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Vom Highlife zur schicksalhaften Wende
Unser heutiger Gesprächspartner ist ein Mann, dem es sich lohnt zuzuhören. Vor seiner Bekehrung war er ein Selfmade-Multimillionär in der Münchner High Society – wirklich mit allem Drum und Dran: Villa, Chauffeure im Plural, etliche Immobilien, alles vom Feinsten. Doch er wollte immer mehr.
Durch eine Verkettung von Umständen geriet er auf die schiefe Bahn und wurde schließlich Geldwäscher für die südamerikanische Drogenmafia. Er verfügte über ein Privatvermögen von vierzig Millionen Euro, sogar mehr auf dem Konto. Gleichzeitig wurde er international von der Polizei, von europäischen Behörden und von Schwerverbrechern gesucht, die sich von ihm betrogen fühlten. All das geschah, während er im Rollstuhl saß.
Dass er das alles überhaupt überleben konnte, bevor er sich der Polizei stellte, ist ein Wunder. Nach seiner Verurteilung verbüßte er Haftstrafen in den Justizvollzugsanstalten Stadelheim und Landsberg.
Und jetzt kommt das Wichtigste von allem: Er hat sich im Gefängnis bekehrt und seine langjährige Haftzeit zum Bibelstudium genutzt. Heute, im Rentenalter, nachdem er Jahre später aus dem Gefängnis entlassen wurde und wirklich alles verloren hat, setzt er sich trotz gesundheitlicher Probleme mit seiner Kraft dafür ein, Menschen von Jesus zu erzählen.
Ich habe ihn etliche Male auf der Straße das biblische Evangelium verkündigen hören. Die Lebenserfahrung und das Maß an Selbstreflexion, das er hier mitbringt, nötigen mir Respekt ab. Da muss der alte Mensch in ihm schon sehr gestorben sein.
Kindheit und familiärer Hintergrund
Deswegen nimm dir gern Zettel und Stift und begrüße mit mir den Evangelisten Josef Müller.
Lieber Josef, lass uns doch mal ganz am Anfang starten. Bei dir war es ja nicht immer so, dass du dieses Highlife geführt hast, mit den Millionen, die quasi aus dem Auspuff rausfliegen. Aus welchen Verhältnissen kommst du denn ursprünglich?
Ja, lieber Markus, das ist eigentlich etwas, worauf ich Gott sei Dank heute wieder zurückgefunden habe: ganz normale, geordnete – wie sagt man – gutbürgerliche Verhältnisse.
Ich bin ganz normal aufgewachsen, in einem Einfamilienhausgebiet. Das Interessante ist, dass mein Vater Beamter war. Er war Kriminalkommissar, und meine Mutter war OP-Schwester im örtlichen Krankenhaus.
Ich war das einzige Kind. Meine Eltern hatten zwar noch zwei weitere Kinder, aber die sind leider schon in den ersten Wochen gestorben. Was das mit einer Frau macht, möchte ich gar nicht nachvollziehen, wenn zwei Kinder sterben.
Ich bin der einzige, der es durchgeschafft hat und bis zum heutigen Tag mit vielen Erlebnissen dazwischen lebt. Aber wahrscheinlich kommt das daher. Das machen wir auf jeden Fall.
Der einschneidende Autounfall und seine Folgen
Als ich, weißt du, zwischendurch meiner Frau einfach Sachen aus deinem Buch vorgelesen habe – wir haben es ja hier unten unter dem Video verlinkt – meinten wir beide so: Ich glaube, wir hätten gar nicht den Ruhepuls, um einfach eine Woche in deinem Leben zu überleben. Aber machen wir mal Schritt für Schritt.
Du hast ja einiges durchgemacht. Die Kindheits- und Jugendgeschichten legen wir mal ganz kurz zur Seite. Der erste große Einschnitt kam natürlich, als du siebzehn warst, kurz vor deinem achtzehnten Geburtstag. Du hattest einen Autounfall. Willst du uns da mal kurz mitnehmen?
Ja klar. Also, ich muss da vielleicht ein bisschen ausholen. Mein Vater hatte mit 50 Jahren einen Herzinfarkt. Ich sage immer lächelnd ab und zu: Ich weiß gar nicht, wie man als Beamter einen Herzinfarkt bekommen kann. Aber wie auch immer, ich will da auch fast nach hinaus. Er wurde dann pensioniert, hat sich als Handelsvertreter selbstständig gemacht, und da musste eigentlich der Sohn mithelfen, weil er Hilfe brauchte, um Produkte auszufahren.
Ich war erst 16 Jahre alt, und mit 16 Jahren darf man das ja noch nicht. So konnte ich mit 16 Jahren schon mit einer Zusatzprüfung das Gute erreichen: beim Münchner TÜV einen Führerschein machen. Ich bin dann natürlich in die Diskotheken gefahren, nachdem ich dem Papa geholfen hatte, und habe das natürlich genossen, mit 16 schon einen Führerschein zu haben.
Ich muss ganz klar sagen, ich war schon damals der Star der Mädels, aber das ist zu junger Zeit.
Kurz vor meinem achtzehnten Lebensjahr bin ich vom Tanzen heimgefahren, in der Nacht um zwei, drei Uhr ungefähr. Ich war kurz vor Fürstenfeldbruck, das liegt hier zwischen München und Augsburg, und bin eingeschlafen – so ein Sekundenschlaf.
Ich habe vor meinem sechsundzwanzigsten Lebensjahr, das weiß ich noch ganz genau, keinen Alkohol getrunken. Aber ich war natürlich vom Tanzen, vom Abrocken in der Disko so überlastet, dass ich eben diesen Sekundenschlaf hatte.
Das Auto kam dann von der Fahrbahn ab. Ich habe es nicht mehr in den Griff bekommen. Es kam von der Fahrbahn ab, hat sich sechsmal überschlagen und blieb an einem Baum hängen.
Ich glaube, das war es, was da passiert ist. Was danach kam, war das erste große Wunder in meinem Leben: Vier Stunden später, so um die Morgenstunde sechs Uhr am Sonntag, kam ein Autofahrer vorbei an der Stelle. Er schaute nicht auf die Fahrbahn, sondern in den Wald hinein und sah dort mein Auto liegen.
Wie gesagt, heute würde man dann so machen: Er hätte mit dem Handy die Rettung gerufen. Aber damals war das noch ganz anders. Er musste in die Stadt rein, in eine gelbe Telefonzelle bei uns – so eine gelbe Telefonzelle. Man musste zwei Zehn-Pfennig-Stücke einwerfen und die Rettung holen.
Die Rettung kam dann, und sie haben mich zusammen mit der Polizei und mit allem Riesenaufwand aus dem Fahrzeug herausgezogen. Ich kam in das örtliche Krankenhaus.
Dort hat man festgestellt, dass ich eine Rückenmarksverletzung habe. Die konnten damals noch nicht adäquat in den Krankenhäusern behandelt werden. So kam ich mit einem Helikopter der Bundeswehr – ich sage immer ein bisschen lächelnd dazu: Damals hatten die noch einen, der funktionierte, ohne dass sie ihn erst zusammenbauen mussten – mit einem Helikopter der Bundeswehr wurde ich in die orthopädische Universitätsklinik nach Heidelberg am Neckar gebracht. Dort begann auch meine Rehabilitation.
Ich kann mich noch an das Erste erinnern: Ich war im Koma, weil es doch noch ziemlich schlimm mit mir war und unklar war, ob ich das wirklich alles überleben würde.
Ich erinnere mich, dass ich aufwachte in der Intensivstation dieser Klinik in Heidelberg. Da stand mir plötzlich ein Professor in einem weißen Kittel gegenüber. Er sagte: „Herr Müller, Sie hatten einen Autounfall, werden Sie schon mitbekommen haben. Sie haben eine Rückenmarksverletzung, eine Querschnittlähmung, und werden den Rest Ihres Lebens im Rollstuhl verbringen. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Auf Wiedersehen.“
Boah, mit Siegzählen! Da hat man ganz andere Vorstellungen davon, was man im Leben macht: Weltreise, vielleicht Familie, Karriere.
Aber Entschuldigung für den Ausdruck – ich darf das vielleicht sagen – nicht so ab in die Krüppel-Abteilung Rollstuhl. Der hat keine Ahnung, was das bedeutet.
Die Kraft zum Weitermachen
Aber wie gesagt, für mich war es eigentlich nicht so, dass ich mich aufgegeben habe. Und das ist, glaube ich, ganz wichtig für jeden, der zusieht oder dieses Video sieht: Man fällt nicht immer, sage ich mal so, in irgendwelche schwarzen Löcher. Das Leben ist halt so.
Da kommt eine Hiobsbotschaft: Von heute auf morgen verunglückt eine Freundin oder Verwandte, oder jemand bekommt Krebs, oder etwas anderes Schlimmes passiert. Dagegen können wir nichts tun. Aber wir können eins: Nach einer gewissen Trauerzeit – ich sage mal, beim Tod ist es natürlich ein bisschen extremer – können wir wieder aufstehen aus diesem Loch. Wir können sagen: Es geht weiter, das Leben geht weiter. Und vielleicht sagen wir dann: Jetzt erst recht. Okay, ich lebe noch, und das war mir wichtig.
Diese Kraft, die ich heute habe, würde ich sagen, kam auch von irgendwo her. Die Leute fragen mich oft: Wo hast du die Power her? Ich schaue dann immer nach oben. Obwohl ich damals noch nicht genau wusste, woher sie kam, habe ich einfach gesagt: Ja gut, ich bin jetzt im Rollstuhl, vielleicht gehe ich nicht mehr, aber ich lebe noch. Und ich kann genauso weitermachen.
Das ist eigentlich mein Thema: der Autounfall, der vor interessanterweise 50 Jahren passiert ist. Vor 50 Jahren – krass.
Gedanken über ein anderes Leben ohne Unfall
Ja, wir werden gleich noch ein bisschen darauf eingehen, was danach passiert ist. Zuvor aber eine kurze Frage: Was glaubst du, wie dein Leben verlaufen wäre, wenn du damals nicht diesen Unfall gehabt hättest?
Das ist eine der vielen Fragen, die mich oft beschäftigen. Ich muss dazu sagen, ich weiß es nicht. Mein Leben verlief eigentlich so ungewöhnlich, dass ich nicht sagen kann, ob es dann genauso verlaufen wäre. Ich weiß nur eines: Man darf nie fragen, warum.
Die Frage „Warum ist dir dieser Unfall passiert?“ führt oft zu weiteren Fragen wie „Warum hat Gott es nicht verhindert?“ oder einfach nur „Warum, warum?“ Ich glaube, auf eine Warum-Frage gibt es nur eine Antwort, auf die sofort wieder ein Warum folgen würde.
Aus heutiger Sicht – und leider ist es so, dass man sagt: „Gelebt wird von vorne und verstanden von hinten“ – würde ich sagen, es hat seinen Grund gehabt. Erstens hat es mir nie viel ausgemacht, im Rollstuhl zu sitzen. Vielleicht kann das ein Nichtbehinderter gar nicht so nachvollziehen. Man muss es erlebt haben, okay?
Ich kann es gar nicht so gut beschreiben, aber bei mir ist es heute so: Wenn ich jemanden im Rollstuhl sehe, und ich sitze selbst seit 50 Jahren im Rollstuhl, denke ich mir oft: „Der oder die Arme, die können gar nicht gehen.“ Wenn man das selbst als Betroffener sieht, empfindet man nicht unbedingt Mitleid, aber Mitgefühl. So habe ich meine Situation akzeptiert.
Für mich ist das heute normal. Wenn ich mit Lufthansa oder einer anderen Airline fliege, rufe ich dort an und gebe bei der Reservierung einen bestimmten Code durch. Dann wissen sie, welche Hilfe ich brauche. Das ist heute alles relativ gut vereinfacht für beide Seiten.
Damals, 1973, war das allerdings noch nicht so. Ich erinnere mich an meinen ersten Flug, den ich kurz erzählen möchte: Von München nach Bremen. Mein Unfall war 1973, der Flug war 1974.
