Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 529: Sei treu in deiner Berufung, Teil 5.
Erwartung der Wiederkunft als Lebensstil
Jesus möchte seine Jünger ermutigen, ein Leben zu führen, das davon geprägt ist, seine Wiederkunft jederzeit zu erwarten. In Lukas 12,35-36 heißt es: „Eure Lenden sollen umgürtet und die Lampen brennend sein, und ihr seid Menschen gleich, die auf ihren Herrn warten, wann er aufbrechen mag von der Hochzeit. Damit, wenn er kommt und anklopft, sie ihm sogleich öffnen.“
In diesem Zusammenhang beschreibt Jesus vier Typen von Jüngern. Einer davon ist der, der wirklich vorbereitet ist. Ihm verspricht Jesus großen Lohn.
Verschiedene Typen von Jüngern
Dann gibt es aber auch den Pseudo-Jünger, der statt vorbereitet zu sein und auf den Herrn zu warten, seine Stellung im Reich Gottes ausnutzt, um es sich auf Kosten anderer Christen gutgehen zu lassen.
Es gibt noch zwei weitere Typen. Zuerst den Ungehorsamen. Von ihm heißt es in Lukas 12,47: „Jener Knecht aber, der den Willen seines Herrn wusste und sich nicht bereitete noch nach seinem Willen getan hat, wird mit vielen Schlägen geschlagen werden.“
Diesen Typ haben wir uns in der letzten Episode angeschaut. Dieser Vers ist eine Warnung an alle, die viel Bibelwissen haben, aber nicht danach leben.
Herausforderung des gelebten Glaubens
Ganz ehrlich, dieser Vers fordert mich sehr heraus. Lebe ich wirklich nach dem, was ich weiß? Entspricht mein Umgang mit den Geschwistern, mit dem Gebet, mit meinem Nächsten oder mit Dingen wie Geld, Zeit und Talent dem, was ich weiß?
Wenn dem nicht so ist – und jeder von uns steckt ja mitten in der Heiligung – dann verstehe ich meine Defizite als solche. Ich bete über sie, denke darüber nach und bekenne sie im Gebet als Sünde.
Man kann, wenn man so will, zwei Arten von Ungehorsam unterscheiden: Die eine Art, unter der ich leide, und die andere, mit der ich mich entweder angefreundet habe oder die ich sogar schätze, weil sie mir Freiheiten erlaubt, die ich Gott gegenüber nicht verantworten möchte.
Diese zwei Arten des Ungehorsams müssen wir klar voneinander trennen. Die eine führt mich in eine heilige Unzufriedenheit, die mir gut tut, mich aus Gnade leben lässt und mich in der Heiligung voranbringt. Die andere hingegen zerstört mein Leben, weil sie mich von Gott trennt und mich unbrauchbar macht für die Berufung, die Gott mir gegeben hat.
Mein Tipp an dieser Stelle ist: Lerne im Blick auf alle Defizite und Ungereimtheiten deines Lebens Bibelstellen auswendig und wiederhole sie regelmäßig. So hältst du dir deine Probleme immer wieder vor Augen.
Wir leben aus Gnade, Defizite sind normal, denn wir sind noch nicht am Ziel. Aber sorge dafür, dass du dir deiner Defizite bewusst bist – auch dann, wenn du noch nicht mehr tun kannst, als über sie nachzudenken und sie zu bekennen.
Verstecke sie nicht, vor allem nicht vor dir selbst. Denn wer das tut, landet unweigerlich im Selbstbetrug.
Verantwortung trotz Unwissenheit
Aber gehen wir einen Schritt weiter: Lukas 12, Vers 48 sagt: Wer ihn aber nicht wusste, aber getan hat, was der Schläge wert ist, wird mit wenigen geschlagen werden.
Hier haben wir es mit dem vierten Typus Jünger zu tun. Es gibt also auch Christen, die ihre Bibel und damit den Willen Gottes nicht kennen.
Jetzt könnte man sagen: Unwissenheit schützt vor Strafe, aber das steht hier nicht. Wer ihn aber nicht wusste, gemeint ist den Willen Gottes, aber getan hat, was der Schläge wert ist, wird mit wenigen geschlagen werden. Unwissenheit schützt leider nicht vor Strafe.
Wer als Jünger Jesu sündigt – und hier geht es im Zusammenhang ja ganz stark darum, dass wir unser Leben auf die Wiederkunft Jesu ausrichten und mit unseren Gaben im Reich Gottes dienen – wer das nicht tut, wird die Konsequenzen tragen. Unwissenheit schützt nicht vor Strafe.
