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Predigt: Einleitung

13.01.2010
Serie•Teil 1 / 10Wie ist Gott?
Warum es gut und wichtig ist, Gott zu Kennen und sich mit seinem Wesen zu beschäftigen

Ein universales Gottesbewusstsein in der Menschheitsgeschichte

Warum es gut und wichtig ist, Gott zu kennen und sich mit seinem Wesen zu beschäftigen. Das ist das lange Thema, der lange Titel für heute Abend. Warum es gut und wichtig ist, Gott zu kennen und sich mit seinem Wesen zu beschäftigen. Der erste von zehn Vorträgen zum Thema Gott.
Das Erste, was ich sagen möchte, ist, dass es in dieser Welt ein ganz universales Denken über Gott gibt. Also: Wir leben in einer Welt, die davon geprägt ist, dass Menschen ein Konzept von etwas Göttlichem haben. Das merkt man vielleicht in Berlin-Brandenburg nicht so sehr. Aber wenn man einfach mal den Tellerrand ein klein wenig hinter sich lässt, also ein bisschen weiter schaut, und sich vor Augen hält, wie Leute ihre Götter nennen, mit welchen unterschiedlichen Namen Gott bezeichnet wird, dann wird das deutlich.
Ich habe einfach mal ein paar mitgebracht, nur Sachen, die ihr wahrscheinlich auch schon irgendwann gehört habt: Brahman, Shiva, Vishnu, Zeus, Thor, Ra, Isis, Allah, Nus, Odin, Krishna, Marduk, dann einen, den ich nicht aussprechen kann, Tezkatlipoka, Horus, Chanti, Getleichter, Hermes, Apis, Ishta, Herkules, Venus, Rhea, Tenga, Tanit, Unkulunkulu, Freya, Jupiter, Ea, Dagon, Mitra, Dionysos, Apollo, Asklepios, Juno, Mars, Kali, Minerva, Nebo, Baal, Diana, Granos, Hera, Cybele, Athene, Aphrodite, Tammuz usw.
Ich könnte an dieser Stelle wahrscheinlich Hunderte, wenn nicht Tausende von Namen nennen, die Menschen Göttern gegeben haben. Und deswegen meine ich: Das Konzept von Gott ist tatsächlich universal. Du kannst nirgendwo auf dieser Erde Urlaub machen, ohne dass die Leute, die dort wohnen, wenn du sie fragst, ob sie ein Konzept von Gott haben, sagen würden: Na klar, logisch haben wir eine Idee von Gott.
Und auch die Tatsache, dass es Atheisten gibt, ich weiß nicht, ob ihr euch das schon einmal vor Augen geführt habt, zeigt das auf ihre Weise. Weltweit ist das eine verschwindend geringe Minderheit. Ich weiß, das hören die nicht so gerne. Aber wenn man sich einmal die Bibel und vor allem die Weltreligionenausstellung anschaut, da ist am Anfang so eine Schautafel, auf der gezeigt wird, welche Religion wie viel von der Welt ausmacht. Und da gibt es dann so einen kleinen Bubble für die Atheisten.
Auch der Atheismus funktioniert ja nur, weil man davon ausgeht, dass es ein Konzept von Gott gibt, mit dem man gerade nichts zu tun haben will. Überall glauben Menschen irgendwie an Gott. Es ist ein wesentlicher Bestandteil des Menschseins. Es ist so etwas, ich möchte es mal nennen: ein angeborenes Interesse an etwas Höherem, an etwas Ewigem, an etwas Göttlichem.

Staunen lernen und die Welt mit neuen Augen sehen

Und ich glaube, das ist der Grund, warum Solarzeltlager funktionieren. Denn für Kinder ist es ganz einfach, an Gott zu glauben. Erst wenn wir beim Anblick eines Sonnenuntergangs nicht mehr an Gott denken, sondern uns vielleicht über die physikalische Entstehung der roten Farbe Gedanken machen, also wenn wir erwachsen werden, dann fällt es uns schwer, an Gott zu glauben.
Für Kinder ist es ganz einfach. Und wenn der Herr Jesus sagt, wir sollen werden wie die Kinder – wohlgemerkt kindlich, nicht kindisch, das ist ein Unterschied –, dann geht es auch ein Stück weit darum, dass wir wieder ein Herz haben, das Gott sucht; Ohren haben, die auf Gott hören wollen; und Augen, die ihn sehen. Augen, die neu über ihn staunen wollen, die tatsächlich durch diese Welt gehen und in dem, was sie da finden, Gottes Kreativität entdecken.
Ich mache das gerade. Ich habe ein Buch gelesen von jemandem, der zum Glauben gefunden hat, und auf seiner spirituellen Entdeckungsreise war wiederum ein anderes Buch von besonderer Bedeutung. Nachdem ich das eine Buch gelesen hatte, habe ich mir dann dieses andere Buch gekauft. Es ist ein Buch von jemandem, der beschreibt, wie diese Welt einfach super schön, super kreativ und exakt komponiert ist, wie eine Sinfonie. Und man kann das Buch nicht lesen, ohne neu begeistert zu sein von der Welt, in der wir leben.
Und ich merkte das: Ich habe das angefangen zu lesen, und der schreibt da seitenweise, wie grandios und wie komplex die Welt zusammengesetzt ist, wie ein Ding ins andere greift, wie alles auf so super wunderbare Weise bis ins kleinste Detail ein Ganzes ergibt. Und dann habe ich mich doch tatsächlich dabei ertappt. Da bin ich dann in Spandau durch so ein Einkaufszentrum gefahren, in einer Gegend, die nicht ganz so schick ist, und demzufolge ist auch dieses Einkaufszentrum nicht ganz so schick. Dann kommt dir da so eine Gruppe schwarz gekleideter Jugendlicher entgegen, „Ey Mann, ey Alter“, und du siehst die dann so.
Wenn du in diesen Gedanken bist, wenn du anfängst, die Welt mit Gottes Augen zu sehen, dann siehst du diese Jugendlichen und du siehst das Potenzial, das in ihnen steckt. Du siehst dieses Unglaubliche, dieses schon fast Majestätische, was vom Menschsein ausgeht. Davon, dass hier Personen sind, die sich selbst wahrnehmen, die ihre Umgebung wahrnehmen und verändern können, die ein schöpferisches Potenzial haben, in denen Intelligenz steckt, die etwas mal mit dem Alten Testament bebauen und bewahren können.
Oder ich schaue mir so einen Menschen an und merke: Gott, Gott ist groß. Ich kann nicht anders, als durch diese Welt zu gehen mit offenen Augen und zu sagen: Dahinter steckt einer, der sich das ausgedacht hat. Dahinter steckt einer, der mit seiner Größe und Majestät uns begabt hat und diese Welt gemacht hat.
Und diese staunenden, offenen Augen, mit denen wir das Wunder Gottes in jedem Menschen sehen, gehen weiter. Du siehst eine Blume, und das Staunen geht weiter. Ja, und du schaust dir vielleicht ein Auto an und denkst dir, was da an Know-how dahintersteckt, ist doch Wahnsinn. Das ist doch meilenweit entfernt von dem, was so eine grunzende Orang-Utan-Truppe im Urwald macht. Wir bauen Autos, und du schaust dir das an und merkst: Wie groß ist Gott!
Es ist dieser Widerhall des Ewigen, der in uns steckt und der uns, wenn wir mit geöffneten Augen durch die Welt gehen, immer wieder innehalten und staunen lässt. Und jemand hat zu Recht einmal gesagt: Wenn es Gott nicht gäbe, dann wäre der Mensch das einzige Wesen, das es wert wäre, angebetet zu werden. Es ist unglaublich, wie schön diese Welt ist.
Und deswegen ist es so klar, dass der Mensch, wenn er mit offenen Augen durch die Welt geht, sich die Frage stellt, wo das herkommt, und ganz zwanglos dahinkommt zu sagen: Es muss da oben, da draußen, irgendeinen geben, der sich das ausgedacht hat.