Damals kam ich mit dem Rollstuhl zur Maschine, die am Rollfeld mit einer Treppe ausgestattet war. Ich dachte, jetzt kommen ein paar starke Männer, die mir helfen. Aber stattdessen kam ein älteres Mütterchen mit einer Rotkreuzmütze und einem kleinen Täschchen. Sie hätte am liebsten ein Pflaster herausgezogen, so ungefähr.
Da habe ich gesagt: „Gute Frau, das ist lieb, dass Sie kommen, aber ich brauche ein paar starke Männer, die mir mit dem Rollstuhl da runterhelfen – nicht jemanden, der mir moralischen Beistand gibt.“
Heute ist das ganz anders: Da kommen Leute mit speziellen Fahrzeugen, manche gerade am Münchner oder Frankfurter Flughafen. Man steigt nicht mehr über die Treppe oder den Finger aus, sondern die andere Tür wird geöffnet. Man fährt mit einem Hubwagen direkt vom Flugzeug zum Terminal.
Damals war das Pionierzeit. Es gab keine abgesenkten Bordsteine oder ähnliches.
Zurück zu deiner Frage, wie es mir gehen würde, wenn es anders wäre: Ich weiß es nicht. Ich befasse mich ehrlich gesagt nicht damit, denn das wäre nur Spekulation.
Mir geht es halbwegs gut, auch nach 50 Jahren im Rollstuhl. Natürlich habe ich immer wieder gesundheitliche Probleme, weil der Körper nicht dafür gemacht ist, nur mit zwei Extremitäten zu funktionieren, sondern mit vier – also mit den Beinen, die die Last tragen.
Aber ich möchte vor allem Menschen ermutigen, denen es vielleicht auch nicht so gut geht. Ich sage immer wieder: Mach weiter, dann wird es wieder besser. Jeder hat mal schlechte Tage, auch ich.
Heute weiß ich, dass es eine Hilfe gibt. Diese Hilfe führt nicht unbedingt dazu, dass ich bete und sofort Erlösung erfahre, aber ich weiß, dass ich nie allein bin. Das ist das Schöne daran.
Diese Erkenntnis gibt mir seit 18 Jahren zusätzliche Kraft. Dafür bin ich sehr dankbar und auch gewissermaßen demütig, dass es überhaupt so eine Möglichkeit gibt, ein neues Leben beginnen zu können.
Darauf werden wir wahrscheinlich später noch einmal zurückkommen.
Vom Steuerberater zum multimillionären Unternehmer
Oh ja, da gehen wir gleich noch näher drauf ein. Ich möchte die Zuschauer und Zuhörer chronologisch mitnehmen. Es gäbe so viel zu erzählen, dass wir wirklich nur an der Oberfläche kratzen können.
Du bist später in die Wirtschaft gegangen. Unter anderem hast du als Steuerberater gearbeitet, hattest mehrere Kanzleien und etwa 50 Mitarbeiter. Man darf ja so sagen – es ist inzwischen öffentlich –, du warst selfmade Multimillionär. Du hattest mehr Geld, als jemand mit einem normalen Lebensstil in seinem ganzen Leben ausgeben würde.
Und trotzdem schreibst du selbst – und ich hoffe, das ist nicht zu direkt, Joseph, so ist es nicht gemeint – dass du besessen davon warst, noch mehr zu haben. Nimm uns da mal mit rein: Wieso?
Ich hatte als Steuerberater immer Spaß an der Steuerberatung, weil ich den Einblick in die Materie spannend fand. Das kann ich nicht ganz nachvollziehen, ja, ich weiß, das sagen mir die meisten auch. Aber einer muss es ja machen. Es gibt auch Juristen und viele andere Berufe. Mir hat es damals Spaß gemacht, Menschen zu beraten und zu helfen.
Das ist auch der Punkt: Es ging nicht nur darum, eine Honorarnote zu schreiben, sondern ich konnte wirklich Menschen helfen. Steuerberatung ist ja nicht nur Steuervermeidung, sondern auch Wirtschaftsberatung. Zum Beispiel bei Gesellschaftsformen, Vermögensfragen, Nachlassgründungen, Stiftungen oder allem, was mit Geld oder Geldanlagen zu tun hat.
Als Steuerberater hatte ich Mandanten, die sehr, sehr reich waren. Es waren nicht nur Dienstleister wie Ärzte, Anwälte und Kollegen, die in spezieller Form Hilfe brauchten. Ich hatte auch Erbengemeinschaften mit Vermögen von weit über hundert Millionen – damals waren das noch D-Mark, heute Millionen Euro oder Dollar.
Diese Mandanten konnten sich einiges leisten. Sie führten einen exklusiven Lebensstil, besaßen Immobilien im Ausland, konnten sich Fahrzeuge leisten, die sie wollten, flogen viel und aßen gut. Geld hatte damals eine große Bedeutung.
Da muss ich gleich sagen: Da hat mich der Satan etwas belogen. Der Zusammenhang zwischen Geld einerseits und Glück andererseits – da hat mich der Satan auf eine falsche Fährte geführt. Aus heutiger Sicht weiß ich, dass das nicht stimmt.
Ich sage es mal andersherum: Ich bin ein Praktiker. Ich besitze nur das, was ich benötige. Ich wohne in einem Haus, das mein Vater mir geschenkt hat, das ich nicht selbst gebaut oder erarbeitet habe. Ich fahre ein Auto, das mir jemand geschenkt hat, und habe einen vollen Kühlschrank, Gefrierschrank und einen vollen Tank. Das ist heute schon etwas wert – okay, ein voller Tank. Mehr brauche ich nicht.
Ich bin heute glücklicher als früher mit meinen mehrstelligen oder zweistelligen Millionenbeträgen. Wie kann das sein? Vernünftigerweise, ich bin ja Realist und glaube an Zahlen, will ich nicht sagen, dass Geld unglücklich macht. Geld macht Spaß und kann auch glücklich machen.
Aber ich komme heute zu folgendem Schluss – vielleicht nicht, weil ich jetzt so gescheit bin, sondern aus der Weisheit der Erfahrung: Zu wenig Geld ist schlecht, da kommt man nur auf dumme Gedanken. Zu viel Geld ist auch schlecht, weil dann andere auf dumme Gedanken kommen.
Wenn man genau so viel hat, wie man braucht, und sich auf Gott verlässt, dass er einen versorgt, wie es in der Bibel steht, glaube ich, ist das der beste Weg, mit Geld durchs Leben zu kommen.
Ich gebe zum Beispiel oft Workshops, und zwar zum biblischen Umgang mit Finanzen. Ich sage das nicht aus Werbung, sondern weil es mir Spaß macht. Ich habe gelernt, wie der Mensch als Steuerberater Geld optimiert, wie er möglichst viel haben will – die Maria Priane würde sagen: Ich, nicht meine Mia, Gott schütze diese vier, also immer ich im Vordergrund.
Dann habe ich Jesus näher kennengelernt. Ich habe mich mit seinen Aussagen, den Evangelien und der Bibel beschäftigt und gelernt, dass mehr in der Bibel über Geld, Mammon und Finanzen steht als über das Reich Gottes. Da muss Gott sich etwas dabei gedacht haben.
Ich habe auch mit Büchern herausgearbeitet, wie der biblische Umgang mit Geld aussieht. Zum Beispiel: Raus aus den Schulden. Die Bibel sagt, dass man abhängig ist, wenn man Schulden hat, sei es bei der Bank oder privat.
Ich zeige den Leuten Systeme, wie sie es schaffen können, mittel- oder langfristig oder je nach Höhe auch kurzfristig aus sogenannten Verbraucherschulden herauszukommen. Das betrifft zum Beispiel Jugendliche mit Handyschulden beim Provider, Urlaub auf Pump oder den Kauf von Möbeln auf Kredit, die man in drei Jahren vielleicht schon wieder ersetzen muss. Das Auto ist genauso.
Zum Abschluss: Ich kaufe mir nur das, was ich mir leisten kann. Das erfordert Einsicht und Disziplin. Früher hatte ich das nicht. Ich habe zwar andere beraten, aber selbst war ich ein verrückter Vogel und habe mir oft Dinge geleistet, die ich nicht bezahlen konnte. Das war vielleicht der Anfang mancher Probleme in meinem Leben, weil ich so irre fokussiert war auf das Geld.
Aber das war nur eine Geschichte. Jetzt möchte ich mich entschuldigen, dass ich so ausgeholt habe und an deiner Frage vorbeigeredet habe.
Mein Gedanke war: Reich werden, richtig reich werden – nicht nur eine oder zwei Millionen, sondern richtig aufdrehen. Das kannst du dir mit einem Dienstleistungsgewerbe wie Steuerberatung nicht so einfach zusammenarbeiten, egal wie viele Kanzleien du hast. Einer meiner Standorte war sogar in Wittenberg, der Lutherstadt zwischen Leipzig und Berlin.
Aber um richtig reich zu werden, brauchst du andere Mittel. Da hatte ich Glück. Ich habe einen Amerikaner kennengelernt, einen jungen Mann, über einen Freund in Heidelberg. Dieser Amerikaner lebte in Miami, Florida, und hieß Bruce.
Ganz kurz auf die Bruce-Geschichte wollen wir gleich noch ganz detailliert eingehen. Da kippen die Leute gleich vom Stuhl.
Die psychologische Dimension der Gier
Ich möchte noch einmal ganz kurz beim Thema Gier bleiben. Ich lese den Leuten etwas vor, was du auf Seite 51 geschrieben hast. Hier schreibt Joseph: Vor allem interessierte mich die Anerkennung, die sich in der Währung Geld ausdrückte, und das Machtspiel. Joseph Müller, der ohnmächtige Mann im Rollstuhl, konnte Millionen bewegen.
Das ist etwas, das vielen Leuten, glaube ich, nicht so richtig klar ist. Du hast es auf beiden Seiten sehr gut ausgedrückt, volle Zustimmung. Wir kommen ja beide aus der Finanzbranche. Du hast gesagt, dass einerseits Leute, die ganz wenig Geld haben oder in Schulden stecken, teilweise auf dumme Ideen kommen. Das kenne ich von mir selbst. Andererseits kommen auch Menschen, die sehr viel Geld verdienen oder vermeintlich viel Geld haben – was auch immer das sein soll –, auf dumme Ideen.
Das heißt, in beiden Richtungen gibt es so einen Verblendungsprozess. Kannst du uns da vielleicht mal für eine Minute psychologisch mit reinnehmen und erklären, was das eigentlich mit dem Gehirn macht?
Ja, es ist so: Wenn jemand meine Homepage josef-mueller.de aufmacht, dann steht dort ganz vorne: "Die Gier der Menschen – auf die Gier der Menschen konnte ich mich immer verlassen." Das heißt, eigentlich ist die Gier, wie es auch die Bibel sagt, der Anfang von vielem und von vielem Übel.
Bei den Katholiken ist es sogar so, dass Gier eine der Todsünden ist. Das ist das Gefährliche an der Sache, weil das Ganze vom Neid ausgeht. Genauso war es bei mir. Als ich auf die Mandanten geschaut habe, habe ich gesehen, was sie an Geld besitzen, was sie sich leisten können. Und genauso war es bei mir: "Das will ich auch."
Heute bestimme ich mich selbst, und das ist interessant: Die Frage, die ich mir gestellt habe, ist, warum ich heute glücklich oder glücklicher bin. Heute bin ich zufrieden. Und Zufriedenheit, glaube ich, ist das Gegenteil von Gier. Man möchte gut sein, man möchte vorankommen, man möchte anerkannt sein.
Viele Psychologen würden heute sagen, weil ich jetzt im Rollstuhl bin, will ich mich irgendwie beweisen, dass ich genauso gut bin. Das mag vielleicht im Hintergrund mitspielen. Aber meine Gefühle zum Haben waren eigentlich immer da.
Heute spreche ich auch in Schulen oder Universitäten, genau zu jungen Menschen, die glauben, Erfolg und Geld – also all die Attribute, die jetzt heißen: "Mach mich groß, Ruhm, Ehre, Chef, CEO oder was auch immer zu sein" – würden das Leben ultimativ nach oben katapultieren. Und da bin ich heute sehr vorsichtig, weil man das ganze Umfeld betrachten muss.
