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"Geistesgaben: Wunderkräfte und Gaben, die nicht in der Bibel stehen"

13.01.2013
Serie•Teil 16 / 17Gaben in der Gemeinde
Warum wirkt Gott manchmal spektakulär – und meist eher im Kleinen? Der eigentliche Punkt: Du bist begabt, auch wenn dein Platz nicht in jedes Schema passt.

Einführung in das Thema und die Zielrichtung der Predigt

Und heute ist es so ein Wunder, denn ich werde eine Reihe abschließen. Zumindest gibt es noch einen kleinen Nachtrag nächstes Mal, aber das ist nur noch so ein Angebappel, ja, also das gehört so halb dazu. Deswegen schließen wir heute eigentlich eine Reihe ab, nämlich eine Reihe von Übergaben in der Gemeinde. Und wir schließen sie einfach mal ab mit dem Thema Wunder.
Ich möchte heute mit euch über eine Geistesgabe reden, die vielleicht den einen oder anderen erst einmal ein bisschen verblüfft. Wo man sagt: Ja, schön, dass er mal darüber redet. Ich habe dann einen zweiten Teil hintendran, der für uns alle sehr praktisch werden wird. Insofern müsste die erste Hälfte wach bleiben, damit in der zweiten Hälfte die Konzentration noch da ist, um zu verstehen, worauf ich hinaus will.
Das Thema heute ist erst einmal sehr exotisch.

Was mit „Wunderkräfte“ gemeint ist

 Erste Korinther 12,10. In dieser langen Aufzählung von Geistesgaben, also Gaben, die Gott der Gemeinde gibt, finden wir eine, die auf den ersten Blick komisch klingt, zumindest für mich. Dort heißt es in 1. Korinther 12,10 auch gleich am Anfang: „dem einen das, dem anderen das, einem anderen aber Wunderkräfte“, wörtlich: das Wirken von Kräften.
Und hier steckt das Wort Dynamis drin, von dem auch das Wort Dynamit herkommt: das Wirken von Kräften. Dieses Wort „Kräfte“ wird im Neuen Testament oft verwendet, um die Wunder zu beschreiben, die Jesus tut. Da heißt es zum Beispiel im Matthäusevangelium 13,58, ich lese das mal vor, ihr müsst nicht mit aufschlagen: „Und er tat dort nicht viele Wunderwerke, nicht viele Kräfte, wegen ihres Unglaubens.“
Ihr merkt schon: Wenn ich jetzt überlege, was Jesus eigentlich getan hat, dann hat er Dämonen ausgetrieben und Leute gesund gemacht. Das sind Dinge, die wir an anderer Stelle schon als eigenständige Geistesgaben miteinander besprochen haben. Dieses Wunderwirken oder Wirken von Kräften hat also eine Überschneidung mit anderen Geistesgaben. Und deswegen ist der Begriff „Wirken von Kräften“ oder „Wunderkräfte“ ein breiter Begriff, der sich nicht wirklich sauber abgrenzen lässt.
Wenn ich sage, jemand hat die Gabe des Gebens, dann spendet er gerne. Jemand mit der Gabe der Barmherzigkeit hat ein Herz für andere Menschen und kann nachempfinden, wie es ihnen geht. Wenn jemand ein Lehrer ist, kann er etwas gut erklären. Aber dieses Wunderwirken ist sehr breit aufgestellt.

Beispiele aus der Apostelgeschichte und die Frage nach der Häufung

Ich möchte euch gern zwei Beispiele geben, wo diese Gabe in der Apostelgeschichte erlebt werden kann. Ihr habt kalte Hände, ha?
 Apostelgeschichte 19,11-12: Paulus ist in Ephesus. Und in Apostelgeschichte 19,11 heißt es: Ungewöhnliche Wunderwerke tat Gott durch die Hände des Paulus. Und was war das? Das ist total lustig, wenn ihr euch das vorstellt, was hier wirklich steht: So dass man sogar Schweißtücher oder Schürzen von seinem Leib wegnahm und auf die Kranken legte; und die Kranken wichen von ihnen, und die bösen Geister fuhren aus.
Du liest da drüber, aber was das wirklich meint, ist: Du nimmst mein Tempotaschentuch und legst es auf eine Hand, und sie wird warm. Oder besser noch: Auf jemanden, der todkrank ist, breitest du mein Tempotaschentuch aus. Du bist nicht mehr ganz frisch, legst das auf den Kranken, und dem geht es gut. Oder der Schurz ist die Unterhose: Ich gebe dir eine gebrauchte Unterhose von mir mit. Für jemanden, der bei dir zu Hause lebt, nimmst du sie, legst sie auf den drauf, und dem geht es wieder richtig gut.
Dass jemand gesund wird, ist eine Sache. Dass man einfach von jemandem die Taschentücher klaut, weil man sagt: Die will auch noch ein paar Leute gesund machen. Dass du quasi mit so einem Taschentuch ins Krankenhaus gehen kannst und sagen kannst: Eins, zwei, drei, wir reißen uns kleine Stückchen, verteilen das schön auf alle. Das ist etwas mehr.
Mir scheint, dass, wenn wir in der Bibel über die Gabe des Wunderwirkens lesen, es nicht nur darum geht, dass da etwas Außergewöhnliches passiert. Das tut es auch bei einer Dämonenaustreibung, bei einer Heilung oder wenn eine Predigt gut funktioniert. Also: Das Außergewöhnliche ist nicht allein entscheidend. Es geht auch darum, dass das Außergewöhnliche gehäuft auftritt, dass es davon ziemlich viel gibt, dass es so eine Häufung gibt, dass man fast den Eindruck hat: Na ja, das ist so ein bisschen so, wie als Jesus hier auf der Erde war. Da brachten wir auch noch mal alle Kranken zusammen, da war immer so ein bisschen mehr los. Dass nicht nur: Ach, kannst du mir sagen, dass der eine gesund wird? Nein, noch mal alle, so richtig viel passiert da.
Und das scheint in Verbindung mit dieser Gabe normal zu sein. Wo diese Gabe gelebt wird, da bricht Göttliches in die Zeit ein.

