
Johannes 2,1-1121.09.1975
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einleitung und Schriftlesung
Unsere Themenreihe heißt ja „Das Einzigartige an Jesus“, und unser Abschnitt steht heute im Johannesevangelium, Kapitel 2, Vers 1 bis 11. Bei ihm ist nichts unmöglich.
Am dritten Tag war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger wurden auch zur Hochzeit geladen. Und als es an Wein mangelte, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein.
Jesus spricht zu ihr: Weib, was geht es dich an, was ich tue? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.
Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut.
Es waren aber dort sechs steinerne Wasserkrüge aufgestellt nach der Sitte der jüdischen Reinigung, und in jeden gingen zwei oder drei Maß. Jesus spricht zu den Dienern: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser. Und sie füllten sie bis oben an.
Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt es dem Speisemeister. Und sie brachten es. Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam – die Diener aber wussten es, die das Wasser geschöpft hatten –, ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein, und wenn sie trunken geworden sind, den geringeren. Du aber hast den guten Wein bisher behalten.
Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen zu Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.
Herr, lass uns über diesem Geschehen auch deine Herrlichkeit erkennen! Amen!
Das Leben unter der Lupe des Evangeliums
Einigen Tagen in einer Stuttgarter Klinik gab es eine große Aufregung. In einem der Operationssäle hat man einen gefährlichen Eitererreger gefunden, einen Streptokokken. Ich habe mit einem Arzt darüber gesprochen, was das für merkwürdige Erreger sind. Er erzählte mir dann, dass er selbst einmal von so einem Erreger befallen worden sei. Das habe nur sechs Stunden gedauert, nachdem ihm das offenbar ein Patient übertragen hatte. Danach habe er tagelang zwischen Tod und Leben auf der Intensivstation einer Stuttgarter Klinik gelegen.
Dann erzählte er, dass sein Kollege an so einem Eitererreger gestorben sei, weil man ihm nicht mehr helfen konnte. Ich habe nie einen solchen Streptokokkus unter einem Mikroskop gesehen. Das würde mich einmal interessieren. Das muss ja ein ganz winziger Infekt sein, der eine so verheerende Ausstrahlung hat, dass er alle Schutzvorrichtungen durchbrechen kann, die man heute in den Krankenhäusern peinlich genau befolgt.
Wir wissen ja schon, wie das ist, wenn diese Nieserei und Husterei losgeht, etwa mit dem normalen Grippevirus. Wie das die Runde macht, über die Landesgrenzen hinweg. Ein kleiner Virus steckt viele an.
Was uns Johannes beschreiben will, ist etwas Ähnliches, nur in umgekehrter Reihenfolge. Er sagt, Jesus übe eine Ansteckung aus. Das ist wie eine Epidemie, nur bringt er mit sich nicht den Tod, nicht die Krankheit und nicht das Leiden. Jesus bringt in dieser Welt vielmehr eine ansteckende Gesundung mit sich. Am ersten Tag, am zweiten Tag, und dann erzählt er, wie das weiterging. Am dritten Tag war eine Hochzeit, und und und, so geht es gerade weiter mit Jesus.
Man wundert sich eigentlich, dass Johannes sein Evangelium damit beginnen lässt, dass er so eine Geschichte, die uns sicher nicht als die Hauptsorge der Welt vorkommt, an den Anfang seines Evangeliums stellt. Aber das ist ja gar nicht der Anfang. Er erzählt ja vorher, wie Menschen mit Jesus in Berührung gekommen sind und plötzlich Jesus als den Sohn Gottes erkannt haben. Und wie die anderen mit sich gezogen haben, und die anderen erkennen ihn auch plötzlich.
Und dann geht das weiter. Sogar im natürlichen Bereich wird die Herrlichkeit Jesu erlebt und erfahren.
Warum die Bibel mitten ins Leben spricht
Zu mir sagte einmal ein Predigthörer nach einer Predigt, meine Predigten seien die, die gefielen ihm, weil sie nicht so aus der Bibel wären. Sondern sie wären mehr aus dem Leben. Da habe ich lachen müssen und denken müssen: Ja, lieber Mann, die Bibel ist doch ein Buch, das nur das Leben behandelt. Nirgendwo sonst wird doch so konkret und deutlich vom Leben gesprochen.
