Event•Teil 5 / 7E21 Regionalkonferenz Süd 2018
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einleitung und Ausgangspunkt der Predigt
Dank Ron für diese freundlichen Worte, und auch guten Morgen euch allen. Moin, sagt man in Hamburg. Moin, moin, moin ist schon zu viel, dann drängt man einem schon ein Gespräch auf. Deswegen sagen wir nur moin.
Keine tote Doktrin lehret zu halten, ist das Thema heute Morgen. Ich erinnere daran, dass wir ausgehend vom Missionsbefehl die verschiedenen Elemente etwas näher beleuchten wollen.
Ich habe mal bei Wikipedia nachgeschaut und festgestellt, dass 60 aller deutschen Christen sind. Die Frage, die sich natürlich stellt, ist: Wie viele von diesen Millionen glauben wirklich an die Wahrheit der Bibel, und vor allem richten ihr Leben auch nach der Bibel aus?
In unserem Land herrscht die Meinung weitläufig vor, dass man dann ein Christ ist, wenn man als Baby getauft wurde, den Konfirmandenunterricht besucht hat und die Konfirmation über sich hat ergehen lassen. Immer noch ist das die vorherrschende Meinung. Im freikirchlichen Raum haben wir vielleicht jetzt nicht diese Konfirmation, sondern Bibelunterricht, Einsegnung, wie immer man das nennt, oder auch den Mitgliedsausweis einer Gemeinde. Ist das die Eintrittskarte in den Himmel? Sicher nicht.
Viele Menschen in unserem Land unterliegen einer ganz, ganz großen Täuschung, wenn sie meinen, sie seien Christen.
Vor gar nicht allzu langer Zeit hatte ich ein Gespräch mit einer jungen Frau, die aus Afrika nach Deutschland emigriert ist. Sie hat hier einen Deutschen geheiratet, und sie war in Afrika Teil einer Gemeinde. Die junge Frau kommt nach Deutschland und geht natürlich in die nächste Kirche und muss zu ihrem Erschrecken feststellen: Die ist leer am Sonntagmorgen. Das tat sie mit vielen anderen Kirchen in ihrer Nähe und hat keine Christen gefunden. Sichtlich erschrocken, weil sie der festen Überzeugung war, im christlichen Abendland ist jeder Christ, aber sie stellte fest: Es ist nicht so.
Auf Jamaika betrachten sich 84 Prozent der Bevölkerung als Christen, ein Drittel von ihnen geht zur Kirche, und doch hat das Land die höchste Mordrate der Welt, und die Hälfte der männlichen Bevölkerung ist drogenabhängig. Hier merken wir: Es besteht eine Diskrepanz zwischen dem, was wir als Christen hier und da beschreiben, und dem, wie wir leben.
Christ zu sein bedeutet mehr, als einen Mitgliedsausweis einer Kirche zu haben. Es geht um eine persönliche Beziehung, um eine Nachfolge Jesu. Und wenn Jesus in unser Herz einzieht, dann verändert sich zwangsläufig unser Denken, auch unsere Wünsche, unser Wille und auch unser Handeln. Und darum geht es heute: keine tote Doktrin, lehret zu halten, lebt, was Christus gelehrt hat.
Jesus sagt in Johannes 14,15: Liebt ihr mich, so haltet meine Gebote.
Lasst uns Lukas 14 aufschlagen, ab Vers 25 bis 35. Dieser Text beleuchtet drei Aspekte, was es heißt, die Gebote Gottes zu halten. Wir könnten natürlich zu vielen anderen Stellen in der Bibel gehen und würden viele Punkte hervorbringen können, die dieses Thema beinhalten. Aber hier heute drei exemplarisch, Lukas 14,25-35.
Es zog aber eine große Volksmenge mit ihm. Und er wandte sich um und sprach zu ihnen: Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und seine Mutter, seine Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein. Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachkommt, der kann nicht mein Jünger sein.
Denn wer von euch, der einen Turm bauen will, setzt sich nicht zuvor hin und berechnet die Kosten, ob er die Mittel hat zur gänzlichen Ausführung, damit nicht etwa, wenn er den Grund gelegt hat und es nicht vollenden kann, alle, die es sehen, über ihn zu spotten beginnen und sagen: Dieser Mensch fing an zu bauen und konnte es nicht vollenden?