Gottes Wirken zwischen Erhaltung, Fügung und Eingriff

Und jetzt ist Gott einer, der die ganze Zeit in die Zeit einbricht. Gott ist der, der regiert, Gott führt, Gott schreibt Geschichte. Aber er tut das auf sehr unterschiedliche Weise.
Wenn man darüber nachdenkt, wie Gott das mit der Geschichte macht, dann kann man auf der einen Seite ganz allgemeine Formen finden: Wie führt Gott ganz allgemein? Und vielleicht das Allgemeinste, was wir uns vorstellen können, finden wir im Kolosserbrief. Da heißt es nämlich, dass alles durch ihn besteht. Gott sorgt dafür, nachdem er die Welt aus dem Nichts geschaffen hat, dass sie nicht einfach wieder ins Nichts zurückfällt.
Vielleicht ist euch das nicht so bewusst, aber die Tatsache, dass etwas ist, ist an sich ein Wunder. Denn da müsste nichts sein. Und da war auch mal nichts. Und Gott hat es aus dem Nichts herausgezogen. Und wenn etwas durch Gott besteht, sorgt er dafür, dass es nicht wieder ins Nichts zurückfällt.
Und dann gehen wir einen Schritt weiter. Wir schauen uns an, was da ist, und wir sehen, dass Gott in die Natur, in die Naturprozesse, Regeln hineingelegt hat. Naturgesetze nennt man das. Und die Bibel ist voll davon, zu sagen, dass hinter den Naturgesetzen Gott steht. Wenn ich mich frage, wer hat sich das ausgedacht, und wer sorgt eigentlich dafür, dass Gravitation, die gestern galt, heute noch gilt?
Wir haben uns so daran gewöhnt. Du wachst morgens auf und liegst in deinem Bett. Du könntest auch morgens aufwachen und unter der Decke kleben, weil sich das gerade umgedreht hat, und du schwebst da so gemütlich nach oben und hast es nicht gemerkt. Dass Naturgesetze noch gelten, das liegt nicht an uns. Es liegt daran, dass Gott versprochen hat, dieser Welt bestimmte Prozesse zu geben und dafür zu sorgen, dass sie die ganze Zeit weiterlaufen.
Gott ist kein passiver Gott. Und deswegen ist es nicht nur dieses erhaltende Element, nicht nur dieses regelnde Element. Die Naturgesetze laufen so ein Stückchen für sich selber, die sind quasi in die Schöpfung hineingelegt. Sondern es gibt andere Dinge. Es gibt so etwas, was ich Fügung nennen möchte. Eine Fügung ist ein merkwürdiger Zufall.
Ich weiß nicht, ob du schon mal eine Fügung erlebt hast. In der Bibel gibt es sie noch und nöcher. Joseph hängt in dieser Zisterne, seine Brüder wollen ihn gerade umbringen, überlegen, wer es denn nun macht, und just in diesem Moment kommt etwas vorbei: eine Karawane. Das ist jetzt ein bisschen ein blöder Moment. Wenn du deinen Bruder umbringen willst, dann hast du ständig so Leute, die zuschauen. Und außerdem kommt einer auf die Idee: Können wir ihn nicht verkaufen? Wenn wir schon richtig fies sind, dann wollen wir doch auch noch etwas. Wir können danach eine kleine Feier machen. Also erst werden wir ihn los, und dann feiern wir.
Tolle Idee! Aber wer hat denn dafür gesorgt, dass diese Karawane Monate vorher so loszieht? Und wer hat dafür gesorgt, dass in dem Moment, wo es für Josef lebensnotwendig war, diese Karawane an diesem Loch zu diesem Zeitpunkt vorbeikommt? Fügung heißt, wenn Gott seinem Volk begegnet.
Israel war da so ein Murren im Volk: Wir hätten gern ein bisschen Fleisch. Okay, kein Problem, warte! Es ist jetzt keine Ungewöhnlichkeit. Also Wachteln sind an sich noch kein Wunder. Dass Wachteln fliegen und irgendwann nicht mehr können und runterfallen, ist vielleicht auch noch normal. Aber wenn wir merken, jetzt nehmen wir einen Riesenschwarm, ja, bugtieren den über das Lager und dann plopp – hä? –, das ist schon sehr, sehr ungewöhnlich. Da merkst du, das kann man vielleicht gerade noch so mit den Naturgesetzen irgendwie erklären, aber eigentlich geht es schon ein Stück zu weit.
Fügung ist, wenn das uns passiert. Ich überlege, welches Beispiel ich nehme. Ich könnte euch Hunderte von Beispielen aus meinem Leben erzählen, wo Gott irgendwie Dinge zusammenfügt. Und du weißt: Boah, das sind nur die, die ich gemerkt habe. Ich bin sicher, in der Ewigkeit werden wir jeder von uns wahrscheinlich allein zehntausend beinahe Unfälle von Gott gezeigt bekommen, die nur nicht passiert sind, weil er so gefügt hat, dass irgendein Dödel, der uns normalerweise umgefahren hätte, vielleicht eine halbe Minute später losgefahren ist. Irgendwas so.
Aber ich weiß: Ich habe mal so einen alten VW-Bus gehabt, so einen T2. Wer den noch kennt, ja, so dieses eckige, dieses Toastbrot auf Rädern. Und der war rot, und der fuhr nicht mehr. Gerade noch nach Hause gekommen, und am nächsten Sonntag ging niemand an.
Und ich fahre in die Gemeinde, meine Schwiegereltern waren da, und da kommt jemand auf mich zu und sagt: Hier, du kriegst meinen Bus, wollte ich dir sowieso schenken. Also wir haben öfter uralte Autos gekriegt, das ist nicht das Thema. Aber der Tag, an dem Tag, an dem der eine kaputt ist, sagt der andere: Hey, erinnerst du dich dran, du wolltest doch mal einen Bus haben? Ich hatte das völlig vergessen, da war überhaupt kein Zeitplan dahinter. Ja, hier, heute.
Und dann denkst du dir: Das ist ja cool, da passen Dinge zusammen. Hätte ja auch zwei Wochen dazwischen sein können, und du weißt nicht, wie du von A nach B kommst. Das ist Fügung. Nicht völlig unmöglich, andere werden sagen Zufall. Wobei aus einer gewissen Menge von Zufällen dann statistisch allein das auch schwierig wird, das immer nur über Zufall zu erklären.