Geld ist, wie gesagt, ein Zahlungsmittel und nicht schlecht. Wenn jemand viel hat oder mehr, dann kann er sich halt mehr leisten. Das ist vielleicht gar nicht schlecht, ein gewisses Streben nach Geld oder nach Erfolg zu haben.
Erfolg genauso. Es gibt Menschen, die bleiben letztlich an einer normalen Stelle. Ich sage das jetzt nicht negativ, aber sie verbleiben dort, weil sie das so wollen. Ich kenne viele Frauen, die sagen: "Hey, ich hätte Karriere machen können, aber meine Familie war mir lieber." Und sie waren lieber irgendwo unter jemandem, der sagt: "So machst du es."
Selbstständig zu sein heißt auch, wirklich Einsatz zu bringen. Und heute, in der heutigen Zeit, egal womit man sich selbstständig macht, wenn man da keine Power, keine Energie und keine Leistungsbereitschaft hat – vielleicht auch zu arbeiten, aber auch einen Tag Ruhe zu haben, so wie es in der Bibel steht –, dann macht man sich das Leben schwer.
Du musst dir irgendwann auftanken und auch Gott die Ehre geben und nicht nur werkeln, so wie ich das gemacht habe: sieben Tage in der Woche. Wenn du das nicht hast, also gewisse Attribute, dann mach dir das Leben nicht schwer. Dann schlag halt den Mittelweg oder den kleineren Weg ein.
Jetzt sage ich etwas Böses: Werde Beamter, okay. Aber du musst da aufpassen, hier sind einige Religionslehrer, die das mitverfolgen. Ja, ich weiß, ich habe damit kein Problem. Ich will auch den Job des Staatsdieners nicht diskreditieren. Ich sage das immer ganz laut. Aber es gibt dort natürlich auch Menschen, die anders sind.
Wenn du etwas richtig erreichen willst und stark daran arbeiten willst, dann bleibt wahrscheinlich der Weg über eine gewisse Selbstständigkeit, ob als Freiberufler oder Gewerbetreibender. Da kommst du nicht daran vorbei. Als Arbeitnehmer – so schön es ist – hilfst du ja dem anderen erst einmal durch deine Kraft, dass er etwas wird.
Also, wie gesagt: Ich will da jetzt nicht abgrenzen, weil ich war beides. Ich war am Anfang meiner Karriere in der Steuerberatung und nach meinem Studium natürlich auch Arbeitnehmer bei Steuerkanzleien und bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.
Eigentlich sind wir alle Dienstleister. Auch wenn du selbstständig bist, leistest du für jemanden einen Dienst. Und die anderen fragen nicht: "Wie geht es jetzt dem Markus oder dem Josef oder dem anderen? Habt ihr genügend?" Sondern die Frage ist: "Was nutzt du mir? Dass ich dich buche, mich engagiere oder dir Ware abkaufe?"
Das muss dir klar sein: Wir leisten irgendwo immer Dienste – sei es mit Ware oder als Dienstleistung. Und ja, das hat mir damals auch klar gemacht, dass ich dem Menschen dienen muss, um etwas zu werden. So war es auf meinem Lebensweg.
Für mich war es wichtig, dass der Mandant nicht nur seine Steuererklärung oder seine Ordnung bezahlt hat, sondern dass er zufrieden war. Das Schöne daran war zum Beispiel, wenn Leute aus dem anderen Ende von München kamen, um hier ihre Steuer zu machen – so wie bei anderen Berufen, wie Anwälten oder Friseuren, gibt es auch eine Ecke.
Wenn sie 50 oder 60 Kilometer nach München gefahren sind, um zu mir zu kommen, war ich schon stolz darauf. Das nur als kleiner Einblick vielleicht.
Begegnungen mit der internationalen Politik und Prominenz
Ja, jetzt hast du viele wichtige und wahre Worte zum Thema Geld gesagt. Wir werden gleich noch über eine ganz bestimmte Episode aus deiner Biografie sprechen, bevor wir zum Punkt kommen, an dem wirklich alles geendet hat. Aber eine letzte Frage dazu: Du warst ja nicht nur im Bereich Geld und Wirtschaft unterwegs – das kann ich sofort nachvollziehen –, sondern kurioserweise, und vielleicht kannst du die Leser da mal kurz mitnehmen, auch in der Politik.
Du hattest Umgang mit dem britischen König Charles, mit der Familie des libyschen Diktators Muammar al Gaddafi, du hast eine Immobilie von Donald Trumps Sohn gekauft, warst Konsul der Republik Panama und Botschafter von Zentralafrika. Wie kommt der Josef Müller aus Würstfeld, Brugg, Beamtensohn, zu all dem? Erklär das mal irgendwie, ich schätze das nicht.
Du könntest jetzt sagen, du hast deinen Vortrag gehalten, weil du dich sehr gut auskennst und gut vorbereitet bist – erst mal ein Kompliment dafür. Zum Zweiten stelle ich mir auch die Frage: Es gibt halt Dinge, die kommen irgendwoher. Wie gesagt, ich kann immer wieder sagen, dass es so ist. Aus neuer Erkenntnis oder heutiger Sicht heraus musste es vielleicht so passieren, damit ich eine so – jetzt nicht schulterklopfend auf mich – aber interessante Lebensgeschichte habe.
Schau mal her: Ich bin ja – sonst wären wir ja nicht zusammen – zu Jesus gekommen oder habe mein Leben Jesus übergeben. Das hätte niemanden in einer öffentlich-rechtlichen Talkshow interessiert, sei es bei Markus Lanz, Anne Will, Blasberg, MDR Riverboat, NDR oder Maischberger. Das hätte keinen Menschen interessiert. Aber die erste Geschichte, wie man als Rollstuhlfahrer akkreditierter Honorarkonsul der Staatsregierung wird, wie man damals Prinz Charles – heute König Charles – kennenlernt, wie man mit der Schwester von Michael Jackson, La Toya Jackson, liiert ist und all solche irre Dinge erlebt, die kann ich nicht erklären. Ich kann nur immer sagen, wie es gekommen ist.
Zum Beispiel bei Prinz Charles damals, mit Camilla im Doppelpack, sage ich immer: Ich habe Geschäfte gemacht oder gesprochen mit einem Stadtrat von London, der auch Banker war, mit dem ich ein Finanzgeschäft abgewickelt hatte. Der hat mich so nebenbei gefragt, ob ich denn interessiert wäre, Prinz Charles damals kennenzulernen. Und ich muss ganz ehrlich sagen, ich war damals akkreditierter Konsul und kannte viele Leute. Ich habe ehrlich gesagt: „Na ja, eigentlich nicht.“
Zu der Zeit war ich verheiratet, und meine Frau Sandra hat plötzlich aus sich herausgesprudelt – sie war dabei – und sagte: „Mein Josef, ein Foto mit Prinz Charles, da würde sich meine Mama sehr freuen.“ Da habe ich gesagt: „Okay, den Gefallen tun wir.“ So war es tatsächlich.
Dann wurde ich zu einem Konzert im St. James's Palace eingeladen, das ist genau gegenüber vom Buckingham Palace. Die näheren Geschichten stehen in meinem Buch. Dort habe ich ihn dann getroffen – oder er mich, denn ich durfte ihn ja nicht anreden. Das ist zu höflich. Du darfst ihn nicht einfach ansprechen, auch wenn du ihn kennst oder von fern siehst. Man spricht ihn nur mit „Seine königliche Hoheit“ an, also „His Royal Highness“. Aber auch das darfst du nicht tun, bevor er dich nicht anspricht. Das sind ein paar Regeln, die man dir mitgibt, bevor du überhaupt in so einen Raum kommst.
Da waren nur etwa 200 Leute anwesend. Es war ein Konzert mit mittelalterlichen Instrumenten, total interessant. Der Vorsitzende war auch dabei. Man sagte mir und den anderen Gästen: „Sie dürfen ihn sehen, aber nicht mit ihm sprechen.“ Ich habe das Sandra gesagt, etwas enttäuscht, weil ich dachte, es wäre lockerer. Entschuldigung, vielleicht bin ich da zu einfach. Ich rede normalerweise mit jedem.
Dann hieß es, wie war es bei der Rezeption, dem Stehempfang mit Häppchen? Danach wurden wir in einen anderen Raum gebeten, einen Vortragssaal oder das Musikzimmer. Dort waren die 200 Leute, aber wir hatten einen speziell reservierten Platz in der ersten Reihe. Dann kam Prinz Charles herein, begleitet von dem Kontaktmann, der uns mit ihm zusammenbringen wollte. Das war sein Begleiter, der ihm die Tür aufmachte.
Sie kamen schnurstracks auf uns zu. Er stellte uns vor: „Mr. und Mrs. Müller aus München.“ Dann sagte er: „Oh, Janik ist my loveliest town in Germany.“ Dabei habe ich mich gefragt, was er wohl gesagt hätte, wenn ich aus Hamburg käme. Wahrscheinlich das Gleiche, er weiß es nicht genau.
Er ist jetzt Profi, und so war es: Er setzte sich, hörte dem Konzert zu, hielt eine Rede und ging wieder. Er sprach nur mit uns. Wie das kam? Das ist deine Frage. Ich weiß es nicht. Ich kann zwar erklären, wer ihn reingeführt hat, aber dass wir ihm sympathisch waren, kann ich nicht erklären. Mit einer Einladung vom Buckingham Palace, die auch in meinem Buch abgedruckt ist, wurde ich jedes Jahr zu einer Gartenparty auf seinem Landgut Highgrove eingeladen. Das liegt zwischen Bristol und London. Man war dort nicht allein, aber viele andere Gäste waren auch da – vielleicht 50 Leute, was schon bescheiden ist.
Warum das so war, kann ich heute nicht erklären. Außer, dass ich eine sehr außergewöhnliche Geschichte habe, die auch im Rollstuhl stattfand. Für einen anderen, ich sage mal nicht behinderten Menschen, wäre das schon eine gewisse Action, was ich alles erlebt habe. Aber im Rollstuhl ist das vielleicht noch das Topping.
Der Abstieg in die Kriminalität
Okay. Josef, wir kommen jetzt gleich auf das ganz, ganz große Lichtkapitel in deinem Leben zu sprechen, das vor achtzehn Jahren passiert ist. Ich möchte aber vorher auf drei finstere Täler eingehen, durch die du gegangen bist. Diese sind, glaube ich, kaum vorstellbar. Dazu möchte ich den Leuten etwas aus deinem Buch vorlesen.
Ich will das vorher ganz kurz machen, damit die Zuschauer eine Idee haben, was dahintersteckt. Danach kannst du uns vielleicht mitnehmen und erzählen, wie es passiert ist.
Also, liebe Zuschauerinnen, liebe Zuschauer: Es ist tatsächlich so, Josef ist am Ende – ohne es am Anfang zu wissen – Geldwäscher für die südamerikanische Drogenmafia geworden. Er hat für einen Mann gearbeitet, der Enrico Caprino hieß. Dieser stand auf der Fahndungsliste der zehn meistgesuchten Verbrecher Nordamerikas. Das ist eine absolut verrückte Geschichte.
Josef hat in seinem Buch eine Sache geschrieben, die mich sehr bewegt hat. Ich möchte das mal ganz kurz vorlesen. Josef schreibt Folgendes:
"Ja, ich habe Menschen geschädigt und gedemütigt. Ich bin leichtfertig mit fremdem Eigentum umgegangen, habe Dumme ausgenommen und Freunden etwas zugeschustert. Ich habe um mein Leben gepasst, geschlemmt, gekokst, gehofft, gesoffen und gehurt. Da es jenseits meiner Champagner-, Kaviar- und Luxusfrauenwelt Massenelend, Hungertod, Aids-Tragödien und Kindersoldaten gab, geschah das außerhalb meines Horizonts. Ich hatte damit nichts zu tun, ich war eben ein Egozentriker und Schurke – so war es."
Richtig krass, Josef, richtig krass. Wie kam das?
Ja, es kam natürlich dadurch, dass ich mehr wollte. Es öffnete sich eine Tür. Diese Tür führte mich vom geraden Weg eines Steuerberaters – ich habe damals schon sehr korrekt gearbeitet. Wenn ich etwas nicht bezahlt hätte, wäre ich zurückgelaufen und hätte gesagt: "Da ist das Geld." Also ich war immer Steuerberater, und in der Regel ist man als Steuerberater sehr korrekt mit Geld.