Wer spricht denn so von unserer Angst? Niemand, wie die Bibel. Wer versteht uns denn so mit unserer Todeslast, in der wir leben? Wer versteht uns denn so mit dem Bösen, das uns regiert? Die Bibel kann trösten. Sie kann erzählen, wie Jesus hineinkommt in die Welt der Angst, in die Welt der Traurigkeit, und wie das weitergeht, epidemieartig, wie er Menschen fröhlich macht.
Aber nicht nur das: nicht nur Menschen auf der Schattenseite werden berührt. Ich bin so froh, dass am Anfang des Johannesevangeliums steht, dass Jesus auch für Leute da ist, die fröhlich sind, die Feste feiern, die nicht todkrank sind, die nicht in Sünde und Schande leben, äußerlich deren Leben nicht zerbrochen ist, die auf der Sonnenseite leben und denen alles gut geht, denen es gelingt, die fröhliche Festchen machen.
Und das ist doch bei uns etwas Schönes, wenn wir Feste feiern. Meine Kinder freuen sich heute schon auf Weihnachten, weil Feste das Leben einmal verschönern. Und wenn Ferien kommen, das ist einfach ein Jubel. Und ich weiß, dass nicht wenige ältere Ehepaare die Tage und die Jahre rechnen und sagen: Noch vier Jahre, dann haben wir goldene Hochzeit. Das sind Einschnitte der Freude in unserem Leben.
Und Johannes erzählt: Bei ihm ist kein Ding unmöglich. Er macht die schönen Stunden des Lebens erst richtig schön. Für den Jammer da, aber auch für die fröhlichen Stunden unseres Lebens, weil er sie erst richtig groß macht.
Zwei alte Geschichten als Spiegel für Gottes Macht
Ich weiß nicht, wie oft das in der Bibel überhaupt erzählt wird, dass bei ihm kein Ding unmöglich ist. Wir erinnern uns nur an zwei wichtige Einschnitte, die uns allen vor Augen stehen.
Das erste war, als die Israeliten mit ihren Kindern aus Ägypten auszogen. Sie hatten ihre Kinder an der Hand und nichts zu essen. Es war eine überstürzte Flucht gewesen. Plötzlich sehen sie hinter sich die Staubwolke, als die Mordheere des Pharao heranrücken. Dann schreien sie um ihr Leben, denn vor ihnen ist Wasser, und sie können nicht hindurch. Das ist für die Israeliten immer ein Bild gewesen, wie man in diesem Leben in Angstsituationen stehen kann: „Ich weiß nicht mehr, wohin ich soll, es gibt keinen Weg mehr für mich.“ Und dann sagt Mose: Der Herr wird für euch streiten, und ihr werdet still sein. Bei ihm ist kein Ding unmöglich. Und er schlägt mit seinem Stab ins Wasser, und sie gehen trockenen Fußes durchs Meer. Bei ihm ist kein Ding unmöglich, das wissen wir.
Oder eine andere Geschichte eines glaubenden Mannes, der ganz Gott vertraute. Im Alter, er war schon sehr, sehr alt, und seine Frau mit ihm, da hält er an Gottes Wort fest. Aber er bekommt das nicht mit seinem Leben in Einklang, denn da stimmt irgendwie nicht, was Gott ihm versprochen hat. Dann kommen Boten bei ihm vor und sagen, Gottes Wort wird sich trotzdem erfüllen. Und dann muss die Frau kichern. Wer es glaubt, wird selig. Wenn das wirklich wahr sein sollte, dass Gott doch noch meine Nachkommenschaft hervorbringen würde, ach, die Sarah hat gedacht, die Frau des Abraham kommt ja auch nie so darauf an, damit hat sie sich abgefunden gehabt. Und dann sagen die Boten Gottes zu ihr: Sollte dem Herrn etwas unmöglich sein? Was er sich vorgenommen hat und was er haben will, das muss doch endlich zu seinem Zweck und Ziel kommen. Bei ihm ist kein Ding unmöglich.
Das verstehen wir: Gott erfüllt sein Wort. Aber heute lernen wir noch das Neue dazu: Das gilt auch in fröhlichen Stunden, auf Festen, in den Höhepunkten meines Lebens. Bei ihm ist kein Ding unmöglich.
Drei Wege, Jesus Raum zu geben
Ich möchte Ihnen dazu drei Ratschläge geben.
Erstens: Man muss Jesus einladen.