Warum Gottes Unbegreiflichkeit ein Grund zur Freude ist

Warum muss ich mich mit Gott beschäftigen? Das ist eine gute Frage, denn wir wissen von Anfang an ja, dass wir das Ziel nicht erreichen werden.
Schön, also ich mache Vorträge, und ich verspreche euch: Am Ende habt ihr wahrscheinlich mehr Fragen als jetzt. Wenn ich die Vorträge gar nicht machen würde, würde ich euch Fragen ersparen.
Wir können diesen unbegrenzten Gott, mit dem wir es zu tun haben, nicht fassen. Wir merken das auch, wenn wir die Bibel lesen. Da kommt er mit so einem Anspruch. Du liest die Bergpredigt, und Leute sagen dir: Ach, die Bergpredigt, alle sollten sich nach der Bergpredigt richten. Und ich denke mir: Ja, ja, lies sie mal durch. Ihr aber sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist. Ich denke mir: Super Anspruch.
Und dann lese ich an anderer Stelle: Gott ist Liebe, und ich soll lieben. Boah. Und dann lese ich wieder von Attributen: Gott ist allgegenwärtig, Gott ist allwissend, Gott ist allmächtig. Und ich merke, wie fremd mir das ist.
Auf der einen Seite bin ich froh, wenn ich mir das so anschaue. Ich bin froh, dass ich ein Gottesbild habe, das mich überfordert. Ihr wisst warum? Wenn wir einen Gott hätten, den wir ohne Probleme denken könnten, wäre das etwas anderes.
Zeus ist immer mein Lieblingsbeispiel an der Stelle. Zeus kann man gut denken. Das ist ein alter, lüsterner Lustmolch mit ein bisschen mehr Power als der Rest der Welt. Es ist einfach so: Er will eine, und er kriegt sie. Muss ich Schwan werden, werde ich Schwan. Muss ich Stier werden, werde ich Stier, bevor ich sie kriege. Das ist alles. Zeus ist so simpel, einfach zu denken.
Versuch das Gleiche mal mit dem Gott der Bibel, und du brichst dir einfach die Ohren. Du kommst nicht ran. Dieser Gott ist nicht greifbar, er ist nicht fassbar für unser Verstehen. Und ich bin froh. Ich bin froh, weil ich merke: Ich habe es tatsächlich mit einem Gott zu tun. Aber es ist ein Gott, den ich nie völlig verstehen werde.

Erkenntnis als Grundlage geistlichen Lebens

Warum also? Warum soll ich mich denn überhaupt mit ihm beschäftigen?
Die Antwort lautet: Weil Gott die Basis aller Frömmigkeit ist.
Ich mag das Wort Frömmigkeit. Es ist so aus der Mode, so herrlich aus der Mode gekommen: Frömmigkeit. Oder, wer Elberfelder liest: Gottseligkeit. Ja, und wer Griechisch mag: Eusebeia. Es ist das, was ich tue, weil ich Gott kenne, und was sonst in meinem Leben überhaupt nicht da wäre. Es ist diese Mischung aus Bibellesen und Beten, es ist die Mischung aus in den Gottesdienst gehen und mich um Leute kümmern, es ist Frömmigkeit.
Und Frömmigkeit als die praktische Seite meines Lebens, das, was ich tue, weil ich Gott kenne, braucht eine Basis. Und diese Basis ist tatsächlich Gott.
Lasst uns gemeinsam mal Johannes-Evangelium, Kapitel 17, Vers 3 lesen. Da heißt es: Dies aber ist das ewige Leben. Und wir hatten das schon beim NT-Kurs: Ewiges Leben ist nicht nur ein ewig langes Leben, sondern ewiges Leben ist ein Begriff für Lebensqualität. Es ist göttliches Leben. Es ist das Leben, das hier anfängt und in der Ewigkeit zu Ende gelebt wird, allerdings ohne Ende zu Ende gelebt wird. Und dieses Leben mit göttlicher Qualität: Dies aber ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.
Ich werde euch am Ende bitten, diesen Vers auswendig zu lernen, weil ich glaube, er ist von ganz zentraler Bedeutung. Wir müssen das verstehen: Ewiges Leben ist untrennbar damit verbunden, dass wir Gott kennen. Geistliche Lebensqualität hängt davon ab, dass ich verstehe, wer Gott ist, und dass ich nach dem, was ich da verstanden habe, mein Leben einrichte.
Deswegen kann Paulus im Kolosserbrief, Kolosser 1,9-10, ein ganz interessantes Gebet sprechen. Da sagt er: Deshalb hören auch wir nicht auf, von dem Tag an, da wir es gehört haben, für euch zu beten und zu bitten. Und das ist ein ganz toller Abschnitt, wenn man sich die Frage stellt: Wofür kann ich beten, wenn ich eine Last für Geschwister habe? Und er sagt hier unten, er bittet und betet darum, dass sie lernen, des Herrn würdig zu wandeln. Und dann erklärt er, was das heißt: ein würdiger Lebenswandel, wie sieht ein Lebenswandel aus, der Gott gefällt. Und der zweite Aspekt ist dieser hier: wachsend durch die Erkenntnis Gottes.
Im Zentrum eines von Wachstum geprägten geistlichen Lebens steht Gottes Erkenntnis. Christsein ist keine Philosophie, wo wir in erster Linie dicke Bücher lesen und versuchen, uns Fakten anzueignen und vielleicht theologische Schlauheiten in uns hineinzustopfen, sondern Christsein hat damit zu tun, dass wir eine Beziehung leben, dass wir eine Person kennenlernen.
Ich habe das schon ein paar Mal gesagt und möchte es auch wiederholen: In diesem Jahr ist eine der Einsichten aus den letzten Jahren, die mir am tiefsten gegangen ist, dass unser Leben, unser ganz normales Leben, das Mittel ist, um Gott zu erkennen. Die Höhen und Tiefen unseres Lebens, unsere Erfolge und unsere Misserfolge, die bestandene Führerscheinprüfung genauso wie der Migräneanfall, das sind Mittel, um Gott zu erkennen. Unser Leben ist dazu da, Gott kennenzulernen. Das ist seine hauptsächliche Bedeutung.
Deswegen heißt es in den Sprüchen, Sprüche 3,6: Auf all deinen Wegen erkenne nur ihn, dann ebnet er selbst deine Pfade. Du bist unterwegs auf deinem Leben, ja, und vielleicht geht es gerade bergauf und du bist total happy. Vielleicht geht es auch gerade bergab. Vielleicht ist es gerade hell, vielleicht ist es gerade dunkel. Das, was da steht, auf all deinen Wegen, egal wie dein Lebensweg gerade läuft, egal ob du sagst: hippie, oder was, ob du dich freust oder traurig bist: Erkenne Gott. Das ist eine Verheißung, das ist eine Möglichkeit. Du kannst Gott erkennen. Auf all deinen Wegen. Und da, wo wir das tun, da heißt es, da ebnet er selbst unsere Pfade, da führt er uns den Weg, der wirklich gut ist für uns.
Deswegen dieser Vers aus Johannes 17,3: dass ewiges Leben darin besteht, Gott und den Herrn Jesus zu erkennen.