Nur die Möglichkeit, Millionen zu machen und reich zu werden, öffnete sich durch die Möglichkeit anderer. Nicht im kriminellen Bereich, das muss ich ganz klar sagen, sondern das lief in einer Art ab, die sehr langsam war. Ich sage es mal andersrum: Wenn ich heute kriminell wäre und sagen würde, ich überfalle eine Bank, besorge mir eine Waffe und gehe rein – das wäre hochkriminell. Das hätte ich nie über mich gebracht.
Das Ganze lief sehr schleichend ab. Es kam jemand zu mir, dieser Bruce, 28 Jahre alt, wohnte mit reichen Eltern in Miami, Florida, USA, und fragte mich: "Könntest du nicht für mich einen Gefallen tun? Meine Eltern schenken mir einen größeren Geldbetrag, und ich würde den aus Sicherheitsgründen nicht in den USA, sondern in Europa, in Deutschland anlegen. Könntest du mir dabei helfen?"
Meine Frage war natürlich: Das ist eine ganz normale Frage. Ich bin Steuerberater, kein Anlageberater, aber es sind halt so Randgebiete. Der Gedanke, Risiko zu streuen, ist ja nicht schlecht. Das haben wir damals schon im Krieg bei Juden gesehen: Sie haben ein Drittel in Geld, Gold und Diamanten angelegt, ein Drittel in Immobilien und ein Drittel als Bargeld. Ich kann heute auch jedem empfehlen, nicht alles auf ein Pferd zu setzen – auch nicht aus Gier.
Dann habe ich mich hier erkundigt, bin rüber geflogen, habe mir das angesehen und die Eltern kennengelernt. Die hatten eine Werft, und die Eltern erklärten mir, woher das Geld kam. Nicht von der Werft, sondern sie waren beteiligt an einem Spielkasino. In diesem Spielkasino ging es um Bargeld. Sie erklärten mir, dass sie das Geld nicht auf dem Konto hatten, sondern bar. Ich habe mir nichts dabei gedacht.
Ich dachte, es gibt ja Werttransporte, die Gelder von der Bank abholen oder von Supermärkten, und das sind meistens internationale Konzerne, die verflochten sind. Miami und München sind heute keine große Entfernung mehr.
Nur bei meiner Frage, wie das Geld konkret nach München kommen sollte, schauten mich alle an. Ich hatte keine Ahnung. Ich erzähle in meinem Vortrag immer: Ich habe 20 Jahre lang Tatort geschaut, aber so etwas kam dort nie vor. Keine Ahnung, vielleicht, weil die Autoren selbst nicht in solchen echten Situationen sind. Wahrscheinlich.
Das Lustige war, dass ich dann zurückgeflogen bin. Ich bin Praktiker und habe mich beim Münchner Zoll erkundigt, beim Hauptzoll München-West, bei uns in Fersing, in der Landsberger Straße, und beim amerikanischen Konsulat. Meine Frage war ganz einfach: Darf ich als Amerikaner Bargeld ausführen, ohne es zu deklarieren oder anzumelden, und darf ich es in Deutschland einführen? Das war 1989.
Ich muss das so sagen, weil sich die Gesetzeslage heute komplett geändert hat. Damals konnte ich es. Warum war meine Frage so wichtig? Weil, wer es vielleicht noch kennt, damals gab es noch Grenzen. Zöllner können blöde Fragen stellen. Früher, wenn man nach Italien fuhr, habe ich gesagt, ich habe ein gemietetes Haus. Da wurde ich an der Grenze – sowohl in Kufstein als auch in Bozen oder am Brenner – gefragt: Haben Sie Alkohol, Zigaretten oder Waren bei sich?
Wenn mich die Zöllner gefragt hätten: Wem gehört das Geld? Ist das für die Steuer? Von welchem Spielkasino? – diese Fragen wollte ich vermeiden. Es war ja nicht mein Job, sondern mein Job war es, das Geld anzulegen.
Um es kurz zu machen: Letztendlich stammte das Ganze tatsächlich aus Drogen- und Waffengeschäften. Sie hatten nämlich eine Schnellbootflotte, mit der sie durch die Karibik Waffen und Drogen transportierten. Auf diese Idee kam ich gar nicht. Vielleicht war ich zu bieder oder ich hatte das nur im Fernsehen gesehen, aber dass ich selbst damit konfrontiert werde, war mir neu.
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich hatte keine Antwort, weil es ja legal war. Ich wurde übrigens auch nie belangt, weil ich kein Gesetz gebrochen habe. Aber es war irre. Ich bin öfter nach Amerika geflogen, hatte immer fünf Koffer dabei: vier leere Koffer auf dem Hinflug für die Ware und einen Koffer, in dem mein Waschbeutel und meine Kleidung für ein Wochenende waren.
Ich bin meistens freitags mittags nach Miami geflogen und sonntags abends zurück. Es gab eine Linienmaschine, und ich hatte immer vier Koffer bei mir, die auf dem Rückflug voller Geld waren. Ich wusste nicht einmal am Anfang, was da reinkam, aber in so einem großen Hardschalenkoffer passte eine Million US-Dollar in 50er, 100er und vielleicht ein paar Zwanziger.
Ich hatte bei jedem Flug vier Millionen Dollar bei mir – und zwar in bar. Stell dir das mal vor!
Ich glaube, beim ersten Mal habe ich sofort gemerkt, dass ich persönlich für so etwas vollkommen ungeeignet war. Ich hatte Angst und habe geschwitzt ohne Ende, weil die Gefahr bestand, dass ich als Rollstuhlfahrer – man sieht ja nicht, was in den Koffern ist, aber ich wusste es – entdeckt werden könnte. Das hat mir Schweiß und alles Mögliche ins Gesicht getrieben, und ich hatte Angst.
Markus Lanz hat mal gesagt: "Oben flog Müller mit einem Glas Champagner, und unten flog die Kohle mit." Das werde ich nie vergessen. Es war tatsächlich so.
Einmal, beim ersten Mal, ist sogar etwas Irres passiert: Ich war am Münchner Flughafen und wartete am Gepäckförderband – auf Englisch "Baggage Claim" – auf meine Koffer. Es kamen nur vier an, und mein Kleidungskoffer war schon da. Eine Million war verschwunden.
Ich dachte sofort: Das Förderband blieb stehen, alle Koffer wurden ausgeliefert, aber meine eine Million fehlte. Was sollte ich Bruce sagen? Der glaubt mir das doch nie! Ich würde ihm nicht glauben. Ich würde sagen: Josef hat eine Million zwischen Miami und München verloren.
Das Nächste: Ich musste das melden. Im Lost-and-Found-Büro fragte man mich: "Was war denn da drin? Falls der Koffer wieder auftauchen sollte, was war drin?" Ich sagte nur: "Nehmen Sie den kleinen oder großen Schein."
In dem Moment, als ich so verwirrt und eigentlich völlig von der Rolle war, begann das Förderband wieder zu laufen. Offenbar waren aus irgendeiner Ecke noch fünf Koffer hochgekommen, und mein Geldkoffer war dabei.
Ich war wirklich so erlöst, glaube ich, wie selten in meinem Leben – nie war ich so froh, diese Million in dem Koffer wiederzuhaben.
Um die Geschichte zu Ende zu erzählen: Ich bin zehnmal hin- und zurückgeflogen, und bei jedem Flug hatte ich vier Millionen Dollar dabei. Dann weißt du meinen Kontostand, okay?
Ich muss noch eine kleine Sache sagen, Markus: Ich habe mich selbst nicht verändert. Ich war derselbe Josef Müller, nur mein Kontostand hat sich verändert.
Deshalb haben sich auch die Menschen um mich herum, die das wussten, mir gegenüber verändert. Das fand ich komisch, nicht missbilligend, aber merkwürdig, weil ich ja derselbe Josef war.
Leider ist es so: Wenn du Geld hast und Leute einlädst, und die wissen, dass du Geld hast, dann bietet dir die Bibel auch die vorderen Plätze an, und die, die nichts haben, sitzen hinten. Also sei vorsichtig.
Vielleicht kann es andersherum ausgehen, beziehungsweise rät die Bibel dazu, Menschen nicht nach ihrem Besitz zu beurteilen. Aber so ist es nun mal: Hat er was, isst er was.
Das habe ich auch als Fahrer erfahren.
Letztendlich muss ich sagen, dass ich mir dadurch natürlich alles kaufen konnte: Autos, Liegenschaften, alles, was mir Spaß gemacht hat. Ich hatte zehn Autos – sehr dekadent – bis ich merkte, dass ich nur in einem sitzen kann. Ich brauchte den Wagenmeister, brauchte dies und jenes.
Letzten Endes heißt es auch: Vermögen verpflichtet. Heute bin ich Gott sei Dank diesen ganzen Rattenschwanz los. Die Verantwortung für so viel unnötiges Zeug, für Yachten, Autos – das alles ist weg, weil es immer wieder Probleme mit sich bringt.
Am Schluss lief es so, dass ich alles an der Börse verzockt hatte, weil ich keine Ahnung hatte. Die Bank hat mir geholfen, ins Börsengeschäft einzusteigen.
Ich muss sagen: Wir hatten das Geld genommen, um an der Börse zu spekulieren – sogenannten Forex-Handel (Foreign Exchange, Devisenhandel). Dort kann man viel verdienen mit einer krassen Hebelwirkung, aber man kann auch viel verlieren.
Am Anfang habe ich viel gewonnen, am Schluss habe ich alles verloren. Ich warne heute Menschen, die dort gierig sind und ohne Sicherheit und Vorsicht handeln.
Ich sage: 10 bis 15 Prozent kannst du vielleicht hoch spekulativ anlegen, aber wir haben mit 100 Prozent und Hebel gearbeitet. Am Ende haben wir alles verloren.
Ich muss noch kurz erzählen: Da hatte ich alles verloren, es war zwar nicht mein Geld, aber das Schlimme daran war, dass Bruce mir sogar einen Killer angedroht hat.
Das will ich nur kurz sagen: Bruce hat per Telefon seine Auftragsmörder angekündigt. Wenn man eins und eins zusammenzählt, weiß man, dass er kein Problem damit gehabt hätte, mir den Kopf kürzer zu machen.
Später, Jahre danach, ist er sogar persönlich nach München geflogen, um mich zu suchen.
Ja. Bruce, vielleicht auch im Zusammenhang: So beginnt übrigens mein Buch auf der ersten Seite, in der Bruce mich anruft: "Mein guter Freund Bruce."
Also, wenn du einen guten Freund oder eine gute Freundin hast, der oder die dir plötzlich androht, dir den Kopf kürzer zu machen, dann hast du ein Problem.
Bei mir war das verständlich, denn wenn einer 40 Millionen aus Drogen- und Waffengeschäften erwirtschaftet hat und du sie nicht zurückzahlen kannst, gibt es Konsequenzen, die nicht im Strafgesetzbuch stehen, sondern eigene Gesetze.
Er hätte mich auch getötet, wie gesagt. Er wurde später verurteilt, weil er verhaftet wurde, und war zwölf Jahre im Gefängnis.
Danach war er in München und erkundigte sich nach Josef Müller. Ich habe das erst im Nachhinein erfahren.
In dem Moment, als ich das durch einen Freund erfuhr, der Bruce getroffen hatte und fragte, wo ich sei, blieb mir wortwörtlich das Blut in den Adern gefroren.
Dann habe ich nachgedacht, wann das war. Ich musste schmunzeln, denn es war die Zeit, als ich im Gefängnis war.
Da kannst du nicht raus – aber auch nicht rein. Das hat mir vielleicht das Leben gerettet.
Heute habe ich nie wieder etwas von Bruce gehört. Ich befasse mich erst wieder mit dem Thema Bruce, wenn er mir gegenübersteht.
Das ist jetzt schon einige Jahre her, denn das ganze war Anfang der 90er Jahre. Diese Geschichte ist also nicht erkaltet, aber es ist 30 Jahre her.
Vielleicht hat sich einiges gelegt, vielleicht lebt da auch niemand mehr. Das weiß ich nicht. Ich will da auch gar nicht nachfragen, weil das nur etwas in mir hervorrufen würde.