Wie Gott gewöhnlich führt und wann das Wunderhafte aufbricht

Das ist die eine Seite, wie Gott eingreift, wie Gott uns führt. Und ich möchte uns sagen: Gott führt unser Leben hauptsächlich durch Fügung. Noch einmal: Gott führt unser Leben hauptsächlich durch Fügung. Er sorgt dafür, dass unser Leben gelingt.
Im Vaterunser werden wir aufgefordert, täglich dafür zu beten, dass Gott uns vor dem Bösen bewahrt und uns den richtigen Weg führt. Ja, was heißt das denn? Das heißt so viel wie: Gott, ich bitte dich um geebnete, bewahrte Wege in meinem Leben. Ich bitte dich darum, dass du im Hintergrund alles so fügst, dass, wenn ich den nächsten Schritt gehe, da nicht ein Loch ist. Und dass ich, wenn ich mehrere Schritte hintereinander gehe, die Richtung stimmt. Darum bitte ich dich. Und dass da keiner von hinten mir eine draufgibt, das möchte ich nämlich auch nicht.
Und: Führe uns nicht in Versuchung. Das ist seine Bitte um den rechten Weg und: Bewahre uns vor dem Bösen. Das ist seine Bitte um Bewahrung.
Ich kann euch nur diesen Tipp geben: Betet jeden Tag so. Ich mache das. Und ich bin erstaunt, wie viel Gott da schon erhört hat.
Und darüber hinaus, über diese Fügung hinaus, gibt es echte Wunder. Das sind so die ganz außergewöhnlichen Klopper. Da, wo Gott eingreift und einfach alles, das, wo du denkst, also das ist noch irgendwie normal, da wird das einfach mal gesprengt.
Auch in der Bibel gibt es ein paar sehr interessante Sachen. Ich denke da immer an einen Engel, der in einer Nacht eine gesamte assyrische Armee platt macht. Oder wo Josua darum betet, da könnte doch auch mal was stehenbleiben, ja, so die Erde. Was will ich ja, wenn ich mir noch vorstelle: Ja, so ein Tag ein bisschen länger, das ist physikalisch... Da greifst du dir an den Kopf, das geht doch gar nicht! Stimmt, das geht nicht.
Du musst dir nur mal überlegen: Wenn du so eine Erde in der Drehbewegung einfach mal rausnimmst, was da an Impulserhaltung ist. Da fliegst du wahrscheinlich noch 20 Millionen Kilometer einfach so weiter. Ich weiß nicht, wie Gott das macht. Und da merken wir: Da kommen wir in einen Bereich hinein, wo Gott Wunder tut.
Wo Jesus dann doch auf dem Wasser gehen kann und wo aus Wasser auch Wein werden kann. Wo gelähmte Leute nicht nur, nachdem man sie drei Jahre durch eine Physio schleift, auch irgendwie noch so einen Schritt mühsam vor den anderen setzen können, sondern der ist da jahrzehntelang gelähmt. Da ist quasi jeder Muskel versteift, dass er erst mal verkümmert, und das, was noch da ist, versteift. Und Jesus sagt: Steh auf, nimm dein Bett, also die Matte, auf der er lag, und geh umher. Und der... Ja, also das ist ein Wunder, wo du einfach sagst: Da ist Muskelmasse, Vollfunktion sehe ich in dem Moment wieder da. Sein eigenes Gewicht zu tragen, die Koordination ist noch da, er hat das nicht vergessen, er weiß, wie man geht.
Oder ein Blinder: blind geboren, da ist kein Sehnerv da. Ja, jetzt wissen wir, dass Sehnerven nicht einfach so nachwachsen. Wir sind keine Eidechsen, wo, wenn der Schwanz abfällt, du noch so einen zweiten Schwanz kriegst. Ja, es ist einfach nicht so.
Also, das ist jetzt der Bereich der Wunder.

Zeichencharakter, Verteilung und Grenzen von Wundern

Wunder sind in der Bibel Zeichen. Zeichen heißt: Gott macht sie nicht, um damit anzugeben, sondern er macht sie, um auf sich aufmerksam zu machen.
Das Interessante an den Wundern in der Bibel ist, dass sie eher ungleichmäßig über die gesamte Bibel hinweg verteilt sind. Versucht einmal, die Bibel mit einem Blick vor Augen zu haben, für die, die sie schon öfter durchgelesen haben, geht das vielleicht. Es gibt an bestimmten Punkten in der Bibel Häufungen von echten Wundern. Das passiert einmal rund um Mose, da geschehen so eine ganze Menge Sachen. Dann gibt es so einen Bubble rund um Elija und Elisa, da ist auch so richtig viel, wo du sagst: Hallo, ja, das sind so die Sachen, wo du ganz viele Geschichten für die Kinderbibel ableiten kannst, weil es einfach Spaß macht. Und dann gibt es noch einmal da hinten bei Jesus und den Aposteln, das sind Häufungen, da passieren viele solche Wunder. Dazwischen, zwischen diesen Häufungen, liest man eher relativ wenig.
Und die Wunder selber, also diese Wunderhäufung, scheint auch zeitlich irgendwie beschränkt zu sein. Also noch einmal Paulus: Ja, eben noch in Ephesus kannst du seine Tücher und seine Unterhosen nehmen und kannst damit Kranke heilen. 2. Timotheus 4,20 muss er, das ist ein paar Jahre später, sagen: Ich habe Trophimus krank in Milet zurückgelassen. Also da hat er einen lieben Mitarbeiter, und er sagt nicht: Ich schicke dir eine Unterhose, sondern er muss ihn da krank lassen. Er kommt irgendwie an diese Gabe, an diese Kraft, die er da mal hatte, kommt er irgendwie nicht mehr ran.
Wunder Gottes haben die Funktion von Zeichen. Sie weisen auf Gott hin. Gott möchte Menschen damit nicht unterhalten. Er ist nicht so ein Zauberer, der seine Zaubertricks macht, sondern er möchte zeigen, dass es ihn gibt.
Das Gruselige an Wundern und Zeichen ist, dass sie keinen Glauben bewirken können. Johannes sagt ganz lapidar: Obwohl er Jesus aber so viele Zeichen vor ihnen getan hatte, glaubten sie nicht an ihn. Es ist unglaublich traurig, dass die Menschen, die bei Pilatus schreien: Kreuzige, kreuzige ihn, dieselbe Gruppe ist, so in der Summe, die drei Jahre hintereinander weg Jesus erlebt haben. Und da mag es Leute dabei gegeben haben, die selber von ihm geheilt worden sind.
Also: Wunder und Zeichen bewirken keinen Glauben, aber sie weisen auf Gott hin. Und es ist so, dass sie in bestimmten Situationen auftauchen.