Warum Anbetung und Ethik Wissen über Gott brauchen

Warum ist es wichtig, dass wir uns mit Gott beschäftigen? Warum überhaupt so eine Reihe? Der Punkt ist aus meiner Sicht: Anbetung und Ethik funktionieren nur, wenn wir Gott kennen. Eine Anbetung, die wirklich zutiefst befriedigend ist und die uns auch richtig guttut, kann nur aus der tiefen Kenntnis Gottes heraus geschehen.
Das gilt doch für jede Beziehung, oder? Wenn wir einen guten Freund haben, den wir von Herzen gern haben. Ich habe vorhin einen Freund besucht, der gestern wegen einer Routine-Zahn-OP beim Zahnarzt war. Dann macht es plötzlich klack, und auf einmal wird aus der relativ einfachen Sache, einen Weisheitszahn zu entfernen, eine Not-OP im Virchow. Jetzt sind wir wieder zuhause, und ich habe ihn besucht.
Wodurch wächst unsere Beziehung? Doch nicht dadurch, dass ich mir die MRT-Bilder anschaue und sage: Ich weiß jetzt, wo dein Weisheitszahn war, nachdem er oben irgendwie in so ein Loch im Kiefer weiter hinten reingerutscht ist. Das ist doch keine Beziehung. Dadurch, dass ich mir diese Bilder anschaue, schwarz-weiß, und sage: Aha, so siehst du aus, wenn man dich da in Scheibchen schneidet.
Eine Beziehung wächst doch dadurch, dass ich mich auf die Person einlasse, dass ich die Person kennenlernen will, ihren Charakter kennenlernen will. Und das Gleiche ist bei Gott. Gott möchte, dass wir ihn als Person kennenlernen. Das ist die eigentliche Idee.
Und wenn wir ihn anbeten wollen, schlagen wir mal auf Johannes 4,22, um zu sehen, was für Anbeter Gott sucht. Johannes 4,22 und 4,24 bitte. Da spricht der Herr Jesus zu der Frau am Jakobsbrunnen. Und er sagt ihr, sie ist eine Samariterin: Ihr betet an, was ihr nicht kennt. Wir beten an, was wir kennen, denn das Heil ist aus den Juden.
Der Jesus sagt: Ihr Samariter, ihr habt eine verquere Vorstellung von Gott. Ihr betet Gott an, aber ihr wisst eigentlich gar nicht, was ihr da anbetet. Sie haben sich tatsächlich so ein Stückchen ihren Gott selber zusammengestrickt. Sie wollten nicht richtige Juden sein und haben dann andere Dinge in ihr Glaubenskonzept hineingenommen.
Und dann in Vers 24: Gott ist Geist, und die, die ihn anbeten, müssen ihn in Geist und Wahrheit anbeten. Nehmen wir Vers 23 noch dazu: Es kommt aber die Stunde und ist jetzt, da die wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden, denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter.
Gott sucht Anbeter, aber Gott sucht Anbeter, die ihn in Geist und Wahrheit anbeten, die da, wo sie den Mund aufmachen, Dinge sagen, die wahr sind, die nicht Dinge formulieren, die sie sich ausgedacht haben, sondern wo man merkt: Da hat jemand nachgedacht.