Oder welcher König, der ausziehen will, um mit einem anderen König Krieg zu führen, setzt sich nicht zuvor hin und berät, ob er imstande ist, mit Zehntausend dem zu begegnen, der mit Zwanzigtausend gegen ihn anrückt? Wenn aber nicht, so sendet er, solange jener noch fern ist, eine Gesandtschaft und bittet um die Friedensbedingungen.
So kann auch keiner von euch mein Jünger sein, der nicht allem entsagt, was er hat.
Das Salz ist gut; wenn aber das Salz fade wird, womit soll es gewürzt werden? Es ist weder für das Erdreich noch für den Dünger tauglich. Man wirft es hinaus.
Wer Ohren hat zu hören, der höre.
Amen.
Was Jüngerschaft wirklich bedeutet
Dreimal sagt Jesus uns hier, wer nicht sein Jünger sein kann. Wenn Jesus das sagt, dann sollten wir genau hinhören, denn er verschwendet mit Sicherheit keine Worte. Ein Jünger kann nicht sein, wer erstens seine Familie nicht hasst, zweitens wer sein Kreuz nicht trägt und drittens, wer seinen Besitz nicht aufgibt.
Das ist ja eine radikale Botschaft, mit der Jesus uns richtig aufrüttelt. Wenn du das auf dich wirken lässt, ist das ja eine enorme Anforderung. Ich möchte nichts von der Schärfe der Worte Jesu wegnehmen, aber doch glaube ich, dürfen wir sagen, dass Jesus mit seiner Ausdrucksweise ein Stück weit den Bogen überspannt. Lass mich sagen, wie ich das meine. Denn wir wissen, dass er natürlich an anderer Stelle davon spricht, dass wir unseren Vater und unsere Mutter ehren sollen. Er weiß auch, dass seine Jünger, wenn auch nicht unbedingt die unmittelbaren, vielleicht auch die, aber dann die in der Folge der Zeit, ihm nachfolgen werden. Eigentum haben werden, Besitz haben werden, einige viel, andere weniger und andere vielleicht auch gar nicht. Einen allgemeinen Anspruch, dass wir unser persönliches Eigentum komplett aufzugeben haben, finden wir in der Bibel nicht.
Jesus geht es hier um etwas anderes, es geht ihm um die Motive unseres Herzens. Wo ist unser Herz? Und wo unser Herz ist, wird auch unser Handeln sein und unser Denken sein. Ich möchte, bevor wir weiter auf diese drei Forderungen Jesu eingehen, eine Sache ganz klipp und klar voranstellen, damit wir hier nicht durcheinander kommen. Solche Texte können uns auf eine falsche Spur führen. Wir dürfen, wenn wir uns mit diesem Text beschäftigen, die Grundlage des Evangeliums nie vergessen, denn im Evangelium von Jesus Christus wird uns gezeigt und deutlich gemacht, was Jesus für uns auf sich genommen hat und was Gott für uns getan hat.
Vergiss, wenn du über diese drei harten Anforderungen der Nachfolge Jesu nachdenkst: Im Evangelium sehen wir, was Gott für uns getan hat. Christus hat die Herrlichkeit beim Vater verlassen, und er ist für unsere Sünden gestorben. Er hat sein Blut für uns vergossen, er hat den höchstmöglichen Preis bezahlt, damit wir Erlösung bekommen. Und diese Erlösung, und das vergiss niemals, diese Erlösung ist frei, komplett ein Geschenk der Gnade Gottes, umsonst.
Wie werde ich also ein Jünger Jesu? Sicher nicht, indem ich versuche, meine Erlösung zum Beispiel durch das Halten dieser drei Anforderungen zu bezahlen. Denn die Erlösung ist ein Geschenk, es ist Gnade. Ein Geschenk ist ein Geschenk, und ein Geschenk bezahle ich nicht. Ich habe meinen Eltern nie die Weihnachtsgeschenke, die sie mir geschenkt haben, bezahlt. Auf die Idee wäre ich auch nie gekommen.
Paulus schreibt, wir kennen den Vers, aber lasst es uns in unseren Herzen tief verankern: Paulus schreibt, denn aus Gnade seid ihr errettet, preis dem Herrn, durch Glauben, das nicht aus euch, was ist es? Gottes Gabe ist es, Gottes Geschenk, nicht aus Werken, damit sich niemand rühme.