Ich habe meine Fantasie wieder etwas spielen lassen, wie das in Kana war, und mich gefragt, ob es nicht im Familienrat große Diskussionen gab, ob man Jesus zur Hochzeit einladen sollte. Na ja, da wird doch sicher auch einer gesagt haben: Ob Jesus aufs Fest gerade so passt? Der hat doch schon als Zwölfjähriger stundenlang mit den Schriftgelehrten im Tempel diskutiert. Aber ob das so der feste Gast ist? Sind wir doch ehrlich: Viele von uns meinen, das passt nicht auf ein Fest.
Wie viele christliche Familienfeiern werden gefeiert, ohne dass Jesus überhaupt Raum dabei hat, weil man meint, das passe nicht hinein in die Freude. Da könne man nicht beten, da könne man keinen Choral dazwischen singen, das gehe nicht an, das passe nicht hinein.
Wir wissen ja, wie Gäste Feste prägen können. Also ich möchte jetzt nicht aus dem Nähkästchen plaudern, aber in jeder Familie gibt es gewisse Figuren, bei denen man Angst hat: Wenn der aufs Fest kommt, redet der bloß immer vom Geld und prägt das Fest so arg. Oder da kommt so eine komische Tante, und die erzählt bloß immer von dem Zank und von den Prozessen, die sie hat, und so weiter. Es gibt ja das, dass Gäste ein Fest prägen können.
Gerade deshalb: Wie soll denn Ihre Festzeit aussehen, wenn Sie Jesus keinen Raum geben? Wenn wir Urlaub machen, ist es erstaunlich, dass wir oft in den Urlaubszeiten am wenigsten im Wort Gottes lesen, wo wir am meisten Zeit haben. Und dass wir in diesen Zeiten der großen Eindrücke, wo wir viel sehen, Schönes sehen, ausatmen, Jesus kaum einladen, dass er uns in diesen Tagen prägt.
Für Israel waren die Hochzeiten ein Stück vorweggenommener Himmel, nicht wegen der Ehe, sondern einfach wegen des Festes. Die Israeliten haben überhaupt ihre Feste so gefeiert. Deshalb hat auch eine Hochzeit wie ein normales kirchliches Fest sieben Tage gedauert. Das muss man schon benutzen: Wenn es ein Fest gibt, dann ausgiebig.
Dann wurde die Tenne leergeräumt, und dann hat man dort in der Scheune die Tische aufgestellt. Und dort hat man sich gefeiert, gefreut, gelacht. Jetzt verstehen Sie auch, warum es so große Nahrungsmittelprobleme geben konnte: Sieben Tage, und eine große Festgesellschaft. Da war es also nicht so ganz leicht, dass man alle richtig verköstigen konnte und dass man alles bei Zeiten besorgen konnte.
Und die Israeliten verstanden auch, ein Fest vor Gott zu feiern. Dass Jesus eingeladen wird, das war für die Verwandtschaft klar, weil das zusammengehört. Vor Gott ist Freude die Fülle, und gerade die Feste gehören geordnet mit Jesus, mit ihm, weil er erst die Freude vollkommen macht.
Unsere Feste sind ja ein Stück Flucht vor dem ewigen Kringel von Arbeit, Missmut und Sorgen, die man hat. Lasst mal hinten liegen, lasst den Alltag hinter euch, feiert Feste! Und dann passiert das, dass dieses Fest verunglückt.
Wenn das Alltägliche plötzlich zur Glaubensfrage wird
Das ist eine Kleinigkeit. Ich habe Ihnen schon einmal früher bei der Gelegenheit gesagt: Es leuchtet einem ja nicht ganz ein, ob man unbedingt zum Fest Wein braucht. Sie können den Text missverstehen und meinen, das wäre eine Rechtfertigung. Aber wir haben heute auch Sorgen vom Verkehr her und so weiter. Ich könnte ein Fest auch schön feiern ohne Alkohol.
Aber es ist merkwürdig, dass Jesus die Panne des Festes sieht, um die es ihm geht. Und die Panne: Sie hätten doch Sprudel trinken können, oder wenn schon Landwirtschaft gefördert werden soll, dann Milch oder so etwas. Es gibt doch Ausweichprodukte. Aber gerade Wein, nein. Jesus sieht die Pannen unseres Lebens.