Ich sage immer: Ich beschäftige mich erst damit, wenn er mir gegenübersteht.
Und das sage ich dazu: Das ist Gottes Wille aus heutiger Sicht.
In den Psalmen steht so etwas wie Psalm 86: "Vor der Meute der Gewalttäter hat er mich beschützt" – oder so ähnlich.
Ich habe das gelesen und gedacht: Einfach nur danke.
Also, wie gesagt, ich bin dem Ganzen entgangen, auch strafrechtlich nicht belangt worden. Aber es war natürlich eine wilde Geschichte.
Das wollen die Medien hören, und dazu war ich in allen Talkshows.
Allerdings gibt es den Josef Müller nicht ohne die Bekehrungsgeschichte.
Und da hat, ich sage mal so, der Geist immer eine Tür geöffnet, wo ich meine Lebensänderung anbringen konnte – manchmal sogar gegen den Willen der Talkmaster.
Aber das war nicht meine Sache, das war Sache des Herrn und seines Plans.
Und da sprechen wir gleich ganz ausführlich drüber, denn ich verspreche dir, mein Freund, ich bin der Allerletzte, der dir an der Stelle das Wort abschneidet.
Der Wendepunkt: Bekehrung und neues Leben
Okay, ich lese jetzt mal eine Stelle vor aus dem Buch, wo du so ein bisschen Revue passieren lässt, was alles mit Bruce passiert ist, also Seite 120.
Spätestens jetzt hätten bei mir alle Warnsignale aufleuchten müssen, dass es nicht ganz mit rechten Dingen zuging. Aber ich war zu dieser Zeit bereits hoffnungslos dem Geldrausch verfallen. Je mehr Geld ich auf meinem Konto hatte, umso gieriger wurde ich – und blinder, unvorsichtiger und dümmer.
Jetzt sprichst du etwas ganz Interessantes an, Josef. Das ist übrigens der generelle Effekt jeder verschobenen Wahrheit: Sie macht dumm. Egal, ob du dir gierig die Welt vereinnahmst, ob du lügst, stiehlst, deinen Partner betrügst, jemandem den gerechten Lohn oder die geschuldete Ehre vorenthältst oder dich selbst zum Nabel der Welt erklärst.
Lüge macht dumm, weil sie immer ein wenig mit der Wirklichkeit kollidiert. Du musst also schnell etwas Plausibles hinzuerfinden, damit die Sache wieder einigermaßen stimmt. Am Ende gibt es siebzehn einander widersprechende Varianten der Wahrheit, die sich kein Mensch merken kann – am wenigsten du selbst.
Die Wahrheit hingegen ist widerspruchslos und einfach zu merken. Das wiederum reduziert die Komplexität unseres Lebens, was, wie ich höre, ein globaler Megatrend ist. Lügen ist also total altmodisch, man kann sich damit nur blamieren.
Richtig gut. Ja, weil es einfach so ist. Ich konnte da, wie ich, dir aus meinem eigenen Leben genügend Erfahrung bringen, und das erzähle ich auch immer. Um es in einfachen Worten zu sagen: Wenn du bei der Wahrheit bleibst, brauchst du dir nie Geschichten ausdenken, die du erzählst.
Und wenn du jetzt zum Beispiel – nehmen wir mal ein praktisches Beispiel – fremdgegangen bist oder irgendwie, und da taucht jetzt irgendwas auf, dann hast du erst einmal gelogen, wenn du gefragt wirst, wo du warst. Und dann musst du diese Lüge immer weiter spinnen und immer mehr.
Das heißt, man verstrickt sich immer mehr in den Lügen. Und wenn man dann diese Freiheit selber erkennt, wenn man die Wahrheit sagt, dann glaube ich, das ist etwas, das kann eigentlich nur – wie sagt man gleich – von Gott kommen. Denn erstens ist es so, selbst wenn die Wahrheit wehtut, also man weiß...
Wenn du jetzt die Wahrheit sagst, warum lügt man? Es gibt ja mehrere Gründe, aber meistens lügt man, weil man von den Konsequenzen der Wahrheit Angst hat oder nicht gerade begeistert ist, sagen wir mal so ganz allgemein.
Aber ich habe eines festgestellt: Wenn du vor Gott – ich sage das wortwörtlich – bei der Wahrheit bleibst, dann hilft er dir auch, dass das Ganze nicht so in einem Fiasko oder in einem Megagau endet, wo du dir den Kopf darüber zerbrichst.
Und da will ich einfach mal ganz streng und ganz klar behaupten: Da hängt der Teufel mit drinnen. Und das ist, glaube ich, wichtig: Bleib bei der Wahrheit.
Ich habe das erkannt. Ich habe 50 Jahre lang – man nennt das einmal Notlügen oder irgendwelche Ausreden, die man vor sich selbst hat – okay, aber das, glaube ich, ist sehr wichtig, weil das dich frei macht.
Die Wahrheit macht wirklich frei, weil wir nicht die Lüge auf die Lüge bauen müssen. Und irgendwann fällt ein Lügengerüst zusammen, weil wir tappsen. Und wie peinlich ist das!
Ich meine, wir hatten ja schon amerikanische Präsidenten oder einen deutschen Fußballtrainer eines großen Klubs, der gesagt hat: „Kokain? Niemals!“ oder „Miss Lewinsky never had sex with Mr. Lewinsky!“ Und dann ist es peinlich ohne Ende, wenn die Wahrheit ihren Nachweis findet.
Deshalb kann ich nur sagen: Heute, auch wenn es vielleicht ein bisschen schmerzt, ist es besser, als zu lügen. Denn irgendwann kommt es immer ans Licht. Und so steht es auch in der Bibel: Irgendwann wird das alles mal ans Licht kommen.
Und da kann ich nur kontern und sagen: Bleib bei der Wahrheit, dann bist du auch, wie sagt man gleich, wahrhaftig oder so in der Richtung.
Also nur diesen Exkurs, da muss ich was dazu sagen jetzt. Darum habe ich das auch geschrieben. Es ist so wichtig, es tut so weh.
Ich denke an Situationen in meinem Leben zurück, wo ich selbst schon gelogen habe, einfach um Konsequenzen zu vermeiden oder weil ich mir bessere Konsequenzen schaffen wollte und so weiter.
Also von den Gewissensbissen sowieso mal ganz abgesehen, es ist einfach dieser Ketteneffekt. Du hast es so gut dargestellt: Es fängt dann so harmlos an mit einer Notlüge und am Ende des Tages – genau – dann die Endabrechnung, die kommt.
Ja, die Endabrechnung kommt. Es zahlt sich nicht aus, so kann man das sagen, okay?
Du hast Josef selbst gehört: Man kann bei Geld so leicht Versuchungen des Bösen erliegen. Und wer sagt: „Ich doch nicht!“, der sollte ganz besonders aufpassen.
Gleichzeitig ist es aber so: Kein Geld ist nun mal auch keine Lösung. Also, was tun?
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Und weiter mit Josef.
Flucht und Justiz: Vom gesuchten Verbrecher zum Gefängnisinsassen
Manche bekommen ihre Unterbrechung später, manche bekommen sie in diesem Leben gar nicht. Du hast einen ganzen Stapel voller Quittungen bekommen. Es endete damit, dass du erst einmal auf der Flucht warst. Du warst ein international vom FBI gesuchter Verbrecher. Wie kam das, Josef? Ich muss lachen. Wie gesagt, mein Buch heißt ja „Ziemlich bester Schurke“.
Vor letzter Woche war ich in einer christlichen Schule in Limbach-Oberfrohna, im Osten, Berghemditz. Dort haben die Kinder, beziehungsweise die Lehrer, mir gesagt, sie bezeichnen dich als Schwerverbrecher. Da habe ich gesagt: Wunderbar! Je schlimmer es war, desto besser kommt die Bekehrung dann heraus, okay. Ja, das ist schon ein Thema.
Auch ganz am Anfang, zu deiner Frage: Das kommt ja nicht von heute auf morgen und plötzlich, sondern in dem Fall war es mit der Flucht so, dass ich tatsächlich eines Strafdeliktes gewissermaßen beschuldigt wurde. Zwar in kleinem, aber nicht in großem Stil – es fehlten zig Millionen, und da war ich eigentlich nicht beteiligt, sondern andere. Ich wollte das eigentlich vor der Justiz klären.
Mein Anwalt, der sich im Nachhinein als guter Anwalt herausstellte, sagte zu mir: „Josef, bei der Größenordnung – es ging ja damals um eine Vermögensanlage – ich hatte eine Vermögensverwaltung mit 400 Kunden. Wenn einer der Anleger erfährt, dass Gelder verschwunden sind, zeigt er dich an. Bei der Größe des Betrags, des Gesamtbetrags, kommst du erst einmal in Untersuchungshaft, weil Fluchtgefahr besteht.“
Wenn es um viel Geld geht, haben die immer Angst, dass du fliehst, was in der Vergangenheit bei anderen Fällen auch klar war. Mein Anwalt sagte: „Wenn du im Gefängnis bist, bekommst du keine Unterlagen und gar nichts. Du musst jetzt eigentlich hier verschwinden mit den Akten und Unterlagen und selbst beweisen, dass du nicht schuld bist.“
Da habe ich gesagt: „Ja, da gehe ich heute in den Nachbarstaat.“ Er sagte: „Nein, du musst raus aus Deutschland.“ Das war eine gute Idee, eine Empfehlung. So bin ich von München nach Wien, von Wien nach London, von London dann nach New York geflogen. Ich hatte in Miami noch eine Eigentumswohnung, ein Penthouse, und dort bin ich dann im Oktober 2004 hingegangen.
Tatsächlich hatten sie dann einen Haftbefehl ausgestellt und wollten mich verhaften. Aber ich war weg. Und wenn du weg bist, dann zeigt das ja offiziell schon, dass du Schuld hast, weil sonst würdest du ja nicht abhauen. Dass ich nur auf Flucht gegangen bin, um meine Unschuld zu beweisen, das könnten viele sagen. Ich muss dann auch liefern, okay?
Mir gelang es tatsächlich, im Oktober, also vor Oktober 2004, in meinem Penthouse in North Miami, in Aventura – das ist so an Miami angebaut, auf einer Anlage, die damals Williams Island hieß –, das war so eine Anlage mit drei Security-Schleusen. Dort fühlte ich mich sicher, im zwanzigsten Stock, um meine Unschuld zu beweisen. Was mir dann auch nach zwei Monaten, im Dezember 2004, gelang.
Diese Leute, die mir das Geld mit einer – ich will da gar nicht in die Tiefe gehen – perfiden juristischen Methode vom Konto gezogen hatten, waren selbst Juristen und ein Notar aus München am Fiktualmarkt in der Innenstadt. Der Notar ist leider später gestorben, bevor es zu einer Verhandlung kam. Aber die anderen Juristen wurden alle später belangt und haben ihre Strafen im Gefängnis abgesessen, okay.
Im Dezember, als ich meine Unschuld bewiesen hatte, hätte ich eigentlich rüberfliegen können und reinen Tisch machen können. Ich habe damals – das muss ich vielleicht einfügen – meine Unschuld in einem acht Seiten langen Dokument an meine Frau Sandra geschickt. Ich war mittlerweile verheiratet.
Ich sagte ihr, ich habe das vielleicht irgendwo in Köln gelernt: Schneide den Absender ab, weil es ein Fax war, und schicke es an die Behörden und an die Anleger, damit die nicht glauben, dass ich wirklich Geld mitgenommen habe. Ich hatte auch Anlegergelder da gelassen, also ich habe das nicht mit der Flucht genommen, sondern nur mein persönliches Geld.
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich dachte, die Behörden brauchen jetzt einige Monate. Das ist man ja gewohnt, das geht ja nicht von heute auf morgen, bis sie das nachvollziehen, ermitteln und den Haftbefehl aufheben könnten. Ich habe mir gedacht: Wenn im Sommer oder Frühjahr die Sonne wieder scheint und – Entschuldigung, wenn ich das so sage – der Augustiner Biergarten in München wieder aufmacht, dann fliege ich rüber, so als freier Mann. So war mein Plan. Aber das war nur meiner.