Also, wenn wir über diese Forderungen Jesu der Jüngerschaft sprechen, dürfen wir niemals die Basis vergessen, auf der wir stehen hinsichtlich unserer Rechtfertigung vor Gott. Es ist ein Geschenk, vollkommen umsonst. Wir können es nicht bezahlen. Es ist ein Geschenk, und weil es ein Geschenk ist, bezahlen wir es nicht. Und zum anderen, und das müssen wir auch festhalten, selbst wenn wir es bezahlen sollten, wir könnten es gar nicht bezahlen. Wir haben gar nicht die Mittel dazu. Denn was soll ich denn bringen, dass das in der Währung Gottes akzeptiert wird, um meine Schuld zu bezahlen? Ich habe nicht die Mittel dazu, ich habe einfach nicht die Kohle, wenn du es mal überträgst. Ich kann es nicht bezahlen, weil alles, was ich bringe, niemals ausreichen wird. Mein Konto vor Gott ist ohne Christus hoffnungslos im Negativbereich, hoffnungslos.
Das Problem ist, es gibt keine Bank, die mir einen Kredit gibt. Wenn ich hingehe, sie würden es mir nicht geben, weil, wenn sie mir etwas geben würden, es nicht ausreichen würde. Ich kann meine Erlösung nicht bezahlen, auch nicht, wenn ich meine Eltern hasse, mein Kreuz trage und meinen irdischen Besitz aufgebe. Das würde niemals reichen.
Also, wenn wir jetzt lesen, dass ein Jünger seine Familie hasst, sein Kreuz trägt und all seinen Besitz aufgibt, dann sind dies nicht Bedingungen, um Christ zu werden. Nein, das ist der Glaube allein. Johannes 3,36. Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Johannes 6,40. Das ist aber der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben hat, und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag. Das bringt in dir ein großes Halleluja hervor. Preis Gott, ich brauche nichts bezahlen, es ist vollbracht am Kreuz von Golgatha.
Das heißt, in diesem Abschnitt sagt uns Jesus nicht, wie wir ein Jünger werden. Wenn das die Voraussetzungen wären, dann gäbe es keine Christen auf dieser Welt. Nein, es geht hier vielmehr darum, was einen Jünger auszeichnet und woran wir erkennen, ob wir wirklich Jünger Jesu sind. Wir sehen hier, was ein Jünger tut, zu halten, zu leben, was Gott gerne möchte. Diese Worte machen uns deutlich, dass in der Folge der Errettung, die vollkommen frei ist, etwas von uns gefordert wird, was wir auch Heiligung nennen: Christus ähnlicher werden.
Dieser Text macht klar, wie sich unsere Rettung, unser Heil, auf unser Leben auswirkt, wie wir, wie wir gestern gehört haben, Frucht bringen können. Er zeigt uns die Folgen, die die Jüngerschaft für unser Leben mit sich bringt, zu leben, wie Gott es gerne möchte. Jesus macht hier noch etwas weiteres deutlich. Er zeigt klar und ohne Umschweife, und da bin ich ihm so von Herzen dankbar, wir haben gestern darüber gesprochen, dass als Saulus berufen wurde, er Gott dem Ananias schon sagte, was den Saulus erwartet: Er wird um meines Namens willen viel leiden. Klartext von vornherein.
Und auch hier in der Jüngerschaftsfrage, in der Nachfolgefrage, verheimlicht uns Gott selbst nichts, sondern er konfrontiert uns gleich von Beginn an mit den Realitäten. Er ist kein Verkäufer, der uns einen Vertrag vorlegt und dann so dieses ganze Kleingedruckte da noch mit reinschiebt und hofft, dass wir unterschreiben, weil er dann wieder jemanden für sich gewonnen hat. Nein, er verbirgt uns nicht, wie hoch die Kosten der Nachfolge sind. Er redet Klartext. Und damit unterscheidet er sich sehr, sehr, sehr von vielen anderen Scharlatanen, die Nachfolger mit einer Lockvogeltaktik, wir haben es vorhin von Matthias gehört, gewinnen wollen.
Er weiß nämlich um die Gefahr des Namenchristentums. Es ist nämlich möglich, dass man sich ein Christ nennt und von Christus doch nicht gekannt wird, wie uns in der Bergpredigt Jesus selbst sehr deutlich macht. Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun, handeln, leben, den Willen meines Vaters tun im Himmel.
Also, Jesus spricht mit diesen Worten und erinnert uns an das Wesen eines Jüngers, so dass wir auch an diesem Morgen unsere Herzen prüfen, ob wir tatsächlich in den Wegen Gottes wandeln, lehret sie halten. Schauen wir uns nun diese drei Zeichen der Nachfolge an.