Wunder in Zeiten geistlicher Umbrüche und die Frage nach der Gegenwart

Wunder und Zeichen scheinen so ein bisschen etwas zu sein, wenn man jetzt mal überlegt: Wo hat man davon mal gehört? Wo passieren diese ganzen spektakulären Dinge in der Kirchengeschichte, wenn man das mal ein bisschen in die Moderne durchzieht?
Ich habe den Eindruck, immer dann, wenn Mission geschieht, also wenn Mission, Evangelisation, wenn das Evangelium in einen neuen Bereich hineindringt, dass an der Stelle, wo das Evangelium sich in einer ganz neuen Umgebung ganz neu entfalten muss, Wunder und Wundersames in besonderer Weise passieren.
Jetzt will ich nicht sagen, dass wir nicht auch füreinander um ein Wunder beten dürfen. Wir dürfen für Wunder beten. Dass es Häufungen gibt, heißt nicht, dass Gott heute keine Wunder mehr tut. Ich rede nur nicht über diese Einzelwunder. Ich rede heute jetzt mal ganz bewusst über die Gabe des Wunderwirkens, die Gabe, diese Kräfte zu entfalten, die Gabe dafür, dass es Leute gibt, die das erleben, vielleicht so wie Paulus das in Ephesus, dass nicht nur mal etwas Wundersames passiert.
Das haben wir auch als Gemeinde schon erlebt, oder das habt ihr bestimmt auch privat erlebt, dass man sagt: Boah, das war ein Wunder. Wir dürfen für diese einzelnen Wunder in unserem Leben beten, und macht das bitte. Aber wenn es um die Gabe geht, wenn ich sage, da gibt es Leute, die stehen im Zentrum einer Gott gewirkten Kraftentfaltung der ganz besonderen Art, da gibt es nicht nur ein Wunder, sondern es ist eine Explosion an Wundern. Das ist so ein göttliches Dauerfeuer, Schweisstuch für Schweisstuch, wo einfach richtig viel passiert, wo du denkst: Boah, was ist denn hier passiert?
Das scheint mir auf bestimmte Situationen begrenzt zu sein, nämlich auch solche, wo Gott sich in einer absolut heidnischen Umgebung auf eine besondere Weise zu erkennen gibt. Mose, Ägypten: Gott offenbart sich, Plage für Plage, Wunder für Wunder, und zeigt, wer er ist. Elija und Elisa: Das Volk ist flächendeckend von Gott abgefallen, es war dabei, sich völlig zu verlieren an einen heidnischen Kult. Die haben angefangen, nicht nur nicht mehr an Gott zu glauben, und nicht nur, wenn sie noch glaubten, ihr eigenes Ding zu drehen, die fingen an, sich den Baal ins Boot zu holen. Die waren so weit weg, dass Elija und Elisa an der Stelle so deutlich auftreten müssen, um in dieser Situation noch mal zu zeigen, wer eigentlich Gott ist.
Jesus und die Apostel: Ich habe ein heidnisches römisches Reich. Zu der Zeit wurde noch nicht der Kaiser angebetet, aber die Idee war da, dass Menschen sich vergöttlichen können, dass es da griechische Götter, römische Götter, dieses ganze Ding gibt. Und da hinein möchte das Christentum wirken, und Gott tut das mit Zeichen und Wunder.
Und wenn es solche Phasen nicht gibt, glaube ich persönlich, dass Wunder tatsächlich eher Ausnahme sind. Also dass es einerseits diese Häufung gibt, ja. Und wenn Deutschland so weitermacht, wie wir jetzt unterwegs sind, dann werden wir auch irgendwann wieder reif für Zeichen und Wunder im vollen Sinn. Aber wenn wir uns ausstrecken nach: Es muss genau so sein wie in Ephesus, da bin ich skeptisch. Ich glaube nicht, dass das passieren wird. Wenn ich mich irre, freue ich mich von ganzem Herzen.
Und ich werde trotzdem dafür beten, dass in ausweglosen Situationen Gott im Einzelfall ein Wunder tut. Und ich werde trotzdem meine Unterhosen nicht mit in die Gemeinde bringen.

Warum Gott Gaben gibt und was das für die Gemeinde bedeutet

Warum macht Gott Gaben? Das ist jetzt so eine ganz exotische Gabe, wo du sagst: Ja, schön, jetzt wissen wir das über die Wunder. Und Jürgen denkt so: Warum gibt Gott Gaben?
Ich mache jetzt quasi Folgendes: Wir haben sechzehnmal über Geistesgaben gesprochen. Für alle Gäste: Ja, das ist die letzte Predigt, also Nummer sechzehn. Und ich springe jetzt noch mal ganz an den Anfang. Ich möchte quasi den Bogen schließen. Warum gibt Gott eigentlich Gaben?
Und wir haben das von Anfang an immer wieder betont: Gott gibt Gaben, 1. Korinther 12 zeigt das, weil wir zusammengehören, weil wir ein Leib sind. Weil die Gabe, die du hast, und mir ist wichtig, dass du das verstehst: Du bist begabt. Du magst es selber nicht glauben. Du magst in den Spiegel schauen und sagen: Boah, ich kann mich überhaupt nicht ausstehen.
Ich hatte gestern so ein Gespräch mit einem jungen Mädchen, das auch sagte: Boah, ich mag mich überhaupt nicht. Ja, bin für nichts gut und so weiter. Gott hat dich begabt, weil Gott Gemeinde wie einen Körper sieht. Und in einem Körper hat jeder seine Funktion. Wenn dir der kleine Finger wichtig ist, dann ist das so. Das Ohrläppchen ist wichtig, sonst könnte Lari nicht ihre großen Ohrdinger da ran machen. Alles ist irgendwie wichtig.
Das eine vielleicht so, dass du sagst: Ja, das ist ein bisschen offensichtlicher. Also wenn du den Kopf abschneidest, ist es schlimmer, als wenn du das Ohrläppchen abschneidest. Aber hey, wir sind alle als Team von Gott zusammengestellt.
Und ich wünsche mir einfach, dass am Ende dieser langen Reihe hier keiner rausgeht, der sagt: Nein, ich nicht. Und deswegen bohre ich noch mal auf diesen Punkt herum. Wir sind dazu berufen, als Botschafter Jesu Christi in dieser Welt das Evangelium zu verkündigen. Aber wir sind nicht dazu berufen, das als Einzelkämpfer zu tun, sondern als Team. Christen sind Teamplayer.
Und die Gaben machen deutlich, dass wir erst in der Summe, erst wenn wir zusammenspielen, das Potenzial entfalten können, das Gott in uns hineingelegt hat. Die Geistesgaben der Geschwister, und zwar in der Summe, ermöglichen es der Gemeinde, den Dienst am Evangelium in der Gesellschaft zu tun.

