den Heiden schickt, also auch nach Deutschland. Also nur für den Fall, dass das jemand noch nicht verstanden hat: Dieser Text beschreibt, warum wir Deutsche gläubig werden durften. Und das gilt auch für Amerikaner und Ukrainer und Schweden. Das ist der Grund, warum es überhaupt möglich war, dass wir das Evangelium hören.
Und natürlich fasziniert mich das, diesen ersten Schritt Richtung Heidenmission zu sehen. Zu sehen, dass Gott immer schon das Evangelium bis an die Enden der Erde gepredigt haben wollte und das dann auch tatsächlich macht. Dass Gott immer schon angebetet werden wollte, mit allen Sprachen, von allen Völkern, und dass jeder Teil seiner Familie werden sollte.
Aber wisst ihr, was mich noch mehr fasziniert? Das ist mir fast so ein Stückchen zu theoretisch, was ich eben gesagt habe. Deswegen meinte ich vorhin: Es ist dieser Blick in Gottes Herz, was mich fasziniert. Jenseits dieser grundsätzlichen Liebe Gottes zu allen Menschen bin ich begeistert davon, wie die Liebe Gottes Menschen sucht. Wie Menschen nicht deshalb verloren gehen, weil sie zwar glauben wollen, aber nicht können, sondern wie Gott Menschen sieht, in deren Herzen eine tiefe Sehnsucht nach ihm ist. Und wie er dann sich auf den Weg macht, diese Menschen mit allen Mitteln zu erreichen.

Gegenwart, Mission und die offene Tür für die Welt

Letztes Jahr kam ein Buch auf den Markt, das wahrscheinlich kaum jemand von euch kennen wird. Das würde mich zumindest extrem überraschen. Es ist eine technische Untersuchung, also geisteswissenschaftlich-technisch, von Erweckungsbewegungen in der muslimischen Welt.
Wer es einmal lesen will, es heißt auf Deutsch Ein Wind im Haus des Islam. Der Untertitel heißt: Wie Gott Moslems überall auf der Welt zum Glauben an Jesus Christus führt.
Darin untersucht jemand die Erweckungsbewegungen in der muslimischen Welt, die in den letzten zwanzig Jahren passiert sind. Er untersucht fünfundvierzig von neunundsechzig Erweckungsbewegungen. Eine Erweckungsbewegung ist eine Bewegung, in der mindestens tausend Leute zum Glauben kommen oder hundert Gemeinden gegründet werden, wohlgemerkt in der muslimischen Welt.
Es ist deshalb technisch, weil das ein Missionswissenschaftler ist. Also liest es sich gar nicht so flüssig. Es geht auch nicht darum zu zeigen: Macht mehr Missionen. Es geht darum, wie der Untertitel es sagt, wie Gott Moslems überall auf der Welt zum Glauben an Jesus Christus führt, was Gott heute tut.
Und wenn man dieses Buch liest, ist es einfach unglaublich zu sehen, wie viele Moslems in den letzten zwanzig Jahren zum Glauben gekommen sind. Und jetzt wirst du sagen: Hä, Moslems? Ja. Und vielleicht schaust du so gebannt und auch irgendwie frustriert auf den Terror des Islamischen Staates und denkst dir vielleicht: Na ja, es gibt überhaupt keine Chance, dass Moslems noch einmal mit dem Evangelium erreicht werden können. Vielleicht ist das dein Denken. Das wäre so eine monolithische Masse, wo man nicht mehr durchdringt. Das sind halt Menschen, die sind verloren, da kommt doch keiner mehr hin.
Und es stimmt: Es ist unglaublich schwer, im Moment mit dem Evangelium dort hinzukommen. Ja, aber du liest dieses Buch und du stellst fest: Kann sein, dass da kein Missionar hinkommt, dann schickt Gott von mir aus einen Traum, eine Vision oder einen Engel oder das richtige Radioprogramm oder eine Bibel, die weggeworfen wird, oder oder oder.
Aber was du mitbekommst, ist, dass Gott in diese, ich habe jetzt nur die muslimische Welt genommen, in diese muslimische Welt hineinschaut und schaut: Gibt es da einen Cornelius irgendwo? Gibt es da einen, der mich fürchtet und der in Gerechtigkeit leben will? Natürlich nicht in einem christlichen Gewand, wie soll denn das gehen? Genauso wenig, wie ein Cornelius in einem christlichen Gewand geglaubt hat. Er hat im jüdischen Gewand geglaubt, und da glauben Leute in dem islamischen Gewand. Aber da ist mehr dahinter, und Gott sieht das.
Du kannst davon ausgehen: Wo Gott das sieht, solche Herzen sieht, da ist das für ihn absolut unwiderstehlich. Und da wird er Engel und Apostel losschicken, um diese Menschen mit dem Evangelium zu erreichen. Er hat es damals getan, und er tut es heute noch. Und dass man davon nichts in den Nachrichten hört, das ist halt so. Es passiert trotzdem.

Ein Herz für die Suchenden

Und es ist wichtig, dass wir uns selbst, wenn wir dieses Herz Gottes sehen, die Frage stellen: Schlägt unser Herz auch für suchende Menschen?
Ich stelle deshalb die Frage, weil die Zeit, in der wir leben, begrenzt ist. Mehr denn je würde es mich nicht überraschen, wenn der Herr Jesus zu unseren Lebzeiten noch wiederkäme. Ich frage mich manchmal, ob es wirklich noch hundert Jahre dauern kann, so wie wir mit dieser Welt umgehen. Denn am Ende bleibt ja nichts mehr übrig, wenn wir noch ein wenig so weitermachen.
Die Zeit ist begrenzt. Ich denke, dass wir, die wir noch ein wenig länger leben, Jesus noch kommen sehen werden. Und deshalb wünsche ich mir am Ende dieser Predigt eines: dass wir, die wir hier zuhören und sehen, wie Gott ein Herz für Menschen hat, die ihn suchen und die Menschen lieben, dass wir dasselbe Herz haben.
Und dass wir solche sind, die die Mission durch Gebet und Geld unterstützen. Dass wir solche werden, die Gott senden kann. Wenn es hier in Oberkrämer, wo wir wohnen, einen Cornelius gibt, der Gott sucht, dann soll er, wie wir nächstes Mal sehen werden, in uns seinen Petrus finden, der ihm erklärt, wie man gläubig wird. Nicht nur allgemein an etwas Höheres, sondern an den Schöpfer von Himmel und Erde, der in Jesus Christus seine Schuld bezahlt hat.
Das wünsche ich mir. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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