Die erste Priorität: Christus über allem
Erstens muss Jesus dir wichtiger sein als jeder andere Mensch. Vers 26: Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und seine Mutter, seine Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein.
Das ist wirklich eine markante Aussage. Wir müssen diesen Text natürlich im Kontext anderer Bibelstellen sehen. Ich habe es eben schon einleitend angedeutet: In Matthäus 15,4 weist Jesus die Pharisäer zurecht, weil sie Vater und Mutter nicht ehrten. Jesus hat auch gesagt, dass er nicht gekommen ist, das Gesetz aufzulösen, sondern es zu erfüllen. Und im Gesetz steht: Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir geben wird.
Paulus schreibt, wie ältere Frauen in der Gemeinde die Jüngeren anleiten sollen, was sie tun sollen, ihre Männer und Kinder zu lieben. In Kolosser 3,19 finden wir diese Worte: Ihr Männer, liebt eure Frauen und seid nicht bitter gegen sie. Wenn du nun hier als Ehemann sitzt und die Worte liest: Wenn jemand nicht hasst seinen Vater, seine Mutter, seine Frau und Kinder, und du denkst, jetzt habe ich ja mal endlich ein Argument, dann sage ich dir gleich: Du bist auf dem Holzweg, mein Lieber!
Ihr Männer, liebt eure Frauen und seid nicht bitter gegen sie. Ja, du sollst deine Frau sogar so lieben, wie Christus die Gemeinde geliebt hat. Was hat er gemacht? Er hat sich selbst hingegeben für sie. Ja, was denn jetzt?
Jesus sagt nicht, dass die Beziehung zwischen Christen und ihren Familienmitgliedern schlecht sein muss. Er meint nicht, dass wir unserem Ehepartner und unseren Kindern mit Geringschätzung begegnen sollen. Nein, das meint er nicht. Was er meint, ist, dass er eine Loyalität zu ihm erwartet, die jede menschliche Beziehung übersteigt.
Selbst solche Beziehungen mit Menschen, die uns am nächsten stehen – Frau, Kind, Eltern – unsere Hingabe zu ihm soll nicht durch unsere Verantwortung anderen gegenüber eingeschränkt werden, auch wenn es sich dabei um unseren Vater, unsere Mutter, unseren Ehemann oder unsere Ehefrau handelt. Wir sind zu einer vollkommenen und absoluten Treue zu Jesus gerufen. Lehrt sie zu halten, was ich euch gelehrt habe, und das hat Jesus uns gelehrt, exemplarisch an diesem Beispiel.
Wenn Jesus also sagt, du kannst deine Familie nicht lieben und gleichzeitig mein Jünger sein, dann will er sagen: Du kannst deine Familie nicht mehr lieben als mich und gleichzeitig mein Jünger sein. Oder um es positiv auszudrücken: Wir müssen ihn mehr lieben als jeden anderen. Er muss wichtiger sein als dein Baby. Er muss dir bedeutender sein als deine Braut. Er muss noch vor deinem Mann stehen.
Viele von uns wissen, was das bedeutet. Du bist in einer Familie, die mit Jesus nichts zu tun haben möchte, und nun zum Glauben gekommen. Viele von uns wissen, wie es sich anfühlt, auf Familienfesten schief angesehen zu werden und als religiöse Spinne abgestempelt zu werden. Für einige ist dies ein täglicher Kampf, weil der Ehepartner den Weg ohne Gott geht und jedes Mal, wenn du am Frühstückstisch deine Bibel neben dir liegen hast, dein Mann wieder ausflipt. Aber du bleibst treu in der Nachfolge.
Viele von uns wissen, wie es sich anfühlt, wenn Eltern sich entfernt haben, weil wir glauben. Jacey Riley hat in seinem Kommentar zu dieser Textstelle Folgendes gesagt: Die Erfahrung sowohl in der Gemeinde als auch in der Familie und auf dem Missionsfeld zeigt, dass der größte Feind der Seele eines Menschen oft aus der eigenen Verwandtschaft stammt. Ungläubige Väter können es nicht ertragen, dass ihre Söhne von Gott sprechen. Weltliche Mütter ärgern sich, dass ihre Töchter die Heiterkeit der Welt ablehnen. Ein Zusammenprall zweier Welten findet statt, wenn die Gnade Gottes in das Herz eines Familienmitglieds Einzug hält. Dann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ein wahrer Christ sich an diese Worte Jesu erinnert und bereit ist, seiner Familie entgegenzutreten, statt sich gegen Jesus zu wenden.