Jetzt kommt Gott ins Spiel. Gott hatte einen anderen Plan, und da muss ich heute im Nachhinein sagen: Einen besseren Plan, okay? So kam es. Vielleicht kann ich gleich fortfahren zu einem Freitag im Februar 2005, der die Wende in meinem Leben einläutete.
Es war ein Freitagabend um 22 Uhr. Ich muss das so vorstellen: Ich stand am Balkon meiner Wohnung, dort oben im zwanzigsten Stock. Ich blickte hinaus und sah den Atlantischen Ozean, weil das so am Wasser gebaut war. Ich sah hinunter. Wenn ich nach unten schaute, sah ich den Eingang des Apartmenthauses und Palmen.
Ich weiß nicht, was mich damals getrieben hatte. Ich bin eigentlich immer ein fröhlicher Mensch und meistens gut drauf. Depressionen kenne ich eigentlich nicht. Vielleicht einmal eine Niedergeschlagenheit, aber keine Depressionen. Ich bin ein froher Mensch, wenn man so sagen darf, und Gott sei Dank.
Trotzdem hatte ich dort das Gefühl, ich müsste wirklich da in die Tiefe springen. Ich weiß nicht, wo das herkam. Heute würde ich sagen, es war der Geist des Todes. Aber ich kannte das damals nicht. Ich wollte einfach meinem Leben ein Ende setzen. Ich hatte ja meine Unschuld bewiesen, also eigentlich keinen Grund, aus eigenen Gründen aufzugeben. Das stimmt gar nicht. Mir war ja alles vorprogrammiert, dass ich dann wieder hinfliege.
Trotzdem wollte ich mir mein Leben beenden und vom zwanzigsten Stock herunterfallen. In dem Moment, als ich über die Brüstung schaute – ich kann mich ja im Rollstuhl nicht mit den Händen akrobatisch abstützen – überlegte ich, wie ich das praktisch machen könnte, um da runterzufallen.
Und genau in diesem Moment passierte mir das Krasseste, was mir je in meinem Leben passiert ist. Ich muss das wirklich sagen, weil die Voraussetzung für diese Schilderung ist: Ich war allein, also in meinem Apartment, in meinem Penthouse. Plötzlich hörte ich hinter mir eine Stimme. Es war die Stimme eines Mannes, der auch atmete. Das war keine innere Stimme. Ich hatte nichts getrunken, nichts genommen.
Ich hörte plötzlich hinter mir, ungefähr auf Schulterhöhe, eine Männerstimme auf Deutsch. Sie sagte zu mir: „Josef, du hast schon vieles gemacht in deinem Leben, aber du warst doch nie feige. Du hast deine Unschuld bewiesen. Und jetzt flieg rüber und mach diesen Flug ein Ende. Punkt. Und nicht weniger.“
Wenn du, also der Zuhörer oder Zuschauer, alleine zu Hause bist und plötzlich eine Stimme hinter dir hörst, glaub mir, du hast ein Problem, wenn du alleine bist. Ich drehte mich im Rollstuhl um, wollte zu dem Mann oder was auch immer etwas erwidern – und da war niemand.
Dann wurde es schrecklich, aber auch gewaltig, über mich und über die Stimme. Ob ich träumte? Ich war hellwach. Danach öffnete ich jede Tür in meiner Wohnung – Küche, Schlafzimmer, überall – und schaute nach, ob er vielleicht irgendwo hingegangen oder hingeflohen war. Es war alles leer. Ich war allein in der Wohnung, so wie es normal gewesen wäre.
Während ich so nachsann und über die ganze Geschichte nachdachte, kam von draußen ein bisschen Wind herein, weil die Balkontür offen war. Abends kommt in Florida meistens ein Gewitter, am nächsten Tag ist wieder Sonne. Da fiel ein Buch, das ich auf einem Regal rechts von mir hatte, um. Es fiel aber nicht herunter, sondern es fiel ein Lesezeichen, eine Postkarte, heraus.
Ich nahm die Postkarte auf und las, was darauf stand. Es war eine Postkarte der Christoffel-Blinden-Mission. Wie sie dort hinein kam? Meine Mutter hatte dort immer gespendet. Sie bekam als Dank Postkarten mit Bibelversen.
Ich nahm die Postkarte in die Hand und las folgenden Text: „Sei unerschrocken und unverzagt, denn dein Gott ist mit dir, wohin du auch gehst.“ Unten stand noch „Josua 1,9“. Ich hatte keine Ahnung, weder über Josua noch, wo das herkam, aber ich fand den Text gut. Ich las ihn immer wieder.
Heute weiß ich natürlich, dass es ein Bibelvers ist aus dem Buch Josua. Damals wusste ich nichts davon. Ich wusste nur, wenn unten ein Name steht, dann ist das halt der Verfasser. Ich fand es lustig, dass dieser Josua mir so einen Vers sprach, obwohl ich nicht wusste, dass es ein Bibelvers war.
Mein Plan war: Wenn ich wieder in München bin, lade ich den Josua auf ein Bier ein. Ich dachte: Klar, aber das denkst du jetzt nicht aus, das ist alles wahrhaftig. Denk dran, du predigst über Ehrlichkeit. Der Josua hat keine Ahnung, dass er schon 3000 Jahre tot ist und aus dem Alten Testament stammt. Ich sage in meinen Vorträgen manchmal salopp: Vielleicht gibt es einmal eine himmlische Zapfanlage, und ich kann mein Bier dort mal einlösen im himmlischen Jerusalem.
Aber ich will auf den Punkt kommen: Ich wusste nicht, dass es ein Bibelvers war. Aber er gab mir Kraft. Ich kannte Gott damals nicht. Entschuldigung, wenn ich das so sage – als Katholik ist das nicht abwertend gemeint. Ich kannte den Pfarrer und die Kirche, aber Gott? Ich wusste, wer Gott ist, unser Schöpfer, aber eine Beziehung, dass er sich um mich kümmert, hatte ich nicht. Ich war ja allein auf der Flucht.
Das hat mich beeindruckt, das hat mir Energie gegeben. Ich dachte mir: Wenn Gott mit dir ist – hey, ich war unschuldig, zumindest zu einem großen Teil, nicht ganz. Die Justiz hat immer etwas gefunden, wofür ich dann mitverantwortlich gemacht wurde. Aber ich will nur eins sagen: Das hat mir Kraft gegeben.
Heute lese ich jeden Morgen, nachdem ich aufgestanden bin und einen kleinen Espresso getrunken habe, in meiner stillen Zeit – oder, wie man heute sagt, in meiner Quality Time – in der Bibel. Die Bibelverse aus Psalmen, Sprüchen und anderen Büchern geben mir jeden Tag Kraft. Das kann ich jedem empfehlen: Bibelverse geben Kraft.
Obwohl ich damals nicht wusste, dass es ein Bibelvers war, war ich ermutigt. Später habe ich über mich selbst gelacht: Josua 1,9, also Kapitel 1, Vers 9. Aber damals war ich unwissend, und man möge mir verzeihen. Ich sage das nicht gegen die Kirche, aber ich wurde nicht angeleitet, in der Bibel zu lesen. Das hätte mir vielleicht geholfen.
Aber ich war ermutigt. Es gab mir Kraft, es gab mir Power. Diese Stimme und diese Geschichte veranlassten mich, zurückzufliegen. Denn wenn Gott mit mir ist, was kann mir dann passieren? Besser kann es nicht kommen. Ich habe es geglaubt.
Man darf die Bibel wirklich nehmen. Wenn darin steht, dass irgendwo aus einem Buch eine Postkarte herausfällt und dann eine Nachricht an dich da ist, die genau in deine jetzige Situation passt: „Sei unerschrocken und unverzagt, hab also keine Angst, denn dein Gott ist mit dir, wohin du auch gehst“ – was könnte mir Schöneres passieren, als dass Gott mit mir ist?
Ich habe das geglaubt. Deshalb dachte ich: Okay, die Stimme sagt, flieg zurück. Dann kommt dieser Vers. Das war so eine Art Part-Time-Erlebnis. Gott hat einen Plan, und manchmal wirft er nicht alles auf einmal über dich, sondern macht Puzzleteile.
Und ja, später ging es weiter. Ich bin zurückgeflogen.
Die Bekehrung im Gefängnis
Ja, wow, Mensch, wie gesagt, wir können heute nur an der Oberfläche kratzen. Für alles andere muss man nochmal in das Buch schauen.
Du bist dann weitergegangen, und jetzt kommen wir zu dem vielleicht wichtigsten Punkt deines Lebens, nämlich dem Moment, in dem du dich bekehrt hast. Das muss man natürlich in den Kontext einordnen, denn du bist tatsächlich für über ein halbes Jahrzehnt ins Gefängnis gegangen.
Dazu lese ich mal etwas vor, was du in deinen aktuellen Reflektionen auf Seite 250 geschrieben hast. Joseph schreibt: „Ich hatte stundenlang Gelegenheit, eine weiße Wand anzustarren. Das schlechte Gewissen meldete sich bei mir, wie schon so oft in den letzten Tagen, Wochen, Jahren.“
Dann erzählt Joseph eine Reihe von Dingen und schreibt danach: „Warum nur tat ich es nicht?“ Die Antwort lautet: „Ich war trotz aller Erfahrungen und Denkanstöße im Kern immer noch fremdgesteuert. Ob es so etwas wie den Teufel gibt, wusste ich damals nicht. Aber ich gehorchte definitiv einem anderen, ganz real, ich gehorchte ihm aufs Wort. Und dem, dem ich gehorchte, der war böse, der wollte das Böse. Er brachte mich dazu, das Gute, das ich hätte tun können, zu unterlassen und das Böse zu tun, das Böse, das ich eigentlich nicht wirklich tun wollte. Aber was heißt nun eigentlich nicht wirklich? Ich tat es ja.“
Josef, kannst du uns da ein bisschen mit hineinnehmen? Ich weiß, dass das eine sehr persönliche Sache ist.
Ja klar. Ich lege in meinem Buch viel offen. Viele Menschen sagen auch zu mir: „Josef, warum öffnest du dich so in deinem Buch?“ Wie auch immer, ganz einfach: Ich habe noch nie – das war mein erstes Buch. Mittlerweile habe ich ein paar Gebetsbücher und noch ein bisschen was geschrieben, so sechs oder sieben Bücher. Das war mein erstes Buch, und ich wollte mit mir selbst auch abrechnen. Das heißt, ich wollte mich nicht nur von dritter Seite beschreiben lassen, so wie manche Leute das erzählen, sondern ich wollte auch ganz klar dem Leser offenbaren, was in meinen Gefühlen los ist und wie ich dachte.
Ich sage, wie gesagt, ich habe mich selbst so gesehen. Es gibt ja, ich sage es mal so: Wenn du dich bekehren willst, dann musst du ja zuerst einmal das Gefühl haben, dass du selber bekehrt werden musst. Du musst dich selber richtig taxieren oder darstellen, vor dir selber.
Wir haben ja heutzutage sowieso überall einen Automatismus: „Ich bin nicht schuld, das war sicherlich der andere.“ Und zuerst einmal abwehrend, genau wie du das zeigst, abwehrend – das ist es immer noch nicht. Das ging ja schon bei Adam und Eva los. Adam hat gesagt: „Nö, das war Eva.“ Eva sagt: „Nö, das war die Schlange.“ Und dieses System haben wir. Und das stelle ich persönlich – der ich ja doch auch schon ein bisschen älter bin, erfahrener könnte man sagen, älter sagt man heute gar nicht so, erfahren bin ich – das hat eine gewisse Progression, also einen gewissen Anstieg gegeben.
Früher hat man noch nachgedacht: „Bin ich vielleicht selber schuld oder ist der andere schuld?“ Aber heute heißt es erst einmal abwehren. Das ist so die gängige Praxis. Ich möchte mich gleich entschuldigen bei den Menschen, die das ansehen und das nicht so machen – nur ein Kompliment dafür –, aber es ist halt so in der Praxis: „Ich bin es nicht, und der andere ist es immer.“
Aber bei den Menschen kommt dann auch gar nicht die Idee auf, ob da nicht eine Methodik dahintersteckt, das auf den anderen zu schieben. Um auf den Punkt zu kommen: Ich habe über mein Leben nachgedacht. Und es gibt so etwas Schönes, einen Satz, der mir heute in der Bibel begegnet ist, in der Heiligen Schrift. Da geht es um Lukas 15, um den sogenannten verlorenen Sohn oder um den barmherzigen Vater.