Gotteserkenntnis als Voraussetzung für wahre Anbetung und Moral

Kommen wir noch einmal zu meinem Freund zurück. Ich wollte ihm etwas mitbringen, also habe ich mir überlegt: Womit kann ich ihm eine Freude machen? Und ich musste nachdenken. Dann habe ich eine Flasche Rotwein eingepackt, weil ich weiß, dass ich ihm genau an der Stelle mit der Flasche eine riesige Freude mache.
Ich muss nachdenken, wenn ich eine Beziehung zum Menschen oder auch eine Beziehung zu Gott voranbringen will. Und deswegen: Wenn Paulus in Athen spazieren geht und sich überlegt, wie er dort das Evangelium predigen kann, dann kommt er an einen Altar. Dort steht drauf: dem unbekannten Gott. Eigentlich müsste man sagen: Schlaue Leute, diese Athener. Das ist so, als würden sie sagen: Wir haben zwar schon alle Götter, aber für den Fall, dass wir noch einen vergessen haben sollten, bauen wir mal einen Blankogutschein für den unbekannten Gott.
Man könnte sagen: Das ist doch super, die haben doch irgendwie schon mitgedacht. Aber lesen wir das mal in Apostelgeschichte 17. Paulus ist an der Stelle noch nicht so richtig überzeugt. Er sagt da in Apostelgeschichte 17,23:
Denn als ich umherging und eure Heiligtümer betrachtete, fand ich auch einen Altar, an dem die Aufschrift war: einem unbekannten Gott. Was ihr nun ohne es zu kennen verehrt, das verkündige ich euch.
Paulus sieht das und sagt nicht: Super, Hauptsache, ihr betet irgendwie zu irgendetwas, alles ist gut. Sondern er sagt: Nein, das ist defizitär. So könnt ihr nicht bleiben, ihr müsst euch an der Stelle ändern. Ihr braucht über diesen unbekannten Gott, den ihr anbetet und zu dem ihr Gebete sprecht, Hintergrundwissen. Und wisst ihr was, Freunde? Ich bin der, der es hat.
Dann geht es auch schon richtig los. Es kommt so ein kleiner Minivortrag: der Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darin ist. Er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. Noch wird er von Menschenhänden bedient, als wenn er noch etwas nötig hätte, und so weiter und so weiter. Er bringt ihnen wirklich in Kurzform das, was wir auch in den Vorträgen hier haben werden: Wie ist Gott?
Und wir merken daran: Es reicht einfach nicht, irgendwie zu beten. Wir brauchen Wissen über Gott, wenn unsere Anbetung Inhalt und Gehalt haben soll. Einfach nur zu wissen, dass ich nichts über Gott weiß, stellt mich auf die gleiche Stufe wie einen Götzenanbeter. Wenn ich kein Interesse daran habe, Gott zu kennen, wenn mich das nicht beschäftigt, wenn mir Gott eigentlich egal ist, dann bin ich nicht besser als jemand, der Gott gar nicht kennt.
Anbetung braucht Wissen. Wir müssen wissen, wie Gott ist, damit dann, wenn wir den Mund aufmachen und Gott anbeten, Dinge herauskommen, die stimmen. Und Gott kann sagen: Hey, ich finde das echt schön, wie sehr du dich mit mir beschäftigt hast, dass du über mich nachgedacht hast, dass du mir solche Dinge sagst, die alle wahr sind. Das ist wirklich schön.
Der zweite Punkt ist: Damit Anbetung funktioniert, brauchen wir Wissen, damit Ethik oder Moral funktioniert, auch. 1. Petrus 1,15. Da heißt es:
Sondern wie der, welcher euch berufen hat, heilig ist, seid auch ihr im ganzen Wandel heilig; denn es steht geschrieben: Seid heilig, denn ich bin heilig.
Schöner: Du möchtest wissen, wie man leben soll, und Gott sagt, es ist ganz einfach. Mach es einfach so wie ich. Das ist die Idee hinter Jüngerschaft, wenn Jesus sagt: Ich bin der Chef und du der Azubi. Also heißt es ein bisschen anders: Ich bin der Lehrer, ihr die Schüler oder Jünger. Aber es ist die gleiche Idee. Ich weiß, wie es geht, ich mache es vor, du machst es nach.
Richtiges Leben, richtige Ethik, funktioniert nur, wenn ich Gott kenne. Wenn ich falsche Vorstellungen von Gott habe, dann werde ich das an der Stelle auch in meinem Leben irgendwo zum Ausdruck bringen.

Warnung vor falschen Gottesbildern und oberflächlicher Frömmigkeit

Das ist eine Idee. Ich habe euch einen alten Text mitgebracht. Nicht immer nur aus der Bibel zitieren, dachte ich mir, sondern auch mal andere Texte nehmen.
Da gibt es den ersten Clemensbrief, der im ersten Jahrhundert nach Christus geschrieben wurde, von Clemens an die Gemeinde in Korinth. Da heißt es in Kapitel 33, ich lese euch einfach ein paar Zeilen vor:
Der gleiche Gedanke: Liebe Brüder und Schwestern, lasst, nein, liebe Brüder und Schwestern, lässt sich aus alledem etwas schließen, dass wir uns unser gutes Handeln und die Liebe ruhig schenken können? Das möge Gott auf keinen Fall zulassen. Vielmehr wollen wir mit aller Kraft unermüdlich und bereitwillig Gutes tun, denn Gott selbst, Schöpfer und Herr aller Dinge, freut sich über seine Werke.
Und jetzt könnte ich das weiterlesen. Er stellt die Frage, er hat so ein paar Kapitel geschrieben: Heißt das jetzt, wir brauchen uns nicht anstrengen? Und er sagt: Nein, nein, nein, nein. Gute Werke sind wichtig. Woran sieht man das? Schau doch mal an, wie Gott das macht. Ist Gott faul? Nein. Hat Gott gearbeitet? Ja. Freut er sich über das, was er tut? Ja. Das Nächste ist ganz einfach: Wenn Gott so ist, sollen wir genau so sein. Das ist das Argument, und das ist ein Argument, das bis heute gilt.
 1. Johannes 4,8. Da heißt es: Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt, denn Gott ist Liebe. Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt. Und hier merken wir, wie weit der Begriff des Erkennens geht. Wenn wir über Erkennen nachdenken, hat das oft etwas nur mit dem Kopf zu tun, intellektuell etwas verstehen. Natürlich weiß ich, dass das in einer Beziehung nicht reicht. Aber schaut mal, wie weit das hier geht. Ich lese es nochmal vor: Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt, denn Gott ist Liebe.
Erkennen heißt verstehen, wie Gott ist, sich auf die Beziehung einlassen und als Folge davon Gott zu imitieren. Gott erkennen heißt: Ich schaue mir Gott an, ich stelle fest, Gott ist Liebe. Ich nehme das an, weil ich ein Jünger Jesu bin, der seinem Herrn folgt. Wenn Gott liebt, soll ich lieben. Und Erkennen ist erst dann zu Ende gebracht, wenn ich hier drüben ankomme und tatsächlich liebe.
Und wenn irgendetwas zwischen dem Verstehen, dem Annehmen und dem Tun fehlt, wenn ich womöglich nur einen immer dickeren Kopf bekomme und immer mehr verstehe, aber nicht mehr tue, dann würde die Bibel nicht von Erkennen sprechen. Erkennen heißt: Ich schaue mir an, wie Gott ist, ich verarbeite es und finde ein inneres Ja dazu, und dann mache ich das. Und auf diese Weise werde ich Gott immer ähnlicher. Das ist im innersten Sinn Erkennen, und das ist, was Gott von uns verlangt.
Und deswegen gibt es keine vernünftige Anbetung und es gibt keine rechte Moral ohne Gotteserkenntnis. Dies aber ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.