Jesus spricht in diesem Abschnitt darüber, dass er also sogar Vorrang vor seiner Familie hat. Es bezieht sich nicht nur auf Konstellationen, in denen die Familie gegen Gott eingestellt ist, nein, es bezieht sich auch auf Konstellationen, in denen die Familie mit Gott lebt. Manch ein Kind wird vergöttert, manch ein Ehepartner angebetet. Ich habe das schon erlebt in manch einem Seelsorgegespräch. Manch eine schlaflose Nacht wird gegrübelt, weil die Liebe zur Familie und damit die Sorgen um die Familie wichtiger geworden sind als Jesus.
Insofern sind wir alle gefragt. Was heißt es, Christus zu folgen, seine Gebote zu halten? Jesus sagt: Meine Jünger lieben mich mehr als jeden anderen, ohne damit eine Wertschätzung der Familie in Frage zu stellen.
Der Preis der Nachfolge und der innere Kampf
Zweitens: Wenn du mir folgst, kostet es etwas. Vers 27: Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachkommt, der kann nicht mein Jünger sein.
Ja, was heißt das denn jetzt? Zuerst einmal heißt es mit Sicherheit nicht, dass wir das Kreuz Jesu tragen sollen, denn das Kreuz Jesu kann nur Jesus tragen. Es gibt nur ein Opfer, das ausreicht für die Sünden derer, die gerettet werden, und das ist das Opfer unseres Herrn Jesus Christus. In dieser Hinsicht ist also nicht gemeint, ein Kreuz zu tragen.
Was meint Jesus denn, wenn er sagt, dass wir unser Kreuz tragen sollen? Jesus, denke ich, meint, dass er uns so wertvoll sein soll, dass wir bereit sind, alles für ihn zu ertragen.
Wir haben es in diesen Tagen hier und dort schon erwähnt: Die Nachfolge ist nicht einfach und immer nur süß und schön, ein Spaziergang am Strand mit Sonnenuntergang. Jüngerschaft ist kein Rosenbett, auch keine Kreuzfahrt, sondern ein Kampf. Damit will ich nicht die Freude minimieren, die die Nachfolge mit sich bringt, und die Erfüllung, die wir durch die Nachfolge Christi erleben, absolut gar nicht. Es ist das Schönste, Jesus zu folgen, ein Leben mit ihm zu führen und eine Erfüllung zu erleben, die dir nichts auf dieser Welt geben kann. Aber doch ist es ein Weg, der nicht einfach ist. Es ist ein Kampf.
Und ich finde es klasse, dass Jesus das vorneweg gleich so sagt: Du musst ein Kreuz auf dich nehmen. Wenn du mir folgst, dann kostet es etwas. Du wirst auf die Probe gestellt werden, du wirst versucht werden, es wird dir etwas abverlangen, Christi Gebote zu halten. Das geht schon mit dem inneren Kampf los, der sich sofort einstellt in dem Moment, wo du Christus folgst. Es ist ein Kampf, der im Herzen stattfindet. Ein Krieg bricht aus, den du vorher nie gekannt hast.
Du hast bis zu deiner Bekehrung in dem System der Sünde gelebt und hast es genossen. Du hast ja noch nicht einmal ein schlechtes Gewissen gehabt, sondern hast alle sinnlichen Erfahrungen nur so aufgesogen. Aber in dem Moment, wo die Nachfolge beginnt, fängt tatsächlich ein Kampf an, in uns zu toben, zwischen dem alten und dem neuen Menschen. Früher gab es diesen Kampf nicht, da sind wir einfach unseren Begierden gefolgt. Aber als Jesus in unser Herz einzog, bekamen wir eine neue Natur, die Gottes Willen tun will. Doch die alte Natur ist noch da, und sie begehrt gegen die neue auf.
Wer mir nachfolgen will, der muss sein Kreuz tragen. Und dieses Christusnachfolgen, dieser Kampf, der plötzlich in deiner Seele anfängt zu toben, der ist manchmal hart. Paulus beschreibt diesen Kampf der beiden Naturen in Römer Kapitel sieben. Er schreibt dort ab Vers 21: Ich finde also das Gesetz vor, wonach mir, der ich das Gute tun will, das Böse anhängt. Denn ich habe Lust an dem Gesetz Gottes nach dem inneren Menschen, ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das gegen das Gesetz meiner Gesinnung streitet und mich gefangen nimmt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern streitet. Und dann ruft er aus: Ich elender Mensch, wer will mich erlösen? Wer wird mich erlösen von diesem Todesleid?