Die Vielfalt der Gaben und der Blick auf neue Begabungen

Wenn der Geist Gottes, das habe ich oft zitiert, und das ist vielleicht mein Lieblingspunkt zu dem Thema Geistesgaben, gibt, wie er will, sind hier die Geistesgaben gemeint. Er gibt, wie er will. Und ich bin davon überzeugt, dass der Geist Gottes Gaben gibt, nicht nur in dem Sinne: „Ich würfle mal, und dann flupp, ihr könnt eh nichts dagegen tun“, so wie man Karten vielleicht bei einem Kartenspiel kriegt, wo du aufmachst und sagst: tolles Blatt, super.
Nein, der Geist Gottes gibt, wie er will, weil er weiß, was wir brauchen, damit wir in der Zeit, in der wir leben, an dem Ort, wo wir leben, die Menschen, die um uns herum leben, erreichen können und den Dienst tun können, zu dem Gott uns berufen hat.
War lang, ich sage es nochmal: Gott gibt uns die Gaben, die wir brauchen, damit wir heute da, wo wir leben, die Menschen erreichen können, auf die Art und Weise, mit der Berufung, die Gott uns gibt. Und deswegen heißt es: Der Geist gibt, wie er will, weil er weiß, was wir brauchen, um diesen Dienst zu tun.
Und deswegen glaube ich, dass nicht jede Gemeinde jede Gabe, die man irgendwo findet, braucht und hat. Schon die Liste der neutestamentlichen Gaben: Wenn ihr mal Römerbrief mit Korintherbrief vergleicht und Epheserbrief, die sind ja ganz unterschiedlich. Ich könnte jetzt weitergehen in die Kirchengeschichte und könnte euch da zeigen, dass es dann plötzlich auch noch andere Gaben gibt, und ihr denkt: Was soll denn das jetzt?
Ich bin davon überzeugt, dass die Liste der Gaben im Neuen Testament nicht vollständig ist. Nirgendwo steht, es gibt nur diese Gaben. Und wir selber haben das schon gesehen. Erinnert ihr euch? Wir haben Gaben aus dem Alten Testament herausgezogen, die sich in keiner Liste wiederfinden: Kunst und Musik zum Beispiel.
Im Alten Testament gibt es begabte Leute. Gibt es im Neuen Testament nicht mehr gesungen? Doch, wird gesungen. Wird da nicht mehr Musik gemacht? Anscheinend schon. Haben die keinen Sinn mehr für irgendetwas Schönes? Doch, natürlich.
Das heißt, es gibt im Alten Testament Gaben, die im Neuen Testament nicht wieder aufgegriffen werden. Die Listen sind nicht vollständig. Und ich gehe jetzt einen Schritt weiter: Wenn die Gaben dazu da sind, die Glieder einer Gemeinde für ihren ganz spezifischen Dienst in der Gesellschaft zu befähigen, kann es sein, dass es Gaben gibt, und zwar vom Geist geschenkte Gaben, die überhaupt nicht in der Bibel stehen.
In einer Gesellschaft wirkt, und wenn die Gesellschaft sich weiterentwickelt und wenn der Geist gibt, wie er will, weil die Gemeinde ihre Gesellschaft erreichen möchte, könnt ihr euch vorstellen, dass es Gaben gibt, die wir brauchen, die aber nicht in der Bibel stehen, weil sie einfach im ersten Jahrhundert nicht gebraucht wurden?