Die Gegenwart eines Gottes, der aus dem Alltag verschwunden ist

Und als ich das so in mein Skript schrieb, da dachte ich mir: Wo kommt eigentlich, wo kommt es eigentlich her, dieses Vakuum an Gotteserkenntnis, in dem wir leben?
Ich finde, Gott ist ganz schön rar geworden. Gott spielt mit seiner Art, seinem Wesen und seiner Person in unserer Gesellschaft fast keine, also eigentlich gar keine Rolle mehr. Natürlich ist Gott immer schon irgendwie abgelehnt worden. In den Psalmen heißt es einmal in Psalm 14,1: Der Tor spricht in seinem Herzen: Es ist kein Gott. Das ist so eine Strömung, die es immer in der Menschheitsgeschichte gibt, dass die dummen Leute sagen, es gibt keinen Gott.
Aber ich finde, in unserer Zeit nimmt dieser Slogan „Gott ist tot“ einfach in einem Maß überhand, das schon erschreckend ist. Man kann sich fast nicht mehr mit jemandem über Gott unterhalten. Man wird richtig schräg angeschaut, wenn man sagt: Lass uns doch mal über Gott reden. Man kann sich über alles mit den Leuten unterhalten. Aber dieses Thema Gott ist irgendwie weg.
Es gibt an Ostern und Weihnachten einen blasphemischen Artikel im Spiegel oder im Stern oder irgendwo. Das war es aber auch schon. Ansonsten: Rede doch mal über Gott. Setz dich mal bei einer ganz normalen Party zu jemandem, stell dein Bierglas hin und sag: Hey, ich wollte mich mit dir unterhalten über Gott. Der schaut dich mit großen Augen an. Der denkt zuerst einmal, du bist aus einer Sekte.
Wo kommt das her? Das war nicht immer so. Es gab Zeiten, da haben zum Beispiel hier in Apostelgeschichte 17 in Athen Menschen gesagt: Ich würde gerne mal über Gott reden. Da stand eine Traube von Menschen und dachte sich: Ja, wir auch. Hey, das wäre doch super. Du stellst dich hier in Zelefanz oder irgendwo auf den Marktplatz, bimmelst ein bisschen und sagst: Ich würde mal gerne über Gott reden. Und alles bleibt stehen, lässt die Edekatüten stehen und sagt: Ja, mal mitreden. Das ist aber nicht so. Es ist einfach nicht so.
Wo kommt das her? Wir leben in einer Zeit, die davon geprägt ist, dass Gott irgendwie verschwindet, verschwunden ist. Für mich wird das am deutlichsten in der Kulturlandschaft. Ich schaue gerne Filme. Was mir dabei immer wieder auffällt, wenn ich mal die explizit christlichen Filme außen vor lasse, für die gilt das natürlich nicht: Gott spielt keine Rolle.
Wenn es Gott noch irgendwie gibt, dann gibt es ihn in Science-Fiction oder in Fantasyfilmen. Aber gerade diese beiden großen Bereiche von Filmen gehen in eine völlig falsche Richtung. Wenn es in einem klassischen Science-Fiction-Film ist, und Science-Fiction sind Kassenschlager, Avatar ist übrigens auch Science-Fiction, wenn es diese klassische Art ist, oder Star Trek, Star Wars und was es nicht gibt, das haben Millionen und Abermillionen von Menschen gesehen. Habt ihr euch mal überlegt, was für eine Gottesvorstellung an dieser Stelle transportiert wird?
Der Gott, der typische Gott einer Science-Fiction, ist im Allgemeinen das ältere, weisere, stärkere Wesen von ganz weit her, aber immer noch ein Teil der Schöpfung und bei weitem nicht Gott in dem Sinn, wie wir es verstehen würden. Und auf die Weise glauben heute viele Menschen an Aliens, aber ihr Glaube an Gott ist auf der Strecke geblieben.
Und wenn man Fantasyfilme mag: Der Gott von Fantasyfilmen, das ist eher so eine magisch-archaische Vorstellung, die ein bisschen mehr an Wikinger und Germanen erinnert als an den Gott der Bibel. Wenn Gott in Filmen noch vorkommt, dann nur an einer einzigen Stelle. Zumindest habe ich ihn nur da gefunden, ihr könnt mich nachher widerlegen: Das ist bei Katastrophenfilmen.
Wenn man weiß, dass der Punkt erreicht ist, an dem nichts mehr geht, also wenn irgendein fetter Komet auf die Erde zurast oder die Erde von innen gerade anfängt zu kochen oder sonst irgendetwas, wenn so etwas passiert, dann gibt es immer so eine Einstellung, wo man sieht: Weltweit wird gebetet. Der Clou ist: Jeder betet zu seinem Gott. Und letztlich wird mit dieser Einstellung nur eines zum Ausdruck gebracht: Alles ist gleich, und alles ist gleich unwichtig.
Was auf der Strecke bleibt, ist das Gespräch über Gott.