Galater 5,17: Denn das Fleisch gelüstet gegen den Geist und der Geist gegen das Fleisch, und diese widerstreben einander, so dass ihr nicht das tut, was ihr wollt. Es ist also ein Kampf.
Ich glaube, ein Kennzeichen wahrer Jüngerschaft ist, und das ist die Frage, die wir uns alle stellen müssen: Kennst du so einen Kampf? Oder hat sich im Prinzip nicht viel verändert, seitdem du bekennst, du folgst Christus nach? Kann es sein, wenn du diesen Kampf noch nie gekannt hast und noch nie kennst und du dich jetzt fragst, worüber redet der denn da vorne eigentlich, kann es sein, dass du eventuell eher unter diese Kategorie der Namenchristen fällst, statt ein echter Nachfolger Jesu zu sein, der sein Kreuz auf sich nimmt, das Kreuz dieses täglichen Kampfes gegen die Begierden des Herzens?
Preis Gott! Wir sind ja nicht auf verlorenem Posten, wenn es um diese Frage des Kampfes gegen die innewohnende Sünde geht, sondern Gott hat uns seinen Geist gegeben, der uns Kraft gibt, in diesem Kampf zu bestehen. Er hat uns sein Wort gegeben, er hat uns Geschwister gegeben, die uns helfen auf dieser Pilgerreise zum himmlischen Jerusalem. Aber es ist ein Kampf, der in uns tobt.
Es kann auf verschiedensten Gebieten dieser Kampf sein. Du kennst dein Herz selbst. Es ist der Kampf gegen den Stolz, Kampf gegen Neid, Kampf gegen Eifersucht, Kampf gegen Unmoral, Kampf gegen Gier, was immer es bei dir auch ist.
Nochmal J. C. Reilly: Lasst uns niemals vergessen, dass echtes Christsein etwas kostet. Als Namenchrist zur Kirche zu gehen, ist einfach und billig. Aber die Stimme Christi zu hören und ihm zu folgen und ihm zu glauben und ihn zu bekennen, erfordert Selbstaufgabe. Es wird uns unsere Sünden kosten, unsere Selbstgerechtigkeit, unsere Bequemlichkeit und unsere Weltlichkeit. All das muss aufgegeben werden. Wir müssen gegen einen Feind kämpfen, der mit 20 Mann gegen uns gerichtet ist. Wir müssen einen Turm in schweren Zeiten bauen. Unser Herr Jesus Christus möchte, dass wir das durch und durch verstehen und die Kosten überschlagen.
Die letzte Predigt nachher, die macht uns dann richtig Mut, dass wir da nicht allein sind. Aber es ist dieser Kampf, genau diese beiden Illustrationen von dem Kriegsheer mit zwanzigtausend Mann gegen uns und von dem Turm benutzt Jesus hier. Da ist jemand, der einen Turm baut, ihn aber nicht beenden kann, weil die Kosten zu hoch sind. Solche Bauwerke gibt es überall, besonders in Berlin. Hamburg hat eine wunderbare Elbphilharmonie, und sie ist fertig geworden. Ich war letztens selbst da mit meiner Frau und meiner Tochter, wunderschöne Halle. Man beginnt und kommt nicht zum Ende, und man wird zum Gespött der Nation. Die Kosten sind aus dem Ruder gelaufen.
Das andere Bild, das Jesus hier als Bild benutzt, ist das Bild des Krieges. Welcher König geht mit zehntausend Mann in den Krieg gegen zwanzigtausend Mann? Er ist dumm, weil er gegen den Feind nicht ankommt.
Die Botschaft also lautet: Überschlage die Kosten der Nachfolge. Warum sagt Jesus das? Will er uns abhalten, Christ zu werden? Oh nein, nein, nein, nein. Er will damit nicht das Tor enger machen, was sowieso schon eng ist. Er will uns nicht entmutigen, im Glauben zu ihm zu kommen, sondern er sagt uns etwas absolut Ehrliches und Richtiges. Er sagt uns, was es wirklich bedeutet, Jünger zu sein, was es heißt, seine Gebote zu halten. Er will seine Nachfolger davon abhalten, ihm nur oberflächlich zu folgen, denn nichts schadet dem christlichen Glauben mehr als Namenschristen. Das ist eine Warnung und auch eine Gelegenheit, uns heute Morgen zu prüfen.
