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Stammbaum lernen leicht gemacht

Jesu Leben und Lehre, Teil 14/693
10.02.2021Matthäus 1,1-17
SERIE - Teil 14 / 693Jesu Leben und Lehre

Einführung in die Bedeutung der Stammbäume Jesu

Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.

Episode vierzehn: Stammbaum lernen leicht gemacht.

Der Prolog liegt hinter uns, und ich habe euch versprochen, dass wir uns chronologisch durch die Evangelien hindurch bewegen. Nun kommen wir also zu einer Art von Texten, die den meisten Christen – mich eingeschlossen – zunächst völlig unnötig erscheinen.

Natürlich sind sie das nicht. Ich meine wirklich unnötig. Aber ich kenne kaum jemanden, der sich abends mit einer Tasse Tee hinsetzt und denkt: „Schön Feierabend, jetzt erst mal in Ruhe einen Stammbaum lesen.“ Stammbäume sind uncool.

Ich selbst habe mich bei meiner Bibellese nie auf die ersten Kapitel von 1. Chronik gefreut. Aus einem einfachen Grund: Ein Stammbaum folgt dem anderen, Stamm für Stamm, Seite für Seite. In meiner Bibel erstrecken sie sich über mehr als zwölf Seiten.

Und doch gehören Stammbäume zur Bibel – und auch zum Leben Jesu. Genau genommen finden wir zwei Stammbäume des Herrn Jesus in der Bibel: einen im Matthäusevangelium und einen im Lukasevangelium.

Der Stammbaum in Matthäus: Ein Blick ins Alte Testament

Hören wir Matthäus und tauchen ins Alte Testament ein. Matthäus Kapitel 1, Verse 1 bis 17: Buch des Ursprungs Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams.

Abraham zeugte Isaak, Isaak aber zeugte Jakob, Jakob aber zeugte Juda und seine Brüder. Juda aber zeugte Peres und Serach von der Thamar. Peres aber zeugte Hesron, Hesron aber zeugte Ram. Ram aber zeugte Aminadab, Aminadab aber zeugte Nachschon. Nachschon aber zeugte Salmon, Salmon aber zeugte Boas von der Rahab. Boas aber zeugte Obed von der Rut, Obed aber zeugte Isai. Isai aber zeugte David, den König.

David aber zeugte Salomo von der Frau des Uria. Salomo aber zeugte Rehabeam, Rehabeam aber zeugte Abija. Abija aber zeugte Asa, Asa aber zeugte Joschafat. Joschafat aber zeugte Joram, Joram aber zeugte Usija. Usija aber zeugte Jotam, Jotam aber zeugte Ahas. Ahas aber zeugte Hiskia, Hiskia aber zeugte Manasse. Manasse aber zeugte Amon, Amon aber zeugte Josia.

Josia aber zeugte Jojakim und seine Brüder zur Zeit der Wegführung nach Babylon. Nach der Wegführung nach Babylon aber zeugte Jojakim Sealtiel. Sealtiel aber zeugte Serubbabel. Serubbabel aber zeugte Abihud, Abihud aber zeugte Eljakim. Eljakim aber zeugte Asor, Asor aber zeugte Zadok. Zadok aber zeugte Achim, Achim aber zeugte Eliud. Eliud aber zeugte Eleasar, Eleasar aber zeugte Matthan. Matthan aber zeugte Jakob, Jakob aber zeugte Josef, den Mann Marias, von welcher Jesus geboren wurde, der Christus genannt wird.

So sind nun alle Geschlechter von Abraham bis David vierzehn Geschlechter, von David bis zur Wegführung nach Babylon vierzehn Geschlechter und von der Wegführung nach Babylon bis zum Christus vierzehn Geschlechter.

Die Besonderheiten und Herausforderungen des Matthäus-Stammbaums

Das war jetzt nicht besonders spannend, allerdings ist die Zusammenfassung in Vers 17 überraschend. Überraschend, weil sie nicht ganz stimmt.