Falsche Gottesbilder in Kultur, Gesellschaft und Gemeinde

Und wenn man sich schon einmal mit Gott beschäftigt, dann kommt gleich das nächste Problem auf einen zugerast: mein Eingangsthema. Du hast so eine Fülle – ja, welcher ist es denn jetzt von den Tausenden und Abertausenden von Möglichkeiten?
Und sogar wenn du dich mit Christen unterhältst und fragst: Wie ist eigentlich Gott? 1. Korinther 15,34 Dann kann es uns passieren, und Paulus scheint es passiert zu sein, dass wir nicht immer die richtigen Antworten bekommen.
 1. Korinther 15,34 Werdet recht schaffen, nüchtern und sündigt nicht; denn manche sind in Unwissenheit über Gott. Zur Beschämung sage ich es euch.
Herr Paulus schreibt diesen Brief und sagt: Hey, einige von euch wissen nicht, wie Gott ist. Und denken Sie, wie kann das sein? Wenn das im zwanzigsten oder einundzwanzigsten Jahrhundert funktioniert, dann verstehe ich das. Aber hey, die sind ja noch keine fünfzig Jahre hinter Jesus. Aber schon hier fängt das an, dass Menschen Gott nicht mehr richtig kennen, dass Christen falschen Gottesbildern anhängen.
Ich möchte an der Stelle nur erinnern, dass wir letztes Jahr einen Vortrag hatten zum Thema: „Du sollst dir kein Götterbild machen.“ Da bin ich schon mal darauf eingegangen, was für falsche Vorstellungen auch unter Christen über Gott im Umlauf sind.
Mein Eindruck ist: Christen lesen immer weniger die Bibel, und ihre Vorstellung von Gott leitet sich immer mehr aus Liedern, Andachtsbüchern und christlichen Magazinen ab. Selten beschäftigt sich jemand mit den schwierigen Seiten an Gottes Charakter. Das kommt dann dazu, dass wir überrascht sind, wenn unsere Erwartungen an Gott auf Gott treffen.
Vielleicht war der eine oder andere dabei, der letzte Vortrag auf der Outdoor-Bibelschule letztes Jahr. Der hieß etwa so: „Sieben Dinge, die du über Gott wissen solltest, wenn du mit ihm glücklich werden willst.“ Vielleicht hieß er auch schon: „Acht Dinge, die du über Gott wissen solltest.“ Also, es gibt ihn in fünf Dinge, sieben Dinge und acht Dinge – er wächst immer sieben, okay.
Und das ist ein wichtiger Vortrag, denn wir gehen mit einer Erwartungshaltung an Gott heran, die ja irgendwo herkommt. Aber stell dir vor, sie entspricht nicht der Wahrheit.
Unwissenheit über Gott ist nämlich eine ernste Angelegenheit. Es ist kein Kavaliersdelikt, so nach dem Motto: Na ja, wenn ich nicht so genau weiß, Gott ist ja eh komplex, dann irre ich mich halt ein bisschen.
 Jesaja 32,6, da sagt Gott etwas zu dem Thema:
 Jesaja 32,6 Denn ein törichter Mensch redet Törichtes, und sein Herz bereitet Unheil, Ruchloses zu tun und Irreführendes gegen den Herrn zu reden, um die Seele des Hungrigen leer zu lassen und dem Durstigen den Trank zu verweigern.
Nochmal mittendrin: Und sein Herz bereitet Unheil, Ruchloses zu tun und Irreführendes gegen den Herrn zu reden.
Es ist dumm, und es ist böse, wenn ein Mensch Falschheiten über Gott verbreitet. Wenn du dich hinstellst und sagst: Meine Frau, ja, Bärbel kauft sich jede Woche immer einen Pulli, die hat so einen Pulli-Tick, dann ist das einfach eine Lüge. Sie hat keinen Pulli-Tick. Sie mag ihre Schwächen haben, aber sie hat keinen Pulli-Tick.
Und wenn du dich hinstellst und sagst: Bärbel hat einen Pulli-Tick, die muss sich immer ihren Pulli kaufen, dann ist das einfach eine Lüge. Es ist eine Frechheit, es ist falsch, es ist nicht richtig, dass du das sagst.
Und wenn wir uns hinstellen und über Gott Dinge verbreiten, die nicht stimmen, weil wir einfach nicht bereit waren, uns reinzufressen in seinen Charakter, ihn wirklich kennenzulernen, dann ist das einfach nicht in Ordnung. Dann ist das eine dumme, böse Sache.
Und deswegen müssen wir aufpassen, dass das Wissen über Gott in unseren Gemeinden nicht zur Nebensache wird.

Rühmen, Offenbarung und die Aufgabe der Gemeinde

Und deswegen, wenn du sagst: Womit möchte ich angeben? Ich weiß, wir sollen keine Angeber sein. Aber wenn man mal darüber nachdenkt, gibt es so etwas wie gutes Angeben? Und die Bibel sagt: Ja, es gibt so etwas wie gutes Angeben. Ich soll zwar kein Angeber sein, aber wenn du schon angibst, dann wenigstens mit den richtigen Sachen.
 Jeremia 9,22. So spricht der Herr: Der Weise rühme sich nicht seiner Weisheit. Also, wenn du etwas im Köpfchen hast, behalt’s für dich. Und der Starke rühme sich nicht seiner Stärke. Wenn du etwas in den Armen hast, behalt’s für dich. Der Reiche rühme sich nicht seines Reichtums. Wenn ihr jemals den Vers auswendig lernt, weil es ein guter Vers zum Auswendiglernen ist: Es geht von oben nach unten, ja. Köpfchen, Ärmchen, Geldbeutel, ja. Ob du hier, hier oder hier etwas drin hast, behalt es für dich. Das ist nicht so wichtig.
Wenn du angeben möchtest, dann bitte Vers 23: Sondern wer sich rühmt, rühme sich dessen, Einsicht zu haben und mich zu erkennen, dass ich der Herr bin, der Gnade, Recht und Gerechtigkeit übt auf der Erde; denn daran habe ich Gefallen, spricht der Herr.
Nochmal: Der Weise rühme sich nicht seiner Weisheit, der Starke rühme sich nicht seiner Stärke, der Reiche rühme sich nicht seines Reichtums. Sondern wer sich rühmt, rühme sich dessen, Einsicht zu haben und mich zu erkennen, dass ich der Herr bin, der Gnade, Recht und Gerechtigkeit übt auf der Erde; denn daran habe ich Gefallen, spricht der Herr.
Wenn du mir etwas angeben willst, dann damit, wie gut du Gott kennst. Und ich wünschte mir, das wäre auch in der evangelikalen Welt so, dass wir uns Mühe machen, Gott kennenzulernen. Ich habe den Eindruck, dass das nicht der Fall ist. Ich habe den Eindruck, dass Gott so eine Variable ist, die jeder mit dem füllt, was er gerade füllen möchte. Das geht von der Befreiungstheologie auf der einen Seite, Gott für Revoluzzer und Staatsumstürzler, rüber bis zur Experimentaltheologie – das kann man aussprechen: Experimentaltheologie – Gott zum Anfassen und Wohlfühlen. Da drüben Gott der Politiker, hier mein Schmusegott. Ich fülle es einfach, wie ich will. Und das geht nicht. Das geht einfach nicht. Gott ist nicht ein Gott für politische Revolutionäre oder für irrationale Mystiker. Gott ist Gott, und er will auch Gott bleiben.
Noch ein Problem, warum wir mit Gott nichts anfangen können: Wir können zwölf Jahre zur Schule gehen, ohne auch nur einmal uns ansatzweise mit Gottes Beweisen auseinandersetzen zu müssen. Metaphysik ist total out. Weit Kant glaubt die westliche Welt, dass wir über Gott sowieso keine klaren Aussagen mehr machen können. Und es würde auch stimmen, wenn Gott sich nicht offenbart hätte. Aber Gott hat sich offenbart. Gott hat sich offenbart in der Schöpfung, in der Geschichte, im Gewissen des Menschen, in der Bibel, in Jesus Christus. Und deswegen gibt es Wissen über Gott. Deswegen gibt es die Möglichkeit, Aussagen über ihn zu machen. Aber unser Schulsystem stellt, wenn ich so etwas sage – man kann etwas über Gott sagen –, mich hin als jemanden, der im günstigsten Fall ein engstirniger, wissenschaftsfeindlicher, intoleranter Kleingeist ist. Nur weil ich sage: Man kann etwas über Gott sagen.
Und trotzdem, wir müssen das tun, auch wenn wir in einer Gesellschaft leben, die Gott vergessen hat. Diese Gründe, dass Gott nicht mehr da ist, dass ich ins Kino gehe und Gott nicht mehr finde, dass ich in Gesprächen mit Freunden Gott nicht mehr erlebe, dass ich komisch angeschaut werde, wenn ich sage: Lass uns doch mal über Gott reden, dass Gott selber sagt: Mir ist es wichtig, dass ihr mich nicht vergesst und dass ihr richtig über mich redet – das waren alles Gründe, die mich dazu gebracht haben, diese Reihe, die vor uns liegt, zu predigen. Vielleicht merkt ihr ein bisschen, warum mir das wichtig ist.
Wir werden eine solche Reihe brauchen, wenn wir mit Menschen über Gott reden oder wenn Menschen in die Gemeinde kommen und vorher noch nicht protestantisch sozialisiert sind. Ich habe Freunde, die kommen echt aus dem tiefsten Osten. Die wussten vor zwei Jahren noch nicht, was an Ostern passiert ist. Und jetzt sind sie Christen. Die brauchen eine klare Vorstellung davon, wie Gott ist. Und wenn wir glauben, eigentlich ist alles klar, so wie es am Anfang hieß, eigentlich ist doch alles klar – ja, nein, nichts ist klar. Für den normalen Deutschen ist Gott ein weißer Fleck in seinem Denken.
Wie funktioniert die Vortragsreihe, die ihr vor euch habt? 1. Petrus 2,9. Das ist mein Anspruch am Ende. 1. Petrus 2,9. Da schreibt Petrus: Ihr aber – das sind wir – ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum. Und jetzt: Boah, Vorsicht, jetzt kommt es: damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat.
Gott möchte, dass wir ihn verkündigen, und zwar nicht irgendwie, sondern seine Tugenden. Gottes Charaktereigenschaften, seine Wesensmerkmale, wie er ist. Wir sollen in der Lage sein, mit Menschen über Gott zu reden und wahre Dinge zu sagen. Zu sagen: Gott ist so, weil das tatsächlich in der Bibel drinsteht. Und ich weiß, dass dieses Reden unpräzise bleiben wird. Gott hat ein Wesen, aber wir haben wahrscheinlich nicht die Worte, um dieses Wesen absolut richtig beschreiben zu können. Wenn wir von Tugenden und von Eigenschaften Gottes reden, dann können wir das nur in den Grenzen tun, die unser Verstand uns gibt. Aber das wollen wir auch machen. Also, soweit wir etwas sagen können, wollen wir es dann auch sagen.
Und wir wollen das tun, obwohl ich davon überzeugt bin, dass wir in der Ewigkeit, wenn wir Gott begegnen, noch mal ganz schön überrascht sein werden. Wir haben dann so unsere Vokabeln gehabt, wie wir uns Gott vorstellen, und dann begegnen wir Gott und sagen: Aha, so ist es wirklich. Okay. Es wird so sein, wie wenn ein Blinder über Rot redet und irgendwann sehen kann. So ist Rot. So wird es sein, wenn wir Gott begegnen. Und trotzdem müssen wir jetzt anfangen, über ihn zu reden, obwohl er anders ist, als wir sind.