Konkrete Beispiele für heutige, nicht ausdrücklich genannte Gaben

Wenn mir jemand zu mir kommt und sagt: Was hältst du von Gabentests?, dann werde ich immer so. Ich möchte dann etwas nicht schlecht machen, weil ich es ja grundsätzlich gut finde, wenn Leute sich mit ihren Gaben beschäftigen.
Aber ich tue mich mit den klassischen Gabentests immer ein bisschen schwer. Denn so ein Gabentest nimmt die Gaben, die er in der Bibel findet, und das ist auch okay. Dann machst du eben deinen Test. Mein Problem ist: Ich kenne viele Geschwister, die den Test gemacht haben und danach den Eindruck hatten: Na ja, so richtig getroffen hat er mich nicht.
Und ich kenne begabte Geschwister mit Gaben, die sehr greifbar sind, die aber nicht in der Bibel stehen. Auf der einen Seite machst du also so einen Test und sagst: Für mich ist nichts dabei. Irgendwie doof. Ich kann keine Wunder wirken, keine Dämonen austreiben, habe keine Zungenrede, predigen kann ich auch nicht, und Leute sind mir auch nicht so wichtig. So richtig viel Geld zum Spenden habe ich auch nicht. Du gehst das so durch und hängst dich dann an irgendetwas dran: Na ja, ich kann ja auch mal Kaffee kochen, ich bin bestimmt ein Diener.
Es bleibt unbefriedigend. Und es bleibt auch für Leute unbefriedigend, die unglaublich begabt sind, bei denen du sagst: Du hast doch da eine Gabe, aber die steht nicht in der Bibel.
Und die Frage, die ich stellen möchte, ist: Kann es sein, dass es vielleicht ein ganz kleines bisschen unsinnig ist, die Gabenausstattung einer Missionsgemeinde im ersten Jahrhundert, also das, was damals nötig war, was dran war, was sie gebraucht haben und was sie eingesetzt haben, einfach unreflektiert auf eine Großstadtgemeinde des 21. Jahrhunderts mit fast 2000 Jahren Christentum im Hintergrund zu übertragen?
Ich glaube, wir müssen aufpassen, dass wir das nicht zu schnell eins zu eins tun und sagen: Mir fehlt was. Vielleicht müssen wir Gott mehr zugestehen, dass er gibt, wie er will. Denn Gott ist kein statischer Gott.
Stell dir mal vor, Gott denkt sich: Wunder ist eine tolle Sache. Mose, Mose, ich mache bei dir zehn Plagen. Dann kommen Elija und Elisa, und er sagt: Wunder sind eine tolle Sache, ich mache nochmal die zehn Plagen. Und dann kommen Jesus und die Apostel, und er macht nochmal die zehn Plagen. Und du denkst dir: Hm, fällt Gott nicht viel ein? Immer wenn es Wunder gibt, gibt es zehn Plagen. Das macht Gott nicht.
Wenn Gott Wunder tut, dann sind die ganz spezifisch. Sie passen genau in die Situation hinein. Nicht einfach immer nur zehn Plagen, zehn Plagen, zehn Plagen. Bei Mose sind es zehn Plagen, im nächsten Fall ein ganzes Kuddelmuddel an anderen Sachen bei Elija und Elisa. Unter anderem gibt es ja auch Feuer vom Himmel und die Baalspriester und so. Also total spannend, total anders. Jesus ist nochmal total anders. Auch die Apostel machen andere Sachen, als Jesus sie gemacht hat.
Wenn Gott kein statischer Gott ist, wenn Gott so kreativ ist, wenn Gott genau weiß, was zu welcher Zeit gebraucht wird, um ans Ziel zu kommen, warum kann ich dann nicht glauben, dass Gott auch mit uns, was Gaben angeht, so umgeht, wie es nötig ist, damit wir an sein Ziel kommen?
Ich bin davon überzeugt, und an der Stelle: Das steht nicht in der Bibel, was ich jetzt sage. Und wenn ihr mir sagen wollt: Jetzt gehst du einen Tick zu weit, dann ist jetzt die Zeit, das zu sagen. Aber ich versuche zu erklären, warum ich das glaube.
Ich bin davon überzeugt, dass es moderne Gaben gibt, die wir für unseren Dienst brauchen und die deshalb nicht in der Bibel drinstehen, weil sie damals nicht gebraucht wurden. Ich bringe euch einfach vier Beispiele, und ich könnte mehr bringen, aber vier, um es ganz deutlich zu machen.
Erstens: Ich finde keine Kinder- und Jugendmitarbeiter in der Bibel. Es gibt das gesamte Thema Kinder- und Jugendarbeit nicht. Aber ich kenne unglaublich begabte Leute, die Kindern biblische Geschichten und biblische Prinzipien auf eine Weise vermitteln können, die einfach Wahnsinn ist.
Gestern Abend habe ich mit einer jungen Freundin gesprochen, die mir wiederum von jemandem erzählte, der als Achtzehnjähriger nach Äthiopien gegangen ist, weil er ein Herz für Straßenkinder hat. Er sagt: Ich baue da etwas auf, ich bleibe da. Ihre Erfahrung: Sie war ein Jahr mit ihm unten, oder eine Weile, ich weiß nicht, ob es ein Jahr war. Sie hat das geschildert, und er war ein unglaublicher Typ. Wenn der mit Kindern umgeht, ja, mit Straßenkindern, dann ist das Hammer. Da denkst du: Da ist jemand von Gott für diesen Job begabt worden.
Der ist mit 14 da mal hingegangen, weil er nach Äthiopien wollte, weil er da eine Schule mit aufbauen wollte. Und jetzt, überlegen Sie sich mal, da würden andere Leute sagen: Ja, ich fange langsam an, meine Bibel zu lesen und mal schauen, ob mir Gott irgendwo meinen Weg zeigt. Da sagt er: Ich weiß, ich bin in Äthiopien, in diesem Kaff. Ich bin hier berufen, diese Straßenkinder zu erreichen, und ich werde ihnen eine Schule bauen, ich werde für sie da sein, und ich werde mein Leben in sie investieren.
Und dann kommt jemand und sagt: Das ist aber keine Gnadengabe. Verstehst du, das ist irgendwie total ... nein, das ist etwas.
Kinder- und Jugendarbeit: Es gibt Jugendevangelisten. Wow. Da stehst du einfach davor und denkst dir: So würde ich das auch gerne mal sagen können. Die treffen einfach die Sprache, die sind von ihrem ganzen Wesen her so.
Ich habe euch für den Februar jemanden eingeladen, der mit Punks am Alexanderplatz bei Burger King evangelisiert. So nach dem Motto: Ich kaufe dir einen Burger, du hörst dir meine Geschichte an. Das wird er uns hier vorstellen, damit wir eine Idee bekommen zum Thema Evangelisation, was in dieser Stadt möglich ist.
Und jetzt sagst du: So punkige Teenager erreichen, das ist Sache der Eltern, das gibt es nicht in der Bibel. Hallo?
Zweites Beispiel: Ich habe allergrößten Respekt vor Leuten, die mit Technik umgehen können. Weißt du, du hast da so ein Multicore-Kabel, und da kommen irgendwie zweitausend Enden raus. Und du hast dann das Gegenstück an einem Rack mit zweitausend Stöpseln. Ja, und du musst die irgendwie so verbinden, dass am Ende, wenn die Gitarre spielt, nicht das Klavier pfeift. Super! Also, ich bin restlos begeistert.
Gibt es die Gabe des Umgangs mit Technik? Ja, das glaube ich. Weil ich glaube, es ist nicht nur Intelligenz, sondern da haben Leute ein Händchen für. Einfach ein Händchen. Die stehen da vor und sagen: tut, tut, tut, tut, tut, tut, fertig. Und du denkst: Okay.
Und du kannst das rüberziehen: Gibt es die Gabe für den Umgang, was weiß ich, mit PCs, mit Elektronik? Ja, die gibt es.
Ja, du sagst gleich: Andreas, du hast mir die Geschichte von Andreas erzählt. Ja, soll ich dir sagen, wie er sie erzählt hat? Er meinte, er hat den Computer aufgemacht, hat alle Sachen rausgezogen, und wie sagtest du? Da war ich dann schon so ein bisschen kritisch. Ja, dann hat er alles wieder reingemacht, dann blieb ein Ding über, aber es war besser als vorher.
Ich habe das gehört und dachte mir: Genau so stelle ich mir jemanden vor, der die Gabe hat, an der Stelle zu arbeiten. Genau so. Steht nicht in der Bibel, die Gabe. Aber gib mir den PC, und ich zeige dir, wie sich jemand benimmt, der die Gabe nicht hat. Rausziehen kann ich. Wahrscheinlich sogar sehr effektiv.
Drittes Beispiel: Auch das nicht in der Bibel, aber der Umgang mit Presse, mit Medien. Die Darstellung einer Gemeinde in der Öffentlichkeit, und zwar in Form von Pressemitteilungen, Anzeigen, wie man sich in der Gemeinde gibt. Das geht bis rüber in den Bereich des Inhalts von Homepages.
Es gibt Leute, die sind dafür besonders begabt. Die haben ein Händchen dafür und platzieren permanent irgendwo ihre Dinge. Die sind immer irgendwie präsent. Möchten Sie wissen, wer das ist? Mein Freund Karl Dietmar Plenz.
Persönlich weiß ich gar nicht, ob ich das predigen darf, aber ich sage das mal: Er sagt, ich stehe einmal die Woche in der Zeitung positiv mit meinem Ding. Der kriegt das hin. Der macht tausend Seiten, und er hat so die Händchen über die Jahre. Er sagt, ich kenne, ich sage nicht so viel, aber da ist jemand, der hat einfach ein Händchen dafür, nach außen zu wirken und sich und die Gemeinde und das Evangelium darzustellen.
Immer, wenn er davon erzählt, denke ich: Nee, um das zu schaffen, was du mir gerade erzählst, da müsste ich ein halbes Jahr arbeiten. Nee, da machen wir hier noch ein bisschen Gänsekeule verkaufen und da noch ein bisschen das und das, und dann stehen wir hier wieder drin, und da habe ich noch was.
Toll. Einfach toll. Das kannst du in meinen Augen auch lernen, aber um wirklich gut zu sein, musst du begabt sein.
Letztes Beispiel: Auch das nicht in der Bibel: ein Buschpilot.
Und jetzt gibt es Leute, die sagen: Okay, du hast recht, die stehen nicht in der Bibel. Aber können wir nicht Folgendes machen? Wir nehmen so eine Überkategorie, Hilfeleistung, Dienen, und wir stopfen das alles da rein. Das heißt, die Leute gehen ihre Gabenlisten durch, und wenn sie ehrlich sind, landen drei Viertel bei Dienen.
Und da bin ich dagegen. Weil die drei Viertel, die bei Dienen landen, da gibt es eine ganze Menge, die sagen: Na ja, eigentlich ist das Schmuh, ich gehöre da auch nicht wirklich rein, ich habe nichts.
Und das ist meine Sorge: dass Geschwister am Ende dieser Reihe von Predigten mit Übergeistesgaben doch ein Stückchen unzufrieden sind und sagen: Jürgen, du hast nicht wirklich getroffen, was ich bin.