Und wir meinen, wir dürften Jesus bei solchen Kleinigkeiten nicht bemühen. Deshalb steht das am Anfang der Bibel. Es gibt Menschen, die denken: Auch bei der Krankheit, das brauche ich noch nicht zu Jesus tragen. Wenn es ernster wird, dann kann ich noch zu Jesus kommen. Jesus ist so: Ab einem bestimmten Niveau von Krankheit oder von schwerem Leid ist dann Jesus zuständig. Vorher probiere ich es, mit eigener Kraft noch zu meistern.
Nein, das ist eine Ermutigung. Nimm doch auch die kleinen Dinge vor Jesus, trag sie doch zu ihm hin, lade ihn in dein Leben ein, weil er unser ganzes Leben prägen will. Weil er die kleinen Dinge nehmen will, vom Anfang des Tages an.
Halten Sie zu Hause auch so eine Morgenandacht, die wir so schätzen, mit unseren Kindern? Dass wir ein Lied singen, dass wir miteinander die Bibel lesen und miteinander beten? Und wenn dann der ganze Tag eingeschlossen ist, und die Nacht und das Schlafen in ihm, dann sind unsere Tischgebete doch keine albernen Sitten, sondern dass wir eine solche, nett von der Hausfrau gerichtete Mahlzeit mit hineinnehmen, ihn, den Jesus, den Herrn, den wir brauchen.
Alltag, Gebet und Gehorsam
Wie ich in Uganda zu dieser Konferenz hinausfuhr, die 450 Kilometer entfernt lag, nahm mich ein junger englischer Farmer mit, ein Entwicklungshelfer mit seinem Wagen. Er hatte den schönen englischen Namen Richard Hess, war aber ein Engländer. Und dann dachte ich: Warum fährt er denn nicht los? Der Motor lief ruhig, und dann sah ich, dass er das Steuerrad in der Hand hielt und sagte: Jesus, du musst die Konferenz segnen. Die drei, vier Tage, die wir dort sind, da muss etwas für dich dabei herauskommen. Bewahr uns auf der Fahrt. Amen.
Das hat mich tief beeindruckt. Ich tue das nicht. Ich kam heim zu meiner Frau und sagte: Ich möchte das in Zukunft tun, wenn man eine Autofahrt mit Jesus macht.
Und dann noch ein anderes Bild, das mir erschreckend in Erinnerung geblieben ist: Ich war Student der Theologie im ersten Semester, und wir waren freundlicherweise von einem jugendlichen Professor eingeladen worden. Es war in Norddeutschland. Es war ein fröhlicher Abend, und man erzählte Späße. In der Reihe dieser Späße erzählte die Ehefrau dieses Professors brüllend und lachend, wie etwas Lustiges ihr passiert sei. Sie wäre, als sie neu zugezogen gewesen wäre, von einem Pfarrer besucht worden. Nicht, dass das lustig war, das ist auch schon selten genug. Aber dieser Pfarrer sagte zum Schluss, als er ging: Darf ich noch mit Ihnen beten? Und so etwas Deplatziertes, so etwas Peinliches hätte sie noch nie empfunden. Es wäre so widerlich gewesen. Man hätte gerade noch ganz normal miteinander geredet, und dann hätte er beten wollen. Also hätte ich gesagt: Nein, nicht.
Passt Jesus eigentlich nicht in unsere Wohnzimmer? Vielleicht liegen unsere Feste auch so schräg, dass für Jesus kein Raum dabei ist. Vielleicht passt er wirklich nicht hinein, weil wir etwas vor ihm verbergen. Nein, man muss Jesus einladen, wenn man seine Herrlichkeit erleben will.
Auf Jesus sehen und auf seine Zeit warten
Und das Zweite, was ich ihm als Ratschlag geben will: Man muss auf ihn sehen.
Die Mutter Jesu sieht sofort die Panne kommen. Sie ist eine kluge Frau, und sie sagt zu Jesus: Pass auf, sie haben keinen Wein, du musst jetzt eingreifen und helfen. Und Jesus weist sie hart zurück. Man kann daran schieben und deuteln, und es ändert sich nichts daran, dass Jesus seine Mutter hart angefahren hat. Es bleibt trotzdem bestehen, dass Vater und Mutter geehrt werden. Jesus löst die Gebote der Bibel nicht auf. Wir dürfen das nicht als Entschuldigung für unser rüpelhaftes Verhalten unseren Eltern gegenüber nehmen.