Ich setze mal voraus, dass Sie die Geschichte kennen. Wenn nicht, siehe Lukas 15. Den verlorenen Sohn hast du vermutlich schon gepredigt. Der landete ja auch, er ist von zu Hause ausgezogen, hat sein Geld durchgebracht und am Schluss landete er im Schweinestall. Und als es nicht mehr ging, als er nicht einmal das Essen bekam, das die Schweine bekamen – was wir uns mal vorstellen müssen –, da heißt es: Er ging in sich.
Olaf Latzl würde sagen, er schlug in sich. Das ist auch sein Lieblingswort: „Schlag ihn nicht“ oder wie auch immer. Aber er hat nachgedacht über sein Leben. Und das war mir sympathisch. Der Typ, Entschuldigung, der verlorene Sohn im Schweinestall hat über sein Leben nachgedacht und gesagt: „Ich muss zurück zu meinem Papa und muss sagen: Papa, ich habe gesündigt vor dem Himmel und vor dir. Bin ich mir wert, dein Sohn zu sein?“
Und der Papa? Er hat ihm nicht erst einmal die Leviten gelesen, sondern ist ihm entgegengelaufen und hat ihn umarmt. Ich sage immer, der muss gestunken haben im Schweinestall, aber er hat ihn umarmt und neu eingesetzt – mit Schuhen, mit einem Mantel, mit einem Ring. Also er hat ihm wieder eine zweite Chance gegeben.
Ich muss sagen, ich habe drei Tage lang damals im Gefängnis, als ich das gelesen hatte, darüber nachgedacht. Ich muss vielleicht noch einen Anschluss dazu sagen: Ich bin nicht nach München zurückgeflogen, sondern nach Wien, weil mein Plan wie folgt war: Ich dachte, wenn ich in München bin, dann kennt mich dort jeder von der Presse her, da werde ich sowieso verhaftet. Aber ich wollte mich stellen in München. Da war ich noch ein bisschen so, als Joseph, der das Ding in der Hand hält – selbst verhaftet.
Ich bin dann nach Wien geflogen, dem Ausgangspunkt meiner Flucht, und bin dort wieder zurück. Allerdings muss man dazu sagen, dass ich auch mit einem anderen Pass unterwegs war, der mir ähnlich sah – eine Geschichte, die ich im Buch dann dementsprechend erzähle. Ich bin dorthin geflogen und hatte den Plan: Es war Anfang April 2005, am 26.04. hatte meine Frau Sandra Geburtstag. Auf dem Weg von Wien nach München, ungefähr in der Mitte bei Salzburg, wollte ich ihren Geburtstag feiern, und dann wollte ich mich in München stellen. So war mein Plan.
Aber Gott hatte andere Pläne. Ich habe meiner Frau telefoniert, und sie wurde überwacht. Eigentlich, wenn ich heute logisch darüber nachdenke – aber auf der Flucht denkt man nicht logisch, und Fehler unterlaufen –, wurde meine Frau überwacht. Sie wussten dann durch eine Telefonschaltung oder Fangschaltung, wie man das nennt, auf jeden Fall, dass ich in Wien im Hotel war.
Zehn Tage vorher, am Samstag, dem 16. April 2005, komme ich gerade raus, als vor dem Frühstück an meinem Hotelzimmer die Tür klopft. Ich denke mir: „Ja, das ist jetzt Housekeeping, die machen das Zimmer sauber.“ Ich mache auf, und dann stehen zehn Polizisten draußen. Ich wurde also dort verhaftet und kam in das Gefängnis Wien-Josefstadt, direkt in der Innenstadt.
Dort fand ich – und jetzt kriegen wir den aktuellen Bezug – in der Krankenabteilung in einem kleinen Bücherregal ein rotes Neues Testament. Dort stand nur „Das Neue“ drauf, und ich wusste nicht, dass es ein Neues Testament ist, sondern dachte, es sei ein Verzeichnis für Behinderte oder so.
Dort steht drin: Die gute Nachricht nach Matthäus, die gute Nachricht nach Markus, nach Lukas, die gute Nachricht nach Johannes. Ich habe mir gedacht: Ein Buch mit guten Nachrichten, mit so vielen guten Nachrichten – das kannst du gut brauchen, wenn du das erste Mal im Leben im Gefängnis bist.
Und da habe ich den Lukas 15 einfach aufgeschlagen. Man, wie ein Kind ist man da. Er schlägt die Bibel auf, und es steht genau sein Wort drin. Dort stand Lukas 15, und das hat mich so beeindruckt. Das hat mich dann eigentlich dazu gebracht, meine Sünden zu erkennen – durch dieses Nachdenken. Das kann ich heute jedem empfehlen.
Du brauchst nicht ins Gefängnis, und du brauchst nicht am Ende deines Lebens oder in einer wirklich brenzligen Situation zu sein, um darüber nachzudenken. Du kannst heute, heute Abend, sofort über dein Leben nachdenken und erkennen, wo du, ich sage mal so, selbst schuld an manchen Dingen warst.
Manche Sachen kannst du hin und her drehen, aber da bist du einfach selbst schuld, wie manche sagen. Das ist vielleicht auch gar nicht mein Gott oder warum lässt Gott das zu? Entschuldigung, ich habe nie geraucht, okay, ich habe dafür andere Drogen genommen. Ich war elf Jahre auf Kokain und so. Aber wenn ich zum Beispiel rauche und mich wundere, dass mein Körper, Herr, nach einem Problem hat, meine Lunge oder so, dann kann ich nicht sagen, alles ist ungerecht. Da bin ich selbst schuld.
Wenn ich mich schlecht ernähre und nur Süßes esse und dann Diabetiker werde oder Alkohol missbrauche – da könnte man alles sagen –, und ich gehe also mit Übermaß in die Sache rein, dann bin ich selbst schuld. Dann muss ich etwas tun, dann muss ich auch umkehren.
Und wenn es um die geistliche Sache geht, da habe ich festgestellt, dass ich ähnlich wie der verlorene Sohn bin, der dann wieder aufgenommen wurde, der eine zweite Chance bekam – eigentlich wo Gott bekennen muss: Du, ich sage es mir jetzt ganz salopp, aber in Respekt zu Gott einerseits und auch in Freundschaft zu seinem Sohn Jesus andererseits – einfach sagen musst: Wenn ich jetzt so zurückschaue auf mein Leben, habe ich viel Mist gebaut, was mir jetzt aufrichtig leid tut.
Die Kraft der Gnade und das neue Leben
Ein wichtiger und tiefer Punkt von Josef: Hilf gern mit, dass mehr Menschen diesen Beitrag hier sehen. Wir haben dafür schon alles vorbereitet, damit du jetzt die Glocke hier unten rechts unter diesem Video drücken kannst. Der Algorithmus erledigt dann den Rest. Vielen Dank an alle, die das machen. Das ist auch eine schöne Wertschätzung für die Klarheit und Offenheit von Josef. Danke dafür.
Habe ich das Leben genossen? Habe ich auf der Überholspur gelebt? Habe ich mir, so wie du das vorgelesen hast, wenig Gedanken gemacht, was mit anderen Menschen passiert, sondern mich in den Vordergrund gestellt? Mir geht es gut – und daraufhin sind eben Taten entstanden, die strafbewehrt sind, also falsch waren.
Da muss ich sagen: Da war mir ganz klar, dass ich umkehren muss. Bekehrung ist ja erstens Erkenntnis, zweitens Umkehr und dann anders handeln. Ganz genau. Und es wurde mir von Gott eigentlich leicht gemacht. Aber das Schwierigste ist: Ich bin ja seit zehn Jahren unterwegs in Gemeinden, Schulen, Universitäten, wo ich überall gesprochen habe. Ich weiß es schon gar nicht mehr, es war wirklich ein Potpourri, also ein Sammelsurium von Events.
Ich erlebe immer wieder aus Gesprächen mit Menschen draußen vor Ort: Ich bin so der Praktiker, den man anfassen kann, den man kneten kann und sagen kann: Wie kann das passieren? Oder ich werde manchmal verurteilt. Natürlich, klar, Menschen sind so. Ich war ja früher genauso. Also ich bin da gar nicht mal böse, ich kann das komplett verstehen.
Aber man muss – und das sehe ich immer wieder – selber einsehen, dass man ein Sünder ist. Oder ich sage es mal so: Das Wort „Sünder“ ist heute auch gar nicht mehr so en vogue. Sünder wäre es schon. Sünder? Ein Verkehrssünder, ein Kaloriensünder, was man so sieht. Er könnte es wissen, der selber ein manches Sünder ist. Heute ist das total verzogen. Das ist alles Teufelswerk, damit die Sünde ja nicht mehr schlimm empfunden wird.
Ich meine, ein Verkehrssünder ist schon einer. Da gibt es halt Punkte und so, wie auch immer. Aber um das geht es gar nicht. Es geht eigentlich um das Verhältnis zwischen dir, Mensch, oder mir, Mensch, und Gott. Und nicht zwischen der Verkehrsbehörde oder den Kalorienzellen oder so. Sondern es geht wirklich um das Feld zwischen dem Menschen und Gott.
Ich glaube, und ich nenne das einfach mal Gnade: Da hat mir Gott etwas geöffnet. Und das macht er nicht nur bei Josef Müller, sondern das macht er bei jedem. Wenn du hergehst und sagst: „Wenn es dich wirklich gibt“, also diesen Schlüsselsatz, den hört man ja immer wieder: „Wenn es dich wirklich gibt, Herr, dann brauche ich dich jetzt wirklich.“
Ich sage dir eins: Wenn du das mit der richtigen Herzenhaltung machst, mit dem richtigen Herzen – also nicht nur mal so provokativ –, nein, der schaut in dein Herz und der sagt: „Der Josef Müller, er hat es zwar nicht verdient, aber mein Sohn Jesus“, sagt Gott, „der hat dafür bezahlt für ihn. Und wenn er meinem Sohn diese Tat in Anspruch nimmt, dann hat er es auch für ihn getan.“
Das ist heute für mich immer noch vollkommen unvorstellbar: Dass vor zweitausend Jahren jemand meine Schulden, die ich heute mache, bezahlt hat. Das ist ja unglaublich. Das glaube ich. Das überzeugt einen. Und die Überzeugung kommt von Gott. Sie kam gar nicht von mir.
Es gibt ja diese Geschichte, wo auch Jesus sagt: „Für wen haltet ihr mich?“ Und dann sagt Petrus: „Du bist Gottes Sohn“, so ungefähr. Und dann sagt er: „Das kannst du gar nicht aus dir sagen. Das hat dir Gott, mein Vater, eingegeben.“ Und genau so ist es da. Es kommt eigentlich nicht von mir.
Weißt du, Menschen sagen, wenn sie sich von Zigaretten verabschieden oder Alkohol, dass sie dann entweder zu den anonymen Alkoholikern gegangen sind oder sich Pflaster aufgeklebt haben. Und dann sagen sie so nebenbei: „Ja, ich habe das geschafft.“
Bei Gott kannst du dir die Ehre zwar erträumen, aber letztendlich ist es seine Gnade, weil er dich geliebt hat und dich heute liebt.
Was ist denn das, dass ich als vom Wege abgekommener – und zwar gewaltig – okay, sonst würde ich nicht so offen damit umgehen? Ich habe Dinge gemacht, die waren einfach falsch. Sie haben andere geschädigt, und andere Personen leiden teilweise heute noch darunter. Wie auch immer – da kommt das Lamm diskutieren. Ich habe den Leuten ja zwar nicht das Geld genommen, sie haben es mir überwiesen. Aber ich war eigentlich schuld daran.
Hätte es mich nicht gegeben, wären sie nicht geschädigt worden. Und es ist manchmal die ganze Altersversorgung. Das tut mir heute noch leid, trotz der Vergebung, trotz der Bezahlung durch meine Haft von fünf Jahren und vier Monaten und trotz der Vergebung Gottes.