Gottes Wesen, Christus und die Grenzen unserer Sprache

Ich wollte euch noch ein Beispiel für Unterschiedlichkeit mitbringen, damit ihr eine Idee davon bekommt, wie anders Gott ist.
Ein Mensch besteht aus Eigenschaften und seinem Sein. Zumindest sagt man das so: Er ist von seinem Sein her Mensch, und er hat Eigenschaften, die ihn auszeichnen. Da kann jemand klug, schön und verfressen sein, und er ist Mensch. Er muss nicht klug, schön und verfressen sein, um Mensch zu sein. Man könnte also diese Eigenschaften gegen andere austauschen, und er bleibt Mensch.
Das ist in unserem Denken drin: Es gibt einen inneren Kern, ein Sein, ein Menschsein, und außen herum irgendwelche Eigenschaften.
Könnt ihr euch vorstellen, dass das bei Gott ganz anders ist? Dass bei ihm die Eigenschaften und das Sein eine Einheit bilden, die man überhaupt nicht trennen kann? Dass Gott vom Sein her das ist, was seine Eigenschaften beschreiben? Und schon merkt ihr: Huh, das ist ja gar nicht so einfach. Stimmt.
Und es wird noch komplizierter.
Jetzt stell dir mal vor, du liest einen Vers wie Philipper 2,7. Das ist ein Vers, der oft beim Brotbrechen vorgelesen wird, denke ich. Philipper 2,7. Da heißt es über den Herrn Jesus bei seiner Fleischwerdung: Aber er machte sich selbst zu nichts und nahm Knechtsgestalt an.
Und man könnte an der Stelle doch den Eindruck gewinnen, Jesus, der Sohn Gottes, habe irgendwie, als er Mensch wurde, göttliche Eigenschaften aufgegeben. Dahinter steckt die Idee: Ich habe ein Sein, ich bin Gott, und ich habe Eigenschaften, die mich als Gott ausmachen.
Ich hatte vorher aber gesagt, dass das bei Gott nicht stimmt, sondern dass die Eigenschaften, die ihn auszeichnen, und das Sein eine Einheit bilden. Das heißt: Gott wird Mensch. Er macht sich selbst zu nichts, weil er Mensch wird. Aber gleichzeitig gilt, dass alle Eigenschaften Gottes dableiben.
 Kolosser 2,9, um das zu beweisen: Kolosser 2,9 heißt es, denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig. In dem Körper des Herrn Jesus wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.
Halt, wie soll das gehen? Mensch oder Gott?
Und wir springen mitten hinein in das, was wir Dreieinigkeit nennen. 451 nach Christus, im Konzil von Chalcedon, wurde versucht, das zu fassen. Wie geht es, dass der Herr Jesus Mensch ist und Gott? Ist er mehr Mensch als Gott? Sind das gleich zwei? Sind das zwei Getrennte? Gehört das zusammen?
Ich lese euch die Formulierung vor, die man damals gefunden hat: Die zwei Naturen sind unvermischt, unverwandelt, ungetrennt und ungesondert.
Wenn du jetzt nur noch Fragezeichen vor Augen hast, dann sage ich: Willkommen im Club derer, die Dreieinigkeit spannend finden.
Ich lese euch das noch einmal vor. Menschen versuchen, mit Worten etwas zu greifen, was wir nicht mehr greifen können. Sie möchten sagen, dass die zwei Naturen unvermischt sind. Es ist nicht in einem Mischwesen entstanden. Unverwandelt: Das eine hat sich nicht ins andere umgewandelt. Aber auch ungetrennt, also es sind nicht zwei Personen, denn es ist ja nur eine Person und nicht zwei Personen. Und ungesondert.
Schön, he?
An der Stelle begegnen wir Gott, wo wir merken: Wir kommen einfach nicht mehr weiter. Unsere Worte greifen irgendwie nach so einem Strohhalm und versuchen, sich ein bisschen festzuhalten. Und am letzten Ende da hänge ich vier Worte hintereinander und merke, die passen eigentlich gar nicht zueinander.
Und ich kann nur beschreiben, wie Gott ist. Ich kann nur sagen: Wenn ich Jesus begegne, begegne ich einer Person, die wahrer Gott ist und wahrer Mensch. Und alles irgendwie zu hundert Prozent. Und irgendwie zusammen, aber doch nicht zusammen. Und ich merke: Das ist Gott.
Sich darauf einzulassen, das heißt, sich auf die Vorträge einzulassen. Ich verspreche euch: Vorträge, die auch mal einen Tick komplexer werden, werden uns mit Gott beschäftigen. Es wird nicht schwer, keine Sorge. Ich werde versuchen, es einfach zu machen. Aber es ist schon so: Gott ist komplex.
Und wenn wir uns Gott nähern, dann ist er nicht einfach so dieser unnahbare, transzendente Eine. Das wäre der Gott des Taoismus oder der griechischen Philosophie. Sondern Gott ist komplex. Gott gibt sich zu erkennen, er offenbart sich. Und das, wo er sich zu erkennen gibt, das müssen wir versuchen zu durchdenken.