Besitz, wahre Sicherheit und der letzte Maßstab
Also erstens: Jesus muss wichtiger sein als jeder andere Mensch, zweitens: Die Nachfolge kostet etwas, und drittens: Jesus muss wichtiger sein als unser Besitz.
Wir sind bei der Frage, wie man seine Gebote hält, exemplarisch bei diesen drei Punkten. Und dazu gehört auch der Besitz. Jesus sagt in Vers 33: So kann auch keiner von euch mein Jünger sein, der nicht allem entsagt, was er hat. Hier spricht Jesus unseren Besitz an, der ganz schnell in unserem Herzen den ersten Platz einnehmen kann.
Bedeutet das, dass ein Christ keinen Besitz haben darf? Nein, das bedeutet es nicht. Auch hier, denke ich, will Jesus sagen, dass er bedeutender sein will als unser Besitz. Wir müssen bereit sein, alles zu geben, egal ob er uns auffordert oder ob er uns nicht auffordert, unseren Besitz aufzugeben. Materialismus soll uns nicht regieren, sondern unser Herr Jesus Christus. Unser Besitz und Eigentum muss sich seinen Absichten in unserem Leben unterstellen.
Das Problem mit dem Besitz ist: Er will uns in die Irre führen. Wir glauben nämlich, dass Geld uns glücklich macht. Kennst du das? Natürlich nicht. Besitz, denken wir, macht uns wichtig vor anderen. Besitz gibt uns auch Sicherheit. Wenn deine Einzahlungen in dein Rentenkonto gut sind, fühlst du dich sicher, gewappnet. Die Frage ist: Ist das wirklich so mit dem Besitz?
Und da steht der Besitz schnell in Konkurrenz zu Gott und zu Christus, weil wir sehen: Jesus will unsere Sicherheit sein. Der Besitz streitet damit. Jesus will unsere Identität sein, der Besitz streitet dagegen.
Am 26. November 1922 hat Howard Carter archäologische Geschichte geschrieben. Er entdeckte das Grab von Tutanchamun im Tal der Könige in Ägypten. Große Geschichte. Der Fund war absolut außergewöhnlich, weil man dort im Grab die meisten Schätze fand, die bei dem Tod dieses Mannes mit in das Grab hineingelegt wurden. Es war voller wertvoller Güter, unglaublich! Da waren vergoldete Figuren, Streitwagen, Throne, alles, was man so als Leben eines Königs nach dem Tod noch braucht.
Aber in Wirklichkeit war dieser Tutanchamun ein Narr. Er glaubte, er könne alles behalten, was ihm wichtig war. Dabei hatte er selbst die Grabkammer schon lange verlassen, aber der Schatz war noch da.
Ich hatte jetzt kürzlich ein Gespräch mit einem Fabrikanten in Hamburg, und wir sprachen über seine Fabrikanlage. Dann erzählte er mir, wie unheimlich das Unternehmen in den letzten Jahren gewachsen ist, so ein richtiger hanseatischer Kaufmann. Es war faszinierend zu hören, mit welchem Geschick er dieses Familienunternehmen leitet, mit zweihundert Mitarbeitern.
Dann erzählte er mir: Ja, Herr Weghert, also hier sind meine Produktionslinien, meine Produktion. Aber wir produzieren immer sechs bis acht Wochen im Voraus. Und wir lagern das Vorausproduzierte in einer Lagerhalle. Und wissen Sie, die ist auf der anderen Seite der Straße.
Ich sage: Warum ist die denn auf der anderen Seite der Straße? Ja, sagt er, wenn es mal brennt, dann brennt höchstens das Lager, und die Flammen, und das ist wirklich seine Argumentation, die schlagen nicht rüber. Ich kann also weiter produzieren im Falle eines Brandes. Wenn aber meine Produktion brennt, dann kann ich noch sechs bis acht Wochen weiter verkaufen, weil ich ja das Lager habe. Verstehen wir?
Der Mann hat seine ganze Geschäftsstrategie, und es ist bestimmt gut, wenn man auch mit Vorsicht waltet. Aber ich merkte, wie er diesen Katastrophenfall durchdachte, um bloß nicht von seinem Geschäft zu verlieren. Dann natürlich dieses obligatorische Drama auf Holz klopfen und dann diese drei Worte sagen, und dann hoffentlich geht alles gut.