Das mit den dreimal vierzehn Geschlechtern funktioniert nämlich nur, wenn man bei den drei Listen – Abraham bis David, David bis zur Wegführung und Wegführung nach Babylon bis auf den Christus – ein kleines bisschen trickst.

Die erste Liste, von Abraham bis David, funktioniert gut mit vierzehn. Die zweite Liste startet mit Salomon und endet mit Joachim. Die dritte Liste muss aber wieder mit Joachim beginnen, sonst kommt man mit Jesus nicht auf vierzehn.

Außerdem fällt noch etwas auf: Es fehlen Könige. Zwischen David und Joachim gab es noch mehr Könige. In dem Stammbaum gibt es zwei Sprünge: Zwischen Joram und Usia fehlen drei Könige, darunter übrigens auch die einzige Königin von Juda. Ein kleinerer Sprung ist am Ende zwischen Josia und Joachim, dort fehlen zwei Könige.

Die Frage ist: Ist so etwas erlaubt? Matthäus scheint das so zu sehen. Und wie es scheint, akzeptieren seine Leser das auch. Das ist umso erstaunlicher, weil Matthäus sein Evangelium für eine jüdische Zuhörerschaft schreibt. Er kann also davon ausgehen, dass seine Zuhörer die Reihenfolge ihrer Könige kannten.

Es ist extrem unwahrscheinlich, dass Matthäus auch nur im Ansatz dachte, er könne seine Leser täuschen. Genauso unwahrscheinlich ist es, dass er sich geirrt hat. Matthäus selbst war Jude.

Was wir aber verstehen müssen, ist Folgendes: Matthäus geht es bei dem Stammbaum nicht nur darum, zu zeigen, dass Jesus von Abraham und David abstammt. Ihm geht es auch um die Merkfähigkeit, deswegen die dreimal vierzehn – irgendwie jedenfalls.

Es war völlig normal, dass man bei Stammbäumen auch schon mal jemanden wegließ und nur die Höhepunkte herausstellte. Der Stammbaum soll zeigen, woher man kommt, nicht zwingend, mit wem man alles verwandt ist.

Matthäus tut also, was man damals von einem jüdischen Ahnenforscher erwarten konnte: Er zeigt uns die Herkunft des Messias. Er zeigt uns, dass der Messias tatsächlich mit David und mit Abraham verwandt ist. Und er zeigt das auf eine Weise, die man leicht lernen konnte.

Die theologische Bedeutung und der Umgang mit Stammbäumen

Mir ist natürlich klar, dass es kaum Christen gibt, die auf den Gedanken kommen, einen Stammbaum auswendig zu lernen. Ebenso ist mir bewusst, dass Stammbäume theologisch vielleicht nicht der wichtigste Teil der Bibel sind. Paulus warnt sogar davor, den Geschlechtsregistern zu viel Bedeutung beizumessen, einfach nur, weil sie leicht Streitfragen hervorrufen können.

Trotzdem lohnt es sich manchmal, ein wenig genauer hinzuschauen. Genau das wollen wir tun.

Frage eins: Wessen Stammbaum haben wir vor uns? In Matthäus 1,16 heißt es: „Jakob aber zeugte Joseph, den Mann Marias, von welcher Jesus geboren wurde, der Christus genannt wird.“ Joseph ist nicht der biologische Vater des Herrn Jesus, sondern sein Adoptivvater. Matthäus präsentiert uns den gesetzlichen Stammbaum des Messias.

Für die Gesellschaft, in der Jesus lebte, war er „der Sohn des Joseph“ oder, wie es in Matthäus 13,55 heißt, „der Sohn des Zimmermanns“. Wir haben es hier also mit dem Stammbaum von Joseph zu tun.

Die ungewöhnliche Erwähnung von Frauen im Stammbaum

Was fällt an dem Stammbaum auf? Eine Sache ist besonders bemerkenswert – nicht aus der gegenderten Perspektive des einundzwanzigsten Jahrhunderts, sondern aus der damaligen Zeit.