Denn was Jesus hier sagt, ist auch nicht, dass er der Mutter die Ehre verweigert. Was verweigert er ihr? Vielleicht ist Jesus gerade deshalb so hart, weil er gern der Mutter etwas zu lieb getan hätte, und gerade an dieser Stelle kann er ihr nicht zu lieb tun. Er sagt: Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Gott hat andere Pläne, andere Rangordnungen, und die stehen oft in einem Widerspruch zu unseren Gedanken. Gott denkt anders, und Gott plant anders. Und Jesus ist wichtig, er kann alles, bei ihm ist kein Ding unmöglich, aber er hat andere Rangordnungen, er hat andere Zeiten: Meine Stunde ist noch nicht gekommen.
Ich weiß, wie viele Leute an dieser Stelle an ihrem Glauben zerbrochen sind. Sie haben gerufen und geschrien und haben nicht begriffen, dass Jesus sagen kann: Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Sie kommt, aber sie ist noch nicht da. Maria muss doch sagen: Das ist doch unsinnig, Jesus, der Wein ist aus, objektiv prüf es nach, es ist nichts mehr da, jetzt ist doch die Stunde da. Und er sagt: Sie ist immer noch nicht da. Weil Gottes Uhr etwas anders läuft. Und das ist kein Hinausreden, als ob sich die Allmacht Gottes nicht trauen würde. Zweifeln Sie denn an der Größe Jesu? Nein, er hat andere Ordnungen, andere Wertungen, andere Pläne. Und das war Jesus wichtig: im Gehorsam drin zu bleiben. Ich kann doch nur wirken, wenn Gott Ja dazu sagt.
Darf ich die Eltern bitten, die nachher ihre Kinder aus der Kinderkirche holen, mit ihren Kindern heute beim Spaziergang noch einmal darüber zu sprechen. Die haben die Bileam-Geschichte. Und wenn das die Helfer jetzt gleichzeitig drüben versuchen, den Kindern zu erzählen, wie der Bileam stolz sagt, der Balak kann mich holen, damit er Israel verflucht, und wenn er mir das ganze Haus voll lädt mit Kultstücken. Ich höre nicht auf diese Stimme, ich muss tun, was mir Gott gebietet. Und dass selbst so ein wackerer Glaubensmann umkippen kann und doch mitgeht, ohne Gold, ohne Geld, so dass schließlich der Engel Gottes mit dem Schwert dem Esel in den Weg treten muss, damit er nicht mehr weitergehen kann, weil der Bileam immer noch nicht erkennt, dass Gott Nein sagt: Du kannst bloß tun, wozu ich dich segne. Und wenn meine Stunde nicht da ist, dann darfst du nicht gehen, und dann brauchst du nicht laufen.
Wir haben ja immer wieder die Meinung, wir könnten mit Gott feilschen. Und so hat es der Bileam gemacht. Sie müssen das dann nachlesen, wie er probiert hat. Er hat Nein gesagt, aber er hat gesagt: Vielleicht revidiert doch Gott noch einmal seine Meinung. Und er hat ihn Gott laufen lassen in seinem Unglück. Gott hat seine Zeiten und seine Stunden, wo er in unserem Leben helfen will. Und wenn unser Glaube zerbricht, dann ist das nur ein Zeichen, dass wir immer auf die Wunder starren. Er gibt uns Wunder, er gibt uns Erfahrungen im Glauben. Das können Sie einander jetzt erzählen, was Sie erfahren haben. Aber unser Glaube lebt nicht von den Erfahrungen, sondern unser Glaube lebt davon, weil er auf Jesus sieht. Und wer auf Jesus sieht, der kann auch warten, bis die Wunder eintreffen.
In der Bibel gibt es dafür ein Wort, und ich habe Sie vorher bei der Schriftlesung daran erinnert, dass bei uns außer Mode gekommen ist: das Wort „harren“. Ich harre auf den Herrn. Das ist wie ein Jäger wartet, bis er seine Beute vor das Gewehr bekommt, so wartet der Glaubende, bis er Jesus hat und auf Jesus sehen kann. Und da können die Wunder und die Erhörungen und die Wünsche, die wir haben, noch eine Zeit auf sich warten: Meine Stunde ist noch nicht gekommen.