Wir kennen aus dem Lukasevangelium diese Geschichte von dem reichen Mann, der sagt, ich will meine Scheunen abbrechen, aufgrund seines Erfolges größere bauen und will darin alles, was mir gewachsen ist, meine Güter aufspeichern. Ich will zu meiner Seele sagen: Seele, du hast einen großen Vorrat auf viele Jahre. Habe nun Ruhe, iss, trink und sei guten Mutes. Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr, in dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern. So geht es dem, sagt Jesus, der für sich selbst Schätze sammelt und nicht reich ist für Gott.
Ich glaube schon, dass Lehren zu halten, auch Lehren zu halten in unserer modernen westlichen Welt, bedeuten muss, darf, kann, dass wir uns Gedanken über unseren Besitz machen und dass wir uns an den wahren Reichtum erinnern, der bei Christus zu finden ist.
2. Korinther 8,9. Lass mal diesen Vers auf dich wirken im Hinblick auf dieses Thema. Paulus schreibt: Denn ihr kennt ja die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, dass er, obwohl er reich war, um euretwillen arm wurde. Wozu? Damit ihr durch seine Armut reich würdet.
Was für ein Angebot, was für ein Geschenk! Wenn wir Reichtum mit Materialismus gleichsetzen, dann sind wir immer arm, weil es immer jemanden gibt, der mehr hat als wir. Im Vergleich zu anderen stehst du mehr oder weniger mit weniger da. Es ist immer jemand da, der mehr hat.
Wenn wir aber unseren Reichtum nicht anhand unseres Besitzes messen, sondern durch das, was Jesus am Kreuz für uns getan hat, nämlich dass er den Zorn Gottes befriedigt hat, dass er unsere Sünden gesühnt hat, was dir kein Mensch mit Geld bezahlen kann, dass er unsere Seele erlöst, dann hast du echten Reichtum.
Die Gnade veranlasste Christus, arm zu werden, so dass wir reich werden würden. Wenn dieses Evangelium in unseren Herzen groß wird, dann werden Neid und Eifersucht sehr klein.
Was sagt uns Jesus hinsichtlich des Haltens seiner Gebote? Er sagt dir, er sagt mir: Gib mir nicht nur dein Herz, ich will alles von dir. Du sollst mich mehr lieben als deine Familie, du sollst bereit sein, in den Kampf zu ziehen gegen die Sünde, die in dir wohnt, und du sollst die Kosten überschlagen und dabei den wahren Reichtum, wahre Erfüllung in mir, Christus, finden.
Wenn Jesus nicht der Sohn Gottes wäre, dann wären seine Worte, die er hier an uns richtet, arrogant und überheblich: Gib alles auf, liebe mich mehr als alle anderen. Aber er ist der Sohn Gottes, er ist König der Könige, er ist Gott, er ist hoch erhaben, er ist unser Herr und Heiland, dem wir von ganzem Herzen nachfolgen wollen. Und seine Gebote sind gut und geben unserem Leben Perspektive.
Möge Gott uns helfen, dass wir so unser Leben führen. Amen.
Gebet und Schluss
Lasst uns beten.
Wir preisen dich, Herr Jesus, dass du uns nicht nur imperative Befehle und Aufforderungen gibst, die wir aus eigener Kraft nicht in der Lage sind, zu befolgen, sondern dass du das Ganze auf dein wunderbares Evangelium gründest. Dieses sagt uns, dass du alles für uns getan hast: gerechtgesprochen durch den Glauben an dich, Vergebung unserer Sünden erlangt.
Herr, wir preisen dich an diesem Morgen für diese unendliche Gnade. Wir, die wir einst Feinde waren, sind nun Freunde geworden, deine Kinder, adoptiert und aufgenommen in dein Reich, in deine Familie.
Nun dürfen wir dir folgen, Herr. Und wir bekennen, dass auch dieses Folgen nicht aus eigener Kraft geht, sondern dass du uns die Kraft dazu gibst. So bete ich für uns, Herr, dass du unsere Herzen überprüfst, dass wir unsere Herzen überprüfen, und dass du uns hilfst, dass wir Wertschätzung, mehr Wertschätzung als alles andere, haben, sodass wir wahren Reichtum in dir finden.
Ich segne meine Geschwister hier. Ich bete für mein Leben. Danke für deine Hilfe, die du uns zusagst.
Amen, Amen.