Das tut mir vor den Menschen leid, auch wenn sie das vielleicht nicht so glauben. Manche versuchen ja immer, mir noch etwas Schlechtes zu unterstellen. Das könnte ich verstehen. Aber wer heute meinen Lebensstil sieht: Heute bin ich nicht mehr irgendwo in großen Nobellokalen. Wobei ich gestehen muss: Champagner und Kaviar und das Zeug hat mir eh nicht geschmeckt. Also das kann ich heute zugeben.
Ich bin wieder zu dem Sohn geworden, wo er zurückkommt, wo meine Kinderschule war. Mein Vater hat Kartoffeln gegessen mit Quark, also mit Quarktopfmeis bei uns in Bayern. Ich habe ganz normal gegessen und keinen Hunger gehabt – keine exquisiten Speisen, obwohl die Marmelade gut sein kann. Aber ich muss sagen, das esse ich heute wieder. Ich esse sie heute ganz bewusst und ganz einfach und habe heute einen bescheidenen Lebensstil.
Alles, was ich heute habe, wurde mir geschenkt. Und das ist, das muss ich sagen, Markus, ein Geschenk, dass ich heute meine Schulden nicht mehr zurückzahlen kann. Es geht um Millionen. Wieso ich es hernehme? Es kommt wieder aus schlechten Geschäften oder so? Nein.
Aber ich kann heute, so empfinde ich es, ab und zu mal etwas weitergeben, was den Menschen das Leben rettet – das Leben rettet. Schau mal, ich denke dann an die Situation vor der Synagoge, in der der Bettler war und gebettelt hat. Die Jünger haben gesagt: „Gold und Silber haben wir nicht.“ Josef Müller hatte auch nicht mehr. Okay, aber wir können dir etwas geben, was wir haben.
Und das ist einfach ein Geschenk, dass wir ihnen von Gottes Gnade und Liebe und von Jesu Kreuzestod, also Erlösungstat am Kreuz, erzählen können und ihnen sagen können: Damit bist du auch gemeint oder wie auch immer.
Es steht nicht in meiner Gunst oder in meiner Kraft, dass ich die Menschen jetzt bekehre. Das muss Gott machen. Ich brauche keine Unterschrift auf einem Vertrag. Das muss der Heilige Geist machen. Das ist mir halt klar. Aber ich kann erzählen, ich kann ein Puzzleteil oder einen roten Teppich oder wie auch immer eine Einladung aussprechen.
Wie oft bekommen wir denn im Leben eine Einladung ins neue Leben, in ein ewiges Leben? Ich weiß nicht. Ich habe mal gehört von einem Prediger, da habe ich mal in der Schweiz gesprochen. Der Elzel war bekannter Prediger. Er hat gesagt: „Drei, vier Mal im Leben bekommen wir so eine Einladung. Nutze sie, bevor es zu spät ist.“
Ich glaube, das ist auch ganz, ganz wichtig, dass wir an Beispielen lernen. Es ist jetzt nur mein Beispiel, aber es gibt Hunderte, es gibt Tausende ganz einfache Beispiele, wie Menschen von Gott, von Jesus, vom Heiligen Geist angesprochen worden sind, sich in sich gehen, erkennen: Ich brauche Jesus.
Und ich wiederhole: Das ist nicht unbedingt die eigene Erkenntnis toll, nein. Das ist etwas, was uns der Heilige Geist schenkt. Und wir dürfen es annehmen. Aber wir müssen es auch annehmen. Und das ist das Problem.
Ich habe einen Freund, der hat dieses Traktat herausgebracht: Wie komme ich mit ziemlicher Sicherheit oder absoluter Sicherheit in den Himmel? Und das ist eine gute Frage, die sollte sich jeder mal stellen.
Markus, ich erlebe immer wieder Menschen, die ganz erstaunt sind, wenn ich ihnen sage: Irgendwann ist hier mal Schluss. Das liegt natürlich an unserem Konsumdenken.
Wenn du wüsstest, dass du in vier Wochen hier die Erde verlassen würdest, okay? Dann würdest du dir keinen neuen Kühlschrank mehr kaufen, keinen neuen Fernseher oder irgendwas. Wenn der kaputt geht, nicht einmal einen Mixer. Also ich sage das mal so.
Das ist halt unsere Konsumgesellschaft. Der Tod wird ausgeblendet, der wird wie auch immer verdrängt. Und wenn ich dann zu den Leuten sage: „Wissen Sie, dass Sie irgendwann sterben?“ „Ja, ja, ja.“ „Haben Sie sich schon damit befasst?“ „Nö, wird schon gut gehen.“
Und das ist ein Punkt. Ich bin 50 Jahre in die Kirche gegangen. Wobei ich will ja niemandem die Schuld geben, aber ich habe halt gedacht: „Ja gut, ich gehe jetzt in die Kirche, da werde ich schon irgendwie durchkommen, wenn ich mal sterbe.“ Okay, aber das sagt nicht die Bibel.
Das sage ich auch in meinen Vorträgen, auch wenn die Pfarrer oder Pastoren da sitzen: „Wenn ihr glaubt, ihr geht jeden Sonntag in die Kirche, das ist euer Eintritt, wenn ihr heute eine Eintrittskarte ins himmlische Jerusalem oder ins ewige Leben habt, dann seid ihr jetzt gut da.“
Ich möchte euch mal wirklich erzählen, wie es in der Bibel steht, wie es in Gottes Wort steht. Ich glaube, es ist so wichtig, sich damit auseinanderzusetzen.
Zeit des Lebens und das, was mir geschenkt worden ist: Mit 50 Jahren nochmal ein neues Leben anzufangen, für ihn auch noch rausgehen zu dürfen und davon zu reden – das ist ja Doppelgnade.
Weißt du, ich hätte ja sagen können: Meine Rettung ist meine Rettung. Aber wenn man mal den Vortrag oder das Video ansieht von dir mit Maxi Gnauer, dann heißt es ja auch: Du musst was dazu tun. Wie kannst du alleine auf deiner Couch sitzen – Entschuldigung, als Couch Potato – und sagen: „Wunderbar, ich bin errettet“?
Da hast du ja das Gefühl, du musst was dazu tun.
Ich darf da vielleicht noch ein kleines Beispiel nennen: Wenn du in die Arbeit fährst, es ist nicht von mir, aber mir hat es sehr beeindruckt, und ich gebe es gern weiter: Wenn du in die Arbeit fährst mit dem Auto und plötzlich tut sich ein Graben vor dir auf, es ist ein Erdrutsch oder irgendetwas, und da geht es richtig tief runter.
Da kannst du sagen: „Oh Gott, sei es gedacht“ oder wie auch immer, oder was du auch immer sagst: „Habe ich noch vor dem Graben gestoppt.“ Okay, so. Es ist mitten im Berufsverkehr.
Was würdest du machen? Was würde ich machen? Also ich sage ganz allgemein, egal ob ich jetzt Christ bin oder nicht: Ich würde versuchen, die anderen zu warnen, nämlich dass sie nicht da reinfahren.
Da würde ich mein Auto erst einmal querstellen, je nachdem wie breit die Straße ist, und dann würde ich winken und sagen: „Moment, Moment, fahr nicht weiter, da ist ein Ende.“
Und genauso ist es eigentlich mit unserem Leben. Die Leute fahren oder laufen direkt auf den Abgrund zu und merken es nicht, weil sie es vielleicht nicht sehen, vielleicht ist es um die Kurve herum oder wie auch immer. Oder vielleicht wollen sie es gar nicht wissen, weil sie jetzt gut leben.
Warum sollte man sie da mit den anderen so ansprechen?
Aber das ist auch, ich sage mal einfach nur, so sehe ich meine Aufgabe: Die Leute zu warnen, dass wenn sie weiterhin so leben und weiterhin so in ihren trüben Sünden – oder nenn es wie du willst – in ihren falschen Lebensweisen vor Gott leben, dass sie dann definitiv eine Überraschung erleben.
Nämlich nicht tot sind, wenn sie tot sind, sondern vor dem Richterstuhl stehen. Dort ist es wie im Abgrund, und da müssen sie Rechenschaft ablegen.
Und wenn dann Jesus kommt und sagt: „Du, lieber Freund, lieber Wolfgang, lieber Michael, lieber Markus oder Josef, weißt du, ich habe für dich bezahlt vor Gott. Du bist gerettet“, dann fällst du ihm um die Füße und sagst: „Danke dafür, dass du dafür bezahlt hast, danke dafür, dass du das übernommen hast.“
Und du bist so was von happy, weil deine Fehler offenbar sind.
Das heißt ja: Hast du ein Angebot gebrochen? Oder wer kann sagen, er hat noch nie gelogen in seinem Leben? Oder nicht einmal einen Bleistift mitgehen lassen und damit gestohlen? Oder hat vielleicht einmal ein hübsches Mädel angesehen?
Ich habe früher den Playboy abonniert, und heute sage ich: Das ist auch Gottes Hilfe. Heute sage ich: „Schön, lieber Gott, was du für schöne Mädels geschaffen hast.“ Aber ich habe nicht mehr den, wie sagen wir gerne, den Gedanken, wie könnte ich jetzt die einladen oder was, was ich mit dir zum Essen gehe.
Ich kann manche Dinge stehen lassen, und ich glaube, das ist ein göttliches Geschenk, weil ich war früher in der Richtung halt ein bisschen aktiv.
Wie auch immer, ich habe immer die hübschesten Mädels bei mir gehabt. Ich sage das einmal ganz ehrlich. Auch in meinem Buch sind ein paar abgebildet. Aber ich will dazu sagen: Heute kann ich das einfach als Geschenk Gottes stehen lassen.
Das wünsche ich jedem anderen auch, dass er sieht, dass er erkennt, dass er einen falschen Weg geht, dass er dringend Jesus braucht, der schon bezahlt hat.
Du musst ihn ja nicht einmal bitten, denn er hat es ja schon getan.
Weißt du, das ist ja nicht so etwas, als müsse man… Wem erzähle ich das? Ach, aber das ist halt das Schöne daran: Man muss es nur annehmen.
Und es ist manchmal – und so will ich das Ding ein bisschen beenden – so, dass viele sagen: Das kann doch gar nicht so einfach sein. Ich muss nur Jesus als meinen Retter annehmen und schon passiert das?
Das von Herzen annehmen, dass ich gerettet bin? Das muss doch was kosten.
Ich bin früher immer zur Schule gegangen, also in die Volksschule, und da bin ich an einer Landwirtschaftsschule vorbeigegangen. Da war ein riesengroßes Bild, so ein Sensenmann, der den Weizen geschnitten hat. Und da stand drauf: „Ohne Fleiß kein Preis.“
Das ist so etwas, was die Leute denken: Ich muss was tun, damit ich Gott auf meine Seite ziehe.
Aber Liebe, das, was Gott dir schenkt, ist weder käuflich noch erarbeitbar noch erprechbar noch erleistbar – Gottesdienst gehen oder irgendwas leisten – sondern das schenkt er dir einfach, weil er dich liebt.
Und wie ich das verstanden habe: Eigentlich kann ich Gott gar nichts geben, was ich nicht schon von ihm hätte.
Da ist bei mir – also in meinem Alter sagt man, der Groschen ist gefallen, oder heute würde man sagen, der Cent oder der Dollar – wegen meiner Geschichte. Aber da ist vielleicht der Euro gefallen.
Da habe ich erkannt: Josef, du bist wirklich geliebt.
Das musst du den Menschen erzählen, damit sie genauso diese Gnade haben. Sie müssten es nur annehmen.
So hoffe ich, dass wir genügend Menschen in unserem Team haben. Wir haben ja eine Stiftung gegründet: Stiftung Jesus saved my life. Alle sind dort ehrenamtlich, sogar die Putzfrau arbeitet ehrenamtlich. Wir haben keine Personalkosten, gar nichts.
Es liegt uns allen am Herzen, diese Botschaft weiterzugeben.
Deshalb ehrt es mich auch, meine Geschichte heute ein bisschen bei dir ausgebreitet zu haben. Du bist ein Sprachrohr, und es freut mich, dass du dich so auch mit meiner Geschichte beschäftigt hast. Es ist eigentlich seine Geschichte und nicht meine.
Danke dir, Josef Müller. Von Herzen.