Wie schwer dieses Harren ist, das erzählt Ihnen auch wieder die Bibel. Das verstehen andere gar nicht, was wir da an Prüfungen durchmachen müssen. In Psalm 69, 4 heißt es: Ich habe mich müde geschrien, mein Hals ist heiser, das Gesicht zerfällt mir, dass ich so lange muss harren auf meinen Gott. Das haben doch schon andere durchprobiert mit Ihnen. Sie sind doch nicht der Erste, der hart auf den Herrn harrt.
Und dann heißt es in einem anderen Psalm, in Psalm 25, fröhlich: Keiner wird zuschanden, der deiner harrt. Daraus wurde dann das schöne Lied gedichtet: Keiner wird zuschanden.
Und ich denke jetzt an das große Trostwort des Jesaja, der sich mit diesen Zweifelnden auseinandersetzt, die sagen: Ach ja, wahrscheinlich hat uns eben Gott doch vergessen, und sicher hat er uns abgeschrieben. Wo er anfängt: Weißt du nicht, hast du nicht gehört? Der Herr, der ewige Gott, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Die Knaben werden müde und matt, und die starken Männer fallen. Jetzt kommt’s aber: Die auf den Herrn harren, die nicht die Wunder erleben, die auf den Herrn harren, die auf Jesus schauen, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler. Sie laufen und werden nicht matt, sie wandeln und werden nicht müde.
Wenn die Stunden sich gefunden, bricht die Hilf mit Macht herein, um dein Krämen zu beschämen. Wird er unversehens sein, um dich zu beschämen?
Von der stillen Ordnung des Gehorsams zur sichtbaren Herrlichkeit
Noch das Dritte, was ich Ihnen als Ratschlag geben will: Man muss sich von Jesus bestimmen lassen.
Maria kann warten. Sie harrt auf ihn. „Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ Sie geht zu den Dienern und sagt: „Was er euch sagt, das tut.“
Und das ist jetzt wichtig. Sie weiß, er wird etwas tun. Bleibt jetzt bloß in seinen Führungen drin. Lasst euch von ihm bestimmen, nur gehorsam sein.
Jesus hat eine merkwürdige Art, auch in unserem Leben. Wie dort schon in Kana ist das gleich geblieben: Er liebt kein großes Spektakel. Wenn wir Jesus wären, wir hätten Wunder gemacht, dass die Reporter zusammengelaufen wären. Das hat Jesus nie gewollt. Er hat seine Wunder sogar absichtlich verdeckt in Alltäglichkeiten.
Maria sitzt schon lange wieder auf ihrem Platz, vielleicht zergrübelt sie sich in ihren Sorgen. Und da geht er hin und sagt dem Diener einen Befehl. Und was jetzt geschieht, ist in die Alltäglichkeit hineingepackt. Das sieht aus, wie wenn das ein normaler Geschäftsvorgang wäre. Und man kann gar nicht mehr kontrollieren: Wo ist denn eigentlich das Wunder passiert? Sie haben ihre Krüge gefüllt und zum Speisemeister getragen. Wo war es denn genau?
Das eigentliche Wunder wird vor den Augen weggenommen. Und wenn Sie ihre Wunder und die Durchhilfen Jesu einmal prüfen, dann merken Sie, wie das hineingepackt ist. Natürlich gingen sie zum Arzt, natürlich bedienten sie die Heilkunst dieser Welt, und trotzdem wissen sie, dass ein Wunder geschehen ist, wo Jesus an ihnen gehandelt hat.
Jesus liebt es, dass er seine Wunder hineinpackt in die alltäglichen Verrichtungen. Und er will von uns, dass wir uns von ihm bestimmen lassen. Wir schreien und wollen seine Wunder haben, und er sagt: Ja, bitte, aber jetzt geh mal hin, geh deinem Leben weiter nach.
Mir ist das auch interessant mit diesen Befehlen, die Jesus gibt. Ich habe so eine ähnliche Entdeckung gemacht: Nur die große Wunde erleben die auch Jesus gehorsam sind. Es gibt viele Leute, die sagen: Ich erlebe in meinem Leben gar nichts. Ja, sie müssen mal anfangen, Hausbesuche zu machen. Sie müssen mal anfangen, die Not ihrer Mitmenschen nur im Nachbarhaus mitzutragen, die Last der Kranken, die Last der Verzweiflung, die Last der Depressiven, und Tag um Tag mitzubangen, mitzubeten, mitzuwarten auf die Stunde Gottes.