Die geplante Vortragsreihe und ihr praktischer Nutzen

Ich habe mir gedacht, diese Reihe, die kommenden neun Vorträge, in drei grosse Blöcke einzuteilen. Ich möchte einmal über Gott den Schöpfer reden, dann über Gott den Regenten und dann über Gott den Retter, jeweils in drei Vorträgen.
Unter diesen Überschriften werde ich dann verschiedene Aussagen einordnen. Ich kann euch kurz sagen, was am Anfang steht:
Beim nächsten Mal, Gott der Schöpfer I, werden wir uns mit der Schöpfung beschäftigen. Wir werden uns anschauen, was die Welt denkt, was heidnische Alternativen sind, was die Bibel sagt und welche Auswirkungen der Schöpfungsglaube auf die Natur, auf den Menschen, auf Anbetung und auf Moral hat. Ihr werdet merken: An einen Schöpfergott zu glauben, durchdringt unser ganzes Leben.
Das Mal danach gehen wir einen Schritt weiter. Wenn Gott der Schöpfer ist, dann wollen wir uns über Gottes Transzendenz unterhalten, über Gottes Unendlichkeit im Blick auf Zeit, Raum, Wissen und Macht.
Und das Mal danach, der dritte Vortrag zu Gott dem Schöpfer, lautet dann: Gottes Erkenntnis, allgemeine und spezielle Offenbarung. Dann werden wir uns ein wenig über Gottes Beweise unterhalten. Und dann schliessen wir dieses Thema, Gott der Schöpfer, mit dem Thema Gottesfurcht ab.
Das sind die nächsten drei Vorträge, auf die ihr euch einlasst. Es klingt vielleicht ein bisschen zu theoretisch, aber habt keine Angst: Es wird praktisch. Es wird vor allem dort praktisch, wo ihr das, was ihr hier hört, aufnehmt, durchdenkt und in eure eigene Anbetung einfliessen lasst. Denn dafür ist es eigentlich da.

Ein persönlicher Rat zum Schluss

Ich habe vor etwa zwanzig Jahren ein Buch gelesen. Christliche Bücher kriegt man ja wahrscheinlich, wenn sie zwanzig Jahre alt sind, immer nur noch antiquarisch. Aber vielleicht könnt ihr euch das kaufen, vielleicht gibt es das auch wieder: von Tozer, T-O-Z-E-R, Das Wesen Gottes.
Ja, ich war ein junger Christ, und ich dachte mir: Ach, ich bin ja auch so in der Freizeit irgendwo im Schwarzwald, und ich möchte mehr über Gott erfahren. Also habe ich dieses kleine Büchlein durchgearbeitet. Und ich weiß: Es hat mein Gebetsleben nachhaltig beeinflusst.
Ich habe mir Gedanken gemacht über diese verschiedenen Punkte. Das sind hier so Sachen wie Dreieinigkeit, Selbstgenügsamkeit, Ewigkeit, Unendlichkeit, Unveränderlichkeit usw. Es ist ein kleiner Einstieg. Wenn ihr ein Buch sucht, das lohnt sich.
Und wenn ihr das, was ich vorhin sagte, als Bibelvers auswendig lernen wolltet: Ihr erinnert euch, es gab da einen Vortrag, eine Predigt im Rahmen der Lukasreihe zum Thema Errettung, zum Thema Errettung durch das Wort Gottes. Und der Herr Jesus sagt, unsere Aufgabe ist, zu hören, zu bewahren und zu tun. Habt ihr das noch? Ja: hören, bewahren, tun. Das ist ein bisschen ähnlich wie das, was wir vorhin mit dem Erkennen hatten: verstehen, annehmen, tun.
Entscheidend ist im geistlichen Leben immer, was hinten rauskommt, nicht was hier oben drin ist, sondern was rauskommt. Und deswegen mein Tipp: Lernt einfach zu jedem Vortrag ein oder zwei Bibelverse, die euch besonders angesprochen haben, wo ihr merkt: Da klopft der Heilige Geist an. Den Gedanken möchte ich nicht mehr vergessen. Den lernt ihr auswendig.
Zum Beispiel Johannes 17,3: Dies aber ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. Wenn ihr den Vers auswendig lernt, dauert es nicht lange: auf ein Kärtchen schreiben, über die Spüle hängen. Wenn ihr das einfach auswendig lernt, dann habt ihr diesen Gedanken verinnerlicht und könnt den Rest eures Lebens immer wieder darauf zurückgreifen.
Und wenn ihr dann sagt: Das ist mir viel zu wenig, ich möchte noch ein oder zwei auswendig lernen, na, wie wäre es mit Jeremia 9,22-23? Ja, das wäre so ein Einstieg oder ein paar von den anderen, die ich herangeworfen habe. Macht es! Und ihr werdet am Ende der Reihe nach zehn Vorträgen vielleicht 20 Bibelverse gelernt haben. 20 Bibelverse, die euch einen Überblick geben über das Wesen Gottes, und zwar genau an den Stellen, wo euch der Heilige Geist angepinnt hat.
Stellt euch das mal vor: 20 Verse, 20 Ideen, die euer Leben prägen. Das wünsche ich euch. Und ich wünsche uns, dass wir viel Freude haben.
Der nächste Vortrag findet am 10. Februar statt. Bis dahin, nein, nicht ganz so bis dahin, weil zwischendurch ist noch mal eine Predigt. Aber für die, die bei der Predigt nicht da sind: Bis dahin dann Tschüss.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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