Die entscheidende Frage: Was kannst du?

Deswegen werde ich jetzt den Vorhang aufziehen und dir die Frage stellen: Wenn das so ist, dass Gaben vielleicht noch viel weiter differenziert sind, als wir uns das jetzt in der Reihe vorgestellt haben, weil wir da zurückschauen, weil wir gar nicht so sehr die Gegenwart betrachten, weil wir uns gar nicht im Blick haben, kann es sein, dass wir gar nicht so sehr die Frage stellen müssen, welche Gabe habe ich, sondern dass wir andersherum rangehen dürfen?
Was kannst du? Was kannst du? Womit hat Gott dich begabt? Anders gefragt: Was machst du gerne? Was machst du gerne? Wo sagen Menschen dir, dass du etwas toll machst? Und womit kannst du einer Gemeinschaft dienen?
Die Frage würde ich dir gerne mitgeben. Ich würde mir sogar wünschen, dass er sie, ich habe das Blatt hier wieder vorbereitet, dass die Fragen zur Selbstreflexion hier hinten drauf, dass er sie in die Hauskreise mit reinnimmt und darüber nachdenkt: Was kannst du, was machst du gern? Wo sagen andere, dass du es gut machst? Wie kannst du der Gemeinschaft dienen?
Es mag sein, dass du dich selber in diesem Gabenspektrum, was ich gepredigt habe, nicht so deutlich wiederfindest. Und vielleicht ist das gar nicht schlimm. Vielleicht bist du viel individueller, als du denkst. Es kann auch sein, dass du sagst: Ich habe den Eindruck, ich habe eine ganz andere Gabe, die da nicht steht, aber die habe ich richtig. Weil du dir anschaust, was du gerne machst, was du gut kannst und wo du merkst: Da diene ich Menschen. Aber es ist irgendwie krampfig, das in der Bibel irgendwo wiederzufinden.
Ich werde mal ganz ehrlich sein: Ich selber tue mir, wenn du mich fragst, ob ich irgendwelche Gabe habe, auch nicht so einfach. Also manchmal denke ich, ich bin vielleicht der Apostel, der gut lehrt. Dann denke ich wieder: Nein, ich bin ein Lehrer, der aus Versehen eine Gemeinde gegründet hat. Dann denke ich wieder: Nein, vielleicht bin ich doch eher der Leiter, der auch lehrt und zu fünf Prozent Künstler ist. Da gibt es immer noch so einen Bubble, den ich nicht so richtig einordnen kann. Ich flutsche so hin und her und finde es schwierig, mich genau in einen Raster einzutakten.
Wenn ich muss, mache ich das. Wenn ich ein Label brauche, gebe ich mir eins. Aber wenn ich dann ehrlich bin und mir selber die Frage stelle, wie sieht es denn aus, dann stelle ich bei mir fest, dass sich meine Gaben, dass sich diese Verteilung der Gaben über die Jahre geändert hat. Also, wenn ich mehr gepredigt habe, hatte ich den Eindruck, das geht auch mehr in Richtung Lehre. Und wenn jetzt plötzlich, im Moment mache ich mehr Verwaltung für die Gemeinde, so im Hintergrund ein bisschen Sachen, zum Beispiel diese Predigtvorbereitung. Hätte ich vor zwei Jahren gedacht: Lass mich bloß in Ruhe mit dem Zeugs, ich hasse das. Im Moment macht es mir fast ein bisschen Spaß, und ich denke mir: Was ist denn hier los? Und es geht mir irgendwie auch flott von der Hand, als wäre da was Neues dazugekommen.
Anscheinend entwickeln sich Gaben auch in dem Maß, wie wir in Verantwortung hineintreten, wie wir Aufgaben übernehmen. Und was sagt Paulus? Er sagt: Wenn du eine andere Gabe haben möchtest, wenn du glaubst, damit der Gemeinde besser dienen zu können, dann bete doch einfach dafür.
Nochmal: Was machst du gerne? Was machst du gerne? Wo hast du den Eindruck, da kann ich Menschen gut dienen, was machst du toll? Und in dieser Richtung wünsche ich mir, dass du weiterdenkst. Vielleicht bist du ein einfühlsamer Mensch, vielleicht ein Computerfreak, vielleicht schreibst du gerne E-Mails, vielleicht betest du gerne, vielleicht hast du irgendwo ein Herz, wo du sagst: Hm, kann ich jetzt nicht genau mit einer Gabe umreißen, aber das bin ich, das kann ich.
Vielleicht bist du jetzt nicht so ein Riesenlicht, nicht gleich eine Sonne, sondern sagst: Ja, so eine kleine Kerze, aber das kann ich. Und an der Stelle kann ich mich einbringen.
Ich weiß eines, und damit wünsche ich mir, dass ihr aus dieser Reihe rausgeht: Ich weiß, dass ihr alle begabt seid, weil die Bibel das sagt. Es ist keiner dabei, der ohne Gabe hier im Raum sitzt. Gott hat uns begabt, und Gott hat keinen Fehler gemacht, als er sich dich ausgedacht hat.
Oder anders ausgedrückt: Deine Geschichte, wo du herkommst, wird dich nicht limitieren. Gott wird mit dir zum Ziel kommen. Und egal, wie du über dich denkst, wenn du morgens in den Spiegel schaust: Du kannst stolz sein. Und stolz nicht in diesem Negativen, sondern im besten aller Sinne. Du kannst stolz sein auf das, was du im Spiegel siehst. Du kannst stolz sein auf das, was Gott an Gaben in dich hineingelegt hat, auf das, was du bist.