Und dann würden sie Wunder über Wunder erleben. Die Menschen, die in der Diakonie stehen, die draußen stehen in der Not und die keine Mittel in der Hand haben und die immer aus dem letzten Loch pfeifen, die erleben es doch: Wie da, wo sie anfangen, Jesus gehorsam zu sein und sich senden zu lassen, wie sie dann auf einmal auch erleben, dass mittendrin Wunder über Wunder geschehen.
„Was er euch sagt, das tut.“ Es liegt über unserem normalen Leben ein wunderbares Geheimnis, wenn wir es als Gehorsam gegen Jesus tun. Und dann liegt diese große Freude drin. Wir machen Erfahrungen.
Das Zeichen von Kana und der Blick auf das Ende des Evangeliums
Ich weiß nicht, wie der Abend des Festes war; es wird hier nicht mehr erzählt. Es war ein kleines Familienfest. Die Base Hanna brachte das Cello mit, und die Enkelkinder haben geflötet. Es war lustig, und ein Kind hat ein Gedicht aufgesagt und blieb nach der dritten Strophe stecken.
Es war ein kleines, nettes, rührendes Familienfest in Kana. Aber über diesem Fest lag ein Schein der neuen Welt Jesu. Und wenn über ihren schüchternen Familienfestchen, über den Freuden ihres Lebens, das liegt, dass es Freude ist, die noch in der Ewigkeit bestehen kann, dann ist das groß.
Johannes hat nicht nur diese kleinen Wunder erzählt, vom Essen und vom Trinken. Er schließt sein Evangelium damit, dass Jesus für meine Schuld stirbt und dass er das Grab aufbricht. Und dass zum Schluss einer, der Zweifel hat, die Hände in die Wunden Jesu hineinlegt und zu Jesus sagt: Mein Herr und mein Gott.
Es ist ein großes Erkennen: Bei ihm ist kein Ding unmöglich. Nimm ihn in dein Leben hinein! Amen!
Gebet und Fürbitte
Wir wollen beten.
Herr Jesus Christus, du willst unser ganzes Leben ausfüllen. Du bist gekommen, damit wir das Leben in Fülle haben. Du hast uns auch ermutigt, dass wir die kleinen Dinge und die Sorgen auf dich werfen sollen, denn du sorgst für uns.
Herr, verzeih uns diesen Stolz, dass wir oft Dinge allein lösen wollten und an ihnen dann zerbrochen sind, weil sie über unsere Kraft gingen. Herr Jesus, verzeih uns unsere Einbildung. Wir spielen uns so oft als die Macher auf und erliegen dann daran. Es sind kleine Dinge, die uns so belasten, und du willst uns große Freude schenken in allen Dingen.
Und so legen wir jetzt alles, was wir sind und haben, in deine Hand. Komm du und kehre unser Leben ein. Nimm du unsere Berufsaufgaben, unsere Familienprobleme, die Nöte, die wir mit Menschen um uns her haben, wo wir mit unseren eigenen Kräften nicht weiterkommen, und die Sorgen um unseren Leib. Wir befehlen dir alles an. Sorge du für uns. Deine Stunde kommt, in der du uns beschämen wirst.
Und wir wollen uns jetzt von deinen Befehlen bestimmen lassen. Wir danken dir, dass du uns Aufgaben gibst in dieser Welt, dass du für uns Pläne hast. Wir danken dir, dass du unseren Tag mit deinen Gedanken füllen willst und dass du selbst unsere normalen alltäglichen Verrichtungen gebrauchen willst, um darin deine Herrlichkeit zu offenbaren.
Herr, lass etwas über unserem Leben davon sichtbar werden, dass ein Glanz ausgeht auf andere Menschen, dass andere Menschen Hoffnung vor dir gewinnen und dich erkennen und in dir das Leben finden. Du sendest uns zu Kranken und zu Verzweifelten und zu Müden und zu Menschen, die keinen Sinn im Leben haben. Gib doch, dass wir von dir sagen können. Segne dazu unser Zeugnis.
Und wir bitten dich für allen Dienst, der in deinem Namen weltweit geschieht. Wir bitten dich ganz besonders auch für den Dienst der Liebe, der da draußen in Besa geschieht und wo auch immer in der Welt. Gib deinem Wort Nachdruck und den Taten, die in deiner Liebe getan werden, damit Menschen dich erkennen und in dir das Leben haben.
Lass uns gemeinsam beten:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