Aber die Strafe selbst ist doch abhängig von dem, was ich weiß. Wer als Christ falsch lebt, weil er in einer Gemeinde zuhause ist, die keinen Wert auf gute Lehre legt, sich aus eigenem Antrieb nicht mit Gottes Willen beschäftigt und im Glauben nicht reif wird, der wird für sein Versagen von Gott zur Rechenschaft gezogen werden.
Nur bewertet Gott Unwissen anders als bewussten Ungehorsam. Aber er hält Unwissen für ein Vergehen, das er bestrafen wird.
Lasst uns das bitte nicht vergessen: Dummheit ist Sünde.
Die Gefahr geistlicher Trägheit
Der Schreiber des Hebräerbriefes macht seinen Lesern folgenden Vorwurf: In Hebräer 5,11-12 heißt es: „Darüber haben wir viel zu sagen, und es lässt sich schwer darlegen, weil ihr im Hören träge geworden seid. Denn während ihr der Zeit nach Lehrer sein solltet, habt ihr wieder nötig, dass man euch lehrt, was die Anfangsgründe der Aussprüche Gottes sind, und ihr seid solche geworden, die Milch nötig haben und nicht feste Speise.“
Die Empfänger des Briefes waren lange genug Christen, um Lehrer sein zu können. Doch ihre Trägheit führte dazu, dass ihr geistliches Verständnis nicht gewachsen, sondern geschrumpft ist. Das ist ein wichtiger Hinweis: Unser geistliches Wissen wächst entweder oder wir verlieren es.
Wir werden entweder zu Menschen, die anderen die Bibel erklären können, oder wir verwandeln uns in geistliche Kleinkinder, denen man erneut die einfachsten Zusammenhänge des Glaubens erklären muss.
Außerdem wird hier etwas Klareres deutlich: Jeder ist allein für sein geistliches Wachstum verantwortlich. Niemand sollte sich damit herausreden, dass ihm der Gottesdienst nichts bringt oder dass ein anderer Kreis schuld sei.
Das persönliche Nachsinnen über Gottes Wort, um geistlich zu wachsen, ist meine Aufgabe. Ich kann Prediger, Bibellehrer oder auch Chatbots nutzen, aber ich kann niemandem die Verantwortung dafür zuschieben, dass das Wort in meinem Herzen und damit in meinem Leben Wurzeln schlägt und Frucht bringt.
Verantwortung und Maßstab der Berufung
Aber kommen wir ein letztes Mal zu Petrus und seiner Frage zurück, ob Jesus zu allen Jüngern oder nur zu den Aposteln spricht.
In Lukas 12,48 heißt es: „Wer ihn aber nicht wusste, doch getan hat, was der Schläge wert ist, wird mit wenigen geschlagen werden; jedem aber, dem viel gegeben ist, wird viel abverlangt werden. Und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man desto mehr fordern.“
Einerseits sind alle Jünger dafür verantwortlich, sich auf die Wiederkunft Jesu vorzubereiten. Gleichzeitig gibt Gott uns ganz unterschiedliche Ressourcen. Hier spricht Jesus gezielt die Apostel und mit ihnen alle an, denen viel gegeben ist.
Das „viel“ bezieht sich auf die Berufung, die Gott uns anvertraut. Nicht jeder ist Gemeindegründer, Buchautor, Bibelschullehrer oder Leiter einer evangelistischen Jungschararbeit. Wir suchen uns unsere Berufung nicht aus.
Manch einer findet sich als Christ einfach, indem er seinen Neigungen und den offenen Türen folgt. So findet er sich in einer Position wieder, in der Gott ihm mehr Verantwortung anvertraut als allen anderen.
Für all diese Christen gilt: Denk daran, dass Gott, wenn er dir viel gibt, auch viel von dir verlangen wird. Und wenn er dir viel anvertraut, wird er auch desto mehr von dir fordern.
Das sind die Spielregeln des geistlichen Lebens. Wir haben sie nicht gemacht, aber wir sollten sie beachten, wenn wir belohnt werden wollen.
Einladung zur Selbstreflexion und Gebet
Was könntest du jetzt tun? Überlege, wie sich dein geistliches Leben in den letzten fünf Jahren entwickelt hat. Gehst du mehr in Richtung eines Lehrers oder eher in Richtung eines Kleinkinds?
Das war's für heute.
Bete in dieser Woche viel für Politiker und für die Entwicklung unseres Landes. Der Herr segne dich, lasse dich seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden. Amen.