Abschluss mit dem Bild des Kunstwerks und dem gemeinsamen Gebet

Ich möchte zum Schluss einen Vers bringen, mit dem dann die ganze Reihe und meine Predigt beendet ist: Epheser 2,10. Bevor der Vers kommt, schreibt Paulus davon, dass Gott den Reichtum seiner Gnade erweisen möchte, dass Gott sich durch uns offenbaren und verherrlichen möchte.
Frage: Wie macht er das? Wie schafft Gott das? Gott möchte in dieser Welt gefeiert werden. Wie macht er das?
Und dann heißt es in Epheser 2,10: Denn wir sind sein Gebilde, wörtlich sein Kunstwerk. Da steckt ein Handwerker dahinter. Stellt euch so ein schönes Gesellenstück vor, oder besser so ein Meisterstück, wo du sagst: Boah, ich stehe manchmal vor alten Schreibtischen, wo ich sage: Hammer, einfach nur Hammer. Es ist einfach nur schön. Wenn ich Platz hätte, aber da brauchst du richtig Platz, dann hätte ich sowas. Es war einfach nur schon spaßig, da dran zu sitzen.
Denn wir sind sein Gebilde in Christus Jesus geschaffen zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.
Erstens: Du bist Gottes Kunstwerk. Gott hat dich gemacht, hat dich gewollt, hat dich begabt.
Zweitens: Du bist geschaffen zu guten Werken. Das heißt, Gott hat mit dir persönlich etwas vor. Ob du das glauben kannst oder nicht, spielt dabei überhaupt keine Rolle. Gott hat mit dir etwas vor. Er hat dich für etwas gemacht. So wie du bist, bist du in der Lage, das zu tun, was Gott mit dir vorhat.
Und drittens: die er zuvor bereitet hat, die guten Werke, die Aufgabe, die du kriegst, die für dich bereitliegt. Das ist eine Aufgabe, die dich nicht überfordern wird. Es ist eine Aufgabe, die, bis runtergebrochen auf die kleinen Punkte, Gott schon für dich maßgeschneidert vorbereitet hat, so dass, wenn du da reinstolperst und sagst: Hey, fühle ich mich eigentlich wohl.
Wenn ich in die Kinderstunde reinstolpere, ich habe mal ein Jahr aus Versehen Kindergottesdienst gemacht, so aus der Not heraus geboren, weil kein anderer da war. Ich war froh, als es vorbei war, und die Kinder auch. Da fühlte ich mich unwohl. Aber es gibt Situationen, da fühle ich mich pudelwohl, wo jemand anders sagen würde: Ich würde graue Haare kriegen, nur wenn ich daran denke, das machen zu müssen. Ja, das ist das, wo ich reingehöre. Das ist das, was Gott für mich vorbereitet hat, wofür er mich gemacht hat, wozu ich passe. Und das Gleiche gilt für dich.
Ein letztes Mal: Denn wir sind sein Gebilde in Christus Jesus geschaffen zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.
Lasst uns beten, und lasst uns jetzt eine normale Gebetsgemeinschaft machen. Markus wird gleich nach vorne kommen mit dem Mikro. Lasst uns bitte starten mit diesem Blick darauf, dass wir wertvoll sind, begabt sind, und lasst uns auch diesen Gedanken mit hineinnehmen, dass wir nicht alles schaffen müssen, was wir an Arbeit sehen, weil es bestimmte Jobs gibt, die sind für uns, und es gibt bestimmte Jobs, die für die anderen sind. Und wenn wir zusammenspielen, kriegen wir alle Jobs getan. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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