Es fällt auf, dass Matthäus im Stammbaum Jesu Frauen erwähnt. Das ist sehr ungewöhnlich, denn normalerweise machte man das nicht und es war auch nicht nötig. Wenn eine Frau einen Mann heiratete, verließ sie ihre Herkunftsfamilie und wurde Teil der Familie ihres Mannes. Sie war dann die Frau von so und so, und ihre gemeinsamen Kinder gehörten zur Sippe ihres Mannes. Im Blick auf den Stammbaum einer Person spielten Frauen keine Rolle. Doch Matthäus bricht mit dieser Regel.

Er schreibt von vier Frauen: Juda zeugte Peres und Serach von der Tamar, Salmon zeugte Boas von der Rahab, Boas zeugte Obed von der Rut, und David zeugte Salomo von der Frau des Uria. Diese vier Frauen sind also Tamar, Rahab, Rut und Bathseba.

Nun wäre es vielleicht völlig normal, wenn es sich dabei um Frauen handelte, auf die man besonders stolz sein konnte – zum Beispiel eine kluge Richterin wie Deborah oder die Königin von Saba. Aber weit gefehlt: Die vier Frauen, die Matthäus erwähnt, sind genau das Gegenteil.

Die Geschichte von Tamar als Beispiel für menschliche Schwächen

Schauen wir uns kurz die erste Geschichte an, Tama. Es stimmt, dass Judah seine beiden Söhne mit Tama zeugte. Aber Bibelleser kennen die ganze Geschichte. Sie wissen, dass Tama eigentlich die Schwiegertochter von Judah ist, nicht seine Frau.

Tama hatte den Erstgeborenen von Judah geheiratet. Dieser hieß Er. Doch Er war böse und starb. Danach heiratete Tama den zweiten Sohn von Judah, Onan. Auch er war böse und starb ebenfalls. Eigentlich hätte Tama nun den dritten Sohn heiraten sollen, denn das war die übliche Sitte. Doch Judah, ihr Schwiegervater, ließ das nicht zu. Er hatte schlichtweg Angst, dass auch sein dritter Sohn sterben könnte.

Tama war also eine junge Witwe im Haus ihres Schwiegervaters, ohne Chance auf einen Ehemann. Damit hatte sie keine Aussicht auf Kinder und keine Altersversorgung. Was macht sie? Sie verführt ihren Schwiegervater. So einfach ist das.

Sie macht sich hübsch, bedeckt ihr Gesicht mit einem Schleier, sodass man sie nicht erkennt, und geht dorthin, wo ihr Schwiegervater geschäftlich zu tun hatte. Dort tut sie so, als wäre sie eine Prostituierte. Ihr Schwiegervater, inzwischen selbst Witwer, erkennt sie tatsächlich nicht und schläft mit ihr. Sie wird schwanger und bringt Zwillinge zur Welt.

Das steckt hinter der Aussage: „Judah aber zeugte Peres und Serach von der Tama.“ Einer der Zwillinge, Peres, wurde zum Vorfahren des Messias.

Tama war also alles andere als die Vorzeigefrau im Stammbaum. Oh ja, ich habe da diese Urur-Urgroßmutter, die hatte etwas mit ihrem Schwiegervater, uneheliche Kinder, eine ganz wilde Geschichte. Und wir sind so stolz auf sie! Nein, sind wir nicht. In jedem ordentlichen Stammbaum würde Tama unter den Tisch fallen. Man würde sich für die ganze Geschichte schämen, Judah inklusive. Nicht so beim Messias.

Die Botschaft des Messias zu menschlicher Schwäche und Erlösung

Er ist sich nicht zu fein für solche Verwandtschaft. Er weiß, wie wir Menschen sind, kennt unsere dunklen Momente – wenn wir unaufrichtig, verschlagen oder einfach nur hoffnungslos sind. Und er wurde doch Mensch, um uns zu retten.

Wir können ihm nichts vormachen, und wir brauchen es auch nicht. Niemand weiß das besser als Paulus, wenn er schreibt:

 1. Timotheus 1,15
Das Wort ist gewiss und aller Annahme wert, dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, Sünder zu retten, von welchen ich der Erste bin. Amen.

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